Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1936-04-21 · Heft 32 (21.4.1936) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 32 (21.4.1936)
Date
1936-04-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2653922-2653953--28658-2690149
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seife 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 32, 21. IV. 1936 Vorwurf wird hier erhoben, d a B «ie aus de in, Wa s sie weiß, nicht die nötigen Konsequenzen zieht. Soweit hier bei das Kapitel einer aktiven zionistischen Politik de» arabischen Welt gegenüber in Betracht komm{, wiirde nicht die Erfolglosigkeit zu beanstanden sein. Der Einwand richtet sich lediglich dagegen, daß auch der auf■ merksamste Beobachter der Vorgänge keinerlei Syste» m a t i k und nicht ein m al eine politische Linie erkennen kann. (״Hatten wir hier — für die Lösung der jüdisch-arabischen Frage — ebensoviel Energien und Mitfel wie in die Londoner, Genfer usw. Politik investiert, so würden wir vielleicht nicht mir Erfolge gehabt, sondern unter Umstanden greilbarere Ergebnisse erzielt haben als in London und Genf*‘ — sagt ein gerade vor mir liegender Leitartikel des _״t1aarez“.) Mag auf außenpolitische m Gebiet die Haltung der Leitung immerhin ihre Grunde haben: unentschuldbar ist die völlige Inaktivität auf der inneren Front. Das jüdische Volk in- und außerhalb Palästinas reagiert auf die arabische Frage rein affektiv. Und es ist ein Gebot der Stunde, daß die Instinkte gelenkt und die nötigen Einsichten vermittelt werden. Aufklärung der Erwachsenen, Erziehung der Schuljugend in einem Sinne, daß sie die Zusammenhänge erkennt und den dreimal verfluchten Lieber- Icgenlieitswalm verliert. Die junge Generation muß wissen, daß wir auf Gedeih und Verderb mit dem Nachbarvolke verbunden sind und daß dessen ökonomischer, sozialer und kultureUer Aufstieg die Vorbedingung für ein Gelingen des jü» dischen Aufbauwerks ist. Und wenn auch die Araber uns heute siel! feindlich stellen und selbst weiseste Verständigungspoütiker im Augenblick vielleicht noch scheitern iniifiten — unseren Juden muß der Blick für die Zukunft geöffnet werden. ״Von niemandem beherrscht werden, aber auch niemanden beherrschen״, eine Formel, die Weizmann geprägt hat. Einwanderung, Boden, freie nationale Entwicklung: das ist unser unverzichtbarer Anspruch. Mehr brauchen wir nicht. Und wenn einmal ein politisches System geschaffen ist, das beiden Völkern, unabhängig von der jeweiligen zahlenmäßigen Majonut und Minorität, ein gleichberechtigtes, Vertrauensvolles Zusammenleben ermöglicht dann ist das erreicht, was Theodor Her/i erträumt und wofür die Treuesten der zionistischen Idee ihre besten Kräfte geopfert haben. Palästinas Außenhandel 1935 Von Dr. J. Adler, Tel-Awiw Die palästinensischen AulSenhandelsergebnisse für das Jahr 1035 wurden, in ihrer Gesamtheit und ihrer territorialen Gliederung, amtlich erst Mitte April lüiö publiziert, im Berichtsjaiir hat Palästinas Wareneinfuhr erstmals 17 Millionen pal. Pfund, Palästinas Warenausfuhr erstmals 4 Miflioneu pal. Pfund überschritten. Nachstellend vergleichen wir die wichtigsten Resultate von PJiä mit den beiden Vorjahren. Palästinas Handelsbilanz 1933, 1934 und 1935. Waren-Einfuhr Waren-Ausfuhr Ei1*fuhr-Ueber«ch«8 IV £P IV 1933 11 1 3 489 1934 15 1SZ 781 1935 17 853 493 2 591 617 8 531 872 3217 562 11 935219 4215486 13638 007 In der Ausfuhr-Rechnung ist nach wie vor der Zitrus- Exjnort (wobei neben Orangen auch