Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 41 (22.5.1936)
- Date
- 1936-05-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 41, 22. V. 1936 Von der Levante-Messe Von unserem palästinensischen Korrespondenten Presseschau Die englische P r e s s e beschäftig{ sich eingehend mit den Unruhen in Palästina. Der ״Daily Telegraph“ veröffentlicht unter der Ueberschrift ״Spannung in Palästina“ einen Leitartikel, in dem erklärt wird, es könne nicht erwartet werden, daß trotz der Prosperität, die von den Zionisten nach Palästina gebracht wurde, die neuen Einwanderer von der primitiven Bauernschaft und den von dein neuen Nationalis* mus des Nahen Ostens erfüllten städtischen Arabern willkommen geheißen werden. Erst in einer späteren Generation durften die beiden Völker freundschaftlich nebeneinander. leben. Jetzt der Agitation und der Gewalt nachzugeben, wäre sicherlich eine schlechte Wendung gegenüber beiden Völkern. Ein zeitweiliger Ausbruch von Gesetzwidrigkeit würde dadurch dauernd an die Stelle bürgerlicher Regierung treten. * Auch die ״Morningpost“ warnt vor jeder N a c h g i e b i g k e i t gegenüber den Aufrührern. Die Araber hätten eine Einschränkung der jüdischen Einwanderung auch 1927 bis 1930 verlangt, als diese Einwanderung sehr klein war. Sie wollen das Mandat überhaupt nicht anerkennen. Die Mandatsbestimmungen seien aber unwiderruflich. Und selbst wenn sie abgeändert werden könnten, dürfte die Mandatarmacht dies niemals unter den Druck von Brandstiftung, Plünderung und Aufruhr tun. * In der Zeitschrift ״Der deutsche Volkswirt“, Berlin, vom 15. Mai wurde ein Aufsatz ,,Struktur und Aussichten der Wirtschaft Palästinas“ von Dr. Hermann S c h n e ider, Berlin, veröffentlicht. Nach einem Rückblick auf die Lage Palästinas am Ende des Weltkrieges wird der wirtschaftlichc Aufschwung des Landes geschildert, insbesondere wird aut die jüdische Idnn :iiuieruug und die Frage der Bodenprobe hingew ie-i.!!, feiner auf das Problem der Zitrus- Wirtschaft. Der Verfasser bi'ehaftigt sich sodann mit der städtischen Entwicklung des Landes, der Industrie, dem Kapitalmarkt und der Ausfuhr, und kommt auf die Krisenfakioren in der pal.Mim itsischen Wirtschaft zu sprechen. Schließlich wendet er sieh den politischer! Fragen in bezug aut das Verhältnis zwischen Juden und Arabern zu. Der Verfasser meint, daß beim Ausbleiben schwerer politischer Storungen Platz und Brot für eine die heutige Bevölkerung erheblich ubcr-U gguuic gemischte arabisch-jüdische Bevölkerung sein durfte. Jedoch wird nach seiner Meinung ״der Traum eines mein!re .Millionen rein jüdischer Rasse umfassend( n wirkliche n ,national hörne‘ auf dem schmalen Boden aus politischen und wirtschaftlichen Gründen wohl kaum je verwirklicht werden können“. Jemenitische Juden und Unruhen Aus Tel-Awiw wird uns geschrieben: Der ״i >au ar“ bungt folgendes Eingesandt eines jemenitischen Juden: .,!!1 lmer Zeitung stand vor wenigen Tagen die N'achricbi, dal; der Beherrscher des Jemen ein Telegramm an die Beduinen von Ikwchewa geschickt habe, in dem er ihnen mittcilt, daß er sieb ihrem Wunsche gemäß hei dem König von England zugunsten der streikenden Araber Palästmas verwandt habe. Diese Nachricht erschüttert uns sehr, denn sie erregt in uns Besorgnis wegen unserer Bruder im Jemen. Der arabische .Streik fordert von uns die