Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 40 (19.5.1936)
- Date
- 1936-05-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 40. 19. V. 1936 Araber schreiten zur Proklamierung der civil disobedience; die Engländer drohen für diesen Fall scharfe Maßnahmen an. Die Dinge liegen heute im Lande auf des Messers Schneide. Aus der englischen Presse Der Leitartikel der Londoner ,,Times•‘ vom 16. Mai ist einer Betrachtung der beiden Bevölkerungsteile Palästinas;gewidmet, über die der Sonderkorrespondent des Blattes bcrichtet. Lr schildert uie Veränderungen, die das Land in den letzten 14 Jahren erfahren!tat, die Fortschritte der Kobnisation und die guten Straßen. Auch die Juden hätten sich geändert, ln Judäa und Galiläa machten sie den Eindruck, daß sie Fuß gefaßt haben und viel Mühe auf die Kenntnis des Landes verwandt haben, auf dem sie sich niederließen. Bes011־ ders die Kwuzot h hätten sich bemerkenswert entwickelt, und es sei sicher, daß das System des kollektiven Siedeins die Siedler befriedigt. Kirjath Anawitn sei ein gutes Beispiel dafür, was energische junge Pioniere vermögen. Der Autor wendet sich gegen die häufig verbreitete Meinung, daß die meisten der aus Osteuropa cingewandcrtcn Juden Kommunisten seien; in Wahrheit gäbe es in Palästina ungefähr 500 Kommunisten, was keine große Zahl unter einer Bevölkerung von 1 100 000 Menschen ist, und etwa zwei Fünftel jener Kommunisten seien Araber. Viele der neuen Einwanderer aus Deutschland hätten sich bereits im Lande eingerichtet und übten einen segensreichen Einfluß auf seine Entwicklung aus. Rühmend wird der J u g e n d a 1 i j a h gedacht, die ein glückliches Geschlecht heran/iehe. Die Beziehungen zwischen den Juden und den britischen B e a 1111 e n seien besser geworden, besonders auf dem Lande. Das bedeutet aber nicht, daß die Eng- Länder nnti-ambisch geworden seien. Damit kommt der Verfasser zur Schilderung der arahisehen Bevölkerung. ״Die E f f e n d i s, die arabischen Politiker, sinken allmählich in der Achtung der Engl ä n d e r. Vieles in ihrer Propaganda sei unglaublich lügneiiscii; in.andies scheint aller Wurde zu entbehren. Wenn man hört, wie die Brutalitäten von 1020 durch den patriotischen Geist der Leute von 1 lehren und Sa feil entschuldigt werden, uml sich erhuieif, daß diese ,,Melden‘‘ nicht Bewaffnete angritfen, sondern friedliche unbewaffnete Juden, die dort seit Generationen lebten, >0 i-t man nicht von ihrem Recht überzeugt. Die kleine Schicht der Effendis, ans der die Politiker kommen, hat aus dem Steigen des Bodenwerts, der Zinsen und der landwirtschaftlichen Preise g r o li e n Nutzen gezogen. Die wirkliche Ursache ihrer Feindschaft gegen den Zionis- ת!us ist Eifersucht. Zu der herkömmlichen moslcmitischcn 111toicranz gegen mcht-nuwlcmitischen Anspruch auf soziale oder politische < ih-icliheit gehört auch die Erregung einer ungebi1deteii 1 andhevölkerung über neue Ideen und Gebräuche, die die Juden — und auch die Engländer — nach Palästina hringen. Einige legen den größten Nachdruck auf die mögliche Bedrohung ihres Einflusses auf die Fellachen (dies ist eher der britischen Verwaltung als dem jüdischen Einfluß zuzuschreiben). Andere furchten die Frauenemanzipatioij. Das Anwachsen der Gewerkschaften unter den arabi• selten Arbeitern ist eine andere Quelle des Terrors. Der palästinensische Beduine ist wenig politisch. Die Fellachen haben viel von den Juden und Christen gelernt und sind dank einer aufgeklärten Verwaltung abgeneigt, ohne Murren