Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 32 (21.4.1936)
- Date
- 1936-04-21
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU NR. S2, 21. APR11 T936 S5*SÄ w:׳;־ ÄK!;*:;:Ä £״<<; Veranstaltungen Schon eine Woche in der Schule! Zeitgenössische Opernprobleme. Dr. Anneliese Landau begann ihren Vortrag über ״Zeitgenössische Opernproblemc“ mit einer Scheidung der Begriffe zeitgenössisch und modern und wandte sie gleich auf Korngold an, der wohl jung sei, aber eine ältere Stilrichtung vertrete, Schreker ordnete sie mit Pfitzner unter die ״Siegelbewahrer Wagners“; seine Musik sei zudem wesentlich impressionistisch. Bei Richard Strauß regiere das Wort; der Tonfall werde in seinen Werken in die Musik übertragen. Alban Berg forme die Szenen seines Wozzek konzertant aus. Sie lehnte das ab mit der pragmatischen Erklärung, daß man diese kammernuisiknlisehen Elemente gar nicht wahrnehmen könne. Honeggcr habe die beiden Elemente: reine Musik und reines Drama vereint, — Llindemith dagegen nicht; bei ihm habe der lnhalt nichts mit der Musik zu tun. Diese Formulierung ist von einer psychologisierenden Musik abstrahiert, aber nicht von der des Mittelalters, deren Haltung Hindcmith zum Vorbild hat. Eine Ablehnung neuer Musik darf heufe nur aus einer besonders tief schürfenden Untersuchung resultieren. Schonherg lege, so führte Dr. Landau weiter aus, mehr Gewicht auf Bühne und Bewegung als auf das Wort; van hier sei nur noch ein Schritt zur Pantomime etwa von Weilesz oder zu den Filmmusiken von Rathaus. Weil Schönberg mir deklamatorische Oesangstimrncn schreibt, deswegen legt er sich noch längst nicht auf bioße Aktion fest; im Gegenteil, sein Orchester ist ihm ein Mittel, tim seelische Bezirke zu erhellen. Eine ״Nachkriegsgeneration“ stehe egen Schönberg auf, verachte die Musik als Spiel, prolamiere das Zeittheater, die ״Alltäglichkeit“. Sie lasse sich vom Jazz anregen. Als ein Beispiel wird ״Jonny spielt auf“ Von Krenek erwähnt. Unter Opern, die volkstümliehe Elemente enthielten, tauchte Weinbergers ״Sclnvanda“ aut, der in einer Geschichte der modernen Oper wenig zu suchen hat. Von Komponisten von Lehrstücken wurden Dessau, Uindemith, Toch erwähnt. ״Oedipus rex“ von Strawinsky w׳ird eine Lehroper genannt, was nicht xutrifft, da das Didaktische in ihr nicht vorwiegt. Milhaud, der Schöpfer des ״Columbus“, schaffe das religiöse Mysterienspiel, zu dessen Bau ״die ganze Alonalität!!erhalten muß“. Dr. Landau schloß ihren Vortrag mit der Bemerkung, daß der Folklorismus in der Oper nur ״Ruhepunkte“ ergeben könne, aber keine Entwicklmigsmögiichkeiten, Bartok hat uns eines Besseren belehrt. — Walter Olitzki und Ruth Wolffreim trugen Beispiele aus neuen Opern vor; Seelig- Baß war ein vorzüglicher Begleiter und Solist. Dr. H.N. Beatrice Freudenthal-Waghalter, deren Namen man oft in Programmen ausländischer Sender begegnet, stellte sieh am 10. April den Berliner Juden vor — strahlend, in bester Laune, mit einer gewissen Droferie, die keck ist, ohne Spitzbiibischkeit. Sie ist Disease, sie ״tritt auf“, sie spielt^ — das erfordert ihr Genre. Ihre Chansons erhalten den Stil, den sie brauchen und der in ganz Europa Konvention ist. Am pointenreichsten wird das szenisch gut ausgearbcitctc ^,Nous resterons eher nous“. Von den Volksliedern gelangen am besten zwei südliche: ein spanisches ״No quiero casarme“ und ein italienisches ״Funjctiü-ftinicula“; gerade dieses erhielt etwas, was weder Charme noch sogenannte gute Vortragskunst gehen können — was den wundervoll federnden Rhythmus ausschwingen ließ und das Lied mit Landschaft