Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 42-43 (26.5.1936)
- Date
- 1936-05-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2651273-2653922-2653963--28854-2690355- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seit• 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 42/43, 26. V.1936 Adoption, Ehelichkeitserklärung und Erziehungsrecht In der ״Deutschen Freiwilligen Gerichtsbar k eit“ dem Ergänzungsblatt der ״Deutschen Justiz,“, hehandelt Amtsgerichtsrat M anfeil er die Aufgaben, die dem Vormuiulschaftsrichter jni Dienste der Erb- und Rassenpflege erwachsen. Eine besondere Bedeutung kommt dabei den Funk- Honen des Vormundschaftsgcrichis bei der Adoption, der Atrnalitue an Kindesstatt, zu, wenigstens in allen Fallen, in denen das Kind noch nicht volljährig ist, weil es liier ent- Weder der kiiiwilligungserkliirung des gesetzlichen Vertreters m dem Annahrnevertrag oder der F.itiwilligungserklänmg des Kindes selbst die vorrmindschaftsgerichtiiehc Genehmigung erteilen muß, liier tritt seine Wirksamkeit neben die des ״Bcstätignngsrichtcrs•‘, der die allgemeine Genehmigung für die Adoption zu gewahren oder zu versagen hat. Für die Frage, wie weit A d o p t i o n s v e r t r ä g c z vv i s c h e ח arischen u n d nichtarischen, Vertragspartnern möglich sind, sind grundsätzlich die Nürnberger Gesetze und ihre Ausführungsbostimmungcn maßgebend. Im einzelnen stellt der Verfasser folgende Möglichkeiten zusammen: Hcöeükcfi umetüi-^i: di■- I ö-nrd.׳m;cing Hrxs; Aitoptionsvor!ragt■-, wem! der Aimehmrnd,.‘ <1, um-!!I,!״! ig, ,!,!, K,1״i alx-r Md■-!!- ling zweiten (ür.-iöei sei, Klx-nio werde 1!!,u! 111! umju-ki-hj u׳n!׳'alle die Adept um eines ilt-ut• hblunm n Kmde; dun-U einen Misenling trveden idmdes zukis-en d׳if!Vn. Dapenen spriü'hen in jedem Falk: im ״)temii h!-n imer! ,,e 11׳!׳ ׳!:p* mtnnde m-p: ׳! d;׳.- Hersielhing eines F:uni!im1i>:,1״l(■«, ״,-nn der!■me Teil deu’-ehiiÜitii״ ׳der Mischling Z'keiirn (,rade-, dm ,liniere a’ner lud!' im Sinne des Reichsbürgergr*et7cs sej, Kenn-n I nteiadned kuime es mm. I. n, rc der Amtefimemh' 1״l:״r da: Iv.m.l da,- jndetH an-m :,.111 liesiize, denn es sei ruit dein drti! . I11-״ K,״ mm h! weder vm 1,der, daü «!in Jude ein dein-: hlrnn;!-!-,, kmi t-r/aPie, n״, i! d.iu 1:m pah-,׳ im■׳ Kind mit einer (kiun tiha.nig- 11 t״;,״■,.־•!im 11 , ״ ״:.!1!״ mal Kh,.ic-\v1!1,.l׳!,is “,״״ende . E .1:1:;!:1.1 ׳, ,”d Verl .1׳ ■ d-, :1 wnde. S hn! sei die Knts-dp’ai״!!״, wm,n einer der Ih-'i-ilpp, ״ v.m?11 ri vGlj idiv heil Großeilen! rdv-tnmme nn-l Mmiilm;' (e1-!e:1 t i, der :n.-iert■ Ver*t;11׳״- feil 1-1 hfl' dm!׳hl P-.n ig oder tmle >; i. jlm hoiaaipd 'halt -liehler weide fehl sonatahi:, piinen!nhsseii. ,,!> ei einem \ epnge seine Zu-thnnting gehe, dar! 11 den cm Kcal, das Mischung ersten firades sei, van einem JmPm .m kir״!׳ Vau anpcia anna-u werdet! raplle. Kr ״«ih v״r .dk-m 1-11 h,־,׳, hsdppil hl!,CU, d״,!:, d.!• Kind ״I, Mi־Chd1e־r linier!) in!■'״׳,.