Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 40 (19.5.1936)
- Date
- 1936-05-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 40, 19. V. 1936 Jüdische Forderungen von zwölf Tanks befahren. In der Nacht sind in dem Distrikt englische Streitkräfte aus Aegypten zur Verstärkung der Ordnungstruppen eingetroffen. 2400 englische Soldaten in Transjordanien wurden in Alarmbereitschaft versetzt, um erforderlichenfalls nach Palästina geschickt zu werden. Die Allenbv-Brücke an der pafästinensisch-transjordanischen Grenze wird von Panzerwagen bewacht. Drei jüdische Tote in Jerusalem Jerusalem, 17. Mal. (JTA.) In den späten Abendstunden des 16. Mai ist es vor dem Kinotheater ״Ediso n" in dem Im Zentrum der Neustadt von Jerusalem gelegenen jüdischen Stadtteil Sichron Mosche zu einem Ueberfall von Arabern auf jüdische Kinobesucher gekommen, der 3 Todesopfer forderte. Die Täter, die unerkannt entkommen konnten, gaben in die aus dem Kino strömende Menge Pistolenschüsse ab. Tödlich getroffen wurden drei aus Polen eingewanderte Juden, Alexander P o 1 o n s k i, Isaak C y a I o w s k I und Zwi Schabchowskl. Verwundet wurden außerdem Dr. P! o s s e r und Israel Aschkenazy. Der Tag war bis zu dem Feueritberfall in Jerusalem und Jaffa ruhig verlaufen. Mit Stahlhelmen ausgerüstete Polizisten durchfuhren ununterbrochen auf Lastkraftwagen die Straßen. Die Straße zwischen Jaffa und Tel-Awiw war durch eine starke Polizeikette abgeriegclt. In A 11 i t wurden Erntevorräte jüdischer Siedler in Brand gesteckt. Sie wurden zu einem großen Teil vernichtet. Zwei Araber wurden im Zusammenhang damit verhaftet. Ein Araber wurde bei der Verhaftung von Polizisten erschossen. In Herziia wurden Scheunen niedergebrannt. Gegen das Rcgicrungskrankenhaus in Jaffa wurde ein Bombenansehiag verübt. Die Bombe explodierte, Menschen kamen jedoch nicht zu Schaden. Die hei dem Feueruberfall in Jerusalem am Sonnabend Erschossenen sind am!7. Mai auf dem jüdischen Friedhof auf dem Oelberg unter starker Beteiligung der jüdischen Bevölkerung beigeset/t worden. Das Gebäude des Fiadassa- K1 anko nhauses, in <Jctn die Opfer aufgebahrt wurden, hatte die mit Trauerflor umhüllten hlau-weil'ien Fahnen auf Halbmast gehißt. Mitglieder der Histadrutli Haowdim hatten die Totenwache gestellt. Die 1 ,eberfuhrung der Särge zum Friedhof erfolgte auf drei leichten Lastkraftwagen um 11 Uhr vormittags unter starker Poli/eibedccktmg, nachdem Ben Zwi eine Ansprache an die war dem Krankenhaus versammelte tatisendkopfige Menge gehalten hatte. Zur Zeit des Leichenheg mgmsses blieben die jüdischen Geschäfte in ganz Jeru- Salem geschlossen. Vertreter aller politischen Gruppen im Jischttw ehrten die Märtyrer am offenen Grabe. Es sprachen Berl Kaztu׳ I s o 11 für die Histadrutli Haowdim, Rabbi Meir Berlin für den Misrachi, Rabbi Blau für die Agudath Jisrael, der Tcl-Awiwer Oberrabhiner U/iei und Dr, Fischei Wasch itz im Namen der Revisionisten. In allen Reden wurde mit Entschiedcnheit zum Ausdruck gebracht, daß die jetzt zu Grabe getragenen Opfer die letzten sein müßten, die der Jischuw in diesen Unruhen bringt Die hebräische Fresse gibt itt scharfen Worten der Empörung und dem Zorn über die Verbrechen der arabischen Terroristen Ausdruck. Der arabische Terror, erklären die Blätter, stoße nicht auf den gebotenen Widerstand seitens der Behörden. Während die Polizei in der letzten Zeit fünf jüdische junge■ Leute unter der Beschuldigung unerlaubten Waffenbesitzes verhaftet habe, genießen die arabischen Terroristen volle Freiheit und dringen sogar in die rein jüdisehen Viertel von Jerusalem ein. Nachein schon in Jaffa arabische Kaufleute von den Bchörden die zwangsweise Wiedereröffnung der