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Jüdische Rundschau · 1936-05-29 · Sonder-Ausgabe (29.5.1936) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Sonder-Ausgabe (29.5.1936)
Date
1936-05-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU 29. Mal 1936 Arabische Führer unter radikalem Druck Telegramm unseres palästinensischen Korrespondenten Verwaltungsbeirat (Advisory Council), außer von Beamten Mandatsregierung, besitze. Nach einer Auseinandersetzung: über die verschiedenen Auslegungen, die der Begriff des ״Jüdischen Nationalheims“ erfahren hat und einer Untersuchung über die unvereinbaren Ansprüche der beiden hauptsächlichen Bevöikerungsgruppen heißt es in dem Artikel weiter: ״Wir sind verpflichtet, für das jiulist he Volk in Palästina ein Nationalheim zu errii Ilten, aber ebenso gebunden, dieses ohne Vorurteile gegenüber den zivilen und religiösen Rechten der bestehenden nicht jüdischen (jemeinscliaften zu erreichen. Die Aufgabe ist bisher weder zur Befriedigung der Juden, noch der Araber weiterige!'uhrt worden, und das Land ist so ent- ־ztmdbar wie je. Die I iatiptseliwierigkeit des Oberkointnissars scheint darin zu liegen, daß er nicht genau weiß, worin die Politik der britischen Regierung besteht, dies hauptsächlich deswegen, weil die Regierung es selbst nicht weiß." Das Blatt kommt dann auf einen 1' I a!1 zurück, den es selbst bereits früher Vorgebracht hat. I r sieht die Schaffung auton o m er j 11 d i s c h e r u n d a r;1 bischer K a!1 tone in einem < iebietc vor, das auch T r a u s j o r d a n i e n tu i t umfassen wurde. Ihr Zentrum wurde eine Bundesregierung bilden, gleichzeitig!!liehen besondere Verwahungsfortnen in Jerusalem, Haifa und an zwei oder drei anderen Plätzen vorgesehen. Geographisch scheine dieser Plan anwendbar, und politisch lasse sieh sehr viel für ihn sagen. Das Blatt schließt: ״Jedenfalls sollte er nicht unter dem fadenscheinigen Grunde beiseitegeschohen werden, daß man Palästina zunächst in seinem Schmel/tiegcl kochen läßt, wahrend sich eine Königliehe Kommission sammelt, nachforscht und berichtet.“ ln der ״S!1 n d ,1 v - T i in e s“ veröffentlicht ״S c r u t a - t o r“ unter der l Überschrift ״bin Land der Verheißung“ einen Artikel über du: Aufgaben Dightnds in Palästina im Lichte der jmtg-ieii Voi falle. Palästina, erkl.ut der Verfasser, sei zu klein, tun allen verfolgten Juden eine I leuiistulte zu bieten: aber es sei ihre einzige I lotfmmg 11ml es sei für! iiglami kein geringer Vorzttg, <.1:115 es zu dem \\ erk/cng der \\ aale!gutmaehung eines alten rassischen l'uuihts aiiseisehen wurde. Dieser \'or- 711g sei \ K׳lle;eht <ler einzige bleibende Wert, der sich aus dem Kriege ergeben habe. Nach dem .Mandat sei jeder Jude leiliialnt au 1k 111 Recht, in Palästina ein Natinnalheim zu haben, inner d; r Voraussetzung, daß der Treuhänder entscheide t, u ns jewtils klug und piaktiseh ist, um! Unter der Yei pflielüung, die bürgerlichen und religiösen Rendite d er Araber ui• ht zu verletzen. Der Yetfas-er stellt fest, daß die (Hunde für die gegt litt artigen l '!trüben nicht in Palästina s<lh׳d üe.o 11. Antisemitismus gehe es dort nicht, denn die Arahi r seien selbst Semiten mul hatten stets mit den Juden gut /u-ummengelebt. Auch religiöse Reibungsfluchen gelte cs!mlit und;1111 wirtschaftlichem t iehiet wiirden Beschwerden mellt einmal vor gesehnt zt. I )er -Araber habe ah, guter Pul!