Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 35 (1.5.1936)
- Date
- 1936-05-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 35, 1. V. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 3 Die Ereignisse in Palästina — Unsere Antwort Kundgebung der Jewish Agency und der ZVfiD. Die Mitglieder der Jewish Agency for Palestine in Deutschland und die Zionistische Vereinigung für Deutschland veranstalteten am Mittwoch Abend im Berliner Logenhaus, Kleiststraße, eine Kundgebung, die sich mit den Ereignissen in Palästina beschäftigte. Schon lange vor Beginn war der große Saal überfüllt, so daß eine Parallelversammlung im Gartensaal veranstaltet werden mußte; dennoch fanden Hunderte keinen Einlaß mehr. Der Abend verlief außerordentlich würdig und eindrucksvoll und zeigte den ganzen Ernst der Anteilnahme des Berliner Judentums an den Geschehnissen in Palästina. Den Vorsitz führte der Präsident der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Rabbiner Dr. Leo Baeck der in seinen Eröffnungsworten darauf hinwies, daß die Kundgebung nicht dem Protest dienen solle. Man wolle sich vielmehr auf die eigene Pflicht besinnen, um das Seine für den Aufbau des Heiligen Landes zu tun, wozu jeder von uns verpflichtet sei. Es sei jüdische Art, als Volk im Unglück stark zu werden; unsere Parole laute: Und dennoch! Mag uns auch Leid treffen, so halten wir doch an uns und unserer Aufgabe fest. Nur passive Völker gehen unter, und wir werden leben, solange wir den Willen zur Kraft haben. Das Wort dieser Stunde ist: Durch die Arbeit vor der Verzweiflung sich schützen! Dr. Franz Meyer ergriff für die ZVfD. das Wort. Er wies auf die Entstehung des Zionismus aus dem Herzl’schen Gedankengut hin und zeigte, daß Palästina im jüdischen Leben die Aufgabe habe, der wachsenden Unsicherheit des jüdischen Daseins Einhalt zu tun. Der Weg dazu führe durch Gefahren und Risiken, die Schaffung des neuen Lebens erfordere Opfer und Anstrengung. Niemand kann garantieren, daß die Periode soleher schweren Ereignisse vorüber ist. Je stärker wir selbst sind, desto leichter werde die Gefahr zu ertragen sein. Schon heute kann die jüdische Position in Palästina von keinem Sturm mehr beseitigt werden. Ereignisse wie die letzten zeigen, was an Kräften und an Mängeln bei uns selbst vorhanden ist. Die Antwort der Juden Deutschlands werde lauten, daß ihr Wille unerschütterlich ist, am Aufbau des Landes teilzunehmen, und daß sie ihre Anstrengungen verdoppeln werden. Hierauf sprach Jastizrat Brodnitz der einleitend darauf hinwies, daß er selbst soeben von einer Palästina-Reise zurückgekehrt ist. Es gelte jetzt, Lehren und Initiative aus der Kenntnis der letzten Ereignisse zu entnehmen. Wer die Fülle der Erscheinungen in Palästina gesehen hat, muß zur Erkenntnis kommen, daß das ganze Palastina-Problein etwas Einheitliches ist, und daß man seine einzelnen Seiten nicht isoliert betrachten kann. Man kann darüber denken, was man will, aber man empfindet, daß die dort arbeitenden Juden die höchste Achtung verdienen. Ueber Palästina sollte nur reden, wer sich im Lande selbst umgesehen hat; dann würden so manche Mißverständnisse hier nicht mehr existieren. Und noch eine weitere Erkenntnis ist sicher: das Palästina-Experiment darf nicht mißlingen, wenn nicht die J u d e n h e i t der g a nz e n Welt unwiderbringlichen Schaden e r I e i - den soll. Wer nach Palästina geht, muß sich als Pionier der Juden fühlen. Wenn die Menschen diese Gesinnung haben, dann wird auch die Araberfrage, die eine der Gefahren und Sorgen auf dem Wege ist, von uns überwunden werden. Diese Erkenntnis mindert natürlich nicht unser tiefes Mitgefühl mit denen, die von den Ueberfällen betroffen worden sind. Da das Palästina-Werk nicht mißlingen darf, wird es alle Angriffe überstehen! Das Hauptreferat des Abends hielt hierauf Dr. Michael Traub Der Referent wies einleitend darauf hin, daß es ihm angesichts der blutigen Ereignisse