Läden verlangt hatten, unternahmen nunmehr arabische Kaufleute in Jerusaiem einen ähnlichen Schritt.!11 einem Schreiben an die Behörden erbaten sie Zwangsmaßnahmen zur Wiedereröffnung der Läden mit der Begründung, daß der Streik ihnen nur von terroristischen Elementen aufgezwungen sei. Jerusalem unter Ausnahmezustand Auf Anordnung des Distriktskommissars Campbell ist der Ausnahmezustand, der bisher nur für die gemischten arabisch-jüdischen Teile von Jerusalem galt, am 17. Mai auf ganz Jerusalem ausgedehnt worden. High (JomrnisMoiier Sir Arthur Wauchope hat am 17. Mai den Exekutiv rat und den Beirat der Palästina- Regierung in einer außerordentlichen dringenden Sitzung einberufen, an der die Leiter aller Regierungsdepartments teilnahmen. Auch der erkrankte Direktor des Eiinvandcrungsdeparfments ist zu der Sitzung gebracht worden. Es heißt, daß c i n s c 11 n e i d e 1111 e M a ß n a!1 m e n für die nächste Zeit beschlo-sen worden seien. Nach den blutigen Ereignissen vom 16. Mai hat der Waad Leu m i eine außerordentliche Sitzung einberufen, die die ganze Nacht dauerte. Es wurde die Lage im Lande busprochen und be-chlossm, den Jischuw zu einer dreis t ü n d i g e n Arbeitseinstellung zun! Zeichen des Protestes und der Solidarität auf/ufordern. Das arabische Nationale Komitee hat am Sonntag eine Sitzung allgehalten, in der beschlossen wurde, trotz der Warnung und Aufforderung der Regierung den Streik im ganzen Lande und die Aktion des ,,bürgerlichen Ungehorsams“ fortznsetzen. Einsetzung einer königl. Kommission London, 18. Mai. (JTA.) In Beantwortung einer Anfrage kündigte Kofonienminister J. H. Thomas am 18. 5. irn Unterhaus an, daß die Regierung beschlossen habe, Seiner Majestät dem König zu empfehlen, eine königliehe Kommission zu ernennen, die die Aufgabe haben soll, die Ursache der Unruhen in Pal 8s t i n a sowie Anlaß und Verlauf der bekannten Zwischenfälle zu untersuchen. Massenprozesse gegen Araber Jerusalem, 14. Mai. (JTA.) Die palästinensischen Gerichte bereiten 250 Prozesse gegen Araber vor, die der Teilnahme an verbotenen Straßenkundgebungen, an verbrecherischer Agitation, an Morden und Brandstiftungen bezichtigt werden. 670 Einwohner eines arabischen Dorfes in der Nähe von Misehmar Haemek, welche wegen Brandstiftung im Keren Kajemcth-Wald eine Kollektivsfrafe bekamen, verließen das Dorf, um die Strafe nicht zu zahlen und zerstreuten sich in den benachbarten Dörfern. Nur drei Familien blieben im Ort Um Bürgermeister Khaldi Jerusalem, 14. Mai. Isaak Ben-Zwi protestierte in der heutigen Sitzung des Jerusalemer Stadtrats namens der jüdischen Mitglieder gegen die politische Tätigkeit des Bürgermeisters Khaldi, welcher dem Arabischen Obersten Komitee und somit der Leitung des Streiks angehört, wodurch die Lehensinteressen der Einwohnermehrheit Jerusalems gefährdet werden. Khaldi unterbrach Bcn-Zwis Ausführungen mit der Erklärung, er könne nicht gestatten, daß politische Fragen in der Sitzung des Stadtrats behandelt werden. Da Ben-Zwi der Einwendung keine Aufmerksam- Stellungnahme der Jewish Agency Jerusalem, 14. Mai. Die Exekutive der Jewish Agency hat an den Oberkommissar ein Schreiben gerichtet, in welchem die seit Anfang der Unruhen mümllieh und schriftlich vorgebrachten Forderungen auf Wiederherstellung der Ordnung und Abbruch des Streiks wiederholt werden. Das Schreiben warnt die Regierung wiederholt, daß der Mange! an wirksamen Maßnahmen in dieser Richtung ernste Folgen haben kann. Durch Duldung des Streiks und Untätigkeit gegenüber dem Arabischen Obersten Komitee, welches offen zu zivilem Ungehorsam aufruft, der Autorität der Regierung Trotz bietet und die Grundlagen des Mandatsregimes angrci't, v.age