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Jüdische Rundschau · 1936-05-08 · Heft 37 (8.5.1936) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 37 (8.5.1936)
Date
1936-05-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 37, 8. V. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 Mendele als Volkserzieher Polnische Reisebriefe VI. (Vgl. ״Jüd. Rundschau“ Nr. 26, 29, 30/31, 33, 34) Seitdem die jüdischen Massen nicht mehr in der Religion und dem Studium religiöser Schriften ihr völliges kulturelles Genügen finden, seitdem die Verweltlichung ihres Lebens so weit fortgeschritten ist, wachsen auch die weltlich-kulturellen Bedürfnisse. Der Kulturhunger ist sehr groß, aber die Armut und die bedrängten Verhältnisse verhindern einen wirklichen kulturellen Aufbau. Die jiddischen Theater bieten meist nur flachen Unterhaituiigsstoff. Nur das (kürzlich schon erwähnte) Theaterstudio von Dr. Weichert sucht in neue Regionen vorzustoßen und verfügt über ausgezeichnete Schau- Spieler. Eine gewaltige Rolle spielen die jiddischen Klassiker. Wir finden hier noch Nachklänge zum Mcndeic-Jahr und bekommen einen Begriff davon, was dieser Dichter für die jüdischen Volksmassen bedeutet. Die Mendele-Ausstellung in einem Hinterhaus in der Leszno-Straße trägt zwar auch alle Kennzeichen äußerer Armut, aber wieviel innerer Reichtum enthüllt sich hier! Es sind im wesentlichen Arbeiten von Schülern der jiddischen Schulen zu sehen, und ein kleiner Junge von vielleicht 10 oder 12 Jahren gibt die Erklärungen. Man merkt, wie sattelfest er in seinem Mendele ist, etwa so wie seine Altersgenossen in früheren Generationen (oder auch jetzt noch, einige Straßen weiter) im Talmud waren. Und wie sich hier die ganze Volkskultur konzentriert. Die Kinder malen oder modellieren Typen aus Mendeles Werken, zu jedem weiß der Kleine ein Scherzwort zu sagen oder einen Hinweis aufs wirkliche Leben. Dichtung und Leben ist eins. Die Kinder modellieren z. B. Häuser zu Mendeles Biographie oder zu seinen Werken, die Stuben sind sorgfältig ausgearbeitet, die typische Einrichtung eines Judenhauses des kleinen Städtchens, Geräte, Mesusoth, ״milchige“ und ״fleischige“ Bänke zum Wegstellen von Geschirr, zwei Juden sitzen und spielen Schach und das Kalb schaut durchs Fenster zu, und überall natürlich tritt Mendele selbst auf. Szenen wie aut Bildern Chagalls oder Rybaks, Die Figuren sind sehr geschickt gemacht, die Kinder sind erfinderisch und mit Begeisterung dabei; und man vergesse nie: Kinder der ärmsten Schichten, die kaum zu essen haben und leicht verkommen könnten. Interessant sind auch verschiedene Mendele-Spiele; z. B. Karten mit Zitaten, die an der richtigen Stelle anzusetzen sind, oder Bilder, in denen der Schüler entsprechende Mendele-Szenen erkennen muß usw. Ein Abiturient einer jiddischen Volksschule malt ein Bild: Die Träume Benjamins III. Die Beschriftung ist auch charakteristisch: ביניאמינס כאלוימעס , die hebräischen Wörter werden also auf jiddisch transkribiert, wie in Sowjetrußland, es kommen da oft recht sonderbare Wortbilder zustande. Wir sehen vor uns, wie sich die Kinder das Leben in Glupsk und die ״jüdischen Berufe“ (Luftmenschentum), wie sie sich die immer wiederkehrenden Typen vorstellen, und wie sie diese versinkende W'elt mit Humor und Liebe sehen, wie Mendele selbst, der so der Erzieher einer ganzen Generation noch heute ist. Die Schulen, die hier ausstellen, verkünden als ihre Parole die Dreiheit: ״Muttersprache, Weltlichkeit, Arbeit“. Es ist ein Lebensprogramm, und auch wer glaubt, daß einerseits in der heutigen komplizierten Welt, die den Juden den Lebensraum bestreitet, damit nicht auszukommen ist und andererseits auch eine stärkere Verbundenheit