Grapefruits zunehmend a» Bedeutung gewannen) der entscheidende Faktor geblieben, in der Einfuhr-Rechnung verschob sich der Schwerpunkt noch mehr ais bisher zu den Produktionsmitteln (Maschinen. Elcktrobedarf, Transportmittel usw.), den Rohstoffen mm Halbfabrikaten für Weitei Verarbeitung und den Bauni a t e r i a i 1 e n, während der Konsumgiiterbedarf dank der Rekordernte des letzten Jahres und gemäß dem Aushau der einheimischen Industrie naehließ. Der Passivsaido der Handelsbilanz wurde auch im Berichtsjahr, im Rahmen der Zahlungsbilanz, durch den KapitalzustroiH aus dem Auslande weltgemacht. Wichtigste Bezugsländer der palästinensischen Warenefnfuhr (nach absoluten Werten und in Prozenten der Gesamteinfuhr): 11m 1934 1935 £P H Fl* % £P H Ciroßhrit.inmen 1 17,53 706 60<׳ a 19.54 3112 37S 17,99 120 B־i?7 10,86 456 KV), ua 594 378 3,33 Deutschland im :vrt 10 71 m.> יי165 10,95 2197 144 12,31 Syricö-1 •ihanon 8,47 י €9 083 1 7.17 1 310 30 7,34 USA 8 Iß?74 7,54 1 283 <184 8,47 1 499 109 8,40 Rumünif.n SH! GUS 5 93 953 343 6,29 1?08 204 6,77 Fii! tikreich 575 159׳• in 417 601 2,75 350 103 %,ו Türkei Mo-H'SU 3.2/ 4 3 5•■׳ns 8.27 338 807 1,00 2 1022 7.2! 481 281?.58 449 446 2,52! fl n n n 949 859 3,15 593 553 3,92 645 695 3,62 74t) 3,1 '2 620 468 2י4,0 716 596 4.04 Tu־׳hccho.‘■! ov»׳akei 317**43 2,8! 5H 210 3,79 667 5 76 3,74 lä.15f n r2Wi 718 2,60 475 175 3.14 77S 789 4,36 Ot vierrctch 186 hTi 1 ,M 348!57 3,30 m) ״35 1,99 K’iihtsnii 1S7 r;37!,43 215 Ü33 1,42 234 607 1,31 S.Lw.-rlro 1?2?H 1,10 184 663 1 ,Ti 859 7י2 1,23 Hvlrmd 09׳ 117 06. ו 247?28 1,63 272 136 1.52 Öi 592 0.73 נ SO 452 1,19 219 776 1,23 Von diesen 18 wichtig•)! eil Be/tipdämier n haben ihren Anteil am p: tH-Rhi-im Rehen Import iin lahre 10 S5 gegenüber 1031 aleoint 111K1 rd; itiv erbe iht: Aeg\ •!)len, I)eutschlam 1, Syrien-l abanoii, Romani 11, die ׳; IRchech!!- ■ lowakei. , Polen, Scinveeien und der Irak; :11־ isoiut er höhl, jedoch relativ vermindert: (iroilhrnnnni( .׳n, ins. A., Jap!;in, Bd<7 ien, Oe sterreich, Rußlaiul und Ho Hand; ah mahlt um i relativ vermind ert: Frankreich, die Tiiikei und Italien (wobei der Einfluß der im November in Kraft gesetzten Sanktionen natürlich nur erst im Anfangs- Stadium zutage trat). Beim Bezug aus Frankreich wirkte der fortschreitende Ersatz französischer Kosmetik usw. durch ״To- 7ereth-i laarcz“-Produkte stark bremsend, und was die Türkei betrifft, so konnte angesichts der glänzenden Ergebnisse der palästinensischen WeizenProduktion die Einfuhr türkischen Weizens seit der Jahresmitte praktisch eingestellt werden. Wichtigste Absatzländer der palästinensischen Warenausfuhr (nach absoluten Werten und in Prozenten der Gesamfausfulir): 1933 1934 ms H 0' % 0 % 0 Großbritannien 1 559 496 «,17 1 785 014 51,48 3533 986 60,59 Deutschland 373 749 14,42 600 669 18,67 210 909 5.95 Syrien-!,ib«Q00 187 17 נ 8,23 23a 643 6,92 302 »88 7,19 71 967 3,77 70 484 2,19 77 402 1,83 Hoflind 53 853 2,08 77 481 2,41 ISS 438 4.40 Rumänien <0 620 1,57 60 485 1,8» *2 219 2,19 Dänemark 37 485 1,4S 45 799 1,43 3«m 0,93 Schweden 25 265 »׳,0 34 883 11» 54 234 11! Palen 15 122 0,58 «990 0,99 122 Mi 2,90 Unter diesen neun wichtigsten AbsatzWndem haben Ihren Anfeil am palästinensischen Export im Jahre 1935 gegenüber 1g34 absolut mul relativ erhöht: Großbritannien, Syrien-Ubanon, Holland, Rumänien, Schweden und Palen; absolut erhöht, jedoch relativ vermindert: Aegypten; absolut und relativ vermindert: Deutschland und Dänemark (beide Infolge devisenwirtschaftlicher Einschränkung de* Zitrus-Einkaufs). Berichtigung. In der ״Jüdischen Rundschau“ vom 24. 