umgab. Von den beiden Jargon-Liedern haben wir schon schlichtere und schlagendere Lösungen erlebt. Zu dem palästinensischen Wiegenlied von Engel und ״Erew Schabbes“ von Ignatz Waghalter — sein gerühmtes Ghettolied war aber eine rechte Enttäuschung — hatte sie zweifellos stärkere Beziehung. Sie ist im ganzen eine liebenswürdige Frau, die unterhält und dabei stets in ihrer Kunst auf ein gutes Niveau achtet. Ihr Begleiter war Leo Schönbach. Dr. H. N. Eine neue Puppenkünstlerin. Be! Gelegenheit der kfinstlerischen Veranstaltungen bei Frau Weil gibt es diesmal Werke guter Kleinkunst zu sehen. Hcnny Lappe benutzt als Material Wachs und zeigt, teils bemalt, teils nur geformt, Köpfe und Hände voller Intensität und musikalischen Ausdrucks. Namentlich die Hände sind durchweg musiitalisch-rhythmisch aufgefaßt. Manche Hände halten Blumen, eine kleine Madonna trägt einen Kranz von Rosen, und Rosen liegen in den Ecken, Es ist eine sehr weibliche Kunst und die Madonnen sind träumende Frauen oder Eine Rundfahrt durch Der Ostertermin bedeutet für Tausende von Kindern einen wichtigen Einschnitt in ihr Dasein: Schulbeginn! Mit Sorgen und Sehnsüchten haben die Eltern diesem Tag entgegengeschen, und stolz begleiten sie nun ihre Sprößlinge mit guten Ermahnungen auf dein noch nicht vertraut gewordenen Schulwege, Vor den Schulgebäuden sieht man schon lange vor der angesetzten Zeit die Mütter mit ihren Kindern aufgeregt hin- und hergehen oder in lebhafte Gespräche verwickelt, lind eine Viertelstunde vor Beginn des Unterrichts formiert sich der durch einanderplappernde Haufe ranzentragen־ der lind mit Brotbüchsen bewaffneter Kinder in Zweierreihen vor dem Gebäude, um sich still und ordentlich ln die Klasse geleiten zu lassen. Wir haben in vier jüdischen Volksschulen Berlins an einem Vormittag einen Blick in diese Anfängerklassen getan und dabei bemerken können, daß die Kinder sich offensichtlich bereits jetzt nach wenigen Tagen zu Hause fühlen, daß sie mit den Lehrern oder Lehrerinnen schon sehr schnell vertraut geworden sind und zunächst einmal den Eindruck haben können, daß in der Schule nichts anderes getan wird als Singen oder Malen. Mit Zeichenblättern vor sich sitzen die kleinen Mädchen und Jungen da und versuchen, sich an die richtige Führung eines Buntstift« zu gewöhnen, und sind sehr erfreut, wenn da» Resultat ihrer Bemühungen ein möglichst farbiger Klecks ist. Welche Unbeschwertheit, welche Fröhlichkeit herrscht in dieser Klasse der Sechsjährigen! Was man oft aus früheren Zeiten gewohnt war, daß nämlich die Kinder sehr häufig in den ersten Schultagen sich unglücklich fühlten und weinten, scheint jetzt gesclnvimden zu sein. Nur einzelne — verschwindende Ausnahmen — haben diese ,,Tradition“ früherer Generationen aufrecht erhalten; der Rest geht mit dem gleichen Selbstvertrauen in das Schulleben, mit dem er einmal ins richtige Leben hineinschreiten wird. Freilich: so ganz leicht ist es doch nicht, ein Anfänger zu sein. Da gibt es nämlich noch ältere Schüler, die gern etwas geringschätzig auf die Kleinen heruntersehen. Insbesondere ekstatisch empfindsame. Auch die Clownköpfe sind voll Leben. Einige zeigen Weltdamen aus der Zeit von Beardslcy oder sind, so wie manche vornehmen amerikanischen Damen alter Tradition noch heute aussehen, mit langen Locken frisiert, Neben den Köpfen zeigt sie auch Puppen in ganzer Figur. Am besten wieder zwei Clowns. Bei dem einen sind Kopt und Hände und Schuh und Strümpfe modelliert. Aber auch die übrigen schlanken Glieder aus Stoff sind virtuos in ihrer ausdrucksfähigen Haltung. Der