hohe Zinsen zu tragen oder alles zu glauben, was ihre Herren ihnen erzählen. Aber sie wissen nicht, wie ihre Zuktmft sein wird. Sie sehen die Juden cindringen und beginnen darüber naclmidcnkcn, wie lange es dauern wird, bis sie von diesen tüchtigeren Einwanderern hinausgedrängt werden, ln den Städten sieht der Verfasser ganz ähnliche Stimmungen, aber es gäbe Anzeichen, daß die Hilfe, die die Juden den noch unentwickelten arabischen Gewerkschaften leihen, die-Beziehungen zwischen, beiden etwas gebessert hat. Der Verfasser schließt seine Betrachtung mit folgender Zusammenfassung: ״Dies sind die Kräfte, die der Regierung gegenüberstellen. Sie sind weit von Homogenität entfernt; einige von ihnen könnten paralysiert werden, wenn die Britische Regierung sich entschließen winde, der jüdischen Einwanderung eine bcstimmte Grenze auf/tierlcgcn. Ob sie aut 75 G der arabiselten Be\׳’ikermig oder auf 50:50 fesfgelegt werden sollte, würde nicht viel atiMiiaeben. Zur Zeit spurt man, daß die Juden zahlreich genug sind, die Effendis und viele der Fellachen 711 bumriihigen, aber nicht stark genug, sieh vor Pogromen zu ,sde.it/e11, von denen ein Nationalheim frei sein sollte. Die arabi'.dien Bauern verdienen andererseits Schutz gegen Verdrängung (..der die 1!c!ahdrückung in wirtschaftliche Abhängigkd! i:!Lob.:e der ständig wachsenden jüdischen Ein- Wanderung. Die 1 ,umher!, Streiks und <iehorsantsverweigeningen sollten der britischen Regierung die Unmöglichkeit gezeigt haben, parlamentarische Institutionen in einem Lande ein/nriehfen, wo die Flammen religiöser und rassischer Anintosität so heil lodern. * Aus;׳;111' A! •vgiei; Dali 1t:,.:; in in dem au׳ Luft-dreitkr.i it Ordnung sieh Kommentar zu ״Great Brifain and 111 c East“ schreibt in der ׳!bc vom 11. Mai, daß die I lerbeiliolung von Militär A! ־vglei; ein Zeniten für den Ernst der Lage sei. 11:,,:; in 1. au: m lande, das nicht größer als Wales ist beiii:' eine gute und zahlreiche Poli/eimaclit besitze, Bat:1 iIhme Infanterie stationiert sind, von den 11 zu schweigen, zur Aufrcchterhaltung der Truppen ״borgen“ müßte, sei ein trauriger der Spannung zwischen Juden und Arabern. Man 1 söime darüber streiten, ob die Ausdehnung, die der Konflikt jetzt erreicht hat, von den arabischen Führern vorausberechnet worden sei oder ob spontane Ereignisse so schnell aufeinander folgten, daß die Führer gezwungen waren, Maximalfordcrungen zu stellen — aber cs sei klar, daß die gegenwärtige Lage mit ihrer Forderung, die jüdische Einwanderung zu verbieten, um zu einer Rückkehr zur Zusarnmenarbeit mit der Regierung zu kommen, außerordentlich schwer zu bewältigen ist. Sicherlich seien die Macht* mittel der Regierung unendlich viel größer als die der unzufriedenen Araber; aber für diejenigen, die eine wirkliche Beruhigung in Palästina wünschen, Rege darin keine Befriedigung. Wenn eines in der Nachkriegszeit in Palästina erwiesen worden sei, so sei es dies, daß Gewaltanwendung weder die Mandatarmacht von ihrer Politik noch die Araber von ihrer Unzufriedenheit mit der Balfour-Deklaration abbringe. Ein Ausweg aus dieser Sackgasse sei weiter entfernt denn je. In der gleichen Nummer berichtet der Jerusalemer Korrespondent der Zeitschrift, daß der Ausbruch der Unruhen am 19. April den arabischen Führern überrasehend gekommen sei. Die Ueberfälle auf Juden in Jaffa seien unerwartet zu einer Zeit gekommen, als die Araber die Zusammensetzung der Delegation nach London berieten. Dann erst hätten sielt die arabischen Führer von der Stirnmung mitreißen lassen. Die Streiktaktik der Araber sei sehr bedauerlich. Sie hatten nicht berücksichtigt, daß die palästinensische Wirtschaft nicht der syrischen gleiche, wo ein SOtägiger Streik innerhalb eines geschlossenen Wirtschaftssvstems durchgeführt wurde, während in Palästina andere Faktoren — falls man einen Streik überhaupt als grundsätz.