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Jüdische Rundschau · 1936-04-21 · Heft 32 (21.4.1936) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 32 (21.4.1936)
Date
1936-04-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU NR. 32, 21. APRIL 1936 PAIASTINA-BLATT Das Neueste in Kürze Zur inneren Lage im Zionismus Von Gerhard H o 1 d h e i m, Tel-Awiw (Wir veröffentlichen diese Acußerung als einen Beitrag zur Diskussion. Red.) Der außenpolitische Kurs der Jewish Agency ist bekanntlieh Gegenstand heftigen Streites. Doch in der breiten Oeffentlichkeit weiß man gewöhnlich nur von der (weit über den ״Revisionismus“ hinausgehenden) überspitzt nationalistischen Strömung, die ohne Rücksicht auf Realitäten die ״jüdische Majorität auf beiden Seiten des Jordan“ proklamiert. Viel weniger bekannt ist, daß es eine Opposition gibt, deren Träger in den verschiedensten zionistisch-politischen Parteien sitzen und die von einem ganz anderen Aspekt aus argumentiert. Die sagt: Wir sind Anhänger der offiziellen Linie, die auf Kooperation mit der Mandatarmacht und Bereinigung des jüdisch-arabischen Gegensatzes gerichtet ist, finden aber zu unserem Bedauern, daß aus Gründen welch immer dieser Kurs nicht konsequent genug gesteuert wird. Deren Furcht besteht darin, es könnten klare und richtige Erkenntnisse aus falscher Rücksicht auf jüdische Massenstimmungen geopfert werden, welch letztere zu bändigen und realpolitisch gerade die Aufgabe einer echten Führung sei. Es ist kein Zufall, daß diese Opposition im politischen Leben des Zionismus so wenig sichtbar wird. Sie ist nämlich in ihren Meinungsäußerungen schwer gehandikapt. Einmal weil ihre Wortführer dem Gedanken der zionistischen Disziplin so tief verhaftet sind, daß sie fürchten, ein prononcierter Einspruch gegen die offizielle Politik würde mehr Schaden stiften als Nutzen bringen. Aber die Zurückhaltung hat noch einen anderen Grund. Die Rolle des Warners ist undankbar. Dagegen stemmen sich traditionelle Formeln. Und Vorstei- Jungen, in denen Menschen groß geworden sind, leisten erbitterten Widerstand. Der Streit um die bestmögliche Politik, mit der das zionistische Ideal zu erreichen ist, hat nichts zu tun mit der Frage, welcher politische Status einmal geschaffen sein muß, damit wir oder unsere Nachkommen konstatieren können, eine dem Baseler Programm entsprechende Konsolidierung des jüdischen Volkes in Palästina sei erreicht. Wir vertreten hier die von einflußreichen Kreisen der Bewegung leidenschaftlich bekämpfte Meinung, daß eine bestimmte Staatsform nicht das Kriterium des Zionismus sei und die Deklaration eines souveränen Judenstaates nicht nur Verblendung, sondern unter dem Gesichtspunkt der Verwirklichung unserer Sache direkt verderblich ist. Doch um dieser Anschauung Verbreitung zu schaffen, muß sie vor Mißverständnissen geschützt werden. Es bedarf der scharfen Abgrenzung gegen jene, die ähnliche Worte sagen, aber auch unserer Meinung nach nicht (oder nicht mehr) ״politische Zionisten“ sind. Die zionistische Idee basiert auf der Erkenntnis der Llnhaltbarkeit der jüdischen Galuth-Situation. Hauptthese war: Die Zerstreuung der Juden ist keine providenticlle Mission; sie ist ein Unglück. Wir brauchen ein Territorium, das den Juden ermöglicht, sich selbst die Bedingungen ihres Lebens zu setzen. Daß unser