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Jüdische Rundschau · 1936-05-15 · Heft 39 (15.5.1936) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 39 (15.5.1936)
Date
1936-05-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 39, 15. V. 1935 Brief aus Wien Von unserem Berichterstatter IN ALLER KURZE Die ״Swinemündei• Zeitung“ vom 8. 5. berichtet über die Bildung des FremdenVerkehrsvereins Heringsdorf. Bei dieser Gelegenheit teilte der Kurdirektor Rohde u. a. mit, daß die Einrichtungen des Seebades Heringsdorf für Juden gesperrt bleiben. Wie die ,,Fränkische Tageszeitung“, Nürnberg, vom 12. 5. nüttcilf, haben in den städtischen Sommerbädern in Nürnberg Juden keinen Zutritt. Das jüdische Unternehmen Weiler, Heineberg, FI e c 111 h ei n! AG. in Brakei (Kreis Höxter) ist von der Westfälischen Ccntralgcnossenschaft für den Ein- und Verkauf landwirtschaftlicher Bedarfsartikel und Wirtschaflserzeugnisse e. ü. m. b. H. in Münster (Westf.) aufgekauft worden. Im ״Ultner Tagblatt“ wird eine Bekanntmachung der Kriminalpolizei in Ulm veröffentlicht, in der cs heißt, daß in der Nacht vom 15. zum lö. April auf dem Alten jüdischen Friedhof in der Frauenstraßc in Ulm etwa 15 Grabsteine gewaltsam von den Sockeln geworfen und beschädigt worden sind. Für die Ermittlung des Täters sind 100 RM. Belohnung von der Synagogengemeinde ausgesetzt, die gegebenenfalls von der Polizeidirektion Ulm unter Ausschluß des Rechtsweges verteilt werden. Die Große Strafkammer des Hamburger Landgerichts verurteilte It. ״Frank!. Ztg.“ vorn 14. 5. einen jüdischen Arzt wegen versuchter Rassenschandc zu 2 Jahren 6 Monaten Zuchthaus und zu 2 Jahren Ehr- Verlust. Dein Angeklagten wurde zur Last gelegt, daß er während der Behandlung einer 18jährigen arischen Patientin versucht hatte, diese zu küssen und sieh ihr auch noch weiterhin zu nähern. Während der Angeklagte steine Schuld bestritt, sah das Gericht auf Grund der Aussagen der Zeugin den Tatbestand der \ ersuchten Rassenschande als gegeben. Der Dichter i!ermann ßurte hat von der Amtsleitung der NS-Kulturgemeimle den Auftrag erhalten, einen neuen Text zu H ä n d e I s ״J u d a s M a k k a b ä 11 s“ zu schreiben. Auf Antrag von Direktor Dr. Kübanskv hat der Reichscr/.ieliuügiininibtcr durch Erlaß vom 18.’ April 1036 genehmigt, daß mit Beginn des Schuljahres 1036 am Reformrealgymnasium J a vv n e in Köln Englisch als erste Fremdspräche cmgcfiibrt wird. Ende Juni wird in Wien der zweite Weltkongreß der jüdischen Frontkämpfer stattfinden. A11 ihm werden Aborumuigen jüdischer Frontkämpfer aus England, Frankreich, Italien, Polen, Ungarn, Bulgarien, der Tschecho- Slowakei, den Vereinigten Staaten, Litauen, Lettland, Sudafrika und Australien teilnehmen. Die Exekutive ries Comiie des Delegations Juivcs und des Jüdischen Weltkongresses hat beschlossen, den ersten jüdischen Weltkongreß für die Zeit vom 8. bis 11. AugiM 1030 nach Genf ein/tiberufen. Die Eröffnungssit/ung wirt! am S, August abends stattfinden. ln einer öii/uiig sämtlicher zionistischerZentr.ilk o m i t e c s v o n K o n g r e ß p o 1 e n wurde beschlossen, aus Führern aller zionistischen Gruppen eine Kommission zu bilden, die einen