Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 38 (12.5.1936)
- Date
- 1936-05-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2653922-2653959--28780-2690277- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 2× ep/1047930
OCR text
se!!e גזו JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 38 12. V. 1936 Konflikten und A engst er! des Tages das palästinensische Problcm in seiner ganzen Schwere und Kompliziertheit auftauchen. Diese palästinensische Frage ist seit Beginn der jüdischen Siedlung im! auile immer vorhanden gewesen, sie ist nur für viele durch die Dynamik des palästinensischen Aufbaus verdeckt worden. In Zeiten von Unruhen ist man dann immer stärker auf sie aufmerksam geworden, um in ruhigeren P.erioeleu wieder von dem Suchen nach einer Lösung nachzulassen. Jetzt stehen wir leider in einer Zeit, wo uns die ganzer! Schwierigkeiten des Problems mit Methoden der Politik, des Terrors und des Streiks schmerzlich klargemacht werden. Und im Jiscliuw sieht man an vielen Stellen die Augen fragend auf die Exekutive gerichtet, voll der man nicht nur eine lieberwindung der gegenwärtigen Not, sondern auch einen Versuch zu ein er tieferen Klärung des Gesamt• Problems erwartel. Der Streik In Haifa Der Streik ist etwas Alltägliches geworden, man gewöhnt Bich daran, in der Haifacr Altstadt fest/ustellcn, daß der Rrößte 1 eil der arabischen leiden geschlossen ist. Die Lebensmittelladen haben geöffnet, b/w. machen auf, wenn Käufer erscheinen, die sich manchmal in langer Reihe anstellen und auf die < )effnung warfen. Andere Läden sind zwar geschlossen, aDer der Inhaber steht draußen und verkauft neben seinem I;!den. Alle Cafes sind offen, es gibt doch mehr ganz oder /cilweiüg 1 hrheselräftigte als sonst, und so sitzt man noch nie 11 r Stunden als in ruhigen Zeiten vor und in den, Cafes, liest Zwillingen, .-pielt Brettspiele und macht Oeschäfte. I 1'l)1:1׳״ns sind da hei die Bcvolkerungskrcise keineswegs getrennt. Araber und Juden sjt/011 wie sonst dort zusamiunw spie!eit /loanimen und bahnen vielleicht neue Oeschäfte lur rubige Zeiten;111. Aber trotz allen Lücken ist der Streik de11 .״ ii!l!!b,1r, besonders im arabischen Sc link (Markt), und der Irl ׳!;;rite Verkehr, der sieh sonst dort abspielt, ist weif geringer ׳.:״worden. Der 1 lamrnb-Square, der alte Wageiip'ai/, Kt du׳ (ireu/e zwischen dem arabischen Einflußgcbiet. eben dem Scliuk, der Nnzarcthstraßc und der Dcgend tun Moschee und Bahnhof, und dem jüdischen f iitfluligcbic't, dun alten und neuen Merkas Misdiari. Dort sieben einige I’ulizi teil mit aufgepllan/tein Seitengewehr, d. h, ,»ic standen die ersten Tage dort, unterdessen haben ״‘■׳eil u׳-' mc'i an die >1tuat;01! gewohnt, man hat ihnen Stuhle Ikiat.'gesiiüt, und so sitze 11 shim Schatten der Säuleni'enige de» < armeliterinuses, lesen die Zeitungen oder unterhalum sich mit den Passanten. Auch im Schuk steht eine Wache, und von Zeit zu Zeit fährt ein Lastwagen mit Polizei durch die M.idt. I im,;:• arabische Autobuslinien fahren nicht. 