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Jüdische Rundschau · 1936-04-17 · Heft 30-31 (17.4.1936) · page 19

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 30-31 (17.4.1936)
Date
1936-04-17
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 30/31. 17. IV. 1936 JODISCHE RUNDSCHAU Seife 19 Das arabische Postenstehen Die nachfolgende Zuschrift, die vielleicht in manchen f&dischen Kreisen Widerspruch wecken wird, scheint uns in sehr beachtlicher Weise den Finger auf eine Wunde zu legen, deren Ignorierung u. E. schlechte Folgen haben kann. Wir geben daher der Einsendung Raum. (Red.) Es sei gestattet, zu dem Bericht über ״Arabisches Postenstehe n“ von Fritz Naphtali in der ״Umschau“ der Nr. 21 der ״Jüdischen Rundschau“ ergänzend noch etwas zu sagen, wdl es sich um ein Ereignis handelt, das hier viele Gemüter bewegt und Stoff zu kritischem Nachdenken bietet Es gibt gerade unter den Einwanderern aus Deutschland viele, die zwar politisch wenig hervortreten, die sich aber auf Grund eigener Anschauung und auf eigene Rechnung Gedanken über die Zukunft Palästinas machen. Sie glauben — wohl nicht zu Unrecht, — daß diese Zukunft von der Gestaltung des Vcrhältnisses zwischen Arabern und Juden abhängt. Sie werden beunruhigt durch die immer steigende antijüdische Propaganda der arabischen Presse und die ent* sprechende Haltung der arabischen Bevölkerung. Sie sind um so begieriger, alle die Schritte zu verfolgen, die von jüdischer Seite zur Besserung der arabisch-jüdischen Beziehungen unternommen werden. Es unterliegt nun keinem Zweifel, daß im vorliegenden Falle das Verhalten der verantwortlichen Stellen ein Ergebnis gezeitigt hat, das alles andere als einen Fortschritt in dieser Richtung herbeizuführen geeignet ist. Das wird auch im Berächt der ״J. R.“ angedeutet. Aber es sollte noch unterstrichen werden. Im vorliegenden Falle war — wie mir der Bauführer am Platze auf mein Befragen angab, — im Vertrage mit der Reg'erung eine Klausel enthalten, die die Beschäftigung eines ritteis arabischer Arbeiter bei dem Bau vorsah. Die Juden haben die Araber also nicht ״in besonders fairer Weise“ von sich aus herangezogen, sondern waren dazu vertraglich verpflichtet, später wurden sie zur Erhöhung der Quote durch die arabischen Demonstrationen gezwungen. Der Bauplatz selbst liegt auf der Verlängerung der King Georg Avenue mitten im (arabischen) Jaffa (neben dem Bau einer Moschee). Es liegt im wohlverstandenen jüdischen Interesse, die Lage einmal mit den Augen des arabischen Arbeit er s zu betrachten. Er wird keine überspitzten Ueberlegungen darüber anstellen, welcher Fall jüdischen Posten- Stehens der augenblicklichen Situation mit mathematischer Genauigkeit analog ist, sondern den jüdischen Arbeiter im arabischen Jaffa einfach mit dem arabischen Arbeiter im benachbarten jüdischen Tel-Awiw vergleichen. Wie ist es ihm selbst in Tel-Awiw ergangen? Folgender Fall, den ich einmal selbst erlebte, diene als Beispiel: Ein arabischer Arbeiter arbeitete auf einem jüdischen Bau in der Alijahstraße zusammen mit jüdischen Arbeitern. Ein jüdischer Unternehmer hatte ihn eingestellt. Eine Menschenmenge sammelte sich an. Sie wendete sich nicht gegen den jüdischen Hauseigentümer, nicht gegen den jüdischen Unternehmer, nicht gegen die jüdischen Arbeiter, die mit dem Araber zusammenzuarbciten ״sich nicht schämten“ — sondern: Auf sehr unschöne Art und Weise wandte sich die Menge gegen den Araber, bis dieser vom Bau verschwand. Wer auf dem Bau arbeitet, hat unzählige Fälle erlebt, in denen Araber, die von Kraftwagenführern z. B. zum Abladen von Sand oder Ziegeln mitgebracht worden waren, am Arbeiten verhindert wurden. Von den Erfahrungen, die der arabische Arbeiter auf dem Lande mit dem jüdischen Postenstehen — etwa in K f a r Saba — gemacht hat, braucht hier nicht mehr die Rede zu sein. — Wer will es unter diesen Umständen dem arabischen Arbeiter