eine Clown sieht überlegen aus und ist schauspielerisch unerhört gut gesehen, der andere fast gespenstisch dämonisch. Die langen Manschetten wirken bei den Clowns wie bei den Damen der kleinen Köpfe, wo sie einmal modelliert sind, sonst aber aus Schleier uni Teil! oder Samt, sehr dekorativ. Alles in allem sehr subtile Kunst, die Förderung verdient. R. M. Erste Gesamtveranstaltung nach der Pause Dienstag, 28. April 1936, 20.30 Uhr, Logenhäus, KleiststraBe 10 Dr. David Schloßberg Der Zionismus als Gestalter der jüdischen Gegenwart Rlesaer, HarzI, Reading / Wohltätigkeit und Aufbau ׳׳ Dar Einzelne und die Gemeinschaft ✓ Judennöte in Ost und Wett / Wanderung nach Palästina und in andere Länder / Die Londoner Hilfsaktion / Sympathie oder verantwortliche Mitarbeit Oie Veranstaltung beginnt pünktlich Berliner Zionistische Vereinigung, westliche Bezirke die Anfängerklassen die 7. Klasse (die eben erst ihre erste Versetzung erlebt hat), sieht sehr mitleidig auf die ״Babies“ herab imil bedauert sogar — wie wir es in einer Schule erlebten — die Lehrerin, daß sie sich mit so kleinen Leuten abgeben muß! Mau sicht, der Korpsgeist entwickelt sich in der behüte erstaunlich schnell. Man trennt sich ungern von den frischen und trotz der vielfachen Armut der Eltern nicht schlecht aussehenden Kindern, um sieh von den Schulleitern einiges positive Material mitteiien zu lassen. Zunächst einmal wird jetzt in allen Schulen die Erfahrung gemacht, daß der Geburten- Schwund des Jahrgangs löiü sich recht fühlbar bemerkbar macht. Die Anfängerklassen sind nicht mehr so stark besetzt wie in den vergangenen Jahren. Wieweit freilich die Ans- Wanderung hierbei mitspricht, ist eine noch ungelöste Frage. In einer Knnbenvolksschule erfahren wir folgende Zahlen: W7■( lagen 11( Anmeldungen vor, l()Ti I!8, und in diesem Jahre mir 711, Dabei ist aber noch zu berücksichtigen, daß die Knabenjahrgünge durchgängig schwächer lies et zt sind als die Mädchenjabrgängr. Inimcrhin sind diese Ziffern tvp i s e 11 f ü r die g e 1: e 11 w ä r t 1 g e Sit 11 a t i o 11, d׳e sieh in den folgenden Jahren noch 111״hr verwharicn wird. Erschütternde Beispiele von d •!־ ^ebde.liteu so ׳iahen Inge der Litern zeigen uns die Sehulleiter; am spi e11׳׳em.Kte11 ist die Tatsache, T1;l überall mehr als die Hallt c den A ntra g a 11 1 S c 11 11 1 g e 1 d b e i r e i 11!! g gc.-tclit hat. 1 iennoch wird uns allseitig bestätigt, daß de■ Litern ihre Kinder gern in die j 11 11 j s e 11 e Ne 11 ule schicken, daß sie Vcrtrauen zu ihr haben und daß sie wir allem heute die Not- Wendigkeit einer hi'ir ■ieliendeii jmli .ehi.11 I )mcnbiUluug i.irer Kinder verstehen. Uuv, illkurm. h stellt man sieh Mn׳: wie wäre es, wenn ■sie es schon vor zehn Jak 11׳! ln g! ificii Iiäileii? Vielleicht würde heute vieles anders aaseben? Aber die Betrachtung der Geschichte in Konjunktiven ist nicht erlaubt. Ein neues Geschlecht wachst heran, dem das Scihstvcrstamllichkeit sein wird, worum wir a's Problem gerungen haben. Dr. N. Ausstellung von Schülerarbeiten der Adass-Schule. Zum Abschluß des Winterhalbjahrs \ ci am aalt etc die Adass-Nchule eine A u s s t e I 111 11 g v o 11 S c I! n I e r a r b e i t e 11 aus dem Hamlnrbeits- und Zeichenunterricht. Zeugnis von Geschmack und manueller Geschicklichkeit legten die mannigfaltigen Handarbeiten und keramischen Arbeiten ab. — Den Sinn für Farbe, Form und Komposition zeigten neben den allgemeinen Farbiibungen auch freiere Arbeiten, bei denen die Farbe nur als Aiisdnicksmittel benutzt wurde: Gerissene um! geschnittene bunte Papierschnitzel hatten die