Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1936-05-26 · Heft 42-43 (26.5.1936) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 42-43 (26.5.1936)
Date
1936-05-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2653922-2653963--28861-2690362
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions (2 not found in this text)

Nr. 42/43 26 V. 1936 JODISTHF pin-insr-HAD Seite II Die Theodor - Herzl - Schule Wir haben bereits in der letzten Ausgabe gemeldet, daß die Schule des Jüdischen Schulvercins am Kaiserdamm in Berlin mit Genehmigung der Schulitjfsichtshehörde von jetzt an den Namen ״Theodor- Herzl-Schule“ führen wird. Diese Namensgebung hat mehr als nur symbolische Bedeutung. Sie zeigt, daß es gelungeri ist, mit der Schule einen wichtigen Beitrag zur Belebung des Judentums und zur Wiedereingliederung der jungen Generation in die nationale Bewegung des jüdischen Volkes zu leisten. Dieser Anlaß möge daher dazu benutzt werden, um einen kurzen Rückblick auf die Geschieht c der Schule zu werfen. Der Jüdische Schulvcrein, der Träger der Schule, wurde im Jahre 1019 mit dem Ziele gegründet, jüdische Schulen zu schaffen und zu erhalten sowie die hebräische Sprache und Literatur unter den in Deutschland lebenden Juden zu fördern. Zu seinen ersten Vorstandsmitgliedern gehörten u. a. Prof. Heinrich Löwe, Dr. Felix Rosen bl üth, Prof. Dr. Kar! L e w i n, Dr. Moses Smoira, Dr. Eduard Baneth. 1029 trat Arthur Nathan, der bis zu seinem Tode unermüdlich für den Schulverein tätig war, im Jahre 1930 Landgerichtsrat R a u in den Vorstand ein. 1011 kam Dr. Sally Hirsch in den Vorstand, der jetzt aus den Herren Dr. Eduard L i e p m a n n, Frau Kirschner und Landgerichtsrat Rau besteht. Die Schule selbst wurde im Jahre 1020 in ganz kleinem Umfange im Westen Berlins gegründet, und zwar insbesondere mit Hilfe des damaligen Leiters der Kultur-Kommission der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Moses Gal Vary. Man begann Ostern 192U mit zwei Schülern, die in Laboratoriiunsräumen am Kiirfiirstendamm untergebracht wurden. Ein Jahr später siedelte die Schule, die inzwischen auf elf Schüler angewachsen war, nach dem Stuttgarter Platz in Charlottenburg über, 1022 in die Räume der Synagoge Fasanenstraße, 1925 nach der Rykestraße, 1020 in die Groimanstraße, 1030 in die Klopstockstraße, um Mai 1934 das jetzige Schulhaus Kaiserdamm 78 zu beziehen. Zunächst war eine Grundschule geschaffen worden, seit 1022 wurde die Arbeit als ״Jüdische Familietischule“ mit einer Höchstzahl von 20 Schülern fortgeführt. Ueber die Schwierigkeiten organisatorischer, finanzieller und pädagogischer Art, die in den ersten Jahren zu überwinden waren, kann man sich heute nur schwer eine Vorstellung machen. 1023 hatte die Schule 51, im folgenden Jahre bereits SO Schüler, und erst 1023 wurde sie zor ״Privaten Volksschule des Jüdischen Schuivereins“ ungestaltet, die 192S auf!20 Schüler wuchs, (nt Schulhaus Klopstockstraße, das 1931 bezogen wurde, durfte die Zahl von 218 Schülern einschließlich dem Kindergarten nicht überschritten werden. Der Umschwung des Jahres 1033 brachte der Schule naturgemäß einen sehr großen Zustrom von Schülern. Zwischen Oktober und Weihnachten mußte bereits vor- und nachmittags Unterricht in der Klopstockstraße eiligerichtet