Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 33 (24.4.1936)
- Date
- 1936-04-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 12 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 33, 74. IV. 1936 Das Haus des Siedlers In ״T1 a m i in“, dem Organ der Moschawe Owditn (Einzclsicdfungcn von Arbeitern mit Verpflichtung zur Selbstarbeit und gegenseitiger Hilfe), wird auf die Gefahr hingewiesen, die die Errichtung eines Wohngebäudes für die wirtschaftlichen Perspektiven der Neusiedlung bedeutet. ״Als sich die ersten Arbeiter im Emek Jesreel ansiedelten, wohnten sie — auch die Maiariakranken — in Zelten. Die Wahr- Zeichen der Siedlung von heute aber sind schöne und gutausgestattetc Wohngebäude. Wäre diese Erscheinung das Resultat einer normalen wirtschaftlichen Entwicklung, so könnte man sich darüber freuen. Es handelt sich aber gerade um das Gegenteil. Die Errichtung solcher Gebäude in den Arbeitersiedlungen ist durch nichts gerechtfertigt, und sie kann leicht die Ursache zu Mißerfolgen werden. Das Geld, das dem Ansiedler zur Verfügung steht, ist ja in keinem Falle ausreichend, und fängt man nun noch an, das Haus und nicht den Hof in den Mittelpunkt der Wirtschaft zu stellen, so kann das Ganze leicht scheitern. Wer sagt uns denn, daß es verboten ist, mit Holzbaracken zu beginnen? Seit wann ist das ausgemacht? Die Banken freilieh geben lieber Anleihen auf das Haus als auf andere Teile der Wirtschaft. Aber diese Tendenz der Banken dürfte keinen Einfluß auf den systematischen Aufbau der Wirtschaft haben. Wir sind zu dem absurden Zustand gelangt, daß wir, statt eine Wirtschaft aufzubauen und dann zu versuchen, zu einem anständigen Hause zu kommen, ein Haus bauen und dann sehen, zu einer Wirtschaft zu kommen. Es soll nicht einer schlechten, gesundheitsschädlichen Baracke das Wort geredet werden. Die Dinge liegen anders. In einer neuen Arbeiter- Siedlung zum Beispiel gibt die Rank HO Pfund für das Haus, und der Siedler muH 65 Pfund aufbringen. Für diese (13 Pfund könnte man eine sehr gute Baracke in der Größe des geplanten Hauses bauen, ohne daß der Siedler irgendwelche Schulden auf sich nimmt. Es wäre viel Wirtschaftlieber, aut Batiaulciiien zu vcr/ichten und die Siedler gerade in den ersten schweren Jahren der Ansiedlung von überflüssigen La-ten frei/ulialfen. Und dabei begnügen sich die meisten Siedler gar nicht mit dem Bau, sie versuchen die Ausstattung des I lauses so vollkommen wie möglich zu gestalten, sie treiben eine Art Kult mit ihm und sind bereit, alles für es zu opfern. Es et lieht sich die Frage, wer das zum Schluß bezahlen soll. Die leiden der ersten Arbeiter- Siedler in den schlechten Baracken in Nahalal und Kfar Jccheskeel sind nichts gegen die Schwierigkeiten und Widervvartigkeiten, die diese neuen Siedler mit ihren schönen, gut ausgestatteten Hausern auf sich herabbeschwören. Die palästinensische Landwirtschaft kann solchen Ansprüchen sicher nie genügen. Der Kleinbauer in Palästina wird stets nur sein dürftiges Auskommen hei harter Arbeit haben. Die Wirtschaft wird ihm mit Hilfe seiner Heranwachsenden Kitider sein Brot gehen, aber er darf die wenigen Produktionsmittel, über die er verfugt, nicht belasten.