Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 30-31 (17.4.1936)
- Date
- 1936-04-17
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 20 jö1 ח srm p 1^! ■׳ ■>.«; rH A!ן Nr 3017 31׳. IV. 1936 Gegenstück zur ,, Die landwirtschaftliche Ausstellung in Kairo Von unserem palästinensischen Korrespondenten*) gl. Kairo, im März Die landwirtschaftliche Ausstellung in Kairo, die äugen- Wicklich stattfirnlet, ist für Palästina in verschiedenster Hinsicht interessant und aufschlußreich. Sie gibt einen lebendigen Einblick in die Entwicklung des Nachbarlandes und die wirtschriftlichen um! geistigen Strömungen, die in diesem bedeutenden Zentrum des Nahen Ostens und der arabischen Nationalbewegung heute wirksam sind. Sie liefert zugleich einen Ueberblick über den Oirad der Modernisierung, der heute dieses uralte Land erfaßt hat und gegenüber Jahrtausende• langer Tradition mul ununterbrochener Wirtschaftsiibcrlieferutig eine Aeiidcrung des bisher noch kaum gewandelten Wirtschaft.sablatifs herbci/uhihren sucht, lind sie gibt zugleich eine willkommene Gelegenheit, einmal zwischen der Tel- Awiwer Ausstellung und anderen Unternehmungen derselben Art im Nahen Osten einen Vergleich anzustellen. Die Veranstalter der Ausstellung Die Kairoer Ausstellung ist von der Socilf 6 Royale A g r i c u I t u r e veranstaltet. I >iese zeichnet verantwortlich für das gesamte Unternehmen, das auf ihrem Grund und Boden auf der (iezireh, einer der großen Nilinseln in Kairo, aufgebaut ist. Die-u■ Gesellschaft wurde 1898 unter dem Protektorat des äg\ptischen Königs gegründet. Insbesondere standen hier diesem neuen Versuch <lie Großgrundbesitzer Aegyptens zur Seite, die starke!! Kontakt mit Europa hatten und durch die wachsende Verbindung mit dem Weltmarkt an einer intensiveti Ausnutzung ihrer W irts!.haftet), die zum Teil aus riesigen Latifundien bestanden, intere״,s;ert wärmt. Die Gründung der landwirtschaftlichen Gesellschaft liegt also weiter zurück als die des Lamhvirt/rha!t-n!1in!steriums in Aeg\pten. Dieses wird zwar vor dem Weltkriege gegründet, nimmt jedoch erst am Anfang der zwanziger Jahre des laufenden Jahrhunderts seine Arbeit in geordneter Törin auf. Die landwirtschaftliche Ge- Seilschaft genoß die Unterstützung auch der offiziellen Stellen. Sie gründete die ersten latuhvirt-chaftlidu'u Versuchsstationen in Aegvpten, interessierte sich für moderne Bearbeitungsmeihoden, legte die (irwtnllago für die Entwicklung von!and- Wirtschaft!!! 11011׳ Kooperativen und sorgte durch Aiisstellungen in Kairo und in der Provinz für die Verbreitung der in der (ie'dlsdialt gc-ammelien Kenntnisse. Die gegenwärtige Ausstellung zahlt als die fünfzehnte. Die letzte fand im Jahre 1031 statt. Umfang der Ausstellung und äußere Form Schon der erste Rundgang durch das weite Ausstellung»• gelände in der Gezireli zeigt, daß es sich hier 11m mehr ais eine landwirtschaftliche Ausstellung handelt. In der Tat sprechen die Plakate in Kairo von einer ״Landwirt- Schaft- und 1 11 d u s f r i e a tt s s t e I I u n g“, aber auch das erschöpft den Charakter dieses Unternehmens nicht. Die ägyptische Regierung hat diese Gelegenheit benutzt, um die Arbeiten ihrer verschiedenen Departements zu illustrieren. In erster Reihe beteiligt sich natürlich das Landwirts c h a! t s nt i 11 i s t e r i u m, das ja trotz allen Versuchen in anderen Wirtschaftszweigen noch immer den größten Teil der ägyptischen Wirtschaft umfaßt. Die sehr sorgfältig‘bearbeitete