Anspannung aller Kräfte, aber wir dürfen dabei nicht der Juden vergessen, die in verschiedenen Ländern unter arabischer Herrschaft leben. Sogar in friedlichen Zeiten war ihr Los schwer, um wieviel mehr ist es das jetzt. Wir müssen der Propaganda der palästinensischen Araber in den anderen arabischen Ländern unsere angespannteste Aufinerksamkeit schenken. Wir müssen versuchen, soweit es möglieh ist, einem Unglück vor/ubeugen. Wir dürfen nicht vergessen, dal) unsere Brüder in diesen Ländern völlig schützlos sind. Sie haben noch nicht einmal eine Verbindung durch Post oder Telegraph. Sie können uns nicht einen wahrhätsgemäßen Bericht über ihren Xudaml zukommen lassen. Wenn wir nicht von Iber aus Wege finden, um mit ihnen in Verbindung zu komm״!, so 'werden wir nichts über ihre Lage erfahren. Wir dürfen!Jas nicht vergessen, und uns auch in dieser Stunde der Not nicht unserer Pflicht gegen unsere Bruder entziehen.״ Gegen die Prügelstrafe Ans Tel-Awiw wird!.!in :;schrieben: Der ״I ),!war“ bringt einen Protest gegen die Prügelstrafe, die auch im Zii-ainmeiiliang mit den Ereignissen der letzten Wochen oi: über Jugendliche durch die Gerichte verhängt wurde. ,,Die PriigeLsfrafe hatte in den Augen der Gesetzgeber den Sinn, das Kim! an ein011 blinden Gehorsam gegen den Erw 31 hs! iki! zu gewöhnen. Es ist aber bekannt, <131» physischer Zwang nur da.- ( leiuhi der Emp!>n11]g gegen den'Strafenden wrekt. Das Kind ver In rt dadurch sein Zutrauen zum Erwachsenen. Die im isteit der Kuivb.r, die tm.sere leichter zu Schlägen vernrn tieri, sied vorher von I. Item und Lehrern geprügelt worden In vielen bailcu gewohnt sich das Kind an Mhläge und wi 1ul1t si.!1 weg vo:t allen so/ialeu Bindungen. Der Erwächsernhat für es jede Autorität verloren. Sein!.eben ist voll von Bitterkeit, die" ganze Web ist sein Gegner. Es ist nur allzu natürlich, daß es sieh Gesellschaft unter seinesgleichen sucht. Der britische!Echter, der vor kurzem ein Kind zur Prügelstrafe vertu teilte, sagte in der Urteilsbegründung, auch er selbst wäre in -einer lugcml geschlagen worden, und diese Strafe habe ihm in seiner Entwicklung genützt. Durch diese Worte wollte der Richter sicher sein eigenes Gewissen be* ruhigen. Nehmen wir selbst an, daß er in bc/ug auf sieh selbst recht hatte, so laßt sich doch die Lage eines Kindes־, das von seinem Erzieher geschlagen wird, nicht mit der des Kindes vergleichen, das von fremden verhaßten Menschen geschlagen wird. Und wieviel .schlimmer wird die Sache noch, wenn es sich um ein Kind aus den ärmsten Schichten handelt, das sich von der Gesellschaft verlassen und ausgestoßen fühlt.“ Palästina sollte das Gesetz über die Prügelstrafe abschaffen, und statt dessen lieber die Bestimmungen über den Jugendschutz erweitern. Aber nicht nur die Regierung trifft die Verantwortung, sondern auch die palästinensische Ooff entlieh keit, die nicht gegen solche barbarischen Gesetze protestiert. Die Palästinarcgieruiig veröffentlicht in der ״Official Gazette“ den Entwurf einer Safeguarding of Public Water Supplies Ordinance 193b, die den Schutz öffentlicher W a s s e r v e r s o r g u n g s a n I a g e n vor Störungen durch Privatpersonen bezweckt. Wasserversorgungsanlagen werden in Palästina im allgemeinen aus Quellen hergeleitet. Es bestand bisher kein Verbot für Privatpersonen, benachbarten