3. war eine Palcor-Meldung über Verhandlungen zwischen der lea bzvy. Emica und dem Keren Haicssad enthalten• Bei der Nennung des Keren Hajcssod handelt es sich um einen Druckfehler in der Meldung. Es muß richtig Keren Kaje m et h heiß״־׳ Soziai-Probleme Einwanderer - Fürsorge in Tel-Awiw Von Frieda Weinreich Unter dem Titel ״M i f a | Ictnaan Haoleh“ (Aktion zugunsten des Einwanderers) wird in Tel-Awiw in den breitesten Schichten des Jischuw eine Sammlung vorbereitet und zum Teil schon durchgeführt, deren Ergebnisse zur Errichtuug einer umfassenden, modernen Fürsorge- und Beratungsstelle für Olim aus allen Ländern verwandt werden sollen. W«r palästinensische Verhältnisse kennt, wer vielleicht selbst noch nicht vergessen hat, wie unsicher, wie rat- und hilfsbedürftig er kurz nach der Einwanderung gewesen ist, wer die Einwaiidermigspsychosen in allen Schattierungen miterlebt hat, wird ermessen können, wie außerordentlich wichtig es ist, eine solche Stelle zu schaffen. Wichtig für fast jeden Einwanderer, auch für den nicht gänzlich unbemittelten, eine Lebensfrage aber für die große Zahl von Olim, die ohne Geld, zermürbt durch jahrelange Wirtschaftsnot im Herkunftsland oder Emigrantenelend hier ankommen, keinerlei Be- Ziehungen haben und nicht ein und aus wissen. Im Gegensatz zu den Alijoth der jungen, alleinstehenden Chaluzim der früheren Jahre, die vorbereitet und zielbewußt das Land betraten, kommen jetzt zumeist Familien mit Kindern, Mensehen, die zu einem großen Prozentsatz vveder beruflich noch körperlich den honen Anforderungen gewachsen sind, ganz zu schweigen von all den Problemen und Belastungen, die die große ״Eltcrnalijah“ mit sich bringt. Aber das Land muß sie aufnehmen, d. h. nicht nur horeinlassen, nicht nur auf einzelne Orte verteilen, sondern es hat die Aufgabe, um der Menschen selbst, um des Aufbaus willen, sie cinzuordnen und zu formen. Dieses Ziel erfordert ungeheure Anstrengungen: Hilfskräfte, Geld, konstruktive Ideen. Der ״Mifal icmaan Haoleh“ will sie mobilisieren. An sich wäre es Aufgabe der Kehiila (Gemeirtdcverwaltung) oder der Iriah (Stadtverwaltung), am besten dieser beiden Tel-Awiwer Behörden zusammen, aus St euer mitfein und mit Hilfe der Jowish Agency die Oiim* fürsorge zu schaffen, aber leider halten sich diese öffentliehen Stellen noch zurück und üherlassen es der privaten Initiative in Tel-Awiw, das Werk zu beginnen. Wie auf vielen Gebieten des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens, so hat auch für den Zweig der ״sozialen Fürsorge“ die Alijali aus Deutsehland Impulse gegeben. Als im Jahre 1933 die starke Eitnvandeningswelle aus Deutschland einsetzte, ergab sich die dringende Notwendigkeit der Schaffung einer Fürsorgesteile. Iriah und Kehiila lehnten es schon damals ab, so daß die Soziale Abteilung des Waad Leumi, der Henrietta Szoid vorsteht, die Zügel ergriff und mittels eines Budgets, das durch die Abteilung der Jowish Agency für Ansiediung von Juden aus Deutschland zur Verfügung gestellt wurde, die ״F a m i I i en f ii r s 0 r ge für Einwanderer aus Deutschland“ in Tel-Awiw errichtete. In den anderen Orten: Haifa, Jerusalem und einer Reihe größerer Kolonien übernahmen die Gemeinden innerhalb ihrer Wohlfahrtsämter auch die soziale Fürsorge für die Neueinwanderer aus allen Ländern. Die Bedeutung und die Leistungen der Tel-Awiwer ״Familienfürsqrge für