Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Sonder-Ausgabe (29.5.1936)
- Date
- 1936-05-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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29. *01 1936 jüdische rundschao Sofie 3 Die Mandatskommission eröffnet Beginn der Palästina-Debatte am Montag Ormsby-Gore Kolonialminister Zum Nachfolger des zurückgetretenen Kolonialminister* Thomas ist der bisherige Minister für öffentliche Arbeiten Ormsby-Gore ernannt worden. * Der nfeue Kolonialminister Ormsby-Gore, der der konservativen Partei angeliört, war bereits in den Jahren 1922 bi£ 1929 Unterstaatssekretär im englischen Kolonialamt. Er ist ein vorzüglicher Kenner der Orientfragen und djer Palästina-Probleme und war schon in der Zeit der erste« Zionist Commission kurz nach dem Kriege in Palästina. Sowohl in seiner Amtszeit als Unterstaatssekretär als auch bey anderen Gelegenheiten ist er mehrfach für die zionistische Atbeit in Palästina eingetreten. Wir erinnern an seine große /Rede nach der Churchill-Erklärung im englischen Unterhaus vom Jahre 1921, in der er besonders unter kulturellen Gesichtspunkten die Förderung des Zionismus verlangte. Auch später ist er mehrfach in diesem Sinne aufgetreten sowohl im Unterhaus als auch in Genf vor der Mandatskommission und bei verschiedenen anderen Anlässen. Zuletzt sprach er im Jahre 1932 im Rahmen einer Veranstaltung des Verbandes palästinensischer Studenten in London über Juden und Engländer in Palästina und betonte hierbei seine starken Sytnpathien für die zionistische Bewegung. Der neue Minister übernimmt sein Amt in einem besontfers kritischen Augenblicke, der außerordentliche Geschicklichkeit und Tatkraft verlangt. Wir hoffen, daß die von der englischen Oeffcntlichkeit geforderte energische Hand bei der Unterdrückung der palästinensischen Unruhen seitens des Kolonialministers und der Mandatsregierung bewiesen werden wird, um möglichst rasch über die gegenwärtige kritische Periode hinwegzukommen und die friedliche Ent- Wicklung des Landes weiter zu fördern. Lord Snell für jüdische Einwanderung London, 26. Mai. (JTA.) im englischen Rundfunk hat Lord Snell (bekannt durch sein Minderheitsvotum zum Bericht der sog. ״Shaw-Kommission“ nach den Unruhen von 1929. Red.) am Montagabend eine Ansprache gehalten, in der er forderte, daß die Regierung eine neue Erklärung über ihre künftige Palästinapolitik veröffentliche. In dieser Erklärung soll klar zum Ausdruck gebracht werden, daß die Bestimmungen des Mandats aufrechter halten und die jüdische Ein- Wanderung fortgesetzt werden würde. Als die Pflicht der Regierung bezeichnete es Lord Snell, die Ordnung in Palästina wiederherzustellen und aufrechtzuerhalten. Den repräsentativen jüdischen Organisationen gab er den Rat, neuerlich zu erklären, daß ihre Ziele keinerlei Unterwerfung der Araber bedingen. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen sprach Lord Snell von dem Nutzen, der den Arabern aus der jüdischen Kolonisation erwachsen sei. Es sei das unmittelbare Ergebnis des Mandats und das unmittelbare Ergebnis jüdischer Ansiedlung, daß die Araber in einem reichen Gemeinwesen unter der ersten gefestigten Regierung, die sie jemals kennenclernt haben, leben; bisher seien sie durch die jüdische nsiediung keineswegs geschädigt, sondern im Gegenteil gefördert worden, und ihre Löhne seien gestiegen. ״England wird sein Versprechen erfüllen** New York, 26. Mai. Der englische Abgeordnete Major Procter, der hier eintraf, erklärte in einem Interview mit amerikanischen Journalisten, daß England das den Juden gegebene Versprechen, ein Nationalheim in Palästina zu errichten, erfüllen werde. Er hob hervor, daß die schärfsten Maßnahmen ergriffen würden, um ungesetzliche Handlungen zu unterdrücken. Ueber die zionistische Führung drückte er seine Anerkennung aus. Er erklärte, daß die Ursache der arabischen Erregung in dem durch die Juden herbeigeführten höheren Lebensstandard zu suchen sei, der von den Effendis nicht gebilligt werde. Hilfsleistungen für Palästina bezeichnete er als eine ausgezeichnete Kapitalsanlage. Er fügte hinzu, daß die englische Regierung sich durch Gesetzlosigkeit und Aufstände nicht beirren lassen werde; Sir Arthur Wauchope sei durchaus fähig, der Situation Herr zu werden, (Palcor.) Die Stellung der Konservativen London, 29. Mai. (JTA.) Am 28. Mai abends fand im Unterhaus unter dem Vorsitz von Lord W i n t e r t o n eine Sitzung der Konservativen Kommission für Reich sangelege 11 beiten (conservative imperial affair Committee) statt. Nach mehr als einstiindiger Beratung wurde folgendes Communiquc herausgegeben: ,,Bei einer Sitzung des Imperial Committee unter dem Vorsitz von Lord Winterton fand eine Aussprache über die Lage in Palästina statt. Es bestand nicht die Geneigtheit, die Regierung im mindesten wegen der Vorfälle zu tadeln. Eindeutig wurde die Meinung zum Ausdruck gebracht, daß Gesetz und Ordnung wieder liergestellt werden müssen und vor der Gewalt nicht kapituliert werden dürfe. Gleichzeitig hätte man das Gefühl, daß das Problem äußerst kompliziert ist und niciit durch parteiische Reden von der einen oder der anderen Seite in diesem Fall gelöst werden kann.“ Anfragen Im Unterhaus Die Unruhen in Palästina waren am Dienstag Gegenstand mehrerer Anfragen im Unterhaus. Dominionminister Mal co 1 m Macdonald erklärte, daß die Unruhen in Palästina nach wie vor andauerten. Abgesehen von anderen Maßnahmen habe der britische Oberkommissar Schritte unternommen, um die Bewegungsfreiheit der Aufwiegler und der Streikführer zu beschränken. Schon in den ersten Monaten d. J. seien Vollmachten für die Verstärkung der britischen und der palästinensischen Polizei erteilt worden. Demgemäß habe der Oberkommissar vor kurzem die Anstellung einer Reihe früherer Polizisten bewilligt. Den Mitgliedern des Unterhauses sei ferner bekannt, daß die militärischen Garnisonen seit dem Ausbruch der Unruhen erheblich verstärkt worden seien. Italien gegen englische Anklagen DNB. meldet aus Rom: Ueber die Vorgänge in Palästina wird in der italienischen Presse teilweise unter großen Ucberschriften immer ausführlicher berichtet. Den Beschuldigungen der ״Times“, daß Italien in Palästina Propaganda gegen England treibe, wird von einem römischen Morgenblatt sowie vom Mittagsblatt des ״G i o r n a 1 e d 11 ׳ a 1 f a“ in eigenen Meidüngen aus London mit dem Hinweis entgegengetreten, die Erregung der Araber in Palästina sei darauf zurückzuführen, daß die Araber der Meinung seien, die von ihnen gehaßten Genf, 28. Mai. (JTA.) Entgegen früheren Vermutungen