- lieh wirksam ansicht — die Bedeutung und Wirksamkeit eines allgemeinen Stillstands herabmindern. Die Bauern, die ihre Erzeugnisse nicht verkaufen können, die Kaufleute, die ihren Die Lehre der Ereignisse Der ״Bustenai“ bringt eine Betrachtung seines Herausgebers M. S m i 1 a n s k i zu den politischen Ereignissen (über die wir bereits auszugsweise in unserer letzten Ausgabe berichteten, Red.), in der er unter anderem auch einer politischen Initiative der Juden in der Araberfrage das Wort redet: ״Wenn der Tote auf gebahrt liegt, macht man dein Leidtragenden keine Vorhaltungen, und unsere Wunde ist noch frisch. Und doch muß es schon jetzt gesagt werden: Wir sind nicht ganz schuldlos, und unsere Schuld wird noch größer dadurch, daß an den offenen Gräbern dieselben Dinge gesagt werden, die gerade der Ausgangspunkt unseres Unglücks sind, dies Gerede über ein 100<>/oig jüdisches Palästina, als ob nicht dieser Losung wegen die Gewalttaten begangen und die Opfer gefallen wären. Auch die ״Forderangen", die in dieser erregten Stunde gestellt werden, sind im ,,üblichen“ Stil gehalten. Sicherlich hat Tel-Avviw das volle Recht, aus wirtschaftlichen Gründen eigene Regierungsämter und auch Hafenanlagen zu verlangen. Jaffa ist ja weit kleiner als Tel-Awiw, das heute die größte Stadt des Lau >3 ist. Wenn aber solche Forderungen damit begründet we den, daß man von der Nachbarstadt völlig geschieden sein will und daß man sich keiner Lebensgefahr aussetzen will, so ist das eine höchst unglückliche Argumentation. Durch eine Steigerung der Abtrennung werden wir uns nicht erbauen und uns auch nicht vor Gefahr bewahren. Wir machen denselben Fehler wie unser Nachbarvolk, wir verschließen uns den Tatsachen: Es leben zwei Völker in dem einen Lande. Das ist ein historisches Verhängnis, dem man nicht entrinnen kann. Es ist das beste, sich ihm zu unterwerfen und ihm durch Zusarnmenarbeit und nicht durch Abtrennung zu begegnen. Und diese Zusammenarbeit ist nicht die Sache von offiziellen Reden und Resolutionen, sie ist eine Angelegenheit des praktischen Lebens, in einem meiner Gespräche in den letzten Tagen sagte mir ein arabischer Extremist: ״Ihr redet immer von Frieden, tatsächlich aber werden wir aus allen Wirtschaftliehen Positionen im Lande herausgedrängt.“ Das ist sehr übertrieben, es enthält aber ein Körnchen Wahrheit. Wieviel arabische Pflanzer sind in unseren Kooperativen und wieviel arabische Teilhaber in unseren Konzessionen und industriellen Unternehmungen? Nicht stets sind wir daran schuld, aber oft sind a u e 11 w i r daran schuld, und das ist ein schwerer Fehler. Und nicht nur durch eine verfehlte Politik nach außen haben wir uns mitschuldig gemacht, sondern auch durch den verworrenen Zustand in unserem eigenen Lager: Die ״Detnonstration“ am Freitag, als der ermordete Jude begraben wurde, mit den erregten Rufen, den Steinwürfen auf die Polizisten, gereicht uns zur Schande. I )ic.se Demonstration blieb nicht ohne Folgen. Sie war die Quelle der ersten ״Gerüchte“. Man wende nicht ein, daß sie spontan gewesen sei. Ihr gehen leider andere Gewalttaten und Disziplinlosigkeiten im