Kinder impulsiv zusammengestellt, nur mit dem Ziel, besondere Stimmungen atiszudrücken. - Harmonische Eläelu'iiaufteilung und Gefühl für das Organische einer Pflanze werden erarbeitet durch die rein verstandesmällige Entwicklung von ornamentalen Blumen, wodurch 7. B. sehr hübsche Dekorationen für Cliamischa- Assar-beschwat-Teller und Titelblätter entstehen. — Schriften werden außer für Plakate und Titelblätter auch 7mn Abschreiben ganzer Gedichte oder Geschichten verwandt. Durch dieses Illustrieren wird die Phantasie gckx'kert, die Kinder sehen auf einmal unbegrenzte Möglichkeiten und können impulsiv arbeiten. — Dieses Offensein, richtig Sehen und Eiiifiihlenkönnen erkennt man auch bei den Arbeiten, die aus der K u ח s t b e t r a c b 111 11 g heraus entstanden sind. Kopien nach Originalen, auch übertragen in andere Techniken, legten Zeugnis ab für das Linleben der Schüler in die Ligenart der verschiedenen Künstler. Eva Frankel Der Reichsverband Israelitischer Schwerhöriger (Risch) erweitert seine Aufgaben unter neuem Vorstand (Vorsitzender Justizrat Manasse). Das Sommerheim im (irunewald, Höhmannstr. 8, wird am 1. Mai eröffnet. Im Sommer sollen Wanderungen und Ausflüge stattfiiulen, im Winter allmonatlieh Vorträge. Allen schwerhörigen Mitgliedern werden unentgeltlich Ablesekurse geboten, sowie auf Wunsch gegen mäßiges Honorar Unterricht im Hebräischen. Interessenten werden gebeten, ihre Adresse Justizrat Manasse, Schm arge!»■ dort, ßerkaer Str. 32 35, aufzugeben. Veranstaltungen der Bezirke und Gruppen der BZV. Dienstag, den 21. April 50.30 Uhr BZV-Heim, Neukölln, Jigerstr. 6 Dr. Paul Eppstein: Zionismus und Auswanderungsproblem Hermaanplatz DifMiag', den 21. April 50.30 Uhr Cafe Wittalsbach, Bayerischer Platz 2 Dr Georjj Eubmski 1 Die innerjüdische Position de« Zioniemus in Deutschland Stadtpark Mittwoch, da. 22, April 20.30 Uhr Konditorei Hans«. Flensburger Str. 19 Dr• Edgar Rosem Palis tin» im politischen Krifteepiel des Vorderen Orients Han&a MiHwpdt, den 22. April 20-30 Uhr Spandau, Undenufer 12 (Synajfo^en־ Gebautle) Der Weg ins Land (Bericht von dar Tsitgkeit des Palästina- Amts) Gerhard Wallbach Spandau Sonnnbend, den 25. April 20,30 Uhr BZV-Heim, Neukölln, Jägerstr. 6 Ofteg Scliabbat. Es spricht: las Eisaer Hermaonplats Sonnabend, den 25. April 2030 Uhr BZV-Heim, Oranienstr. 170 Oaeg Schabbat Südgat Sonnabend, den 25. April 20,30 Uhr BZV-Heim Kantsir. 54 Oneg Sdbabbat HaiensM S«unebene!, den 25. April 20,30 Uhr Oberseh tinc weide, WiJbelmmenhofstr. 1 Einwelbaiigttfeiar des jüdischen Rclmi F.s spricht: Dr. Michael Trnvjb -- Mitwirkende: Dr. Leo Bareiynski (Gesang), Paul Blumenfeld (Cello), Gustav Sabel (Klavier) — Unkostenbeitrag: 50 Rpf. Oberspre« Sonnabend, den 2$. April 20.30 Uhr BZV-Heim, Kantstr. 54 Hebräischer Abend mit Palästina-Monatssehau Referent: Dr. Borodiaiiski KaHnrnhtmlunjj Raamhead. de« 25. April 20.30 Uhr BZV-Heim, Rosenthaler Str. 44 CNg Iwri Zentrum MAX RIEGEL ParUcrStr.'/S 29 J 2 Oliv* 5567. M. d. j. Handw.״V Lief. d. KrarjVenk orn* roro!Kaffee £ Camajoj?1״׳״"״״ 'Kakao direkter Beleg voe CAIMJO-Haiiee-Großrösierei Carl Max Josephs Bremen 1 Vertreter werden noch eingestellt Bebrauchten Lastwagen zu kaufen 8־*־». Off, u. K445 an Ani.-Abt. d. Jud. Rundschau, W 15, Meinekestr. 10 V-ITTjVb~TUVWlAn1VW^^rV^ VtVV ‘1V1. 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Spiro muß verschob». sv«rdan, de der Rat.rwit tum p.ll.tln.n.l.ch«n Aerzte-KongrsB delegiert vwrd. (Inka.!«.beitrag 30 Rpl. (fOr Mitglieder dir A»rTteB0se(lschatl tro») Aerztegese Ilse halt fOr Palästina der BZV.