Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 36 (5.5.1936)
- Date
- 1936-05-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2653922-2653957--28736-2690231- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
OCR text
Seife 70 JOD1SCHE RUNDSCHAU Nr. 36 5. V. 1936 Dr. Wefzmann bei Wauchope Jerusalem, 3. Mai, nachts 12 Uhr. (JTA.) Dr. Chaim Wcizmaiin besuchte den High Commisstoner, mit dem er steil über die allgemeine Lage unterhielt. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, soll Dr. Weidmann energisch gegen die Haltung der Regierung protestiert und darauf aufmerksam gemacht haben, daß die Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung Pflicht jeder Regierung sei. Es soll auch die Frage der neuen Einwanderungsschedule erörtert worden sein. Dr. Wcizmaiin wird am 10. Mai nach London abreisen. Im Aufträge der Exekutive der Jewisli Agency wird sich auch der ן el-Awiwer Stadtrat 1)0 v Hos nach London begeben. Die arabischen Forderungen Jerusalem, 1. Mai. (JTA.) Das Arabische Nationalkomitec überreichte High Commissioner Sir Arthur Wauchope ein Ultimatum, in dem zum Ausdruck gebracht wird, dah, entsprechend einer Mitteilung in einer mit ihm gehaltenen besonderen Konferenz, die Araber sich auf keine Verhandlungen oder auf einen Widerruf der Streikparole einlassen würden, ehe nicht die jüdische Ein wänder u 11 g v o H k o in m e 11 unterbunden worden sei. High Commissioner Sir Arthur Wauchope empfing eine Abordnung der B e d u i n e!1 und nahm Ihre Beschwerden in verschiedenen Angelegenheiten entgegen. Die arabische!,resse meldet, der Arabische Nationalrat habe beschlossen, Delegationen in arabische L ä n - der zu entsenden. Ferner wurden vom Mufti Unterzeichnete Telegramme an die Könige von Irak, Ycnten, Persien, Afghanisiau, N'edscbd, sowie an Mnstapha Kemal und Emir Abdullah gesandt, in denen dringend gebeten wird, den palästinciisiselieii Arabern hei der Lrrreicbting ihrer politischen Ziele bemistehcn. Wirtschaftliche Folgen der Unruhen J«׳t/t schon lassen sich die Anfänge einer Entwicklung beobachten, die auch 102') zutage trat, nämlich die einer Ausdehming der indische״ Wirtschaft infolge der arabischen Unruhen. Wir hörten bereits von dem Entschluß der Firma 1 )i/engoff׳• K- Co., ihre Büro- und Lagerräume von Jaffa nach T cl-Awiw zu verlegen. Aelnilichi■ Absichten bestellen bei anderen großen jüdischen Firmen der Export-, der SchifffalnN- und der Spklition-branclie. Die Forderung nach einem Ft i I f s ii a f e 11 in Tel-Awiw - unter Ausnutzung der Ynrkommiiulung , um die schweren Folgen illusorisch zu machen, die die immer wiederholten Streiks der Jaffaer Bootsleute auf die palästinensische Wirtschaft haben, wird mit steigendem N’aeiidrnek in der palästinensischen Presse vertreten. Itecsomtens dringlich wird jetzt die Errichtung eines Zoll a m t e .s, eines (i r 11 11 d!