Einwanderer aus Deutschland“ sind am besten aus ihrem Jahresbericht zu ersehen. Diese Fürsorgestelle hat im Laufe der 21/2 Jahre ihres Bestehens ea. 1500 Familien betreu♦, allein im Jahre 1935 wandten sich 955 neu ankommende Familien hilfesuchend an sie, von denen 150 nicht direkt aus Deutschland, sondern aus den verschiedensfen Flüchtlingsländern kamen. Die Erfahrung hat gezeigt, daß diese ״Flüchtlinge1 ״'n ganz außergewöhnlichem Maße unterstützungsbedürftig sind und ihre Einordnung sehr große Mittel und Kräfte erfordert. Aus einer besonderen Untersuchung ist zu entnehmen, daß für die primitivste Einordnung von 109 Familien aus Flüclitiingsländcm ca. 1500 Pfund ausgegehen winden, für eine Reihe kinderreicher Familien je 30 bis 40 Pfund pro Familie. Was versteht man mm unter ״Einordnung“? Nach Ent» lassung aus dem Beth Olim, wo die Einwanderer ca. sechs Tage bleiben dürfen und wo die erste Beratung durch eine Fürsorgerin erfolgt, gilt es, etwa folgende Maßnahmen für die Mittellosen zu ergreifen: Erste Mietezahlungen, Be- Schaffung von Betten und des notwendigsten Hausrats, Unterbringung der Kinder in Schulen, Kindergärten, Tageshäufig auch in Erholungs- und Erziehungsheimen, Hilfe in den häufigen Krankheitsfällen, Beihilfen zum Lebensunterhalt bis zur Arbeitsaufnahme und vor allem Beschaffung von Dar» leben zum Existenzaufbau, so für Berufsumscliichtung (die Hitaehduth Olcj Germania hatte verschiedene Kurse im Bauhandwerk eingerichtet), für Anschaffung von Maschinen, Handwerkszeug, Fuhrwerken, Einrichtung von kleinen Geschäften, Kiosken, Mittagsfischen usw. Im Vorjahre wurden ca. 2000 Pfund für Darlehen an bedürftige Olim von der Eürsorgestclie beschafft, und zwar zumeist durch die Darlehenskasse der Olcj Germania, die über einen kleinen Fonds für ״soziale Fälle“ verfügt (d. h. für Kredite, die auch ohne genügende Sicherungen ausgegehen werden). Es wäre dringend zu wünschen, daß dieser Dar- Ichcnsfonds erheblich vergrößert würde, denn er stellt das weitaus beste Mittel zum konstruktiven Existenzaufbau in relativ kurzer Zeit dar, und die Erfahrungen sind günstige. Die Tätigkeit dieser Eürsorgestclie erschöpft sich selbst» verständlich nicht nur in Hergabe und Beschattung von Ocldmittein, sondern sie sieht ihre Aufgabe auch in der ״Bet r e u 11 n g“, d, h. Bereitstellung geschulter Fürsorgerinnen und Helfer, die dem Ncueinwanderer die Wege weisen und abnehmen, so z. B. für ihn einen ,,Rischajon“ (Genehmigung zur Eröffnung von Geschäften, Handel usw.) erwirken, für die Kinder Plätze In Schulen und Tagesstätten ״erkämpfen“, für ihn einen Platz im Krankenhaus ״erobern“, kurz viele Dinge erlangen, die, so selbstverständlich sie scheinen mögen, hier immer noch einen gewissen ״Kampf“ erfordern, weil der Ausbau der Einrichtungen nicht Schritt halten kann mit der wachsenden Einwanderung. Um den Eltern in der ersten Zeit all die tausend Wege auf die Aemter. für die Wohnung»■ und Arbeitssuche zu ermöglichen, hat die Fürsorgestelie zwei Kindertagesheime errichtet, in denen im Vorjahre 1300 Kinder aller Altersstufen betreut, verpflegt, im Hebräischen unter» richtet und von der Straße ferngehaiten wurden• Außerdem mußten 58 Kinder in geschlossenen Helmen (erzlehungsschwierige oder verwaiste Kinder), 75 in Tagesheimen der Stadt und der Wiza, 60 zur Erholung untergebracht we den. Seit der Senkung der Wirtscnaftskurve in Palästina reicht das Budget dieser Fürsorgestelle nicht im entferntesten au«, denn Menschen, die schon ihren