Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 34 (28.4.1936)
- Date
- 1936-04-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 34, 28. IV. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 5 IN ALLER KURZE in der ״NS.-Beamtenzeitung“ behandelt Gerichtsassessor Mumm die Frage, wieweit das außerdienstliche Leben des Beamten der IJeberwachung und etwaigen Bestrafung durch den Vorgesetzten unterliege. Gesetzliche Grundlage sei § 10 des Reiclisbeanitengesetzes. Jeder Verkehr des Beamten mit Juden, auch mit den sogenannten ״anständigen“, sei daher unzulässig, wenn er nicht nur in geschäftlichen Dingen erfolge und sich dann auf das unumgänglich notwendige Maß beschranke. Unter den Ausnahmen, die in Preußen von der kürzlich um zwei Jahre verlängerten Sperre für Schankkon- Zessionen gemacht werden können, befindet sich auch der Fall, daß der fragliche Gastbetrieb lediglich auf Juden beschränkt sein soll. Die Konzession wird dann jedoch nur unter der Auflage erteilt, daß diese Beschränkung durch deutlich lesbare Aufschriften kenntlich gemacht wird. Die ״Swinemiinder Zeitung“ vom 23. 4. berichtet über eine Tagung der Fachgruppe für Pensionen und Fremdenheime in Misdroy. Bürgermeister Dr. Szpitta sagte nach diesem Bericht u. a.: ״Juden sind, wie der neue Bade- Führer ausdrücklich fettgedruckt hervorhebt, bei uns, wie überall, unerwünscht, und die Kurverwaltung wird in diesem Jahre von ihrem Recht, diesen Fremdlingen den Zutritt zum Strande und zu den Kuranlagen zu verbieten, in jedem Falle Gebrauch machen.“ In einigen badischen Städten — Mannheim, Heidelberg, Bruchsal und Emmendingen — werden zur Zeit Schulen für jüdische Kinder geschaffen. 56 jüdische Lehrer wurden auf Grund der Bestimmungen der Nürnberger Oesetze in den Ruhestand versetzt. In Litauen wurde eine neue H a n d w e r k e r o r d - ת u n g erlassen, nach der alle Handwerker ein Zeugnis über ihr Allgemeinwissen und über ihre Berufsausbildung erwerben müssen. Sie müssen im übrigen gute Kenntnisse in der litauischen Sprache haben. Ausgenommen von diesen Bestimmungen sind nur Geschäftsleute und Handwerker, die bereits 18 Jahre ihren Beruf ausüben. Unter der jüdischen Bevölkerung hat die neue Handwerkerordnung große Bcunruhigung hervorgerufen. Der litauische Unterriclitsrninister hat die Schließung aller jüdischen Lehrerausbildungsinstitute verfügt und angeordnet, daß in Zukunft nur litauische Lehrer- Seminare bestehen dürfen. Im Gesetzblatt der polnischen Republik ist das Gesetz über die Beschränkung der S c h e c h i t a, das am 1. Januar 1937 in Kraft tritt, veröffentlicht worden. Die Durchführungsbestimmungen zu diesem Gesetze sollen im August herauskommen. Von unbekannten Tätern wurde in G r a u d e n z auf ein jüdisches Geschäft ein Bombenanschlag verübt.