engen Kontakt mit der zionistischen Exekutive unterhalten soll. Der Leiter der Nationalitäten-Abteilung im polnischen Ministerium des Innern, Alexander Haftka, hat sich auf eine Reise nach dein Nahen Osten begeben und beabsichtigt, auch Palästina zu besuchen. ln dem jüdischen Viertel von Zamosz.cz, dem Gcburtsort des Dichters J. M. Percz, brach ein Riesenfctier aus, das siebzig jüdische Häuser und die aus dem 14. Jahrhundert stammende Synagoge vernichtete. Zweitausend jüdische Bewohner der Stadt sind obdachlos geworden. Dreihundert Juden sind verwundet worden, von ihnen fünf schwer. Die zionistische Frauenorganisation Amerikas, Had a s ä a 11, hat an die Leiterin der Jugendalijah-Bewcgung in Palästina, Miß Henriitta Szold, 15 000 Dollar zur Errichtnn״ eines religiösen K i n d e r d o r f e s, das den Namen Kfar Noar Dati tragen und anschließend an die Siedlung Kfar UhassitJim bei Haifa errichtet werden soll, überwiesen. Am 11. Mai ist der hervorragende jüdisch-amerikanische Jurist Richter Otto A. Rosalskv im Mount Sinai-Krankenliaus in New York im Alter von 62 Jahren gestorben. Anlaßlieh des I iiimchcideus von Otto Rosalsky hat der Burger-!!leister von New York, Lioreilo 11. La Guardia, augeendnet, daß alle .stail'ochen Geb.iihie bis nach der Beisetzung des Verstorbenen I laibmast flaggen. Die New Yorker Polizei wird auf Anordnung des Bürgermeisters bei dem Begräbnis eine Ehrenwache stell!•!!. Bei einer Nachwahl im Kreise Beckham (England) erzielte der der Arln iterpartei angelkirende Kandidat Lewis S i I I, i 1!, di r Jude ist, einen Sieg über den konservativen Gegenkandidaten. Ls gehören jetzt siebzehn Juden als Abgeordnete dem Unterhaus an. Bei einem in 1 ornlori veranstalteten Empfangsabend eroffium• Lady R e a d! n g eine Aktion zur Aufbringung von 3000 Pfund für die C h ä 1!1 / 1 e 11 r? a r m in Essex. Anläßlich der Eröffnung des diesjährigen Keren Hajessod-Di ives in Südafrika hat der bekannte südafrikanische Zionist und ehrenamtliche Handelsvertreter Südafrikas in Palästina, .Michae l 11 a s k e 11, telegraphisch eine Spende von 1000 Pfund für den Keren Hajessod überwiesen. Die A e g v p t i s c b e Regierung ernannte den Präskienten der jüdischen Gemeinde in Kairo, Kataui Pascha, zum einzigen jüdischen S e n a t s m i t g 1 i e d; das Abgeordnetenhaus enthält keine Juden. Zwischen Aegypten und Saudi-Arabien ist ein F r e u n <1 s c 11 a f t s v e r t r a g abgeschlossen und unterzeichnet worden, der beiden eine feste Grundlage gibt. Aegypten und Saudi-Arabien garantieren sich gegenseitige Achtung der bestehenden staatlichen Verhältnisse. Die diplomatischen Bc- Ziehungen zwischen den beiden Ländern werden wieder angenommen. In Rom starb int Alter von 84 Jahren Mattia Coen, der über fünfzig Jahre lang italienischer Konsul in verschiedenen Ländern des Nahen Orients und Balkans gewesen ist. Im Alter von 88 Jahren starb in Jerusalem Rabbi Aba Jakob Hakohen B o r o c 1! o w, eine hervorragende rabbilösche Autorität und Schüler des berühmten Schklower Rabbi Joschtia Leib Diskin. Im Verlag Atid, Berlin, erscheint demnächst ein ״Paiästina-A B C“, das zum Verfasser unseren Mitarbeiter Dr. Rudolf Lev y, Den