Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 35 (1.5.1936)
- Date
- 1936-05-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Fr. 35. 1. V. 1936 JOD IST HF RUNDSCHAU Seite 5 Erster Internationaler Kongreß für Musik-Erziehung in Prag Van Dr. Han■ Nathan Der nachstehende Bericht über den Prager Kongreß hat nicht nur deshalb für uns Interesse, weil eine Reihe von Juden aktiv am Kongreß mitwirhlen, sondern auch unter dem Gesichtspunkt der pädagogischen Aufgaben, die heute im jüdischen Schulwesen zu verwirklichen sind. Wir glauben daher, daß der Bericht auch, soweit er allgemeiner Natur ist, für viele Leser von Bedeutung sein wird. (Red.) Vor einigen Jahren wurde in Prag eine Gesellschaft für Musikerziehung gegründet, die zu einem Mittelpunkt für die musikpädagogischen Bestrebungen der Zeit werden will. Das erste Ergebnis ihrer Arbeit ist die Einberufung eines Kongresses, zu dem eine Vielzahl von Staaten Delegationen geschickt hatte. Vertreten waren: Belgien, Dänemark, Estland, Frankreich, Großbritannien, Holland, Japan, Jugoslawien, Oesterreich, Rumänien, Schweiz, Spanien, Vereinigte Staaten von Nordamerika, Palästina. Durch diese starke Beteiligung wurde dokumentiert, w׳elch ein Bedürfnis nach Verbindung, Aussprache und Zusammenarbeit besteht. Die Musikerziehung ist eine junge Disziplin. Sie beginnt in dem Moment zu einem lebenswichtigen Faktor unseres Musiklebens zu werden, in dem eine moderne, psychologisch fundierte Pädagogik sich über den grundlegenden Wert künstlerischer Eindrücke für das Kind und den Mensehen überhaupt klar geworden ist, in dem einer Wissenserziehung eine seelische Schulung beigesellt wird. Auch von der Seite der Musikschaffenden entstand Interesse für die Musikpädagogik, weil es notwendig wurde, sich eine neue Hörerschicht zu schaffen׳; die ältere Schicht war eine immer schmaler werdende Basis für die Musik der Vergangenheit und eine völlig ungeeignete für die der Gegenwart. Der jetzige Kongreß, der sich staatlicher Unterstützung erfreute (der Vorsitzende der Gesellschaft ist der tschechoslow'akische Außenminister Dr. Krofta), fand unter dem Motto statt: ״Durch Musik zur Humanität“. Er stellte seine Arbeit von vornherein auf eine kulturell« Grundlage. Einen großen Raum auf dem Kongreß nahmen die Reden ein, die die musikalischen Zustände jedes einzelnen Landes beleuchteten. Man hatte sicher die Absicht, auf diesem ersten Kongreß sozusagen erst einmal zu schildern, was da ist, um dann auf einem zweiten Kongreß oder noch besser in einer Zeitschrift (deren Gründung vorgeschlagen wurde) Arbeiten zur Verbesserung und Weiterentwicklung zu beginnen. Die Zeit drängt jedoch, und daher hätte man das Wichtigste zuerst machen müssen: so kam der methodische Teil zu kurz. Eine Schau über die Musikerziehung und das Musikleben der Nationen, über die Volksmusik in der Welt war interessant für Historiker und Künstler, auch für den Mann der pädagogischen Praxis, aber lehrreich konnten erst die einzelnen, rein musikerzieherischen Vorführungen werden. Neue Wege, Forderungen und Blickpunkte Gab es wirklich ganz neue Wege, Pfade, auf denen man in weite, unbebaute seelische Gebiete des Jugendlichen und Laien mit Hilfe der Musik eindringen kann? Ich glaube, nein. Es tauchten vielmehr die alten Methoden auf, aber selten wörtlich, sondern immer von einer neuen Umgebung, von einer anderen Persönlichkeit umgeformt und erweitert. Einer der wesentlichsten Vorschläge auf diesem vielfaltigen, an künstlerischen Eindrücken reichen Kongreß kam von dem Prager Komponisten, dem Vierteltonmusiker Alois Häba, in der Schule die schöpferischen Fähigkeiten des Kindes zu wecken. Es müsse möglich sein, das Volk wenigstens zum Liedererfinden zu bringen und ganz systematisch zum Schaffen zu erziehen. Vom 7. bis zum 14. Jahre wäre das rhythmische und dynamische