1111 Hafen wngl die Arbeit ununterbrochen fortgesetzt, infolge des Streik» in Ja ו Sa i-t der Betrieb sogar goutier als sonst, so daß zal'livn he neue aiabische und jüdische Arbeiter eingestellt weiden mußten. Die• Zeitungen \\erden noch immer begierig er v.a rt! t. Murg! 11s um $ Uhr sieht man liberal! Einzelne mul <!nippen jfidisdier und arabischer Zeitungsleser iiebenvinander •!dir getrennt auf der Siraße stellen und lesen. I He arabischen Zeitungsjungen eilen in 1 last durch die Straßen und in die 1 Unser, mul finden ebenso reillenden Absatz ihrer Zeitungen wie die jüdischen abends, wenn die Abend/miungen ״emllich" cintrefferi. Sicher ist auch der jüdische Verkehr unten in der Altstadt schwächer als sonst, obwohl alle jüdischen Geschäfte im Merkas Misdiari geöffnet haben. M;!11 geht eben nicht so gern nach unten, man kauf! im Schuk nidit ein, und die Geschäftsleute unten klagen über schlechten Absatz. Dafür flutet das Leben in Hadar I Inenrmel um so stärker. In den Abendstunden bis in die Nacht hinein ist in der Hcr/Istralie ein noch regeres Indien als sonst, alles kommt nach draußen, um in der abendlichen Kühle die neuesten Nachrichten zu ltören, die Meinungen aus/utauschen und die Abendzeitungen zu lesen. Zwar werden Theatervorstellungen verschoben, aber die Kinos .־»jiiclcn weiter, die ('wies sind voll Menschen, die Ladeiiinhaber profitieren von dem Ausfall der Einkäufe in der Alt׳״;! »Van am cd;1!u1k UH! a hend die dichten Mensehen inass t;n ii 1 den 8 Ir a k׳n sn; i/1 ere 11 trel ich, hat man den Eindruck, tDf! 1 ladar 1 k׳K\־ü mel CI fic Großstadt ist. Zu der sonstigen 1 mVi ,Skenmg 1 vom men noch die Flüchtlinge hinzu, die sepltat ti! hl.' 1 i eil j l!d> 11, hur die! ra nkun‘ ‘ genannt, die zum Teil ihn: V\ Io; .um.an!! 1 um aז ab iNC heu Stadtgegeiiden verlassen ha! It'fi . 11;aJ in J er Tand ■ul Iv und in Schulen untergebracht ■ _!, י; j ... I he Wr: 5 i;;. 1 1; IJ; /u heil 1J kn ein/elnen jüdischeu M. dtH.U kn I iaifa “׳ und zu m Karr ncl ist ungestört. I'.beiiMi fa!1 ren die Am: )!umse in t he Sied! urigen, wenn auch immer wi rJcr Stein« UI ׳fe vork;!;s IHK .11׳ Dr. Albert B a e r, Haifa Presseschau Die vn gl!»ehe Zeitschrift ,,Great H r i t a i n and the East“ s>.kr: .nt in ihrer Ausgabe vom 7. Mai, daß niemand du:eh die l nrüiicii in Palästina überrascht sein könne •— anbei di ajviiggeii, die geglaubt haben, daß eine Prosperität gkiclibtdeutend mit /ulncdeiilicit der Bevölkerung sei.!Man brate 11 c ]״ i'ic 1|■־c/1etle Ursache lur die Streiks und Ihnwilsliatioiteii /!: ״iudien. Das Blatt erinnert au die l'eststellungen de! ß 11;1 w •l'nt c r s 11 c 11 11 11 g s k v m m i s s i 0 11 im Jahre Ibg), die die Realitäten des!.;indes festgestellt habe; und diese iv e a 1! t j t c a seien geblieben. Man mag mit tb 11 w111■■ס le-cn Juden, die von primitiven Arabern angegriffen u erden, »vnniatiiisiiTen und die meisten Mensehen tun cs man könne doch nicht an der Tatsache Vorbeigehen, daß weder die Anstrengungen der Palästina- Regierung noch die wirtschaftliche Kraft der Zionisten auch nur einen Anfang gemacht hatten, eine Aussöhnung der Araber mit ihrem augenblicklichen Schicksal an zubannen, die allein die Möglichkeit neuer Unruhen bannen könnte. Wenn die gegenwärtigen Unruhen verhältnismäßig eingeschränkt werden konnten, sei dies der unaufhörlichen Wachsamkeit der