in Palästina angezeigt erscheint, die Bilanz der friedlich, en Beziehungen zwischen Juden und Arabern in Palästina im Lichte der Entwicklung der letzten 18 Jahre zu ziehen. Im Lartfe all dieser Jahre hat die arabische Bevölkerung in zunehmendem Maße durch die jüdische Einwanderung profitiert: Durch Verkauf von brachliegenden Böden, für die sie seit 1918 12 Millionen Pfund erhielt, durch Wertsteigerung ihres Bodenbesitzes und durch Absatz ihrer landwirtschaftlichen Produkte, für die wir einen gewaltigen Markt geschaffen haben, durch Erhöhung ihres Arbeitslohns und ihres Lebensstandards, durch Zahlung hoher Steuern seitens der jüdischen Bevölkerung, deren Nutznießer die arabische Bevölkerung weit mehr als die jüdische war. So ist Palästina auch zum bedeutendsten arabischen Einwanderungsland im Nahen Orient geworden, so vollzog sich in Palästina selbst eine arabische Binnenwanderang aus arabischen Gegenden in die von Juden besiedelten Gebiete. Während ein großer Teil der arabischen Bevölkerang in richtiger Erkenntnis dieser Tatsache ihre Beziehungen zur jüdischen Bevölkerung friedlich und normal gestaltete, versuchten aber manche politischen Parteien, die die Wortführer der Effendis oder der Teile der arabischen Bevölkerang sind, die abseits des jüdischen Wanderstromes leben, feindliche Stimmung gegen uns zu schaffen. Politische Forderungen, die mit den wirklichen Interessen des Landes nicht in Einklang zu bringen sind und letzten Endes waren blutige Unruhen die Folgen ihrer Politik. Dr. Traub beschäftigte sich anschließend mit diesen Forderungen und behandelte zunächst die Frage des Legislative Council. Eingehend begründete er den ablehnenden Standpunkt der Juden, die in ihrem Nationalheim nicht majorisiert werden wollen, und die als Träger dieses Nationalheims gleichberechtigte Partner bei der Gestaltung seines politischen Lebens sein müssen. Diese Stellungnahme bedeutet keine Gegnerschaft gegen die arabische Bevölkerung, deren Interessen, welches immer das künftige numerische Verhältnis beider Völker in Palästina sein wird, nicht verletzt werden sollen, Angesichts der Forderungen auf Beschränkung des Bodenverk a u f s an Juden und der Argumente, mit denen diese Forderungen verknüpft werden, gab der Referent eine eingehende Schilderung des großen arabischen Latifundienbesitzes in Palästina. Während die Juden den arabischen Pächtern entsprechende Entschädigungen gewährten, haben arabische Großgrundbesitzer sie noch in letzter Zeit von ihren Böden vertrieben, ohne ihnen irgendwelche Entschädignng zu gewähren. Die arabische Forderung auf Unter- Bindung der jüdischen Einwanderung steht im krassen Widerspruch sowohl zu den politischen Grundlagen Auf dem Podium von links nach rechts: Justizrat Brodnitz, Rabbiner Dr. Baeck, Dr. Traub, Dr. Franz Meyer Foto; J Abraham des Mandats wie zu den Interessen des Landes und seiner Gesamtbevölkerung. Deshalb verlangen wir von der Regierung, daß sie unsere Einwanderung in einem der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes entsprechenden Umtange zum fundamentalen Bestandteile ihrer Politik macht. Bei der weiteren Gestaltung der Immigrationspolitik darf die Mandatsregierung vor allem auch nicht vergessen, daß die ungehinderte Einwanderung nach Palästina für das jüdische Volk eine nationale Existenzfrage bildet. Für die Mandatarmacht selbst wird aber das Bestehen einer kulturcli und wirtschaftlich aufstrebenden jüdischen Heimstätte in Palästina einen nicht zu unterschätzenden Friedensfaktor im Nahen Orient darstellen. Mit besonderem Nachdruck wies Dr. Traub darauf hin, daß manche arabischen Parfeien gehofft haben, durch Unruhen ihre Forderungen zu unterstützen und durch nachfragliche Beruhigung eine politische Prämie zu erhalten. Demgegenüber erklärt das jüdische Volk, daß es sich in seiner auf den friedlichen Aufbau des Landes gerichteten Politik nicht beirren lassen wird. Palästina hat Raum genug für