Quellen durch Bohren eigener Brimnenanlagen Wasser zu entziehen. Das neue Gesetz ermächtigt den High Conmtissioner, Gelände, die Grundwasser enthalten, als Gebiete der öffentlichen Wasser- Versorgung zu erklären. Dies hat zur Folge, daß die Anlegung neuer oder Erweiterung vorhandener Brunnen nur mit Genehmigung des Distrikiskonimissars zulässig ist. gl. Tel-Awiw, 11. Mai 1936 Nach und nach kommt der Betrieb auf dem Mcsscgelände in Tel-Awiw in größeren Schwung. Noch immer sind nicht alle Vorbereitungen beendet, hier und da sieht man noch die Schilder, die mitteilen, daß Ausstellungsgegenstände noch im Jaffaer Hafen lagern, hier und da wird noch ausgepackt, geleimt, gemalt, der und jener Stand erhält den letzten Schliff. Aber die großen zentralen Hallen sind alle fertig, die ausländischen Pavillons wurden vorige Woche eröffnet, und das Publikum beginnt in größeren Massen seine Rundgänge. Mit der Eröffnung des K o I 0 11 i s a t i o n s - pavillons, in dem die Geschichte der ־zionistischen Siedlungsarbeit von ihren ersten kleinen Anfängen bis zu den letzten Errungenschaften veranschaulicht wird, und der ein neues und interessantes Novum auf der Messe bildet, beginnt erst in vollem Umfange der eigentliche Betrieb. Ein Rundgang durch das Gelände, mit einem Blick auf die Gesamtanlago, gibt, was Farben, Linien, Stileinheitlichkeit und Weite der Perspektiven anbetrifft, einen der erfreulichsten Eindrücke des neuen Palästina. Mit den Verbesserungen und der Auffrischung dieses Jahres ist der Eindruck der vorigen Ausstellung noch verstärkt worden, daß es hier gelungen ist, ein Werk in einheitlichem, weitlinigem Geschmack hinzustellen, das an Freiheit der Gestaltung und Großzügigkeit der Auffassung sich mit guten ähnlichen Unternehmungen Europas messen kann. Der Blick auf die Fassaden der verschiedenen Pavillons, die trotz ihrer Verschiedenheit einen guten Zusammenklang geben, auf die weiten Grünflächen, die sich dazwischen dehnen, belebt von Wasserbassins und plötzlichen Ausblicken auf das Mittelmeer, die bunte Verkleidung mit den verschiedensten Fallnen, die eindrucksvolle Beleuchtung an den Abenden, die Konzentrierung der verschiedensten kleineren Bauten um den großen Zentralpavillon, der die jüdischen Produkte umfaßt, hat etwas Heiteres und Beruhigendes. Am Abend sieht mail von weither die Illuminierung der Fassaden, inshesondere die großen Lampen auf dem Zentralturm und die Umrisse der großen neuen Rutschbahn des Lunaparks. Die Friedensinsel An einem der Nachmittage, die stark vom Publikum besucht sind, wie z. B. am Tage der Eröffnung des Kolonisationspavillons, trägt das Mcsscgelände einen besonders heiteren Charakter. In einem der Cafes sitzt eine gut ge- Hunte Menge beim Klange lustiger Musik. Dicht am Rande fließt blau und still der Jarkon vorbei, vorbei an reifenden Getreidefeldern, drüben sieht man um das Haus des Scheich die Häuser von Scheich-Munis geschart und etwas davon entfernt die hohen kantigen Häuserwürfel von Rainat Gan. Die Landschaft dehnt sich gelbgrün bis in die bläulichen Berghöhen hinein. Und auf der anderen Seife begrenzen die glatten weiträumigen Fassaden der Ausstellung den Blick, und auf den Wegen drängt sich eine interessierte Menge, stark von Jugendlichen durchsetzt, die mit Heißhunger alles Interessante in den Ständen aufstöbern, von den