Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1936-05-01 · Heft 35 (1.5.1936) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 35 (1.5.1936)
Date
1936-05-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2653922-2653956--28718-2690212
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 35, 1. V. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite T3 D ie Eröffnung des Aerzte-Kongresses ״ ._ , ... , . , ״ , , Dr. Weizmann spricht. Von links nach rechts: Vrau Vera Blick in den Sitzungssaal wahrend Dizmgoffs Ansprache Weizmann, Dr. Weizmann, Dr. l'riedmann, Dr. Ilirschowitz^ F»to«:!•km (2), Lim Dünner (1) Bürgermeister Dizcnc'oj! ■O »»»״«re?׳ ,, י ר־,רד־ <י ס □,NDri וסל fvi וולסי. [first WORtO CONGPESS QF JEWISW PF Vor dem Kongrcpgcbäitde iliis '*??St•׳'*#; *9nHi י •Bit« omia TM.-.*־* ׳ v iMM£; erwachsene Söhne hat; für den Bauer ein unschätzbares Kapital! Mein Tag sieht etwa folgendermaßen aus: früh um 5 Uhr stehen wir auf, melken die Kühe, tragen die Milch zur Kooperative, reinigen den Kuhstall. Um 1/27 Uhr wird gefrühstückt. Von 7 Uhr bis 4 Uhr nachmittags arbeite ich aut dem Pardeß, während die Bachurah Kühe und Hühner versorgt. Von 4 Uhr bis zur Dunkelheit arbeite ich dann noch im Stall und im Garten, und am Abend habe ich oft noch in der Leitung unserer Kooperativgenossenschaften zu tun. Das sind: 1. Unsere Zorchaniah und Jazr-auiah, d. h. Ein- und Verkaufsgenossenschaft, ein großer Betrieb, da wir 100 Seelen nicht nur mit Lebensmitteln, Haushaltungsgegenständen, Arbeitsgeraten, Kleidung und allen anderen Bedürfnissen zu versorgen haben, sondern außerdem den Absatz der Produkte zu regeln haben. Außer dem Lager unterhalten wir vier Filialen und eine Abteilung, und der ganze Betrieb wird von 5 Chawerim ehrenamtlich geleitet. Der landwirtschaftliche Verein, der die gemeinsamen landwirtschaftlichen Fragen löst: Pardeß- und Falchabcarbcitung ctarch unseren Traktor, Fruchtverkauf, Wasserversorgung uswU ... Restlos geglückt ist übrigens die Einordnung der Kinder, die natürlich auch untereinander nur Hebräisch sprechen. Es war besonders gut, daß wir im Anschluß an eine bestehende Moschawah angesiedelt wurden; die Entwicklung der Kinder ist insofern viel eindeutiger als in den nur aus Siedlern aus Deutschland bestehenden Siedlungspunkten, wo Sie die Kinder auf der Straße noch deutsch sprechen hören. Darüber hinaus sind aber die Jungen mit ihren 11 und 9 Jahren schon richtige Bauernjungen geworden, die im Kuh- und Hühnerstall zu Hause sind ... Palästina-Anfragen im Unterhaus London, 25. April. (JTA.) Im Unterhaus fragte der Abgeordnete Graham White den Kolonienminister J. H. Thomas, welche Vorkehrungen für die Ueberwachung der Watfeneinfuhr nach Palästina getroffen worden seien. Der Kolonienminister antwortete, daß nach Palästina keine Feuerwaffen und keine Munition eingeführt werden dürfen, ausgenommen, daß eine Erlaubnis eines Distriktskommissars vorliegt, die nach freiem Ermessen erteilt werden könne. Verstöße gegen das Einfuhrverbot würden mit 100 Pfd. Geldstrafe oder im Höchstfälle mit einem Jahr Gefängnis oder mit einer dieser beiden Strafen belegt. Der Abgeordnete Colonel Wedgwood machte den Kolonienminister daraufhin aufmerksam, daß von den Arabern als Waffen Messer benutzt werden. Er fragte den Kolonienminister, ob er etwas unternehmen würde, um in dieser Hinsicht eine Entwaffnung herbeizuführen. Kolonienminisier Thomas erwiderte: ״Ich habe keine Erfahning mit Messern, aber ich werde Erhebungen anstellen.