׳• pe,••-!:׳ tmd dm! d>m Kinde :•1-difrlrh i׳-p׳' Au-i! 11■ ip-iamcm■-! wmdm -,ץ-־׳!,״ die (!11:'׳ ami!r!]1p r.nr Kheidirhung!tut ruicr de-lt s׳ Id ״:: ppm ihi-siai?!! einal’en. Sei der eine k et t Uipsti--:! Ueü' - i 11 am pp iiei aadi!e 11! e-p;1 k!,- Idhnp mm■״ f,1ade--, bo 11-1!!1;-׳ k aiiaucih.C’ 1 a hi 1-1׳ und 1h ’ 1 npu!! i! lilci ehenfalls --׳:,^׳■׳"׳׳׳ zu ninpm, tm cm dem: u:,p-1' kmcap die vmmundlinden könne, P!hei werde der kh,!:1,11ml..!■״!t: .!!. hier eher ecn<-i׳'׳t sein, f!tu 11 Vom.ag zu :p m-icmg-n. ivi-iin 11>-r A.-nr-hiw'nd׳• den! -ehblutig, dm Kind aber kl״ h.ing ei-'••;! ('״-,nies -ei, ai-, jm anderen Falle, in dem cm Mncliling eisP-,-1 (״,nie-- rin deut-c hhhit ״־es Kind arim-hmen wnllc, In׳• richtige lim-elicidung werde immer nur nach roigialtiger Prülung der he-nndeton i'11,״.1י1ח<> des Kinzeltalis erfolgen kennen. I.ine vermntal ״, hac -wt-t a in ia!1e ’ ■cnehniigniig und gern'!,,‘liehe iie-,1., 1 igung des Verhapc-׳ weiden woh! nur in Frage kommen, wenn irn I׳.!n?:-lt,dl!>c׳ana]ere (ii'iimle Inerhir sprechen. Snilc ein Kind von i'hega'ten gemein ■h.tftlich an Kindes Statt angenommen worden oder sei der (allein) Annehmende vcrh׳'it.1tet, so werde die IrnfM healung dann keine In-sotidcren Schwierigkeiten ’ innrhcn. wenn di« Jlheg.iüen ras-isah glekharbg seien. Gehören sie vh 9c h in jenen R,t sc n an, sc ו wert!׳‘ cs in s el׳er Kei! für das Kind ni! ht von Nutzen, g mfIc! n Vuii Srii.i! len sein, wen n cs in diese Kanu!;<׳* aui^cnommcii WCltlc . I>;‘:än in f liir r J־ähc, in der ' der eine K1!c£;־! 0.-hli]!n־re tit'u: r־lt> . aruKre Jmk r sei. sei die t ardrmn׳j-.!1uj׳>sL!e Kmd!!inet (!e-, KncU■־•. ■סי!m . cs j'i'ü'1 1׳ 0!ier dn1:0 h . sein. Kcf.dmlci; s׳.e V!• -i ^״liort > K־׳:i hn]׳־׳, weil der Htuand (!er 1a—is׳.d1cn ehe *■HlrG »»!>!!' ,.nie! ״׳•׳*;, Kein Hup■ rnis für■׳! dir .An nähme an K IimIcs S'af!!!;'.!!! hri C; zu o;n, w■;■ IUI <1 er eine V. In jgu 1c dtinsch- '>׳!rs ׳n<10!i;.׳ der , - M: iii:׳ ’ zwei!(‘ n (־• adי ׳?ei.“ Nach;tlinlichen ( inimi-at/cii wie hei der Adoption empfiehlt Amtsgeru hi-rat Maßtclicr auch bei der H 1! e I i c h k c i t s - erklär tt!1 g 0;׳! ״ h e 1 i c 11 e r K i 11 d e r zu verfahren. Auch bei der Auswahl eines V o r ni u n d > für ein der Bevormiimhing hedurfti י- ■׳ Kind -pieit die Image dgr Rassengleichiicit oder -Verschiedenheit (ine Rolle, nie einhellige Auffassung ihm Vormund-■halt-richtet־ gehe dahin, so sagt der Verfasser, dali für ein detitsciihiutiges Kind, nur ein h, ntsihliiiii!!!■!■ Vormund bestellt werden könne. Dasselbe :misse gelten für ein Kind, das Mischling zweiten Grades sei. I's müsse eine Fr/teliung durch einen dent־ehhU1figen Vormund genießen. Auf der anderen Seite bestünden keine Bedenken dagegen, e i 11 e m j ü d i s c 11 e!1 Kind einen t 11 d i י c '11 e n V!< r ni u 11 d / u bestellen. Was die F r - z i e 11 11 11 ,׳.: von K 1 11 d e! n a 11 :׳, g e > c h! e d e n v 11 o d e r n i c!1 t i ״ e n It a - s e 11 in i s! h e h t: 11 betrifft, so erinnert der Verfasser an das früher h •reils eru ahnte t'rfeii eines I andgerijtts, uoiiaih die br/ielnin« eines Kindes mit nur einem vo'budis, iiei! (jrof'elternfeil ideht in die I binde seine« ji,!disrlieii Fliernletls gelegt werden dürfe. I!irr,au« dürfe jedoch, so mein! er, niiht gefolgert werden, daß in jedem Falle die I 1 ׳/irhung deden,-, ־hbiufigen Kindes oder des Mischlings mit mir einem voll jüdischen (irolScIfcmteil dem arischen Ehegatten und umgekehrt die Fr/iehung eines jüdischen Kindes dem jiidi-chen Fheteil zu überlassen wäre. Eine serielle \'״r,1!!!