י u e!1 a m t c s und der anderen offizielltu jetzt in Jaffa befindlichen R c g i e r u n g s ä m t e r in Tel-Awiw gefordert, um den Zustand zu beseitigen, daß die Behörden zwar ihre Büros offen haben, daß aber die Juden sie nicht aufsuchen können, weil sie sonst Gefahr laufen. In einem Telegramm, das die Vereinigung jüdischer Rechtsanwälte an die I lamlolskainmer Tel-Awiw-Jaffa an den High Commissioner und den Obersten Richter gesandt haben und in dem sie die Eröffnung von Regierungsbüros in Tel- Awiw fordern, wird darauf lungewiesen, daß einer der ersten Opfer der Unruhen Chaim Pashigoda war, der als Angestellter eines Tel-Awiwer Rechtsanwaltes ermordet wurde, während er auf dem Wege zutn ürundhuchamt in Jaffa sich befand. Auch aus N a 111 a ״ y a wird berichtet, daß dort eine Besprechung von Vertretern sämtlicher Siedlungen des Nordscharon mit dem Distriktsoffizier, Mr. Fut, stattfand, in der neben der sofortigen Vollendung der Straße Raanana— Ewen Yehuda—Lmck liefer auch die Uehertragung der auf die jüdischen Siedlungen bezüglicher! Arbeiten des Distriktsbüros von Tulkerem nach Nathanya verlangt wurde. ״Great Britatn and the East“ über die Unruhen 111 der cngltechcn Presse waren in den letzten Tagen Aeiißcriingcn darüber zu finden, daß Italien seine Hand bei den Unruhen in Palästina im Spiele habe. Eine solche Annähme wird von der Zeitschrift ,,Great Britain and the East*־ als eine reine Erfindung bezeichnet. Wir haben zwar erlebt, m! schreibt das Blatt, daß in einem östlichen Land jene Staaten, die früher oder jetzt dem britischen Empire schlecht gesonnen sind, versucht haben, im Trüben zu fischen. Aber in Palästina 11 a bell die Wasser auf jeden Eid! immer so viele T rülumgsmöglidlkeiten, daß Cs über!!!!-.-!;/ im,;m/niichineii, irgendwelche Unruhe sei Von auswärtigen EuMoren veranlaßt. Ueber die ,•!!]gemeine Situation im Laude schreibt ,,Great Britain aild the East" SOdam:; ״Eine der Segnungen des imxleruen Palästina ist sein elektrisches Licht; einer seiner Flüche ist die mit Elektriz.ität erfühle Atmosphäre. Es dauert kaum länger, um diese Atmosphäre zu schaffen, als Z1.it notwendig ist, um das Lieht zu schalten, Wenn man sich diese kardinale Tatsache nicht vor Augen fuhrt, ist es unmöglich, die bedauern*- werten Ereignis'׳!׳ dm׳ leiztcti zwei Wochen zu verstehen. Das, was Großbritannien in den letzten Wochen be* schäftigt hat, ist so schwerwiegend und vielseilig, daß die Tendenz besteht, über die Verschlechterung der Situation in Palästina auf (/mini des Mangels an Sympathie mit der arabischen Sache, wie sic bei den Sprechern im Ober- und Unterhaus wahrend der I )chatten über den projektierten Legislativc Council zum Ausdruck kam, himveg/usehen. Haß, Verdacht und Verachtung in dem Palästina der Balfour-Deklaration zu erregen, ist zu keiner Zeit schwer gewesen; aber es ist nicht daran /.״ zweifeln, daß die Acußcrungen der inoffiziellen britischen Sprecher über das Palästina-Problem so* fort die Hoffnungen gesteigert oder die Zielsetzungen der zwei Hauptteile der Bevölkerung des Heiligen Landes gedämpft haben. Es würde Unrecht sein, angesichts einer nicht vorhandenen offiziellen Erklärung über die kürzltehen ״Zwischenfälle“, zu versuchen. Irgendeinem besonderen Teil einen Tadel zu erteilen.