ist der bisherige Vorsitzende der Mandatskommission, der Italiener Ci r a f A. Theodoli, zu der ordentlichen Sommertagung der Kommission erschienet! und hat die am 27. Mai abgehaltene erste Sitzung eröffnet. Außer Graf Theodoli nimmt an den Beratungen noch ein zweiter Italiener, der frühere Leiter der Mandatsabteilung des Völkerbunds-Sekretariats, Signore Vito Catastin i, teil, der seinen Posten im Sekretariat aufgeben mußte und jetzt nur noch als Experte den Sitzungen beiwohnt. Wie alljährlich wählte die Kommission in der Eröffnungs- Sitzung nach geheimer Abstimmung ihren Vorsitzenden und Vizevorsitzenden für das kommende Jahr. Die traditionelle Einstimmigkeit wurde bei fieser Wahl nicht erzielt. Von den zehn stimmberechtigten Mitgliedern der Kommission war eines, der Schw׳eizer Prof. R a p p a r d, bei der Eröffnungs- Sitzung nicht anwesend, Graf Theodoli, der selbst für Herrn Orts stimmte, erhielt diesmal nur sechs Stimmen. Der Belgier Orts erhielt zw׳ei Stimmen und ein Mitglied der Kommission gab einen weiften Zettel ab. Die Wiederwahl von Orts (Belgien) zum Vizepräsidenten erfolgte mit Stirnmeneinhelligkeit. Unter den auf der Tagesordnung stehenden Petit ionen, die sich auf Palästina beziehen, befinde{ sich bis jetzt keine, die sich mit den letzten Ereignissen in Palästina befaßt. Sie datieren alle noch vom vorigen Jahr: 1. Petition vom 2. 5. 35 von Kemal Husscini, Vorsitzender der Palcstinc Arab Party, mit den Bemerkungen der Mandatarmacht vom 3. 9. 35 über die allgemeine Verwaltung Palästinas. Die Beratung dieser Petition wurde bei der letzten Sitzung der Mandatskommission vertagt. 2. Petitionen von Israel Amikann, Haifa, vom II. 5. 34 und 10. 5. 35 mit Bemerkungen der Mandatarmacht vom 12. 9. 35. Gegenstand: Beförderung von Telegrammen in hebräischen Buchstaben in Palästina. Auch diese Petition wurde im Vorjahre vertagt. 3. Petitionen von Emir Shekib Arslan, Genf, vom 19. und 24. 9. 35 mit Juden würden von England übermäßig begünstigt. Die Araber in Palästina hätten mit äußerstem Mißtrauen und stummen Rachegedanken zugeselien, wie der jüdische Nationalstaat von England in jeder Weise gefördert worden sei. Dieser Unmut habe zur Rebellion geführt, als die Araber gesehen hätten, wie der jüdische Nationalstaat immer bedrohlicher geworden sei.' LebensmitlelelnSuhr auf dem Seeweg Jerusalem, Mai. (JTA.) Um Ueberfälle auf Lebensmitteltransporte auf dem Landwege zu vermeiden, wird nunmehr syrisches Gemüse auf dem Seewege von Beirut nach Haifa gebracht. Es werden auch Vorbereitungen getroffen, um die Zufuhr von Lebensmitteln auf dem Seewege von Aegypten nach Tel-Awiw zu organisieren. Hierbei sollen kleine Küstenschiffe von 500 Tonnen verwendet werden. Damit würde sich die Zufuhr gegenüber derjenigen auf dem jetzt üblichen Wege (Seeweg nach Haifa und von dort Bahntransport nach Tel-Awiw) bedeutend verbilligen. Die Einwanderung Im April Jerusalem, 28. Mai. (JTA.) Wie aus einer Veröffent- Hchung in der ״Official Gazette“ hervorgeht, sind im April 1936 3 319׳ Juden zu dauernder Niederlassung nach Palästina gekommen; von ihnen gehörten 394 zur Kapitalistenkategorie. Die Zertifikate für Deutschland Das Palästina-Amt Berlin teilt mit: Wie wir von der Jewish Agency, Jerusalem, telegraphisch erfahren, sind für Deutschland