übelnehmen, daß er — wenn jüdische Arbeiter ins arabische Jaffa zu Arbeit kommen — keine präzisen Analogien zieht — sondern einfach an die Prügel denkt, die er in Tel-Awiw bezogen hat, und sich seinen Arbeitsplatz aut arabischem Gebiet erhalten will? Wer will es ihm übelnehmen, daß er sich dazu — nach jüdischem Beispiel — auch des Mittels des Postenstehens bedient? Es interessiert wohl, einmal zu fragen, wie die jüdische Unternehmerorganisation — der Misrad Hakablanim — überhaupt zu diesem Regierungsauftrag in Jaffa gekommen ist: Die Regierung hat die Vergebung des Baues ausgeschrieben. Die arabischen Unternehmer haben ihr Angebot gemacht, der Misrad Hakablanim, die größte jüdische Unternehmerorganisation im Lande, gleichfalls. Da die Löhne der arabischen Arbeiter 50—100 «ö niedriger sind als die der jüdischen Arbeiter, hätte das Angebot der arabischen Unternehmer für die Regierung günstiger sein müssen als das der Juden. Wie konnten diese die Araber unterbieten? Es heißt, dafl der Differenzbetrag, der sich aus dem Lohnunterschied zwischen Juden und Arabern ergibt, durch den Keren Choßer Awodah, den Arbeitslosenhilfsfonds der Histadruth, gedeckt wird. Dies wäre aus vielen Gründen bedenklich. Man hat hier nicht durch Neu. Investitionen — wie in anderen Fällen — neue Arbeitsmöghchkeiten für jüdische Arbeiter geschaffen, sondern durch Ermöglichung einer billigen Offerte — sich diese Arbeitsplätze auf Kosten der arabischen Arbeiter auf arabischem Gebiet verschafft und damit zugleich eine Situation geschaffen, die zur Verschlechterung der arabisch-jüdischen Beziehungen beitragen mußte und beigetragen hat. Man sollte ganz allgemein bei dem Kampf um Wirtschaftliehe Positionen sehr viel mehr das Augenmerk auf die mittelbarer! politischen Folgen richten: Ein augenblicklicher materieller Vorteil kann sich als schwerer Schaden für die Zukunft erweisen. Ernst Iskin (Tel-Awiw) Altes und neues Haifa* 2. Die neue Egged-Station Vor einigen Wochen wurde die neue Station der Autobu s kooper a t i v e ״Egg cd“ in Haifa eröffnet. Sie liegt am Kingsway, Haifas breiter Hafenstraße, hat einen Raum für Billettausgabe, für Gepäckaufbewahrung und eine Erfrischungshalle. ״Egged“ ist nach der Eisenbahn das größte Transportunternehmen des Landes, eine Million Passagiere wurden im Jahre 1935 befördert. Von Haifa aus versieht ״Eggcd“ den Dienst nach Jerusalem und Tel-Awiw und Foto: i. Loewenheim, Haifa! סי}»»»»"" ׳־4־־־“‘■Sssf. _•: zurück. Der Weg führt von Haifa aus durch das Emek, und auch nach Tei-Awiw schon, bevor noch der sehnlichst erwartete Autoweg Haifa—Tel-Awiw fertig ist, seit 1935 auf Umwegen nur auf Asphaltchaussccn, während man in den Jahren vorher von Haifa nach Tel-Awiw׳ nur im Sommer auf Sandwegen fahren konnte. Das Netz der Chausseen im Lande breitet sich ständig aus, 1935 wurden wiederum neue 150 km Asphaltstraßen gebaut und für Ende 193b ist von der Regierung die Fertigstellung des größten Teiles der Chaussee Haifa—Tel-Awiw zugesagt worden. Es geht, wie man sicht, langsam vorwärts, aber auch bei unseren eigenen jüdischen Institutionen ist das Tempo keineswegs schneller als bei der Regierung. Im November 1933 schrieb ich: ״Im Büro der größten Aiitobuskooperative des Landes hängt ein gedruckter, aber mit Bleistift verbesserter Fahrplan, aus dem niemand fcststellen kann, w׳ann die Wagen verkehren.