Anspruch Konflikte mit einem anderen Volke bringen könnte — dieser Gedanke kam den meisten erst nach dem Kriege. Denn seltsam, aber es war so: Die Araber existierten zuerst nicht in unserem Kalkül. Dann kam die Balfour-Deklaration. Und zweieinhalb Jahre später der Beschluß des Obersten Rates in San Reino. ״Palästina wird jüdisch“ — mit diesem Thema rief man damals Versammjungen €חי• Plötzlich sahen wir Widerstände, blutige Unruhen. Eine arabische Nationalbewegung. Arabische Kongresse, die heftige Sprache redeten. Das britische Weißbuch vom Juni 1922 erschien. Was ging jetzt vor? Entscheidende Wendung der englischen Politik? Und nicht nur daß feste Hoffnungen plötzlich vernichtet schienen — damals erwachte m manchem von uns ein unerhörtes Gefühl: Tun wir den Arabern Unrecht, wenn wir unsere Forderungen erheben? Die Erinnerung wird deutlich. Es gab Stunden, wo gläubige Zionisten sich verloren, ist unsere Heimkehr moralisch vertretbar? Widersprechende Empfindungen lagen im Streit Was unantastbar war, schien plötzlich in Frage gestellt. Dann aber rief die wiedergewonnene Freiheit: Du darfst, du mußt es ist gut. ’ Wen hier der Zweifel nie ganz entlassen hat, der ist nach meiner Meinung kein Zionist. Nur aus dem Wissen um die ^ec der Judenerlösung Glanz und Stoßkraft. Die Araber wollen nicht. Wir sprechen von! alten historischen Recht. Daß wir Werte schaffen, ein Jahrhunderte lang verwüstetes Land zur Blüte bringen, keinen Auf einer Sitzung der arabischen Hussein!- Partei wurde entschieden, daß in der bisherigen Stellungnähme der Partei in der Legislative-Council-Frage keine Aenderung eingetreten ist. Der Plan des Council stehe nicht im Einklang mit den arabisch-nationalen Bestrebungen. Im Hinblick darauf, daß Sir Arthur Wauchope erklärt habe, daß der Council selbst auf jeden Fall konstituiert werden wird, auch wenn Araber und Juden sich fernhalten, hat die Partei beschlossen, ihre Vertreter in der Delegation nach London zu ermächtigen, die letzte Entscheidung zu treffen. Ragheb Nashashibi und Dschemal H u s s e i n i wurden von Sir Arthur Wauchope im Zusammenhang mit der nach London zu entsendenden arabischen Delegation empfangen. Wir berichtet wird, haben sie auf Erhöhung der Mitgliederzahl der Delegation auf neun Personen gedrängt, um die Forderungen aller arabischen Parteien befriedigen zu können. Nach Meldung der arabischen Tageszeitung ״Felestin“ fand in Haifa eine Versammlung arabischer Arbciterdelcgierter statt, in der die Schaffung einer arabischen Arbeiter- Organisation für ganz Palästina erörtert wurde. Nach Mitteilung der arabischen Zeitung ״A-Difaa“ hat der High Commissioner angeordnet, daß die Beamten der Einwanderungsbehörden in Palästina künftig polizeiliche Befugnisse haben sollen. Sie sind ermächtigt, Untersuchungen durchzuführen und Verhaftungen nach den allgemeinen gesetzlichen Vorschriften vorzunehmen. Nach langen Kämpfen, die über die Rechtsverhältnisse der Polizei in Tel-Awiw atisgefochten worden waren, ist entschieden worden, daß die Polizei auch weiterhin unter der Kontrolle der Stadt v er waltung von Tel-Awiw verbleiben soll. An dem bisherigen Rcchtszustand wird sich daher nichts ändern. Nach den neuesten Statistiken befinden sich in der palästinensischen Polizei 400 Juden. Von der aus 3000 Mann bestehenden Polizei sind im übrigen 1800 Araber