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Jüdische Rundschau · 1936-04-17 · Heft 30-31 (17.4.1936) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 30-31 (17.4.1936)
Date
1936-04-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 30/31 17 IV. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seif« 7 1000 JuQMtdUcUe> muU llatoL&Utta Gegen Rheuma Rad Dictyan Pension, Arzt, Bldar, Kurtaxe in ייי ®■•י ■ ■ייייי■ Wochenpauschale f. RM 56,-, Reisescheck durch sof. Anmeldung beim PIstyan-BOro■ Berlin w 1s, Faaanonstr, 81, J 2 4908 Die Bedeutung־ der Jugend -Alijah In rficsen Tagen ereigneten sich zwei für die Jagend• Alijah bedeutsame Geschehnisse: die erste Jugend• Alijah-Gruppe in Ejn-Charod hat ihre zweijährige Ausbildungszeit beendet — der tausendste Jugendliche ging mit der Jugend-Alijah aus Deutschland nach Palüstina. Aus diesem Anlaß veröffentlichen wir nachstehende Uebersicht. (Red.) Was hat das Jugend-Alijali-Wcrk bisher erreicht? Welches ist seine Bedeutung für den Aufbau des Landes? Aenderung der jüdischen Berufsschichtung, von vielen seit langem erwünscht und erstrebt — durch die Jugend-Alijah soll sie in Palästina zur Tat werden. Jüdische |ungcn und Mädchen gehen aus den Städten Deutschlands in die palästinensischen Siedlungen, werden Bauern und Handwerker. Ein doppelter Sinn liegt darin: Einmal wird den Jugendlichen zu einer Existenz, zu einem Beruf, zu einer Zukunft verhelfen; zum anderen werden Palästina selbst junge Kräfte zugeführt, die dem Aufbau des Landes dienlich sind. Ganz deutlich zeigt sich die Wandlung der Berufsschichtung, wenn man sich die Tätigkeiten vergegenwärtigt, die die Eltern der Jungen und Mädchen ausüben, die heute — mit Hilfe der Jugend-Alijah — in Palästina in der Landwirt- Schaft oder im Handwerk arbeiten. Folgendes Bild ergibt sich da: Berufe der Eltern: Kaufleute 42 <y0 Akademiker 14 ״/o Angestellte 12 <y0 Witwen 12 0/0 Handwerker 10 ״/o Verschiedene 4 »,0 Bei den restlichen 6 °/0 handelt es sich um Jugendliche, die Vollwaisen sind. Wo leben und arbeiten die jungen Menschen aus Deutschland in Palästina? Das hängt davon ab, durch welche der drei Organisatiorien, die in der ״Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugend-Alijah“ vereinigt sind, die Jugendlichen ausgewählt und für Palästina vorbereitet werden. Sind es die Jungen und Mädchen des Kinderheims »Ahawa h“, so kommen sie in das neue Haus in Kirjath Bialik bei Haifa, das — auf KKL-Boden — durch die Arbeitsgemeinschaft errichtet wurde. Hier wird jüdisch-traditionelle Erziehung mit dem Geist des neuen Palästina sinnvoll vereinigt. Nach Ben-Schemen gelangen all die Jugendlichen, die von der Jüdischen Waisenhilfe ausgewählt werden. Sie wachsen in diesem Kinder- und Jugenddorf in Gemeinschaft mit jüdischen Jugendlichen der verschiedensten Länder auf. Der größte Teil aller Jugendlichen — etwa 80 0/0 — wird durch die Jüdische Jugendhilfe vorbereitet und gelangt iri jene Siedlungen, die sich zur Aufnahme der jüdischen Jugendlichen aus Deutschland bereitgefunden haben. Fn Gruppen, deren Zahl zwischen 13 und 60 schwankt, werden die Jungen und Mädchen in den Siedlungen untergebracht. Es handelt sich dabei um folgende Plätze, die hier nach der Anzahl der aufgenommenen Jugendlichen geordnet sind: Ejn-Charod Giwath Brenner Rodges Go.