׳ Persouen wurden dabei nicht verletzt, der Sachschaden jedoch ist bedeutend. Zu׳ölf Mitglieder der illegalen Nara-Partei wurden in Otwock verhaftet. Sie werden beschuldigt, die vor einigen Tagen gegen jüdische Geschäfte und Häuser verübten Bombenanschläge ausgeführt zu haben. Der Präsident der Tschechoslowakischen Republik, Dr. Eduard Benesch, hat das Protektorat über die tsehechoslowakische Ausstellung auf der Levante-Messe in Tel-Awiw übernommen. Am 29. April um 22.15 Uhr bringt der tschechoslowakische Rundfunk anläßlich der Levante-Messe eine Fest- Sendung ״Die Tschechoslowakei grüßt Palästina“ (tschechisch, hebräisch und englisch). Eine Baukatastrophe ereignete sich in Tmovcc hei Neuhäusel. Die kürzlich erst renovierte Synagoge stürzte ein, da das aus alten Ziegeln gebaute Fundament die neuen Mauern nicht zu fragen vermochte. Aus dem Gebethans hatten sich kaum eine Viertelstunde vorher die Betenden entfernt, so daß der Einsturz glücklicherweise keine Menschcnopfer gefordert hat. Am 17. April ist Fuad Hamzi B e y, der Unterstaats- Sekretär für auswärtige Angelegenheiten des Königreiches Saudi-Arabien, als offizieller Gast der ägyptischen Regierung in Kairo eingetroffen, um über die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Aegypten und Saudi-Arabien zu verhandeln. BRIEFE AN DIE REDAKTION Araber und Naihania Z. ZU Berlin, 25. April Sein geehrte Rethiktion! Das Scheitern »!cs Versuches araluM-her Agitatoren. Hie Arahur d»w Portes Umkhnlnl zum!V!!e!fai! auf Hie jüdische Stadt Xathanya aufzureizen, von dem in der letzten Nummer der ״Jiidisehen Rumlst 11;n1u berichtet wurde, .stellt nicht den ersten Fall dar, hei dem sich die frtundliehe Gesinnung dieser Araber gegen ihre jüdischen Nachbarn auch in .schwerer /eit bewahrte. K.s war in den Unnihetagen des Herbstes 1929. Knapp zwei Wochen vor Aus- 1>11!1 i! der Unruhen waren die eitlen (bründer von Naihanya, Mitglieder der 1 and wir! whnftlii hen Jugendorganisation Bnc Henjannn, in die Hegend gezogen, auf der sieh heute Nathanvu erhebt und halten mit der Urbarmachung der damals noch ganz wilden Hegend he* gönnen. Als dann der Aufstand audirach. war man allgemein sehr besorgt um da> Schicksal die-er Pioniere. Damals war die Situation ganz anders als heute, wo sich vom Emck ('befer bis nach Tel-Awiw eine fa>t ununterbrochene Kette von jiidisehen Siedlungen erstreckt. Die jungen lkirs» hen und Min! hen, die damals in der Wüstenei um Drnkhaled lagerten ־— das ist derselbe Platz, auf dem heute außer dem Städtchen Nathanya 6000 Dunam prächtige Orangegärten sich erheben — waren abgc.9chnit.tcn von jeder Verbindüng mit jüdischen Stellen, und man wußte tagelang nicht, was mit ihnen geschehen sei. Damals entsandte die palästinensisclic Regierung Flugzeuge nach Umkhaled, die die jungen Siedler und Siedlerinnen ״retten“ sollten. Es ergab sich, daß ihnen nicht »las geringste geschehen war. Am Tag, nachdem der Ausbruch der Unruhen gemeldet. Freiburg, den 24. April 1936 Geehrte Redaktion! Ich erlaube mir, Ihnen meine besondere Anerkennung auszusprechen für die objektive und sachliche Art und Weise, wie Sie in Nr, 32 Ihrer Zeitung liier die tief l>edauerlirhen Vorfälle in Palästina berichten. Ich war selbst im letzten Jahve zum Zwecke meiner Orientierung einige Zeit, in Palästina und habe mich ganz besonders für die Frage tilxm das Verhältni5 zwischen Juden und Arabern zu unterrichten versucht, was allerdings nur durch ein griindli lies Stadium überhaupt möglieh sein wird. Ich habe jedoch die Delverzeugung. daß der Aufwar, war der angesehenste Scheich der Nachbarschaft, ein hundcirjiilwiger Greis, mit. seineu beiden Söhnen im Kager der Juden erschienen und hatte >i h und seine Söhne als freiwillige Geisel dafür angeloten, »laß den lo uten. denen er den Hoden verkauft hatte, kein Frid gexdicle. Kr protes!ierte leiden• srhaölirh g*.