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Jüdische Rundschau · 1936-05-26 · Heft 42-43 (26.5.1936) · page 19

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 42-43 (26.5.1936)
Date
1936-05-26
Page
– (sequence 19)
Language
German
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4 JÜDISCHE RUNDSCHAU PAlÄSTlNA-BLAlT Nr. 42 26 ,43׳. MAI 1936 Schwere arabische Ausschreitungen Die erste Forderung: Herstellung der Ordnung I Die Lage in Palästina zeigt in den letzten Tagen eine weitere Verschärf u n g. Der arabische Terror geht unverändert weiter und hat sich sogar so weit vorgewagt, daß englisches Militär mehrfach angegriffen wurde. Auch ein jüdisches Todesopfer der lleberfälle in Jerusalem ist wieder zu beklagen. Es hat den Anschein, daß die arabischen Terroristen auch vor verzweifelten Aktionen nicht zurückscluecken. Von seiten der Regierung sind verschärfte A b w e 11 r m a ß n a h m e!1 ergriffen worden, die einen großen Teil des Landes praktisch unter Ausnahmezustand stellen und durch vorschiedene gesetzgeberische Akte, insbesondere durch Entfernung der Streik-Agitatoren aus den Brennpunkten der Auseinandersetzung den Terror beenden wollen. Dennoch ist es nicht gelungen, die Unruhen zu unterdrücken Die Erregung, die hierüber im Jisclmw herrscht, ist außerordentlich groß. Es kann in der Tat nicht verstanden werden, warum es der Regierung trotz dem Einsatz erheblicher militärischer und polizeilicher Machtmittel nicht gelingt, der dauernden Ueberfälle, Brandstiftungen usw. Herr zu werden. Selbst wenn man anerkennt, daß die Unterdrückung eines an vielen Stellen des Landes zugleich aufflackernden Terrors Schwierigkeiten macht, sollte es der Mandatsregierung möglich sein, mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln die Lage zu beherrschen. Die jüdische B c v ö 1 k c r u n g,. die ungeachtet der Bedrohung von Lehen und Eigentum eine bewundernswerte Disziplin eingehaiten hat, kann nicht verstellen, daß die Regierung ihren Ankündigungen nicht die entsprechenden Taten folgen läßt, und daß sie gegen die intellektuellen Urheber der Terrorakte nicht mit der ganzen Schärfe des Gesetzes vorgeht. Das Land verträgt nicht mehr länger einen Zustand, der zu einer Zerrüttung der Grundlagen des Lebens führen muß. Auch die große Masse der arabischen Bevölkerung, die ohne Zweifel den Terror kleiner Gruppen nicht billigt, leidet unter dem Druck, der auf sie von den Streikagitatoren ausgeübt wird. Das jüdische Volk in der ganzen Welt, das mit banger Sorge die Ereignisse in Palästina verfolgt, erwartet zusammen mit dem Jischmv, daß mit aller Beschleunigung und vollem Nachdruck gegen die Kreise vorgegangen wird, die das Land in Unruhe haltet. Wenn im Unterhaus vom englischen Ministerpräsidenten selbst die Erklärung abgegeben worden ist, daß die britische Regierung die volle Verantwortung für die Verwaltung Palästinas trage, so bedeutet diese Erklärung zugleich, daß die Vorbedingung jeder ordnungsmäßigen Verwaltung, die Wiederher- Stellung von Ruhe und Ordnung im Lande mit aller Kraft durchgeführt wird. Wir sind uns bewußt, daß erst nach Wiederkehr der Ruhe die eigentlichen Probleme, die im Lande zu lösen sind, auftauchen. Um diese jedoch in Angriff zu nehmen und — wie wir hoffen — zu einer dauerhaften Beruhigung zu kommen, bedarf es zunächst der Sicherung des Schutzes