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Jüdische Rundschau · 1936-06-04 · Heft 44-45 (4.6.1936) · page 20

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 44-45 (4.6.1936)
Date
1936-06-04
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Sotto 20 JÜDISCHE RUNDSCHAU ffr 44/45, 4. Vt 17» JasÜxral Dr. Julias Blau, Frankturt-M. 75 Jahre Am 31. Mai beging der Vorsitzende des Vorstandes der Gemeinde Frankfurt am Main, Justizrat Dr. Julius Blau, seinen 75. Geburtstag. Außer seiner eigenen Gemeinde, für die er in unermüdlicher Arbeit gewirkt hat, können der Hilfs verein der Juden in Deutschland, der Preußische Landesverband jüdischer Geme inden, die Konferenzgemein sc haftderOroßg e in e i n d e n und der Organisationsausschuß der Reichsvertretung Justizrat Dr. Blau zu ihren maßgebenden Persönlichkeiten zahlen. Eine solche gestaltende Tätigkeit iti den Kreisen, die das Leben der judenheit Deutschlands niithestimmcn, hat Justizrat Blau zum Mitglied in einer Reihe von Organisationen werden lassen, die als Träger der Entwicklung der Judenheit in der Welt zu gelten haben. Die jewish Colonisation Association (lea), die Palestine Jewish Colonisation Association, die Hiccm, deren Vorsitz er innehat und die um die Auswanderung von Juden bemüht ist, die Jewish Agency und der Keren Hajessod, denen Julius Blau ungeachtet ideologischer Differenzen schon zu einer Zeit seine Persönlichkeit zur Verfügung stellte, als die Bedcutung unserer Arbeit in Palästina noch nicht so allgemein anerkannt wurde wie heute — sie alle haben Julius Blau zu danken für Rat und Tat. 1 Die allgemeine Verehrung, die man ihm entgegenbringt, gilt seiiier Ruhe und Ueberiegeuheit ebensosehr wie seinem Glauben an die großen Werte des Judentums. Unser Wunsch ist, daß es dem Jubilar noch lange Jahre vergönnt sein möge, seine reiche Arbeitskraft in den Dienst jüdischer Aufgaben zu stellen. Prof. Dr. Heinemann-Breslaa 60 Jahre Am 5. Juni begeht der Dozent am Breslauer Rabbiner- Seminar und Herausgeber der Monatsschrift der Gesellschaft für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, Prof. Dr. isaak 11 e i 11 e!11 a n n, seinen 60. Geburtstag. Aus Frankfurt stammend, wo er 1S97 das Gymnasium absolvierte, studierte er in Straßburg, Güttingen und Berlin klassische Altertumswissenschaft. Sein Vater, Dr. Heinrich 1 Icinemann, der □imidajan der Frankfurter Gemeinde war, unterwies ihn schon in früher Jugend in den jüdischen Fächern. Nach Ablegung «1er erforderlichen pädagogischen Examina und nach seiner Promotion durch die Dissertation ״Studia SoioiHw‘ hei Wiiatuow itz-Moellendorff übernahm der Jubilar die Leitung der von seinem Vater gegründeten I’iivaischule in Frankfurt, in seiner Frankfurter Zeit widmete er sich der Erforschung jüdisch-hellenistischer Literatur und vorfaßte die in den ,,Schriften der jüdisch-hellenistischen Literatur“, von Prof. Dr. Leopold Hohn begonnene Philoübersetzung mit und gab sie heran■•. Wissenschaftliche Arbeiten steuerte er im ״Hermes“, Zeitschrift für klassische Philologie, und in der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums bei. Im Jahre 1919 wurde er an das Breslauer Rabbiner- Seminar berufen und übernahm 1921 die Schriftleitung der ,Monatsschrift der Gesellschaft für Geschichte und Wissenschaft des Judentums nach dem Tode von Prof. Dr. Braun. Im selben Jahre folgte die Herausgabe des ersten Teils von I*0seido11i0s’ metaphysischen Schriften, der zweite erschien 1928. ln den wissenschaftlichen Beilagen zu den Jahresberichten des Rabbinerseminars erschienen von ihm: 1021 ״Die griechische Quelle der Weisheit Salomos1025 ,״ ,.Die!.ehre von der Zweckbcstimmung des Menschen im griechisch-römischen Altertum und im jüdischen Mittelalter“. 