Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 41 (22.5.1936)
- Date
- 1936-05-22
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 41, 22. V. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 18 Das Amphitheater auf dem Messegelände י*מ?. / >j,■ ,, «.ז »■**'**''f. 902 5^ rj»n£T 1.nat2?!י... ■ . 'Jlfeil Äfl I j ili Foto : Wrissenstein, Tel«"*,w1W durchfurcht, der in der Einöde, nur von dem auf seinem Pferde sitzenden Schomer bewacht, sein Werk vollbringt. Nach diesem etwas pathetischen Auftakt, der aber durch künstlerische Zurückhaltung und Vornehmheit die Grenzen des Erlaubten nicht übersteigt, werden in den darauffolgenden Räumen die verschiedenen Stadien und Methoden des Siedlungswerkes gezeigt. Zunächst das wichtigste Problem des Landes: die Be- Wässerung. Eine große Pumpatilage, die unaufhörlich aus drei mächtigen Rohren Wasser in ein Bassin speit, gibt dem Ganzen den lebendigen Rhythmus. Die verschiedenen Formen der Entsumpfung, Austrocknung, Bohrung, Drainage und Berieselung, sowie der Kampf gegen die Malaria, wird im Bilde veranschaulicht. Es folgt die Abteilung der P f I a n - zunge n und Aufforstung, die sich ins Freie hin öffnet, wo die Pica einen kleinen Musterwald mit allen im Lande vorkommenden Baumsorten gepflanzt hat. Die Institutionen der Hachscharah und der J u g e n d a I i j a h, die Arbeiten der Nir Ltd., des Keren Kajemeth und des Keren Hajessod und ihre Leistungen und verschiedenen Siedlungsformen werden veranschaulicht. Wir sehen die Siedlungen auf dem Boden unserer Fonds, u. a. auch in einer großen Reliefdarstellung des ganzen Emek von Ludwig Wolpert dargesteiit, stehen vor Photos, die uns fast die Wirklichkeit Vortäuschen, und werden durch Statistiken und den Ge• Samteindruck nicht störende, sondern geschickt unterstreichende Inschriften über das Wachstum unserer Kolonien und das Erblühen des Landes belehrt. Dieser Pavillon, dessen technische Arbeit von Architekt Suchodower und dessen vorzügliche Beschriftung von Franziska B a r u c h geleistet wurde, bedeutet sicherlich einen Hauptanziehungspunkt für alle Messebesucher. Weniger für die große Menge berechnet, aber doch von großem instruktivem Wert ist sodann die von Professor Oskar Klein und Architekt Otto Schiller zusammengestellte wissenschaftliche B a 11 - A u s s t e 11 u n g, die für ein planvolles und allen hierbei in Frage kommenden Bedingungen Rechnung tragendes Bauen Richtlinien aufstellt. Das Studium dieser in ihren mit allzu, kleinen Bildern versehenen Tabellen ist etwas anstrengend, gibt aber über Finanzierung, Platzwähl, Konstruktion, Materialverwendung, Licht- und Luftanlage, Schallsicherung, sowie über Stadtplanung im allgemeinen wertvolle _ Aufschlüsse. Das gesamte Material gehört allerdings eher in eine Publikation, in die man sich in aller Stille vertiefen kann, als an die Wände eines Ausstellungspavillons. Der Versuch als solcher aber äst von großer Bedeutung und sollte unbedingt weiter ausgebaut werden. Hugo Schachtel Sechziger Die Zeit, in der wir eine große zionistische Familie waren, ist schon lange vorbei, aber sie wird wieder gegenwärtig und lebendig, wenn man den Anlaß des sechzigsten Geburtstages eines Mannes wie Hugo Schachtel (früher Breslau) am 27. Mai benutzt, um ihm — sicherlich im Namen eines sehr großen Kreises von Freunden und Gcsinnungsgenossen — aufrichtige und herzliche Glückwünsche zu senden. Ob unsere jüngere Generation weiß, was es bedeutet, wenn ein Sechzigjäriger zwei Drittel seines Lebens im Kampt um die Verwirklichung