Juden und für Araber, die über religiösen und politischen Fanatismus hinweg sich in friedlieber Arbeit verständigen müssen. Bei aller Friedenspolitik sind aber die Juden in der ganzen Welt fest entschlossen, ihre berechtigten Interessen in Palästina zu verteidigen und keines der Rechte aufzugeben, die sie in Palästina besitzen. Ihren Anspruch auf ein friedliches Arbeitsheim in Palästina begründen sie nicht nur durch ihre historischen und religiösen Rechte, sondern durch den zunehmenden Entwurzelungsprozeß Millionen jiidischer Menschen in den verschiedensten Ländern der Welt, nicht zumindest aber auch durch die Pionierarbeit, die sie in Palästina selbst geleistet haben. Dr. Traub schloß mit dem Hinweis auf die besondere Verbundenheit der Juden Deutschlands mit Palästina, deren Antwort auf die letzten Ereignisse eine Vervielfachung ihrer Anstrengungen für den Aufbau des Landes sein muß. Nach diesen von mehrfachem Beifall unterbrochenen Referaten gab Dr. Baeck folgende Resolution bekannt, die an die jüdischen Instanzen in Palästina übermittelt werden soll: Die am 29. April in Berlin tagende, von den In Deutschland wohnenden Mitgliedern der Jewish Agency für Palästina und von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland einberufene Versammlung entsendet der palästinensischen Judenheit In diesen schweren Tagen ihren brüderliehen Gruß und versichert sie ihrer Treue und unerschütterlichen Solidarität. Mit tiefem Schmerz beklagen wir die Opfer an Menschenleben und die Zerstörung von Werten, die von Juden in friedlicher Arbeit geschaffen wurden. Angriffe und Gewalttaten werden uns nicht verhindern, unser Recht auf die Errichtung der jüdisch-nationaicn Heimstätte in Erez Israel zu vertreten und die friedliche jüdische Siedlungsarbeit fortzusetzen und zu verstärken. Die Exekutive der Jewish Agency und der Zionistischen Weltorganisation kann auf unseren festen und unerschütterlichen Willen rechnen, alle Kräfte der Judenheit in Deutschland zusammenzufassen, um durch vervielfachte Anstrengungen die jüdischen Positionen im Lande zu erweitern und die Arbeit für das Aufbauwerk mit allen Kräften zu fördern. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Dr. Baeck schloß die Versammlung mit der Bitte, wirkliehe Opfer im Dienste Palästinas zu bringen. Für Schabbat, den 2. Mai 1036 Und wenn Ihr den Schnitt eures Landes schneidet, so sollst du das Ende deines Feldes nicht vollends abmfihen, und die Nachlese deines Schnittes sollst du nicht auf lesen f Und in deinem Weinberg sollst du keine Nachlese halten und den Abfall deines Weinbergs nicht aufiesen: dem Armen und dem Fremdllng sollst du sie Oberlassen; ich bin der Ewige, euer Gott + lhr sollt nicht stehlen und sollt nicht leugnen und sollt nicht lügen, einer gegen seinen Nächsten + Und ihr sollt bei meinem Namen nicht zur Loge schwören; du würdest so den Namen deines Gottes schänden; Ich bin der Ewige t Du sollst deinem Nächsten nichts vorenthalten und nicht rauben; du sollst den Lohn des Mietlings nicht Ober Nach! bei dir lassen bis zum Morgen 4־ Du sollst einem Tauben nicht fluchen und vor einen Blinden solls du keinen Ansfofs legen, und iürchfe vor deinem Gott; Ich bin der Ewige + Ihr sollt kein Unrecht ,un im Gericht, nidit sollst du den Niedern berOcksidiiigen und den Groben nidü scheuen In Gerechtigkeit sollst du deinen Nächsten richten 4 Du sollst nicht als Verleumder umhergehn in deinem Volk, su sollst nicht stehen bei dem Blut deines Nächslen; ich bin der Ewige. 3. Buch Mose, Kapitel 19, Vers 9—16 Uebersetzt von llarry Torczyncr Zum Tode des Königs Fuad Der Tod des Königs 111 '׳ a d I. von A e!: y 1 ין e n wird im gegenwärtigen Augenblick von allen :111 der L nt Wicklung der politischen Probleme im Vernimm t )ricut interessierten Kreisen gewiß nicht als eine I rU׳n׳hu׳nmg der (iesnmflage empfunden werden. Der verstorbene König . der erste, der diesen Titel führte, nachdem I ngiami 1 onnal das Protei;- torat über Aegypten aufgehoben hatte — war gewiß ein ägyptisch er Patriot, dem die allmähliche i!imtinrimseines L.andes zur Unabhängigkeit vorsdiwebte, aber er war auf der anderen Seite ein Gegner allzu radikale« Vorgehens und geriet dadurch mehrfach in < iegeii-a!