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Jüdische Rundschau · 1936-05-08 · Heft 37 (8.5.1936) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 37 (8.5.1936)
Date
1936-05-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seife 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 37, 8. V. 1936 Makkabi - Hazair-Seminar Wir erhalten folgenden Bericht; Ankunft ״Station Fangschlcuse!“ Wir müssen hinaus. Wir selten uns um und bemerken auch vor anderen Wagen des Zuges dasselbe Bild. Es sind also noch andere uns bisher unbekannte Chawerim, die das gleiche Ziel haben wie wir, mitgefahren. Man schaut sich ein bißchen fremd an, gibt sich die Hand, nennt seinen Namen, irgendwie hat man schon voneinander gehört und als alle im Omnibus verstaut sind, ist jedes Gefühl des Fremdseins vorüber. Diese ersten Minuten der Fühlungnahme erwecken Hoffnungen für das weitere freundschaftliche Zusammensein auf dein Lager. Erfiffnung Im Aufenthaltsraum in Winkel versammeln sich die Chawerim und Chaweroth des Jüdischen Pfadfinderbundes M a k kabi Hazair, die hier aus allen Teilen Deutschlands zusammengekommen sind, um in U/a Wochen gemeinsamer Arbeit sich neue Kenntnisse zu erarbeiten. Das Bundeslied ״Ssu zionah“ ist verklungen. Hardi Swarsensky leitet im Namen der Bundesleitung das Seminar ein mit einem Referat ״Zur Situation der Bewegung des Makkabi Hazair“. Fr zeigt den gegenwärtigen Stand in der Entwicklung des Bundes in Deutschland, berichtet, dal! der Makkabi Hazair mit seinen über 5300 Chawerim und Chaweroth, die in mehr als HX) Orten arbeiten, der größte zionistische Jugendbund in Deutschland ist. Er erwähnt die eigenen AusbildungssFitten, die eigenen Mittleren-Hachscharah-Zentren und spricht über die starke Beteiligung des Bundes an der Jugend- Aiijah. Dieses Seminar ist deshalb veranstaltet worden, um es den jüngeren Menschen, die früher als sonst zur Führungsarbeit kommen, zu ermöglichen, den Aufgaben, die der Bund in immer stärkerem Maße stellt, gerecht zu werden. Die Chawerim und Chaweroth, die am Seminar teilnehmen, übertragen dann Hardi Swarsensky, der noch am selben Abend nach Erez Israel abreist, den besonderen Auftrag, den Chalu/im und Chaluzoth des Makkabi Hazair in Erez Israel, die mit dem Aufbau der ersten Kwuzah des Bundes, der Kwuzah Maajan bei Rcchowoth, bcsch iftigt sine!, sowie den Jugenii-Alijah-Oruppen des Bandes in Degania A und B, (iiriegar, Oewa, Kwuzath Schiller und Kirjath Anawim die herzlichsten Grüße zu übermitteln. Feldarbeit Von den Seminarteilnehmern wird geistige u n d körperliehe Arbeit verlangt. Gut Winkel ist selb-.! nn Zentrum. I he Atmosphäre für die Arbeit Lt also vorhanden. Für alle ist jedoch diese Beschäftigung auf dem Felde nicht so selbstverständlich. Manche kommen von schwerer Hachscharah und suchen neben dem Lernen hier etwas Entspanmtng. Andere, die noch nie etwas von Landarbeit gesehen haben, sehen dieselben Schwierigkeiten, die jeder Neuankömmling auf Hachscharah zuerst vor sich sieht. Die •Stirnmung der gemeinschaftlichen Tat, die überall herrscht, überträgt sich auch hier auf alle. Als cs am ersten Arbeite* morgen regnet, tragt die Guteverwaltung doch vorsichtshalber