Diagrammen bis zu den Zuchthengsten der Regierungsfarmcn. Das ganze Bild, die Stimmung ist so heiter und friedlich, daß man sich bei der Empfindung ertappt, es könnte sich hier nur um einen Schein handeln, um etwas Unwirkliches. Wenn heute ein Fremder hierherkommt und dieses Bild als erstes sieht, so wird er alle Zeitungsberichte über Unruhen, über Ueherfälle, Brandstiftungen, politische Konflikte und Unsicherheit zuerst einmal für lächerlich erklären. Kann es etwas Friedlicheres geben als diese lebendige Friedensinsel am Jarkon? Dieses selbe Gefühl muß viele erfaßt haben, denn in der politischen Rede, mit der Ben Gurion den Kolonisationspaviilon eröffnete, begann er mit eben diesem Bild, das jemanden, der ganz von der palästinensischen Situation des Heute erfüllt ist, wie ״eine schöne Legende“ erscheinen könnte. Gerade an dieser Ausstellung, ihrem ganzen Rahmen wird es klar, daß Tel-Awiw in den gegenwärtigen kritischen Tagen die zentrale Festung ist, die sich durch die Massen der Juden, durch ihre ״Autarkie“, sicher und unbelästigt fühlt und wenige Wochen nach den Jaffaer Ereignissen bereits fällig ist, sich auf eine Ausstellung zu konzentrieren. Nirgends sonst in Palästina gibt es dieses Gefühl des ״Untersichseins“, nicht in den ״gemischten“ Städten, nicht in den Siedlungen. Und deshalb reagiert auch vielfach Tel-Awiw anders als die anderen Punkte, deshalb vergißt man vielleicht auch hier eher als an irgendeiner anderen Stelle die andersartige Wirklichkeit Palästinas außerhalb der Stadtgrenzen . , . Die Eröffnung des Kolonisations-Pavillons Diese Wirklichkeit, die ganze Schwere der gegenwärtigen Situation, wurde jedoch sofort zu Beginn der Erüffnungsfeier des Kolonisationspavillons deutlich. Es war eine Feier des ״Und dennoch“. Der Aufmarsch der Jugend — leider ungenügend organisiert und daher des riehtigen Eindrucks ermangelnd — konnte nicht über die zentrale Tatsache hinweghelfe!!: zu diesem Feste der Siedlung, wo die Ergebnisse, die zivilisatorischen Errungenschaften der jüdischen Sicdlungsarbeit zusammengefaßt werden, war kaum ein Vertreter der Siedlungen erschienen. B a r a z, einer der ersten Siedler aus Daganiah, begann seine Ansprache mit dieser Tatsache, die die gegenwärtige Lage symbolisiert. Niemand ist heute aus den Siedlungen abkömmlich, alle Kräfte sind am Tage zur Arbeit, in der Nacht zum Wachen notwendig. Und so mancher im Publikum suchte noch während der Festreden in der eben erschienenen Abendausgabe nach den gefürchteten Nachrichten über neue Brandstiftungen, neue Zerstörung von Feldern. Niemand feierte so eigentlich an diesem Tage die Errungenschaften des Bisherigen, sondern alle hatten den Blick in die Zukunft gerichtet und spürten die Notwendigkeit des Zusammenschlusses zum weiteren Ausbau des Werkes. Das Symbol der Fackel, die von Generation zu Generation weitergegeben wird, waren die Sprecher■, die drei Geschlechter vertraten, einer der ״Bilu“ aus der ersten Siedlergruppe in Judäa, einer der Mitglieder der ״zweiten Alijah“, der Gründer der ersten Kwuzah auf Boden des Keren Kajemeth und ein Mitglied der Jugendalijah aus Deutschland, die jetzt zur Siedlung zusammen mit der palästinensischen Arbeiterjugend geht. Mitten in dieser ״Friedensinsel“ hörte man als dominierenden Klang den Per Keren Hajessod ist derTrägerdes jüdischen Aufhaus in