palästinensischen Verwal* tung zu danken. Die Zwischenfälle seien der Regierung nicht unvorhergesehen gekommen. Manche Juden hätten die Untätigkeit der Mundatarmacht angesichts der brutalen Ausbrache kritisiert, aber besser informierte Zionisten wüßten die Schnelligkeit und Tüchtigkeit der Bemühungen der Regierung zur Unterdrückung der Unruhen wohl anzuerkennen. Die Ucbcrfnile bei Dschenin im letzten Jahr seien ein Symptom fiir die feindlichen Gefühle gewesen, und nur die Bemühungen des High Commissioner, einen politischen Mittelweg zu finden, hätten die Situation erträglich gemacht. Unglücklicherweise habe die Debatte im llnterhaus über den Legislative Council das Pendel wieder zurückschwingen fassen zu der früheren Haltung des Mißtrauens und der Verzweiflung. Wenn man diese grundlegende Tatsache nicht anerkenne, so verstehe man nicht die heutige Lage in Palästina. * Die ״F rankfurter Z e i t u!1 g“ vom 8. 5. veröffentlicht den Bericht eines Mitarbeiters in Palästina über die luden in Palästina, in dem die politischen Beziehungen Feiertag und Der Vergleich unseres Lebens in Erez Israel mit den Bedingungen in der Diaspora ergibt mancherlei Paradoxien. Ich wähle als Beispiel eine Erscheinung, die mir um so mehr auffälit, je länger ich hier lebe. Die Feiertage sind für den angestrengt arbeitenden Menscher! eine allzu kurze Unterbrechung des unausgesetzten Schaffens. Weder der physischen Ruhe noch der Entspannung der Seele dient der Festtag hinreichend. Wer das Arbeitstempo und -mall des Rüsttages zum Jorntow kennt und das der Halbfeiertage — übrigens liegen die Verhältnisse am Freu׳ Schahbat ganz ähnlich —, dem kann der kurze Festtag nicht ausreichend erscheinen, um das Gleichgewicht wiederherzustellen. Nirgends gibt cs weniger Ruhetage als in Erez Israel. Noch fehlt der wohltätige Zwang der Gesetzgebung, der den Arbeitstag regelt. Unsere eigenen Bemühungen und Postulate um die Ordnung der Dinge reichen über einen gewissen Bezirk nicht hinaus. So kommt es, daß der Wochentag vielfach ungleich stärker mit Arbeit erfüllt ist als anderswo und die Ruhetage ärmer an Zahl und an Wirkung sind. Oft genug Ist darauf hingewiesen worden, daß die Konflikte zwischen den Anhängern der religiösen Tradition und den ihr Fernen wegen der Entweihung des Schabbat mit dieser Knappheit der freien Tage Zusammenhängen. Es finden sich also mancherlei Motive zusammen, soziale und religiöse, die die Ausweitung der Ruhezeit als geboten erscheinen lassen. Wie können wir dieses Problem lösen? Wir können keine übertriebenen Forderungen stellen. Wir sind noch arm, und in unserer Arbeit liegt unser größter Reichtum geborgen. Andcrcrscits müssen die Tage, die wir hinzufügen wollen, irgendwie ausgezeichnet sein. Andere Völker haben Tage der Erinnertmg an Siege, an Krönungen und Gründungen des Staates. Wir könnten eine Institution wiederbeieben, die noch heute überall Geltung hat, nur nicht in unserer Heimat: der zweite Festtag def Exils. Historisch und gesetzlich gesehen ist diese Einrichtung, wie der Name sagt, nur für das Exil geschaffen worden. Dort ist sie freilich auch nur aus Anhänglichkeit an den Brauch der Alten bewahrt worden, und sie hat sich