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Jüdische Rundschau · 1936-05-08 · Heft 37 (8.5.1936) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 37 (8.5.1936)
Date
1936-05-08
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr 37, 8. V. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 17 וייז Ohel -Premiere Nathan Bistritzky: Shabkatai ZVi T e I * A w i w, Ende April 1936 Zum erstenmal geht über die heutige palästinensische Bühne ein groß angelegtes Drama, dessen Urtext das Hebräische ist, das nicht aus einer fremden Sprache übertragen wurde, dessen Niveau überdies ein weit höheres ist, als des größten Teiles derjenigen Stücke, die den hebräischen Spielplan der letzten Jahre ergänzten. Es geht uns um mehr als nur um diese — schon an sich erfreuliche — Feststellung. Es geht uns darum, daß hiermit die immer wieder aufgestellte Behauptung, daß gute hebräische Stücke nicht existieren, widerlegt ist. Wäre ״S h a b b a t a i Z י w i“ nur ein historisches Thema, wäre Bistritzkys Stück nichts als eine aus verstaubtem Kasten hervorgekramte Reminiszenz. — wir wären nicht sonderlich daran interessiert. Hier ist mehr. Im historisehen Geschehen und in dessen künstlerischer Gestaltung durch den Autor liegt Gegcnwartsbezichung. Z’wi ist tot, aber das Volk, das von ihm erlöst werden wollte, lebt, ist zerstreut und leidet heute wie vor 300 Jahren. War Z’wi ein Hochstapler, nur mit dem Ziel, sich selbst in Szene zu setzen, seinem Geltungstrieb zu frönen? War er ein Revolutionär, der eigenmächtig den Versuch unternahm, die Volksmasse zum Ausbruch zu bewegen, da kein anderer kam, um ihre Leiden — die seine eigenen waren — zu beenden? War er ein krankhaft Besessener, dessen Geist, ruhemd in einem von Fasten und Kasteiungen geschwächten Körper, von Visionen heimgesucht wurde? Vermutlich ein Zusammenwirken all dieser Momente, und des Autors deutliehe Absicht ist, nicht den Stab über diesen Renegaten zu brechen, dein es in beispielloser Weise gelang, jüdische Menschenmassen aus allen Ecken der Welt in Bewegung zu bringen. In einem Prolog und vier Akten wird dieses — wahrhaft dramatische — Material behandelt. Regie führt, nach längerer Pause, Moshe H a I c v y. Ungeachtet einiger Einwände, die hier geltend gemacht werden sollen, bleibt als Ganzes ein starker Eindruck haften. Es gelingen Bilder voller Farbe und Atmosphäre, wesentlich unterstützt durch die — bis aut den letzten Akt — sehr gelungenen Dekorationen von Nachum Gutmann. So der Prolog, der freilich starke Erinncrungen an den Beginn des ״Dybuk“ weckt, der Dialog des ersten Aktes zwischen Sfiabbatai und seinem Sekretär Prinio, die Hochzeit in der Synagoge von Kairo und der sieh daran anschließende Tanz (zu Rosovskys Musik von Gertrud Kraus wirkungsvoll einstudiert). Bezüglich der Darstellungs-Regie konzentrierte Halevy sich offenbar in stärkstem Maße auf die Hauptfigur, während an den Nebenspielem noch viel Kleinarbeit zu leisten gewesen wäre. Die Leistung von Chechovai jedoch als Z’wi ist schlechthin vollendet. Vor allem ist der Wille zu differenzierter Sprachgliederung spürbar — und es ist ein schönes Hebräisch, das es hier zu interpretieren gilt. Darüber hinaus bleibt er der Gestaltung der Problematik