-־׳!!er Nahalal Giwath Ilaschloschah Tel lossei Tel Chaj Jagur G’wat Ajelcth Ilaschaehar Kirjath Anawim Kinercth A Naanch Oewa Kwuznth Schiller Sarid MUchinar Ilacmek Mcrchawiah Degnniah A Ginegar Kincreth B De ׳»aniah B Misra Für religiöse Jugendliche sind besondere Unterbringungsplätze geschaffen worden. Rodges, die große religiöse Siedlung, wurde bereits genannt. Eine weitere Jungen- Gruppe befindet sich in Haifa, eine Mädchengruppe im Iwdi- Heim in Jerusalem. Allerdings reichen die bisher vorhandenen Unterbringungsplätze für religiöse Jugendliche bei weitem nicht aus. Es sollen daher nach dieser Richtung hin weitere Möglichkeiten geschaffen werden. Neben den genannten Siedlungen, die bereits seit mehr oder minder langer Zeit Jugendliche bei sich haben, stehen schon andere Siedlungen zur Aufnahme von Jugend-Alijah- Gruppen bereit. Hier sind im wesentlichen zu nennen: Sichren T.iakow Gan Schmuei Pardcss Chamv.Ui Karkur Kfar Saba Ramath Ilascharon Ajanot h Rcth Alpha Kfar Gun Ramath David Kfar Jcchcskcl BaUovnia Kfar fchoschuali Afuleh Der Andrang zur Jugend-Alijah wächst ständig. Um den zahlreichen Wünschen nach Unterbringung Jugendlicher in Palästina gerecht zu werden, sind große Summen erforderlieh. Die Beschaffung der für die Ueberftihrung und Unterbringung der Jugendlichen notwendigen Gelder ist daher die dringlichste Aufgabe der ״Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugend-Alijah“. Dabei ist zu bedenken: es sind einmal Beträge für die Vorbereitung und Ausrüstung der Jugendliehen in Deutschland erforderlich. Sodann müssen die Summen fiir den Lebensunterhalt und die Ausbildung der Jungen und Mädchen in Palästina für die Dauer von 2 Jahren sichergestellt sein. Schließlich sind auch den Siedlungen umfangreiche!betrüge zur Verfügung zu stellen, denn die Unterbringung der Jugendlieben in den Siedlungen erfordert vielerlei: Häuser müssen errichtet, Arbeitsgeräte und Maschinen müssen angeschafft, Lehrkräfte müssen angestellt werden. Für all diese Zwecke sind bisher beträchtliche Beträge aufgebracht worden. Woher stammen diese Mittel? Bekanntlich sammelt die ״Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugend-Alijah“ in Deutschland selbst, während in zahlreichen anderen Ländern besonders geschaffene Jugend-AI ijah-Komitccs derartige Sammlungen durchführen. Die Ergebnisse sind recht zufriedenstellend. Welchen Erfolg hat nun die Arbeitsgemeinschaft durch ihre Tätigkeit erzielt? Die Jugendlichen, die sie nach Pa* Iästina gebracht hat, sind dort wirklich eng mit dem Land, mit dem Boden, mit der Landarbeit verbunden. Die Tätigkeit eines jüdischen Bauern ist ihnen zur Selbstverständlichkeit geworden. Auch für diese Tatsache liegen Zahlen vor, die deutlicher und beredter als lange Darlegungen zu uns sprechen: Von den Jugendlichen, die bisher durch die Jugend-Alijah nach Palästina kamen, haben noch nicht einmal , 10 auf dem Lande versagt. Von der ersten aus 60 Jungen und Mädchen bestehenden Ejn-Charod-Gruppc, die eben ihre Ausbildungszeit beendet hat, will nur ein einziger Junge in die Stadt gehen; alle anderen wollen Bauern sein und bleiben. Die mit der Jugend-Alijah nach Palästina geführten jungen Menschen bilden so eine wertvolle Ergänzung der chaluzisehen Bewegung. In den Siedlungen schätzt man deshalb auch diese ״Zwischcngcncration“, an der es bisher im Lande gefehlt hat, sehr. Die Kinder der Siedler sind meist noch ganz jung und zur Mitarbeit auf dem Felde noch nicht faltig. Die Jugend-Alijah stellt das Bindeglied zwischen den Chaluzim und ihren eigenen Kindern