Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 30-31 (17.4.1936)
- Date
- 1936-04-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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/ '׳ ■'}: Wh Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 30/31, 17. IV. 1936 Briefe von einer Orient-Reise Von C Z. Klötzel, Jerusalem Mit dem heutigen Beitrag gelangt diese Serie, deren frühere Telle wir in Nr. 97, 100, 102/1935, Nr. 1, 2, 16, 21, 25, 27-28/1936 veröffentlicht haben, zum Abschluß X. Zionismus in Indien Vom ״Zionismus in Indien‘‘ sprechen, heißt nicht nur die Beziehungen dieser 1 verhältnismäßig kleinen jüdischen Gruppe zu Erez Israel und zur jüdischen Nationalbewegung schildern. Mehr oder weniger bedeutet es, die Probleme auf- /eigen, die in dieser I linsicht bei a 11 c n orientalischen Juden bestehen, die in Erez Israel selbst keineswegs ausgenommen. Es ist das ein Fragenkomplex, der die leitenden Instanzen der Bewig׳u!1g seit langem beschäftigt, von dem die ״rolle Masse der Zionisten in den europäischen Ländern aber kaum etwas weiß. Und doch ist es an der Zeit, daß ihm die zionistische Allgemeinheit ihre Aufmerksamkeit zuvvendet, Acußere Voraussetzungen Die äußeren Voraussetzungen ideeller Natur sind dem Zionismus in Indien durchaus günstig. Die indischen Juden .- mit Ausnahme der engliseh-assimilierten Bagdad-Juden — he-.it/e11 sozusagen ein natürliches jüdisches Nationalgefühl. Wie Ware es auch anders möglich in einem Lande, in dem, wie in Indien, die Begriffe ״andere Religion“ und ״anderes V״lk“ sich so weitgehend decken? Der Unterschied zwischen M011amnt׳׳danrrn und Hindus ist keineswegs nur der des (ilmibens er ist in fast ebenso starkem Maß ein solcher der Rasse, der geschichtlichen Zusammenhänge, selbst der geoud cs wird noch geraume f' it graphischen Vcrtmhing dauern, bis die aliimlischc Naüonalhewegiuig diese starke Scheidung aufhebt und aus dem ״indische« Mohammedaner“ den ,.nmiiamnndänischen Inder" macht. Eine so ausgeprägte rcheiose Mindeiheil wie die der Parsis ist gleichzeitig eine ethnische Minorität und, von wenigen Teilen Indiens ah:M׳scl:en, kann man sagen, daß selbst die cinßebor e 1t e n <. h r 1 s t c n e i 11 e e i g tut Nationalität darste Ir! (111• Jer urasic r 11 zu < (cn I urop: ereil 1 Es lat de sieh in jeder vcrsfmdiHh wi •akzeptiei!. Ihn ist, um weder doxie, noch in des Judentums des 1 de er 1 ,Anglo-Inder“, die, zur Hälfte Indern abstammesid, weder em (Kl er ill’te von n gehören, d Rehen Juden daher selbstverständlich, rht als Jinb zu fühlen, und ebenso selbst- 11 ungeteilte-, Judentum von den anderen e Religiosität, die naiv genug geblieben ־ Art einer gewis-eii europäischen Ort hoes Liberalismus den nationalen Charakter Israels braucht liier kein Wort gesprochen zu werden. Aber cs ist an der Zeit, sich dessen zu erinnern, daß der Zionisruus auch eine andere Aufgabe hat. Man muß es unumwunden ausspreclien, daß jenes ״Sammeln der Zerstreuten“, das gerade den kleinen peripheren Qruppen des Judentums das Gefühl geben müßte, nach Jahrhunderten der Isolierung wieder Teil eines großen Ganzen zu sein, vom Zionismus fast völlig vernachlässigt worden ist. Man beklagt sich in Indien — und anderswo im Orient nicht weniger —, daß die einzige Verbindung zwischen den