werden, um den Andrang zu bewältigen, ln! Januar 1034 siedelten sieben Klassen mit 200 bis 230 Kündern nach dem Kaiserdanun über, während das Haus für die Schule noch umgebaut wurde. Ostern 1034 umfaßte die Schule etwa 620 Kinder, darunter nur noch der zehnte Teil der Kinder, die bereits Ostern 1033 die Schule besucht haften. Fast alle anderen Kinder waren nach Palästina oder nach anderen Ländern atisgewandert. Gegenwärtig sind nbcli 52 Kinder in der Schule, die sie vor 1033 besticht hatten. Seit 1034 umfaßt die Schule 10 Klassen mit 600 bis 650 Schülern, wobei mit einem dauernden starken Zugang und infolge der Abwanderung auch erheblichem Abgang gerechnet werden muß. Die Leitung der Schule hatte zunächst Frau Landau (heute Frau Bcrggnin; inne, seit 1024 Frau P a 11 o f s k y, von 1028 bis 1034 Frau Nathan, die inzwischen nach Palästina ausgewandert ist und in Jerusalem-Talpioth eine Schule geschaffen hat, und seit Ostern 1034 Frau Fürst. Während iin Jahre 1028 0 Lehrer an der Schule tätig waren (von denen Frau P a 11 0 ו s k y, Fräulein Mielzynski und Frau Jacob us noch heute im Amte sind), umfaßt das Lehrerkollegium jetzt 40 Lehrer, von denen ein Teil allerdings nur hebräischen Unterricht gibt. Während so die Geschichte der Schule trotz den außerordentlichen Schwierigkeiten, die besonders in den ersten Jahren zu überwinden waren und bei denen nicht zuletzt die Sekretäre des Schulvercins, Dr. Fritz Löwen st ein und Studienrat H a m 111 e r s t e i 11, der Schule hilfreich zur Seite standen, mancherlei Wechselfälle zeigt, ist das pädagogische Bild von Anfang au einheitlich gerichtet gewesen. Die Schule hat die Koedukation von Jungen und Mädchen in allen Kiasseustufen sogleich als Prinzip festgelegt. Iin Mittelpunkt des geistigen Unterrichts stellt das Hebräische. Mim geht dabei davon aus, daß das Hebräische Ausgangspunkt für jede jüdische Bildung ist. Die Kinder, die die Schule durchlaufen, sollen mit Verständnis die Tenach-Lektürc betreiben können und sich auch in nicht allzu schwierigem naehbiblischem Hebräisch auskennen. Hebräisch ist daher mit einer täglichen Unterrichtsstunde Hauptfach und wird nach dem Prinzip des modernen Sprach- Unterrichts gegeben. Obwohl dieser Unterricht für diejenigen Kinder, die nach Palästina auswandern werden, eine gute Vorbereitung darstdlt, ist seine Bedeutung auch für alle die Kinder zu betonen, die hier bleiben oder in andere Länder auswandern werden, weil nur nufer diesem Gesichtspunkt eine wirklich jüdische Bildung möglich erscheint, ln den übrigen Fächern wird das allgemeine Bildungsgut sorgfältig gepflegt. Dabei wird der Versuch gemacht, die jüdischen Gebiete in den Mittelpunkt zu rücken und auch vom Erlebnismäßigen her durch die Feier von Fest- und Gedenktagen aut das Kind zu wirken. Englisch und Französisch werden in privaten Unterrichtskursen an der Schule unterrichtet. In den übereil Klassen, die sich an die acht Volksschulklassen «schließen, ist der Lehrplan durch Wechsel von geistiger und praktischer Arbeit gekennzeichnet. Die praktische Arbeit führt die Kinder zu Arbeiten im Garten, in der Werkstätte und der Küche und gibt ihnen die Möglichkeit, verantwortlich zu schaffen. In diesen Oberk', ssen wird der Sprachunterricht besonders intensiv durchgcfiihrt. Wenn man die