“ Der Abgeordnete Captain Strickland richtete an den Kolonienminisier die Anfrage, ob er von dem gegenwärtigen Zustand der Straße zwischen Jaffa und Haifa Mitteilung erhalten habe. Die Straße sei so beschaffen, daß bei vielen Gelegenheiten große Ortschaften vollständig isoliert sind und nicht ihre Produkte zu den Märkten bringen können oder sogar im Verlaufe eines Drittels des Jahres ärztliche Hilfe nicht erhalten können. Kolonienminister Thomas stellte in seiner Antwort fest, daß in diesem Jahre 25 000 Pfund für die Erneuerung der Straße zwischen Jaffa und Haifa ausgegeben werden würden. Er habe von den über die Straße geäußerten Beschweißen Kenntnis. Er hoffe, wenn die finanzielle Lage es zulasse, werde cs möglich sein, größere Aufwendungen späterhin zu machen. Die Samaritaner in Nablus beschlossen, das traditionelle Pcßach-Opfer, das von ihnen diesmal am 5. Mai gebracht werden sollte, nicht stattfinden zu lassen, wenn Bis dahin die Ordnung im Lande nicht vollkommen wiederhergestellt worden ist. Schluß des Aerzte-Kongresses Aut dein Weltkongreß jüdischer Aerzte in Tcl-Awiw wurden verschiedene weitere Referate gehalten. Dr. Olschwanger, Paris, gab einen Ucbcrblick über die gesundhcitlichcn Verhältnisse unter der Bevölkerung in den verschiedensten Teilen der Welt. Dr. Wollmann, Warschau, sprach über die jüdische Acrzteorganisation in Polen, der 3500 Aerzte und 150 medizinische Gesellschaften angehören. Die Scfilußsitzung fand im Freilieht-Theater der Hebräischcn Universität in Anwesenheit von fast 2000 Delegierten statt. Dr. Magncs führte den Vorsitz. Die Resolution c n wurden verlesen, u. a. der Beschluß der Schaffung einer medizinischen Fakultät an der Universität, und die Forderung, daß das Land seine Tore den Aerzten öffnen solle. Fenier wurde das Bedauern über die Lage der jüdisehen Aerzte und Medizinstudenten in einer Reihe yon Ländern zum Ausdruck gebracht. Ussischkin hielt eine längere Ansprache. Er erklärte, die Aerzte sollten nicht nur den Körper, sondern auch die jüdische Seele heilen, und sprach ausführlich über die letzten Ereignisse. Afit dem Gelang der Hatikwah schloß der Kongreß. Die Teilnehmer besuchten daun das Grab Leo P i n s k e r s. Zurück zu den Quellen! Aus Tel-Avviw wird uns geschrieben: Unter dieser Ucber- Schrift veröffentlichte der ״Dawar“ vor wenigen Tagen das Eingesandt eines Lesers, das zum Studium der Quellen unseres Schrifttums aufruft. ״Die Unkenntnis der Quellen zieht das Verarmen der Sprache und das Verarmen des Gedankens nach sich. Ich veranstaltete einmal eine Umtrage unter 60 Arbeitsgenossen, unter denen viele Menschen von Bildung waren: ,Wer von euch hat mindestens einmal die ganze Bibel gelesen?‘ Nur zwei antworteten bejahend. Ich glaube, wenn man diese Rundfrage erweitern würde, würde sich ein trauriges Bild ergeben. Aut meine Frage: ,Warum nimmst du dir nicht jeden Tag mindestens eine Stunde für ernstes Lernen?‘, bekam icli zur Antwort: ,Ich komme müde nach Hause. Die Zeit reicht mir kaum, um die Zeitung zu lesen. Wie soll ich da noch lernen?‘ Ich kann Oiich mit solcher Antwort nicht begnügen. Wenn unsere Generation, die in der Kindheit noch aus den Quellen geschöpft hat, schon so denkt, und wenn sich in ihr schon a!s Folge die Verarmung der Sprache und des Gedankens zeigen, was soll dann aus der Heranwachsenden Generation werden, die alles nur aus zweiter Hand empfing? Ich schlage daher vor, daß der ,Dawar‘ in seinen! Verlage statt wie bisher nur schöne Literatur eine Bibel mit Raschikommentar oder einer anderen einfachen Erklärung des Wort- Sinns herausgeben soll. Der Sportverein der Arbeiter ,Hapocl‘ sollte nicht nur für den Körper, sondern auch für den Geist Sorge tragen, sollte auch geistige Wettkämpfe veranstaltcn.