von Leben und Eigentum aller Bürger des Landes. Die Geduld, mit der der Jischuwdie Ereignisse über sich ergehen ließ und mit der er sich darauf beschränkte, in härtester Anstrengung in den Siedlungen zu wachen und seiner Arbeit nachzugehen, ist nicht unbegrenzt und bedarf eines Aequivalents seitens der Regierung, die ohne Zögern zeigen muß, daß sie ihre Machtmittel in aller Stärke einzusetzen weiß. Immer neue Terror-Akte Jerusalem, 21. Mai. (JTA.) Die arabischen Terrorakte wurden im ganzen Lande fortgesetzt. Das gesamte Eisenbahnnetz, ist in das Gebiet des Ausnahme- Zustandes einbezogen worden. Die Bestimmungen des Ausnahmezustandes gelten für die Linien und zwei je 15 m breite Streifen zu beiden Seiten. Für den Verkehr mit der Altstadt von Jerusalem wurde ein Autobusdienst eingerichtet, durch den hauptsächlich die Verpflegung der dort noch verbliebenen Einwohner sichergestellt werden soll. Die Autobusse verkehren in zweistündigen Intervallen unter Eskorte. Die Räumung der Altstadt durch die Juden wird fortgesetzt. Nur noch etwa 200 jüdische Fainilien sind in der Altstadt verblieben. Aus dem Musrara- Viertel und anderen Stadtvierteln mit gemischter Bevölkerung, die von den Juden bereits verlassen sind, haben nunmehr auch die christlichen Einwohner auszuziehen begonnen. Aut den jüdischen Poli/eihauptmann A. Sil vor in Jerusalem sind drei Schlisse abgegeben worden, die ihr Ziel verfehlten. Ein Araber wurde in Jerusalem von einem Engländer bei der Durcnsuchting nach Waffen schwer v crw 11 ndet und erlag später seinen Verletzungen. In einem amtlichen Comn111!m|11e wird bekanntgegeben, daß in A k k o, Dajan, Dschenin und anderen Ortschäften S e 11 i e ß c r e i e n vorgekommen sind. Bei einem B 0 ni b e!1 a n s c 11 I a g auf die J a f f;1 e r P o I i z, e i s t a - tion seien die Fensterscheiben zertrümmert worden, verletzt wurde niemand. Vor dem militärisch bewachten Postamt in Jerusalem wurde ein Privatauto durch Araber in Brand gesteckt. In die Wohnungen des Kreisbeamten von Beisan und eines englischen Sergeanten in Bajit Wegan sind Bomben geworfen worden. Die Eisenbahnhriicke bei Tulkerem ist trotz der verschärften Bewachung gesprengt worden. Im Gebiet von Jaffa—Tel-Awiw sind weitere acht Bomben geworfen worden, eine davon aus einem Zug, als er Tel-Awiw passierte, und drei gegen Häuser der Tel-Awiwer Vorstadt Newe Schalom, in denen Militär cinquartiert ist. Sämtliche Bombenanschläge mißlangen. Auch durch zwei Bomben, die in K f a r N a c h m a n bei Raanana geworfen wurden, ist kein Schaden angerichtet worden. In der Nacht vom 20. zum 21. Mai war Palästina von jeder telephonischen und telegraphischen Verbindung mit dem Ausland abgeschnitten. Terroristen hatten die Linien zwisehen Jerusalem und Kairo, Beirut und Jaffa und damit die Verbindung mit dem weiteren Ausland unterbrochen. Die leitenden arabischen Beamten i m J e r u - salem er Hauptpostamt sind durch englische Beamte ersetzt worden. Nach zwölf Stunden konnten die Hauptlinien wieder instand gesetzt werden, auch die Telephon- Verbindung mit Kairo wurde im Laufe des Tages wieder hergcstellt. In Palästina selbst sind aber noch viele Ortschäften ohne telegraphische oder telephonische Verbindung mit Jerusalem. Oie Juden in Safed haben mitgeteilt, daß sie sich stark gefährdet fühlen. Ein jüdischer Einwohner namens Ben