Erfolge, die die Schule in den Jahren ihres Bestehens erzielt hat, überblickt, so fällt zweierlei auf: es ist einmal die vorzügliche wissensmäßige Basis, die die Kinder in den allgemeinen Fächern und insbesondere in den jüdischen erhalten, und daneben — aber nicht weniger wichtig — die menschlich freie Haltung und die enge Beziehung zur Schule, die bei diesen Kindern zu beobachten ist. Die Kinder sollen sich als verantwortliche Glieder der Schulgemeinscliaft fühlen und darauf soll sich ihre Disziplin aufbauen. Auch dieses Ziel ist weitgehend erreicht worden, und es zeugt dafür, daß der Weg, den die Schule beschriften hat, der rechte ist. Wenn die Schule nunmehr unter dem Symbol Theodar Hcrzls ihre Arbeit fortsetzt, so hoffen wir, daß sie die bewährte Linie ihrer Vergangenheit einhaltcn und immer mehr zu einem der wichtigsten Faktoren des jüdischen Schulwesens in Deutschland werden wird. oe. Nach einer Mitteilung in der Kolberger Zeitung ist den Juden im Ostseebad Kolberg nicht gestattet, den abgesperrten Strand, die Kurhausplatte, die Badeanstalten, den Seesteg und die Lesehalle des Bades zu betreten. Um die Auswanderung nach Südafrika Probleme and Vorschläge Von Dr. oec, Fritz Petzall, Johannesburg Die Einwanderung von Juden aus Deutsch-!and ist (wie von uns bereits kurz gemeldet wurde. Red.) in den letzten Wochen Gegenstand öffentlicher Diskussion in Südafrika gewesen. Die Debatte begann mit einem Artikel im ״Burger“, dem Fiauptorgan der nationalistischen Opposition der gegenwärtigen Mehrheit«• regierung, in dem die angeblichen Gefahren einer als übermäßig hczeichneten Einwanderung aus Deutschland in lebhaften Farben geschildert wurden. Das Blatt wies vor allem darauf hin, daß die einwandernden Juden aus Deutschland im wesentlichen nur einer beschränkten Anzahl von Berufsklassen angehörten und sich dementsprechend auch nach ihrer Ankunft im Lande in bestimmten Berufen zusammendrängten. Dadurch werde die Gefahr hervorgerufen, daß eine Reihe bereits iib erfüllter Berufe und Gewerbe weiter übersetzt und die Einkommensmöglichkeiteu der darin tätigen Südafrikaner verschlechtert würden. Die Diskussion fand weitere Nahrung in der Ankündigung, daß die Regierung einen Bericht von ihren überseeischen Gesandten, d. h. wohl von den Gesandten in Paris und Berlin, über die Einwanderung aus bestimmten Ländern, insbesondere Deutschland, erhalten habe, der auf den besonderen Charakter der gegenwärtigen Ein- Wanderung aus Deutschland hinwies. Nach Berichten in der hiesigen Presse macht dieses Memorandum der Gesandten daraut aufmerksam, daß sich Auswanderer aus Deutschland IM KAMPF UM EREZ!ISRAEL - EINWANDERUNG UND AUFBAU 1929—1936 / Juden und Araber / Bilanz des Friedens / Kolonisten und Eroberer / Kampf aus dem Hinterhall / Politische Prämien? i Englische Mandatspolltlk / Wir verteidigen unsere Rechte / Die Haltung des Jlschuw / Unsere gemeinsame Front Zu denEreignissen InPalästlna spricht Dr. MICHAEL TRAUB!