und Gegensätzlichkeit, die die Figur in sich birgt, nichts schuldig. In kleineren Rollen sind vor allem die Damen Schl ons ki (Sarah) und Deganit sowie Chalfi als Abraham Rubio zu nennen. Der Primo von Gabai hat Format, aber die Regie veräußerlicht ihn allzu sehr. Er ist der eigentliche Kopf, der Intellekt der Shabbatianischen Bewegung, im Hintergrund bleibend, doch treibender Motor. Hier ist er um viele Nuancen zu gepflegt, zu eitel, zu ungeistig, zu sehr ehrgeiziger Mäzen und zu wenig fanatischer Ebener an der Idee, auf deren Realisierung es ihm ankommt. Dem Prophet Nathan (F o g e 1 s o n) fehlt der Abstand zum ״Volk“, aus dem er kommt, und demgegenüber er Autoritat und Einfluß geltend zu machen hat. B a r a b a n als Jachini liefert eine mittelmäßige Charge mit schon allzu oft angewandten Mitteln. Sehr schlecht kommen die drei Gegenspieler des Propheten weg. Offenbar will Halevy sie mit Absicht unbedeutend, ja lächerlich und geistig unzulänglich, bar jeder Würde und Größe erscheinen lassen. Damit jedoch nimmt er sich wesentliche Wirkungen, die aus diesem Wechselspiel Z’wi kontra Rabbi Sasson (Zerubabel), kontra Nehemia Cohen (Zilberg), kontra den Beherrscher der Türkei und Palästinas sich hätten ergeben müssen. Insbesondere diese letzte Gegenüberstellung ist mißglückt und schwächt den Schluß, statt ihn zu steigern. Er erlaubt dem Cchauspieler M a r g a 1 i t h, — der sich erst kürzlich als ״Schwejk“ hervorragend bewährte — als Sultan in die Manieren des Achashverosch aus dem gleichfalls von Halevy einstudierten Purimspiel zu verfallen. Was uns dort recht war, ist hier mehr als billig. Er macht aus dem in seinem Land berühmten und von seiner Gemeinde als Delegierten entsandten Nechemia einen armseligen abgerissenen Schnorrer, eine Karikatur; aus dem Rabbi Sasson, der den Bann gegen ihn ausspricht, einen kleinen, unbedeutenden, hilflosen Schwätzer. Das alles wäre nicht nötig gewesen und bleibt unverständlich, wenn an anderer Stelle geschmackvollste und sicherste Führung spürbar wird. Jedoch alles in allem: hier wurde ernste Arbeit am ernsten Werk geleistet. Und das ist es, was das Theater verlangt. Manfred Geis Szenenbild aus dem 2. Akt Fata: Dt. E״ut Jerusalem, die Stadt der Gegensätze Acht Fotos, aufgenommen Im Zentrum der Neustadt Jerusalem, Im Umkreis von etwa zehn Gehminuten, illustrieren die fast unvorstellbaren Gegensätze im Lebensstil dieser Stadt, rot«», u. 1. Bn-Gmi«! Ein Hotel Ein anderes!)"׳« '« *4' ן. . Ein Bankunternehmen Ein festes Kaffeehaus Zwei Verkehrsinslitule: Eselverleih und Autobus 4/ ■ Die Eltern in den Arbeitersiedlungen Aus Tel-Awiw wird uns geschrieben: Der ״Dawpr“ bringt einen Aufsatz zum Problem der Eltern in den Arbeitersiedlungen, das sehr brennend ist, da der Zuzug von Eitern einen immer größeren Umfang arinimmt. Eltern kamen in die Kwuzoth, in die Einzelsiedlungen der Arbeiter und auch in die städtischen Arbeitersiedlungen. Es haben sich große Schwierigkeiten ergeben, aber es muß sicher möglich sein, eine befriedigende Lösung zu finden. Um sie zu suchen, soll ein Kongreß der Beteiligten einberufen werden. Ein vorbereitendes Rundschreiben fand ein lebhaftes Echo. Freilich wurden auch Bedenken laut, daß eine Sonderorganisation