Dov und zwei Polizeiinspektoren wurden verwundet, als Araber ein jüdisches Auto in Safed mit Steinen bewarfen. Aus verschiedenen Teilen des Landes werden Fälle von Brandstiftung gemeldet. Auch die Elektrizitäts- Station am Jarkon wurde angezündet. Sämtliche Brände wurden jedoch rechtzeitig gelöscht. In Orangenpflanzlingen bei Raanana und Herzlia wurden 830 Bäume ausgerodet. In Herzlia wurden zwei Araber verhaftet, bei denen Waffen gefunden wurden. Auf der Straße Jerusalem—Jericho wurde ein Feuerüberfall auf einen Transport der Palestine I’ottash Comp, verübt. Verletzt wurde niemand. Der Leiter der Jordankraftwerke, Ing. Pinchas Ruthenb c r g, hat in einer zweistündigen Unterredung mit dem High Conimissioner Sir Arthur Wauchopc Sicherheitsfragen erörtert. Die arabische Tageszeitung ״F e 1 e s t i n“, das Organ des früheren Bürgermeisters von Jerusalem, Raglieb Bey Nashashibi, ist für vier Tage verboten worden. Das Oberste arabische Komitee hat eine Abordnung nach Amman entsandt, um Emir A b d 11 I 1 a!1 von Transjordanien zu bitten, zugunsten der Araber Palästinas zu intervenieren. Vierzig arabische K a 111! c!11 c haben sieh mit einer Bittschrift an das arabische Streikkomitee in Jerusalem gewandt. Sie ersuchen um finanzielle U n t e r s t 11 t z u 11 g oder um Erlaubnis zur \V i e d e r ö f f n u n p der G e s c h ä ft e, da sie nicht mehr in der Lage sind, die Position zu halten, Die Gesamtzahl der seit dem 10. April Verhafteten (Ver- Stöße gegen die Ausnahmezustands-Verordnung) war 811 Araber und 53 J u d c n. Wegen Brandstiftung und Auto-Ueberfällen erhielt das arabische Dorf Acre eine Geldstrafe von 200 Pfund und muff außerdem die Unterlialtskosten für 10 Polizisten für die Dauer von drei Monaten tragen. Der Sicherheitsdienst in Tel-Awiw T c I - A w i w, 21. Mai. (JTA.) Die Feuerwehrleute in Tel-Awiw wurden bewaffnet und haben den Dienst der Verkehrspolizisten übernommen. Gleichzeitig wurden die jü- (fischen Polizisten aus den Vierteln zwischen Tel-Awiw und Jaffa zurückgezogen und durch englische Polizisten ersetzt. Zusammenstoß zwischen Arabern und Militär Jerusalem, 21. Mai. (JTA.) Etwa 20 Mellen von Tel- Awiw entfernt ist cs zu einem Zusammenstoß zwisehen arabischen Wegelagerern und englischem Militär gekommen. Drei englische Soldaten wurden hierbei erheblich verletzt. Ein überfüllter jü ׳!׳scher Autobus und drei Privatautos waren von Arabern aus einem Hinterhalt angegriffen worden. Von den jüdischen Insassen des Autobusses wurden zwei verletzt. Der Autobus fuhr vor den drei Privatautos und wurde von den Wegelagerern zuerst angegriffen. Es gelang den Autos, weiterzufahren und das nächste Militärkommando zu verständigen, das motorisierte Abteilungen auf den Schauplatz entsandte. Es kam zu einem Feuergefecht zwischen den Arabern und den Soldaten. Von den Arabern konnte keiner ergriffen werden. Die beiden verwundeten Juden wurden in das Hadnssah- Krankenhaus gebracht. In den Privatautos, die dem Autobus folgten, befanden sich führende jüdische Persönlichkeiten, unter ihnen der Leiter des Finanzdcnartements der jewish Agency, Elieser Kaplan, das Mitglied des Waad Leumi Dr. A. Katzenelson und die Herren Dobkin und Bar lass von der Jewish Agency- Vier Bataillone Infanterie in Palästina Jerusalem, 21. Mai. (J TA.) Zur Verstärkung der palästinensischen Besatzung ist das