mit dem historischen Judentum nottut, muß das hier Geleistete anerkennen. Mit welchen Schwierigkeiten zu kämpfen ist, davon weiß auch Kurt Katsch zu berichten, der im letzten Winter als Mendele-Rezitator durch alle Teile des Landes zog. Katsch, der noch mit Freude an seine Tätigkeit im Berliner Kulturbund denkt, und dem wir versprachen, durch die ״Jüd. Rundschau“ seine Grüße dem Kulturbund-Publikum zu übermittein (was hiermit geschieht), besuchte kleine und kleinste Städtchen, wo schon die Beschaffung eines Vortragsraumes, zumal im Winter, ein fast unüberwindliches Hindernis scheint. Und welche Unbequemlichkeiten nehmen diese Menschen in Kauf, 11m eine Stunde der geistigen Erhebung zu haben! Die wenigen Groschen Entree sind ein großes Opfer, das aber selbst der Aermste bringt, und Kurt Katsch hat wohl recht, wenn er sagt, kein Schauspieler könne sich ein begeisterteres, interessierteres Publikum denken. Diese Atmosphäre intensiven Interesses ist es, die die jüdischen Künstler dazu bringt, trotz schwerer materieller Bedingungen hier auszuharren. Ein Versuch wird jetzt mit einem jiddischen Film ״Al Cheth“ gemacht, in welchem Katsch eine der Hauptrollen spielt; die Bilder stammen von dem auch in Deutschland bekannten Jankel Adler (früher Düsseldorf). Man setzt große Hoffnungen auf diesen Film, der künstlerisch gute Seiten zu haben scheint, wenn auch bei so einem für die Massen zurechtgezirnmerten Stoff die Gefahr des Abgleitens zum Kitsch sehr groß ist. Ueberall sind Bemühungen und Schaffensdrang zu spüren; ein Volk in eigenartigen Lebensbedingungen, ausgesetzt dem kulturellen Einfluß der Umgebung, stets hingedrängt zu teilweiser Assimilation, sucht doch seine Eigenart zu bewahren und zu pflegen. Möge auch die schöpferische Entwicklung nicht ausbleiben. Das französische Wahlergebnis K. Paris, im Mai Das Ergebnis der französischen Stichwahlen hat den Eindruck der ersten Ergebnisse bestätigt: die Tendenz der französischen Politik ist durch einen starken Linksruck gekennzeichnet, der vor allen den Sozialisten und Kommunisten zugute gekommen ist. Die Parteien der ״front populaire“, von denen der linke Flügel erheblich auf Kosten der Radikalsozialisten gewonnen hat, nehmen jetzt 56 0/0 statt 49 0/0 der Sitze in der neuen Kammer ein. Wie wir schon in einem früheren Bericht erwähnten, hat die Judenfrage außer in Algerien im Wahlkampf so gut wie keine Rolle gespielt. In wie geringem Maße dieses Problem im Wahlkampf berücksichtigt wurde, zeigen u. a. auch die Vorgänge im 4. Pariser Wahlbezirk, in dem der größte Teil der Pariser jüdischen Bevölkerung lebt. Sowohl die Rechts- Parteien, für die der Vorsitzende der assimilatorischen ״Union des Israelifes Patriotes“, Bloch, kandidierte, wie die Sozialisten hatten dort jüdische Kandidaten aufgestelit, weil sie dadurch die Stimmen der jüdischen Bevölkerung zn gewinnen hofften. Beide Kandidaten wurden aber von einem christlichen Kandidaten der radikalen Linken überflügelt. Wenn, wie bereits gemeldet, zwei der stärksten Persönlichkeiten des Parlamentes, der jüdische Rcchtsabgeordnete Georges Mandel und der Sozialistenführer L£־on Blum bereits Im ersten Wahigang gewählt wurden, so werden eine Anzahl der markantesten jüdischen Politiker der alten Kammer nicht mehr in der neuen Kammer erscheinen. So ist der jüdische Kolonialminister Jacques Stern, ein Deputierter der Mitte, von einem Kandidaten der Volksfront geschlagen worden, ebenso mußte der jüdische Advokat Henri Torr es einem Rechtsabgeordneten weichen. Der jüdische Großindustrielle L. Dreyfus hat hei dieser Kammerwahi nicht mehr kandidiert. Von bekannten jüdischen Abgeordneten, die auch in der neuen Kammer ihre Sitze wieder einnchmen werden, heben