“ Für die ferne Diaspora Aus Tel-Awiw wird uns geschrieben: Iri Jerusalem wurde, wie hier berichtet, kürzlich ein Verein gegründet, dessen Hauptaufgabe es isf, den Kontakt mit den ״Zerstreuten Israels'׳ rege zu haltert. Es ist dahei an diejenigen Teile der Judenheit gedacht, die den Kontakt mit der Gcsamtjudcnheit mehr oder weniger verloren haben, und zutn Teil auch nicht mehr offiziell dem Judentum angehören. In einem Aufsatz im ״Dawar" erklärt A. S. E s c 11 k o 1 i die Aufgaben dieses Vereins näher. Er führt aus, daß alle Teile der Diaspora, die nahen und die fernen, im Grunde das gleiche Schicksal erlitten oder erleiden, und daß eigentlich kein Grund zu einer geographischen Teilung der jüdischen Geschichte vorhanden wäre. Die Verbindung der fernen Teile der Judenheit untereinander sei früher allein durch die Abgesandten aus Palästina aufrechterhalten worden, die ferne Länder bereisten, um Geld für das Heilige Land zu sammeln. Durch sie wäre auch die erste Kunde über kleine versprengte Gruppen zu den übrigen Juden gedrungen. Auch jetzt gehen aus Palästina Abgesandte 111 die entferntesten Länder, und Palästina falle die Aufgabe zu, das Zentrum für alle verstreuten Teile der Judenheit zu sein. Dime Aufgabe, will der neue Verein pflegen. Der erste Schritt dazu muß die Einberufung eines Kongresses sein, an dem sich auch Vertreter der kleinen Gruppen selbst, soweit sich solche in Palästina befinden, beteiligen sollen. Au: dem Kongreß soll über den demographischen, sozialen, kulturellen, ökonomischen und politischen Zustand aller versprengten jüdischen Gruppen referiert werden. Es sollen ständige Komitees für die einzelnen Gruppen gegründet werden, und zwar schlägt Esehkoli folgende Teilung vor: E Kurdistan, Zentralasien, Kaukasus. 1. Nordaftika. 3. Jemen, Indien und Abessinien. 4. Vcrsprengte Reste in Asien und Afrika, 5. Samaritaner. 6. Karaer. 7. Schabbat-Huter im Kaukasus, in Zentralrußland und Ungarn, 8. Pseudo-Juden (Anhänger Sabbatai Zwis und Frankisten). 0. Marannen. Fs soll ferner eine Bihliographie der ganzen Frage begonnen und ein Sachindex über jode Gemeinde und Sekte angelegt werden. Man will auch eine Sammlung folkloristischer, ethnographischer und sprachlicher Materialien gründen, Dokumente, Trachten, Ritualgegenst.inde, Bilder tisw. sammeln und so die Gründung eines besonderen ethnographischen Museums vorbereiten. Um einen Goldschatz in Palästina. Eine etwas abenfeuerliehe Geschichte wi;d von mehreren deutschen Zeitungen auf Grund eines Prozesses berichtet, der sich in Duisburg abgcspielt hat. Dem Prozeß, dessen Einzelheiten hier beiseite bleiben können, liegt folgender Tatbestand zugrunde: Ein Mann, der in einer deutschen Pionier-Abteilung gegen Schluß des Weltkrieges den Rückzug in Palästina mitgemacht hat, erklärte vor einiger Zeit, daß beim Rückzug eine Anzahl von Kisten mit gemünztem deutschem Gold im Werte von ungefähr 1 Million englischen Pfund im nördlichen Palästina vergraben worden sind und behauptet, als einziger Ueberlebender den Aufbewahrungsort dieses Schatzes zu kennen. Er bemüht sich seit zwei Jahren, eine Expedition nach Palästina zusammenzubringen, um diesen Goldschatz zutage zu befördern. Es wurden Vorbereitungen hierfür getroffen, wobei die englische Regierung, sowie die deutsche Regierung im Falle der Auffindung des Goldes Ansprüche auf einen entsprechenden Anteil stellten. Es stellte sich jedoch heraus, daß der in Istanbul sitzende Geldgeber für die Ausrüstung