Gefühl, dann das melodische zu entwickeln, vom 14. bis 21. das Gefühl für Harmonik und Form. Das melodische Gestalten müßte von der Wiederholung ausgehen, über die Variierung zur Neuerfindung fortschreiten, — ob zum ״unthematischen Stil“, der nichts als Fortspinnung kennt, das ist eine umstrittene Frage, die Hdba von sich aus natürlich positiv beantworten mußte. Wie man Kinder zum Improvisieren bringen kann, das zeigte eine vorgeführte Unterrichtsstunde der Volksmusikschule Amsterdam (Leitung Willem Geh reis). Gehreis sagte mit Recht, daß eine Musikkultur, die nicht in allen Schichten der Bevölkerung wurzelt, dekadent sei. Vorbereitungen auf das, was Häba gefordert hatte, waren etwa folgende Uebungen: es wird ein alltägliches Gespräch von Frage und Antwort musikalisch dargestellt; zwei Kinder ״blasen Trompete“, indem sie die Fäuste vor den Mund pressen und sich gegenseitig Signale zuwerfen, die sich sinngemäß ablöscn und aneinander anschließen müssen. Dasselbe wurde mit drei Blockflötenspielern versucht, dann mit einem Klavier- Spieler und einem Geiger. Der Lehrer schrieb den ersten Teil einer Melodie hin, ein Kind improvisierte den zweiten und notierte ihn. Alles ging vom Singen aus, auch die sogenannte Theorie. Schreiten und Klatschen wurde dauernd in den Unterricht miteinbezogen. Das körperliche Mitmachen der Kinder spielt ja überhaupt in der Musikpädagogik eine große Rolle. Alle Kinder konnten vom Blatt lesen, reir! singen, sie waren rhythmisch sicher, konnten Intervalle erkennen u. a. m. ln dieser Musikschule wird bei allem Gemeinschaftsmusizieren viel Wert auf das Hören gelegt; dazu dienen Grammophonplatten und Konzerte. Grundlage ihrer Musikerziehung ist, wie auch in fast allen anderen Volksmusikschulen, die alte (״vorromantische“) Musik und das Volkslied. Jörgen Bentzon, der Leiter der vor vier Jahren gerundeten Kopenhagener Volksmusikschule, erlärte den Begriff Volksmusikschule nicht als ״Schule für Volksmusik“, sondern als ״Musikschule für das Volk“. Es kommt ihm vor allem darauf an, denjenigen, die aus mate- Hellen Gründen an der Kultur nicht teilhaben können, Zugang zu ihr zu verschaffen. Wie sehr er aber dem Volkslied seiner Heimat verbunden ist, das demonstrierte er durch eine Vorführung der Entwicklung des dänischen Liedes. Aber er läßt auch die Kunstmusik pflegen, die Produktion der Neuzeit und des Auslandes. Seine Schule wird mehr von der Arbeiterschaft und dem Mittelstand als vom eigentlichen Bürgertum besucht. Er hatte nicht ausgewählt gute Sänger nach Prag geholt, und deswegen bewies um so mehr das chörische Gingen, welch vorzüglichen Durchschnitt die Schule erzielt hat. Eine Schweizer Mädchengruppe zeigte auf selbstgefertigten, ganz rein gestimmten Bambusflöten und in alten Liedern mit dem Ernst ihrer Vertiefung und dem Streben zum selbstlosen uneitlen Musizieren, aus welch humanem Geist heute in der gerade im Volksmusikwesen außerordentlich eifrigen Schweiz Musik getrieben wird. Jacques Dalcroze wurde auf dem Kongreß als einer der Begründer und Wegbahner der neuen Musikpädagogik begrüßt. Schon vor 20 Jahren hat er seine rhythmische Methode entwickelt und sie seitdem in seinem Genfer Institut Tausenden weitergegeben. Seine Assistentinnen bewiesen, welchen Stand von Exaktheit, rhythmischen Agierens und Reagierens und musikalischen Hörens man durch IJebung erreichen kann. Die Vorführungen ließen wieder erkennen, daß Dalcrozes Methode eine der fruchtbarsten ist und heute im Musikunterricht kaum entbehrt werden kann. Sie wird auch häufig mit der melodischen Tonika-Do-Methode verbunden. Erstrebt wird die Beherrschung des Körpers und der Nerven. Wenn Bewegungen zur Musik gemacht werden, so geschieht das weniger um der Ausdeutung selber willen — ihr läßt Dalcroze einen weiten Spielraum —• sondern mehr aus der Forderung heraus, daß sich