״ Breslau: Donnerstag, den 4. Juni, 20,30 Uhr Im Großen Lessingsaal Nürnberg: Sonntag, den 7. Juni, 20.30 Uhr in darTurnhalta der leraelttlschenVol ksschule, Obere KanalatraBe 25 Leipzig: Dienstag, den 9. Juni, 20.30 Uhr Frankfurt O.M.! NXheres In nlchater Ausgabe Hamburg: Mittwoch, den 17. Juni, 20.30 Uhr ZIONISTISCHE VEREINIGUNG FOR DEUTSCHLAND in wachsender Zahl der südafrikanischen Union zuwenden. Es weist ferner darauf hin, daß der gegenwärtige Einwanderertyp nicht derart ist, wie ihn das Einwanderungsgesetz von 1930, das sogenannte Quotengesetz, zu sichern gesucht habe. Es kam schließlich zu einer Anfrage i m Pariament, und der Fragesteller, ein nationalistischer Abgeordneter, plädierte für eine Beschränkung der Einwanderung aus Deutschland mit der Begründung, daß eine weitere Ueberfülluiig von Berufszweigen durch Finwanderung nicht gestattet werden solle, zumal viele der Einwanderer aus Deutschland zugegebenermaßen tüchtiger als ansassige Kräfte seien. L>ieses Argument mußte sclbstverständlieh das Mißfallen einsichtigerer Kreise erregen, und es fand auch eine scharfe Zurückweisung im ,,Natal M e r c 11 r y“, einer der angesehensten englischen Zeitungen der Union. Die große politische Bedeutung dieser Diskussion erhellt aus der Vorgeschichte des jetzt geltenden E i n w a!1 d e - rungs ge setze s, das s. Zt. einen politischen Sturm entfachte. Das Quotengesetz beschränkt die Einwanderung aus bestimmten östlichen und Balkanstaaten, hauptsächlich Litauen, Lettland, Rußland, Polen, Jugoslawien und Griechenland auf eine bestimmte, sehr geringe Zahl von Einwanderern jährlich. Die Grundzahl ist 50 je Land, zu der noch eine geringe Zusatzquote tritt. Die Bestimmung ist generell, richtet sich aber de facto in erster Linie gegen jüdische Ein- Wanderung aus diesen Ländern (und in gewissem Uinfange auch gegen griechische Einwanderer). Die Einwanderung aus anderen Ländern, einschließlich Deutschland, ist frei und ohne Ansehung der Rassenzugehörigkeit des Einwanderers nur den allgemeinen Voraussetzungen (Nachweis genügender Mittel für zwei Jahre Lebensunterhalt bzw. eine entsprechende Garantie eines im Lande Ansässigen) unterworfen. Eines der Argumente, das seinerzeit in der Agitation für das Quotengesetz eine Rolle spielte, w׳ar der Hinweis, daß die Einwanderung aus den der Beschränkung unterworfenen Ländern sich im wesentlichen in den Städten konzentriere bzw. sich auf bestimmte Berufe (Handel und freie Berufe) zusammendränge. Ls verdient daher hesondere Aufmerksamkeit, daß dieses Argument in ähnlicher Form jetzt wiederum vorgebracht wird. Die Regierung hat sich nun zwar die, möglicherweise aus agitatorischen Motiven entsprungenen, Bedenken der Opposition nicht zu eigen gemacht. Infolge der günstigen Wirtschaftslage in der Union ist die Einwanderung allgemein gestiegen, und so konnte der Innenminister im Parlament darauf hinweisen, daß das Anwachsen der Einwanderung aus Deutschland nicht als außerordentlich betrachtet werden könne, wenn man es mit dem Anstieg der Einwandenmgszahlen aus anderen freien Einwanderungsländern vergleiche. Nach den amtlichen Zahlen ist die Einwanderung aus Deutschland von 402 im Jahre 1032 auf 596 1033. 