unseres historischen Ideals gestanden hat, weiß ich nicht. Aber viele Tausende wissen, daß unter den nicht wenigen weltanschaulichen und ideologischen Strömungen, die es in diesen vierzig Jahren im Zionismus gegeben hat, sich eine durchgesetzt hat und auch in Erez Israel das Beste und Dauerhafteste schuf: der konstruktive Zionismus. Diesem hat Hugo Schachtel in all den Jahren in seltener Treue gedient und war einer seiner besten Repräsentanten. Zu einer Zeit, als Palästina für die meisten Zionisten nur ein ideologischer Begriff war, hat er in Publikationen von sachlichstem Inhalt die Realität unseres Landes uns nahegebracht. In diesem Sinne war z. B. das ״Zionistische Merkbuch“ ein einzigartiges Werkchen, das auf knappstem Raum eine wahre Fundgrube für Zionismus und Palästinakunde darstcSite. Mein Glückwunsch würde zu lang werden, wenn icl! auf alle anderen Publikationen eingehen sollte, die Hugo Schachtei im Laufe dieser langen Zeit zur Stärkung des ״konstruktiven Zionismus“ veröffentlicht hat. Aber vieles davon ist unvergessen geblieben. . ^'eser schicksalsschweren Zeit, wenn unsere Gedanken sich manchmal mit der Zukunft in unserem Laude befassen und wir in Sorge daran denken, welche Gestalt unser verwirklichtes Ideal in Erez. Israel einmal annchmcn wird, gibt es in der Gegenwart einiges, was uns mit Hoffnung und Zuversicht erfüllen kann. In den Jahren der Entscheidung kommt viel, wenn nicht alles darauf an, daß die Träger einer Idee auch die Träger der Verwirklichung sind. Der Zionismus in Deutschland ist heute in zahlreichen seiner besten Vertreter in Palästina und wird seinen Einfluß im schöpferischen Sinne dort zur Geltung bringen. Daran denken wir am sechzigsten Geburtstag unseres Freundes Schachtel, der heute in Haifa lebt, und wünschen, daß sich noch viele Jahre eines arbeitserfüllten, zufriedenen Lebens an ihn reihen mögen. Adolf P o II a k Erkrankung Dizengoffs Tel-A wiw19 ,׳. Mai. (JTA.) Bürgermeister Meir Di zengof f ist ernst erkrankt. Er wurde in das Hadassa-Krankenhaus ebracht und wird dauernd von zwei Aerzten beobachtet. Im aufe des Tages wurde an Dizengoft eine Bluttransfusion vor- ,genommen. Gegen Abend besserte sich sein Zustand. Die Aerzte haben erklärt, daß gegen seine Uebemahmc in häusoche Pflege nichts einzmvenden sei. Arbeitsrecht in Palästina Jerusalem, Mai. (JTA.) Die Paiästinaregierung veroffentlichte den Entwurf einer neuen Workmen’s Compensation Ordinance 1936, durch die die Bcstimmungen des gleichnamigen Gesetzes von 1927 sowie seine Ergänzungen neu gefaßt und vervollständigt werden. Das Gesetz behandelt die Entschädigung von Arbeitern für im Betrieb erlittene Unfälle. Während die Angestellten von dem Unfallschutz bisher ausgenommen waren, ist der Kreis der Entschädigungsbercchtigten erweitert worden. Auch der Kreis der Arbeitgeber, die unter die Bestimmungen des Gesetzes fallen, ist ausgedehnt worden. Dem englischen Recht entsprechend wurde eine Bestimmung eingefügt, nach der eine Entschädigungspflicht im Falle des Todes oder der dauernden Invalidität auch bei Verschulden des Arbeitnchmers besteht. Weitere Vorschriften behandeln den Konkurs des Arbeitgebers, seine Pflicht zur Eingehung einer Versicherung und die Entschädigung bei verschiedenen Krankheiten. Die Entschädigungssätze wurden ebenfalls neu bestimmt. Linolfiwn 1ä.r Treppa־״K״Äten־ ■III wI Wl III Zimmer und Küchen Der Weltkongreß jüdischer Aerzte Ueber den äußeren Rahmen und den Gesamtverlauf des Kongresses wurde bereits in Nummer 34 und 35 der ״Jiidisehen Rundschau“ berichtet. Die Tatsache, daß dieser Kongreß nicht für Aerzte, sondern auch für weitere Kreise interessante Probleme behandelt hat, rechtfertigt es, über die Fachvorträge Näheres zu berichten. Ein Fundament für die Kongreßarbeit war der große Vortrag von Prof. Max N e u b u g c r, Vorstand des medikohistarischen Instituts der Universität Wien, über ״Die Stellung der jüdischen Aerzte in der Geschichte der medizinischen Wissenschäften“. Er zeigte die große Arbeit, die von jüdischen Aerzten zu allen Zeiten und bei allen Völkern für die Wissenschaft geleistet worden ist. Dabei fällt auf, daß jüdische Aerzte besonders das wissenschaftliche Gebäude an wichtigen Punkten bauen halfen, wenn sie auch oft unter den großen praktischen Klinikern auftauchen. Schwierig war die Arbeit Neubtigers im letzten Jahrhundert, wo oft kaum die rassische Abstammung festzustelien ist. Im inneren Zusammenhang damit stand der geistvolle Vortrag Schneersohns (Warschau) über ״Die Kulturmission und Tradition des jüdischen Arztes“. Er wies nach, daß es kein Zufall ist, daß das Studium der Medizin eine so grolle Anziehungskraft auf die Juden ausgeübt hat. Er entwickelte es aus der Religion und Tradition des Judentums, nachweisend, daß vor allem Ethik, Huinanitäfsgeist und Wertung des Lebens zu dieser Betätigung dränge, daß dagegen primär in dem Geiste des Judentums die wirtschaftliche Seite des Medizinertums keinen Boden fände. Damit waren wesentliche Grundpfeiler des Kongresses, der zur Schaffung eines ״Weltbundes jüdischer Aerzte“ führen sollte, vorgezeichnct. Der Kampf für die Rehabilitierung der Ethik der jüdischen Aerzte wurde in der Diskussion höher gewertet ais der Wirtschaftliehe Existenzkampf. Begeisterte Worte für diesen Kampf fand in der Diskussion I)r. Hildesheimer (Tel-Awiw). Zur Klärung der wirtschaftlichen Lage der jüdischen Aerzte iri Palästina war wesentlich ein Referat von S c!1 c r m a n n (Tel-Awiw). Die Lage der nichtjüdischen Aerzte in Palästina ist sehr gut, weil ihre Zahl sehr klein ist, das Kulturniveau der arabischen Bevölkerung sich andauernd lieht und mehr als ein Drittel bei der Regierung und sonstigen Gesellschaften Anstellung findet. Dagegen hat die verstärkte Alijah von jüdischen Aerzten das Miß- Verhältnis zwischen der Zahl der jüdischen Aerzte und der jüdischen Bevölkerung vermehrt. Den Anpassungsprozeß kann und muß man beschleunigen durch Vermehrung und Erweiterung der Hospitäler, durch Entwicklung von Kurorten, durch Gründung eines Fonds zur Hilfe bei der Umschichtung und durch Gründung von Instituten zur Fortbildung von Aerzten in Palästina. In der Diskussion wurde immer wieder betont, daß man die künstlichen Mittel der Finwanderungs- und Lizenzsperre bekämpfen müsse, die unverträglich mit den heutigen Verpfliehtungen Palästinas gegenüber der Judenheit seien. Besonders erhoben die alt-palästinensischen Aerzte feierlichen Protest dagegen. Die Frage der Ausbildung und Fortbildung behandelte eingehend Citron (Tel-Awiw), sich aut eine Ueborsieht der Möglichkeiten stützend, die augenblicklich den Juden in der Welt in dieser Hinsicht gegeben werden; er kam zu der Forderung der Schaffung einer vollen in e d i z i - ni sehen Fakultät in Jerusalem. Vor allem ist unbedingt notwendig, daß mit größter Beschleunigung der Unterricht in der Anatomie einschließlich Sektionen ermöglicht wird. Der Kongreß beschloß dementsprechend. Damit haben wir in die wesentlichste Arbeit des Kongresses vorgegriffen, die Gründung des ״Weltverbandes jiidischer Aerzte“. Der