und 800 Engländer. Aus einer offiziellen Statistik über die Raub- Überfälle, die in den Jahren 1931 bis 1935 in Palästina stattfanden, ist zu entnehmen, daß die Sicherheit in Palästina während dieser Zeit gestiegen ist. Im Jahre 1931 kamen 98 Raubüberfälle vor. ihre Zahl fiel 1932 aut 57, 1933 aut 34, 1934 auf 32 und betrug auch im Jahre 1935 32. Eine große Mehrheit einer Konferenz der Revisionisten Palästinas beschloß, sich an den Wahlen zur Assefat Haniwcharim zu beteiligen. Auf einem vom M i s r a c h i veranstalteten Presseempfang erklärten die Rabbiner Gold und Berlin, daß die in Luzern übernommenen religiösen Verpflichtungen Menschen verdrängen, die nationale Freiheit anderer nicht antasten werden. Wären die Araber Palästinas denn politisch frei, w׳enn es uns nicht gäbe? Doch das berührt nicht den Kern. Die Frage laufet: Darf eine Gruppe, die ein kleiner Bruchteil eines großen Volkes ist, dessen Zentrum woanders liegt, verhindern, daß das Land, das sie bewohnt und das, durch Erfahrung erwiesen, Platz für ungezählte neue Mensehen hat, vor einem Volke gesperrt wird, das heimatlos aut der Welt herumgeistert und nur dort seine Zukunft bauen kannJ Was wiegt schwerer: Formaler Beschluß einer Majorität oder solch Notstandsrecht? Die nichtjüdische Welf hat die Antwort gegeben, indem sie das Palästina-Mandat ratifizierte. Da aber die zionistische Erinnerung an Aeußerungen von Juden, die die politische Moralität des Zionismus wegen seiner Haltung gegenüber den Arabern in Zweifel zogen, wach ist, muß, wer nationalen Extremismus bekämpfen will, deutlich den eigenen Standort fixieren. Der zionistische Gedanke wäre sinnlos und seines Wertes beraubt, wenn er darau! verzichtete, soviel Juden nach Palästina zu überführen, als es die Absorptionsfähigkeit des Landes gestattet und soviel Boden zu erwerben, als es ohne auch nur die leiseste Schädigung der Araber möglich ist. Eine Vervielfachung der heutigen jüdischen Bevölkerungsziffer bis zur ökonomisch ermöglichbaren Höchstgrenze brauchen wir nicht nur, weil die Zahl derer, die ins Land wollen und müssen, täglich größer wird. Auch die Konsolidierung und kulturelle Renoch nicht erfüllt seien, und betonten, es müsse auf die Erfüllung dieser Verpflichtungen mit allen Mitteln gedrängt werden. Der Misrachi hat sich in diesem Sinne an die Jewish Agency und die Histadruth gewandt. Ferner wurde bei dem Empfang die Eröffnung einer land Wirtschaftliehen Jesc hi w a, für die bereits 60 Hörer angemeldet sind, verkündet. In Damaskus überfielen Araber am letzten Pcßachtage mehrere Juden und verwundeten fünf von ihnen durch Dolchstoße. Die Bautätigkeit in Jaffa, die bisher eine anhaltend sich vergrößernde Tendenz zeigte, weil auch Juden sich in der Stadt niederließe״, hat sich zunehmend verschlechten. Die arabische Presse sieiit in dieser Tatsache den Anfang einer Krisis, die den arabischen Wirtschaftssektor zu erfassen droht. Der Finanzsekretär der Palästina-Regierung und Präsident der Regierungskommission fiir Handel und Industrie, Johnson, hat sich bereit erklärt, den Elireiivorsitz über die bevorstehende Levante-Messe zu übernehmen. Der Ger er R e b h e, Rabbi Duschinski, und Rabbi Blau von der Agudas Jisroei, wurden vom I iigli Commissioner Sir Arthur Wauchope empfangen. Sir Arthur beglückwünschte den üerer Rcbbe zu seinem Entschluß, sich ständig in Palästina nicderzulasscn. Zu Ehren dis britischen Oberrabbiners Hertz wurde von der Jewish Agency und vom Waad Leumi ein Empfang im Gebäude der jewish Agency veranstaltet. Führende Persönlichkciten des Jischuw, sowie hohe Regieningsbeanitc waren anwesend. In Ramoth-Itaschawin: veranstalteten 18 ehemalige Aerzte, die jetzt dort siedeln, zu Ehren von i >r. (iiinsburg, früherem Direktor des jüdischen Kraiikenhnu.