Haag, hat Das ABC enthält Stichworte aus allen Gebieten des palästinensischen Lebens der Gegenwart und dient der Information über die Landesverhältnisse. ... Ohne KKL - Vertrauensleute kein Boden - Ohne Boden kein jüdisches Palästina, ... J.R. Wien, 10. Mai Der Geburtstag Freuds, den er auf seinem Sommersitz in der Umgebung Wiens verbrachte, wurde von verschiedenen ärztlichen und sonstigen akademischen Stellen in feierlicher Weise begangen. Unzählige Glückwünsche sind aus aller Welt für den jüdischen Gelehrten eingetroffen. Die Wiener Universität hat es unterlassen, eine Freud-Feier zu veranstalten; sie begnügte sich mit einem Schreiben des Dekans der Medizinischen Fakultät, Prof. Kerl, im Namen des Professorcnkollegiunts. Die sozusagen offizielle F e i e r d e s medizinischen Wien wurde vom ״A k a - d e m i s c h c n Verein für medizinische Psychologie“ in einer Festsitzung der ״Gesellschaft der A e r 71 e“ abgyhalten, an der Vertreter des Unterrichtsministeriums, der Dekan der Wiener Medizinischen Fakultat der Wiener Universität Prof. Kerl in Vertretung des Wiener Rektors, Hofrat Prof. W a g n e r - J a u r e g g, für die Gesellschaft der Avrztc, der Leiter der Psychiatrischen Klinik Prof. P Ötzi, der Obmann des Vereins fiir Psychiatrie und Neurologie Prof. Otto Marburg, sowie eine ganze Reihe von Universitätsprofessoren Aerzte, Vertreter der Psychaanalytischen Vereinigungen u.a. m. tcilnahnien. Für die Wiener Gesellschaft der Aerzte überbrachte Hofrat Wagner- Jaurcgg die Glückwünsche an Prof. Freud, ״dessen Aufstieg zur Höhe von allen mit Bewunderung verfolgt wurde, ein Abglanz eines so reichen wissenschaftlichen Ruhmes ist auch auf die Wiener medizinische Schule gefallen“. Der berühmte Kliniker schloß seine Rede mit den herzlichen Worten: ״Im Gefühl der Dankbarkeit erinnern wir uns heute an Freud als einen der größten lebenden Aerzte, den wir mit Stolz zu den unseren zähle 11.“ Sehr herzlich waren auch die Worte des Neurologcn Prot. Marburg, der, selbst Jude, auf die Ori- Bestrafte Erpressung Vor der Großen Strafkammer in Erfurt haften 1t. ״Frankf. Ztg.“ vom 8. 5. sich ein 37jähriger Angeklagter aus Erfurt und seine Frau wegen Erpressung an einem j ii d i - s c h e n Arzt zu verantworten. Der Arzt hafte die Nichte eines im Sommer 1935 verstorbenen Sanitätsrates geheiratet und als Nachfolger in dessen Praxis auch die seit Jahren beschäftigte Sprechstundenhilfe übernommen. Itn August v. J. trat der Angeklagte als ״Rechtsberater“ der Sprechstundenhilfe an den Arzt mit dem Verlangen heran, als Ausgleich für das verhältnismäßig geringe Gehalt, das die Sprechstundenhilfe in 2;>jä!!riger Dienstzeit bei dem verstorbenen Sanitätsrat erhalten habe, einen größeren Betrag zu bezahlen. Unter Anwendung unzulässiger Druckmittel gelang es ihm auch, von dem Arzt 3000 RM. zu bekommen, von denen er 1000 M. für sich behielt und den Rest an die Sprechstundenhilfe und deren Mann weitergab. Sehr bald darauf trat der Angeklagte erneut an den Arzt heran. Unter dem Vorgeben, daß er belastemies Material gegen ihn und seinen Vorgänger in Manden habe, ilm wegen Rassenschandc und anderer Vergehen anzeigen und um seine Kassenpraxis