׳gcn den geplanten Abtransport der Siedler durch die Flugzeuge, den er aber ni׳׳b! hindern konnte. Als nach etwa drei Wode n wieder Ruhe eingetreten war und die Siedler zuriickkcbrU 11, fanden sie ihren Geräte-, kuppen erbrochen. Bö- .ser Ahnungen voll begaben sie si di zu den Arabern und stellen dort folgende rührende Begebenheit fe-a : Der ahe Scheich war snzwi>c}1en gr-torhen. Wie seine beute b1.1! .׳ u11 ׳e;en, au* Gram darüber, daß man seinem Worte, mit dem er -b 11 für die Sieberheit der Juden verbürgte, nicht geglaubt iui'ie. Vor .-.einem Tode liafc et .seinen I.outen befohlen, die von den Juden begonnenen Arbeite n so.־, ei! wei' erzn di inen, daß ihnen kein Schaden entstände, damit die Siedler, wenn sic zuriirkkchrt.cn, nicht wieder von vorne anfangen müßten. Und so war es ges. heben. Da es den Arabern an den notwendigen Werkzeugen mangelte, hauen öc 111 ׳ G!־ .-׳huppen erbrochen, um die Arbeit zur Erhaltung de» l’igcniums der Juden fortführon zu können. Die in der letzten Nummer der ,,Jii- »!!.sehen Rundschau“ enthaltene Nachricht beweist, daß die guten Beziehungen, die vom Tage •ler Gründung N.itlianyas an zwisehen ihm und seinen arabischen Nachbarn bc-tandcn, auch durch keine nationalistische Hetze, zurstört werden konnten und bis heute ungestört weiter bestehen. I tochachlungsvoll Julius Berger bau Palästinas durch die Juden nur möglich sein wird in der Zusammenarbeit mit »len Arabern Und nicht gegen die AralxT, eine Auffassung, die ja auch in Ihrem Artikel ״Zur inneren Lage im Zionismus“ von Gerhard lloldheim in der gleichen Nnmmer Ihrer Zeitung zum Ausdruck kommt. Gelingt es nicht, eine gemeinsame Grundlage für Juden und Araber zu schaffen, so wird alle Arbeit und Mühe verge!>ens sein, auch wenn England die Arbeit der Juden noch so sehr unterstützen und föidern würde, was ja nicht einmal unbedingt feststeht; denn die Politik Englands wird sich nicht nach philanthropischen, sondern nach Wirtschaft liehen Gerichtspunkten oriemi» ren. trotz all der Versprechungen, die England nach dem Kriege Unter ».10:11 unmittelbaren Eindruck des Siege.s den Juden gemacht hat. Ich fürchte allerdings, daß die na־ lionnüstischen Strömungen unter Berlin, 25. April Sehr geehrte Kedak!ion! Die Zu-ehutt des Herrn Kalihiners Dr. Neufeld au-, Elbing in der Nr. 33 liedaif in mein Melier i 1 der Ri biigsHülung re-p. Ergänzung. Zunächst. bin׳! die Stande-ämter nicht :-׳dt 1373 zuständig. sondern sei! dem 1. lanuar 1876 utio?ge de■■ Kt 1cl)>ge-e!zc, vom G. iöbruar 1875. -■־- So'btnn .-in׳! v■ 0 111! .v ni Termin nur in Pieußen die A1m-ge1iehie zuvün ’ig i׳>r d< n Per-onen.'.tand der Juden. In den anderen ibut hen S׳ a.c en i i diese Materie \ ei'-cbidb n g<•- ordnet, bald poiiti-cbr < b. 111 ivD. bald Pf mämier imv״ >• > d, i Ah in kmz.er Zu . b! in ׳!׳.:< voH-tandiee lbus!e!u׳!g nicht geben laßt. 1 he "׳־ ad!׳׳ \!.! ■! י .sind w<;bl e!יח• Gm 1b׳• m r gelegentidlie \׳c iz.en ubm I bm ■ un! deiglri׳■!!( n. am r k.־nm \<■- mnb für den Per-omm c!nd. I )!