dort erhalten, obgleich sie, in einem Milien, das ganz anderen Gesetzen folgte als den unseren, viele Schwierigkeiten schuf. Wenn in Erez Israel der 2. Festtag erneuert werden könnte, wären uns fünf Ruhetage mehr im Jahre gegeben: zwei am Peßach, einer am Schawuoth und zwei am Sukkoth. Das ist nicht viel, aber doch ein Plus. Vielleicht wäre es am Platze, zwei andere Tage, die der Jugend besonders teuer sind und für sie Freiheit bedeuten, noch hinzuzuiiehmen: den fünfzehnten Sch’wat und Lag Beomcr. So haben wir im Laufe des Jahres eine Woche gewonnen. Diese Tage, besonders die zweiten Festtage der Diaspora, sollen natürlich nicht gegen den Sinn der flalaeha in Palästina erneuert werden. Sie sollen also nicht den Charakter des ersten Tages erhalten mit den charakteristischen Verboten und Geboten des Moed. in rcligiös-halarhischcr Hinsicht sollen sie sich njebt über den Chol ha-Moecf erheben ttnd der 8. Tag Peßach und der 2״.“ Scldmini Azereth können noch weniger sein; sie sollen gar nicht mehr in den Bezirk der charakteristischen Gebräuche gehören. Kein Chamezvcrhot, kein Simchath Thora für diese hinzugefügten Tage. Der Typus des weltlichen Festtages soll begründet werden, weil er, gerade vom Standpunkte des Judentums der Tradition, ein dringendes Gebot ist: er wird zur Erhaltung und zwischen Arabern und Juden geschildert werden. Es wird auf die Fremdheit urid Beziehungslosigkeit beider Bcvölkerungsgruppen hingewiesen, die auf allen Lebcnsgcbioten zu finden sei. Englands Politik werde außer von den imperialen Interessen auch von sentimentalen Gesichtspunkten geleitet, die in der Balfour-Deklaratlon /um Ausdruck gekommen seien. Die palästinensischen Aratier hätten ihrerseits ihren Rückhalt an den übrigen arabischen Landgebieten. Die Politik Englands in Palästina biete daher ein schwer durchschaubares Bild. Ein dynamisches Element ist der Fortgang der z i o - nistischen Kolonisation. Das Wachsen der jüdischen Bevölkerung habe dazu geführt, daß die jetzigen Unruhen zwar eine Beunruhigung, aber keine Bedrohung der jüdischen Bevölkerung seien, die aus der unmittelbaren Gefahrenzone heraus sei. Der Artikel schließt damit, daß sich vielleicht spater auf arabischer Seite Führer finden werden, die einsehen, daß es aussichtslos ist, den Fortgang der zionistisehen Siedlung zu bekämpfen, aber von Nutzen für beide Teile, ihn zu unterstützen. Der High Commissioner für Palästina hat angeordnet, daß Kraftwagen für U e s c hä f t s z w e c k c in Pakistina nur noch dann für den allgemeinen Verkehr zugelassen werden, wem! gleichzeitig eine die näheren Einzelheiten des Typs angebende Erklärung des Fabrikanten oder seines begfaublgten Vertreters vor einer öffentlichen Behörde am Herstellungsort abgegeben und bei der Zulassungsbehörde in Jerusalem eingereicht wird, הג$ה אשר על הגג 7״?y י״י'«׳י־ר׳ -v/rv; Das Gärtdien auf dem Dadhe Die schöne Palästina-Geschichte aus dem neuen Geschenk-Buch ״Zählet die T agc . . Mit vielen Erzählungen zu 28/.27> מבועית. Mai) / Preis 90Rpf. Bestellen Sie bitte sofort bei Ihrem BucbhSndler oder direkt beim Hedinluz* Vertag, Berlin W 15, Melnekestraße 10 «gen Voreinsendung des Brr rege• tuiflgi, 20 Rpf. Porto