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Jüdische Rundschau · 1936-05-26 · Heft 42-43 (26.5.1936) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 42-43 (26.5.1936)
Date
1936-05-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 42/43, 26. V. t93d Jüdisches Theater in Polen ״lösche Kalb“ Eine Theatersensation - Gespräch mit Morris Sdnvara Von unserem Berichterstatter s n. Warschau, Mitte Mai Seit Monaten.. feiert der berühmte Schauspieler und Regisseur Morris S c h w a r z aus New York Triumphe in den jiddischen Theatern Warschaus, Lodz’ und Lembergs, Eines ganz besonderen, geradezu sensationellen, an die Tage des ״Dybuk“ der ״Habimah“ erinnernden Erfolges erfreut sich das von Schwarz aufgeführte Volksstück ״J o s c h e Kalb“. Es ist eigentlich eine in Szene gesetzte Bilderreihe aus dem vor einigen Jahren erschienenen gleichnamigen Roman des bekannten jiddischen Erzählers J. J. Singer. Morris Schwarz, vom Schreiber dieser Zeilen befragt, wie der grandiose Erfolg Josche Kalbs zu erklären sei, antwortet: Die 26 Bilder des Stückes folgen filmartig rasch aufeinander, so daß der Zuschauer die ganze Zeit hindurch in Spannung gehalten wird. Die Regie bemüht sich, alle mögliehen Theatereffekte aus/unüf/en ׳ Wort Geh:>r׳lc licht, Bild, Musik und Tanz gehen hier Hand in Hand. Das Schauspieler- Ensemble besteht aus den besten Kräften, die in 1*0len vorlnmlen sind,!■'s wird eine besonders gute Technik augewamlj, die dadurch möglich ist, daß der Regisseur alle notwendigen T11 e a t e r 111 e n -1 - ben mit sich fuhrt. Aber all das - gestellt Morris Schwarz ■ hi 1! 1er noch immer keine gemi- Rcmle Erklärung für die Tatsache, daß trotz dem heutigen Mangel an 111teresse für die Theaterkirnst, trotz der so oft beklagten 1 heaterkrisc ,,joselie Kalli“ in jeder Stadt wochenlang vor allsverkauften Däusern Morris Schwarz als Rabbi von gespielt wird. Theater- Nieschawa ■erfolge -- behauptet Schwarz — lassen sich nicht immer restlos durch Gründe der Vernunft erklären. Es gibt immer noch irgendein geheimnisvolles ״Etwas“, das für den Erfolg oder Mißerfolg eines Theaterstückes entscheidend ist. Es scheint uns, daß dieses entscheidende ״Etwas“ im Falle ״Josche Kalb“ gar nicht so geheimnisvoll ist. Es ist vielmehr in den Stimmungen und Anschauungen des Zu- Schauers, also des heutigen jüdischen Menschen im Osten leicht zu finden. Zunächst der Inhalt des Stückes: Der alte Rabbi Melech aus Nieschawa im Vorkriegsgalizien ist noch voll Lebenslust. Nach dem Tode seiner dritten Frau wirft er ein Auge auf das heißblütige junge Waisenmädchen Mafkele. Zuerst aber verheiratet er seine jüngste Tochter Serele an der1 16jährigen glühend frommen, schwärmerischen Rabbinersohn aus Litauen, Nachuni. Dann erst feiert er selbst Hochzeit. Bald entspinnt sich ein Liebes- Verhältnis zwischen N’achum und der jungen Frau seines Schwiegervaters. Nachum wehrt sich mit aller Kraft gegen diese sündhafte Leidenschaft. Malkele aber, ein einfaches Kind aus dem Volke, hat keine solchen Hemmungen. Eines Abends, als Nachum im nahen Walde, betend und lernend, spazieren geht, begegnet ihm Malkele, die sich hier ahsichtlieh cingefunden hatte — und das, wovor Nachum sich so sehr fürchtete, und wonach er sich zugleich ebensosehr sehnte, geschieht. Von tiewi-vensbissen oh der begangenen Sünde getrieben, verläßt Nachum heimlich das Haus, 11m wandernd, betend unü leidend Buße 71t tun. Nach 15 Jahren begegnen wir ihm, unter dem Spottnamen ,,josche Kalb“ in einem armen indischen Städtchen, Bialogora, wo er als Gehilfe des Bethausdieiicrs ut!d (irubers schweigend . Not und aller Art Erniedrigungen erleidet. Im Städtchen wütet gerade eine