-• viel u irh! igei en Staat.1) ü 1 ■ g e 1 1 i s t c n, d< reu oif zi״.K1׳ Al!druck in den An;־ -I da1: * ni erfolgte, ha? der I'amender überlumpt nicht erwähnt, und »ler Rat. stell ,am ein-m Herrn zu wenden, der mit den Akten und Genf, den 23. April Sehr geehrte Redaktion! In Nr. 32 Ihres gcmh’il/.uu Blattes teilte um Dr. Adler, Tel-Awiw, die AußenhaudcPzib fern Palästinas für 1935 mit. Erlauben Sie mir hitu* im An• Schluß an die vrroi'icntiichien Ziliern. auf tlic dringende Notwendigkeit einer S t a t i - t i k der Zahlung^ b i 1 a n z hinzum eben, die die gesamte Kapilalbewegung zu e)fa-.-cn hälU׳. Der \’orM'liiag Fl ni•. ln ־neu, bi-׳- her aln:r 11. W. noch näh! wiwirklicht worden. Die vuiiiegenden Ziffern über die palä ■iinen-i^che Zahlung dü!an/.! .»•!abet». auf Schatzungen privnu r In-1 ׳t ulionen und beziehen H ׳b nur;,11! einzelne 1 ■ander. den Arabern und einem kleinen, aber ruck ■ü11 ׳? ■dosen Feil der Juden — bc-ondeM der Jugend — eine Vei ■ tandigung zwUehul! Juden und AuIhiii verhindern wird. Mit vorzügliche׳:■ Hochachtung I. W. Hauser den Ile! trai scheu < öabgäcinen des hotr. ( h־!e> Wold vertraut, ist.“, i,t gi!', alier iur Laien .-chwer zu hvl!!lgen, dum wie bekommt der 1.;110 die .-\(1״ 0י־י0 זeines sol- »heil Hirni“.׳־' Das ist doch eben die Frage. Au־, iIii'miii Grunde gerade wurde vor 12 JaliH'U die Ge*» s e 1 1 .י C 11 a 1!. für jüdische F a 111 i 1 i e 11 f o!' > r 11 u u g gegfiin-h־!, die ihre Mi'gliedcr bei l.iiiiiiu; gi 11!׳׳!,!־!■über Arbeit Uז>- toi-1!! /! dui-h ein mg< nes Artim, hiuoii ihn: Zeit-oh! in und euch i D-־a;1!e I »mpreehuiv* \ י ■r alb ח! abi r .״ei )».‘der Jude, <hi .ס ii tai ■ei:»‘ Aiioen Intel-־ ׳>.!■!! u ,׳ I lieh; 1ח ■er sie ZU ba׳g<- יי!; .!יי dhadnion und ui. j e־ ehr io• F!!ung!ne* da d<! };- ׳־ 1;־,d■ י ued! .ei' er iioru 1 < 1!"י h ׳ h nt. 1 h . bvrtliur ( / bi1 ־ r, jii! Phd ׳ \ ■ ־.! ’ag vor .AP m :::1י!!!,׳ n. eiic gtmea• b 1-־i -1 he A :bei1 u!;g iur den: sehe ( < e e!! ■י r! ■ .1! t für j Ü cf, l־' a m i! i e n i o r .11 ־יי י־ u n g Di■.■ F!in:1e!ung an diesen Vor• Ol!!big -allein! uns um •a» mehr am Platze, ai-. z. Bdie Jahres- 1h 1 ich!»■ dev Wut o hat1 יי- und Fin.mz-ekt ion d<׳s \bdkaibundes Weiler dir* 1 1 andel-bilanz noch die Zahlung-) üia nz Palästinas vehüfeMIn hen. Andeivr.-cils ist zu erwähnen, daß der Board of ‘iüade eי b";r zweckmäßig er,uh• t et ha’, den Außenhandel Palä-Uüafür das Jahr 1935 zum er•׳!eum.d ge.-onder: au-zu'v<־is.cn. iel!1 ־le!;! wärt‘ c•- eine Aufgäbe deju׳ugegri: ndeten Instit ms |ur Wärt schaft >lo1 -chung, den in b'rage M» hcinlcn Pro* bl»'!!!!-. 11׳ izu ־׳ י ןI! n ■! s. In aU'ge/eie'lmeter Ihm lutehtung Fmanuel Weiner f!r40fyJteJu1ic »ßAC« Juden und Araber Wo findet man I ainilien-Urkunden? Palästinas Außenliandel Aus dem Ungarischen übertragen von Ludwig Dato 9• FortseUunjf Nachdruck verboten Uns hal>en die Angelegenheiten der Frauen wenig interessiert. Auch das Schicksal der Witwe des Rabbi Elcasar nicht. Bloß die Figur des leidenden Meisters hat sieh tief in unser Ilerz eingegraben. Und mit ihm zusammen ein anderer leidender Rabbi, der eines Kalbes wegen die Züchtigung auf sich nahm. Eines 'Tages flüchtete ein Kälbchen vor dem Sehlachlmesscr unter seinen Mantel. Er aber stieß es zurück: ״Fort mit dir. Dazu bist du doch geschaffen!