außer den 1200 Zert i f i k a t e n, die auf Grund der Aktion des Counciis for German Jewry erwirkt wurden, weitere 265 Zertifik a t e bewilligt worden. In dieser Zahl sind ebenso wie bei den früheren Zertifikats-Zuteilungen die Auswanderer aus Deutschland berücksichtigt, die sich bereits im Auslande befinden (״Flüchtlings-Zertifikate“). Somit beträgt die Quote der für das kommende Halbjahr zur Verfügung stehenden Arbeiterzertifikate für Auswanderer aus Deutschland insgesamt 146 5. ״Selbstbezwingungf“ Aus Tel-Awiw wird uns geschrieben: Unter dieser Ueberschrift bringt der ״Dawar* längere Ausführungen des Schriftstellers E. St ein mann über die Lage und ihre psychologische Wirkung auf die jüdischen Massen: Das Gebot der Stunde ist Selbstbezwingung, und das ist ein Zeugnis für die Mündigkeit unseres Jischuw. Diese Selbstbezwingung kann von unseren Gegnern als Schwäche gedeutet werden, aber in Wirklichkeit hat sie ihre Wurzeln im Heldentum und in Her Vernunft. Hunderttausende von Menschen antworten auf die Ermordung ihrer Volksenossen tuul auf das Nietierbrennen ihrer Felder mit Selbstezwingung, sie wägen ihre Schritte in Vorsicht; was schon für den Einzelnen, der sich bedroht füliit, schwer ist, das vollbringen jetzt täglich Massen. Es tut mir weh, daß ich mein Volk in solcher Not sehen mußte! Aber ich bin stolz darauf, daß ich es stark und verständig fand, abwägend und rüfend, weise und geduldig. Aber trotzdem darf inan nicht lind sein gegen die Risse und Erschütterungen in der Seele vieler Einzelner. Diese Tage der Disziplin nach außen, sahen auch manchmal ein Siciigehenlassen nach innen. Es gibt Mensehen, die gierig sind nach Neuigkeiten, sich ohne Unterlaß fürchten, ständig auf der Jagd nach Gerüchten sind und müßige Reden führen. Bei jeder Begegnung versucht man aus dem andern Neuigkeiten herauszupressen, irgendwelche Gerüchte, irgendwelche Vermutungen, irgendeine Erklärung der Vorgänge. Und wenn am Anfang des Gespräches noch jeder dc.r beiden Beteiligten zugeben würde, daß er im Grunde nichts weiß, daß niemand von uns die Staatskunst unserer Regierung durchschaut, so entstehen i!n Laufe der Unterredmig schon Theorien darüber, die mit bemerkenswerter Sicherheit vorgetragen werden. So entstehen oft verzweifelte Theorien über Prinzipien des Kolonialregimes, über die Machtlosigkeit des Völkerbundes und die Ungerechtigkeit der Welt. Es war kurzsichtig von unseren Führern, au? so etwas zu vertrauen. Die Verbreiter solcher Meinungen haben sich noch gestern nicht mit Staatskunst beschäftigt, jetzt aber sind sie schon Skeptiker geworden und werden es mit jedem Tag mehr. Als ob das Recht derer, die das Etnek und das Scharon besiedeln, nicht größer wäre als das ihrer Gegner, die viele Geschlechter lang hier nur Wüsten und Sümpfe erstehen ließen. Wir bedürfen keiner moralischen Lehre durch die letzten Ereignisse. Alle Einwände, alle Zweifei an unserem Recht, sind ein Resultat der Furcht und müssen als solches erkannt und bekämpft werden. Bemerkungen der Mandatarmacht vom 1. 11. 35. Gegenstand: Die jüdische Immigration nach Palästina. 4. Petition von M. E. Krawassarskv, Tel-Awiw, vom )3. 5. 35 mit Bemerkungen der Mandatarmacht vom 1. 11. 35. Gegenstands Saumseligkeit der palästinensischen Gerichte in der Behänd« lung der Bodenstreitigkeiten. 