“ Letzte Meldungen Unveränderte Lage am Montag Jerusalem, 4. Mal, mittags (JTA.) Die Lage am Montag Ist unverändert. Es kam wiederum zu Brandstiftungen und kleineren Zwischentillen, die von Arabern verursacht wurden. Der Negus In Palästina Haifa, 4. Mai. (JTA.) Der Kaiser von Abessinien fit heute nacht aut einem britiachen Zerstörer im Hafen von Haifa eingetrof'en Die Levante-Messe «י Nur die Palästina - Schau eröffnet Tel-Awiw, 30. April. (JTA.) Die Levante-Messe zeigt nur die Ausstellung der palästinensischen Produkte. Alle Ausstellungen aulterpalästlnensischer Er- Zeugnisse mußten verschoben werden, bis die durch den Streik der arabischen Arbeiter im Hafen von Jaffa liegenden Waren nach Tel-Awiw gebracht werden können. Man hofft, daß dieser Teil der Messe Ende der kommenden Woche eröffnet werden kann. Die feierliche Eröffnung brachte außer der Eröffnungsrede des Tel-Awiwer Bürgermeisters Meir Dizengoff und der Radioansprache des Kolonienministers J. H. Thomas aus London, noch eine Rede von High Commissioner Sir Arthur Wauchope. Der High Commissioner drückte sein Bedauern über die Ereignisse in Palästina aus und sagte, er sei der Ueberzeugung, daß diese Ereignisse die normale wirtschaftliche Entwicklung des Landes nicht stören würden. Die Radioansprache des Kolonienministers J. H. T h 0 - mas hatte folgenden Wortlaut: ״Es ist mir ein wirkliches Vergnügen, an der Eröffnungszeremonie der Internationalen Levante- Messe, die wieder einmal nach einem Zeitraum von zwei Jahren in Tel-Awiw ihre Tore den Märkten des Nahen und Mittleren Ostens öffnet, teilzunehmen. Das Wachstum Ihrer bedeutenden Stadt ist aufsehend rasch vor sich gegangen und die Entwicklung der Levante- Messe selbst kaum weniger. Sie begann im Jahre 1025 als eine kleine Ausstellung örtlicher Erzeugnisse. Innerhalb des kurzen Zeitraumes von neun Jahren hat sie sich dank harter Arbeit, Enthusiasmus und den konstruktiven Plänen der für Sie Verantwortlichen zu einer Einrichtung entwickelt, auf die jede große Stadt in der Welt eigentlich stolz, sein könnte, im Jahre 1034 waren über 2000 ausstellende Firmen aus 32 Ländern zugegen; es gab 600 000 Besucher; die Zahl der Aussteller und der Besucher hatte sich gegenüber der nur zwei Jahre vorher abgehaltenen Messe verdoppelt. . Natürlicherweise haben die unglücklichen Ereignisse der letzten zwei Wochen einen tiefen Schatten auf diese Veranstaltung geworfen. Aber ich bin überzeugt davon, daß diese traurigen Ereignisse die Organisatoren der LeVantc- Messe nicht davon abhalten werden, im Verlaufe der Messe wieder den bemerkenswerten Erfolg zu erreichen, der ihnen vor zwei Jahren bescliiedeii gewesen ist. Im. Aufträge Seiner Majestät Regierung im Vereinigten Königreich wünsche ich der Levante-Messe einen großen und denkwürdigen Erfolg. Mein sehr herzlicher Willkommcnsgruß gilt den Aussteilem, aus welchem Lande sie auch immer kommen mögen.“ Für eine Hebräische Akademie Der ״Haarez“ Veröffentlicht folgenden Vorschlag von J. Ch. Kastei: Die schnelle Entwicklung des Jischuw erregt in uns Besorgnis wegen der Zukunft auf geistigem Gebiete. Wird das Gemisch aus vielen Kulturen und Sitten stets den Charakter unserer hebräischen Kultur verwischen? Werden wir für Immer ein Sammelbecken sein, oder werden wir uns unser eigenes Haus errichten? Viele meinen, politische und ökonomische Fragen stünden jetzt im Vordergründ, zuerst gelte es, den Körper des Volkes zu retten und dann .seinen Geist. Und so ist cs dahin gekommen, daß die hebräische Kultur bis heute keine genügende Hilfe fand, und erst nach vierzigjähriger Arbeit