“ Später tat ihm das Herz leid ob seiner Grausamkeit, daß er das gnadenreiche Beispiel Gottes, von dem geschrieben steht: ״und er erbarmt sich aller seiner Geschöpfe“, nicht befolgt hatte. Zur Buße nahm er freiwillig für dreizehn Jahre Leiden auf sich. Auch seine Wehklagen drangen bis zu den Meeren und verwirrten die Ordnung der Welt. Der Frühjahrssegen blieb aus und die Aeliren verbrannten. Mit ihm litten Erde und Himmel und das ganze All. Nur eine neue Aeußerung seiner Ilcrzensgüte erlöste ihn. — Das größte Glück ist ״leiden aus Liebe“. So lernten wir’s in der ״Mittleren Pforte“. Und wir wußten, daß der Messias selbst unter furchtbaren l eiden vor den Toren Roms sitzt, seine »Winden verbindet und dergestalt der Zeit harrt, um die Welt erlösen zu können ... XI. KAPITEL Aber nicht immer war das Leben so ernst und das Märchen so düster in der ״Mittleren Pforte“. Im Laufe des langen Winters kam uns ab und zu auch das Lachen an. Konnte es denn ein lustigeres Bild gehen als die beiden dicken Meister, Rabbi Jischmael bar Josse undRabbiElensar bar Schimon, von denen wir gelernt hatten: ״als sie einander begegneten, konnte ein Rinderpaar zwischen ihnen durch, gehen, ohne sie zu berühren"? Und hierzu Rasehis liebliche Lrklürung: ״Zwischen ihnen, das heißt unter ihren Bäuchen, da jeder von ihnen einen so großen Bauch hatte“. Wir hielten uns den Bauch vor Lachen, als wir uns diese Szene vorzustellen suchten. Die zwei Meister stehen mitten auf der Straße einander gegenüber, streiten über eine schwierige Frage und sind derart vertieft, daß sie gar nicht merken, wie ein Rinderpaar, das von der Weide kommt, gemächlich unter ihren Bäuchen hindurchspaziert, ohne sie mit den Hörnern zu berühren! Wir versuchten, dieses Bild aus der Phantasie nachzuzeichnen, cs gelang jedoch nicht. Dann überlegten wir uns, daß es doch nicht anginge, die heiligen Tanaiten zu verhöhnen, und da zerrissen wir die zeichnerisehen Entwürfe. Zum Glück, bevor sie noch Reb Scholem in die Hände fielen. Auch Rabbi Schimon ben Chalafta war so furchtbar dick, lasen wir. In der großen Hitze sprach er zu seiner Tochter: ״Kühle mich mit deinem Palmenfücher ab.“ Inzwischen erhob sich ein erfrischender Wind, worauf der Meister bemerkte: ״Siehe, wie viele Palmenfücher hat nur unser Herr!“ Und wir unterhielten uns königlich über die Einwohner von Pumbadila, die ״den Elefanten durchs Nadelöhr führen“. Hiervon lasen wir oft, wenn Rabbi Ajnram oder ein anderer Lehrer in ihren Fragen allzu haarspalteriseh waren. Da pflegten die Meister aus Nehardea ironisch zu entgegnen: ״Bist du etwa auch aus Pumbadila, wo man die Elefanten durchs Nudelöhr schiebt?" Und wie großartig war nur der schlaue alte Mann, der dem dicken Rabbi Jischmael ben Josse einen Schabernack gesnicU hat. Er schleppte ein Bündel llolz durch die Straße und hielt gerade eine kurze Rast, als er dem Meister begegnele. Der Alte bat ihn: ״Hilf mir, heb mir’s auf den Rücken.“ Es ist ein Gesetz der Thora, dem Lastträger behilflich z.u sein. Was konnte er tun? Und so sprach er zum Alten: ״Was ist das Ganze wert?“ — ״Einen halben Golddenar.“ — ״Hier, nimm einen halben Denar und ich gebe das Ganze frei.