1929 erschien in der Fest- Schrift anläßlich des 75jährigen Bestehens des Breslauer Rabbinerseminars der erste Teil seines dreiteiligen Werkes ,,Phiions griechische und jüdische Bildung“, im gleichen Jahre der zweite Teil als Scminarberichtsbcilagc, 1932 lag das Oesamtwerk vor. Seine neueste Arbeit erschien in diesem Jahre über ״Altjüdische Allcgoristik“. Zu erwähnen sind noch seine wissenschaftlichen Beiträue in der Pauly-Wissowaschen ״Realen/.vklopädie der klassischen Altertumswissenschaft“. Im Jahre 102S war der Jubilar als Honorarprofessor für hellenistische Kultur an die BrcHauer Universität berufen worden. Mit der Breslauer Jüdischen Gemeinde und mit den Institulionen,;111 denen sieh Prof 1 leinemann beteiligt, wünschen ihm w eiteste Kreise noch reiht langes Schaffen, und Wirken für die jüdische Wissenschaft. Fritz Günter Nathan Generalmusikdirektor Josef Rosen stock ist für zwei fahre an das New Symphonie Orchestra in Tokio, das erste Orchester Japans, als ständiger Dirigent berufen worden. IN ALLER KURZE In einer Anordnung des Präsidenten der Reichspresse- Kammer zum Schutze des Berufes der deutschen Presse- Stenographen wird u. a. bestimmt, daß der Berufsausübende die für seine Tätigkeit erforderliche Zuverlässigkeit und Eignung gemäß § 10 der Ersten Verordnung zur Durchführung des Reichskulturkammergesetzes besitzen muß. In Erfüllung dieser Bestimmung hat er insbesondere für sich und seine Ehefrau den Nachweis der Abstammung von Vorfahren deutschen oder artverwandten Blutes bis zum Jahre 1800 zu erbringen. 14a der Zutritt zu den städtischen Luft - und Strandbädern in Frankfurt a. M. fortan mir noch Ariern gestattet ist, hat der Frankfurter Oberbiirger“׳“H<־r das Strandbad Niederrad den Mitgliedern der b ״ Vt Frankfurter Gemeinden, den jüdischen Schulen und S!.tvereiiien zur Benutzung freigegeben. Der Verlag S. Fischer, Berlin, teilt im Buchhändler- Börsenblatt mit, daß im Zuge von Maßnahmen, die einen Wechsel im Besitz des Verlages 711m Zic! hätten, das Stimmrecht sämtlicher Aktien auf den Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Rechtsanwalt Sarre, und das Vorstandsmitglied S 11 h rk a m p übertragen worden sei. Die Aktienbesitzer hätten damit auf jedes Einflußrecht im Verlag verzichtet. Dr. G. Hermann sei als Vorstandsmitglied zurückgetreten und damit aus dem Verlag ausgeschieden, die alleinige Geschäftsleitung habe das bisherige Vorstandsmitglied Suhrkamp übernommen. Die Firma Seiden- und Modehaus Strauß & Mayer, Darmstadt, ging in arische Hände über. Das polnische Regierungsorgan ״Oazetta Polska“ hat einen warmempfundenen Nachruf für Naluim Sokolow veröffentlicht. Am 29. Mai hielt der Stanislauer Gymnasialprofessor Mark Asch im polnischen Rundfunk einen dem Andenken Marschall Josef Pilsudskis gewidmeten Vortrag in hebräischer Sprache. Auf einer Plenarversammlung des Zentralkomitees des Kultur- und Sehulverbandes T a r b u t ist nach einem