■ tinriiscr alle Ursache, dafür dankbar zu sein, v, as die Juden für das Land tun. Ohne die Juden wäre Palästina eine Unwürdige, heilige, aber verstaubte Reliquie. Nur wenige .Männer bestehen aus selbstsüchtigem oiler nationalem 1.in geiz 11:11 auf, daß die palästinensische Nation eine arabisehe um! nicht eine jüdische oder gemischt arabisch-indische sein müsse. Bei ihrer Forderung nach Lei 11- Stellung der jüdischen Einwanderung übersehen sie, daß ohne diese jede Aussicht auf Palästinas ()ruße schwinden würde. Auch die .Mentalität des Civil Service habe sich damit begnügt, die aktive .Arbeit fur das Nationalheim vollständig den Zionisten zu überlassen, deren b.nthusiasnms zu bremsen und die Interessen der ■Araber zum (iegenstand seiner besonderen Sorge zu machen. Das F.rgebnis der englischen Verwaltung in Palästina wäre besser, wenn man sieh darauf beschränkt hatte, die (trdmmg aiifrechtzuerhalten, und die Bildung der neuen Nation denjenigen überlassen hätte־, die beweisen konnten, daß sie die meiste Liebe zu dem Land haben und zu seinem 1 ortschritt am meisten beitragen können. Jetzt sei die Zeit gekommen, die Aufgabe Luglands in Palästina nicht darin zu selten, das (iicichgewicht zwischen Juden und :Arabern zu halten, sondern in dem großen Versuch eines gesunden Staatsaufbaus. Nach einem Hinweis atu die strategische Bedeutung Palästinas für das Britische Reich wird /;im Seit hiß betont, daß die weite tnohaminedanmelie Welt aus ihrer Vctiiaehlussigting nur durch die in dm Juden P.il.i'tinas wirklich: Kraft des Westens befreit und der alte Ruhm des arabischen Volkes nur in enger Verbindung mit den Juden erneuert werden kann, die naih Dcrkunlt und iti •torischem Lmpfindett seine seinitiseilen Yei wandten sind.!11 der .,Times״ vom '21. .Mai findet sieh eine Zuschritt \o!1 \\ . Nh Lenk, dir ln merkt, daß die jüdischen ihnveamkrer na,!1 dem kb!r.::c den I 11111 ohtteru reichlich t irund gcgi!reu h.,ttet1, sie ab/ulclmen. Dies m nieht restlos ihre Sihnki 1.0 wesen, aller da sie mit 11n-ostl:d1en Ideen in das Land kamen, da- -ie glaubten, nur kaufen 7 t! tu it s s e n, um es zu Ino 1 t / 1; 11, mai liten sie sieh denen nicht zu angenehmen (1 Den, die sin zu \ erdrangen hofften, f-'ür viele ״Ajabr-r sei die I 11t\\ iekhmg zu schnell vor sich gegangen, und sie haben sieh 111 ht unpassen können. Von /tom-le-ohem M imljuinkt am. jedoch sei die Lut Wicklung Iiaturh, 11 w icdei um zu langsam gegangen. Die neu Linu ändernden 11.11h n die Aufgabe, die •Araber verstehen zu lernen am! dm Kundin imu < leftdile der alteren Lin wohtter zu 1): seiiw khtiut n umi zu Ih m eisen, daß die Aufrichtung des judisi. Imu National!!! ims wiikheh dem beiderseitigen \'orteil dient. Dm kh:.:!! nmg müsse die 1 trdmmg aufreehterhaltcn, alter sie komm keine Versöhnung herlieiftibreti. Deshalb sei eine A n n a 11 e r u 11 g b e!der Part!1 e r notwendig, und es sei kein Zweifel, von welcher Seite sie zu erfolgen habe. Dm Zionisten haben alles zu gewinnen, wenn sie es tun. * Prof. L. B. א a m i e r wendet sich in der ״T i 111 es“ gegen die Theorie der beschränkten Aufnahmefähigkeit Palästinas. Das gleiche Argument hatte 17(10 gegen die Aufnahmefähigkeit