׳e:m hiermi״ lapp■ weder im Interesse des -- deutschblutigen oder jüdischen - - Kindes־, noch im Interesse des Staates, Wenn der f 11 er nt ei!, dem das Kind in rassischer Beziehung am nächsten stehe, zur Erziehung eines Kindes ungeeignet sei, wenn er das leibliche oder körperliche Wohl des Kindes dadurch gf'almle, daß er das Personensorgerecht mißbrauche, das Kind vernachlässige oder sich eines ehrlosen oder uiisitt'iehen Verhaltens schuldig mache, könne ihm die Erziehung des Kindes nicht überlassen werden. Der Vormnndschaftsrtchtrr müsse gegebenenfalls die Unterirringütig des Kindes in einer anderen geeigneten Familie ins Auge fassen. Arthur Siibergleit wird dieser Tage fünfzig Jahre alt. Seine feine, gefühlssehöne und formvollendete Lyrik — in unserem heutigen I.iteraturblatt wird Silbergleits letztes Buch angezeigt — ist auch unseren Lesern nicht unbekannt. Das Judentum in Deutschland ist gewiß nicht reich an Talenten, die die Tradition allgemeinen und jüdischen dichterischen Gehalts in solcher Treue und Reinheit wahren wie dieser [lichter, dem wir noch lange Jahre reichen Schaffens wünschen. Budapester Brief Von unserem Berichterstattei■ Budapest, den 22. Mai ״Orszägos Egyctertes“ veröffentlicht ein Interview seines Berichterstatters mit Leon Blum, der anknüpfend an die Gegensätze zwischen assimilatorischen und zionistisehen Juden in Ungarn erklärte: ״Ich bin ein französischer Jude, nenne mich mit Recht so, denn mein Vater, Großvater und Urgroßvater waren Pariser, stammten aus dem französischen Elsaß und keine Nuance des französischen Geistes ist mir fremd. Trotzdem bekenne ich mich als Volljude, zwischen meinem Franzosenturn und Judentum fühle ich keinerlei Gegensatz. Dieses Bewußtsein verdanke ich Ghaim Weizmann, der mir einmal auseinamlersetzte, wie kompliziert das nationale Gefühl sei. Nur ein guter Jude könne ein guter Patriot seines Vaterlandes sein!“ In den Judendebatten des ungarischen Abgeordnetenhaus es scheinen einige junge Aristokraten die Führerrolle übernehmen zu wollen. Jüngst trat Graf Viktor Kärolyi als Verteidiger des kleinen Mannes in Landwirtschaft und Gewerbe auf,^da die großen Unternehmungen vom Eigentiimer bis zum letzten Angestellten in jüdischen Händen seien. Dann griff er die verjudete Presse an und zitierte einen Artikel der ״Neinzeti Ujsäg“, die das Judentum «inen ״schadliehen Eindringling“ nannte. Dagegen protestierte in schärfsten Worten der jüdische Abgeordnete Bela Fabian. Am nächsten Tag ergriff der (nichtjüdische) Abgeordnete Rudolf Rupert das Wort, um sich gegen den von jungen Magnaten eingeführten Ton zu verwahren. In der vergangenen Woche wurden hier drei Gräbdenkmäler enthüllt, deren Tote auch das Interesse des Auslandes UelweideHe S^!JtUande*t mit k!fir»en Kaufhaus am Savignyplats, Qroimmtra«« 8.901 manstraß« 27 || beanspruchen dürfen. Alle Quäker Vereinigungen des Landes huldigten dem Maler Israel Perlmutter, der ,sein beträchtliehes Vermögen der Pestcr Israelitischen Gemeinde sowie dein Jüdischen Landesmuseum vermacht hatte, in dem eine Reihe seiner Gemälde im ״Perlmutter-Saal“ ausgestellt sind. Die Pester Israelitische Gemeinde feierte den Architekten Ludwig B a u m h o r n, den Erbauer von zirka 30 Synagogen Ungarns, darunter der Gotteshäuser in Szeged, Szoinok, Temesvär, Losonc, Gyöngvös und einiger neuer Tempel in Budapest, während die Ungarische Israelitische Literaturge- Seilschaft dem verdienstvollen Poeten und Philosophen Ludwig Palägyi ein würdiges Grabmal errichtete. Dr. A. F. ״Kurz und gut“ Theaterabend im Kulturbund Breslau ״Kurz und gut“ — das klingt fast wie ein Eigenlob der Veranstalter. Es war allerdings mehr ein Versprechet!, das in diesen drei zum Motto erhobenen Worten lag; das Versprechen, dem in der vorgerückten Jahreszeit schon ein wenig theaterimHlen Publikum zwar durchweg leichte, unproblcmatische Kost zu bieten, sie ihm dafür aber auf eine möglichst nette und künstlerisch ernstzmiehmende Art zu servieren. Das ist unserem Kulturbund, indem er fünf heitere Szenen mit Friedl Münzer, Alfred Berliner (Balthoff) und Alfons Fink — jetzt sämtlich in Köln — aneinanderreihte, vortreff״ lieh gelungen. Fink, der den Breslauern durch seine jahrelange Tätigkeit an einem hiesigen Theater besonders nahestelit, hatte sich diesmal als Sclnvankautor versucht. Den Abend eröffnete sein Sketch ״Wups weiß Bescheid״', eine ״Biiroangelegcnheit“, deren Inhalt ebenso anspruchslos ist wie ihr Titel: billigster Klamauk uni einen unwahrscheinlich blöden Buch- Halter und seinen noch unwahrscheinlich blöderen Chef. Wenn eine derartige Belanglosigkeit nun freilich mit so viel gesundem Witz und turbulenter Komik gespielt wird wie durch Berliner und Fink, dann nimmt man den Unsinn gern in Kauf und — amüsiert sich köstlich. Nicht minder belustigend, durch ihre hübsche St hlußpointe jedoch wesentlich wertvoller, war die von Fink verfaßte und von ihm persönlich dargcstellte Sfraßcns/ene ״PP WC“ ein ebenso tolles wie nachdenklich stimmendes LHircheinander neuester und allcrneuester Witzattraktionen. Es leitete zu Arthur Schnitzlers einst so beliebtem ״Abs c 111 c d s - S o u p e r“ über, dem bereits die Patina des ״klassi;ch“ gewordenen Lustspiels anhaftet. In der Tat: was uns Heutige von den Sorgen und Alltäglichkeiten jener Menschen trennt, ist weit größer und gewichtiger als das, was uns mit ihnen verbindet. Und doch läßt man sich immer nrx:h von der Grazie und den echten dichterischen Impulsen der Schnitzlersehen Dialoge bezaubern. Die (auf dem Zettel nicht genannte) Regie hätte übrigens nichts Gescheiteres tun können, als das Ganze im Kostüm der Entstehungszeit des Werkes auf die Bühne zu bringen; das milderte die Distanz zu dem reichlich verblaßten Anatol-Thema wenigstens um einige Grade. Die Aufführung — mit der gerade hier sehr aparten Friedl Münzer als Annie, Fink als Max und Berliner als Anatol — hatte Schliff und Farbe, sie kam, durchaus im Sinne Schnitzlers, von Anfang an auf schauspielerisch nuancierte Rede hinaus; man hafte den Eindruck einer fein abgestimmten Gesamtleistung, deren