wir den Oberbürgermeister von Le Havre, Leon Meyer, sowie einen der jüngsten Abgeordneten der Kammer, Mendes-France, sowie den Abgeordneten Levy-Alphandery hervor. Durch den Linksruck bei der Kammerwahl sind einige bisher weniger bekannte jüdische Politiker ins Parlament gekommen, doch wurde Leonce Bern heim, der als sozialistischer Kandidat in Reims auftrat, von einem Vertreter der Rechten geschlagen. as französische Wahlergebnis, auf dessen Ausgang das jüdische Problem natürlich keinerlei Einfluß gehabt hat, hat vom jüdischen Standpunkt aus insofern Bedeutung, als die Wahlkämpfe gezeigt haben, daß der politische Antisemitismus in Frankreich zur Zeit keinerlei Basis in den breiten Massen des Volkes hat. Alle Kandidaten, die in ihrer Wahl- Propaganda die antisemitische Seite anschlugeti, haben ihre Wahlaussichten dadurch nicht, nur nicht verbessert, soqdern verschlechtert. Das hindert natürlich nicht, daß in den Kreisen des französischen Bürgertums vielfach ein ausgeprägter ge* sellschaftlicher Antisemitismus besteht und daß ein Teil der rechtsradikalen Jugend von antisemitischen Ideen beeinflußt ist. Aber diese Bewegungen sind nicht stark genug, um bereits den Eingang in die politische Sphäre zu finden. In manchen Kreisen der jüdischen Immigration erwartet man von dem Linksruck eine verständnisvollere Behandlung der Frage der Ausländer in Frankreich. Es ist aber keineswegs sicher, ob und in welchem Umfange sich diese Hoffnungen erfüllen werden. Die Verschärfung der Ausländergesetzgebung in Frankreich ist im wesentlichen durch die Wirtschaftskrise hervorgerufen worden und es ist — solange diese Krise anhält — auch den Politikern der Linken schwer möglich,, die ausländischen Handwerker, Arbeiter und Angestellten gegenüber ihren arbeitslosen trauzösischen Fachgenossen zu unterstützen. Immerhin kann man hoffen, daß jetzt die Ressentiments, die bisher vielfach bei der Behandlung der Ausländerfragen in französischen Regierungskreiseti zu spüren waren, zurücktreten werden und daß sich in der französischen Verwaltung eine — zumindest in den Formen der Durchführung — mildere Praxis gegenüber den Ausländern durchsetzen wird. * Paris, 5. Mai. (JTA.) Bei den Kammerwahlen in Frankreich sind insgesamt 13 jüdische Abgeordnete gewählt worden. Die Rechtsstellung der Staatenlosen Brüsseler Konferenz des Instituts de Droit international Das Institut de Droit International, dem hervorragende Völkerrechfsgelehrten angehören, behandelte in seiner Konferenz, die kürzlich in Brüssel abgehalten wurde, die heute überall wichtig gewordene Frage der rechtliehen Behandlung der Staatenlosen und Flüchtling e. Auf Vorschlag des Berichterstatters, des Norwegers Raestad, wurde eine ausführliche Resolution angenommen, die allen in Frage kommenden Instanzen, vor allem den betroffenen Regierungen und dem Völkerbund, wertvolles Material für eine endgültige Regelung dieser Fragen liefert. S t a a t e n los ist danach jede Person, von der kein Staat annimmt, daß sie seine Staatsangehörigkeit besitzt. — Flüchtling ist jede Person, die auf Grund politischer Ereignisse im Gebiet des Staates, dessen Staatsangehörigkeit sie besaß, freiwillig oder unfreiwillig dieses Gebiet verlassen hat oder sich von ihm fern hält, und die keine neue Staatsangehörigkeit erworben hat und nicht den diplomatischen Schutz eines Staates genießt. Die Staatenlosigkeit hört nicht dadurch auf, daß die netreffende Person den diplomatischen Schutz eines Staates genießt oder daß ein oder mehrere Staaten auf dem Verwaltungswege das Reisen aus dem Auslande oder in das Ausland erleichtern, . Die allgemeine Tendenz geht dahin, die Staatenlosen >n1 allgemeinen mit anderen Ausländern, die wohl eine