jüdischeu Lager während der letzten Jahre voraus. Gewalttaten waren uns stets ein Greuel, wir haben unsere Kinder zur Verurteilung der Gewalt erzogen, in den letzten Jahren aber scheinen sie beinahe zu einer Angelegenheit der ״patriotischen Pflicht“ geworden zu sein. Wir haben Gift gesät, und an diesem Freitag (gemeint ist der Freitag der Demonstration in Tel-Avviw anläßlich der Beerdigung des bei einem Ucberfall auf einen Autobus von Arabern getöteten Juden. Red.) in Tel-Awiw haben wir geerntet, was wir gesät haben. Trösten wir uns nicht damit, daß wir verglichen mit dem, was auf arabischer Seite getan wurde, weiß wie Schnee sind. Für zivilisierte Menschen ist ein solcher Schnee noch scharlachrot. Es ist besser, daß wir zivilisierte Menschen bleiben und uns von jetzt an völlig solcher Dinge enthalten, und so wieder zu jenem Zustand innerer Disziplin gelangen, auf den wir so stolz waren und der uns in letzter Zeit mehr und mehr verloren zu gehen schien.“ Untersuchung der arabischen Frage Im ״Bustenai“ veröffentlicht der durch seine Beziehungen zu arabischen Kreisen bekannte Agronom K a 1 v a r i s k i einen offenen Brief an einen Ungenannten. (Der Adressat scheint der Arbeiterführer Berl Kazeneison zu sein): ״Vor kurzem, nach einer Rede des Präsidenten der Zionistischen Qrganisation, habe ich Ihnen mein Herz, ausgeschüttet. Ich klagte darüber, daß wir aus allem, was uns widerfahren ist, nichts gelernt haben, und daß unsere Führer dem Hauptfaktor unserer komplizierten politischen Lage nur wenig Beachtung schenken. Und der Beweis hierfür: in der Sitzung des Waad Leumij auf der wir uns trafen, berührte keiner der Re־d11er die arabische Frage, mit Ausnahme Ussischkins, der feststellte, daß es eine ernstzunehmende arabische nationale Bewegung gebe. Sie haben mich daraufhin gefragt, was ich vorschlüge, und ich habe Ihnen geantwortet, daß wir uns mehr in diese Frage vertiefen und vor allem eine Kommission ernennen müßten, die die Ursachen der Mißerfolge unserer arabischen Politik bis zum heutigen Tage feststellen solle. Darauf antworteten Sie mir: ״Dagegen habe ich nichts einzuweiiden. Ich habe alles gelesen, was Sie darüber veröffentlicht haben, und der Unterschied zwischen uns und Ihnen ist, daß wir Pessimisten sind und Sie Optimist.“ Ueber diese Worte habe ich viel nachgedacht. Sie geben also zu, daß die arabische Frage äußerst wichtig ist und daß auch die Arbeiter an einem guten Verhältnis zu den Arabern interessiert sind, nur daß sie eben Pessimisten sind und es für nicht erreichbar halten. Aber selbst ein pessimistischer Arzt ist verpflichtet, alle Anstrengungen zu machen, um den Kranken vielleicht doch noch zu retten. Ich glaube, daß es ein Heilmittel für diese Krankheit gibt. Ihr müßt mich also hören und wir müssen uns beraten.“ Kalvariski erinnert daran, daß es auch in der Siedlungspolitik Optimisten uml Pessimisten gab, und daß die Optimisten die größere Tatkraft offenbarten und die größeren Enderfolgc aufzuweisen haften. ״In der arabischen Frage aber bewegen wir uns in einem Zauherkreis, Wir beschäftigen uns nicht mit ihr, weil wir Pessimisten sind, und weil wir uns nicht mit ihr beschäftigt haben, wurden wir zu Pessimisten. Wir sollten also jetzt einmal den Zauber brechen, die Kotnmission einberufen und ihre Vorschläge hören. Wenn den Menschen ein Unglück befällt, so blickt er aut sein Leben zurück und sucht die Ursache. Viel ist uns schon widerfahren seit der Balfour-Deklaration, aber wir haben noch nicht unser eigenes Tun kritisch untersucht, sondern stets den Sündenbock bei den andern gesehen. Es wird Zeit, daß wir uns selbst Rechenschaft geben und nachprüfen, ob wir wirklich alles getan haben, was wir tun sollten. Ich wende mich an Sie, daß Sie mir dabei helfen. Ich fordere nichts Schweres, und ich verlange nicht von Ihnen, daß Sie Optimist werden sollen. Ich sage nur, das arabische Problem muß gründlich studiert werden. Vielleicht haben die Pessimisten recht und ich irre. Nur eine Untersuchungskommission kann das entscheiden.