Seuche, und es wird eifrig nach geheimen ,,Sündern“, den angeblichen t 'rhebern des 1 'nglucks, gesucht. Einem der Bialogorer Juden gelingt es, den Sünder ... eigentlich die Sünderin — ausfindig zu machen. Ls ist dies Ziwje, die Tochter des Bethausdieners und Gräbers, eine stadtbekannte Idiotin. Sie ist nämlich, obwohl unverheiratet, schwanger! Wet ist der Bosewieht, der cs wagte, eine Unverheiratete und dazu die Tochter eines Bcthauwticners, 711 berühren? Der Verdacht fällt au. den unschuldigen Josche Kalb. Die unglücklichen Vater und Mutter der durch die Seuche dahinget afften Kinder verprügeln die beiden ,.Sünder" und verlangen ihre sofortige Trauung. Der beinahe zu Tode geprügelte Josche-Nachutn wird, bevor er noch recht zur Besinnung kommt, unter den Traubaklacbm ge-,teilt, findet aber noch soviel Kraft in sich, um die vorgesagte Tratitnigsformel nicht nachzusagen. Die Formel wird vom Rabbiner einige Male wiederholt, aber vergebens. Plötzlich erklärt der Vater der Braut, er habe gehört, daß Josche die 1 ratmngsforrncl doch ausgesprochen habe, die übrigen Anwesender! bestätigen es, und Josche Kalb und Ziwje, die Idiotin, werden als Mann und Frau ausgerufen. Nun hält Josche-Nachutn seine Bußezeit für beendet. Noch in derselben Nacht schleicht er sich davon und begibt sich nach Nieschawa. Hier ist inzwischen vieles anders geworden. Malkele ist seit Jahren tot. Der Rabbi ist jetzt ein allen irdischen Schwächen entrückter Greis. Seine beiden Söhne Hegen sich in den Haaren, jeder von ihnen möchte der einzige Nachfolger des Rabbi werden, jeder hat bereits eine ״Partei“ hinter sich. Aber der schweigsame, innig fromme, schwärmerische ״Fremde“, Nachum der Schwiegersohn, gewinnt nach seiner Rückkehr, völlig ohne sein Dazutun, immer mehr Gläubige. Auch der alte Rabbi fühlt sich von Ihm immer stärker angezogen, so daß er eine letztwillige Verfügung trifft, wonach Nachum sein Nachfolger sein soll. Aber das Schicksal wollte Nachum keine Ruhe gönnen. Ein Mitglied des Bialogorer Rabbinerkollegiums, Schachne Dajan, der zufällig nach Nieschawa kommt, erkennt in dem von allen bewunderten Schwiegersohn des Rabbi — den Gehilfen des Bialogorer Bethausdieners Josche Kalb. Er schlägt Lärm: ״Eine Niedertracht in Israel!“ Als man ihm kein Gehör schenkt, reist er von Stadt zu Stadt, wühlt zahlreiche Gemeinden gegen den ״verderblichen“ Nieschawaer ״Hof“ auf und erzwingt schließlich die Einberufung einer üerichtsversammlung von siebzig Rabbinern zur Erörterung und Entscheidung des Falles. Vor Gericht erscheinen zwei Gruppen von Zeugen, die von Nieschawa und die von Bialogora. Die einen beteuern an Hand von Beweisen, daß der Angeklagte Nachum, die anderen behaupten mit ebensolcher Sicherheit, daß er Josche sei. Der Angeklagte selbst schweigt, oder gibt rätelhafte einsilbige Antworten — vielleicht, weil er sonst den Grund seiner Verwandlung in Josche Kalb aufdecken müßte, wozu er sich nicht entschließen kann, vielleicht aber auch, weil er in der Entwicklung der Dinge den Finger Gottes sieht, — ein Zeichen, daß seine Schuld noch nicht gesühnt sei. Plötzlieh schleudert ihm der Ankläger Schachne ein furchtbares Wort ins Gesicht: ״Ich weiß, wer du bist! Du bist sowohl Nachum als auch Josche, du bist aber auch weder der eine noch der andere — du bist ein Dybuk!