dar. Tausend junge jüdische Menschen im Lande — das bedeutet aber noch mehr für den Aufbau Palästinas. Die tausend Jugendlichen sorgen für eine enge Verbindung weiter Kreise der Galuth-Judcnhcit mit Erez Israel. Nicht allein die Eltern und yerwandten dieser Jungen und Mädchen werden mit dem jüdischen Lande verbunden, sondern meist auch jene Kreise, die sich freudig und gern an der Aufbringung der Mittel für die Durchführung der Jugend- Alijah beteiligen. Gerade hier ist es schon oft gelungen, Menschen, die Palästina und der zionistischen Idee sehr ferngestanden haben, für das Land zu interessieren. Namcntlieh in jenen Ländern, in denen weite jüdische Schichten dem Palästina-Gedanken noch immer gleichgültig oder sogar ablehnend gegenüberstehen, konnten die Jugend-Alijah-Komitees diese Haltung in günstigem Sinne beeinflussen und die Aufmerksamkeit von Menschen dieser Kreise auf das Aufbauwerk Palästinas hinlenken. Schließlich hat die Jugend-Alijah noch nach einer anderen Richtung hin einen großen Erfolg aufzuweisen: in bezug auf die H c b r a i s i c r u n g des Landes. Die meisten Jugendiiehen, die mit der Jugend-Alijah nach Palästina gehen, lernen schon hier im Vorbereitungslager und in den Schulungskursen der Jüdischen Jugendhilfe mit großem Eifer Iwrith. Dadurch aber, daß sie fast ausschließlich auf dem Lande, in den Siedlungen leben, sind sie in weit stärkerem Maße auf die Kenntnisse der hebräischen Sprache angewiesen, als cs etwa in der Stadt der Fall wäre. Hinzu kommt, daß die Chawerim in den Kwu/oth sich mit den Jugendlichen meist nur hebräisch unterhalten — selbst dann, wenn sie deutsch sprechen können. Das hat zur Folge, daß die Junger, und Mädchen der Jugend-Alijah verhältnismäßig schnell in die hebräische Sprache cindringen. * Wenn heute die Jugend-Alijah das erste Tausend erreicht hat, dann soll diese Zahl zugleich das Programm für die zukünftige Tätigkeit der ״Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugend-Alijah“ sein. Von nun an muß es möglich sein, in ' e d e m Jahr tausend Jugendliche nach P a - ä stina zu bringen, ihnen Erziehung, Unterricht und Ausbildung im Lande zu gewähren, sie zu produktiver Arbeit in Erez Israel zu führen. Jeder muß mithelfen, jungen jüdischen Menschen diesen Weg in die Zukunft zu bahnen. . . . und ihr Weg in Palästina Die ernte Gruppe Fn diesen Tagen beendete die erste Jugendaüjahgruppe in Ejn-Charod iFire zweijährige Ausbildungszeit. 41 von 58 Mitgliedern der Gruppe beschlossen, einen gemeinsamen Weg als Kibbuz zu gehen und befinden sich bereits in Kirjath Charoscheth (einer neuen Wohnsiedlung in Entfernung einer halben Bahnstunde von Haifa), am Abhang der Hügel von Scheich Abrek, auf denen die Gruppe sich später ansiedeln soll. 85 "/״ der Gesamtgruppe bleiben auf dem Lande. Der Rest bildet sich weiter aus und arbeitet in der Stadt. Eine bange Spannung herrschte von jener Zeit ab, als in der Jugend die ernsten Klärungen über den Weg nach Ablauf der zwei Jahre begannen. Es war eine Art ständiges Tasten. Man konnte andererseits fühlen, daß sich eine Kraft in der Gruppe mehr und mehr entwickelt und daß man mit dieser zu rechnen habe. Und im Ergebnis wurden wir doch überrascht. Kräfte wurden im Laufe der letzten Monate entfaltet, deren wir vorher nicht sicher sein konnten. Hier standen nicht nur die Jugendlichen selbst vor der Probe, sondern auch die Bewegung hatte ihre Kraft 7.11 beweisen. Und es gelang ihr mit ihrem Pathos und Verwirklichungswillen, schöpferische Kräfte auch in dieser Jugend auszulösen. F>ies brachte ein Chawer von Ejn-Charod bei der Abschiedsfeier zum Ausdruck: ״In diesem Werk, wie in allen anderen, haben wir uns Ausdruck verliehen.