“ Handel nicht fortsetzen können, die Vcrkchrsunternchmer, die ihres an und für sich schon schmalen Verdienstes beraubt werden — sie leiden unter den Folgen des wirtschaftlichen Stillstands mehr als diejenigen, die an ein untätiges Leben gewöhnt sind und die Mittel haben, eine finanzielle Krise zu überstehen. Schwere Besorgnisse äußert der Berichterstatter über die E r z i e h!1 n g d e r a r a b i s c 11 e n J 11 g e n d, die zur Durchführuug des Streiks und der Sabotageakte benutzt wird. Nichts hätten die Araber getan, um die brutalen Ueberfälle zu verurteilen, die Juden und Arabern das Leben kosteten. Die britische Polizei befinde sich in einer schwierigen Lage: sie werde sowohl von den Juden wie von den Arabern getadelt; auch dies sei ein beunruhigender Faktor. * In einer Zuschrift an die ״Times“ vom 14. Mai berichtet Mrs. Blanche E. C. Dugdale, die Nichte Lord Baitours, die eben von einer Palästinareise zurückgekehrt ist, von dem starken Eindruck, den die Haltung der jüdischen Bevölkerung auf sie gemacht habe. Sie glaubt, daß die Arbeit der Regierung sehr erleichtert werde durch die Loyalität und Disziplin der Juden, ln vielen Juden sei sicher eine starke Erregung gegen die Araber vorhanden, aber sie habe in Palästina von keinem Fall gehört, daß Juden Araber unprovo/iert angegriffen hätten. Dies sei bemerkenswert und die einzige Genugtuung, die die verantwortlichen jüdischen Führer aus der Lage ziehen könnten. Aber die jüdische Bevölkerung sei nicht durch ein einziges Wort der Anerkennung seitens der palästinensischen Regierung oder des Parlaments dafür belohnt worden. Eine solche Anerkennung würde sehr viel in diesem kritischen Zeitpunkt bedeuten. Die jüdische Oeffcntlichkeit in Palästina habe noch nicht den Glauben an die Macht und den Willen des Mandatars verloren, die Unruhen zu unterdrücken. Aber ihre Geduld sei nicht unerschöpflich, und die Versuchung, das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen, könnte unwiderstehlich werden, besonders wenn der Eindruck entstünde, daß die Behörden von der Zurückhaltung keine Notiz nähmen, während sie den arabischen Agitatoren so vieles nachgesehen haben. Mrs. Dugdale gibt ein Beispiel, wie auch heute noch nicht die menschlichen Beziehungen zwischen Juden und Arabern völlig aufgehört haben. Sie wollte sich den Schaden im Balfour-Wald ansehen und ließ sich von Juden schildern, v/ie sie das Feuer bekämpften. Als sie sich umwandte, sah sie eine arabische Bäuerin und ihre Kinder sich im Schatten der Bäume aufhalten. ״Sie kann es ruhig tun“, sagten Mrs. Dugdales jüdische Begleiter, ״ihre Leute hatten nichts mit dieser Sache gemein.