Staats- Angehörigkeit besitzen, gleichzustellen und sogar bezüglich der Staatenlosen die Forderung der Gegenseitigkeit fallen zu lassen, wenn auch diese Voraussetzung bezüglich anderer Ausländer wohl gefördert wird. In einem Punkte werden a׳c Staatenlosen sogar mit Untertanen des Aufenthaltsstaates gleich gestellt, und zwar auf einem Gebiet, das vielfach für Staatenlose von größter Bedeutung ist, nämlich bezüglich der Freiheit der Prozeßführung und des Rechts aut Rechtsbeistand vor allen richterlichen und Verwaltungsinstanzen. Die Staatenlosen müssen nur in dem Staate, in dem sie ihre Rechte geltend machen, ihren Wohnsitz oder wenigstens ihren dauernden Aufenthalt haben. Im Falle nach den Grundsätzen des internationalen Privatrechts das Recht der Staatsangehörigkeit anzuwenden ist, soll bei Staatenlosen das Recht seiner früheren Staatsangerigkeit, eventuell das seines Wohnsitzes oder ständigen Aufenthaltsortes angewendet werden. Der Staat, in dessen Gebiet der Staatenlose seinen Wohnsitz oder seinen ständigen Aufenthalt hat, ist verpflichtet, ihm auf Antrag einen Paß oder eine Identitätskarte auszustellcn, die es ihm ermöglicht, die Grenzen nach beiden Richtungen zu überschreiten. Dieser Staat ist auch berechtigt, den Staatenlosen in seinem Interesse diplomatischen Schutz für alle Vorfälle zu gewähren, die sich nach der Niederlassung in seinem Gebiet ereignet haben. Ein Staat darf einen Staatenlosen, der nicht zugleich Flüchtling ist und Aufenthaltsgenehmigung erhalten hat, nur auswcisen, wenn ein anderer Staat bereit ist, ihn aufzunehrnen. Falls der erstgenannte Staat einen Staatenlosen nicht ausweisen kann, kann er ihm gegenüber diejenigen Sicherheitsmaßnahmen ergreifen, die er nötig erachtet. Jeder Staat muß die Gültigkeit jedes Passes und jeder —MAGISTER KIRSCH- Per gute llkAr Magister-Likörfabrik, München VII HOFFNUNG Rabbi Chaggaj sagte im Namen des Rabbi Jizchak: Allezeit, da Israel in den Hfiusern des Gebefs und der Lehre harrt, 186t der Heilige, gesegnet sei er, seine Sdiediino mit ihnen harren; nach welchem Schriftworte? — ״Ich harre, harre auf IHN / und er neigte sich mir zu..." (Psalm 40,2). Pesikta de R. Kahana 193 b Ueberselzi von A. N. Glaizct Identitätskarte anerkennen, die ein anderer Staat einem Staatenlosen ausgestellt hat. Wenn ein Staat einem seiner Angehörigen die Staatsangehörigkeit entzogen hat, ist er docli verpfliehtet, diese Person auf ihren Wunsch auf seinem Gebiet zuzulassen. Aehnliche Grundsätze sind für die Flüchtlinge aufgestellt worden. Das Institut spricht zum Schlüsse den Wunsch aus, daß jeder Staat nach seinem Können den Fliichtlingen auf seinem Gebiet ein Asyl gewähren soll, und daß alle Staaten einschließlich des von dem Flüchtling verlassenen nach einem gerechten Maßstab zum Unterhalt der bedürftigen Flüchtlinge beitragen sollen. R. L. Sir Isaac Isaacs in London London, 3. Mai. (JTA.) Der australische Staatsmann und erste in Australien geborene G e 11 e r a I g o u v e r - neur des Commonwealth of A u s t r a I i a, Sir Isaac Isaacs, ist in England eingetroffen. Die ״Times“ erörtert in einem Aufsatz die 1.aufbahn dieses australischen Juden und lobt seine hohen F.igensehaften. Zum Schluß des Aufsatzes heißt es, daß Sir Isaac im Alter von 81 Jahren nunmehr nach London gekommen sei, um nach einer Wirksamkeit von 43 Jahren im öffentlichen Lehen seines Heimatlandes dem König seine Aufwartung zu machen. Er wird hier, so schreibt die Zeitung, als der Doyen des australischen öffentlichen Lebens, als der große Anwalt und als ein ausgezeichneter Diener seines Vaterlandes und des Empire willkommen geheißen werden. Jüdische Frontsoldaten im British Empire London, 5. Mai. (JTA.) Die in London und in einer Reihe anderer Städte Englands bestehenden Vereinigungen früherer jüdischer Frontsoldaten haben sich unter dem Namen ״Verband früherer jüdischer Soldaten des British Empire“ zusammengeschlossen und gehen daran, alle früheren jüdischen Soldaten in England, den Dominions, den Kolonien und Mandatsländern im Rahmen des Verbandes zu organisieren. An der Spitze des Verbandes stehen Lord Melchctt, Oberst J. Levey und Oberst Goldrich. Jüdische Sf udetttenf ragen Genf, 5. Mai. (JTA.) Das Komitee der Internat!»