“ In diesem Moment erliegt der alte Rabbi einem Schlaganfall. Der Gabai (Sekretär) des Verstorbenen ruft Nachum als Rabbi von Nieschawa aus. Es melden sich Widersacher, Anhänger der Söhne des Verstorbenen. Ein Durcheinander entsteht, und da faßt Nachum einen Entschluß. Unbemerkt zieht er sich zurück, legt seine Wanderkleider an und begibt sich neuerdings in die weite Welt. -- Dieses Stück ist also keineswegs eine Idealisierung des chassidischcn Lebens. Der alte Rabbi wird zuerst als ro ■tster, kraftstrotzender Genießer dargestellt. Erst zuletzt, nach dem Tode seiner jungen Frau, unter der Wucht mannigfacher Schicksalsschläge und auch unter der Last des Alters erreicht er einen hohen Grad geistiger Größe. Das Zeremoniell am Nieschawaer ״Hof“ wird oft in grotesker, ans Lacherliehe grenzender Weise wiedergegeben. Kurzum, an Schattenseiten mangelt es nicht. Es gibt aber auch viel Helles und Liebes: Die edle, weltentrückte, ganz in Gott aufgehende Gestalt Nachums, der unerschrockene Wahrheitsstreiter Schachne aus Bialogora, die stille, keusche, treue Serele, die Tochter des Rabbi, schließlich das Volk, das natürlich seine Mängel hat, oft irrt und dadurch lächerlich wird, aber trotz Armut und Bedrückung stets nach dem Erhabenen, dem Göttlichen streht und hierfür die schwersten Opfer zu bringen bereit ist. Gerade in der Mischung des Grotesken und Ernsten, des Lächerlichen und Erhabenen, des ״Allzumenschlichen“ und Göttlichen,'des grob Materiellen und Mystischen, gerade diese ״glückliche Mischung“ ist das Geheimnis des sensationellen Erfolges von ״josche Kalb“. Eine glückliche ist sie deshalb, weil sie der heutigen Einstellung des überwiegenden Teiles der jüdischen Bevölkerung im Osten nicht bloß zum Chassidismus, sondern zur ganzen traditionellen Lebensweise entspricht. Kritische Betrachtungsweise einerseits und gefühlsmäßige Anhänglichkeit andererseits, abfällige Beurteilung des Abergläubischen, Lacherliehen und Verkrüppelten, und zugleich hohe Wert, Schätzung des edlen und gesunden Kernes, Aerger und Zorn über vieles, was man für häßlich und verderblich hält, Stolz und Freude über das, was als schön und wertvoll empfanden wird — so bezieht sich der Großteil der jüdischen Bevölkerung heute zu all jenen jüdischen Lebensformen, die noch immer ein großes Stück jüdischer Wirklichkeit und sehr oft Gegenstand künstlerischer Gestaltung bilden. Eine idealisierende, schönfärbensche Darstellung dieser Lebensformen würde auf dem jüdischen Zuschauer von heute nur abstoßend wirken, aber auch wer für sie bloß ״überlegenen“ Spott hätte, würde ebensowenig Anklang finden. Man versteht und verlangt in diesen Dingen bloß die Wahrheit mit allem, was in ihr an Licht und Schatten vorhanden ist. In diesem Sinne wurde ״Josche Kalb“ von M. Schwarz — bewußt oder unbewußt — aufgeführt und damit packte det Künstler jenes ״geheimnisvolle Etwas“, das ihm sowohl in Amerika als auch in Europa einen so glänzenden Erfolg brachte. Morris Schwarz hat noch eine Reihe anderer Aufführungen aut Lager. So z. B. ״Gott, Mensch und Teufel“ von Jakob Gordin und ״Tewje der Milchiger“ von Schalom Alejchetn. Schwarz spielt augenblicklich in Lemberg. Von dort geht cs vielleicht nach Rumänien, vielleicht nach Kowno und Riga. Er denkt auch an Palästina. Es ist ein besonderer Wunsch von Morris Schwarz, vor den J u d e tt Deutschlands im Rahmen des Kulturbundes aufzutreten, weil er glaubt, daß ein solches Gastspiet für die Juden Deutschlands von besonderer Bedeutung sein könnte. Im Alter von 73 Jahren ist in New York der berühmte Orientalist Prof. Richard James Horatio Gottheil, Profcssor für semitische Sprachen an der Columbia-Universität, gestorben. Prof. Gottheil hat sich neben seiner umfangreichen Wirksamkeit auf dem Gebiet der Religionswissenschaft auch in der zionistischen Bewegung betätigt. 