bringen werde, erpreßte er in vier Monaten weitere 5500 RM. von dem Arzt und nötigte ihn dann noch unter der falschen Angabe, daß er selbst Erpressern in die Hände gefallen sei, fünf Monats- Wechsel über je 100!) M. zu unterschreiben, die in den Monaten Januar bis Mai 193) eingelöst werden sollten. Nun brach der Arzt zusammen und erklärte seiner Sprechstundenhilfe, er wolle sich das Leben nehmen. Auf ihr Zureden teilte er iiir mit, wie er von ihrem ״Rechtsberater“ ausgebeutet werde. Darauf erstattete ihr Ehemann Anzeige gegen den Erpresser. Dieser wurde am 16. Januar verhaftet. In der Verhandlung vor der Großen Strafkammer suchte der Angeklagte zu bestreiten, daß er von dem jüdischen Arzt mehr als 3000 RM. erhalten habe, von denen er nur 1000 M. behalten habe. Aus den polizeilichen Feststellungen ergab sich aber, daß er zu derselben Zeit, in der er seine Er- Pressungen verübte, für die Anschaffung von Kleidern und Luxusgcgcnständeii mehr als 3000 M. ausgab, obwohl damals sein laufendes Einkommen zur Ernährung einer fünfköpfigen Familie kaum ausreichte. Auch wurde festgestellt, daß der Arzt in der gleichen Zeit, in der der Angeklagte 8600 RM. von ihm erhielt, von seinem Bankkonto 8700 RM. abhob. Der Verteidiger des Angeklagten stellte den Antrag, den als Zeugen vernommenen Arzt, weil er Jude sei, nicht zu vereidige n, und nötigenfalls den Oberstleutnant a. D. Fleischhauer als Sachverständigen über die Frage der Vereidigung von Juden zu vernehmen. Die Große Strafkammer lehnte aber diesen Antrag ab. Die Judenfrage sei auf gesetzlichem Wege zu lösen, wobei der Führer und Reichskanzler das entscheidende Wort zu sprechen habe. Sonderaklionen seien nicht zulässig. Das Urteil gegen den Angeklagten, dessen Handlungsweise der Staatsanwalt als ״haarsträubende Gemeinheit gegenüber einem wehrlosen Menschen“ hc/cichuctc, lautete auf vier Jahre Zuchthaus, 500 RM. Geldstrafe und Aherkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren. Seine Frau wurde wegen Beihilfe zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Die Judenfrage im Unterricht. In der pädagogischen Zeit- Schrift ״Vergangenheit und Gegenwart“ (Heft 4, 1936' veröffentlicht Dr. Wilhelm Grau den ersten Teil einer Arbeit über ״Die Judenfrage in der deutschen Geschichte“; die Arbeit ist nach dem Vorwort aus dem Bedürfnis der Lehrer hervorgegangen, ״für den Schulgcbrauch möchte jetzt schon ein kurzer Abriß über das in gleicher Weise wichtige wie schwierige Problem des Juden in unserer Geschichte gegeben werden“. Der Verfasser sagt, ihm habe diese Arbeit ״schmerzlich wieder die Lücken unseres historischen Wissens über diesen Gegenstand vor Augen geführt und die Forschungsaufgabe wieder dringlicher als alles andere ihm erscheinen“ lassen. — Dieser erste Aufsatz reicht von den ersten nach Deutschland kommenden Juden bis kurz vor die Französische Revolution und hat im wesentlichen das Ziel darzustellen, daß die Juden im deutschen Volkskörper stets Fremde geblichen und vom Volk immer abgelennt worden sind; Auch die wirtschaftliche Betätigung der Juden wird in einer von der bisherigen Qeschichtsauffassung abweichenden Weise interpretiert. Eine interessante