der Expedition ein Jude war, worauf die deutschen Teilnehmer die Zusammenarbeit ablehnten. Da sich kein neuer Geldgeber fand, mußte die Sache zunächst aufgeschoben werden, die Bemühungen werden jedoch, wie in den Zcitungen berichtet wird, fortgesetzt. Familien-Nachrichten Herr David Kling er, Kirjath Bialik, begeht am 25. April den 60. Geburtstag. Kunst in Palästina Jerusalemer Kunstbericht Jerusalem, Erew Peßach Die Ausstellung Rubin bei Steimatzky war ein so durchschlagender Erfolg, daß sich der Künstler entschloß, ihr eine Schau seiner Aquarelle und Tuschzeichnungen aus den letzten drei Jahren anzugliedern. Zeigte uns die erste Ucbersicht Rubin als einen Meister der Oelmalerei, zumal auch der selten gewordenen großen Formate, so erweist sich der Künstler nun als ein subtiler Interpret der kleinen Dinge und verborgenen Schönheiten des palästinensischen Lebens. Vor allem die Tierstudien seien hervorgehoben. Rubin weiß, wie kaum eit! anderer mit wenigen Tuschpinselstrichen Kamele (liegende, trinkende, schreitende) aufs Papier zu werfen. Rubins Technik gemahnt zuweilen an die der Japaner. Und das ist vielleicht das höchste Lob, das man einem Zeichner spenden kann, denn wer hätte es vollendeter verstanden, mit anz wenigen Strichen eine Welt zu umreißen, als die leister des fernen Ostens. — Unter den Aquarellen, in welchen der Maler Rubin (den auch die Zeichnungen allcnthalben verraten) wieder alle seine Farbenpracht entfalten kann, ist besonders das unendlich zarte Blatt ״Blick durch mein Fenster“ zu erwähnen, das einen bezaubernden Ausschnitt aus dem Stadtbild Jerusalems gibt. Im Sitzungssaal des Jüdischen Nationalfonds zeigte der sehr begabte Haifaer Architekt Ben-Uri vor geladenen Gästen zwei sogenannte ״Horizontal-Zcichcnfilmc“, die viel Beifall fanden und denen eine stärkere Verbreitung zu wünschen wäre. Die überaus witzigen und amüsanten Bildstreifen, die ein zcichcnfilmtcchnisches Novum und eine sehr geschickte Verfeinerung der Laterna-Magica darstellen, eignen sich besonders zur Vorführung im Rahmen von Chanukkah- und Purim-Feiern und ähnlichen festlichen Anlässen. Der erste Bildstreifen, welchen Ben-Uri vorführte, ist eine wohlgelungene Bearbeitung des Midraschs von üewia Ben Tsissah, dem mutigen jüdischen ״Rechtsanwalt“, welcher die Sache der Juden vor Alexander dem Großen vertritt. Dieser gezeichnete Film (es ist tatsächlich mehr als eine beziehungslose Aneinanderreihung von einzelnen Bildern) steckt voll munterer Anachronismen und köstlichem Humor.!9er zweite Kurzfilm war eine — mit midraschischcn Motiven erweiterte — Bilderzählting der Megillath Esther. Ren-Uri verstand es vor allem, mit sparsamsten Mitteln die persischen Prachtbauten aut die Leinwand zu zaubern und die handelnden Personen auf das sinnfälligste zu charakterisieren. L Prcßmann, welcher den hebräischen Text zu beiden Stücken verfaßt hat, rezitierte selbst. Schalom Ben-Chorin Ausstellung ״Ein Mensch“ Es ist sicherlich eine der erstaunlichsten photographischen Leistungen, die Helrnar Lerski hier züstande gebracht hat. Ein Mensch, ein x-belicbiger Mensch, ein Alltagsmensch ohne jede besondere Bedeutung und ohne irgendwelche charakteristischen Gesichtszüge erscheint hier in 175 verschiedenen Aufnahmen. Nicht etwa als Genrebild, in ganzer Figur oder in verschiedenen Steilungen, sondern nur als