Palästina Zentrale fOr Deutschland, Berlin W15 Moinekestraße 10 / Postscheck: Berlin 1049 51 Widerhall der letzten schweren drei Wochen. Es war bezcichnend, daß Ben Gurion, der die Eröffnung des Pavillons vornahm, seine ganze Rede der politischen Lage widmete und immer wieder Gelegenheit nahm, auf den Ernst der politischen Situation hinzuweisen. Es gibt heute in Palästina neben den olitischen Fragen und denen der öffentlichen Sicherheit einen Gegenstand, der das Interesse in vollem Malie zu konzentrieren vermag. Der Schatten der Ereignisse ,liegt über allem. Das äußere Bild der Messe Von Dr. Karl Schwarz, Tel-Awiw Wenn man jetzt, nachdem die durch den Streik im Jaffaer Hafen zuriickgchaltcnen Waren ausgcliefert und alle Pavillons eröffnet sind, das Ausstellungsgeliinde der Levante-Messe betritt, so ist man beglückt von dem herrlichen Bild, das sieh einem bietet. Die Messeleitung hat hier etwas Aulterordentliebes geleistet. Wenn vor zwei Jahren, als aus einem Oediand ein ganz neuer Stadtteil mit den Ausstellungshallen und eine Ausstellungsstadt von imponierender Großzügigkeit entstanden war, so bewundert man diesmal die Verschönerung und lebendigere Ausgestaltung der ganzen Anläge. Die großen Gebäude sind in ihrer alten Form geblieben, einige Hallen vergrößert und umgebaut, eine ganze Anzahl neuer hinzugefügt worden. Obgleich der Umfang des Aus- Stellungsgeländes derselbe ist wie vor zwei Jahren, hat der Raum durch diese Veränderungen an Wirkung gewonnen, ist der architektonische Eindruck ein geschlossenerer und das Gesamtbild übersichtlicher geworden. Vor allem muß die gärtnerische Verschönerung hervorgehoben werden. Man hat neue Grünflächen anf. ders schön und heiter wirken. Die vielen Fahnen, darunter die Flaggen von 33 Ländern und vor allem die sehr geschickt dekorierten blau-weißen, erhöhen das festliche Gepräge. Wenn man die Hallen im Ein/einen betrachtet, so ist auch hier überall ein wesentlicher Fortschritt zu bemerken. Nicht nur, daß die Zahl der Ausstellungsobjekte gewachsen ist, man ist auch — mit einigen Ausnahmen — ausstellungstechnisch weiter gekommen und hat sogar in der Abteilung der jüdischen Siedlungen ganz neue Wege der Ausstcllungsforrn gefunden, die sowohl künstlerisch wie auch technisch recht beachtenswert sind. An n tuen Ge b ä t! d e n sind die von der Türkei, Rumänlen, Jugoslawien, Griechenland, L ibanon und Finnland hinzugekommen. Polen, Bulgarien, Holland und die Schweiz haben ihre von früher her bestehenden Häuser vergrößert, Norwegen und Holland andere bereits vorhanden und anderweitig verwendet gewesene neu bezogen und umgeändert. Im ganzen sind 16 auswärtige Länder m i t e i g e!1 e n Bauten offiziell und 32 Länder als Aussteller vertreten. Die T iirkei, deren Teilnahme an der diesjährigen Messe besonders beachtlich ist, hat ein massiv wirkendes, in der Anlienform gut gestaltetes Gebäude nach eigenen Plänen errichtet. El-Hanani (Sapoznikow) ist der Erbauer der rumänischen Ausstellungshalle, die mit weit vorspringendem Schutzdach über dem Eingang und drei mächtigen schräggestellten, das Gchäude weit überragenden Fahnenstangen sehr wirkungsvoll ist. Der jugoslawische Bau in einfachen schönen Proportionen mit großen Fenstern ist. ebenfalls ein erfreulicher architektonischer Zuwachs. Bulgarien, das seine Nationalfarbe gelb und blau als