zentralen Instanzen des Zionismus und diesen Gruppen in den ״Delegierten“ bestehe, die in regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen erscheinen und in möglichst kurzer Zeit für diesen oder jenen Fonds möglichst viel Geld sammeln wollen. In der Zeit zwischen zwei ״Delegierten“ aber kümmere man sich um diese Gruppen überhaupt nicht, und man habe kein Verständnis dafür, daß die orientalischen Länder ein anderes System der zionistischen Propaganda brauchen als die europäischen. System-Aenderung! Hier liegt in der Tat der Kern des Problems. Diese orientalisch-jüdischen Gruppen werden geistig wie materiell erst dann ihren gebührenden Platz im Palästina-Aufbau und der jüdischen Volksbewegung einuchmen, wenn der Zionismus gelernt hat, ihnen das zu geben, was sie zu ihrer Entwicklung nötig haben: Führung! Statt aller Theorie sei hier in bezug auf Indien eine praktische Forderung formuliert, die mutatis mutandis auch für andere orientalische Länder ihre Berechtigung erweisen wird. Man breche völlig mit dem System der ״Delegierten“. An Steile einer Anzahl flüchtiger Besucher entsende man einen Mann, der im Lande selbst lebt und die Zionistische Organisation vertritt. Dieser Mann müßte die Fähigkeit besitzen, nicht nur die zionistischen Interessen zu vertreten — und die geistigen mindestens so sehr wie die materiellen! — sondern in allen jüdischen Angelegenheiten eine führende Stellung einzunehmen, vor allem aber aus der Gruppe lose verbundener und allzu individualistischer Zionisten eine wirkliehe Organisation zu machen. Er müßte ebensoviel organisatorische Fähigkeiten wie Takt, und nicht nur genaue Kenntnis Palästinas und des Zionismus, sondern auch großes jüdischen tmiamleuieii, Dasein-, und Ifmuven ßt i! mm '.in 11 Israc inen. als I >er (Ins Zentrum i rvz Israel als die Erfüllung aller jüdischen 1!ulfnuiewn erscheinen. Der indische Jude ist sozusagen ei!! ״natürlicher“ Zionist. Das gilt von den nicht zur Millionarscliicht gehörenden Bagdad-Juden ebenso wie von den Bem-Prael und den Cochin-Juden. ja, die letzten beiden Gruppen müssen sich auf Grund ihrer Ueberlieferungen geradezu als ״Palästinenser im Exil״ betrachten. Zionisten— aber kein Zionismus Trotzdem gibt es in Indien nichts, was sich dem Zionismus europäischer Länder auch nur vergleichsweise an die Seite stellen konnte. In Bombay sagte mir der Vorsitzende der Zionistischen Ortsgruppe ganz ernsthaft, er könne nicht sagen, oh die Organisation zur Zeit zwanzig oder zweitausend Mitglieder habe. 111 der gleichen Stadt erscheinen zwei zionistische Monafs-eiiriftcii. die ״J e w i s!1 Tribüne“ und der ״J e \v i s h Aiivocatc״. Beide werden unter personliehen Opfern von Zionisten herausgegeben, beide haben eine allgemein-zionistische Einstellung ohne Parieifärbtiug. Es wäre von jedem Gesichtspunkt aus wunchenswert, wenn statt dieser beiden Blätter nur eines erschiene, dafür aber häufiger. Das ist tun so bedauerlicher, als es durchaus nicht an Menschen zu mangeln scheint, die unter entsprechender Führum; mit Hingabe mul Verständnis arbeiten würden. Wir haben ln׳i fi uh er er (idegenheit bereits jenen kleinen Kreis erwähnt, der den Versuch unternommen hat, mit den ״t iabonim“ eine jüdische Jf! wohl der Keren in Indien einige um -o anerkeunei ist als