oder auf PosisdieA« koiiro Hedialuz, Deutscher Lanlesverband, Verlags-Abt, Brr,in 177513 KEREN KAJEMETH LEJISRAEL Arbeitsruhe Auferstehung der überlieferten Feste in ihrer klassischen Gestalt beitragen. Ich möchte, daß das religiöse Judentum die Nöte der Zeit versteht und der Gesamtheit aus seinem Geist und seinem Bestand ein Geschenk darbringt. Es wird gut und wertvoll sein und nicht vergessen werden, wenn die Orthodoxie nicht nur in der Rolle des strengen Untersagers, im Mantel des Verbots auftritt, sondern des Gewährenden, des Spenders. Wir müssen um unsere religiösen Formen bangen und für sie kämpfen; aber vielleicht gelingt diese Bemühung eher, wenn wir als Gebende kommen. Sage keiner, daß wir in unerbittlichem Fanatismus nur das uns Teure sehen. Wir wollen durchaus den Ansprüchen unserer Zeit Rechnung tragen. Diese freien Tage werden legitim dem Sport, dem Tijul, gewidmet sein. An ihnen können Wettkampfe ausgefochten werden; neue Wege des Feierns, neue Symbole dürfen liier hervortreten und dem Bedürfnis nacii schöpferischer Gestaltung in der Lebenssphäre Raum geben. Wir werden Zeit gewinnen für wichtige Konferenzen und Tagungen, an denen wir gegenwärtig nicht teilnehnieu können. Und diese Teilnahme schaffender Kreise, von Männern des Berufslebens, ist außerordentlich bedeutsam. Denn wir sind schon dem bedenklichen Zustand allzu nahe, in dem nur Berufs- Politiker oder Beamte unserer nationalen Institutionen frei sind für wichtige Beratungen. Das ist, bei aller Anerkennung der Leistungen und der Qualifikation dieser Menschen, ein ungesunder Zustand. Er schnürt die Bewegung von den weiten Schichten der Bevölkerung ab, die in ihrem Tun und in ihrer Haltung ja doch recht eigentlich das Volk bilden, um dcssentwillcn das Werk sich vollzieht. Man vergißt mitunter, diejenigen zu befragen, die nicht in der Beamtenhicrarchie stehen, und deren Funktionen vielleicht weniger bewußt, aber nicht weniger vital sind für unser neues Leben hier. Wenn man die mangelnde Beteiligung vieler Olim, besonders aus Deutschland, kritisiert, so vergesse man nicht, daß in nicht wenigen Fällen die fehlende Freizeit und das Uebcrmnß an beruflicher Anspannung an dieser Situation mitschuldig sind. Das Entscheidende aber bleibt auch in dieser Be- Pachtung nicht der unmitteibare Zweck und Nutzen, sondem die Gewinnung einer zw eck freien Erholung, Entspannung und Ruhe. Daß der Mensch sich wkdergegebeii wird, daß er an wenigen Tagen nach seinem Ermessen träumen oder sinnen kann, daß er selbst der Zweckhcstimmer einiger Stunden ist, das scheint mir nicht ohne großen Wert zu sein. Vielleicht entscheiden gerade diese über die Fruchtbarkeit und Produktivität des Indivielmims und auf diesem Umweg auch über das Gedeilicn der Gemeinschaft. Der Geiz unserer Rationalisierung, die Enge unseres rationalistischen Denkens muß der Weite und Großzügigkeit weichen, die rational im guten Sinn ist. Wir müssenauch ein wenig verschwenden können, um reich zu werden, Fleiß aus vorübergehender scheinbarer Untätigkeit hei Vorgehen lassen. Vielleicht ist dieser Oedankengang, mehr als mir lieb ist, von Erwägungen beeinflußt, die aus der städtischen Situation sich ergeben. Es