noch einmal, ob wir auch arbeiten wollen. Ein einstimmiges ״Ja“ ist die Antwort. In Arbeitszeug antreten, Einteilung in Kolonnen, Abmarsch zur Arbeit. Eine Gruppe muß zum Planieren eines Geländes Sand schaufeln, eine zweite hebt eine Grube aus, eine dritte muß ein Feld von Quecken befreien. Auch diese Arbeit in der freien Natur ist vielen Chawerim mehr als nur Beschäftigung. Die Referate An alle Lagerteiinehmer werden fn diesen 11 Tagen äußerste Anforderungen gestellt, um in so kurzer Zeit eine solche Menge von neuem Wissen aufzunehmen und zu ver* arbeiten. Und dennoch sind alle bis zum Schluß mit Aufmerksamkeit und Anteilnahme bereit, jedem Referenten nt folgen und sich an jeder Unterhaltung zu beteiligen. Die meisten Referenten geben ihre Ausführungen in Form einer Arbeitsgemeinschaft, an der sich alle beteiligen können.!Man darf sagen, daß die Unterhaltungen ein äußerst gutes Niveau zeigen, und daß alle Referenten überrascht sind, mit welchem Interesse sie sich beteiligen. Fs würde zu weit führen, liier eine Darstellung der einzelnen Referate zu geben, so daß wir uns darauf beschränken müssen, die Milwirkenden zu erwähnen. Ueber die ״Volkwerdung Israels״ sprach Dr. Martha W e r 111 e i m e r, Berlin, vom Inhaltlichen her gesehen. Rabhiner Dr. Lothar Rothschild, Saarbrücken, behandelte das gleiche Thema geschichtlich-historisch. Derselbe Redner leitete eine Arbeitsgemeinschaft über ״Religiöse Fragen der chaliui.schen Bewegung“. Torry Fotr d e r, Breslau, referierte über die ״Entstehung des althcbraischen Schrifttums“ und über ״Kabbala und Chassidismus“. Dr. K a I e k o, Berlin, sprach über die ״I l.1־'kala-l poche״, Pinchas Kantorowicz, Essen, zur ״Betrachtungsweise jüdischer Geschichte“, (ieorg Gut 11 mann, Düsseldorf, hielt drei Arbeitsgemeinschäften über ״Palästina-Wirtschaft“ und ein Referat über ״Methodik der Stoffdarsfcllung“. Dr. Edgar Rosen, Berlin, sprach über das Thema ״Der Vordere Orient", Dr. Paul Eppstein, Berlin, ״Zu einer Soziologie der Juden“. Heinz G oc h s 11 ei 111 e r, Altkarbe, hielt eine Arbeitsgemeinschaft über ״Natiunalökouomisches ABC“. An Hand von Schallplatten referierte Dr. Hans Nathan, Berlin, über ״Das orientalische Lied“. ״Ueber sportliche Erziehung“ sprachen Dr. Kurt Lewin, Berlin, und Dr. Klaus D r e y e r, Herrlingen, während zur ״Berufserziehung“ Diplom-Landwirt Friedrich Perl stein, Halbe, und Martin Gerson, der Leiter des Gutes Winkel, referierten. Dr. Leo G o I d h a b c r, Danzig, sprach zum Schluß des Lagers über die Haltung des Zofeh, des jüdischen Pfadfinders und den Sinn seiner Arbeit hier und in Erez Israel. Freitag-Abend ״Freizeit ab 5 Uhr.“ Alle gehen in die Waschräume. In jeder Ecke stehen junge Leute, die sich zu Ehren des Tages eifrig rasieren, ln den Schlafräumcn werden die für diesen Abend gehüteten weißen Hemden hervorgeholt, Schuhe geputzt, gebürstet, kurz — alles ist in Bewegung, um auch die äußerlichen Vorbereitungen zu treffen. In der Küche hantiert der Küchendienst, Demüht, den Tisch durch besonders gutes Essen auszuzeichnen. Ein Chawer holt Brötchen, Kerzen und Wein für den Kiddusch und die Rracha — Bänke werden umgestellt, um Raum für den Gottesdienst zu