Lebensunterhalt erworben hatten, kehren hilfesuchend zurück, und täglich bringen die Schiffe neue mittellose und ratsuchende Olim, die Jetzt nicht so rasch wie im Vorjahre einen Arbeitsplatz finden. Als in dieser schweren Situation die Fürsorgcstelle wegen mangelnder Mitte! einigemal schließen mußte, fand sich ein sozial interessierter Kreis von Juden aus Deutschland, der die Initiative zu einer großen Sonderaktion zugunsten der Einwanderer ergriff. Mit dem ״Mifai lemaan Haoleh“ begann man zunächst im Kreise der Ein- Wanderer aus Deutschland in Tel-Awiw, steht aber bereits unmittelbar davor, sowohl die Geldsammiung als auch die Fürsorgcstelle auf Olim aus allen Ländern auszudehnen, denn die Not ist unter den aus Polen, Rumänien u, a. Ländern Kommenden nicht geringer. Unter Leitung von Miß Szoid fanden bemerkenswerte Sitzungen mit den Landsmannschatten fast aller Länder Europas und des Orients statt (es kamen Vertreter von 2(1 Landsmannschaften zusammen), in denen ein enger Zusammenschluß zum Zwecke der Schaffung einer gemeinsamenOlim- Fürsorge beschlossen wurde. Der erste Schritt aut dem Wege zu einer Zentralisierttne der sozialen Fürsorge in Tel-Awiw ist getan, hoffentlich auch ein Weg, um die großen zionistischen Organisationen: Keren Hajessud, Jewish Agency für eine entsprechende Beteiligung zu gewinnen, denn die Durchführung einer planmäßigen Einwanderertürsorge in einem so jungen Einwanderungsland, wie Palästina es ist, läßt sich auf die Dauer nicht ahne großzügige Hilfe der Gesa mtju den heit durchführen. Eine solche Aufgabe übersteigt die Kräfte des kleinen Jischuw. Trotzdem muß die Initiative zu dem Werk jetzt ohne Verzug vom jischuw ausgehen. Dje Sammlungen, die im System der ״blauen Karte“ durchgeführt werden, haben eingesetzt, und es ergeht ein Appell an jeden Einzelnen, der in Erez Israel eine Heim- Stätte um! seinen nocli 90 bescheidenen Lebensunterhalt gefunden hat, räch nach Kräften zu beteiligen, den Neuankömmlingen die Wege zu ebnen. Jeder muß sich klannachen, daß von der psychischen und wirtschaftlichen Einordnung der Neueinwanderer letzten Endes das Gesamtwohl des Landes und damit aller, die liier schon leben und die noch kommen wollen, ablüiiigt. Nur dadurch können die Wege freigemacht werden für eine stete Erweiterung der Alijah für all die Tausende, die in den Qaluthlämlern darauf warten, daß Erez Israel auch für sie erschlossen wird. Das verwahrloste Kind Ein öffentliches Gericht Um die Oeffeiitlichkeit einmal aut die große Not der Straßenkinder aufmerksam zu machen, fand am 30. März ein ״öffentliches Gericht“ über 15״as verwahrloste Kind“ in Te!-Awiw statt. (״Oeffentliches Gericht“ ist eine besondere Art der Volksversammlung, bei der die Rollen für die kontradiktorische Behandlung eines Themas nach Art einer Gerichtsverbandhing verteilt werden. — A. d. R.) ,.Angeklagt“ waren die Eltern dieser Kinder. Der große Saal des Ohel-Schcm, der ca. 3000 Menschen faßt, war bis auf den letzten Platz besetzt. Man sieht, die aufgeworfene Frage ist eine brennend aktuelle. Nachdem der Ankläger (Dr. Frenkel) nach einigen erklärenden Worten die Anklage erhöhen hatte, wurden die Zeugen, zwei Soziaibeamtinnen (Gellner, Aronsohn), ein Polizist, ein Kinobesitzer, der früher Lehrer war, und der Leiter des Heims für die verwahrloste Jugend (Idelsohn) vernommen. Das Bild, das sich vor der! Augen der aufmerksam lauschenden Zuhörerschaft entrollte, war ein geradezu erschütterndes. Wir hörten, daß es in Tel- Awiw