Abteilung liefert einen Hinblick sowohl in die Stapelprodukte wie Baumwolle, wie auch in die relativ neuen Kulturen, um deren Einführung und deren Atisprohiertmg sich das Landwirtschaftsministerium seit etlichen Jahren bemüht. Daneben sieht man Abteilungen des Erzieh ungsdepartem e n t s, des Sanitätsdienst e s, umfassende S t a - fistiken {!ihren in sämtliche übrigen Arbeitsgebiete der Regierung ein und sogar die Gef.ingnisverwaltung hat die Arbeiten ihrer Sträflinge ausgestellt. Nimmt man noch dazu, daß ein c i n ri 11 s t r i e 1 1 e A b teil u ת g, die unter der Autsicht d< .,s , 1 U vp'.iechcn In diistrieHenv( zrbandes steht, Aufschluß über (1 ־1! CI sten taste Ile len und ra sch wachsenden Ansätze einer 1 fK luM rie im Ni Hi■ 11 gibt, s״ formt sich die landwirtschafik c , 1.1׳ einer י*! I , vptisi.. her! Ausstellung en miniature. Hie T ho ben wir 1 י CT ״eifs eine g ewisse Parallele mit den Tel-Aw י\1 a*r Atis'-tUhii J1/ en, die eh ettfalls unter Beteiligung der Re .uru nt: statti'1! nh .•11, die in ihren verschiedenen Departoim '!! * > 1 uber der! U: )Innen des jüdischen Sektors hinaus ein Hit d V! ,11 der ( JU saintiirbcit Palästinas gibt. Freilich kamt 11 1,1 n 1 11 T ei-A:\ 1 \V nicht von einer ,.palästinensischen“ Aus-tci in nd 1111 vollen St itne ries \\'< irtes reden, da der große a r a b 1 s c h e ."Sektor ni eilt vertreti;1! ist und somit immer nur en 1 Ai;-'•ehiuH n i: - der 1 an dcswirtseluift, und zwar der 11: lun iisii-reiuhu ״.!ch dar bst״ fet. ln Aegvpten fehlt w n dci 1 in 1 d je starke fiu tuiuum:: ei tropaischer 1 innen, da in Kairo;1! U*s mir״ auf d ie!iruHirui ngcii des Niltales zugeschmtti :n is t. Aimlam Iss 1 he Proilnl•;te finden wir eigentlich nur in; Kt landu irtsi 11; ifllichen M: iseliinriiabfeiiung, die aus Tun,[ui 1 mpf )!'!Irrt, (1:1 di e tgvptisch e Industrie noch nicht zur Herste! hi di. ser Ai Th kel, die oh lücdics in Aegypten erst wem!: V C i W amlt wen! 1T 1, vorgedrm igen ist. De r ן; he r e R 11 m v n der Kairoer Ausstellung ist eharaki 1' 1 ■d 1 sch fur du ■ i 11 Aegypten herrschende Tendenz und Stimmung. 1 nr die Versuche zu einer Modernisierung ist neben u irts!liat'tbchen Momenten vor allem der vorwärtsdrängende \ a t 1 o n a 1 i s in u s verantwortlich, der auf dem Wege einer Rovolutionierung der in der Landwirtschaft herr* sehenden Methoden, der Bildung eines ägyptischen Industriulisnms und der Herstellung der benötigten Artikel im Lande seihst auch zu einer ״(ökonomischen Unabhängigkeit•• gelangen will. Dieses Streben nach politischer und wirtschaftlicher Unabhängigkeit und der nationale Geist, der ihm zugrunde liegt, prägt sich bereits in der äußeren Erseheinung des Geländes aus. Nicht nur der Ucbcrfluß der grünen!'ahnen mit dem Halbmond ist auffallend, sondern auch die etwas kuriose Art des Baustils. Es wird betont ״Orient,disiert“. Da jedoch zugleich alles Moderne, nach dem man Verlangen tragt, aus Europa kommt und von dort einen bestimmten westlichen Stil und eine ganz, andersgeartete Torrn mit sich bringt, so entsteht ein Durcheinander der Stile. Wir kennen diese Verwirrung der Formbegriffe aus allen Fällen, wo eine in sich geschlossene östliche Kultur mit westlicher Technik und westlichen Formen zusammentrifft. Man erinnert sich bei der Betrachtung der AussteJlungsgebäude, besonders der industriellen Verkaufsbilden, an jene Schilderungen indischer Paläste, die plötzlich mit billigstem europäischem Hausrat vollgestopft wurden. Dieser