865 1034 und 763 1035 angewachsen. Fliese Zahlen sind insofern freilich vielleicht etwas zu niedrig, als sie nur die Anzahl von Einwanderern umfassen, die bei der Einwanderung angaben, daß sie sieh ständig im Lande niederzulassen beabsichtigten. Immerhin hat der Minister angekündigt, daß die Regierung in Anbetracht dieser Zahlen nicht beabsichtige, Schritte bezüglich einer Differenzierung der Ein- Wanderung aus Deutschland zu ergreifen. Es würde nun freilich vorschnell sein anzunehmen, daß dies schon die endgültige Erledigung der Frage bedeutet. So viele Anfragen flattern täglich auf die Schreib• tische der hier schon etwas hodenständigen Juden aus Deutschland, daß man zwingend den Eindruck gewinnt, daß Südafrika noch eine bedeutende Rolle für die zukünftigen Auswanderer spielen wird. Unter diesen Umständen ist es wahrscheinlich, daß die Frage nach einiger Zeit wieder aufgerollt wird. Wenn man von der agitatorischen Seite absieht, so sollte man auch nicht den Fenier machen, den sachliehen Gehalt der geltend gemachten Argumente völlig zu übersehen. Es ist keine Frage, daß ein großer Teil der Kmwandernden die Neigung hat, sich mit dem Handels- Bewerbe zusammenhängenden Berufen zu/mvcnden. Fine solche Entwicklung ist zweifellos aus politischen Gründen unerwünscht. Ls sollte nicht übersehen werden, daß in der Sache hier ein ernsthafter Appell an die Einwandernden gemacht wird, die wirtschaftliche Entwicklung des Landes auf anderen Gebieten als denen des Handels fortzutreiben. Ls wäre wünschenswert, wenn dieser Appell gehört würde. ln wenig Ländern ist die Tür für die jüdische Auswanderung aus Deutschland heute noch so weit ollen wie in Südntrika. Nach Lage der Dinge bedarf es daher einer gewissen Lenkung der Aus w a 11 d e r u 11 g, wenn diese Tur nicht geschlossen werden soll. Erforderlich ist eine konstruktivere Auswanderungspolitik, so schwer sie auch unter den heutigen Verhältnissen zu verwirklichen sein mag. Für die Aus wandernden selbst und für die beratenden Stellen sind bestimmte G r u n d t ü g c von Wichtigkeit, die sich in der südafrikanischen Wirts! IiaftsentWicklung heute klar abzeichnen. Auswanderungspolitik kann sich nicht nach der gegenwärtigen Lage orientieren, die möglicherweise durch einen Rückschlag aus der Balance gebracht werdet! kann, sondern muß vor allem die W i r t s c h a f t s - t e n d e 11 z e 11 im Auge behalten. Die wichtigste dieser lendenzen dürfte im Augenblick die starke industrialisierung des Landes sein, das im Begriff ist, sich auf den verschiedensten Gebieten eine weitcrvei a! beiUndc Industric־ zu schaffen. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß Südafrika dem Beispiel Kanadas und Australiens folgend im Begriff ist, in vielen Bereichen der Wirtschaft vom Einfuhrzum Fabrikafiotislaml iiber/ugehen. Psychologisch findet diese Lntwickhmg in einem auch bei den gemäßigten Scliichten der Bevölkerung stark ausgeprägten W i r t s c 11 a f t s - 11 a t i o n a I i s in u s eine starke Stütze. Ls wird wahrscheinlich nicht mehr sehr lange dauern, bis eine ״Buy South African“- Bewegung liier im Lande entstellt. Es wurde die Lage und Aussichten der jüdischen Lin- Wanderer aus Deutschland außerordentlich verbessern, wenn Kräfte mit industrieller Schulung und Eriabrung ins Land kämen, die in der Lage wären, beim Ausbau der bestehenden und beim Aufbau weiterer vernrbeitender ludustiieu mit/ulielfen oder gar die I ulirung zu übernehmen. Dies erscheint beinahe noch wichtiger als ein Linstrom rein handwerklich oder landwirtschaftlich geschul- 1er Kräfte. Die gegenwärtige Konjunktur für Handwerker ist zum großen Teil eine B a 11 k o n j u n k 11! r, von der man nicht weiß, wie lauge sie noch anhalten wird, wahrend