“ — Der Alte nahm das halbe Goldstück, dann schleppte er das Bündel weiter, wodurch er es von neuem in Besitz genommen hatte und nun forderte er wieder den Meister auf, ihm zu helfen. Dieser gab ihm von neuem einen halben Golddenar, fügte jedoch hinzu: ״Ich gebe das Bündel für die ganze Well frei, nur für dich nicht.“ Und wie klug war auch der Vater des Rabbi Jischmael, Rabbi Josse. Er traf stets den Nagel auf den Kopf. Und man gab ihm immer recht. ״Zwei Männer hintcrlegen Geld bei einem Dritten, der eine hundert Denare, der zweite zwcilu-i f'eri. Der eine sagt: Ich gab zweihundert, der andere sag): i<h q:!> zweihundert. Was ist da zu tun? Nach der Misch;!:! sind dem einen hundert nuszuznhlen und desgleichen dein andern. Der Rest bleibt in Aufbewahrung bis zum Kommen des Propheten Klijahu. Da warf Rabbi Josse ein: ,Wenn dem so ist, was hat der Betrüger \erloren?‘ (Da hat er doch kein Risiko, wenn er das Gut des andern fordert — erklärt Ruschi.) Das Ganze ist bis zum Kommen des Propheten Klijahu zu Iiinterlcgen.“ Ferner leimen wir im Abschnitt ״Hnmafkid“ (wenn jemand in Verwahrung gibt): ״Hat jemand eine Kuh in Miete genommen und sie einem andern geliehen und diese verendete dun!> natürlichen Abgang, so beeidet: der Miel er, daß die Kuh durch iiatürliehen Abgang verendete mul da hat er dem Eigentümer keinen Schadenersatz zu leisten. Dagegen hat der Mann, der die Kuh unentgeltlich ausgtl ichen halte, den W ert der Kuh dem Mieter zu ersetzen, Da .sprach Rabbi Josse: Wie darf er sich an der Kuh eines andern bereichern? Die Kuh hat zu ihrem Eigentümer /,urüekzukehi en!“ ln Babylon pflichtete man der ersten Auffassung bei. Da sprach llabhi Sera: Nun kann ja Vorkommen, daß der Eigentümer seihst dem Mieter mehrere Kühe zu ersetzen hat. Wieso denn? F.r hat eine Kuh für hundert Tage in Miete genommen. Nach einigen Tagen lieh sich der Eigentümer die Kuh aus, und sie verendete I>ei ihm. Da ist der Mieter jeder Yerpflichtung enthoben, hingegen hat der Eigentümer den Wert der Kuh dem Mieter zu ersetzen, von dem er die Kuh unentgeltlich geliehen erhielt. Was ist denn der Unterschied, ob sie einem Fremden oder dem Eigentümer geliehen wird? Dem Todesengcl kommt es nicht darauf an, ob sich die Kuh hier oder dort befindet. Uuberdics hat der Eigentümer dem Mieter für die restlichen Mieltoge eine neue Kuh zur Verfügung zu stellen. Und so fort. Der Mieter kann auf diese Weise gegen eine Mictgebühr für hundert. Tage in den Besitz einer ganzen Kuhherde geiangen. Und dies wäre denn doch nicht gerecht.“ Wir wunderten uns gar nicht, als wir später lasen, daß ״Rabbi Sern, als er himml/og nach dem Lande Israel, hundert Tage fastet«, um alles zu vergessen, was er in Babylon gelernt hatte.“ Es war auch nicht leicht, so verworrene Fragen im Gedächtnis festzuhalten. Ueberdies halte damals die Außenweit unser Interesse allzu seingefangen genommen. Strenger Winter herrschte, dichter Schnee bedeckte das ganze Dorf. Auf den Häusern lag eine weiße ,Schneedecke, dicker als das braune Strohdach. In den Glieder gingen w ir in hohen Röhrenstiefeln, die nb und zu bis zu den Knien im weichen Pulverschnee versunken. Vom Bach war keine Spur zu sehen. Bloß die Kinder schaufelten sich da und dort einen Pfad, um auf dem Eis ein wenig umherzurutsehen — freilich ohne Schlittschuhe. Die Menschen zogen sich in warme Stuben zurück. Im Laden erfror jeglicher Verkehr, ln