“ Nun, nach drei Jahren, gibt es gedruckte unverbesserte Fahrpläne, nach denen man sich gut richten und aus denen man ersehen kann, daß von Haifa täglich 4 Autobusse nach Tel- Awiw und 4 nach Jerusalem fahren, und zwar pünktlich zu den angegebenen Zeiten. Statt dem alten Laden, in dem früher das Büro war, und statt der alten Abfahrtstelle in einer so engen Straße, daß man nur mit Mühe in den Autobus einsteigen konnte, gibt es jetzt ein schönes Stationsgebäude und eine bequeme Abfahrtsmöglichkeit. So haben die Optimisten wieder einmal recht behalten. Das gibt uns die Hoffnung, daß auch ein anderer Teil des Unternehmens sich in weiteren drei Jahren verbessern wird, nämlich der Kundendienst. Dr. Albert Baer, Haifa Zur Geschichte des neuen Jischuw in Haifa Aus Tel-Awiw wird uns geschrieben: Im ״Dawar״ veröffentlicht S. W i 1 n a i einen Aufsatz über den Beginn der jüdischen Niederlassung in Haifa im vergangenen Jahrhundert: ״Während der Herrschaft Ibrahims in Palästina (1831 bis 1844) nahm die Sicherheit im Lande zu und die Städte entwickelten sich. Damals ließen sich viele Juden, die zumeist aus Marokko und Algier stammten, in Haifa nieder. Die Juden aus Algier genossen den Schutz der Franzosen, die damals die vorherrschende Macht im Orient waren. So wagten es gerade die Juden, die die französische Staatsangehörigkeit besaßen, sich in Städten niederzulassen, die bisher ohne jüdische Bevölkerung waren. Diese Juden lebten meist nicht von der ״Chaluka“, sondern ernährten sich durch Handel. Die sephardischcn Juden in Haifa, die aus Algier und Marokko stammten, hielten sich anfangs streng von den Sepharden aus den türkischen Gebieten geschieden, und erst langsam kam es zu einer Annäherung und zur Organisation einer gemeinsamen sephardischcn Gemeinde.“ Die Juden hetrieben Kleinhandel, Handwerk und Hausierhandel. Im Jahre 1848 bestand der jüdische jischuw in Haifa aus etwa 30 Familien. Als im Jahre 1855 Moses Montcfiore zu seinem vierten Besuch ins Land kam, überreichte ihm die sephardische Gemeinde ein Verzeichnis ihrer Mitglieder, das 150 Namen enthielt. Haifa befand sich damals in einem sehr vernachlässigten Zustande. Der Hafen war versandet, der Ort ohne jede Bedeutung. Der wirtschaftliche und kulturelle Zustand der Juden war dementsprechend dürftig und herabgekommen. Der Jischuw entwickelte sich nicht, ja er verringerte sich eher. Im Jahre 183<׳ wird er auf 120 Seelen angegeben. Im Jahre 1*875 hatte er sich auf 200 Seelen vermehrt, neue Einwanderer waren aus Tetuan, Konstantin¬ *) Siche ״Jüd. Rundschau“ Nr. 21. Grundsteinlegung des Rothschild - Museums Jerusalem, 6. April. (JTA.) In Rischon le Zion fand durch James de Rothschild die Grundsteinlegung des Rothschild-Museums statt. Bei der Zeremonie war eine repräsentative Versammlung der palästinensischen Judenheit zugegen. James de Rothschild sprach in hebräischer Sprache von dem großen Interesse, das Baron Rothschild an der hebräischen Sprache und au dem Gedeihen des jüdischen Werkes in Palästina genommen habe. Er habe auch Von links nach rechts: Baron James de Rothschild, Kolonist Ussisclikin im Gespräch mit Baron Rothschild Meprowitz, Baronin Rothschild, Bezirkskommissar Crosbp, Rabbi Uziel, Rabbi Amiel (mit Zplinder) opel, Smyrna und Damaskus hinzugekomtnen. Die Sepharden besaßen eine Schule, in der Bibel unterrichtet wurde, aber sie erbaten jetzt von Montcfiore die Errichtung einer weitliehen Schule, in der auch Französisch und Arabisch gelehrt werden solle. Audi wünschten sie einen Arzt und die Erriclitung eines Krankenhauses. Sie brachten auch ihren Kum« mer darüber zum Ausdruck, daß der Hausierhandel noch immer ihr Haupterwerb sei, und daß cs ihnen nicht gelinge, in der Landwirtschaft Fuß zu fassen. Sie betonten, daß sie ein Stützpunkt für ihre aschkenasischcn Brüder wären, die, wenn sie von Europa nach Safcd oder Tiberias reisten, die Gastfreundschaft der Sepharden in Haifa genössen. Von diesen Aschkcnasen blieben manche in Haifa, und auch sie wandten sich im selben Jahre an die Oeffentlichkcit mit dem Wunsche, ihnen landwirtschaftliche Ansicdlung zu ermöglichen. Drei aschkenasische Familien lebten damals in Haifa. Sie erhielten Chaluka, betrieben aber außerdem ein Handwerk. Auch einen Lehrer für ihre Kinder hatten sic sich aus Safcd kommen lassen. Sie waren die ersten aschkenasischcn Juden, die in Haifa dauernd Aufenthalt nahmen. Sie unterhielten auch einen Gottesdienst, obgleich sie nicht die