“ Konnte man aber von vornherein sicher sein, daß dieser Versuch gelingen würde, Jugend an die Werte der Bewegung zu binden, die, vom Volke gelöst, weit weg von der Arbeit lebte, jeglicher jüdischer Vitalität mangelnd? Klar ist, daß, so sehr all dies vom Gesamtbild der Jugendalijah im Lande spricht, man andererseits jetzt noch nicht das Gelingen dieses Werkes in seinem Gesamtumfange oder auch nur dieser ersten Gruppe endgültig feststellen kann. Aber cs unterliegt keinem Zweifel, daß die Bewegung im Lande und insbesondere die Kibbuzim weitgehend ihre Fähigkeit, dieser Jugend eine neue Heimat zu geben, bewährt haben. In vielen der Jugendlichen werden neue schöpferische Kräfte offenbar, es lebt die Erkenntnis der Notwendigkeit, sie mit anderen ״Stämmen“, insbesondere palästinensischer Jugend, zu verbinden, die hebräische Sprache wird zum Ausdrucksmittel auch im intimen Gespräch, für viele auch der Ausdruck neuer ernster Kulturbemühung. AH das fand seinen Ausdruck in der Abschluß-Sichah über das Lernen, die die Ejn-Charodgruppe abhielt. Mit dem Ende der zwei Jahre ist ein wichtiger Abschnitt der Jugendalijah abgeschlossen. Die Aufnahme einer neuen Gruppe durch Ejn-Charod ist Ausdruck und Gewähr der Beständigkeit dieses Werkes und verbunden mit einem tiefen Gefühl der Befriedigung. Der Weg der Jugendlichen Die Kibbuzbewegung, die mit diesem Werk in großem Maßstab begann, sieht sich im Zusammenhang dieser Arbeit vor viele Fragen gestellt. Die Jugend, die zu uns kommt, Ist zu ihrem größten Teil (bei der religiösen Jugendalijah ist diese Problematik etwas anders gelagert) in keinem Grund verwurzelt. Jugendliche, die auch oder vielleicht gerade in den letzten Jahren deutsch-jüdischen Lebens keine wesentliche Orientierung bekommen haben und sie aus einem Konglomerat von Einflußfaktoren genährt hat, die zu analysieren hier nicht möglich ist. Beherrscht von einer großen Selbstunsicherheit, welches Gefühl noch durch die Tatsache der völligen Neuordnung des Lebens gesteigert wird. Meist kommen die Jugendlichen mit Begriffen von Gemeinschaftsleben und dessen Aufbau, die der Wirklichkeit des kibbuzischen Lebens widerstreben. Hier gilt es vorsichtig zu sein und nicht Begriffe und Ordnungen des hiesigen Lebens einfach auf die neue Jugend zu übertragen, ohne daß in allmählicher Entwicklung sich der erkenntnis- und gefiihlsmäßige Hintergrund ergibt, auf dem allein die neue Art individuellen und gesellschaftlichen Lebens sich entfalten wird. So wird also die Aufgabe des Jugendführers darin bestellen, einerseits zur erzieherischen Identifizierung mit der Erlebniswelt und Betrachtungsweise dieser Jugendlichen 711 kommen, gleichzeitig aber seiner Aufgabe treu zu bleiben: den Jugendlichen von dem schweren Ballast zu befreien, den er mit sich bringt — Wurzellosigkeit und unklare, dem neuen Leben fremde Begriffe. Und es scheint möglich zu sein, im Laufe zweier Jahre in Arbeit, Lernen und ständigem Eindringen in die W'erte der Bewegung den Grund zu legen zu neuer Bindung an Volk und Land. Eine Frage, die jetzt an Aktualität immer mehr zunimmt, ist die nach dem Wege der Jugendalijah- Gruppen nach Beendigung ihrer zweijährigen V o r b e - reitungszeit. In ׳Ejn-Charod spitzte sich diese Frage in folgender Alternative zu: Sofort an ein neues Werk gehen, einen neuen Lebensrahmen zu schaffen oder vorher nocli ein drittes Hachscharahjahr zu normalen Bedingungen (Ganztagsarbeit) und in schon bestehenden Wirtschaften. Diese Frage wurde später auch in den anderen Gruppen und in vielen Kreisen im Lande diskutiert. Im Verlaufe der Klärungen in Ejn-Charod wurde wiederholt betont, daß jeder Einzelne und jede Gruppe von neuem sicli vor diese Fragen stellen muß, daß die Entscheidung dem eigenen Willen entspringen müsse und diesem die rechte Einschätzung der eigenen Kräfte zugründe zu liegen habe. Die Entscheidung der Ejn-Charodgruppe dürfe in keiner Weise eine prinzipielle Festlegung bedeuten. Die Wirklichkeit scheint uns allerdings zu sagen, daß beide Wege beschritten werden müssen: Die sofortige selbständige Niederlassung in Verbindung mit einer anderen Gruppe (insbesondere palästinensischer Jugend) u n d Fortsetzung der Hachscharah in den bestehenden Wirtschaften. Die letztere — ein drittes Hachscharahjahr als generelle Lonnig vor/usch lagen — würde wohl an der Wirklichkeit scheitern. Es fragt sich nämlich, ob wir die genügende Zahl von 1 faeliseharahplätzen zur Verfügung haben, wo insbesondere die Jugendbewegungen im Lande selbst Hunderte von Stellen beanspruchen und ferner die Jugendalijah auch ein Interesse daran hat, diese Schwierigkeiten maximal zu nutzen. Andererseits läßt sich keinesfalls v o 11 v o r 11 ״ e rein f e stiege 11, daß diese Jugend nach Alllauf der beiden Jahre schon imstande ist, an die selbständige Gestaltung ihres Lebens heranzugehen. Auf diesem Wege gibt es viele Fragen und Schwierigkeiten für eine solche junge Gruppe, und auch jene, die in hjn- Charod sich fiir den selbständigen Weg ausgesprochen haben, sahen vor sich die große Verantwortung, die auf alle fällt. Rechtzeitig müssen diese Fragen in ihrem ganzen Umfange geklärt werden. Begegnung mit palästinensischer Jugend Nur in einigen Fragen lassen sich schon heute typische Erscheinungen im Leben der Ghevrath-1 lanoar (jugendgemein- Schaft) ab/eichnei!. Hierher gehört auch die der Begegnung mit palästinensischer bzw. ostjüdischer Jugend. In den Bedingungen der Jugendalijah gewinnt diese krage eine besondere Bedeutung, liier ist anders als in der Stadt die große Chance der unmittelbaren Begegnung mit Menschen aus verschiedcnen Ländern unvergleichlich größer, insbesondere in jenen Kibbuzim, wo entweder schon gleichaltrige ״Eingeborene“ sind oder aber Hacliscliaraligruppcn von palästinensischcn Jugendlichen eingeordnet sind. Aber während nur zu oft (insbesondere in der Stadt) vor der daraus entspringenden Problematik die Flucht in die Rekonstruktion der ״Landsmannschaften“ ergriffen wird, so wird den Jugendlichen hier durch geistige Führung und Vorbereitung wie durch das AHtagsleben selbst dieser Weg systematisch erleichtert. Es ist klar, daß im Alter von 15—16’Jahren die Jugendlichen noch sehr aufnahmefähig sind. Trotzdem gibt cs auch hier ernste Fragen, die der Begegnung und ernsten Verständigung zwischen dieser und der palästinensischen Jugend entgegenstehen. Und wenn auch eine der Hauptschwierigkeiten in der Sprache oder in verschiedenen Aeußerlichkeiten bestehen mag, so liegt dem doch, wie mir scheint, noch Tieferes zugrunde, das auf eine innere strukturelle Verschiedenheit oft zurückzugehen scheint. Eine Tatsache, die zunächst ohne