die Lage in der L a 11 d w i r t s c h a f i unübersichtlich und unsicher bleibt. Wer dagegen eine industrielle Fabrikation kennt und den Fabrikationsprozeß beherrscht, dürfte auch auf längere Sicht selbst ohne eigenes Kapital günstige Aussichten haben, dies um so mehr, als die Außenhandels- Politik der südafrikanischen Union protektionistisch ist. Im einzelnen sind natürlich für Auswanderer nähere Erkundigütigen erforderlich, bevor bestimmte Fabrikationspläne hier ihre endgültige Form an nehmen können. Von den nichtinüustricllcn Berufen gibt es einige, die wahrscheinlich noch gute Aussicht versprechen, wenn sie auch aut den ersten Blick etwas ,,ausgefallen“ erscheinen mögen. Zunächst ist hier wahrscheinlich noch ein gutes Feld für tüchtige Sportlehrer, ein Beruf, der hier rmr spärlich vertreten ist. (Audi Sportärzte haben vielleicht ganz gute Chancen.) Weiter bietet die große Entwickluug der zivilen sowie der niilitanscheu Luftfahrt günstige Aussichten für Piloten. Fs erscheint nicht ausgeschlossen, daß jüdische Piloten im öffentlichen Dienst ankomnien würden, zumal in Anbetracht des vorgesehenen Wehrprogranims, das eine sehr starke Ausdehnung der militärischen Luftflotte Vorsicht, zur Zeit ein ausgesprochener Mangel au Berufsfliegen! herrscht. Die Hinweise, die im Rahmen dieses Artikels gegeben werden können, sind naturgemäß nur skizzenhaft, aber sie können vielleicht die R i c (11 u ri g andculcn, in die eine Aus- Wanderungspolitik gelenkt werden sollte, und nach der Ilm sieh künftige Auswanderer nach Südafrika orientieren konnten. Lines ist gewiß: Die Bevölkerung des hiesigen Landes erwartet von einer Gruppe der Einwanderer, wie es die Juden aus Deutschland sind, einen konstruktiven Beitrag zum Wirtschafts- und Berufs,itifhau Südafrikas. Nur wenn dieser Beitrag geleistet wird, werden die Pforten de» Landes offen gehalten werden. Sir Neill Malcolm ln Prag Prag, 21. Mai. (JTA.) Der V!ilkerbuiulsoberkommissar für Auswandererfürsorge, Generalmajor Sir Neil! Malco Int, der eine Rundreise durch Europa unternimmt, um mit eien Regierungen über Organisation und Programm der für den 2. Juli festgesetzten zwischenstaatlichen Regier ungskonferenz zur Behandlung der Probleme der Auswanderer aus Deutschland zu verhandeln, wurde in P r a g vom Präsidenten der Republik Dr. Ben esc 11 und vom Außenminister Dr. Kroft* empfangen. Tags zuvor empfing Sir Neill Malcolm eine achtglicdrigc Delegation des Comite National, in dem sämtliche Auswandererhilfsstellen der Tschechoslowakei vereinigt sind, unter der Führung von Frau Marie Sch molk» (Hias). Frau Sclimolka überreichte dein Oberkommissar eine Denkschrift, in der die Wünsche der privaten Institutionen für Auswandererschutz dargelegt werden. Von Prag ist Sir Neill Malcolm nach Warschau abgereist. Später w׳ird er die skandinavischen Länder, sowie Holland und Belgien besuchen. Nach einer Meldung der ״Frankfurter Zeitung“ vom 21. Mai sind Kapital und Leitung der Lebensmittelfiyna Schade fk F üllgrabe A. - Q., Frankfurt 1. M., in arische Hände itbergegangen. 4₪₪m₪m₪₪m₪mmm₪m₪₪₪m₪m₪mmam, Billige Kuren an den heißen» hochrad, Thermen Bad Teplitz - Schönau hei Gicht, Rheuma, Ischias. Auskunft: Städtische oder Clarysche Kurdirektlo» «

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.