vorschriftsgemäßen zehn Mann aufbrijjgen konnten. Aber Durchreisende nach Safed oder Tiberias ergänzten ihre Zahl. KKL erwirbt 40000 Dunam Das Hauptbüro des KKL in Jerusalem hat in den letzten Wochen Kaufverträge über 40 000 Dunam Boden abgeschlossen. Dieser Bodenkornplex ist zum größten Teil in einem Punkt des Landes konzentriert, der für den Ausbau der jüdischen Position von besonderer Bedeutung ist. Von dem gesamten Gebiet werden 33 500 Dunam für landwirtschaftliche Kolonisation bestimmt, 6000 Dunam für wichtige öffentliche Zwecke und 500 Dunam für vorstädtische Siedlungen. Aut dem für landwirtschaftliche Kolonisation bestimmten Teil werden über 100 Familien angesiedeit, die voraussichtlich je 30 bis 35 Dunam Boden zur Erreichung gemischter Wirtschaften erhalten werden. Da die durclischnittliebe Kopfzahl einer Bauernfamilie fünf betragen wird, sieht der Kolonisationsplan vor, daß hier 5000 Menschen, die ausschließlich aus der Landwirtschaft ihren Lebensunterhalt ziehen, Platz finden werden, und da nach den allgemeinen Kolonisations-Erfahrungen in Palästina auf jede landwirtschaftlieh tätige Familie zwei weitere Familien von Handwerkern usw. entfallen, ist vorgesehen, daß insgesamt 15 (XX) Menschen auf dem neuerworbenen Gebiet werden leben können. So wird dieser neue Bodenerwerb des KKL auch in einwanderungspolitischer Hinsicht eine große Bedeutung erlangen. Zur Gewinnung eines Maßstabes fiir die Größe des neuerworbenen Gebietes sei darauf hingewiesen, daß dieser Komplex von 40 000 Dunam so groß ist wie der Bodenbesitz des KKL in der Haifa-Akko- Bucht bzw. sein Eigentum in Judäa und in der Scharon- Ebene. Der Erwerbspreis beträgt rund L 250 000. Zu seiner Aufbringung führt die Zionistische Organisation eine Sonderaktion in allen Ländern der Welt durch. Erst nach Abschluß dieser Aktion, die in Deutschland schon jetzt durch den KKL begonnen worden ist, wird die endgültige Ueberführung des neuen Bodengebietes in das Eigentum des KKL vorgenommen. ״Erez Israel“ im Jerusalemer Sender Jerusalem, 12. April. (JTA.) Der Streit um die Füllrung des Namens ״Erez Israel“ in den Programmen und der Ansage des Palästina-Senders hat eine Lösung gefunden. Die Palästina-Regierung hat entschieden, daß der Name Palästina bzw. ״Erez Israel“ fortgelassen und der Sender künftig die Bezeichnung ״R a d i o s t a t i o n J c r u s a 1 e m“ verwen* den soll. Der Waad Leumi übermittelte dem High Commissioner ein Memorandum, in dem gegen die Abänderung des Gebrauchs des Namens Erez Israel in ״E. I.“ im palästinensischen Radio-Programm protestiert wird. High Commissioner Sir Arthur Wauchope äußerte sich zu dem Vorsitzenden des Waad Leumi, Ben Zwi, der ihm das Memorandum überreichte, dahin, eiaß der Chefsekretär der Regierung die Angelegenheit behandele. Die neue Radiostation von Jerusalem wird, einem JTA.- Bericht aus Istambui zufolge, in der Türkei deutlich gehört W'ie die türkische Presse berichtet, finden die Sendungen bei den türkischen Juden großes Interesse. Die Juden versammeln sich in Häusern, wo Empfangsgeräte vorhanden sind, um die Sendungen in hebräischer Sprache zu verfolgen. Wie aus Odessa gemeldet wurde, können jüdische Siedlungen in der Süd-Ukraine die Sendungen des Jerusalemer Radios deutlich, hören. High Commissioner Sir Arthur Wauchope zum General ernannt Jerusalem, 15. April. (JTA.) ln der ״Official Gazette“ wird mitgeteilt, daß der High Commissioner von Palästina Sir Arthur Wauchope zum Hange eines Generals befördert worden ist. Sir Arthur hatte bisher den Rang eines Generalleutnants intie. D 1 1 ׳TT m Kischon le Zion gewollt, daß ein besonderes Augenmerk der Verbesserung des Loses der Fellachen gewidmet werde. Zu Ehren von James de Rothschild gab der Bürgermeister von Tel-Awiw, Meir Dizengoff, einen Empfang. Der Platz der Grundsteinlegung Fotoi: Lasar iJuaner (2). H. Oralhkai (1)

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