Kopf in fast lebensgroßen Photos. Und diese 175 Aufnahmen zeigen den Menschen jeweils in so verschiedenen Ansichten und Auffassungen und geben so vollkommen wechselnde, ja man könnte wohl sagen, entgegengesetzte und bei ein und demselben Individuum kaum glaubhafte Gemütszustände und Tcmperamenfsäußerurigen wieder, daß man diese Summe des Mienenspiels selbst bei dem begabtesten Schauspieler nicht für möglich halten würde. Lerski hat, nur mittels Bcleuchtungseffekte, die durch Spiegelungen in greller Sonne erzielt sind, einen Menschen immer wieder photographiert und will damit den Beweis erbringen, daß in jedem Menschen eigentlich alles steckt, daß jeder in jedem Augenblick ein anderer ist und es nur des geschulten Auges bedarf, um ihn je nach unserer Einstellung so oder so zu sehen. Lerski selbst formuliert es folgendermaßen: Vom Gesichtspunkt aus ״ln jedem Menschen ist alles, die Frage ist nur, worauf das Licht fällt“ sind diese Aufnahmen gemacht, die die erstaunlichsten Charakterisierungen, das Antlitz verschiedenartigster Welten und Zeiten er״ gaben. Und wenn wir die Darstellungen unserer Künstler ln Plastik, Malerei und Graphik im Laufe der Jahrhunderte betrachten und hierbei zu ganz feststehenden Resultaten gelangt sind, daß wir z. B. den Typus der gotischen Schnitzfigur, den Renaissance- und den Biedermeiermenschen, den Menschen jeden Zeitalters, als einen besonderen Typ er״ kennen, so sei dies eben eine Form der äußeren Darstellung und allgemeinen Einstellung. Der Menschentyp an sich bleibe sich immer gleich und es müsse daher möglich sein, eine Einstellung für jede beliebige Darstellung zu finden. Der einfache Mann von der Straße könne demnach als überzeitlich eschen werden. Jeder Ausdruck ist in jedem zu finden — der usdruck ist Sache der Liehtgebung. Keine Schauspielerei, sondern Lichtspiel. Das Modell darf dabei nicht spielen, es ist sozusagen ganz ausgeschaltet und weiß nichts von dem, was mit ihm geschieht. Nur der Künstler schaltet frei mit dem Licht. 175mal erscheint daher in dieser Ausstellung in der Divan Galerie in Jerusalem ein Mensch, während man den Eindruck hat, als seien hier 175 Menschen dargesteilt. Das Experiment ist eigenartig, ja man kann wohl sagen einzigartig, und es erhebt sich nur die schwierige Frage: was bedeutet dies? Ist es Kunst oder nicht? Ist es Wahrheit oder Trick? Ist es bloß Lichtspiel oder Einblick in die menschliche Seelenkunde? Daß Lerski ein Kamcrakünstlcr besonderer Qualität ist, bedarf keiner Worte mehr. Aber diese neue Leistung verbjüjft und erschreckt zugleich. Denn Lerski hält uns hier einen Spiegel hin, in dem wir uns sehen, wie wir uns noch nie gesehen haben. Die Frage, was hier erreicht und auf diesem Wege er* reichbar ist, muß zur Diskussion gestellt werden, wobei die Vertreter der verschiedensten Wissensgebiete, die Künstler, Acrzfe und Analytiker das Wort ergreifen sollten. Diese Ausstellung müßte überall gezeigt werden. Ja, man sollte diese Aufnahmen in einem Buche in guten Reproduktionen herausbringen, um sie möglichst weiten Kreisen bekannt zu gehen. Lerski vertritt der! Standpunkt, daß Photographie vollwertige Kunst sein kann, und er ist von sich aus unserer Meinung nach zu dieser These voll berechtigt. Wie aber die Dinge auch immer liegen ■mögen, für den Künstler, zumal den Maler, eröffnet sich hier