1909 bis 1910 hat er im Aufträge der amerikanisch-archäologischen Schule Palästina bereist. In Moskau wurde ein Prozeß gegen einen hohen Funktionär der ״Hauptverwaltung des nördlichen Seeweges“, namens Sementechuk, geführt. Sementechuk und ein zweiter Angeklagter Starzew wurden zatm Tode verurteilt. Sementechuk wurde neben anderen Verbrechen auch der Judengegnersehaft bezichtigt. Judith Abarbanel als Serele Foto•: David, Pari• Eine Legende von Franz Molnar Am Budapcster Lustspieltheater — im Haus Ben Blumenfeids — wurde; zum Jubiläum seines vierzigjährigen Bestehens Molnfirs Mirakelspiel ״Das Wunder in den Bergen“ uraufgeführt. Das Werk ist vor einigen Jahren entstanden. Schon 1932 war cs von Max Reinhardt für die Salzburger Festspiele vorgesehen; es wurde iedoch von Molnfir zurückgezogen, weil er eine Diskrepanz zu spüren glaubte zwischen dem legendären Stil des Dramas und dem ziemlich entgegengesetzten Stilwillen des damaligen Theaters. Jetzt aut die Bühne gestellt, wurde das Stück zu Molnfirs stärk• stem Erfolg seit ״Spiel im Schloß“. Geradezu als Zeitstück hat sich die Legende erwiesen. Molnfirs Werk zeugt in seiner erregenden Spannkraft erneut für den vielerprobten Dramatiker; weit darüber hinaus jedoch ist es die Offenbarung eines Dichters — jenes Dichters Molnar, der sich in Lilioms Märchcnhimmel ankündigte. Die Aufführung (Regie: Daniel Job) wurde zu einem neuen Sieg des Lustspieltheaters, Ungarns führender Sprechbiihnc. ״Das Wunder in den Bergen“ — das Drama im Kern der Dichtung — zeigt die Struktur eines Kriminalstücks. Ein Kind wurde ermordet, der kleine Simon, der fünfjährige uneheliehe Sohn der Dienstmagd Cilli. Den Tatort kennt man. Blutspuren wurden entdeckt, auch die blutbesudcften Kleidungsstücke des Knaben. Indes ist die Leiche verschwunden. Wo liegt sie versteckt? Wer ist der Täter? Man verdächtigt die Mutter. Manche Indizien deuten auf sie. Die Tat geschah an einer Stelle, im Gebirge, wo Cilli häufig mit dem Kind gesehen worden war. Vor allein sind ihre Beziehungen zum Lehrer im Dorf bekannt. Den möchte sie heiraten. Auch er möchte das Verhältnis gerne legitimiert sehen — seiner Behörde und der Leute wegen. Da ist jedoch das uneheliche Kind. Zu den Dorfbewohnern hat Cilli häufig von dem Dilemma gesprochen, ja, wenn das Kind nicht wäre! Längst schon wäre sie die geachtete Lehrersfrau. Wer also konnte ein Interesse daran haben, das Hindernis wegzuräumen? So redet man im Dorf. Polizei und Gericht verfolgen energisch die Spur. Cilli leugnet; beteuert hartnäckig, sie sei unschuldig; weint, jammert um den Knaben — ihr Kind. Niemand glaubt ihr. fn der alten Klosterkapelle sucht sie Trost, Rettung. Aber schon ist der Haftbefehl hinter ihr her. Sie wird verhaftet. Zuvor noch hat sie den Vater des Kindes besürtmt, ihr aus der Gefahr zu helfen. Den Vater? Das ist der wohlhabende Bürgermeister. Kann er denn helfen? Er ist ein angesehener Mann, Beamter, lange schon Familienvater (er hat vor Jahren eine Dame aus der Aristokratie geheiratet) — was kann denn er für Cilli tun? Nicht, daß ihn die Sache gleichgültig ließe. Schließlich war’s auch sein Kind. Seine Besorgnis ist ganz, ehrlich. Zusehends wächst seine Erregung. Fast möchte es scheinen, es seien Gewissensbisse, die ihn nun nicht mehr zur Ruhe kommen lassen. Hier folgt die meisterhafte Szene, in der er, der Bürgenmeister, von Skrupeln getrieben, seiner Frau die Wahrheit bekennt: Cilli ist unschuldig. Er selbst war’s, der den kleinen Simon getötet hat. An jenem Tag war er auf einem Ritt in den Bergen. Da geschah es, daß ein Kind — vielleicht spielte es nur — mit Steineil nach ihm warf. Er will das Kind verjagen. Glaubt cs zu verscheuchen, wenn er seinerseits einen Stein in die Richtung wirft, aus der er beworfen wurde. Der Stein jedoch trifft den Knaben am Kopf. Eine furchtbare Wunde. Das Kind stirbt. Angst befällt den Täter. Er, der