der Organismus in seiner Totalitat auf die Musik cinstellen soll. So wird z. B. das Ausstrahlen der Energetik eines Klangkomplexes in die folgende Pause hinein durch Laufen dargestellt, so wird ein Kanon, ein mehrstimmiger Satz geschritten, so werden mit beiden Armen verschiedene Rhythmen dirigiert. Von der körperlichen Bewegung geht man aus und kommt dann zum Singen und zum Improvisieren rhythmischer und klanglicher Art. Schwierige Gehör- und Konzentrationsübungen (auf Befehl müssen zwei Pianistinnen an zwei verschiedenen Instrumenten dieselbe Bachsche Invention alternierend fortsetzen, einmal nur die Unterstimme, einmal nur die Oberstimme im Ensemble spielen u. V. m.) sollen den Schülern eine ganz breite Basis einer weiteren Musikentwicklung geben. Dalcrozes Schulerinnen lösten ihre Aufgaben, die ihnen unvorbereitet gestellt wurden, mit Leichtigkeit und Grazie. Da in der heutigen Musikerziehung die Aktivität der Kinder und der Laien die größte Rolle spielt, so wird die Erziehung mm reinen Hören, zum Erlebenkönnen großer Kunstwerke zunächst etwas zurückgestellt. Robert Mayer (London) organisiert Kinderkonzerte, d. h. Konzerte für Kinder, vor allem in den ärmeren Teilen Londons, ln den Schulen hat er Fonds gründen lassen, in die die Kinder ein geringes Entgelt einzahlen und sich so daran gewöhnen, einen bestimmten Betrag für künstlerische Veranstaltungen auszugeben. Die Kinder werden von den Lehrern in der Schule genau auf das Programm vorbereitet. Im Konzert, das nur etwa 1 >/4 Stunden dauert, werden klassische Werke und auch moderne gespielt. Zu Anfang wird eine kleine Einführung gesprochen, etwas über die Werke erzählt, die mitspielenden Instrumente vorgeführt, evtl, der Komponist vorgestellt. Professor Curt Sachs, der seinerzeit für eine Grammophon-Firma eine Art ״Musikgeschichte in Beispielen“ geschah fen hat und sie nun fortsetzt, sprach von den wertvollen Eigenschaften der Platte als Lehrmittel. Ein Konzert biete kaum irgendwelche instruktiven Möglichkeiten; das Spiel einer Platte aher könne man unterbrechen, — man könne wiederholen, auf eine bestimmte Stelle aufmerksam machen usw. Auch eine Sendung durch Radio sei nicht so fruchtbar wie eine Vorführung durch die Schallplatte. Er formulierte in seiner geistreichen Art: das Grammophon verhalte sich zum Rundfunk wie das Auto zur Eisenbahn: Abfahrt, Ziel, Halt liegen im Willen des Besitzers. Eine Platte habe aber nicht nur Wert für den musikalischen Unterricht, sondern auch für den kulturgeschichtlichen. Die stärksten Eindrücke gingen durch das Ohr; sie seien viel lebendiger als alles intellektuell Dargestdlte. Der Geschichtsder Religions-, d-er Geographie- Unterricht erhielten durch die Photographie und die ״Phonographie“ höchste Anschaulichkeit. Der Hausmusik diente eine Erfindung des Geigers Rothschild. Es gibt viele Laien, die gern Kammermusik spielen, aber kein Ensemble zusammenbekommen können. l>enen soll jetzt geholfen werden. Rothschild gibt Schallplatten heraus, auf denen z. B. ein Quartett von Haydn aufgenommen ist; die fehlende I. Violine soll von einem Spieler ergänzt werden. Notenblätter werden mitgeliefert; aut der Platte hört man zuerst ein ״a“ zum Einslimmen, dann Klopf- Zeichen, nach denen der Spieler einzusetzen hat. Wie man ganz ohne Umwege den Laien an die Musik ,'err'pT'b-en kann, das zeigte Olga Samaro f f-Stok o w sky in ihrem Bericht über die julliard-School in Philadelphia. .