eine außerordentlich wichtige Studienquclle, bieten diese Aufnahmen hundertfältige Anregungen. Lind er sollte diese Gelegenheit nicht ungenutzt vorübergehen lassen. _ Dr. Karl Schwarz Goldenes Doktor-Jubiläum. Dr. Ed. Aronsohn, gegenwärtig wohnhaft in T c 1 - A w i w, feiert am 3. Mai sein goldenes Doktor-Jubiläum. Der Genannte wurde am 3. Mai 1886 an der Berliner Universität zum Doktor promoviert und hat 18% noch den Doktortitel an der medizinischen Fakultät in Lyon erworben. Er hat eine Reihe von medizinisch-wissen״ schaftlichen Arbeiten (Allgemeine Fieberlehre, 1906) ver״ öffentlich! und außerdem eine reiche charitative Tätigkeit entfaltet. In Bad Ems gründete er zwei interkonfessionelle Wohltätigkeitsanstalten (1900: Lehrerinnenheim, 1918: Gelehrtenheim) und zwei jüdische, ein Waisenhaus für Mädchen 1897, das vor einigen Jahren in ein Heim für jüdische Geiehrte und Kantoren umgewandeit wurde, und ein Krankenhaus für jüdische Kurgäste 1838, das 1933 von der Jüdischen Gemeinde in Bad Ems aufgelöst wurde. Wir wünschen dem Jubilar, der in Palästina eine zweite Heimat gefunden hat, einen angenehmen Lebensabend. Momentaufnahmen Von Anselm Bing, Jerusalem Haba'ale-batim sdielanu In einem Cafehaus in Tel-Awiw sitzt ein Herr, der ein Kind unaufhörlich mit Kuchen und Schlagsahne füttert und ihm dabei liebevoll zuredet: ״Noch einen Löffel für den Aha, einen für linaie. Du willst nicht? Du wirst doch ein gutes Kind sein! Ein gutes Kind, ja? Du bist ein gutes Kind, das fein essen kann!“ Das etwa vierjährige Kind sträubt sich energisch und schreit plötzlich: ״Nein, nein, ich will kein gutes Kind sein! ich bin ein böses Kind! Ein böses Kind bin ich!“ Der Vater füttert mit gleicher Zärtlichkeit und Hingabe weiter, ohne sich im geringsten um die häßlichen Worte seines Lieblings zu kümmern. ״Noch, einen Löffel für Mirele, noch einen für Duwiddel!“ Diese Szene wiederholt sich. Ein Gast am Nebentisch, dem das sichtlich zu bunt wird, sieht das Kind streng und böse an, worauf der Junge sich ihm zuwendet, ihm die Zunge herausstreckt und in frechem Tone ruft: ״Bäh, geh zum Teufel, du...!“ Der fremde Herr sagt zum Vater: ״Hören Sie mal! Sie tun Ihrem Kind keinen Gefallen, wenn Sie ihm alles durchgehen lassen und es derartig verwöhnen. Später, wenn der kleine Ihnen auf dem Kopf herumfanzen wird, werden Sie begreifen, wie verkehrt Sie ihn erzogen haben!“ Darauf antwortet der Vater, selig lächelnd: ״Was soll ich tun! Unsere Kinder! Eie hem haba’ale-batim seheianu!“ (Sie sind doch unsere Herren!) Nicht so schüchtern! Vor einem Cafe in Jerusalem sitzt ein Gast und trinkt seinen Tee, während er mit der linken Hand dauernd die Fliegen vorn Kuehenteller verscheucht. Ein Bettler, der im Gegensatz zu seinen Berufskollegen ziemlich verschüchtert ist, tritt heran und sieht sich suchend um. Der Gast verscheucht mit so heftiger Bewegung Fliegen, daß der Bettler diese Bewegung mißdeutet, auf sich bezieht, stutzt, sich seufzend umdreht und fortgeht. Ais der Gast aufblickt, begreift er das Mißverständnis, sucht nervös in allen Taschen, eilt mit einer Münze in der vorgestreckten Hand dem Bettier auf die Straße nach und reicht sie ihm. Der Bettler nimmt das Geldstück, blickt dem sich Entfernenden stumm nach, schüttelt den Kopf imd geht in das gegenüberliegende Cafö. Immer gemütlidi! In der Kurve einer