Entdeckung wurde in einer Kirche in Toledo gemacht, die jetzt den Namen Santa Maria la Bianca führt. Die Kirche, die im 12. Jahrhundert etbaut wurde, war ursprünglich eine Synagoge und wurde im Jahre 1405 in eine Kirche umgewandelt. Der Architekt Moya hat jetzt die alten Grundrisse der Synagoge entdeckt. ginalität der Freudschen Forschung hinwies. Den Festvortrag hielt der Schweizer Arzt Dr. Ludwig Bin swänge r. Den Höhepunkt der Freud-Feiern brachte der Vortragsabend Thomas Manns im Konzerthaussaale, wo das geistige Wien sich vereinigte, um aus dem Munde des Dichters eine Deutung Freuds zu vernehmen. Thomas Mann wies auf interessante Parallelen zwischen der Mythologie und der Psychoanalyse hin. Freud habe das Unbewußte für die Humanität erobert. Er, der einsam und allein seinen Weg gegangen ist, ein ״Mann und Ritter mit erzenem Blick“, ist zu Wahrheiten gelangt, die Dunkelheiten erleuchteten und Verschüttetes offenbarten. ♦ Nur wenige Monate vor Vollendung seines 70. Geburtstages ist der bekannte Herzspezialist und Primarius des Rothschild-Spitals, Universitätsprofessor Dr. Ludwig Braun, gestorben. Iler Verstorbene, der am 12. August 1867 in Ungarisch-Ostrau in Mähren geboren wurde, hatte sich schon frühzeitig der Erforschung und Behandlung der Herzkrankheiten mit außerordentlichem Erfolg ge• widmet. Dozentur und der Titel eines außerordentlichen Professors an der Wiener Universität waren die nächsten Etappen des in der Folge in die erste Reihe der berühmten Herzspezialisten tretenden Dr. Braun. 25 Jahre lang leitete Professor Braun die interne Abteilung des Rothschild-Spitals, an dessen medizinischem Aushau und Entwicklung er in großem Maße Anteil hatte. Prof. Braun war Präsident der ״Vereinigung jüdischer Aerzte“ und mehrerer charitativer Vereinigungen seines Standes; die zionistische Idee, der Keren Hajessod, die gesamte Palästina-Bewegung hatte in ihm einen Mann, der, wie nur ganz, wenige, diesem Ideal ergeben war. Außerhalb seiner beruflichen Arbeit galt sein ganzes Tun und Denken der Palästina-Arbeit. Die fttdenieindlichen Exzesse in Polen Warschau, 12. Mai. (JTA.) ln Buska (Ostgalizien) kam es zu schweren judenfeindlichen Ausschreitungen, als sich das Gerücht verbreitete, ein Jude habe gegen eine religiöse Prozession einen Stein geschleudert. In den jüdisehen Häusern wurden die Fenster angeschlagen und viele Juden wurden schwer mißhandelt. Die Polizei stellte fest, daß der Stein von einem Zigeuner geworfen worden war. In Proposzna haben unbekannte Täter den jüdischen Friedhof geschändet und mehrere Grabmälcr zerstört. In Rcmbilic-Szlachccki (Kreis Czenstochau) wurde die Wirtschaft des Juden Meir Binanta! niedergebrannt. Das Wohn* haus, ein Laden mit der gesamten Ware und die Getreidespciciier wurden vernichtet. Während des Brandes wurden viele Gegenstände, die der Eigentümer zu retten versuchte, von Bauern geraubt. Nur die Thorarolle konnte Binantal aus dem brennenden Hause retten. Auf der Kleinbahn zwischen Warschau und Gora-Kalwarja wurden der Sohn des ,,Gerer Rebbe“, Israel Alter, und seine Begleiter mißhandelt. Dip Ueberfallenen wurden gewaltsam daran gehindert, die Notbremse zu ziehen. Ans