“ Muttertag in Palästina. Frau Hadassah Cha mizer (Histadruth Naschiin Zionioth) in Haifa übersendet uns den Vorschlag, nach dem Vorbild des in Europa und Amerika gefeierten Muttertages den Lag Beomer zum Muttertag des jüdischen Volkes zu machen und hierbei der jüdischen Mutter als Mitarbeiterin beim Aufbau Palästinas zu gedenken. Als Ehrung der jüdischen Mütter soll ein Waid auf KKL-Boden in Erez Israel geschaffen werden. Es soll eine besondere Aufgabe der zionistischen Frauen, insbesondere der Wizo sein, die Mittel für die Pflanzung dieses Waldes zu beschaffen. Der auf diese Weise in Palästina entstehende ״Mutterwald“ soll als Symbol für die besonderen Leistungen der jüdischen Frau und Mutter in der jüdischen Renaissancebewegung und beim Aufbau Palästinas dienen. Von der Woche In Jerusalem fanden Gedenkfeiern für die australisehen und jüdi s c h c 11 So! d a t e n statt, die in den Kämpfen bei der Eroberung Palästinas im Weltkriege gefallen sind. Vertreter der Exekutive der Jewish Agency und des Waad Leurni schmückten die Gräber der australischen Soldaten auf dem Kriegerfriedhof auf dem Oelberg. Rabbi Falk aus Sidney amtierte bei dem üedenkgotiesdienst und sprach das Kaddisch. Die Hebräische Universität Jerusalem hat eine Ex* p e d i t i o n von 20 Personen nach T r a n s j o r * danien entsandt, die die Aufgabe haben wird, medizinische und landwirtschaftliche Untersuchungen anzustellen« Die Expedition hat u. a. Amman und Akaba besucht Ein interessantes Höhlengrab wurde bei Sheik Abreik entdeckt. Es enthält reich dekorierte Wände und besteht aus einer Anzahl von Räumen im Kalksteinfelsen mit griechischen, hebräischen und aramäischen Inschriften,!Malereien und Schnitzereien, die darauf Hinweisen, daß die Begrabenen Mitglieder einer aristokratischen jüdischen Familie waren. Das Grab stammt aus dem 2. oder 3. vorchristliehen Jahrhundert. Die Schnitzereien au den Wänden stellen u. a. Menoroth dar. Das Grab wurde /ui,dbg von Siedlern der Siedlung Sheik Abreik entdeckt. Die Premiere des ,,Kaufmann von Venedig“ in hebräischer Ueberset/ung ist von der Habimah ui 'fel-Awiw für den 10. Mai in Aussicht genommen. Der arabische Verband ״Gesundheit und Bildung“ hat einen Aufruf an die arabische Oefienfhchkci! gericiitct und zur Unterstützung seiner Pläne, die u. a. den Bau eines Spitals für T u b e r k 111 o s e k r a 11 k e in der Nahe von Zifta vorsehen, aufgefordert. Ein Dizengoff-Heft. Das offizielle Blatt der Tel-Awiwcr Stadtverwaltung ״J e d i o t h 1" e 1 - A w i w“ widmet sein Doppelheft 11,12 dem 75. Geburtstag des Burgermcisters D i z c n g o f f. Diese Publikation verdient großes Interesse. Denn hier wird nicht nur das!.eben und das Wirken eines der mcrkwurdig:.te11 Männer des Jüdischen Nationalhcims dargestellt, sondern auch das Wachstum einer für Palästina symbolhaften Stadt kommt Itter m einer .groß« artigen Weise zur Darstellung. Dizcngoff steuert selbst nielirerc Kapitel seiner Autobiographie bei. Der ehemalige Glieder« Schüler in der kleinen russischen Staut ist, durch den Zionismus erfaßt, noch Palästina gekommen und wurde dort vor dem Kriege eine der führenden Gestalten der jüdischen Gemeinschaft. Wie er dann den Plan zur Gründung von Tel- Avviw faßte, den Aufbau der ersten Anfänge dieser Stadt organisierte, wie er während des Krieges und nach seiner Verbannung durch die Türken die Interessen der Juden mH wahrte und wie er dann schrittweise zur Vergrößerung und Verschönerung der Stadt beigetragen hat, ein Mann von Tat• kraft und weitem Horizont und von großer Vielseitigkeit, — das ist ein Kapitel der jüdischen Geschichte, das Vertrauen auf die Kräfte dieses Volkes einflößt. In der Schrift sind Bcitiäge der führenden Persönlichkeiten des palästinensischen Judentums und der zionistischen Bewegung enthalten, viele Erinnerungen an die erste Zeit und eine Reihe interessanter Bilder. Den Jubilar kann es mit berechtigtem Stolz erfüllen, wenn er an seinem 75. Geburtstag auf sein Leben und seine Leistung zurückblickt. (Schluß des Palästina-Teils) TEPPICHHAUS ZENTRUM AeuBerste Preise tOr Teppiche ־ Gardinen ■ LSufer Berlin C 2, Spandauer Straße 28 an dar Königstraß•

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.