werden zum ersten Male in diesem Jahre kleine Beträge aus dem zionistischen Budget für das Bialik-Institut verwandt. Trotz der fehlenden Hilfe der Öffentlichkeit hat sich in den letzten fünfzig Jahren eine beachtliche Literatur entwickelt, und auch einige junge Kunst-Institutionen sind entstanden. Aber sie werden auf die Dauer nicht ohne öffentliche Unter- Stützung arbeiten können. Es muß eine oberste Instanz für alle Angelegenheiten der Kunst geschaffen werden, an deren Spitze Künstler, Schriftsteller und namhafte Führer der Bewegung stehen sollen. Wie die hebräische Universität an der Spitze aller Erzieliungslnstitutionen des Landes stellt, so sollte die ״Hebräische A k a d e m i e“ an der Spitze aller ihrer Kunstiiistitutioncii stehen. Diese Akademie sollte ihre Wirksamk'.it den palästinensischen Bedingungen annassen. Geeignete bestehende Kunstiiistitutioncii können itir als. Sektlonen angeschlosseii werden, ohne dabei ihre Selbständigkeit zu verlieren. Die Errichtung einer solchen Akademie wäre vom nationalen wie vom künstlerischen Standpunkt aus in gleicher Weise wichtig. Für das Theaterwesen /.. B. würde eine zentrale Behörde von großer Bedeutung sein. Die Akademie müßte natürlich auch ein Vorlesungswesen haben, aber sie dürfte sich keinesfalls damit begnügen. 111 erster Linie sollte sie das Zentrum für jede kulturpolitische Tätigkeit sein. Ihre Aufgaben waren also: 1. Für ein Zusamtnenarbeiteil der verschiedenen Kulturinstituiioneu Sorge zu tragen; 2. kulturelle Arbeit zu beaufsichtigen und durch Sachvcrständige zu leiten; 3. den Nachwuchs auf den verschiedenen Gebieten der Kunst zu unterrichten; 4. jährlich Festspiele uml Pfeisverteilungen zu veranstalten; 5. Forschungsarbeit auf den Gebieten orientalischer und altjüdischer Kunst zu fördem; 6. ein großes Zcntraigcbäude zu errichten, das hinrichtungcn für Vorstellungen, Konzerte, Ausstellungen, Voriestiugeii, Klubs und verschiedene Fachhibliotheken haben sollte; 7. die bestehenden Kunstinstitute zu unterstützen; 8. die nationale Kunst Öffentlich zu repräsentieren, Die Akademie■ sollte in folgende fünf Sektionen zerfallen: 1. Drama und Tanzkunst; '2. Malerei, Bildhauerei und Architektur; 3. Literatur und Presse; 4. Musik; 5. Film und Radio. Unterhausanfragen angekündigt London, 1. Mai (JTA.) Für den 5. und 6. Mai sind im Unterhaus einige■ Palästin ״frage n angekündet. So wird der Abgeordnete Flctcher den Kolodcmniniäter fragen, ob er irgendwelche Erklärungen zu den Unruhen, und insbesondere über ihre Ursachen, abgeben könne. Der Abgeordnete Cantain Cazalet wird eine Anfrage über die nruhen fn Jaffa am 19. April stellen, und 'insbesondere darüber um Auskunft ersuchen, ob der High Commission er im Zusammenhang mit diesen Unruhen irgendwelche Erklärungen gemacht habe und bejahendenfalls, wie sie lauten. Weitere Anfragen werden sich auf den Waffen sch muggei nach Palästina und über die Errlchtung einer Flottenbasis in Palästina oder Cypem beziehen. London, 30. April. (JTA.) Der Gedanke einer Round Table-Konferenz von arabischen und j ii d i - sehen Vertretern Palästinas aus Aulafl des geplanten Besuches der arabischen Delegation in London wurde im Unterhaus durch eine Anfrage der Abgeordneten Hall- Cainc und Marcus