Referat von Direktor Rosenheck einstimmig beschlossen worden, in Warschau ein hebräisches ״Sokolo wQymnasiura“ zu gründen. im Alter von 76 Jahren ist in Oradea Mare (Großwardcin-Transylvanien) der Wischnitzer Rabbi Israel Hager nach kurzer Krankheit gestorben. Am 2. Juni wurde in Antwerpen die Neuwahl des Oberrabbiners an Steile des als Oberrabbiner vor einiger Zeit nach Tel-Awiw berufenen Rabbi Amiel vorgenommen. Als einziger Kandidat figurierte der Misrachiführer Rabbi Samuel B r o d t aus Tomaszow. Sir Elly Kadoorie hat nach einer Meldung des ״Berliner Tageblatt“ vom 30. Mai dem Negus sein Londoner Haus zur Verfügung gestellt. Dieses Haus, das seinerzeit auch von König Feisal vom Irak benutzt wurde, befindet sicli in der gleichen Straße wie die abcssinisclie Gesandtschaft. Auf der in Edinburgh abgehaltenen Hauptversammlung der Kirche von Schottland richtete einer der Führer der schottischen Kirche, Dr. James Black, einen Appc'l an die Teilnehmer zugunsten seiner ״bedrängten jüdischen Brüder“. Die Versammlung faßte einstimmig eine Fnfsch'ießung, in der die Christenheit in Schottland aufgefordert wird, ״ihren Sinn von jedem antijüdischeri Vorurteil freizumachen“. Für die gesamte Kirche wurde ein besonderer Bittag für die Judenheit proklamiert. Im Rahmen einer eindrucksvollen Feierlichkeit ist am 24. Mai im Central-Park in New York von der zionistisehen Frauenorganisation Hadassah eine Ulme auf den Namen von Miß Henrietta Szold, der Gründerin und ersten Präsidentin der Hadassah, gepflanzt worden. Christliche Amerikaner für jüdische Palästina-Arbeit Eine Abordnung christlich-amerikanischer Führer, an deren Spitze der protestantische Bischof von Washington, J)r. James Edward F r i e m a 11, stand, ist beim englischen Botschafter in Washington, Sir Renald Lindsay, erschienen, um ihm eine Petition zugunsten der Juden in Palästina zu überreichen. In der Petition wird zum Ausdruck gebracht, daß die aufgeklärte christliche öffentliche Meinung Amerikas für die Begünstigung einer stärkeren jüdischen Einwanderung nach Palästina eintritt. Ferner wird die Notwendigkeit einer klaren und entschiedenen Politik seitens der englischen Regierung und der Durchführung der Bestimmungen des Palästina-Mandats betont. (Palcor.) Aus dem Reich Von unsersn fliricht»rst»H*r# DarmiUdt, Am 18. Mai sprach Georg Guthmann über ״PaliiS• netMsche Siedlung-formcn“. Dresden. Der au.q!z! iihnele Dresdener Musiker Walter Goldman» hat sich den In-gablen, jungen Pianisten Siegfried Sonnenschein za einem ttvfilH! eingespielten Partner hcrangeschult, »o daß beide an zwei Flügeln gemeinsam schwierigste Werke aufführen kann!eil. Sie bewältigten Max Rogers ״Variationen uml_ Fuge über ein Thema von Beethoven“ und nueh das C-Moli-Konzcrt von Job. Seb. Bach brachten sie in ollem Stil zu Gehör. Einen besonderen Genuß bereiteten die Bearbeitungen Mozartseher Musik von Busoni. Die Altistin Herta Mautner-Falk vermittelte durch Lieder von Tsehaikowsky, Jose r Marx und Rieh. Strauß mit ihrer warm tirnbrirrten Stimme schöne lyrische Stimmungen. Eröffnet wurde der Abend durch den früheren Dresdener Staatstheatcrschanspieler Siegfried Lewinsky, der drei Dichtungen von Bialik sprach, von denen ihm das melancholisch-gchciinnisrcichc ״Nach meinem Tode“ besonders eindrucksvoll gelang. ״Segen des Volkes“ (״Birkat Am“) wirkte auch stark in der deutschen fJcbcrsctzung mit seinen begeisterten Rhuinmn bis zum letzten ״Empor!