die Regierung zur Verschlimmerung der Lage bei und mache sich für eventuelle weitere Unruhen verantwörtlich. Die jüdische Bevölkerung habe Übermenschliehe Selbstbeherrschung gegenüber ständigen Angriffen und Provokationen an den Tag gelegt, nicht aus Schwäche oder Furcht, sondern aus tiefster innerer Abneigung gegen Gewalttaten und aus der Erkenntnis heraus, daß die Regierung die Verantwortung für die Wahrung der öffentlichen Sicherheit tragen müsse. Die Exekutive gibt ihrer Ucberzcugung Ausdruck, daß trotz dem erschütterten Glauben der Jischuw auch weiter sein Betragen nicht andern und nichts tun wird, was die Lage erschweren könnte. Das Schreiben schließt mit den Forderungen aut Gewährleistung der Sicherheit, Unterdrückung des gegen das jüdische 'Volk gerichteten Kampfes und der Gewalttätigkeiten. Die Exekutive sei tief überzeugt, daß nur energische Maßnahmen, welche unzweifelhaft klar machen würden, daß die Regierung fest entschlossen ist, keine gesetzwidrigen Handlungen zu dulden und sich durch Drohungen von der Erfüllung ihrer Pflichten nicht abbringen lassen wird, imstande sein würden, die ernste Gefahr abzuwenden, weiche den Frieden Palästinas und die Grundlage der Verfassung bedroht. (Palcor.) Die Meinung des Jischuw Jerusalem, 14. Mai. Der Oberkommissar empfing eine jüdische Delegation, bestellend aus Ben-Zwi, Dizeng o f f, Rokach, Rabbiner Blau, Rabbiner U s i e 1, B u t - k o w s k v, Z u c h o w i t z k y und Z i s 1 i n g. Nachdem Ben- Zwi die Delegation dem Oberkommissar vorgestellt hatte, setzte Dizengoff die Wünsche der Delegation auseinander. Er unterstrich die Empfindung des Jischuw, die Regierung beherrsche nicht die Lage, und wies auf die Selbstbeherrscluing und die Geduld hin, welche der Jischuw an den Tag gelegt hat. Dizengoff forderte energische Maßnahmen zum Schutz der Landstraßen und Unterdrückung der Gewalttätigkeiten, die Wiedereröffnung des keit schenkte, wurde die S i t z u n g unterbroch e n. Nach Wiederaufnahme der Verhandlungen erklärte der jüdische Block, er werde darauf bestehen, daß der Protest in das Protokoll aufgenommen wird. Sodann wurde zur Tages- Ordnung iibergegangen. Die jüdischen Mitglieder veröffentlichen ein Schreiben, welches sie am 5. Mai an den Bürgermeister Khaldi gerichtet haben, und in welchem erklärt wird, daß der Bürgermeister einer Stadt mit gemischter Bevölkerung, deren Mehrheit aus Juden bestellt, dessen Gehalt aus Einkünften gezahlt wird, weiche von jüdischen Steuerzahlern beigetragen werden, nicht das Recht hat, eine die Interessen der Bevölkerungsmelirheit gefährdende Tätigkeit zu entfalten. Die Unterzeichneten verlangen, daß er entweder aus dem Streikkomifee austrete oder sein Amt als Bürgermeister niederlege. (Palcor.) Aktion der Jerusalemer Konsulate Jerusalem, 17. Mai. (JTA.) Vertreter der ausländischen Konsulate in Jerusalem haben verschiedene Stadtviertel, in denen es zu Unruhen gekommen ist, besucht, um sich von der Lage der in Jerusalem ansässigen fremden Staatsangehörigen zu überzeugen. Der polnisehe Generalkonsul in Jerusalem hat die Konsuln der Vereinigten Staaten, der Tschechoslowakei und anderer Länder eingeladen, um über einen gemeinsamen Schritt zuin Schutze der Bürger ihrer Länder zu beraten. Es wurde beschlossen, eine Abordnung zum High Commissioner Sir Arthur Wauchope zu entsenden, die entsprechende Maßnahmen zum Schutze von Leben und Eigentum der in Palästina ansässigen Ausländer fordern soll. Sollten seitens der Palästina-Regierung nicht ausreichende Schutzmaßnahmen getroffen werden, so werden sich die Konsulate an ihre Regierungen um weitere Instruktionen wenden. Der Haien für Tel-Awiw Tel-Awiw, 15. Mai. HTA.) Einer bisher unbestätigten