orientalische Stil der Fassaden und zum Teil auch der Verkaufsstände ist eben nicht mehr östlich, sondern nur verwirrt Wir spüren in diesen sonderbaren Linien, daß sich etwas Neues und Einheitliches erst herauskristallisieren muß. Der Vergleich mit der Tel-Awiwer Aus- . e I I u n g springt in die Augen. Hier ist der ״Sprung in den Westen“ viel gründlicher und rascher gemacht worden. Die Gebäude der Levante-Messe sind ja im europäischen *) Siehe den ersten Bericht in Nr. 25 vom ZI. März. Levante-Messe“ Sinne streng modern und einheitlich und sie konnten es deshalb sein, weil man sie vom Westen übernahm und nur den besonderen landschaftlichen und klimatischen Bedingungen anzupassen hatte. Die Besucher Sehr viel einheitlicher orientalisch und viel ungewollter wirkt die sehr bunte und charakteristische Besucherm a s s e, die sich den ganzen Tag mit großer Lebhaftigkeit aut dem Gelände bewegt. Koptische Geistliche und moslemische Mollahs in den alten Trachten, ägyptische Frauen, die an einer langen Goldspange, die die Nase bedeckt, den schwarzen Schleier hängen naben, massenhaft europäisch Gekleidete mit dem niedrigen ägyptischen Tarbusch auf dem Kopi zwischen Fellachen in langen Kleidern und eine unübersehbare Menge Kinder. Das alles drängt sich in den roßen Hallen, liegt ungeniert auf dem Rasen in den Gärten erum, fährt auf der kleinen Eisenbahn, die den inneren Verkehr auf dem Gelände besorgt, drängt sich in die Erziehungsfilms, die vom Unterrichtsministerium gratis dargeboten werden. Auffallend ist die große Beteiligung der Schulkinder. Alle Schulen in Kairo, insbesondere die der Regierung, scheinen sich der Gelegenheit zu bedienen, um die Zöglinge an Hand der Ausstellung über die verschiedensten Gebiete aufzuklären. Man sieht sie in ganzen Zügen zu allen Tageszeiten durch die Säle wandern. Nach der Zusammensetzung der Besucher, die zu einem ganz überwiegenden Teile einheimisch sind, erscheint die oft nur arabische Beschriftung der ausgestellten Objekte verständlich. Hier kommt jedoch fraglos auch der überstarke Nationalismus zum Ausdruck, der sich in einer so internationalen Stadt wie Kairo, bei einer Ausstellung, die auch ausländische Besucher anzicht, vielfach auf rein arabisches Protagandamaferial versteift. Seihst im Pressebüro war es nicht eicht, französisches oder englisches gedrucktes Material aufzutreiben. Daß die Formverwirrung, die man bei der Berührung mit europäischem Einfluß beobachtet, an den entfernteren Stellen des Landes noch nicht eingesetzt hat, bewies die Aus- Stellung in manchen Ständen, die reine ״Eingeborenen- Produkte“ feilboten. Sowohl in den schönen und originellcn Leder-, Elfenbein- und Korbarbeiten aus dem Sudan als auch bei den einheimischen Glasprodukten, die noch ganz mit der Hand hergestellt werden, spürt man viel von der Geschlossenheit einer einheitlichen Lebensform und eines unverändert erhaltenen Eigenstils, der heute vielfach in seinen Mustern und Formen auf europäische Gebrauchsgegenstände übertragen wird. Demonstrative Wirkung In der Ausstellung, besonders im landwirtschaftlichen Teil, der das Kernstück und den Hauptsektor des Ganzen bildet, werden vor allem zwei wichtige Erfolge der Darstellungen offenbar: sie sind außergewöhnlich gut und sorgfältig vorbereitet und sie wirken unmittelbar aufs Auge, oft ohne daß man gesprochene oder geschriebene Erklärungen nötig hat. Die Societe Agriculture und die Regierung haben sehr lange und mit sehr viel