“ E. B. Stuttgart. Am 2. Mai sprach Ernst Bauer im Jüdischen Lehrhaus über: ״Aufgabe und Struktur «1er jüdischen Jugend“. Am 4. Mai veranstaltete die ZOG. gemeinsam mit dem Jdechatuz, dem Hakoah und dem Misrachi eine Kundgebung: ״Unsere Stellung m den jüngsten Ereignissen in Palästina“. Nachdem Dr. Tischler di« Kundgebung eröffnet hatte, sprach Herr Berit nger iÜT den Misrachi und Herr F r c u <1 e n 11 e i m für den Hakoah. Dr. Tänzer beleuchtete die politische Seit« des jüdisch• arabischen Problems. Anschließend hielt K. Bauer (Berlin) einen Vortrag: ״Juden- und Ar.iberlt.1ge“. — Am 18. Mai sprach Dr. Kaleko über das Thema: ..Muttersprache — Naiiomdsprache“. Der Abend war das erste öffentliche Bekenntnis der ZOG. Stuttgart und des jüdischen Lehrhau-c.« zur hebräischen Sprache. Weißenfeit. Am 5. Mai fand eine gut besuchte Versammlung statt Nach einer Ehrung der Toten in Erez Israel durch Walter Gottheil referierten Edward Lewinsohn und Manfred Hofman-n über ihre Eindrücke von Palästina. Witten. Am 16. Mai führte Herr Damidt in der neugegründeten Arbeitsgemeinschaft KKL-Bildslreifen vor. Wittlich. Am 2. Mai sprach Dr. Xeubeiger, Düsseldorf, über das Thema: ״Hilfe durch Aufbau“. Zu dem in der Synagoge atattgefundenen Vortrug war die ganze Gemeinde tu״.־:bienen. Ankündigungen Bamberg! Veranstaltung am 15. Juni. Weiße Laube, 20.30 Uhr. — Bielefeld: Zion. Ort-gruppe. Am 4. Juni spricht iin Gemeindehau«, 20.30 Ehr, Georg Guthmann. Düsseldorf, über ״Das jüdisch-arabische Problem“. — Darrnstadt: ZOG. Am 8. Juni: ״Palastina-Monataschauen“, Bcgleitvortrag: Walter Stein; am 15. Juni: ״Bilanz einer Palästina-Reise“, Lichtbilder-Vortrag: Dr. Fritz Pinkus, Heidelberg; am 22. Juni: ״Geno-scnsrhaftliehe Siedlungen und Mittelstands- Siedlungen in Erez Lrael“ (11. Abend), Gcoig Guthmann, Düsseidort; am 29. Juni: ..Palästina“. Entwicklung — Sorgen — Prognose, Bilanz zweier Studien■ ci.,en 1934 und 1936. Dr. Hans Pomeranz, Frankfurt a. M.; jeweils im Hotel ״Stadt Frankfurt“, Blciehstr. 22, 20.45 Ehr. — Düsseldorf: Wizo. Am 7. Juni Versammlung des Bezirk.««׳cubande.« Rheinland-W«^«ttaien der Wizo. Frankfurt a. M.t Zion. Vereinigung. Be-nreclmng zionistischer Tagesfragen am 4. Juni, 21 Ehr, Unterlitxlau 21. — Hamborn: ZOG. Am 9. Juni Vortrag Dr. Fritz Iktnberg, Köln. Uber ״Das jüdisch-arabische Problem“, in der Synagoge, Kai ■ -1 ri* - Ir b fr Straße. — Köln t KZV. Am 10. Juni: Gedenkstunde iür Xuhuin Sokolow. Es sprechen: Rabb. Dr. Kober Und AmUgcriehtsrnl Otto Mae. Außerdem: Oberkanlor Fletsch• mann (Gesang). Am Klavier: Julia- Goldbcig; am 11. Juni: Arbeit»- kreis. Jeweils um 20.45 Ehr, im Heim. Cäriläen-tr. lß-22. — Moerat Am 10. Juni: Vor(tag Paula Loch ״Frauenarbeit in der Galulh und in Palästina•‘. —• Stuttgart: Am 8. Juni: Vortrag Dr. Lieht, Mannheim, Turnhalle der Jüdischen Schule, Ilospitalstr. 36, über ״Weg und Ziel unsere! Bewegung“. Familien - Nachrichten Herr Julius [Icinemann, Hamburg, Holstenwall 10, begeht •M 12. Juni den 70. Geburtstag. Herr Max Ja roh y und Frau Margarete, geh. Salotnon, Nürnberg, Petzoldstr. 