\aci1 jahrelangen Experimenten ist man erst vor zwei Jahren mit einer ausgearbeiteten Methode vor die Oeffentlichkeit getreten und hat schon Erfolge und eine außerordentlich große Zuhörerschaft aufzuweisen. Man benutzt im Unterricht neben Platten sorgfältig tmd übersichtlich gearbeitete Tabellen und andere graphische Darstellungen, die man projiziert. Man beginnt damit, daß man demonstriert, Musik sei nicht nur ״Gefühl“, man führt Bilder von phvsika'ischen Klangkurven vor; später gibt man andere U ebersich ten, die die theoretischen Grundlagen vermitteln, das Partiturstudium erleichtern u. v. m. An Hand von Schallplatten frühester europäischer Polyphonie führt man allmählich — mit der Entwicklung der Musik mitgehend — den Laien in die Mehrstimmigkeit ein, die ja allein Hörschwierigkeiten bieten kann. Diese Methode rechnet bewußt mit der Mentalität der amerikanischen Massen, mit ihrem Sinn für ״greifbare, zählbare“ Tatsachen; es ist fraglich, ob sie sich in Europa bewähren würde. Das Thema ״W a s erwarten die Komponisten von der Musikerziehung? Was erwartet die Musikerziehung von den Komponisten?“ hätte Anlaß zu einer tiefreifenden Untersuchung und einer klärenden Diskussion geen können, die aber leider sich ins Uferlose verlor. Das Referat Ernst Krcnoks, eines der Führer der musikalischen Avantgarde, enthielt wohl interessante Einzelheiten, geistreiche Formulierungen, überraschende Streiflichter, enttäuschte aber durch seine wenig positive Haltung der heutigen Mnsikpädagogik gegenüber und durch eine Verkennung ihrer Leistungen und ihres Wollens. Krenek führte etwa folgendes aus: Das Verständnis für Musik, vor allem für Kunstmusik und speziell die der Moderne werde durch die Pädagogik kaum gefördert. In den Schulen habe man wenig Verständnis für sie, und die größte Lähmung des Betriebes käme daher, daß ״die Jugend nicht mehr neugierig sei“. Die höheren Schichten hätten wenig Beziehung zu moderner Musik, weil ihnen die notwendige musikalische Bildung fehle. Jede Schicht müsse ihre Gaben entfalten können, die sozial höhere solle der anderen beispielgebend vorangehen. Das heutige Gemeinschaftssingen sei kein Ideal. Es sei die unterste Stufe, und der Musikant glaube schon viel erreicht zu haben, wenn er mit viel Mühe bei ihr angelangt sei. Diese Art des Musizierens sei leichter als das Hörer! eines Schönberg-Quartetts; es könne sogar auch die Wege zu ihm verbauen. Er lehnte ferner die Beförderung philamthropischer Werte durch die Musik ah mit der ausweichenden Formulierung: ״Der höchste Grad der Humanität ist enthalten im höchsten Grad des künstlerischen Denkens“. Krenek schlug dann vor, daß man sich in einem allgemeinen Kunstunterricht vor allem mit den Problemen des Schaffens auseinandersetze, tmd daß dieser Unterricht von einem guten Komponisten geleitet werden solle, ln der Diskussion wurde Schach Bearbeitet von J. Mieses Aufgabe Nr. 12. Von Dr. Schumcr. Der Verfasser dieses Problems, ein guter Spieler und recht begabfer Problernkoinponisl russischjüdischer Abstammung, lebte lange 7.eit in London und war in den dortigen Schachkreisen eine wohlbekannte, allgemein beliebte Persönliehkcit. Vor etwa zwei jahren ist er gcstoH>en. Als schöne Probe seiner Konipositionskuiwt geben wir die obige Aufgabe, worin seine feine Problcmidee in graziöser Weise zur Darstcl- Aufgabe Nr. 13. Von A, S c h i f t m a ח n in Berlin i 4 Eine Komposition ״moderner Richtung“, rin sogenanntes Ideenproblem mit scharfen Pointen. Lösungen sind zu senden an die Redaktion der ..Jüdischen Rundschau“, Berlin W 15, Meineke- Straße 10. mit Kennwort ״Schach*‘. Losung der Aufgabe Nr. 11. 1, S dT• —05 1. Kd5;<e5 2. K c3~f4 2. I>17-18־ K d5—d6 Matt in drei Zügen. usw. usw. Richtige Lösungen gingen ein von: Rosa und Margot Süßermann, Hans Cohn, Berlin. Aus jüdischen Sdiachvcreinen Berliner Schach-Meisterschaft. Der Mannschaft ■-kampf an 15 Brottern zwischen den Scha» hahieilungen de׳; Bat Korluin-1 iakoah, der BSG. und der B/.V. hatte folgendes Ergebnis: Bar Koehba gegen BSD. 8,5:6,5; Bar Koehba gegen BZV. 10:5; B/V. gegen BSG. 10,5:4,5. Es erreichten somit insgesamt: Bar Koi hba״IIak״׳>ah: 18,5 Punkte, BZV. 15,5 Punkte, BSG. 11 Punkte. Die Bar KoGibancr haben damit die