hunderte verwahrloste Kinder gibt. Sie sind im Alter von 4 bis 17 Jahren, teils Sefardim, teils Aschkenasim. Die meisten,, betätigen sich ais Schnürsenkel-, Schokoladen- oder Zeitungs- Verkäufer. Die wirtschaftliche Lage der Eltern ist nicht immer schlecht, manchmal wäre 65s ihnen möglich, die Kinder zu ernähren und zur Schule zu schicken. In den meisten Fällen sind sie aber bettelarm. Oft sind die Kinder auch Waisen oder Halbwaisen. Dann sind sie ganz sich selbst überlassen, haben kein Obdach und übernachten im Freien, in Schuppen oder in Lifts. Die Kinder verdienen zwischen 7 und 11 Piaster pro Tag. Bringen sie diese Summe nicht nacli Hause, so werden sie oft schrecklich geschlagen, und um das zu vermeiden, stehlen sie. Wie der Polizist bestätigte, wissen die Eitern oft von diesen Diebstählen. Die Tatsache, daß es einerseits keinen gesetzlichen Kinderschütz gibt und anderseits die Eltern fast immer dagegen sind, die Kinder in Berufe oder in Schulen einzuordnen (d|e Kinder sind fast ausnahmslos Analphabeten), weil sie nicht auf den Verdienst verzichten wollen, erschwert die soziale Arbeit außerordentlich. Auch gibt es nur ein einziges öffentliches Institut für verwahrloste Jugend seit knapp zwei lahren, das nur für 40 Kinder Platz hat, also durchaus nicht ausreichend. Die Kinder fühlen sich dort sehr wohl. Zu einem ״Urteilsspruch“ konnte man an diesem Abend nocli nicht kommen, da um 12 Uhr noch nicht alle Zeugen vernommen waren. Aber man ersah schon, daß die Eltern- Schaft, obwohl sie ein Großteil der Schuld trifft, doch nicht ohne weiteres verurteilt werden kann, da ihre soziale Lage eine außerordentlich schwere ist, Das Gericht wird in Bälde fortgesetzt werden. Es ist zu erhoffen und wohl auch zu erwarten, daß das lel-Awiwer Publikum nicht nur mit Interesse zugehört hat, sondern auch mit dem gleichen Interesse aktiv an der Hebung des sozialen Elends dieser Kinder mitarbeiten wird. E. L. Die Pflanzung des König Albert - Waides An einer der schönsten Stellen Palästinas, zwischen Bergen hei der Kwuzah Hahoresh mit dem Bück auf Nazareth, wurde, wie bereits kurz gemeldet, der König-Albert-Wald eingeweiht. Sir Arthur Wauchope pflawte den von der Königin-Mutter Elisabeth gesandten Baum; wo!־ tere Bäume wurden gepflanzt von U 8 s i 8 e h k i n, Professor Speyer, den belgischen Konsuln in Jerusalem, Haifa und Jaffa, Rabbi Ami ei, Oscar Fischer als Vertreter der Belgischen Zionistischen Föderation, Leib ]affe u- * fn seiner Eröffnungsansprache hob Ussischkin die Persöniichkett König Alberts hervor, seine Liehe für Belgien, s«n Land, das in der Größe Palästina ähnelt und acht Millionen Einwohner ernährt. Es könne für Palästina und den Jischuw als Vorbild dienen. Prof. Speyer, der im Namen der beigischen iudenhejt sprach, schilderte König Albert als beefewiendwi Menschen, der sich dem Judentum gegenüber stets voller Teilnahme gezeigt hat. Sir Arthur Wauchope sprach über den Besuch, den König Albert und Königin Elisabeth vor einigen Jahren in Palästina machten. Telegramme von Weizmann und Dizengoff wurden verlesen. Tiefen Eindruck erweckte ein Telegramm der Konigin Elisabeth! die in bewegten Worten ihre Anerkennung ausdrückte für diejenigen, die diese Feier ermöglicht haben• (Palcor.) Makkabi Hazair in Kfar Bjju. Nach halbjähriger Vorbereitung in Deganlah kam eine Kwuzah des Makkabi Hazair nach Kfar B i i u. Der Keren Kajemeth hat ihr Boden zur Verfügung gestellt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.