der Eltern nur Uneinigkeit stiften könne. Aber man kann, im Gegenteil, von solcher Organisation viel für die Ucberbrückung von Gegensätzen erwarten, denn sic wird erst die Möglichkeit zu systematischer Aufklärungsarbeit unter den Eltern schaffen. Diese aber ist sehr nötig. Die Eitern sind jetzt geehrte und vielfach auch verwöhnte Dauergäste. Dieses G a s t s e i n aber ist gerade der Grund der Schwierigkeiten. Ihre Rechte und Pflichten sind nicht geklärt. Sie müßten von Ausschüssen der Kwuzoth zusammen mit den Vertretern der Eltern festgelegt werden. Gleichzeitig aber müßte man von den Eltern eine aktivere Teilnahme im Betriebe verlangen. Es gibt unter den Eltern solche, die arbeiten, und solche, die nicht arbeiten. In vielen Fällen wenden sich die Kinder gegen eine Beschäftigung ihrer Eltern aus Furcht, daß diese nicht arbeiten können oder wollen. In Wirklichkeit aber müßte der Arzt feststellen, ob und wieweit die einzelnen Eltern arbeitsfähig sind. Im Prinzip müssen die Eltern an der Arbeit beteiligt sein. In wirtschaftlichen Angelegenheiten müßten die Eltern Stimmrecht bekommen, zum mindesten soweit es ihre eigene Arbeit angeht. Ihre kulturellen und Seine Konkurrenz An der nächsten Ecke der wandernde Konkurrent |%fl mm l. Schafe in der Autostraße.־ ein tägliches Bild religiösen Angelegenheiten können sie selbst verwalten, so* weit sie darin sieh von der herrschenden Richtung unterscheiden. Aber auch hier soll eine Verbindung sein. Religiöse Mitglieder der Siedlung könnten mit innen Zusammenarbeiten, Eltern, die der Richtung der Siedlung zuncigen, könnten sich ihr in der kulturellen Arbeit anschließen. Gerade in den großen Wirtschaften könnten die Eltern sehr nützlich sein, besonders bei der Aufbewahrung und Pflege der Vorräte una Materialien. Zu dieser Arbeit sind die Eltern psychologisch besonders geeignet. Viele Dinge, unter denen die Eltern heute leiden, sind verhältnismäßig leicht zu beseifigen. Man muß sich nur klarmachen, daß viele Eltern die Thorarolle weit schmerzlicher vermissen als die Kinder das Theater. Bialik-Loge, Tel-Awiw. Uns wird geschrieben: Im Februar wurde in Tel-Awiw von der Großloge für Palästina U. Ü. B. B. eine neue Loge gegründet unter dem Namen Bia lik-Loge. Diese Loge ist vornehmlich aus Brüdern zusammengesetzt, welche aus Deutschland .stammen. Zahlreiche Anmeldungen aus einheimischen Kreisen lassen jedoch erwarten, daß diese Loge in absehbarer Zeit der Zusammenschluß von Brüdern aus allen Ländern der üa|pth werden wird. Anläßlich der Levante-Messe veranstaltet die Bialik-Loge eine Fcstloge aut dein Gelände der Ausstellung, und zwar im Kongreßpavillon, dem 1. Pavillon rechts vom Haupteingang. Die Veranstaltung findet am 17. Mai, j Uhr abends, statt. Brüdern, welche sich als solche ausweisen und als Neucinwanderer oder Touristen ins Land kommen, stehen zur Beratung zur Verfügung: Mentor Expr. Leopold Landau, Rvd. Rothschild 35, Tel. 1754; Vizepräsident Expr. Dr. Rud. Leszynsky, Allenbystr. 112, Tel. 1955; Prot. Sekr. Expr. Dr. med. Herrn. Stahl, Idelsohnstr. 30, Tel. 88. (Schluß des Palästina-Teils) I p I t t! 1 I f \! I i ( f 1 ן i 1 f I י I I I I ' i 1 ff 1■ .1 I i ß

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