Straße, die zum Bahnhof von Haifa führt, überquert ein alter Mann, langsam am Stock gehend, die Straße. Ein Autobus kommt um die Ecke, bremst scharf und steht zwei Meter vor ihm still. Der alte Mann erschrickt und geht nicht weiter. Er wendet sich um, weiß nicht, ob er vorwärts oder rückwärts gehen sol! und bleibt zögernd stehen. Der Chauffeur steckt duu Kopf zur Eingangstür des Autobus heraus und ruft laut und gar kein bißchen aufgeregt die jiddischen Worte (in der richtigen Annahme, daß der Mann noch nicht Hebräisch versteht): ״Alter, halt net auf dem Maschin!“... Der alte Mann lächelt und geht —׳ sich immerzu vorsichtig umschauend — zum Trottoir zurück. Sprachbegabt In der Eisenbahn zwischen Haifa und Ras-el-ein fährt eine Gruppe amerikanischer Touristen, die mit einem ״Einheimischen“ in jiddischer Sprache ein angeregtes Gespräch führen, ob man mit diesem Zuge bis Tel-Awiw fahren könne oder ob man in Ras-el-ein aussteigen muß, darf, soll. Der ״Einheimische“ erbietet sich, den Schaffner zu fragen und tut das in klarem Arabisch. Der Schaffner entscheidet, ebenfalls arabisch: ״Ras-el-ein aussteigen!“ Er klappert mit seiner Knipszange und wendet sich schon der nächsten Gruppe zu, um deren Fahrkarten zu knipsen, während der ״Einheimische“ den Bescheid ins Jiddische übersetzt und in derselben Sprache hinzufügt, es sei doch möglich, bis Tel-Awiw durchzufahren. Da wendet sich der Schaffner um, zieht die Stirn in Falten und sagt im reinsten Jiddisch: ״Ihr wißt besser, von mir?“ Darauf schallendes Gelächter, gegenseitiges begeistertes Schulterklopfen, und ein Päckchen amerikanischer Zi״ garetten verschwindet in der Tasche des Schaffners. Der Mann versteht sein Geschäft Kurz vor den Kongreßwahlcn stehen eine Menge Männer vor einer Anschlagsäule an einer Straßenkreuzung in Haifa. Sie lesen die Wahlplakate und diskutieren heftig die Ziele und den Wert der Parteien. Ein Radfahrer kommt hinzu, lehnt sein Rad an die Säule und ermuntert die Streitenden durch Zurufe. Die beiden Hauptwortführer bieten sich auch bereits Ohrfeigen an, und es sieht so aus, als ob es gleich zur Rauferei kommen könnte. Freunde halten die Kampfnähne auseinander, fassen sie an den Armen und zerren sie zurück. l>ie Stimmung ist gereizt, lind die Situation erscheint bedrohlieh. Da verläßt der Polizist auf dem Fahrdamm die Schutzinsei und kommt auf die Gruppe zu. Die Augen der Zuschauer werden erwartungsvoll, man spürt bei den Jungen die Freude am bevorstehenden Krach. Der Polizist schaut sich die Sache einen Augenblick an und sagt; ״Hier ist kein Ratz für Fahrräder!“ Der Radfahrer schiebt langsam sein Rad fort und bleibt abwartend am Trottoir stehen. Der Polizist zu den übrigen: ״Und ihr, wenn ihr Politik machen wollt, so geht drüben ins Cafe, da stört ihr keinen!“ Die Zuschauer lachen und stoßen sich an; die Streitenden sehen leicht geniert aus, bringen den Gürtel in Ordnung und drängen sich langsam aus dem Knäuel der Umstehenden, die dann ebenfalls — laut und angeregt sprechend — weitergehen. Der Polizist steht schon wieder auf seiner kleinen Ins« und fuchtelt ernsthaft mit den Armen in der Luft herum. f0r Treppen, Läden. Anschläge kostenlos QroBes Lager In Cocos-, ■IllVldllll Zimmer und Köchen la Refer. / Gegr. 1898 Bouclöu. VelouriBufem Fritz Stoehr Memhardstr. 18 IrQhar• MOnzstr. IT El a»rotln«1aSS.«T