4, begeht 11 am 5. Juni die silberne Hochzeit. Herr M. Rosenblatt, Lamspringe, begeht am 4. Juni den 75. Geburtstag. Herr Martin Stein und Frau Jenny, geb. Arnheim, Bad Pollin, begingen am 2, Juni die Silberhochzeit. Herr Z. Weiler, Gmünder!, begeh! am 4. Juni den 88. Geburtstag. Bar Mizwah-Termine Am 20. Juni (30. Siwan): Haie, Gerd Meyer, Sohn von Paul Meyer (früher Köhl), Brüssel, 9. Avenue de Jupiter. — Leo Weil, Sohn von Arnold Weil, Köln, Bistnarckstr. 70. Der Aufruhr und dasEnde(4v.-7Ön.) Von Emil Bernhard Cohn Im Verlag Erwin Uiwe erscheint dieser Tage ein Buch von Emil Bernhard Cohn: ״Dia jüdische Geschichte. Ein Gang durch Juhrtuusetuh". Das Buch erscheint als erster Band einer Ileihe: ״Bücher der Klärung und des Winsens". Wir bringen nachstehend mit Genehmigung des Verlages ein Kapitel zum Vorabdruck. (Red.) So sah das geistige Judäa atts, als der Tod des Hcrodes das Land iti Flammen setzte. Es zeugt für die Verdienste, die der Tyrann in den Augen der Römer hatte, daß sic zunächst sein Testament respektierten und seine drei Söhne Hcrodes Antipas, Archelaus und Philippus als sog. Vierfürsten, Tetrarchen, das Reich des Vaters teilen ließen. Aber die Vicrfürsten waren der Lage in keiner Weise gewachsen, der Aufruhr war nur noch durch die Legionen zu dämpfen. So kam es, daß nicht viel später das Land von den Römern als Prov'mcia Judaea annektiert (6 n.) und künftig nur noch von römischen Landpficgcrn verwaltet wurde. Damit aber wurde der Aufruhr nur verewigt, denn die Kohorten gingen jetzt nicht mehr aus dem Lande, und ihre Anwesenheit bedeutete für das Volk eine einzige, ununterbrochene Provokation. Uehcrall die römischen Adler, die kursierenden Münzen mit dem Kopf des Kaisers, also das volle Heidentum. Dazu die Steuern, die Uebergriffc, die Gewalt, — man begreift unter solchen Umständen sofort, daß auf der einen Seite die stillen Essäer dem Volke seherisch die messianischen Prophezeiungen vom nahen Reiche des Himmels in die Ohren raunten, auf der anderen von den Pharisäern sich die neue Partei der Eiferer, der Zeloten, löste, denen unter solchen Umständen das Programm der Pharisäer nicht mehr genügte. Wieder einmal wie in Jeremias Tagen war die Zeit für den patriotischen Terrorismus reif, vor allem die Jugend strömte ihm zu. Die Pharisäer gaben dem Kaiser, was des Kaisers war, ihnen genügte vollauf die Macht, die sie im Synhedrium hatten, die plötzlich politisch gewordene Frömmigkeit der Zeloten, die auf einmal ähnlich den Sadduzäern das Vaterland über das Gesetz stellten, war ihnen verdächtig und konnte nur Unheil bringen. Die Pharisäer sahen im göttlichen Gesetze die uneinnehmbare Burg Israels; als das Land brannte, verharrten sie auf ihrer Burg, wachend und wartend, bis ihre Zeit gekommen wäre. Kaiser Augustus stirbt im Jahre 14, ihm folgt Tiberius, unter dessen Regierung Jesus von Nazareth durch den Landpfleger Pontius Pilatus gekreuzigt wird, Irrt Jahre 37 kommt Gajus Caligula ans Regiment, und Judäa erlebt eine lieberrasehung: Kaiser Gajus belehnt seinen Günstling, den hasmonäisciten!Hinzen Agrippa, mit Ju«läa und schenkt ihm dazu noch die jüdische Königskrone. Agrippa, in der Jugend liederlich, im Alter charmant, sucht das Land zu befrieden, aber es ist nur eine kurze Atempause. Caligula stellt das Volk auf die härteste Probe, indem er göttliche Verehrung für sich verlangt. In Alexandria hetzt der Judenfeind Apion, die Gemeinde empört sich gegen das Ansinnen des Kaisers, ein furchtbares