gewinnen. Einer nach dem anderen kommt, man sammelt sich, dann stehen alle in sauberer Kluft im großen Raum. Man unterhält sich leise, ohne etwas Besonderes zu tun, und doch gipfeln die Schabbat-Vorbereitungen in diesen letzten Minuten der geineinsamen Erwartung. Dann werden die Kerzen angezündet... Entspannung Mancherlei Abwechslung gibt’s. Viele Stunden froher Ent- Spannung und lustigen Musizierens, Stunden einsamer Gespräche und Spaziergänge, Vorführungen des neuesten Palästina-Films durch Nachum G i d a 1, Gutsbesichtigung, Fußhallspiele gegen die Chawerim von Gut Winkel. Aber immer wieder finden sich in der freien Zeit die Kreise zum Horra- Tanz zusammen. Den ganzen Nachmittag sitzt man im großen Kreis, hört und lernt. Neue Gedanken tauchen auf, Meinung gegen Meimmg, Konzentration ist nötig. Das lange Sitzen’ schmerzt, der Ofen strömt tropische Hitze aus, gelbes Lampenlicht blendet. Nun Schluß. Man erhebt sich langsam, dehnt die steifen Glieder, plötzlich tönt ein Wort: ״Horra“. Köpfe wenden sich, alles bewegt sich, strömt auf den Vorplatz. Es dunkelt schon. Erste Töne klingen auf, leise und unbestimmt. Die Melodie wird lauter. Der Rhythmus ergreift alle, reißt mit. Die Füße stampfen im Takt den Boden. Man muß mit; man sieht den Kreis, die alle verbindende Kette. SchluBappell ״Antreten zum Schlußappell.“ Zum letztenmal formiert sich die Linie. Einige Chaweritn sprechen Worte des Abschieds. Man sieht, allen wird die Trennung schwer. Eins aber ist klar: Der Erfolg dieses Lagers ist nicht nur darin zu sehen, daß den Führern und Führerinnen viele wertvolle Anregungen für die Arbeit der nächsten Zeit gegeben wurden, sondern die Haltung der Menschen und der Geist, der hier herrschte, zeigte, daß die Arbeit des Bundes gerade in letzter Zeit alle ein großes Stück weitergebracht hat. Ff. W. Fm Alter von 62 Jahren verstarb in Warschau Rabbi Jakob S c h a p i r o, der Leiter der berühmten Jeschiwa von Woloszyn. Pttla fiina inii Berlin »ER. 3IWI8H AOENCV FOR PAlS&TINft Berlin W 15, Meinekestraße 10. Telefon: Sammel-Nummer J 1 (Bismarck) 9031. Bekanntmachung Im Einvernehmen der Jewish Agency for Palestine und der Direktionen der Schiffahrtsgesellschaften wird die jüdisehe Einwanderung, insoweit sie sich der von der Jewish Agency getroffenen Anstalten bedienen will, bis auf weiteres ausschließlich über Haifa geleitet. Die Palästinafahrer müssen sich also darauf einstellen, daß sie nicht in Jaffa, sondem lediglich in Haifa zu« Landung gelangen. Makkabi - Bezirkstagungen Die Serie der Bezirksfagungen des Makkabi fand ihre Fortsetzung mit der Tagung des Nordwestdeutsehen Bezirkes in Hannover. Eine vom Bar Kocliba Hannover veranstaltete Feierstunde stand am Beginn der Tagung und wurde durch den feierlichen Rahmen und die den Ernst der Stunde in sich tragende Ansprache von R.