Maiinsrhafts-Meisterschaft unter den Berliner jüdisehen Schachvereinigungen errungen. Frankfurt am Main. Die ״Jüdische Scharhveram Main, die mit ihren 86 Mitgliedern wol Schachorganisation Deutschlands Kt, hatte für 13. April ein Schachturnier ausgeschrieben, zu unipung“ in Frankfurt 1 die größte jüdische die Zeit vom 10. bis dem folgende Spieler eingeladen waren: Dr. Ackermann, München; Haar. Frankfurt; Moritz, Stettin; Präger, Frankfurt; Dr. Stern, Würzburg; und Strauß, Wiesbaden. Dr. Ackermann wurde auf Grund seines Tumiersicges im Leipziger Hauptturnier, in dem er sämtliche Partien gewann, zugelassen, Strauß war unter den Teilnehmern der einzige, der im Leipziger Turnier fehlte; es ging ihm al>cr der Ruf außerordentlicher Spielstarke voraus, ein Ruf, den er nicht enttäuschte. Das genaue Resultat zeigt die folgende Tabelle: Dr. Adccrmann Haar H 0 0 1 0 Moritz 0 I 0 H 0 Prasser 1 1 1 1 1 Dr. Stern 0 0 H 0 1 Strauß 0 1 1 0 0 Dr. Ackermann — Haar } י Moritz 1 Prager 0 Dr. Stern 1 Strauß 1 Den ersten bis dritten Preis teilten somit Haar, Moritz und Dr. Stern mit 31/2 Punkten. Mit einem hallen Punkt Abstand folgt Strauß. Einen Achtungserfolg errang Dr. Ackermann mit!1/2 Punkten, während Prager offensichtlich außer Uclmng war und weit unter seiner in Leipzig gezeigten wahren Spielstarke spielte. Beim internationalen Schachturnier in Margate (England) siegte der jüdische Schachmeister S. Floht (Tschechoslowakei) mit 7Y* Punkten vor Capahlanca, der 6 Punkte erreichte. vieles gegen den Vortrap gesagt. Vor allem drückte Prof. Nejedly seine Enttäuschung aus: man hätte von diesem Komponisten andere Aeußcrungen erwartet. Denn Millionen von Hörern sollen ja entstehen. Der Künstler schreibe für jedem. Die Schaffenden erfüllten nicht ihre Pflicht. Künstlerisdie Veranstaltungen Der Kongreß war charakteristisch dadurch, daß er viele Konzerte und praktische Vorführungen bot L)ie Stadt gab einen äußerst wertvollen Einblick in das vorzweigte und überaus lebendige tschechoslowakische Musikleben. Sie veranstaltete ein Konzert mit dem philharmonischen Or״ ehester unter Jeremias, der Sinetanas ״Mein Vaterland“ dirigierte, einen Opernabend im Nationaltheaier mit Dvoraks ״Jakobiner“ ein Konzert mit neuer tschechischer Musik unter —MAGISTER KIRSCH- Der gute Likör Magister-Likörfabrik, München VII Ancerl mit Werken von Janacek, Reiiier, Srom und vor allem Alois Häba, sie ließ eine große Anzahl von Schulchoren singen, sie zeigte Teile aus Plickas Film ״Die Erde singt“ u. v. a. m. Es war ein'seltenes und schönes Erlebnis, so viele musizierende Kinder vor sich zu haben, auch solche aus anderen Ländern. Die verschiedenartigsten Volksmusiken zogen an uns vorüber. Unvergeßlich sind die ״Jistebuicer Sänger“, die ״Kinder von Svaljava“, ferner Rumänen und der reine, scharfe Klang von jugoslawischen Bergarbeiterkindern. Ihnen fügten sich die prachtvollen Prager Lehrer an und das Collegium musicum der deutschen Universität in Prag, das sich in einer Bach-Motette bewies, — um nur einige Chöre zu nennen. Die Volksliedsängerin Engd Lund, eine Isländerin, sang Nor■ disches, Französisches, Schweizerisches, Deutsches mit feinstem Instinkt für nationale Wesenheiten. Jedes Lied ldtete sie mit ein paar schlichten, eindringlichen Worten ein. Sie sang auch zwei jiddische Ljeder — mitten unter den Sdiöpfungen der anderen Nationen standen sie — A Dudele und der Rebbe Elimelech voll Liebe und innerstem Erleben. Und von dem A Dudele sagte sie einige sehr treffende Worte tmd dann den Satz: ״Das Lied ist so schön, daß wir alle es hätten erfinden können, — wir haben es nur nicht getan“. Das war wie ein öffentliches Bekenntnis und berührte maneben in dieser sachlichen internationalen Kongreßstimmung. Etuis Juwelen Robert Bucho & Co. Hardenbergstr. 29a 4»n der G e d ä ch t n i s>1i i rch e, neben Berlin und ״Traube"