-i*-. in Frankfurt am Main, anläßlich seines 75. Geburtstages einen Empfangsabend. Die Bedeutung des Jubilars, der auf eine 51jährige ärztliche Tätigkeit zuriickbückeii kann, als innerer Kliniker, sowie seine Verdienste um Gründung und Ausbau niannigfacher sozialer und stamlespolitCchci 1 inriditungcii wurde von Dr. Walter S t e i n i t z und Dr. R o s e n o w gewürdigt. Mitglieder des palästinensischen jüdischen Wanderklubs fanden bei einem Ausflug in den liauran und nach öolan in Syrien hebräische Inschriften und Zeichnungen, die anscheinend zu einer antiken Synagoge gehören. 1111 Dschebei Druz fanden sie eine Mcnorali. In Tel-Awiw fand eine Massenversammlung statt, die sich mit der Lage der Juden in Polen beschäftigte. Es sprachen jizehak G r ii 11 b a u m, Eisdiel Rotte 11 streich und andere, die zu einem Hilfsfonds für die polnischen Juden aufriefen. Revisionisten und eine Gruppe illegaler Einwanderer verursachten Störungen, wurden jedoch aus dem Saal entfernt generation der jüdischen Volksindividualität hängt ab von dem Faktor der Quantität. Die Vision eines ״großen Zionismus“, die Ucbcrzeugtheit von der sittlichen Legitimation unseres Rcpatriicrungsanspruchs und der durch keine Rückschläge zu entmutigende Wille, um unsere Forderungen den Kampf zu führen, verlangt aber als Korrelat eine klare Erkenntnis. Die lautet: Das arabische Volk, das sieh heute noch nicht mit unserem Anspruch abfimlen will, ist ä la longue unser natürlicher Bundesgenosse. Selbst bei der günstigsten quantitativen und qualitativen Entwicklung des jüdischen Jischuw kann es für uns keine andere Politik gehen als die der engsten A n 1 e h n 11 n g a n d a s Aral) c 1־ t u m. 1 >enn abgesehen davon, daß die Verwaltung des gemeinsamen Laudes eine Perpetuicrung des Spaiinungsziistamles nicht ertragen wird -.- das Vorhandensein zahlenmäßig gewaltiger und politisch immer stärker werdender arabischer Nachb a r 1 ä 11 d e r iieße uns gar keine andere Wahl. 1 )er Zustand, wo wir im ständigen Ringen mit der Mamlaiarmaeht unsere Positionen entwickeln, ist eng befristet. I leide ist der für uns ausschlaggebende Faktor England. Das darf aber keinen Moment vergessen lassen, daß im Zuge der politischen Sclbständigkeifsentwieklung des arabischen Volkes der Einfluß des arabischen F'aktors immer unmittelbarer sich auswirken wird. Das sind Binsenwahrheiten, die wir unserer politischen Leitung gewiß nicht zu präsentieren brauchen. Aber der Neue Bauten auf dem Lande Beginn der Bauarbeiten an der Aufbauschule bei Jagur, die mit Unterstützung der Das Gordon-Haus in Deganiah, dm als landwirtschaftliches Museum eingerichtet wird, Reichsvertretung zum Gedächtnis an Ludwig fielt errichtet wird und insbesondere für Tagungen dienen soll!■ato■: Hubert So»־!.!״״» ryfis rw "״ ■׳.ז .:׳ י£4גמי)9*?יוי.׳ ' '•SS mV, *•o, *4^'. h£ssä&■ liSls

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