“ Mrs. Dugdale schließt daraus, daß der Konflikt in Palästina nicht so sehr zwischen Juden und Arabern spiele als vielmehr zwischen den Kräften der Zivilisation und dem ״destruktiven □eist der Wüst e“. Aber die Zeit wird kommen, so schließt die Schreiberin, wo die Britische Regierung jeden Zweifel darüber beseitigen sollte, daß ihre Sympathien auf der Seite der Zivilisation und der Achtung vor dem Rechte stad. * ״Manchester Guardian״ befaßt sich im Leitartikel mit den Vorfällen in Palästina. Die Lage ist bedrohlich, schreibt das Blatt. Für die Regierung gibt es aber Keinen anderen Weg, als das Ultimatum der arabischen Führer bedingungslos zurückzuweisen. Der High Comrnissioner hat bereits erklärt, daß die Regierung ungeachtet der arabischen Drohungen die neue Zertifikats-Schedule für die jüdische Einwanderung festsetzen wird, und es ist anzunchincn, daß die Schedule nicht kleiner sein wird, als sie gewesen wart, wenn die Terrorakte der Araber sieb nicht ereignet hätten, ctzt dem arabischen Terror zu weichen, würde die Auforderung an die Araber bedeuten, die Ungesetzlichkeiten tortzusetzen; die Erfahrung in Palästina hat gelehrt, daß die Araber sich nicht lange würden bitten lassen und dieser Aufforderung entsprechen würden. Es ist nicht möglich, so heißt es in dem Artikel weiter, den Arabern irgendwelche Konzessionen zu machen, die das Palästina-Mandat und die Verpflichtungen, die sich aus ihm für Großbritannien ergeben, unberührt ließen. Es gibt keine Beschwerden der Araber, die berücksichtigt werden könnten, denn sie fordern nichts anderes, als die Aufhebung des Mandats. Was die arabischen Führer fordern, rührt an die Grundlagen der Stellung Engiands in Palästina. Das Blatt rät den Arabern, mit den Juden, die in Pailstina unschätzbare Werte zum Wohle aller Bürger des Landes geschaffen haben, Frieden zu machen. Zum Schluß wird an die Juden der Appell gerichtet, ein friedliches Zusammenleben mit den Arabern in Palästina zu ermöglichen. Von der Woche Die Palästina-Regierang veröffentlicht den Entwurf einer Customs Duttes Ordinance 1936, durch die der High Commissioncr ermächtigt wird, durch einfache Order Zölle aufzuheben, zu ändern oder neu zu bestimmen. Hierz.11 bedarf er der Zustimmung des Staatssekretärs für die Kolonien. Bisher erforderte der Erlaß von Zollvorschriften ein umständliches Verfahren. Es mußten Verordnungen erlassen werden, durch die das Zollgesetz bzw. der Zolltarif als sein Bestandteil geändert wurden. Zur Aenderung des gesamten Zolltarifs bedarf es nach wie vor des bisherigen Verfahrens. Der High Comrnissioner hat auf Grund der palästinensisehen Hafenordnung eine Bekanntmachung erlassen, wonach die Gebühren für die Benutzung elektrischer Kräne im Hafen von Jaffa rückwirkend ab 1. Januar 1936 auf 350 Mils für die erste angefangene und auf 175 Mils für jede weitere angefangene Stunde festgesetzt werden. Unter Aufhebung der bisherigen aus den Jahren 1921 bis 1929 stammenden Vorschriften über die Städtebauordnung hat die Palästinaregierung eine neue Town Planning Ordinance 1936 erlassen, die die Grundsätze des Städtebau- Wesens für ganz Palästina regelt. Die Verordnung tritt nach einer weiteren Bekanntmachung durch den Higrt Commissioner alsbald in Kraft. Anläßlich des Todes des Feldmarschalls Lord Allenby rieütete an die Familie des Fcldmarschall« ein Beileidstelegramm. Der Waad Leumi hat die Wahl des Nachfolgers von Rabbi Kuk als Oberrabbiner von Palästina bis zum 1. Juni verschoben. Von autorisierter Stelle werden wir veranlaßt initzuteilen, daß die Nachricht, die wir vor einiger Zeit brachten, das Abkommen zwischen dem Hapoel Hamisrachi und der Histadruth sei vom Hapoel Hamisrachi gekündigt worden, den Tatsachen nicht entspricht. Desgleichen trifft die Meldung, daß in Kibbuz. Rodges Baracken in Brand gesetzt worden seien, nicht zu. «