Samuel zur Sprache gebracht. Beide Abgeordneten lenkten die Aufmerksamkeit des Kolonienmlnisters auf die Möglichkeit, den Besuch der arabisehen Delegation in London zu einer große״ Verständigung«- aktion zwischen Juden und Arabern zu benutzen. In *einer Antwort stelite Kolonien minister J. H. T11 o - mas fest, daß die arabische Delegation in Palästina nach London eingeladen worden sei, um Gelegenheit zu haben, Ihre Ansichten der Regierung vorzutra״en. Es würde Verstundnis dafür vorhanden sein, daß er nicht in der Lage ist, weitere Erklärungen abzugeben, ehe nicht die Delegation von ihm empfangen wurde. Auf eine weitere Frage des Abgeordneten Marcus Sam u c 1 entgegnefe der Kolonienmlnistcr, daß die ungliiekliehen Schwierigkeiten in Palästina im Augenblick die Abreise der arabischen Delegation verzögern, und daß er nicht sagen könne, wann sic ankomitie. Der Abgeordnete D c ti v i 11 c fragte den Kolonienminister, ob im Hinblick darauf, daß die Araber bei der Zusammensetzung der Delegation Schwierigkeiten haben und im Hinblick auf die ablehnende Stellungnahme des Großmufti zu dem Plan eines Legislative Council, er die Einladung Sn die Araber zuräickziehen wolle. Kolonienminister Thomas gab auf diese Frage folgende schriftliche Antwort: Ich weiß, daß die Führer der arabischen Parteien in Palästina den High Commissioner dahin, verstandigt haben, daß sie nicht glauben, es liege im öffentliehen Interesse, daß die vorgcscfPagene Abordnung im gegenwlirtigen Augenblick nach London komme. Er, der Kolonlcnminister, habe keinen Grund, auf die Anregungen des Abgeordneten elnzugehen. Der Abgeordnete Morgan fragte sodann den Kolonienminister, ob er •eine Aufmerksamkeit darauf richte, daß von den 500 Trägern und 90 Zollbeamten, die von den Hafen- Behörden In Jaffa angestellt sind, nicht ein einziger ein Jude Ist, und ob Im Hinblick auf die Tatsache, daß die jüdische Bevölkerung Palästinas etwa ein Drittel der Gesamt- Bevölkerung darstelle und über die Hälfte der Einnahmen des Mandatsgebietes aufbringe, er Vorkehrungen treffen werde, um einen entsprechenden Anteil an alten von der öffentliehen Verwaltung vorgenommenen Arbeiten für Juden zu sichern. Auch fragte der Abgeordnete, ob die gegenwärtige Diskrimination der jüdischen Arbeit aufhören werde. Kolonlcnminlster Thomas erwiderte, daß er nicht Im- «tandc sei, die Feststellungen, die Im ersten Teil der Frage des Abgeordneten getroffen werden, zu bestätigen, daß er aber wisse, daß die Araber von sich asm mehr als die Juden sich für die Arbeit In den Häfen Palästinas aiibieten. Was den zweiten Teil der Anfrage betreffe, die Ausschreibung von Arbeiten der öffentlichen Verwaltung, so wären in dieser Hinsicht die Bedingungen für Juden und Nichtjuden gleich. Jüdische Forderungen Jerusalem, 1. Mai. (JTA.) Im Zusammenhang mit dem Brand des Lagerhauses der Palcstine Fruit Company in Chedcra began sich eine jüdische Abordnung zu den Distriktshchorden und verlangte, daß die Sicherheit auf de# Straßen dadurch wieder hergestellt werde, daß an.Leberfall.cn und Brandstiftungen beteiligte arabische Dörfer mit Kollektivstrafen belegt werden. Eine gemeinsame Konferenz der Tel-Awiwer Stadt- Verwaltung, von 25 Vertretern der um Tel-Awiw liegenden jüdischen Kolonien und des Tel-Awiwer Rabbinats beschloß, von der Regierung zu fordern, daß sie für die Wieder.