Arbeitskräften an den Vorbereitungen gearbeitet, und der Erfolg ist offensichtlich. Hier ergibt sich ein sehr buntes und umfassendes Bild der ägyptisehen Landwirtschaft; die verschiedenen Kulturen und Rearbeitungsmethoden heben sich ohne viel Beschriftung und Diagramme aus den ausgestellten Objekten und mannigfachen Photographien heraus. Statistisches Material sowohl aus der Landwirtschaft wie auch aus den anderen Rcgierungsgcbiefcn ist in gesonderten Räumen für solche Besucher zusammengestellt, die für Zahlen und Vergleiche ein besonderes Interesse haben. Die Masse der Besucher aber ist nicht aut Lesen und Zahlenvcrglciche angewiesen, sondern kann aus der einfachen Betrachtung viele Anregungen und Schlüsse ziehen, fn dieser augenfälligen Darstellung ist die Kairoer Ausstellung besonders gelungen. Sie steht in dieser Methode in einem gewissen Gegensatz zu dem Stil der Tcl-Awiwer Messen, die in der Regel eine lieberfülle von Statistiken und Diagrammen zeigten, während die rein bildhafte Darstellung nicht so schlagend erschien. Hier spiegelt sich vermutlich nicht mir der Unterschied der Methode, sondern auch ein gewisser Gegensatz praktischer und theoretischer Gcisteshaltung. Tradition und Neuerung Aegvpten ist heute noch ein Land der tief in die Jahrtausende zuriickreichenden, niemals unterbrochenen landwirtschaftlichen Tradition. Wer nach einem Blick in die Reliefs der Gräber von vor etlichen tausend Jahren die Fellachen auf dem Felde arbeiten sieht, oder die Bilder und Darstellungen in den Aussteifungen betrachtet, sieht die Szenen der Reliefs in fast unveränderter Form wieder aufleben und erkennt denselben Boden, der mit denselben Bearbeitungsmitteln von den Menschen zu seiner Ernte gezwungen wird. Dieselben alten Werkzeuge, -die wir aus der Archäologie kennen, das Schöpfrad, das mit der Hand oder mit einem im Kreise gehenden Kamel oder Esel bedient wird, die archimedische Welle, die das Wasser in ihren Windungen aus den Kanälen hinaufzieht, die Hacke, der Hakenpflug, die einfachen Kanäle, in denen das Nihvasser aut die kleinen eingetcilten Felder verteilt wird, all das findet man in der heutigen Landwirtschaft wieder; und noch mehr: auf diesen Bearbeitungsmethoden beruht nach wie vor die Landwirtschaft Aegyptens in ihren überwiegenden Teilen. Diese Feldbestellung, die sich aus den einzigartigen Bedingungen des Niltales entwickelt hat, eine Landwirtschaff, die völlig auf Bewässerung eingestellt ist und damit zu intensivsten Kulturen geführt hat, hat im Laufe langer Zeiten eine überaus erfahrene und in ihrer Wirtschaff ausbalancierte Bauernbevölkerung geschaffen, die wie jede Bauernbevölkerung konservativ ist, die hergebrachten Dinge vom Vater auf den Sohn übernimmt und jene Fülle von Beobachtungen, Erfahrungen und Handgriffen beherrscht, die sich aus dem jahrtausendelangen Experiment ergeben. In diese sehr stabile, konservative und ungestörte, zugleich intensive und primitive Landwirtschaft hinein bricht jetzt der Geist des experimentierenden, rechnenden, mechanisierenden, nicht für die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse, sondern des Marktes arbeitenden Europa. Das ist derselbe Vorgang, den wir aus allen orientalischen Ländern kennen, die mit Europa in Berührung kommen und insbesondere aus Palästina, dem einzigen Lande des Nahen Ostens, das nicht nur eine Herrschaft durch europäische Mächte, sondern eine Siedlung westlicher Mensehen mit europäischen Methoden erfährt. Aegypten