Meldung zufolge hat die Regierung die Errichtung eines Wellenbrechers in Tel-Awiw als Anfang für den Bau eines eigenen Te'-Awiwer Hafens genehmigt. Der ()berkommissar teilte Mosche Schertok seine EimviUigung mit, daß Waren am Ufer von Tel-Awiw gelöscht werden sollen. Diese Forderung wurde kurz nach dem Ausbruch der Unruhen und des Streiks im Jaffaer Hafen gestellt. Di־e nötigen Maßnahmen wurden in Tel-Awiw׳ bereifs getroffen. Heime Sur Jaffa-Flüchtlinge Tel-Awiw14 ,׳.!Mai. (JTA.) Eine Sitzung der Leite der jüdischen Institutionen beschloß nach einer Ansprache von Bürgermeister Dizengoff, einen 25 (XX) - Pfund- Fonds zu schaffen, um neue Heime für etwa 6000 jüdische Jaffa- Flüchtlinge zu schaffen, die in ihre alten Wohnungen nicht mehr zurückkehren können. Der arabische Schülerstreik London, 14. Mai. (JTA.f Die ״Times“ meldet aus Jerusalem, daß fast alle Kegierungsschulen in Palästina mit Ausnahme einiger weniger in Bethlehem, Beit Jala lind Ramalla, die eine christliche Sehiilermehrheit besitzen, geschlossen wurden. Die unter ausländischer Kontrolle steilerden Schulen seien geöffnet, aber etwas schwächer besucht Die streikenden arabischen Schüler hätten in Jaffa eine Landeskonferenz veranstaltet, auf der beschlossen wurde, die Zahlung von Abgaben zu verweigern und die Ein- Stellung der jüdischen Einwanderung sowie ein Bodenverkaiifsverbot zu verlangen; d:e nationale Regierung solle alle politisehen Gefangenen aus dem Jahre 1029 und der späteren Zeit freilassen, alle Bodentransaktionen der letzten fünf Jahre rückgängig machen und das Gesetz über Kollektivstrafen auf- Hafens von Jaffa und die Einrichtung gesonderter Regierungsäinter in Tel-Awiw. Zisling (Ejn Charod) erklärte, daß die Regierung nicht die nötigen Maßnahmen zur Unter* drückung der Unruhen ergriffen habe. Dadurch habe sie es einer Terroristengruppe ermöglicht, das Land in Atem zu halten und ihre Herrschaft auch über Araber auszudelinen, deren überwiegende Mehrheit sich nach Frieden sehne. Zisling forderte Selbstschutzmöglichkeiten für den Jischuw, sowie Schadenersatz für vernichtetes und beschädigtes Eigentum und sagte, daß jede Konzession seitens der Regierung an die Araber als Belohnung für die Unruhestifter aufgefaßt werden würde. Rabbiner Blau schloß sich den Ausführungen der anderen Redner an und betonte, daß die neuerlichen Morde in Jerusalem ein Beweis dafür seien, daß die Regierung die Lage nicht beherrsche; er erinnerte daran, daß die Unruhen bereits vier Wochen andauern. Der Oberkommissar antwortete, er habe volles Verständnis für die Empfindungen des angegriffenen Jischuw, welcher Verluste an Menschenleben und Eigentum zu be-!■:lagen habe. Er schätze die vom Jischuw an den Tag gelegte Selbstbeherrschung gegenüber den Provokationen. Die Regierung sei nicht gewillt, die Verbrechen zu dulden, es sei jedoch schwer, Verbrechen zu entdecken, welche unter dem Schutz der Dunkelheit geschehen. Aus seiner Erfahrung in anderen Ländern wisse er, wie schwer die angegriffene Partei der Polizei Vertrauen schenke, welche alles tue, um Verbrechen zu verhindern. Er sei durch die letzten Ereignisse in Jerusalem erschüttert und könne die Delegation versichern, daß alles geschehen würde, um den Gewalttätigkeiten ein Ende zu bereiten und die Schuldigen zu finden. Er sei überzeugt, daß die Ordnung in den nächsten Tagen wiederhergcstellt werden würde. Ben-Zwi erklärte, die Delegation sei von der Antwort des Oberkommissars nicht befriedigt und gehe mit dem Gefühl der Unsicherheit fort. (Palcor.) Jüdische Kolonisten fordern Schadenersatz Jerusalem, 14. Mai. (JTA.) Eine Abordnung der jüdisehen Kolonisten besuchte den High Commissioner lind stellte an ihn die Forderung