Außenanstrich verwende*{■ hat, fällt etwas aus dem übrigen Rahmen. Der polnische Pavillon hat durch völligen Umbau wesentlich gewonnen und hat eine wirkungsvolle Glasfassade erhalten. Neben diesen Gästen erscheint Palästina mit einer erstaunliehe Fülle von wirtschaftliehnc, industriellen, agrikulturellcn und anderen Erzeugnissen, die den Fortschritt gegenüber der letzten Ausstellung erkennen lassen. Man hat eine Übersichtlichere Aufteilung der verschiedenen Abteilungen vorgenommen und dadurch den Eindruck des Ausstellungsmäßigen erhöht. Während damals das Auge zu sein durch statistisches, und tabellarisches Material ermüdet wurde, ist diesmal die bi ldhafte Darstellung mehr zur Geltung gekommen und hierbei die Photomontage vielfach in mustergültiger Weise zur Anwendung gelangt. Die große Tozeret-Haarez-Hallc, der zentrale Mittelpunkt der ganzen Ausstellung, hat durch Erweiterung der einzelnen Stünde an Uebersicht gewonnen, wenn auch das obere Stockwerk hier in vielem noch sehr zu wünschen übrig läßt. I)a man aber in den unteren Räumen jetzt auch größere Objekte zur Schau gestellt hat, die an sich schon eine bessere Wirkung erzielen, so ist das Gesamtbild einheitlicher geworden. Die verschiedenen Firmen der Lebcnsmittc.lbranche haben besonders gut dekoriert; die neue Brauerei in Rischon und die Firma Assis haben recht gute Stände geschaffen. Die sehr interessante B auaussteil 1111 g ist in eine wissenschaftlichc und eine Baumaterialienabteilung gegliedert, die landwirtschaftliche durch anschauliche Mustcrpflanzungen dargestellt. Die Stadt Tel-Awiw kann in ihrem zweistöckigen Pavillon von der gewaltigen Vergrößerung aller ihrer Institutionen und dem außerordentlichen Wachstum der Stadt und ihres Verkehrs in Wort und Bild berichten. Von außen ziemlich unansehnlich, da es sieh nur um einer» primitiven Holzbau handelt, dafür aber desto überraschender in ihrer ganzen Anlage, ist die Ausstellung des jüdischen Siedlung.?־ und Kolonisationswesens. A. El- Hanani, der Chef-Architekt auch der vorigen Messe, hat hier im Verein mit den Architekten W e i n r a u b, Mansfeld, Schechfer und F r ä n k e I Außerordentliches geleistet. Die riesenhaften Photographien und Photomontagen von Kluger und einige gewaltige Vergrößerungen der bekannten Lerskisehen Köpfe stellen Leistungen von imponierender Großartigkeit dar. Die Verbindung von Natur, Bild und anschaulieber Statistik vermittelt auf gedrängtem Raum einen nachhaltigen Eindruck. Die Eingangshalle enthält an den Wänden drei Riesenphotos von je zirka 20 Quadratmetern: rechts die Wüste, links das urbargemachte Land mit weiten Feldern; dem Eintretenden gegenüber eine Gruppe von Chaluzim und Chainzoth, junger kräftiger Menschen, die diese Leistung, die Umwandlung des Oedlandes in fruchtbaren Boden, mit ihrer Hände Arbeit vollbringen. Anschließend daran ein Raum, der dem Gedächtnis der vielen namenlosen Pioniere gewidmet ist, die für dieses Aufbauwerk ihr Leben gelassen haben. In einer Nische ein von grünender Erde umgebenes Grab mit dem Worte ״Jiskor“. Aus dem Grabe steigt im Hintergründe ein Lichtstrahl empor. Die Rückwand ist mit einem symbolischen Flachrelief verziert. Und dann erscheint wieder "in einer riesenhaften Photomontagc mit lebensgroßen Figuren der erste Chaluz, der mit seinem Pfluge den noch bis dahin unberührten Boden