von Manhattan oder Florida vorgebracht werden können. Je weiter Wissenschaft und Technik fortschreiten, um so starker werde die Produktion von dem menschlichen Dement und um so weniger von den natürlichen Bedingungen abhängig, f ttr uns Juden, erklärt Prof. Natnier, ist kein Opfer zu groß im luteres,e Palästinas und unseres Nationalheims. Boden soll in Palästina geschaffen werdet!, wo es jetzt keinen Boden gibt, und Baume sollen gepflanzt werden, wie oft auch arabische Unruhestifter sie attsroden mögen; und Haifa und Tel-Awiw sollen zu Hafen und Städten werden, so groß oder größer noch als Alexandrien. ♦ Der Jerusalemer Korrespondent der Zeitschrift ״The N ear Last and I n d i a“ schreibt in der Ausgabe vom 28. Mai über die krage, ob es einen Ausweg aus der gegenwärtigen Krise gibt, daß die Regierung nur den Frieden aufrechterhalten und durch, die Polizei Verbrechen verhindern könne. ״Aber sollte es keinen weiteren Ausblick als diesen geben? Die /Abreise Dr. Weizmanns nach London sollte die dortigen Behörden veranlassen, tim und seine Berater mit den arabischen Lührcrn in Kontakt zu bringen . . . Solch eine Aktion würde in Uebereinstimmung mit der Politik der gl. T el-Awi w, 29. Mai, vormittags Die Entwicklung der letzten Wochen zeigt, daß die Proklatnierung des bürgerlichen Ungehorsams nicht den passiven Widerstand der Massen hervorrief. Die Steuerverweigerttng blieb, wie erwartet wurde, kaum spürbar. Auch nahm die Bewegung nicht die können passiven Widerstands an, sondern führte im Gegenteil zu sprunghafter Vers׳, härfung der Unruhen; der Terror ist angeschwollen trotz betrachtlieber Militärkräfte, die im Lande sind, und schärferen Regierungsmaßnahiiien. Aus einzelnen Terroraktionen ist in einigen arabischen Städten Aufruhr geworden. Charakeristisch für die Stimmung ist, daß dies ausnahmslos in rein arabischen Städten der Fall ist. Gaza, Nab 111 s, Tulkerem sind die Zentren der Bewegung. Ein Versuch, in Jaffa die Polizeistunde in Massen zu durchbrechen, wurde durch Militär vereitelt. Die Folge waren in den letzter! Nächten heftige Schießereien und Bombenwürfe, ln Jaffa waren jedoch kaum Opfer zu beklagen. Die Zusammenhänge trugen klar eine anti-englische Note. Gegen Juden herrscht in den gemischten Gegenden weiter Terror. Die letzten zwei Tage verliefen ruhiger, doclt ist nicht ahzitsehen, ob bereits das Ende der Unruhen gekommen ist. Die bisherigen Maßnahmen der Regierung bestanden in Verbannung der arabischen Führer und Erteilung umfassender Befugnisse an die Distriktskommissare doch wurden nur Teilresultate hierdurch erzielt. In den letzten Tagen wurde überall offenbar, daß die Araber im Besitz, vieler Gewehre und Munition sind. Selbständige Gruppen machen die Wege unsicher, greifen sogar aus dem Hinterhalt Militär an. Aus gefährdeten Orten transportieren die englischen Beamten ihre Familien ab und übersiedeln in Militärlager. Die englischen Beamten aus Jaffa sollen eiligst W0I1tutngen in Tel-Awiw suchen. Politisch bedeutet die Situation, daß die Regierung durch Verhandlungen mit den Arabern nichts erreichen kann; sie nr.iß administrative lind militärische Mittel anwenden. Die arabischen Führer sind anseheinend auch nicht mehr Herr der Bewegung und stehen völlig unter dem Druck radikaler Elemente. Zudem haben