-A, Dr. R a b a u (Berlin) zur Manifestation des Aufbauwillens einer jüdischen Jugend. Die Tagung selbst, die von neun Vereinen mit 28 Vertretern beschickt war, trug von Anfang an den Charakter einer ernsthaften Arbeitstagung. Siddy Gold- Schmidt (Berlin) zeichnete die grundsätzlichen Züge der sportlichen und geistigen Erziehungsarbeit, Die Aus- Sprache unterteilte sich in die Debatte der grundsätzlichen und der für den Bezirk speziellen Fragen. Aus dem Referat und dem zweiten Teil der Diskussion resultierte der Ent- Schluß, in stärkstem Maße das Schwergewicht der Arbeit auf die Eigenarbeit der Vereine zu legen und mit sofortiger Wirkung in Anlehnung an die anderen Bezirke des Deutschen Makkabikreises einen Rundspielbetricb und gesteigerten Sportverkehr in allen Sportarten der Makkabivcreinc des Nordwestdeutschen Bezirkes einzurichten. * Der Schlesische Bezirk hatte seine Bezirkstagung in Breslau in den Rahmen eines Vorturnerkurses gestellt, der von Dr. Hans Kuhn und Siegbert Riescnfdd unter Mitarbeit vieler schlesischer Sportler und Sportärzte geleitet wurde. Die Bezirkstagung selbst führte, nach grundsätzliehen Referaten von Torry Foerder und Dr. Kurt Le wir, zur Klärung vieler schwebenden Fragen und zur Festlegung eines Arbeitsprogramms in sportlicher und kultureller Hinsicht für die nächste Zeit. Der Vorsitzende des Bezirks, Siegbert R i e s e n f e I d, wurde einstimmig wiedergewählt, die Sportarbeit wurde dem Bezirkssportwart Nelken übertragen, die Tarbutharbeit Torry Foerder und Horst Brumlik. Die Tagung schloß mit einer Kundgebung, auf der Dr. Kurt Lew in über den Gedanken des Makkabi und die palästinensische Gegenwart und Dr. Hans Kuhn über Turnen und Sport als physiologische Voraussetzung für Hachscharah und Handwerk sprachen. * Im überfüllten großen Saale des Gemeindehauses veranstaltcte die Hakoah Köln innerhalb des Monats der Zionistischen Organisation eine öffentliche Kundgebung. Julius G o 1 d b e r g, Köln, leitete die Feier mit einem Flavierkonzert ein und schuf damit die feierliche Stimmung für die Ansprache, die Dr.־ Kramer, Köln, vor den 350 aufmarschierten Aktiven der Hakoah hielt. Von Fahnenträgern der Hakoah umgeben sprach dann Dr. Fricdenthal. Er zeichnete den Zuhörern die -10jährige Makkabigeschichte, die Entwicklung des Makkabi in vier Epochen, die diese Bewegung von einer national-jüdischen Turnorganisation zum zionistischen Makkabi-Wcltvcrband geführt hat, eine Bewegung, die im Ktar Hamakkabi die sichtbaren Ansätze der Verwirklichung ihrer Ideen gefunden hat. Soeben c*4du&%: Bo jüdisches Jugendbuch lür Haus und Schule Das sdiSne Geschenk zu ל״ג בעומר und שבועות <Bd-2/3 der Jugendbfitherel d. KKL> A«8 den lch*!t: Preis 90 Rpf. Geschichten von Rabbi Akiba und Bar Kochba — Kreuzzüge —־ Lag B'omer: in Meron, Jerusalem, in der Golah — Fest der Erstlinge im alten!Israel — Gedichte und Lieder mit Noten.!Das Fest in der Golah und im Neuen Erez Jisrael — Das Gärtchen auf dem Dache — und viele ander« Geschichten und Darstellungen. Bestellen Sie bitte sofort bei Ihrem Buchhändler oder direkt beim Hechaluz •Vertag, Berlin W 15, Meinekestraße 10 ״ KEREN KAJEMETH LEJISRAEL mußten und drückten sie mit einem Stock und einem holzernen Hammer fest zusammen, bis sie so hart wie Stein wurden. Und wenn alle Löcher gut gefüllt und verstopft waren, machten sie an dem Lude jeder Zündschnur, die aus ihrem Loch herau.sra״tc, einen langen F.inschnitt, schütteten etwas Schießpulver darauf, zündeten sie durch eine leichte Berührung mit einer glimmenden Zigarette an, und flohen dann, jeder noch ei nur anderen Seite. Mit ihren Händen bildeten sie dabei einen Schalltrichter, und durch diesen riefen sie mit lauter Stimme: ״Sprengung, Bn rudl Ba—rud!