• nalen Studentenorganisationen des Völkerb u n d e s hielt in Genf unter dem Vorsitz von Professor M. O. Halecki (Warschau) seine Jahrestagung ab. Der diesem Komitee angehörende Weltverband jüdischer Studenten war durch seinen Vorsitzenden, Rev. Perl zweig (London), und durch P. G. Druiff, den früheren Vorsitzenden des Jüdischen Universitätsverbandes von Großbritannien, vertreten. Im Verlaufe der Tagung gab Rev. Perl zweig eine Erklärung ab, in der er die Aufmerksamkeit des Komitees aut die Angriffe richtete, denen jüdische Studenten, insbesondere in Polen und R u rn ä n i e n, ausgesetzt sind. Er dankte dem Internationalen Studentenhilfswerk iür die von ihm geleistete Hilfsarbeit und teilte mit, daß der Weltverband jüdischer Studenten Verhandlungen führe, um ein Hilfswerk für jüdische Studenten aus Osteuropa zustande zu bringen. Der Vorsitzende des Komitees, Prof. Halecki, versicherte Rev. Perlzweig, daß die polnischen Behörden den Versuch einer besseren Organisation der jüdischen Studenten zum Zwecke wirtschaftlicher Selbsthilfe sicherlich begünstigen werden. Im übrigen regte Rev. Perlzweig an, daß eine der nachsten internationalen Studentenkonferenzen in Jerusalem abgehalfen werden möge. Diese Anregung wurde beifällig aufgenommen. _ Ueberlälle in Polen Warschau, 5 .Mai. (JTA.) In der Stadt Minsk- Mazowiecki in der Nähe von Warsch.au wurde um Mitternacht eine Gruppe Juden, die mit dem Zuge aus Warschau eingetroffen waren, überfallen und mit Eisenstäben und Messern bearbeitet. Drei Juden wurden mit lebensgefährlichen Stichwunden in das Krankenhaus cingeliefcrt. Einer von ihnen, namens Jankel Zilich, wurde nach Warschau überführt, starb aber bald nach einer vorgenommenen Operation. Die Polizei verhaftete 17 Nationaldemokraten, von denen vier bereits der Teilnahme an dem Ucberfall überführt worden sind. In Brody (Ostgalizien) drangen in der Nacht unerkannt geblichene Täter in die Wohnung eines Juden ein, erschossen ihn und verwundeten seine Frau und seinen Sohn schwer. In einer Vorlesung über die Minderheiten in Polen von Prot. Szimanowski an der Krakauer U ni v c r s i t ä t machten nafionaldemokratischc Studenten Lärm. Sie griffen sodann in der medizinischen Fakultät jüdische Hörer an und warfen jüdische Studenten aus den Räumen der juristisehen Fakultät. Der Rektor der Warschauer Technischen Hochschule hat die Einstellung der Vorlesungen angeordnet, weil, wie bereits gemeldet, wiederum Zusammenstöße zwischen nationaldemokratischen und jüdischen Studenten stattgefunden haben. Der Rektor der Hochschule für Politik und Journalismus erließ an die Hörerschaft eine Warnung, daß, falls sich die Zusammenstöße zwischen jüdischen Hörern und nationaldemokratischen Studenten wiederholen sollten, er sich gezwungen sehen werde, die Hochschule zu schließen. Der Prozeß wegen der Vorfälle von Przylyk, der vielfach verschoben worden ist, wird nunmehr voraussichtlich am 2. Juni vor dem Kreisgericht in Radom beginnen. Den Vorsitz in der Verhandlung wird der Präsident des Kreisgerichts, ßobkowski, führen. Es wurden 356 Zeugen, unter ihnen 86 Juden, geladen. Unter den Angeklagten befinden sich etwa 12 Juden.

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