die Führer keine plausible Entschuldigung, um den Streik abzublasen, außer daß sie Jerusalemm den Unruhe tagen Von M. Y. Ben-gavriel Jerusalem, im Zentrum der Stadt. Es ist halb acht Uhr abends. Seit gestern herrscht Ausnahmezustand, das heißt: nach sieben Uhr darf kein Mensch die Straße betreten. Man 1 tat auch wenig Lust dazu, denn hinter jedem Haus hervor kann geschossen werden. Würden nicht hier und da die Patrouillenwagen und die Motorräder der Polizeisoldaten durch die Straßen sausen, könnte man glauben, es lebe kein Mcnscli in dieser Stadt. Kein Ruf, kein Geräusch, selbst die Katzen, die sonst die Jerusalemer Nächte durchschreien, sind still. Dazu noch die bekannte Finsternis Jerusalems, das mir sehr wenige Straßenlampen besitzt und die absolute Windstille, die seihst die Bäume wie gestorben dastehen läßt — das Bild einer toten Stadt ist vollständig. Von der Gartenmauer sieht man auf die alte Stadt, auf das arabische Jerusalem. Es liegt unheimlich, finster, lichtlos hinter der Seleukidenniatter. Zwischen der neuen und der alten Stadf stellt eine Mauer, die höher ist als die Stadtmatter: das Mißtrauen, ihnen, dort drüben, sagen ihre Zeitungen tagtäglich, daß wir Mörder sind, daß wir Araber ermorden, und wir selten nun täglich Menschen in unseren Straßen, jüdische Menschen in jüdischen Quartieren, tot, von einer Revolverkugel getroffen, fallen. Ein Kind schreit in einem Haus aus dem Schlaf auf. Alles zuckt zusammen. Die Nervosität, die die unnatürliche Stille ins Maßlose steigert, ist grenzenlos. Man möchte etwas zerschlagen, etwas rufen, Lärm machen, nur, um diese lähmende erregende Stille zu zerstören. Irgendwo fallen ein paar Schüsse. Man zählt pedantisch mit. Ein paar Augenblicke später rasen die Polizeiautos los. * Aber auch die Tage Jerusalems sind nicht viel geniütlieber. Die oljnehin stets etwas drückende Feierlichkeit dieser Stadt ist in einen schweren schmerzenden Druck übergegangen, der nicht weichen will. Was getan werden muß, geschieht mechanisch, denn alle Sinne sind gespannt, einem einzigen Ziel zugericlitet: was ist in den letzten zehn Minuten geschehen? Hat man den Mörder von heute vormittag oder versagt die Polizei? Die Kaffeehäuser sind leer, man trachtet, sieh auf der Straße aufzubaltcn, da und dort aufzufangen, was gesagt wird, und wo nur zwei Menschen beisammenstehen, ist im nächsten Augenblick ein dritter, ein vierter, ein zehnter. Gerüchte werden mit gewissenhaftester Sinnlosigkeit weitergegeben; sie alle sind laut ausgesprochene innige Wünsche einer Gemeinschaft, die immer noch nicht begreifen will, warum Mord und Ausnahmezustand die Herr- Schaft in dieser Stadt führen und warum die Exekutive der Regierung noch immer nicht das primitivste Recht des Bürgers, die persönliche Sicherheit, garantiert. Wiederherstellung der Ruhe stehen, die der High Commissioner ständig zu wahren gesucht hat: sie würde auch übereinstimmen mit der häufig bekundeten freundlichen Haltung der zionistischen Führer, und als Ausweg aus dem augetthückliehen ,Debäcle‘ dürfte sie skh selbst den kurzsichtigsten arabischen Führern empfehlen.