“ Sie taten das nicht, um zu warnen, denn in den Abendstunden gab es keine lebende Seele in der Nähe des Steinbruchs, sondern um der Zeremonie Genüge zu tun, denn ein Sprengschuß im Steinbruch, dem kein Barud-Ruf vorausging, wäre ihnen ganz unmöglich erschienen. Ihr Rufen breitete sich in der stillen Leere immer weiter aus und erzeugte vielfachen Widerhall und (;egenhall, als wäre die Leere ein stilles Meer, in das ein Stein geworfen wurde. Und während noch die Barud-Rufe auistiegen und ihre Wellen in der Luft schlugen, hörte man schon den donnernden Hall des Sprengens, der den schlafenden Karmel erschüttert« und das ganze Tal erbeben ließ. Die Töne widerhallten einer nach dem anderen mit starkem Dröhnen wie Kanonendonner, und eine schwarze Wolke von Staub und Rauch und sausenden Felsbrocken stieg auf und verbreitete sich in die abendliche Weite. Der Karmel schien sich in einen feuerspeienden Berg verwandelt zu haben. Mischka und Sand lagen zwischen den Johannisbrotsträuchern, lauschten dem Schall der Explosionen und zählten für »ich die Schüsse ״Eins, zwei... fünf... zolin ...“ Zuweilen kamen sie bis zwanzig. Sie wußten, wieviel Schüsse man hören müsse, denn sie hatten di« l.öcher gezahlt, bevor sie sie füllten und die Zählung wiederholt, ehe sie die Zündschnüre anzündeten. Mit großer Vorsicht verrichteten Mischka und Saad ihr Werk. ״Heute haben wir zwölf Schüsse. Du übernimmst diese fünf und den Felsen dort oben, und ich den Rest." Nur nach einer solchen klaren Verabredung gingen sie daran, die Zündschnüre anzustecken. Vorsichtig und beherrscht taten Mischka und Saad ihre Arbeit. Deshalb kam hei ihnen nie ein Unglücksfall vor, und ea widerfuhr ihnen auch nie ©in Wunder, wie sie in anderen Lagern beim Anzünden zu geschehen pflegten, daß, zum Beispiel, der erste Schuß schon losging, bevor man fortlaufen und Deckung suchen konnte und daß doch keiner getötet wurde..., oder daß der letzte Schuß erst nach der Rückkehr der Sprcngkolonne in den Steinbruch losging, weil das Loch zu tief gewesen war, und die Arbeiter mit leichten Wunden davon kamen... Solche Wunder widerfuhren Mischka und Saad niemals. Sie arbeiteten vorsichtig und wohlbedacht, ohne Eile und ohne Aufregung. Einmal, am Tage, als das ״Fest der Arbeit“ gefeiert wurde, und alle Arbeit ruhte, standen Mischka und Saad früh am Morgen auf und gingen behutsam — damit niemand es merke — zum Stcinkruch, um di« Löcher, die am Vortage in den Felsen gebohrt worden waren, zu füllen und sie um die Mittagszeit explodieren zu lassen, wenn die Arbeiter sich im Tal versammelten, um das Fest durch Ansprachen und Vorführungen zu feiern. Ihre Absicht war, die Feier unter dem Getöse einer gewaltigen Sprengung im Steinbruch zu eröffnen. Der Gedanke stammte von Mischka. Nachdem man in der Versammlung beschlossen hatte, den 'Lag in diesem Jahre festlich zu begehen, war Mischka aufgestanden, hatte heimlich alle Steinhauer in seinem Zelte versammelt und ihnen den Vorschlag gemacht: ״Es werden viele Gäste aus der Stadt kommen, nun, wir werden ihnen zeigen, was ein Steinbruch ist! Aber seht euch vor, kein Wort darüber im Lager! Ihr versteht?