ist früher als <Jer gesamte Osten in diesen Modernisierungsprozeß einbezogen worden, nicht durch Siedlung wie in Palästina, sondern durch europäisches Interesse an dem wertvollen Rohstoff Aegyptens, der Baumwolle. Welches Gcwicht dieses Produkt in der ägyptischen Landwirtschaft hat und wie gerade auf diesem Gebiete der modernisierende europäische Geist lebendig geworden ist, spürt man auf der Ausstellung besonders stark. Sie umfaßt in ihrem Rahmen das überaus interessante Baumwolle museum, das sich aut dem Boden der landwirtschaftlichen Gesellschaft befindet und vermutlich in der Welt seinesgleichen sucht. Es ist in seiner großzügigen, systematischen, übersichtlichen Anlage durchaus modern, enthüllt die Baumwolikultur und ihre Nebenzweige als ein umfassendes Gebiet der Wirtschaft und Wissenschaft und zeigt auf sehr lebendige Weise (auch hier zeigt sich die Fähigkeit, im wahren Sinne des Wortes demonstrativ durch die Dinge selbst zu wirken) die Entwicklung der Baumwolikultur, Pflanzungen, Ernten, Vorbereitung für die Spinnerei, Schädlinge, Sorten usw. und endet mit einer Zusammenstellung alter Gewebe. Gerade im ßaumwollmuscum wird es deutlich, wie diese moderne Wirtschaft, die ihren Bedürfnissen entsprechend einen bedeutenden Teil Aegyptens einer Monokultur zuführte (man zieht unwillkürlich bestimmte Parallelen mit dem palästinensischen Orangenbau), den arbeitenden ägyptischen Menschen, so wie er war, mit seiner althergebrachten Kleidung, seinen Lebensgewohnheiten, seiner Bedürfnislosigkeit in die moderne Produktion hineinstellte. Die stereoskopischen Bilder des Museums, die die verschiedenen Arbeitsabläufe beim Pflücken, Entkernen, Verpacken und Transportieren der Baumwolle zeigen, bilden eine sonderbare Mischung von moderner Maschinerie und bunten, immer gleichbleibenden Fellachcnszenen, an denen man die Uehersclincidung der verschiedenen Arbeitsformen und Lebensstile sehr klar erkennen kann. Die größte landwirtschaftliche Neuerung Aegyptens, durch die neue Bautcchnik und Wissenschaft neue Böden für Bebauung nutzbar emacht hat, kommt freilich auf der Ausstellung nicht lar zum Ausdruck. Wenn man sich ein Bild über die neuen Bewässcrungs m ethoden mit Hilfe der Staudämme machen will, so muß man schon eine Stunde von Kairo zu dem ehrwürdigen ersten, noch von Mehemed Ali erbauten Damm am Eintritt der Nilmündung in das Delta hinaustahren. Da erhält man eine Vorstellung dieses ersten Staudammvcrsuchcs: zugleich führen die interessanten Holz- und Tonmodclle, die in einem kleinen Museum von den Ingenieuren des Werkes liergcstcllt wurden, in •die großen Da mm arbeiten der letzten Jahrzehnte und die jetzt in Ohcrägypten in Ausführung begriffenen riesigen Wasserregulierungen ein. Neue Kulturen und Ihre Verwertung Aegypten war, wie alle Isolierten, feudalistisch strukturierten Länder bis vor der Einführung der Baumwolikultur in seiner Landwirtschaft auf den eigenen Bedarf eingerichtet. Mit der Ausbreitung der Baumwollkuituren im letzten Jahrhundert wurde seine Wirtschaft aufs engste mit dem Weltmarkt verknüpft. Die hierdurch cintretendcn scharfen Schwanklingen in den Einnahmen des Fellachen und das starke Ansteigen der Bevölkerung (Aegypten zählte 1927, als die letzte Zählung stattfand, über 14 Millionen Einwohner, und sein bebauter Boden ist nicht viel größer als die Gesamtfläche Palästinas) verauiaßten das Landwirtschaftsniinisterium, nach neuen Kulturen zu suchen, die ein gewisses Gegengewicht