“ * In einem Artikel über die für Palästina geplante Regierttngskotnmission schreibt die ״New York Times“, die kühle Aufnahme dieser Idee sei nicht überraschend, da keine Aussicht bestände, daß dieser Kommission etwas gelingen werde, was anderen nicht gelungen sei, nämlich eine politische Basis zu finden, die sowohl von den Juden als auch von den Arabern akzeptiert würde. Wattchopes Antwort auf arabische Angriffe waren Truppen; doch die überzeitgcn-dste Antwort seien die neu gewährten Zertifikate, die ein Beweis dafür seien, daß England nicht beabsichtigt, sich durch Mord- und Gewalttaten beeinflussen zu lassen. Die Zeitung schließt mit der Bemerkung, daß Entschlossenheit nicht genug sei; die neue Kommission könne zwar hoffdie Aussichtslosigkeit des Aufstandes zugeben. Die klare Erkenntnis, daß die Araber mit der bisherigen Taktik nichts erreichen, die Haltung der englischen Presse und die Erklärung Wattchopes auf der Levante-Messe, daß Gewalt die Regierung nie zwingen würde, ein Jota vom Mandat ahntgehen, bestätigen den Eindruck, daß die Regierung unter dem Druck nicht nachgeben wird. Die arabischen Führer wissen das, selten aber keine Möglichkeit einzulenkcn. Unter den Massen herrscht vielfach Kampfstimmung und sie haben teilweise soviel Kraft eingesetzt, daß ein Verzweiflungskampf aufrecht erhalten wird. Typisch für die Situation sind arabische Vorschläge, die geplante königliche Kommission nicht nur abzulehnen, sondern nach dem Vorbild der Milner-Koinutission in Aegypten zu boykottieren. Auch dies ist ein Zeichen, daß der radikale Flügel hartnäckig an der Gcwalttaktik festhält. Die Bewilligung jüdischer Forderungen, die Einrichtung der Regierungs- Institutionen in Tel-Awiw, das Warenlöschen am Tel-Awiwcr Strand und Bewilligung der Scheduie wirken aufreizend und entmutigend zugleich auf die Araber. Sie sehen, daß die Juden trotz sechswöchigen Streiks durchhalten und sogar neue Wirtschaftsunteniehmuiigen wie den Haien anfangen. Die Juden kritisieren häufig das langsame Vorgehen der Regierung bei der Unterdrückung der Gewalttaten, anerkennett jedoch die zivilen Zugeständnisse der Regierung. Ein Zeichen für die Stimmung unter den Juden war der herzliehe Empfang Wattchopes auf der Levante-Messe. Der Aufruhr wird also als letztes Druckmittel von den Arabern benutzt. Dennoch wird er keine Entscheidung brin* gen, da er keine konzentrierte Aktion ist, sondern bewaffnete Ein/ellianfen ihn durchfuhren. Anzunelimeti ist, daß bei dieser Taktik Aktion und Streik bald versanden werden. Bereits heute laufen Gerüchte uni, daß morgen im Jaffaer Hafer die Arbeit wieder aufgenommen wird. Dabei besteht keine Sicherheit, dal! auch die Terroraktionen bald aufhören. Das Land ist tief aufgewühlt. Zur Beruhigung der durch den Aufruhr ausgelösten Welle des Hasses ist längere Zeit notwendig. Danach aber erst wird sich das politische Problem als solches im ganzen Umfange zeigen. Die Geschäfte machen keine Geschäfte, die Fleischer haben überhaupt nicht aufgemacht, weil die Regierung den Schlächtern keine Möglichkeit gibt, ohne Lebensgefahr ins Schlachthaus zu kommen; nur auf dem Nachrichtenmarkt gibt es Hausse. Die Katzen und die Hunde von Jerusalem aber haben ihren großen Tag, denn seitdem die Müllabfuhr infolge des arabischen Streiks eingestellt ist, wirft man die Abfälle einfach auf die Straße. Die Regierung, so heißt es, verhandelt eben mit dem Scheel! der Zigeuner, die im Scliiloahtal mit ihren tanzenden Bären und Affen