5. Petition des ״Waad Ada» Aschkenasim“ vom 24. 5. 35 mit Bemerkungen der Mandatarmacht vom 14. 11. 35. Gegenstand: Anerkennung des Waad Adas Aschkenasim als Sondergenieinschaft. 6. Petition von Dr. R. Tamini, Sekretär der National Medical Association in Haifa, vom 24. 4. 35 mit Bemerkungen der Mandatarmacht vom 25, 11. 35. Gegenstand: Einwanderung jüdischer Acrzte. 7. Petition von Ali Assan El Yafawi, Haifa, vom 7. 7. 35 mit Bemerkungen der Mandatarmacht vom 6. 1. 36. Gegenstand: Entschädigungsgesnch für Verluste, die der Petent anläßlich der Unruhen in den Jahren 1921 und 192•) erlitten zu haben behauptet. Die Kommission erhielt ein Memorandum der Jewish Agency mit dem Begleitbrief von Dr. Chaim Wei/mann. Die Bemerkungen der Mandatarmacht zu diesein Briefe werden der Kommission erst am Ende dieser Woche zugestellt werden. Die Aussprache über die Palästina- Frage beginnt am M o n t ה g und findet in geheimer Sitzung statt. An den Beratungen der Kommission nehmen alle Mitglieder teil. Es sind dies: Graf A. Theodoli, Italien; Pierre Orts, Belgien; Fräulein Danncvig, Norwegen; Lord Lugard, Großbritannien; 1. Manceron, Frankreich; L. Palacios, Spanien; Graf de Penha-Garcia, Portugal; William Rappard, Schweiz; Baron van Asbeck, Holland; N. Sakenobe, Japan; und als niclitstimniberecluigier Vertreter des Internationalen Arbeitsamtes C. \Y. II. Weaver, Großbritannien. Als Vertreter der M a n d a t a r m acht für Pa« last in a und T r a n s j o r d a!1 i e n werden zu der Ausspräche der Mandatskommission über dieses Gebiet der Ober- Staatsanwalt der Palästina-Regierung H. 11. Trust cd und für Transjordanien M. Kirkbride erscheinen. Presseschau Aus Anlaß der Wiederbesetzung des Postens des Koloninlmmisters schrieb die ״Times־' vom 2(1. Mai, daß die Wichtigkeit der Wahl durch die Lage in Palästina gekennzeichnet werde. Sie habe nun einen Grad von (iesetzlosigkeit erreicht, der eine starke Hand i 11 W h i t e 11 a 11 (dem Kolonialministerium. Red.) erfordert. Die Ausbreitung der Unruhen auf die ländlichen Distrikte scheine das Werk von Agitatoren zu sein. Es sei die erste Pflicht der Mandatarmacht, die Ordnung aufrechtzuerhalten und l eben und Eigentum der Bevölkerung zu schützen. Die Regierung habe versprochen, nach Wiederherstellung der Ruhe eine Untersuchung der Ursachen zu veranstalten. Da die geplante Untersuchungskommission keine Vollmacht haben werde, die Bedingungen des Mandats in Frage zu stellen, ist es wenig wahrscheinlich, die Agitatoren beruhigen zu können, deren Ziele unvereinbar sind mit dem Hauptzweck des Mandats, der Einrichtung einer Heimstätte für das jüdische Volk. Sie wollen/ Palästina zu einem unabhängigen arabischen Staat machen, der frei ist von der Kontrolle der Mandatsmncht und die Juden zu einer Minorität stempelt. Der wirkliche Widerstand gegen die jüdische Einwanderung liegt darin, daß sie nicht ein Element wünschen, das nicht mit ihren Bestrebungen sympathisiert. Die Behauptung, daß die jüdischen Siedler die eingeborenen Araber enteignen und vom Land vertreiben, ist eine reine Konstruktion, mit der man Sympathie und Unterstützung von anderer Seite zu gewinnen hofft. Jedenfalls ist sie kaum mit den Zahlen zu vereinbaren, die zeigen, daß der jüdische Einfluß begleitet