nach Schadenersatz für die durch die Brandstiftungen und Terrorakte der Araber entstandenen Schäden. Der High Commissioner erwiderte, seine erste Sorge sei, Vorkehrungen zu treffen, daß sich solche vandalischen Akte nicht wiederholen; 3!K) arabische Saboteure seien bereits in Haft und werden demnächst von den Gerichten abgeurteilt werden. Zur Frage des Schadenersatzes könne er sich noch nicht äußern. heben. Beschlossen wurde ferner ein Boykottenglischer und jüdischer Waren. Ferner verlangten die Schüler das uneingeschränkte Recht, Demonstrationen zu veranstalten, und den Austritt der arabischen Pfadfinder aus dem Baden- Powell-Pfadfinderverband. Italien und die Unruhen London, 15. Mai. (JTA.) Der Jerusalemer Korrespondent des ״Daily Hera Id“ erklärt, daß trotz dem offiziell«! Dementi durch den italienischen Generalkonsul in Jerusalem neue Beweise dafür erbracht worden seien, daß italienischer Einfluß und italienisches Geld hinter dem Araber« aufruhr stehen. Von italienischen Stellen seien in der letzten Zeit größere Geldbeträge teils direkt, teils über Syrien an Araber überwiesen worden. Die letzte Ueberweisung betrat eine Summe von 5003 Pfund. Es sei festgestellt worden, daß Beduinen ein Tagelohn von 3 Pfund und volle Verpflegung versprochen wurde, falls sie einen Ueberfall auf die Juden in Palästina unternehmen. Außerdem habe man ihnen das Recht auf Plünderung zugestanden. Keine Streiks in Transjordanien Jerusalem, 15. Mai. (ITA.) Aus Amman, der Haupt- Stadt von Transjordanien, wird mitgeteilt, daß der Emir Abdulla die arabischen nationalistischen Führer in Transjordanien davor gewarnt hat, eine Streikagitation zu entfalten; der Emir erklärte, er werde jeden Versuch, in Transjordanien Streiks oder Demonstrationen hervorzurufen, im Keime ersticken. Infolge dieser entschlossenen Haltung des Emirs Abdulla sind bis jetzt alle Versuche, Sympathiekundgebungen und Streiks hervorzurufen, mißlungen. Echo in der arabischen Welt Nach arabischen Blättcrmddungen aus Kairo haben die Abgeordneten des Parlaments in Bagdad dem britisehen Botschafter einen Protest gegen die Maßnahmen der englischen Behörden in Palästina überreicht. Die gleichen Pressemeldungen berichten aus Beirut, daß eine Organisation der arabischen Handelswelt der französischen Mandatsländer eschaffen worden sei, die den Boykott jüdischer, aus alästina eingeführter Waren, zum Ziele habe. (Weitere Berichte Seite 9) Wiener Brief Von unserem Berichterstatter J. R., Wien, 13. Mai ,jw katholische Wochenschrift ״Der christliche Ständestaat“ setzt ihre Veröffentlichungen gegen den Antisemitismus und für eine objektive Bchandlung der Judenfragc durch den Katholizismus fort. Auch das letzte Heft vom 10. Mai beschäftigt sich mit der Österreichisehen Judenfrage vom Standpunkt der katholischen Theologie, wobei die These vertreten wird, daß die ״Judenfrage“, wenn sie nicht Historie und theologische Dar- Stellung des auserwählten Volkes, sondern modernes Tages- Problem der Politik, der Kultur und der Soziologie ist, Spiegelbi Id aller politischen, kulturellen und soziologischen IJnerfüllt heit und Weltlichkeit außer Gott bedeutet, ln dem ״Katholische Theologie und Juden frage“ betitelten Artikel stellt der Autor, ein Mitglied des Franziskaner- Ordens namens!י. B. Lacombe, zunächst fest, daß katholische Theologie in strengem Sinne und Judenfrage von heute überhaupt nichts miteinander zu tun haben. Theologie und Judenfrage haben nur einen Zusammenhang: den der unermeßliehen inneren G e s c h i c d c 11 h e i t, so wie die Lehre Gottes geschieden ist vom Menschenwerk. Wenn der Moraltheologe die heutige Judenfrage richten wolle; müsse er sie schon als Problem verurteilen. t