lagern, über die Müllabfuhr durch Zigeuner. Wenn man Zeitungskorrespondent ist, muß man täglich ein paarmal zur Post gehen, die gerade an der Grenze zwischen der jüdischen und der arabischen Interessensphäre liegt. Es gibt weit vergnüglichere Spaziergänge. Wiewohl die Hauptpost gegenüber der Munizipalität und der Barkley’s Bank liegt, steht dort nur ein einziger arabischer Polizeisoldat, der mit der schlechtesten Verteidigungswaffe der Welt bewaffnet ist, mit einer einen dreivicrtel Meter langen Hol/keule. Auf der Balustrade vor der Post sitzen Araber, nur Araber, weder Europäer noch Juden, die jeden, der keinen Tarhttsch auf dem Kopf trägt, sehr eindringlich mustern. So scheint es zumindest jedem, der keinen Tarbusch auf dem Kopf trägt. Es sind vermutlich durchaus anständige Menschen, die nichts anderes im Sinn haben, als Augenzeugen eines etwa eintretenden Zwischenfalls zu sein, aber, schließlich und endlich, weiß man doch nicht, ob alle die hier Herumsitzenden einen unter jeder Bedingung standhaften sense of lumiour haben. * Sinn für Humor? Tin jüdischen Jerusalem ist er zum größten Teil geschwunden seit dem Augenblick, da man die Opfer des Mordüberfalls auf Kinobesucher begrub. Wollte man die Stimmung der Menschen analysieren, dann ergäbe sich ein Gefühl tiefsten Erstaunens über ׳die täglichen Ungereehtigkeiten, gepaart mit verbissener Entschlossenheit, die nur durch geradezu übermenschliche Diszipliniertheit mit unendlicher Selbstbeherrschung vor einem Allsbrechen zurückgehalten wird. * Wenn man einst der Geschichte einen unparteiischen Rechenschaftsbericht abstatten wird, wird man in erster Linie der stillen, aber größten Hehlen dieser Tage, der Kraftwagenlenker, besonders der Autobuschauffeure, gedenken müssen. Di« Selbstverständlichkeit, mit der sie, tagtäglich Stcinwilrfen und Schüssen ausgesetzt, durch die unruhigsten Gegenden, Waffen- und zumeist auch schutzlos fahren, um die so notwendige Verbindung zwischen den jüdischen Siedlungen aufrechtzuerhalten, ist eines wahrhaft großen Heldenliedes wert, das man einst für diese Kameraden auf den Landstraßen Palästinas schreiben soll. Hier wurde das Heldentum zur Sclbstvcrständlichkeit. Es anzuerkennen, ihm zu danken, soll der Jischuw nicht müde werden! nungsvollc Vorschläge machen, doch sei wenig Aussicht au! wirklichen Frieden, wenn die Regierung nicht Juden und Araber davon überzeugt, daß sie unabänderlich an der Erfüllung der von ihr freiwillig durch das Mandat übernommenen Verpflichtungen festhält. Berichtigung. Der von der JTA. am 25. Mai gemeldete Bomben-Ueberfall auf den vor Tel-Awiw ankernden Dampfer richtete sich gegen das dort ankernde Schiff ״Richard Burkhardt“ einer jüdischen Schiffahrtsgesellschaft, das von Hambürg nach Tel-Awiw kam. llaitptsohriftloitcr: Pr. Robert \Y e 1 I 5 c 11. Berlin - Chqrloffenburg 9 (.itieh verantwortlich für die Auinahnte von Bildern). Stellvertreter: Kurt T.oewcndcin, Berlin W 15. Anzeägenleiter und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: Hermann Kinn, Berlin W 15. Gültig Anzeigen - I’reidistc 5 vom 1. April 1936. Verlag und Ar!- zcigenvcrwaltwng: Jüdische Rundschau, Berlin VV 15, Moinckestr. 10. D.-A. April 37 625. — Druck: Siegfried Scholcm, Bcrlin-Schönebcrg.

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