in den 111■ zentralen Institutu i 11 m d i e 1a e i s i lischt־ n J u d e Aufbau Frcz Isra dürfte. IO gibt j:! es gibt dort k e disziplinierte jude /1 mibe wi'gung ms K'ajeiiicth wie di r Mitai beiter, deren 11-weitcr i-4, a lebten anderen (Ulen vis-,eil a ihr a 11 111 s!1 e n ■he V 7. .eben zu rufen, und so- Kenn Hajessod besitzen .rgebeiilieit für die Sache re Aufgabe hier schwerer ändern Aber gerade diese I!, daß Indien — und mit 7. e 111 r e n d e s Orientsnicht im entfeniterten das zum f, was von ihn! erwartet werden 1e Anzahl guter Zionisten --- aller n 11 i s m 11 s ab organisierte und 11 ■IksheWegUllg. Das Problem der Führung I )3X der indh Führung, einzigen g c ו s t i gesellen, wie Bomba Grundübel einer dien ist der voll In Indien geht Rabbiner gibt. Orient,׳disfb-jmlbfben Gruppe wie ige Mangel an legitimer geistiger das so weit, daß cs nicht einen eine überhaupt niemanden, der e Autorität irgendwelcher Art besäße. Wir haben wie das ganze jüdische Gemeinde',(.beti einer Stadt )(־herrscht wird von den dazu durchaus utigeallgemein-jüdisches Wissen besitzen. Schließlich müßte er Englisch als Muttersprache beherrschen und ein ״gentleman“ im besten Sinne des Wortes sein. Um ihm völlige Unabhängigkeit zu sichern, dürften die Kosten seiner Tätigkeit nicht von den indischen Zionisten getragen werden, sondern von der Weltorganisation. Ein solcher Mann wäre sicherlich In der Lage, binnen verhältnismäßig kurzer Zeit nicht nur eine zionistische Laiidcsorganisation aufznbauen, sondern das ganze jüdische Leben seines Tätigkeitsgebietes in ungeahnter Weise zu befruchten. Gegen Vorschläge dieser Art werden von den Zentral- Instanzen zwei schwerwiegende Einwände erhoben. Der erste ist der, daß die Bewegung für derartige Ausgaben kein Geld habe. Man kann diesen Standpunkt nicht schart genug bekämpfen! Um beim Beispiel Indiens zu bleiben, so habe ich niemanden getroffen, der nicht zugegeben hätte, daß man dort im Jahr 10 000 Pfund für zionistische Zwecke erhalten könnte, wenn diese Summe nicht von ״Delegierten“ im Geschwinaschri+t, sondern von einer guten Organisation unter einer Leitung wie der gedachten in kleinen und kleinsten Summen gesammelt würde. Die Kosten wurden auf 1200 Pfund jährlich geschätzt. Selbst wenn man annehmen wollte, daß man im ersten Jahr gar nichts und irn zweiten nur die Hälfte eiiinirrimt, so würde sich bereits in diesem Zeitraum die investierte Summe mit mehr als 100 Prozent verzinsen. Es fehlt an Menschen Viel schwerwiegender ist der Einwand der zionistischen Interessen, daß es ihr für ein derartiges System völlig an den geeigneten Menschen fehlt. Es ist in der Tat erschreckend, wie gerjmg schon allein die Zahl der Menschen in unseren Reihen ist, die Englisch und Französisch als Muttersprache sprechen und sowohl Eignung wie den Willen besitzen, sich der zionistischen Propaganda zur Verfügung zu stellen. Man kann der Organisation nicht den Vorwurf ersparen, daß sie in dieser Hinsicht überhaupt keine Vorsorge getroffen hat. Ebenso verhält es sieh mit den dringend nötigen Propagandisten aus dem Kreise der sephardischen und orientalischen Juden. Ein zentrales zionistisches Propaganda-Seminar in Erez Israel ist eine dringende Notwendigkeit — so notwendig wie irgendeine praktische Aufgäbe