käme darauf an, die Dinge auch für den Siedler und landwirtschaftlichen Arbeiter fruchtbar zu machen. Das wichtigste bleibt mir die Erhöhung unserer Spannkraft, die Steigerung unserer Freudigkeit und der Potenz unseres Schaffens. Oskar Wolfsberg, Jerusalem Der Negus in Jerusalem Jerusalem, 8. Mai. (JTA.) Der Negus ist mit seiner Begleitung im Hafen von Haifa gelandet. An Bord des Kreuzers ״Enterprise“ wurde er im Aufträge des High Commissioncr Sir Arthur Wauehope vom Distriktskonimjssar Gordon begrüßt. An Land schritt der Negus die Front einer Ehrenkompagnie ab. Dabei wurde die abessinischc Nationalhymne gespielt. Auf dem im Hafen von Haifa liegenden Italicnischcn Dampfer Carnaro, der aus Anlaß des italienischen Linmarsch cs in Addis Abeba geflaggt hatte, wurde gleichzeitig die italienische Nationalhymne gespielt. Der Negus hat 170 Kisten mit Gold und 15 Kisten mit anderen Wertsachen mitgebraeht. 10 Tonnen weiteres Qe* pack sind noch nicht gelöscht worden. In Haifa bestieg der Negus mit seiner Begleitung einen Sonderzug, der ihn nach Jerusalem brachte. Dort wurde er von dem Bürgermeister von Jerusalem, Dr. Khalidi, und einem Vertreter des High Commissioner begrüßt. Der Negus begab sich sodann mit seiner Begleitung zum König-Davi'd-Hotel. An den Wegen hatten sich Tausende von Juden und Arabern a!!gefunden, um den Negus zu sehen, dem wiederholt Ovationen bereitet wurden. Bemerkenswert ist, daß das arabische Streikkomitee den arabischen buhrleutcn und Chauffeuren erlaubt hat, den Streik zu unterbrechen, tun den Negus und seine Begleitung zum Hotel zu bringen. Auf seiner Fahrt vom Bahnhof zum Hotel wurde der Negus von einer besonderen Truppcnabteilimg eskortiert. Der Negus beabsichtigt, sirfi zunächst einige Tage zu erholen. Ob er sich sodann auf eine Europareise hegebei! v ird, steht nach den vorliegenden Meldungen noch nicht fest. Von der Woche Die durch die Einführung der D e v i s en be Wו r t- Schaffung in Polen veranlaßten Abhebungen bei der polnisch-palästinensischen Bank, der Polska Kasa Opieki in Td-Ävviw und Haifa sollen etwa eine halbe Million Dollar betragen. Die Verluste, die durch den Kursrückgang des Zloty für die Juden in Palästina entstanden sind, werden aut 600 000 Dollar beziffert. Die polnische Zeitschrift ״Palästina und der Nahe Osten“ hat anläßlich der Levante-Messe eine Sondernummer herausgegeben, in der die Probleme des politischen, Wirtschaftliehen und kultureilen Lebens in Palästina behandelt werden. Die Verhandlungen zwischen der polnischen und der Palästina-Regierung über den Abschluß eines Aus liefe• rungsabkommens sind beendet worden. Der Zuckerindustrie-Konzern der Ungarischen Affgemei* neu Kreditbank errichtet in Palästina eine Zuckerraffin e ז i e, für die ungarische Maschinen ausgeführt werden sollen. Bei Grabungen in der jüdischen Kolonie Scheich Abrek im Emek wurde ein Gräberkomplex entdeckt, der über drei Etagen geht. Man fand Aufschriften in hebräischer, aramäischer und griechischer Sprache, sowie verschiedene jüdische Embleme. Man nimmt an, daß es sich um das Gräberfeld einer hervorragenden jüdischen Familie aus den ersten Jahrhunderten nach der zweiten Tempelverbrennung handelt.