erste Bataillon der o e;1 - iorth 11 i g h i a 11 d e r s aus Kairo nach Pa!,ot;na nbgegangen. Außer dem eisten Bataillon des Royal l.ameohire Regiments und dem zweiten Bataillon der Guccn’s Own Cameron Highlamlcrs befindet sich in Palästina seit kurzem auch das erste Bataillon der König!. Schottischen Füsiliere. Außerdem gibt es in Palästina eine Kompanie des Royal Arnty Service Corps, zwei Abteilungen Panzerwagen, eine Kompanie des Königl. Tank-Korps, eine Abteilung de- Königl. Heeressanitätskorps und ein Geschwader der Luftstreitkrafte. Keine Kundgebungen am Freitag Jerusalem, 22. Mai. (JTA.) Im Hinblick auf die für Freitag, den 22. Mai, nach dem Gottesdienst in den Moscheen angekündigten großen Kundgebungen, die insbesondere von Jaffa aus als Protest gegen die Eröffnung eines Nothafens in Tel-Awiw geplant waren, sind von den Behörden umfassende Vorkehrungen getroffen vvorden, um Ruhe und Ordnung zu sichern. In Tel-Awiw wurde die gesamte Polizei mobilisiert, mit Maschtnengewehren ausgerüstet und in Alarmbereitschaft gehalten. Bornbenflugzeuge kreisten in geringer Höhe über Jaffa. Aus Aegypten war eine Abteilung berittener Artillerie eirujetroffen. Die Patrouillen an der Grenze von Jaffa und Tel- Awiw wurden verstärkt. In Jaffa hüteten 800 mit Stahlhelmen ausgerüstete Soldaten die Ordnung. Die mit zahlreichen Maschinengewehrabteilungen versehenen Truppen waren in der Nähe der Moscheen aufgestellt. Durch diese umfangreichen Vorbereitungen eingcschiichtert, gingen nach Beendigung des Gottesdienstes die nach Tausenden zählenden Teilnehmer ruhig auseinander. Am Nachmittag waren die Straßen völlig menschenleer. Auch in Jerusalem fanden nach den Gottesdiensten keinerlei Kundgebungen statt. Außerhalb der großen Städte jedoch wurden die Gewalt- und Sabotageakte fortgesetzt. In Sichron Jaakow wurden 110 Dunant Felder in Brand gesteckt, auch bei Haifa wurden Regierungswälder zum Teil angezündet. Auf der Strecke, R amleb- Bajit Wegan wurde ein Autobus beschossen, verletzt wurde niemand. Eine Lehcnsmittelkarawanc wurde auf dem Wege nach Haifa von einer bewaffneten arabischen Rande angegriffen. Es kam zu einem Kugel Wechsel mit der den Transport begleitenden Polizeieskorte. Die Araber entkamen. Aus N o r d p a I ä s t i n a wurden vielfach Sprengstoffanschläge, Brandstiftungen und Beschädigungen der Telephonleitungen gemeldet. Im Laufe der Nacht wurden auf dem Gelände der Lev ante messe in Tel-Awiw drei Bomben und eine Bombe in der Jehuda-Halcvi-Straße geworfen. Schaden entstand nicht. I )er A 1! t o b u s v e r k e 11 r zwischen Jerusalem und Tel-Awiw wurde zunächst eingestellt, später jedoch wieder aufgenontmen, wobei jeder Autobus mit zwei Fahrern besetzt war für den Fall, daß einer verletzt werden sollte. Das englische Kriegsschiff, das am Mittwoch den Hafen von Jaffa verlassen hatte, ist am Freitagmorgen zurückgekehrt. Die Regierung hat ״E! I. i w a a", das Organ des Großmufti, eingestellt. Auch die für den 23. Mai einberufene Der erste Dampfer vor Tel-Awiw *1־4־Hfü-4 Litis, Die Anlegestelle in Tel-Awiw; links im Hintergrund der erste in Tel-Awiw entladene Dampf er. §• / Indische. Arbeiter bringen die Ladung an Land Das neu errichtete Verwaltungsgebäude des Hafens Foto»; H, Uruihke* (1j, Lasar Dunaar (נ) **»ייי* -'־**׳ VMS»

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