des Aufbaus im Lande selbst! In der Zwischenzeit und gewissermaßen als Vorstufe dieses Seminars sollte von der Organisation ein anderer Weg beschritten werden. Sie sollte systematisch an geeignete Persönlichkeiten aus diesen Lindern Einladungen nach Ercz Israel ergehen lassen, um ihnen durch einen dreimonatigen Aufenthalt im Lande die Möglichkeit zu geben, aus eigener Anschauung den nötigen Impetus für zionistische Propaganda zu schöpfen. Die Zwischengeneratioxi eigneten Verwaltern einiger großer Fonds, über die die Gemcindemitgliedcr selbst weder Verfügung noch Kontrolle haben. Eine starke führende Persönlichkeit wäre hier um so notwendiger, als das Kastenwesen ohnehin die Neigung zur Bildung kleiner und kleinster Zirkel unheilvoll begünstigt, und der Mangel an einer wirklich gebildeten Oberschicht diese jüdischen Gruppen eines Elementes beraubt, das in europäischen Ländern überall das Rückgrat der Bewegung darstellf. Gäbe cs diese Führung und diese Schicht, so wäre der in Indien oft gehörte V.inwurf hinfällig, diese jüdische Gruppe sei ״zu arm“, um sich an den zionistischen Aufgaben zu beteiligen. Es ist richtig, daß die große Masse sowohl der Bagdad-Juden wie der Beni-Israel und der schwarzen Cochin-Juden in dürftigen Verhältnissen leben. Aber sie sind nicht dürftiger als in jenem pauperisierten europäischen Osten, der materiell wie geistig soviel zum Zionismus beigetragen hat. Sie sind sicher nicht so desolat, daß sie den Aufbau eines gesunden und selbstbewußten Gemeindelebens unmöglich machen würden, wenn hierzu nur der ernste Wille bestände, Nostra culpa! fn Ländern wie Indien spürt der Erforscher jüdischer Verhältnisse mit Schrecken, wie sehr der Zionismus zu einer Finanzierungsangelegenheit geworden ist, und wie wenig lebendige Kräfte er zur Peripherie des Judentums ausstrahii. Lieber die finanziellen Notwendigkeiten des Aufbaus Erez Ein ungelöstes Problem Am 22. März 1935 legten wir an dieser Stelle die besondere Lage dar, in der sich ein nicht unbeträchtlicher Teil von Juden in Deutschland befindet: jene Schicht der 30—׳lOjährigen, die zwischen zwei Zeiten eingeklemmt ist und für die einen als zu alt, für die anderen als zu jung gilt, und die mit allen Kenntnissen und Fertigkeiten, die sie sich im Gegensatz zur jüngeren Generation von heute noch hat erwerben können, nichts anfangen kann, weil niemand da ist, der willens wäre, von ihren Fähigkeiten Gebrauch zu machen. Unser damaliger Aufsatz, der die Problematik dieser Schicht in ihrer vollen Kompliziertheit darlegte, fand ein überaus lebhaftes Echo; allein es wurde auch kein Versuch von irgendeiner Seite gemacht, einmal praktisch an diese Frage heranzugehen, was bei der drängenden Not der Zwischengeneration eine sehr notwendige Angelegenheit wäre. Daß das Problem der ״Zwischengeneration“ — sogar unter diesem Namen — in der deutschen ()Öffentlichkeit besteht, hat vor kurzem die ״Frankfurter Zeitung“ vom 29. März in einem Aufsatz dargelegt. Vom jüdischen Standpunkt aus hat sich im ״G c m e i n d e b I a 11“ der Jüdischen Gemeinde Berlin vom 29. März Dr. Georg Lubinski mit der Frage befaßt. Er behandelt in seinem Aufsatz ״Die Generation über 35“ vor allem die praktische^ Frage, welche Umschichtungsmöglichkciten für diese älteren Menschen bestehen