“ Der Gedanke wurde von allen gutgeheißen, und am Vorabend des Festtages arbeiteten alle sehr angespannt, auch in der Mittagspause und selbst noch nach Sonnenuntergang und bohrten mehr als dreißig Löcher in zwei breiten Felsschichten, und am nächsten Tage in der Frühe, als die meisten noch schliefen, gingen Mischka und Saad mit zwei Blechen voll Dynamit und Schießpulver, tan die Sprengungen vorzunehmen. Sie füllten die Föoher mit Sprengmaterial, verstopften sie gut mit Staub, trafen alle Vorbereitungen und setzten dann zusammen ihr Vorgehen beim Anzünden fest. Mischka würde alle Zündschnüre in der oberen Felsschicht anzünden und sich rechts in Sicherheit bringen, und Saad die untere Felsschicht übernehmen und nach links davonlaufen. Als alle* vorbereitet und geordnet war, setzten sie sich auf einen Fclsstumni, um auf das ferne Lager zu blicken nnd festzustdlcn, ob das Signal auf dem Dache des Krankenhauscs schon zu sehen sei. Sie hatten ausgemacht, daß vor Beginn der Feier ein Steinhauer auf das Dach des Krankenhauses klettern und dort ein weißes Tuch schwenken, würde zum Zeichen für sie, daß es Zeit sei anzuzünden. Fine lang« Stunde warteten sie so auf das Zeichen. Die Feier begann nicht pünktlich, denn der Redner aus der Stadt kam zu spät. Sie zündeten sich Zigaretten an, und Saad dachte, es sei jetzt die rechte Zeit, etwas über dieses Fest in Er■ lahrurig zu bringen, das ihn eine sehr merkwürdige Ei«.• richtung zu sein dünkte. ״He, Mussa!“ — er nannte den Freund stets in der arabi• sehen Form seines hebräischen Namens Mosche — ״Bei Gott, ich verstehe nicht, was das für ein Fest ist! Es hat doch nichts mit der Religion zu tun. Es ist nicht jüdisch und nicht mohammedanisch und nicht christlich. Sag mir doch, bei deinem Leben, was ist das für ein Fest?“ ״Das ,Fest der Arbeit‘ ist eben das Fest für die Arbei• ter“, wollte ihn Mischka kurz ahfertigen. Aber Saad be• gnügte sich nicht mit dieser beleidigenden Antwort. ״Das weiß ich selbst. Hältst du mich für einen Esel? Aber warum feiert man es gerade heute? Ist heute ein Prophet gestorben?“ ״Du bist dumm wie ein Kurde, Saad! Du weißt doch', daß dies kein Fest zu Ehren eines Propheten ist und daß es überhaupt mit Religion nichts zu tun hat.“ ״Aber was für ein Fest ist es denn?“ ״Es ist das Fest der Arbeiter. Alle Arbeiter im Lande feiern an diesem Tage. Geh nach Haifa und du wirst dort alle Läden offen finden. Es ist eben nur ein Fest ffta* uns Arbeiter.“ ״Warum nur für Arbeiter?“ ״Weil es das Fest der Arbeit ist, verstehst du?“ Saad verstand nicht. Er wollte weitere Erklärungen verlangen. Dieses seltsame Fest interessierte ihn. Er möchte es gut verstehen. Aber in diesem Augenblicke sahen sie die weiße Fahne auf dem Dache des Krankenhauses wehen wie einen weißen Adler, der über seinen Jungen schwebt Mischka sprang sofort von seinem Platz auf. ״Genug davon! Wir müssen uns beeilen, Saad, sonst hört man die Schüsse noch mitten in der Festrede. Los, eins, zwei, drei, Saad!“ (Schluß folgt)

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