Niveau der einer guten Kammerspiclbühne Ehre gemacht hätte. Fs folgte nach einer improvisiert wirkenden, ironischen Debatte Finks und Berliners über das Publikum, das niemals weiß, was es will — eine lustige Szene ״Abrechnung“, in der Friedl Münzer und Alfred Berliner so indiskret waren, die Schulden einer mondänen Frau vor den Ohren anscheinend Unberufener bis in die kleinsten Teilchen zu zergliedern. Den Abschluß bildete die reizende Groteske ״Der Hund im Hirn“ von Kurt Goetz. Auch hier wieder, trotz kleinen Uebertreibungen Berliners (als Herr Tittori) und trotz allzu betonter Passivität Friedl Münzers, eine Darstellung, der man mit Freuden zustimmen konnte. Die Rolle des Professors hätte nicht idealer erfaßt und erschöpft werden können als durch Alfons Fink. Ein ausgezeichneter Diener war Georg Feldmann. Den Bühnenbildern von Egon Markus ein Sonderlob! Das Publikum zeigte sich sehr beifallsfreudig. —d— Teilnahme an jüdischen Repetitorien Die Zeitschrift ״Jugend und Recht* veröffentlicht eine Parteigcrichtsentschcidung, durch die ein Berliner Rechtskandidat, der als Mitglied der NSDAP an den Repetitorien eines jüdischen Repetitors teilgenommen hatte, von einem Berliner Kreisgerichte der NSDAP mit der Strafe der Verwarnung bestraft wurde. In den Gründen heißt es: Das Reclitsstudium sei ein hervorragend weltanschauliches Studium, das man nicht bei einem Juden betreiben könne. I)ort könne man allenfalls positives Wissen eingepaukt erhalten; aber Charakter und positive Haltung, die entscheidend seien, könnten von dem Juden nur verbogen werden. Wenn der Angeklagte sieh auf die ״Schutzjuden“ berufe, die in der Rechtsanwaltschaft belassen worden seien, so hätte er aus dem Parteiprogramm heraus entnehmen müssen, daß dies eine liebergangsersclieitiung sei. Von jeder Parteigenossin fordere man, daß sie nicht bei Juden kaufe. Es sei eine Schande, daß der Angeklagte als alter Kämpfer, der mit seinen 22 Jahren noch nicht zu lange in libcralistischen Gedankengängen erzogen worden sei, nicht an seinem Platz an der Bekämpfung der Juden mitgetan habe. Der Angeschuldigte hätte dadurch wenigstens die Fähigkeit zur Bekleidung von Aemtern in der Partei und ihrem Gliederungen verwirkt. Es seien ihm jedoch in weitem Umfang mildernde Umstände zugebilligt worden, weil er wiederholt, so schon im Herbst 1929, an Saalschlachten mit Marxisten teilgenommen habe und dabei durch einen Schlag mit einem Stuhlbein am Kopfe verletzt worden sei, so daß genäht werden mußte. Mit Rücksicht darauf, und auf das gute Zeugnis seines Zellenleiters habe das Kreisgericht nur auf eine Verwarnung erkannt. Bildung eines Präsidiums des GA. Der GeschMftsfUhrende Ausschuß der ZVID, hat zur Herstellung eines engeren Kontaktes mit der Arbeit der Geschäftsführung der ZVfD. aus seiner Mitte ein Präsidium gebildet, das aus folgenden Herren besteht: Dr. Moses als Vorsitzendem, Dr. T r a u b, Dr. Meyer, Isi E i s n e r. Wiener Notizen Von unserem Berichterstatter J.R., Wien, 20. Mai Die Lage der Juden hat durch die RegierungsumbiP düng keine Aendcrung erfahren. Die österreichischen "Juden sind ohne jeden direkten und indirekten Einfluß