/ zu den 1 )nippen in Aegypten, die ein rascheres Tempo der I!Hwi. klung andre!!- ten. So kam cs insbesondere zu jenen Koniukten /wischen dem König und der VTafd-Partei, die schließlich zum Erlaß einer Verfassung durch den König führten. Seit dem Ausbruch des ilalieihsch-abemiiPrhen Krieges ist die Lage in Aegypten wiederum kriti-wh geworden. Ls kam zu Unruhen, und gerade jetzt wurde In Kairo über die Neugestaltung der englisch-ägyptischen Beziehungen verhandelt. Es ist nicht zu verkennen, daß dic-e Verhandlungen auf außerordentliche Schwierigkeiten gestoßen sind, tmd das Dahinscheiden des Königs durfte ihre Veitvrfnlinmg zumindest nicht erleichtern, eia die inneren Spannungen in Aegypten selbst infolge des Thronwechsels möglicherweise verstärkt werden. Der neue ägyptische Herrscher, der Ihjälirige König Far u k, lebte zuletzt in England, von wo er jetzt nach Aegypten zurückkehrte. Eröffnung der Levante-Messe Jerusalem, 30. April. (JTA.) Die Eröffnung der Levante-Messe fand programmgemäß am 30. April statt. Am Eingang des Messegeländes, das noch in den letzten Tagen für die Eröffnung entsprechend hergerichtet wurde, wehten die Fahnen der ausstellenden Nationen. Die Wege zum Messegelände waren von einer großen Menschenmenge umsäumt, die die Anfahrt der offiziellen Persönlichkeiten und uer zahlreichen Messegäste verfolgten. Die Anfahrtstraßen, sowie das Mcssegeländc selbst waren durch Polizei gesichert. Noch am Vormittag waren drei Wagen motorisierter Polizei von Jerusalem beordert worden, um den Sicherheitsdienst auf den zum Mcssegeländc führenden Wegen zu übernehmen. Viele Führer des Jischuw waren bei der Eröffnung zugegen. Der High Commissioner Sir Arthur Wauchope war ebenfalls anwesend. Der Bürgermeister von Tel-Awiw, Meir Dizengoff, sprach Worte der Begrüßung an die versammelten Gäste. Er ging im weiteren Verlauf seiner Rede auf die Bedeutung der Messe für Tel-Awiw und für den Nahen Orient ein und hob insbesondere die Umstände hervor, unter denen die Levante Messe im gegenwärtigen Augenblick eröffnet werde. Er gab seinem Bedauern über die Vorfälle in den letzten Wochen Ausdruck und hezeichnetc die Messe als ein S y m h o f jüdischen A u f b a u w i 11 e n s. Er erklärte sodann die Levante-Messe für eröffnet. Die Versammlung hörte sodann B e g r ü ß u n g s w orte des Kolonienministers J. H. Thomas, die durch Radio von London aus verbreitet und in der Eröffnungs- Veranstaltung klar und einwandfrei vernommen werden konnten. In der kurzen Botschaft, die Kolonienminister Thomas an die Versammlung richtete, drückte er ,,sein _ wirkliches Vergnügen“ aus, auf diese Weise an der Eröffnung der SchiSSer Hotel Garni AHo Zimmer mit Tel Hon ״rvi für«. W״ssor oder Bad Zimmer von Fr. 4, an. Pensum .•!h Fr. 10,SO. Autoboxen Levante-Messe teilnehmen zu können. Er gab einen Ueberblick Uber die Entwicklung der Messe und betonte, daß er ״natürlicherweise Uber die Ereignisse der letzten zwei Wochen, die tiefe Schatten auf diese Veranstaltung werfen, unglücklich“ sei. ״Aber ich bin überzeugt davon“, so sagte Kolonienminister Thomas weiter, ״daß diese traurigen Fragnisse die Organisatoren der Levante-Messe nicht davon abhalten werden, im Verlaufe der Messe wieder den bemerkenswerten Erfolg zu erreichen, der ihnen vor zwei Jahren beschieden gewesen ist. Im Aufträge Sr. Majestät Regierung wünsche ich der Levante-Messe einen großen und denkwürdigen Erfolg. Mein sehr herzlicher Willkommensgruß gilt den Ausstellern, aus welchem Lande sie auch immer kommen mögen.“ LUZERN m₪e 1) Liegestuhl mit Kohr dicht ousgeflochten, saubere Vererbet• 1 A>« tung. 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