unermüdliche Präsident des Kongresses, D, A. Fried man 11 (Tel-Awiw), entwarf in meisterhafter Weise das Gesamtprogramm. Der Weltverband soll die Gesamtheit der jüdischen Aerzte der Welt zusa 111 men fassen zu gemeinsamer Pflege ärztlicher Ethik und zur Weiterbildung ärztlicher Wissenschaft. Um dies erfüllen zu können, muß der Weltbund sich eine Zentrale schaffen, am besten in Jerusalem, angegliedcrt an jüdische Forschungsinstitute und an eine Zentrale für Gesundheitsschutz des jüdischen Volkes. Man will medizinisch-jüdische Zeitschriften für alle Spezialfächer schaffen. Auch ein medizinisch-jüdischer Verlag soll angegliedert werden. Der Weltbund soll ein Informations-Büro für alle Forschungsgebiete und neue Arbeitsgebiete schaffen. Er soll Forschungsstellen auch in andern!..ändern betreiben und freundschaftliche Beziehungen zwischen jüdischen und nichtjüdischen Organisationen pflegen. Er soll sich um Unter- Stützung und Förderung der jüdischen Aerzte kümmern, lokale Hilfsjgcmcinschaftcn gründen, jüdische ärztliche Standesfragen vertreten und fördern. Er soll ökonomische Institute für Wirtschaftliche Förderung, Standessparkassen usw. unterstützen. Mehr für den Fachmann wichtig waren dann die Referate über ״d i e G e s u n d h e i t s p r o h 1 e m e d e r Jude n“, die von Dr. J a s k i (Jerusalem), I )r. Ol sc 11 w a 11 g e r (Paris), Dr. Schweig (Polen) gehalten winden, und über ״Die Ges u n d h c i t s - S c 11111 e n e i n r i c h t u 11 g e 11“ von I>r, A. K atzen cl son (Jerusalem), Dr. Wul mann (Warschau), P“ CO ב״ M Dr. Brutzkus (Paris). Prof. Chajes sprach üIkt die dringende Notwendigkeit einer Arbeit er-Sciu!t/gcse17gebung in Palästina. Dr. Davidson (Tel-Awiw) hat sorgfältige Untersucliitngen an der Pal äst i n a-1in w an d e r 1111 g vor der Älijah und vor der Hachscharah duichgeführt. Von dem Gedanken ausgellend, daß zum Aufbau eines neuen Landes gesunde Arbeitskräftc Bedingung sind, fordert er, daß die notwendigen ärztliehen Untersuchungen und Beobachtungen durch besondere Vertrauensärzte durchgeführt werden, da es zu leicht vorkommt, daß andere Aerzte sich nicht nur von sachlichen, sondern auch von menschlichen Gesichtspunkten bei der Au!*• wähl bestimmen lassen. Ein Ausklang der fachlichen Arbeit war ein Vortrag von Boak (WjciP über systematische Untersuchungen des Prof, der Anthropologie und derzeitigen Rektors der Lembergcr Universität C z k r. n o w s k i. Noch einige Worte über medizinische und naturwissenschaftliche Institute, die den Kongreßteilnehmern gezeigt wurden. A11 erster Stelle ist das neue Krebsforschungs-Institut (Prof. Halbcrstädter) zu nennen, das im Nathan-Strauß- Haus (Jerusalem) neu eingerichtet werden konnte. Weiter die vorzüglich eingerichteten physiologischen, physikalisch-chemisehen und biochemischen Institute, die der hebräischen Universität Jerusalem angegliedert sind. Für einen größeren Kreis bieten besonderes Interesse die einzigartigen botanischen Sammlungen, die Prof. Rcubeni zusammengetragen hat. Professor Dr. Oskar David (Frankfurt a. Main) Als Sonderdruck des Bandes 16 der Zeitschrift für öffent- Wehes Recht (Verlag Julius Springer, Wien) erschien eine Arbeit von Dr. Moritz ßileski, Haifa: ״Der Grundsatz der wirtschaftlichen Gleichberechtigung in den Mandatsgebieten“. Das in Nr. 37 abgehildete Messcplakaf stammt von Oskar Sachs (Schluß des Palästina-Teils) Anschläge kostenlos la Refer. / Gegr. 1892 GroBes Lager In Cocos-, Boucleu. Vetourigufern fritx Stoehr Memhardstr. 18 frühere MUnzstr. 17 E1 Berolina 1286-67