Hochgeachtete, darf nicht vors Gericht kommen. Würde man ihm denn den Hergang glauben? Ganz gewiß nicht, nachdem sich herausstellte, daß es sein eigenes Kind war, das er tötete. Konnte denn der uneheliche Sohn nicht ebenso ihm im Weg gewesen sein wie der Mutter? Wäre das Tatmotiv gegen ihn nicht genau so naheliegend wie gegen die Dienstmagd? Ein Strafprozeß würde bestimmt seine Karriere beenden, seine gesellschaftliche Position zerstören, sein Familienglück vernichten. Auch vor Gericht, in der Verhandlung, hat er nicht den Mut zur Wahrheit. Aber ein entsetzlicher Kampf tobt in ihm. Denn drüben, auf der Anklagebank, kämpft eine Unschuldige um ihr Leben. Der Gerichtspräsident — dem Gesetz verpflichtet, — kann er an der Schuld der Angeklagten zweifeln? Bei so klarem Motiv, bei solchen Indizien? Immerhin möchte er ihr den Weg zur Gnade öffnen: sie sollte gestehen, bereuen. Indes ringt da eine Verzweifelnde. Eine Mutter, der man das Kind genommen hat; von der jeder überzeugt ist, sie sei eine Mörderin. Das kann doch nicht das Ende sein! Wenn nicht in diesem grauen Gerichtssaal, der ganz erfüllt ist von menschlicher Klugheit, von der Strenge menschlicher Logik — wo dentt ist ihr Gott, zu dem sic betet, zu dem sie aufschreit in ihrer Not? Wo ist er, an den sie geglaubt hat, von dem sie weiß, daß er lebt, der auch jetzt ihr Gebet ist, ähr Glaube, ihre Hoffnung? Der Gerichts- Präsident jedoch muß sein Werk beenden. Er muß das Urteil sprechen. In diesem Augenblick übergibt der Dramatiker Molnar die Handlung dem Dichter Molnfir zu treuen Händen. Der antwortet auf die ewige Frage, die er ins Fundament der Dichtung legte; ״Was aber geschieht, wenn alle recht haben und es dennoch keinen Ausweg gibt?“ Dann wird, wie seit Jahrtausenden, das eine geschehen, das die ausweglos in ihr Schicksal verstrickten Menschen noch stets zu ihrem Gott zurückführte, zum G! a tt b e n, jenem übermächtigen, der Berge versetzt: es wird, solches zu vollbringen, das Wunder geschehcn! Das aber ist das ״Wunder in den Bergen“: Der fremde Mann, den wir gleich zu Beginn des Stückes in der Klosterkapelle trafen, dem dort die Dienstmagd Cilli ihr Leid offenbarte, dem wir dann als Zeugen vor Gericht, begegneten, dieser Fremde führt den Gerichtspräsidenten hinaus — zu dem Rosenstrauch, wo der Bürgermeister das Kind begraben hat. Man findet den Knaben. Jedoch ist’s keine Leiche — denn einen Scheintoten hatte man unter Rosen versteckt. Das Kind lebt! Seine Auferstehung ist begleitet von zarten und weisen Dichtcrworten, die sich in strahlendem Crescendo — erschütternd und beglückend zugleich — zu den Schlußakkorden der Legende fügen. —ro. In Warschau fand die Jahresversammlung des polnisehen Acrzteverbandes statt. Nachdem der Jahresbericht erstattet worden war, stellten die Delegierten der Aerzte aus Posen und Potnmcrellcn den Antrag, die jüdisehen Aerzte aus dem Verband ausz 11 schließen. Dieser Antrag löste außerordentliche Erregung aus, besonders, weil die Antragsteller geheime Abstimmung gefordert hatten. Bei der Abstimmung wurde der Antrag abgelehnt. Nach Verkündung des Äbstimmungsrcsultatcs verließen die Delegierten aus Posen und Pommerellen demonstrativ den Saal. In den Dörfern Kupka, Patrutz und Petriceni in der Bukowina ist es zu cuzisfischen Ausschreitungen gekommen. In den jüdischen Häusern wurden die Fensterscheiben zertrümmert, zwei Juden sowie ein rumänischer Bauer, der sich der Juden annahrn, wurden schwer mißhandelt. JASTIK JHP MOSSUL .152, HERIS 1079 180 tX? SCHI RAS 1047Q ־.7%7 142 SCHIRWAN 189. HAMEDAN 100 Qfi 190 JU.- Verkauf nur Berlin C? Spandauer Straße32

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