Gemetzel bricht ans, dessen Ucbergrcifcn auf Judäa selbst Agrippa nicht verhindern kann. Der jüdischc Philosoph Philo aus Alexandria (Philo JudaeuS).erscheint an der Spitze einer Gesandtschaft in Rom, Agrippa, noch immer in der Gunst des Kaisers, tut das Seine. Aber der Kaiser verlangt jetzt sogar die Aufstellung seines Bildes im Tempel zu Jerusalem, als sein plötzlicher Tod Judäa für diesmal von der Sorge erlöst (41 n.). Obgleich Kaiser Claudius (41—54 n.) Agrippa in allen seinen Rechten bestätigt und ihm sein ganzes und damals nicht unbcträchtliches Reich beläßt, hat doch das politische Fieber damals schon das ganze Volk ergriffen. Als Agrippa I. im Jahre 44 stirbt, sehen die Römer keine Möglichkeit, seinem minderjährigen Sohne Agrippa II. mit dem Königstitel auch die Herrschaft anzuvertrauen, und gleich zeigen sich wieder dieselben Sturmzeichen w׳ic beim Tode des Hcrodes. Das ganze Land gleicht einem fiebernden Organismus. I’ol'ti'••״«'״ Desncrados und religiöse Schwärmer ziehen «turcli das!.and. Die Pharisäer wachen, aber die Jugend läuft ihnen aus den Schulen und stößt zu den Zeloten und Freischärlern, oder, noch schlimmer, zu den terroristischen Messermännern, den Sicariern, die nun mit dem Dolche Politik zu machen beginnen. Claudius stirbt im Jahre 54, und Nero regiert in Rom. Da erscheint 64 der letzte Landpfieger Gessius Florus in Judäa und treibt im Gegensatz zu all seinen Vorgängern das Spiel bewußt seinem Ende zu, indem er die Anarchie beföreiert und eine Provokation hinter die andere setzt. Mit einem Schlage ist die volle Rebellion im Gange, vergeblich sucht der zum Entsatz herattritckende Statthalter Ccstius Gallus den Aufstand noch einmal niederzuschlagen. Es ist zu spät, im Jahre 66 befindet sich kein Römer mehr im Lande. Im Frühling 67 erscheint der Feldherr Fiavius Vespasianus mit seinen Legionen zur Unterwerfung des Landes. Die Zelotcnhäuptiinge Simon bar Giora una Johannes von Giskala leiten den Aufstand, die Verteidigung Galiläas im Norden wird Joseph übertragen, dem späteren Geschichtsschreiber Flavias Josephus. Langsam rückt Vespasianus vor, Schritt für Schritt muß er sich den Boden erkämpfen. Josephus läuft über und endlich, Anfang 70, ist es so weit, «laß das von österlichen Fcstwanderern und Flüchtlingen überfüllte Jerusalem umschlossen ist. Da stirbt Nero, und Vespasian geht als Kaiser nach Rom. Sein Sohn Titus führt das Werk zu Ende, In Jerusalem wüten Messer und Mord, und was der Hader der Parteien nicht vermag, bringt schließlich der Hunger zuwege. Am 17. Tamus hören aus Mangel an Tieren die Opfer auf, am 9. Aw des Jahres 70 ist das Ende da, Jerusalem ist gefallen, der Tempel brennt. Als im Anfang der Belagerung Vespasian noch vor Jcru• saiem lag, schlich sich, als Toter in einem Sarge versteckt, der Pharisäer Jochanan ben Sakkai aus der Stadt, begab sich ins Feldlager der Römer und bat den Feldherrn um die Erlaubnis, in Jamnia am Mittelmeer mit seinen Schülern rin Lehrhaus zu eröffnen. Vespasian erlaubte es. Dort ln Jamnia wartete Rabbi Jochanan das Ende ab. Als es da war, proklamierte er seine Schule als den künftigen Sitz aller Tempelrechte und stellte aus dem Reste der Schriftgelehrten, die das furchtbare Strafgericht der Römer übrig ließ, ein neues Synhedrium zusammen.

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