und ob es Auswamlerungsgelegenheiten für sie gibt. Er verweist darauf, daß 50 ״!! der Juden in Deutschland das 42. Lebensjahr vollendet haben, so daß mau daher wohl von einer ״Schicksalsfrage“ sprechen könne. Wir sind dankbar für seine Darlegung der sich im Augenblick bietenden Möglichkeiten einer Umschichtung für einen gewissen Teil der Zwischeugencrafion. Wir hegen vor allem die Hoffnung, daß der C o u n c i 1 f o r (i erman J e w r y in seiner Arbeit alle Chancen ergreifen werde, die sich ihm bieten, um der Zwischengeneration eine Lebensmöglichkeit zu gehen. Wie auch Dr. Lubinski bestätigt, haben die älteren Menschen als Umschichtler in Landwirtschaft und Palästina ihren Manu gestanden, Delegiertentag der ZVfl). hat Dr. neu! Referat hervorgehoben, da' Lande nur der Initiative einer Reihe aus Deutschland gekommcner älterer Akademiker zu verdanken seien. Man braucht also gewiß nicht pessimistisch zu sein in bezug auf die Fähigkeit unserer älteren Menschen, ihr altes Leben abzubrechen und einen neuen Weg zu beschreiten. Aber wir können andererseits nicht unterlassen, immer wieder darauf hinzuweisen, daß es sich in dieser Frage nicht allein um eine Sache des Berufes handelt, der bei mehr oder weniger gutem Willen sich weclisrtn läßt,• sofern Möglichkeiten hierzu geboten werden. Ist es nicht eine Angelegenheit des ganzen jüdischen Volkes, wenn ein großer Teil seiner Intelligenz einem sinnlosen Schicksal zum Opfer fällt? Wäre es nicht angezcigt, nach Auswegen zu suchen, die wenigstens einiges von dem zu retten versuchen, was hier verloreii zu gehen droht? In weiten Teilen der Welt stehen die Juden, die die Judenfrage noch nicht oder nur sehr peripher zu spüren bekommen haben, den jüdischen Dingen noch sehr fremd gegenüber. Ihren Sinn für die Zugehörigkeit zum jüdischen Volk und für ihre Verantwortung zu wecken ist eine der Aufgaben, die uns diese Zeit stellt. Sollten nicht die jüdischen Akademiker in Deutschland, die dieses Leid an sich erfahren haben und zugleich zu einem neuen jüdischen Bewußtsein gelangt sind, zu einem erheblichen Teil in der Lage sein, eine solche Arbeit (lurchzuführen, die für die Zukunft unseres Volkes von außerordentlicher Bedeutung sein kann? Damit ist nicht gesagt, daß sie nun ״Propagandisten“ im Sinne irgendeiner Partei werden sollen. Aber sie ^könnten wirken für die Erweckung der Herzen des jüdischen Volkes, sie könnten als Lehrer und Jugendbildner hinausziehen und für die Idee eines geeinten, seiner selbst bewußten Judentums werben. Handwerk insbesondere in und auch auf dem letzten Georg Landauer in seii ־zahlreiche Siedlungen im Die Judenheit der Welt muß begreifen, daß es in einer Zdt der wachsenden geistigen Verarmung kein Luxus wäre, die wenigen, die noch in geistigen Sphären verwurzelt sind, vor dem Untergang zu schützen, und müßte sich durch einen gemeinsamen Entschluß dazu aufraffen, eine rettende Tat zu vollbringen. Vielleicht wird der eine oder andere über den Vorschlag, eine Art Inn Cr jüdischer Mission zu schaf,-! fern, lächeln — aber wir sind der Ansicht, daß er durchaus ernst zu nehmen ist. In unserer Zeit, da das Judentum als L(- bensmacht und Geistesgut breiten Massen entweder verblaßt ist oder zu schwinden droht, brauchen wir innerjüdische Mission, die die schlummernden