war von einem beträchtlichen Aufstieg der arabischen Bevölkerung in Stadt und Land, und daß überdies dieser Aufstieg dort am größten gewesen ist, wo die jüdische Siedlung am stärksten war. Dies scheinbare Paradox erklärt sieh durch die Art des jüdischen Landkaufs in den zwei Haupfansicdlungsgebieten. In den Distrikten, in denen die jüdischen Kolonien zuerst gegründet wurden, entstanden sie» auf Boden, der von abwesenden Eigentümern gekauft worden war, die ihn lange vernachlässigt hatten, so daß der Boden wenig hervorbrnchte und mir wenige Menschen ernährte, bevor ihn die Juden Übernahme״. Längs der Küste kauften die Juden Strecken Brachlandes, das sie in einen Zustand höchster L ruchtbarkeit gebracht haben. Arabische Bauern, die Teile ihres I a/ules verkauften, konnten das Geld für die Entwicklung des restlichen Bodens verwenden, so daß sie jetzt wohlhabender als früher sind. Araber aller Schichten haben von der Entwicklung des Landes durch jüdischen Fleiß und jüdisches Kapital profitiert, was natürlich nicht die politischen Widerstände beeinträchtigt oder die politischen Bestrebungen der arabischen Führer befriedigen kann. Die Agitation könne als ein Teil der Bewegung betrachtet werden, die alle arabischen I.ander gegenwärtig durchziehe und die teilweise der antibriliselien Propaganda der italienischen Regierung zti/usehreiben sei. Das Blatt verweist in diesem Zusammenhang auf arabische Sendungen des Rundfunksenders Bari und andere Propngnudamethoden. Der einzige Weg, der Agitation zu begegnen, sei, die arabischen Führer von ihrer Meinung ab/tibringen, daß sie nur genügend Druck zu erzeugen brauchten, um die Britische Regicrung in ihrem Entschluß schwankend zu machen, das Mandat zu erfüllen, mit aller Berücksichtigung der Rechte der nichtjüdischen Bevölkerung, aber auch ohne jede Beeinträchtigiing des Hauptzwecks. Es ist keine Aussicht auf einen geregelten Fortschritt, so lange sie irgendeine Entschuld!- gung dafür haben, sie hätten geglaubt, durch Hervorrufung von Unruhen ihre Ziele zu erreichen. Der Bericht der Palästinaregierung an die Mandatskommission wird der Regierung Gelegenheit geben, alle Zweifel zu klären, welche über ihre Politik entstanden sein mögen. * In einem längeren Artikel beschäftigt sich die l.ondoner Wochenzeitschrift ,,Spcctator“ mit dem im Unterhaus vorgebrachten Plan der Entsendung einer Königlichen Kon• m is sion nach Palästina und in diesem Zusammenhang mit den dortigen Unruhen. Das Blatt steht auf dem Standpunkt, daß dieser Plan im Unterhaus wenig Gegenliebe gefunden habe und noch weniger außerhalb des Pariamer!ts finden werde. Amtliche Untersuchungen und Berichte aller Art über die Zustände und Verhältnisse des Landes seien schon oft genug abgegeben worden, ganz abgesehen davon, daß jährlich der Mandats-Kommission des Völkerbundes ein Bericht über Palästina erstattet werde. Was der Regierung nottue, sei nicht eine Untersuchung, sondern eine feste Politik. Das in der Balfour-Frklänmg von 1917 festgelegte System habe niemals in einem Lande ruhig arbeiten können, das in seiner wichtigen strategischen Stellung nahe an der Verreinigung von drei Kontinenten, obwohl ein Ä-Mandat, immer noch in der elementarsten Form des Regimes einer Kronkolonie verwaltet werde und nicht einmal einen eigenen