auf die politische Gestaltung und Führung des Staates. * Anläßlich des 25. Todestages Gustav Mahlers fanden in W'ien •eine Reihe von Feiern statt. Die musikalischen Mahler-Feiern, die unter dein Ehrenschutz des B u n - deskanzlcrs Dr. Schuschnigg und unter derkünstkrischen Leitung Bruno Walters standen und schon vor einiger Zeit mit Aufführungen einiger Werke Mahlers eingeleitet wurden, haben 113it der von Walter geleiteten VIII. Sinfonie den Höhepunkt gebracht. Bruno Walter, der neben Willem Mengelberg seit Jahrzehnten Mahlers Erbe hütet, hat durch seine schon zur Tradition gewordene Mahler-Interpretation das großartigste und zugleich schwierigsSte Werk Mahlers zu einer tiefergreifenden Gedächtnisfeier gestaltet. Nachdem am Vormittag des IS. Mai, des Todestages Gustav Mahlers, der Direktor der Wiener Staatsoper L)r. Felix von Weingartner und für die Bundestheater- Verwaltung Dr. K ö r b e r einen Lorbeerkranz am Grabe Mahlers auf dem Grinzinger Friedhof niedcrgelegt hatten, fand am Abend in Anwesenheit des Bundeskanzlers Schuschnigg im Mittleren Konzerthaussaal eine vom österreichisehen Kulturbund veranstaltete Mahler-Gedächtnisfeier statt, bei der Bruno Walter einen Vortrag über ״Gustav Mahler ־— Erinnerung, Betrachtung und Bekenntnis“ hielt. Walter, der eben an einem Mahler-Buch arbeitet, hat an diesem Abend seine reichen persönlichen Erinnerungen durch eine liebevolle Betrachtung und Vermittlung vieler unbekannter Wesenszüge des Mensehen und des Künstlers Mahler sowie seines Werkes den Hörern nahezubringen verstanden, * Aus Anlaß des 74. Geburtstages Arthur Schnitzlers fand im ״Jüdischen Kultur! heater“ eine Gedächtnisfeier statt. Weit über zwei Stunden lang lauschte eine das kleine Theater füllende Anhängersehar den Worten Schnitzlerscher Gestalten, die von Maria Guttmann, Mitglied des Deutschen Volkstheaters (sie las die Novellen ״Ein Erfolg“ und ״Die Toten schweigen••), ferner von Ludwig Roth (״Der Witwer“), sowie von Heinrich Schnitzler, dem Sohn des Dichters, mit intensivster Hingabe, an Wort und Gehalt des Schnitzlcrschen Geistes dargebracht wurden. Den Höhepunkt des Abends bildete die Vorlesung von ״Leutnant Gustl“ durch Heinrich Schnitzler. TRAUERFEIER für NAHUM SOkOI.OW am Mittwoch, dem 3. Juni 1936, 20.30 Uhr Brttdervereinshaus, Kurfürstenstr. 115-116 Vorsitz: Rabbiner Dr. Baetk Ansprachen: Dr. Alfred Klee Dr. Michael Traub Prof. Otto Marburg Jüdische Ordiesterveretnlgung unter Leitung vftri Leo Kopf ZIONISTISCHE VEREINIGUNG TOR DEUTSCHLAND JEWISH AGENCY FOR PALESTINE Sachgemäße u. schleunige Durchführung Ihrer AUSWANDERUNG Raprlsanlansan In Paliilln•! HAIFA: Herbarl Atchner, i Hrrrlitr. ׳-׳, Sa omon Ban JERUSALEM: A. M. A J. Hellbronner Bank Ltd. C. O B 1041 TEL . AVIV! Dr. Jur. W. Marx, IS, Sdialom AlflArm Street, Hrtie Ben lehtiüa Road Amtsger.-Rat a. D, Dr. ASChner Oberreg.*Rat a. D. R. Kempner Berlin W1B, M8lnek«str. 8. J 1 Bismarck 2856 13 u. 1619״-»/נ Uhr) Transfer-Projekte / Vermögens-Liquidationen / Anlageberatung nach Palästina und anderen Ländern Eigene Repräsentanzen in Italien Repräsentanz In Südamerika 1 Dr, Kurt Seheyö, lio Paulo Marddi&i Dtodoro 11