gegen die Stapelkultur der Baumwolle bilden sollten. Die jetzige Ausstellung belehrt darüber, in welcher Richtung sich diese Versuche bewegt haben. Man findet neue Gemüse- und Obstsorten, besonders fällt eine Fülle von verschiedenen Zitrusfrüchten auf, die alle noch einen wenig entwickelten Eindruck machen, aber darauf hindeuten, daß man sich in Aegypten auch auf diesem Gebiet versucht. (Fortsetzung folgt) lieber 36000 Juden aus Deutschland in Palästina New York, 0. April. (JTA.) Der United Palestine Appeal gibt Zahlen über die Einwanderung von Juden aus Deutschland in den letzten drei Jahren bekannt, die vom Zentralbüro für die Ansiedlung von Juden aus Deutschland zusammeugestellt worden sind. In den letzten drei Jahren, von Januar 1933 bis zum Dezember 1935, sind danach nach Palästina 36 372 Juden aus Deutschland ciiigewandert. Fs sind 70 ״ö oer jüdisehen Auswanderer aus Deutschland, die nach überseeischen Ländern gegangen sind. Von ihnen ließen sich 24 499 dauernd im Lande nieder, 11 873 als Touristen. Von denjenigen, die sich ständig im Lande niedergelassen haben, waren 42 ס׳יי Männer, 3<)»;» Frauen und 22״:# Kinder. Von ihnen standen 29,4״/# im Alter zwischen 21 und 30 Jahren, 20,2 ״/o waren zwischen 3! und 40 Jahre alt, 17.3 ׳״« zwischen 10 und 20 iahren, 12,2 »0 zwischen 1 und 9 Jahren, 9,4 0״ zwischen 41 und 50 Jahren und 6 0',״ zwischen 51 und 50 Jahren. 3,1 0/0 standen im Alter zwischen 61 und 70 Jahren. In dem gleichen angegebenen Zeitraum wandertm insgesamt 134 540 Juden aus allen Ländern nach Palästina ein. Frontsoldatentagung in Jerusalem Eine Tagung jüdischer Frontsoldaten, die während des Krieges in Palästina und auf Gallipoli gekämpft haben, fand in. Jerusalem statt. Beil Gurion begrüßte die Tagung im Namen der Jewish Agency, Ben Z w i für den Waaa Lcumi. Uebcr ״Friedensideen in der Bibel und im Talmud“ sprach Dr. Y eil in. Der Konferenz wohnten auch der zur Zeit in. Palästina weilende Baron James de Rothschild, Dr. Chaim W e i z m a n n, sowie, ein Vertreter des High Commissioncr bei. High Commissioncr Sir Arthur Wauchopc empfing eine Delegation jüdischer Frontsoldaten Pa- 1 ä s t i n a s, mit der er in halbstündiger Aussprache die Ansiedlung von Frontsoldaten und die Erweiterung der bestehenden Kolonie Avichail sowie die Frage der Einwanderung von Frontsoldaten erörterte. Der Abordnung gehörten u. a. der Vorsitzende des palästinensischen Siedlerverbandes, Mosche S m i 1 a n s k y, und der Vorsitzende des Waad Leumi, Ben Z w i, an. Einweihung des König-Albert-Gedächtniswaldes Jerusalem, 15. April. (JTA.) Der Wald, der zum Gedächtnis des verstorbenen König Albert von Belgien in Kfar Choresch gepflanzt worden ist, wurde heute in Anwesenheit von High Commissioner Sir Arthur Wauchope, M. M. Ussischkin und Prof. Speyer, dem belgischen Mitglied der Jewish Agency, eingeweiht Kwuzah ״Kfar-Chadasch“ (Neuendorf). Uns wird geschrieben: Aus dem gemeinsamen Erlebnis der Hachscharah aut dem bekannten Lehrgut ״Neuendorf“ gründeten 15 Chawerim und Chaweroth vor einigen Wochen eine Kwuzah des Chewer ha Kwuzoth ״Kfar-Chadasch“ (Neuendorf) ,,in Oaniabne. Die Kwuzah, die südlichste im Lande, hat vom Merkas Chaklai 6 Dunam Boden mit einer Holzbaracke von 6 Zimmern und einem größeren Aufenthaltsraum zur Verfügung gestellt bekommen. Die Chawerim sind fast alle Fachleute; Glaser, Tischler, Melker, Installateur und Gärtner; auch ist ein Fachmann für Hühnerzucht vorhanden. Arieh Schakowski