Kräfte weckt und die ־zerstreuten Teile des Volkskörpers zu einem pulsierenden Leben führt. Man denke an den regen Austausch, den im Altertum die babylonische Gallith mit Palästina hatte, an die große Missionstätigkeit bis in die ersten frühchristlichen Jahrhunderte hinein — es waren die Zeiten eines fruchtbaren, schöpferischen jüdischen Lebens. Denn nicht nur die Heiden wurden ״bekehrt“, sondern die Missionare gingen zuerst zu den Brüdern in der Diaspora und erfüllten sie von neuem mit dem Wort der Lehre und der Kraft der niessianisehen Idee. Hierzu benutze man eine Generation, die den Sinn des Judeseins am stärksten erlebt hat und die unter dem Bann eines außerordentlichen Schicksals steht. Sie wird ihre Kräfte für die Durchbringung der Teile der Judenheit mit einem neuen Geist gewiß gern ein setzen und so wahrscheinlich mehr für die jüdische Zukunft leisten, als wenn sie als schlecht ausgebildete Handwerker und Landwirte in Berufen verkommen muß, in denen sie jeder 20jährige Junge, der eine rechte Lehrzeit durchgemacht hat, mühelos schlägt. Die Frage, die wir aufgeworfen haben, ist ernst und dringlieh genug, daß die zuständigen Stellen in Deutschland und im Ausland sich mit ihr eingehend beschäftigen sollten. Ehe die Zwischengeneration zugrunde geht, verlangt sie zu wissen daß alle Anstrengungen gemacht worden sind, die möglich waren, um den Untergang zu verhüten. Dr. Gerhardt Neumanu Um historische Filme. In der Londoner ״Times“ hat sich kürzlich eine Diskussion darüber entspannen, wie weit historische Filme, insbesondere solche dev jüngsten Vergangenheit, sich präzise an die Tatsachen halten müssen. Es handelt sich vor allem um einen D i s r a c I i - F i 1 m, hei dem sich der Drehbuch-Verfasser mehrere Abweichungen von der biographischen Tatsächlichkeit erlaubt hat und sodann um einen kürzlich in England aufgeführten Ce eil Rhodcs-Film, bei dem gleichfalls mehrere Abweichungen von der historischen Wahrheit unterlaufen sind. So z. B. wird eine persönliche Unterredung von Rhodos mit dem Präsidenten Krueger im Film vorgeführt, obwohl die beiden Männer in Wirklichkeit einander nie begegnet sind. Nun meldet sich der Regisseur des Films, der auch in Deutschland bekannte Be rt ho I d Viertel, bekanntlich Jude, zum Wort und legt in der ״Times“ die Grundsätze dar, die ihn geleitet haben. Er vertritt die Meinung, daß Film und Drama ihre eigenen Gesetze haben und es darauf ankommt, die Ideen, die geschichtliche Menschen vertreten haben, m einer wahrhaften und eindrucksvollen Weise wiederzugeben, nicht aber jedes biographische Detail exakt zu beachten. Dies sei bei weiter zurückliegenden historischen Gegenständen unbestritten, müsse aber »auch für Ereignisse der jüngeren Vergangenheit gelten und sei in Wahrheit das Fundament eines ״historischen“ Spielfilms. Die Filmstelle der ZVfD. teilt mit: An die Filmstelle der Zionistischen Vereinigung für Deutschland gelangen Anfragen über Kartenverkauf usw. zum Film: ״Neues Palästina“. Die Aufführungen dieses Films gehen nicht von der Filmstelle der ZVfD. aus. Anfragen sind zweckmäßigerweise direkt an die veranstaltende Stelle zu richten. EtiliS Juwelen Robert Bucho & Co. Hardenbergstr. 29 a an der Ci e d ä C M t n » n * א i'V c h e, neben Caf« Be»Mn und ״TrÄube".