- Herstellung der Sicherheit auf den Straßen zwischen Tel-Awiw und den benachbarten jüdischen Kolonien die erforderlichen Maßnahmen treffe. Die Konferenz beschloß weiterhin, die Forderung nach dem Bau eines Hafens in Tel-Awiw und nach einer Verlegung der Regierungsbehörden von Jaffa nach Tel- Awiw zu unterstützen, um das jüdische Leben von dem Hafen in Jaffa unabhängig zu machen. Gegen Uebergrlffe in Tel-Awiw Der ״Haare/.“ bringt zu den letzten Ereignissen folgende Bemerkungen: ״Wer die letzten Tage miterlebt hat, wer die vielen Gerüchte und Gespräche gehört hat, dem ist eine Sache klar geworden: Tel-Awiw ist nicht eine einzige Stadt, es ist zwei, ’drei, vier Städte. Es ist hier nicht die Rede von der Topographie Tel-Awiws, von dem Durcheinander von jüdischen und arabischen Vierteln. I her ist die Rede von der Kluft zwischen den Bürgern der jüdischen Stadt Tel- Awiw selbst. Diese Kluft hat sich nicht /.wischen den Fuhrern aufgetan. Diese hielten der Versuchung stand und erfüllten die Aufgaben, die ihnen auferlegt waren. Aber neben diesem starken Bau zeigten sich tiefe Risse. 111 diesen ragen der Prüfling wurden uns die Augen geöffnet, und wir sahen einen Abgrund zwischen Grundbegriffen, Charakter, Haltung und Gedankenriclitung des Jischuw im allgemeinen und c n- /einer seiner Teile, in diesen Tagen, wo die Grenzen der Stadt sich verengt haben, wo die Straße mit lauter Stimme redet und geheime Winkel aufdeckt, die wir bisher!licht vvahrgenommen hatten, itt diesen Tagen standen uns Mensehen gegenüber au* abgelegenen Teilen unserer Großstadt, ohne Maske, und wir schreckten vor ihrem Anblick zurück. Diese Menschen halten sich augenscheinlich noch an den Grundsatz: ״Auge für Auge“. Der Schaden ist gar nicht!loch genug einzuschätzen, den sie durch dir Verhalten über uns alle billige״, und nicht weniger groß würde der Nutzen *ein, wenn sie sich den Anordnungen fügen und Disziplin halten würden. Jede Ihrer voreiligen Handlungen und auch die unbedeutendste ist ein schwerer Schlag, der gegen uns geführt wird. Unser Mafistab Ist ja nicht identisch mit dem Maßstab unsere» Nachbarvolkes, und wir fordern ja auch von der Regierung, daß sie die Ereignisse nicht als Kamp zwischen zwei Teilen der Einwohnerschaft auffaßt und daß sie, wenn sie untersucht und straft, das nach objektiven Grundsätzen ohne jede Bevorzugung tun soll. Diejenigen unter uns, die cs nicht verstehen, ihre Gefühle zu zugein, diese guten und energischen Juden, deren einziger Fehler ihre Blindheit und Ihre falsche Auffassung von ihren nationalen Pflichten Ist, sic fallen u,ns moralisch zur Last. Wir haben sic bisher nicht beachtet, wir haben sie aut solche Tage nicht vorbereitet, wir ließen sie ruhig unter uns leben, bis sie die Frelgnlssc auf ihre Weise begriffen und Ihrem Charakter und Temperament gemäß auf sie reagierten. D e Straße kennen und ihre Leidenschaften ein dämmen und in die rechten Bahnen leiten - da* ist die Aufgabe, Wir wissen, in schweren Tagen müssen wir vor allem auf unseren festen inneren Zusammenschluß uml auf uimere eigenen Kräfte ver trauen können. Und die Macht der Straße ist sehr groß." I