eine Be- Wertung festgestellt sei, die auch nicht besagt, daß ernstes Zusammenleben dieser verschiedenen Jugendlichen ausgeschlossen ist, aber wohl diese Frage zu einer der zen* traten dieser Jugend werden läßt. Milien und Jugendiührer als Erziehungsfaktoren Der Weg einer solchen Gruppe und deren Fragen sind weitgehend von denen der Umgebung bestimmt. Die die Jugend umgebende Gesellschaft, ״Seine Majestät — der Kibbuz“ (wie im letzten Treffen der Jugemlfüiirer formuliert wurde), ist das große, befehlende Vorbild. So haben denn auch manche Fragen einer solchen Gruppe im Fmek, weit von der Stadt liegend, ein wesentlich anderes Gesicht ab die eines am Stadtrand liegendem Kibbuz. Es soll damit keinesfalls gesagt sein, daß die Frage der unmittelbaren Führung und Lenkung einer solchen Gruppe nicht von Bedeutung sei. Die Jugemlführer werden in ihren Möglichkeiten zunächst durch die Bedingungen des Ortes selbst bestimmt. Aber cs ist klar, daß das Selbstgefühl der Jugendlieben, deren Entwicklung und Reifung mit bedingt sind von beständigen Beziehungen mit erwachsenen Chawerim, die den Jugendlichen das nötige Interesse und Verständnis entgegenbringen. Und damit wäre an die ernste Frage_ der J u g e n d a I i j a h - F i! h r e r (Madrirbim) gerührt. Angesichts der Entwicklung dieses Werkes erscheint gerade diese Frage als eine der ernstesten. Zwei Typen »and hier 711 tlnterscheiden. Zunächst einiges über den die (irupptg begleitenden ״Führer aus Deutschland“. Meist handelt es sich um junge Menschen, deren Hebräisch-Kenntnisse für ernsteren Unterrieht nicht zulänglich sind. Wenn dann noch pädagogisches Verständnis und Erfahrung (Jugendbund!), schnelles Umstellungsvermögen auf die neuen Bedingungen fehlen, so steht er bereits nach kurzer Zeit vor großen Schwierigkeiten. Von den Gruppenführern, die von der Jüdischen Jtigendhiifc aus mitgekommen sind, ist kaum d e r d r i 11 e T e i I in der Arbeit in einigermaßen nennenswertem Umfang geblieben. Diese Bilanz verändert nicht die Tatsache, daß Madrichim aus Deutschland — insbesondere in den Gruppen von 40—60 Jugendiiehen — von großer Bedeutung sind. Es gilt «aber, deren Vorbereitung und Auswahl in Deutschland d.erart zu gestalten, daß gründliche Kenntnis der hebräischen Sprache und anderer Lehrfächer (Geschichte!) vorausgesetzt werden darf. Ein solcher Madrid!, der demselben Erlebnisbereich entstammt wie die Jugendlichen, deren Sprache auch die seine ist, erfüllt zum mindesten im ersten Jahre eine wichtige Funktion. Aber nur dann, wenn auch er den Strom des Uebergangs in Spradie, Lebensbedingungen usw. fördert und nicht etwa durdi seine mangelnden Kenntnisse Jiemmt. Auf die Dauer wird dieses Problem nur durch ein gründliches, auf diese Arbeit abgcstelltes Seminar, das im Lande süine Fortsetzung haben müßte, gelöst werden können. Der zweite Tjgms des Madrich ist der vom Kibbuz bestimmte Chawer, meist mehrere, die sich der Jugend widmen. Auch hier gibt es einen großen Mangel an geeigneten Kräften; der insbesondere deshalb besorgniserregend ist, weil ja diese ״Jugendführer“ — oft Familienväter und mit einem bestimmten Wirtschaftszweig seit Jahren verbunden — nach den zwei Jahren meist zu ihrer eigentlichen Arbeit zuriiekkehren wollen. Auch für diesen Kreis wäre eine kurze seminaristische Vorbereitung von Mai zu Mal sehr wünschenswert. C 11 a n o c h R c « n h o I d, Fjn-Charod

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