Kunst und Wissenschaft Anläßlich des 80. Geburtstages von Prof. Sigmund Freud veranstaltete die Hebräische Universität in Jerusalem eine Feier, bei der Prof, M. Wolf das wissenschaftliche Werk des Jubilars würdigte. Das Jiddische Wissenschaftliche Institut in Wilna veranstaltete zu Ehren Prof. Sigmund Freuds, der dem Kuratorium des Instituts angehört, eine öffentliche wissenschaftliche Sitzung. Im Verlag der ״Cahiers Juives“ ist eine französische Uebersctzung von Prof. Simon Dubnows ״Kurzgefaßte Geschichte des jüdischen Volkes“ erschienen. Aus Anlaß der Abschlußprüfungen an den jüdischen Re• ligionsseluilen in New York hat die Jewish Education Assodation eine Mai moni des- Medaille prägen lassen, die auf der Vorderseite das Bildnis des Maimomdes zagt Die Medaille, die in Gold, Silber und Bronze hergestelit wurde, gelangte an 521 Schüler zur Verteilung. Der Verein der hebräischen Schriftsteller und Journalisten in Warschau läßt eine neue literarische Zeitschrift unter dem Titel ״Amudim“ erscheinen. An der Spitze des Redaktionskomitees steht Jchuda Warszawiak. ״Sunday Chroniclc“ berichtet, daß Elisabeth Bergncr sich endgültig entschlossen hat, in dem Stück von Barrie ״Der Knabe David“ die Hauptrolle zu übernehmen. Elisabeth Bergner, die sich vor kurzem einer Operation unterziehen mußte, ist von ihrer Krankheit genesen. Die Aufführung des Schauspiels wird im Flerbst in London erfolgen. Erika Stör m, die soeben für die Mozari-Festspiele und Rundfunk-Konzerte in London engagiert wurde, ist eine Schülerin von Gina Goetz-Levy. Ebenso Lea Koppel, die am 14. Mai im Prager Rundfunk gesungen hat. T. E. Lawrence und die Briefmarken. Der im vergaltgenen Jahr durch einen Motorradunfall ums Leben gekom• mene ״Lawrence von Arabien“, der Initiator des arabischen Aufstandes gegen die Türken, fand während seiner Tätigkeit am Roten Meer ein ganz merkwürdiges Mittel, um der Welt aut einen Schlag zu beweisen, daß von nun ab Arabien ein selbständiges, von dem türkischen Oberherrn vollkommen unabhängiges Land sei. Lawrence wurde der Initiator, Zeichner und Auftraggeber für die ersten, in Kairo hergestellten Briefmarken des Königreichs Hcdschas. Und selbst aut diesem, von der hohen Politik so abseits liegenden Feld erwies sich Lawrence als erstklassiger Fachmann, denn er beherrschte, wie seine damaligen Mitarbeiter bestätigten, alle Einzelheiten der Drucktechnik von Postwertzeichen, die noch dazu im Orient durch unzählige technische Schwierigkeiten erschwert wurde. ״Die Internationale Kunstwelt“ enthält in ihrem Aprilheft (Verlag M. Schulz A.-Q., Prag VII) nachstehende Hauptartikel: Adolph Donath: ״Der Weg zur Architektur“, Josef Poiäk-Kolice: ״Der Goldschatz von KoSice“, Maximilian Steif- Brünn: ״Weg und Hinweis zur Identifizierung des »Meister« von Raigern«“, A. Heppner-Amsterdam: ״Städtebauliche Sorgen um Alt-Amsterdam“, Friedrich Neuburg-Leitmeritz: ״Der Schmuck in der Goldschmicdekiinst“. Artikel von Fritz Schiff über ״Kunst in Paris“, Paul Gutmann über ״Tschechoslowakische Kunst in Mexiko“ leiten die Rubrik über die aktuellen Ereignisse des internationalen Kunstwesens ein.

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