Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 30-31 (17.4.1936)
- Date
- 1936-04-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 30/31, 17. IV. 1936 t '1ft werden, ist wohl in den breiten Massen aller Völker allgemein. Zu den Problemen, die allmählich in ein neues Stadium treten und schon aus bestimmten aktuellen Anlassen zur Diskussion reif werden, gehört auch die M a n - dats- und Kolonialfrage. Von mehreren Seiten her ist sie aufgerollt worden: durch den abessinischen Krieg und die damit zusammenhängende Agitation unter den Eingeborenen Afrikas, durch die Forderung Deutschlands nach kolonialer Gleichberechtigung und die daraufhin in England entstandene Erörterung über die Mandatsgebiete, nicht zuletzt aber auch durch die rege Aktivität der arabischen Völker, deren Bündnis-Verträge eine neue Form der pan-arabischen Föderation, die noch vor zehn Jahren undenkbar schien, in greifbare Nähe rücken und dabei auch Mandatsgebiete wie Syrien und Transjordanien in den Kreis der Betrachtung eiribeziehen, lieber das syrische Mandat wird jetzt verhandelt, seine Aufhebung würde Palästina als einziges A-Mandatsland zurücklassen. Aber mehr als das: das Wanken des ganzen Genfer Völkerhundswerkes und die durch die Praxis erhärteten Zweifel an der Brauchbarkeit Wilsonscher Ideologien im heutigen Zustand der Welt führen auch zu einer Krise des Mandatsgedankens als solchen. Denn die staatsrechtliche Konstruktion des ,,Mandats“ ist eigentlich niemals konsequent durchgeführt worden, und in einem Moment der Entscheidungen werden die daran haftenden Unklarheiten wohl nicht weiter bestehen bleiben können. Daher scheint uns das staatsrechtliche Schicksal Palästinas im Vordergründe zu stehen wie noch niemals seit Kriegsende. Viele Juden, die jahrelang leidenschaftlich für der. Gedanken einer arab i s c h - j ü d i s c h e n V e r s t ii n d i g u n g eintraten, glaubten vor 10 Jahren die Chance der zionistischen Politik darin zu scheu, daII sie die Juden als aktiv inihvirketulen Faktor bei der Schaffung einer großarabischen Föderation einsetzt. Diese Gedanken sind niemals realisiert, ja von der großen Mehrheit der Zionisten auch nicht akzeptiert worden; heute aber scheint ein Zustand erreicht zu sein, wo auch ohne uns ein steter Fortschritt der arabischen Bestrebungen erzielt wird, mit einer eindeutigen gegnerischen Spitze gegen uns. Es ist erstaunlich, daß sich im zionistischen Lager, insbesondere in den Ländern jüdischer Massen- Siedlungen, so gut wie gar keine Stimmen finden, die auf die Notwendigkeit einer entschlossenen Anpassung der zionistischen Politik an diese neue Lage Hinweisen. Die große jüdische Not ist der allein beherrschende Gedanke, der alles andere zurückdrängt. Aber was hilft es, das Volk für die Palästina-Idee zu gewinnen, wenn man ihm nicht auch die wirkliche Situation Palästinas darstellt und es demgemäß zu einer jüdischen Politik erzieht, die mit den Realitäten in Einklang steht? * Im Zusammenhang mit den Verfassungsproblemen Palästinas und der (eigentlich schon 14 Jahre dauernden) Diskussion über den Gesetzgebenden Rat ist von uns gelegentlich darauf hingewiesen worden, daß die Tragweite der Angelegenheit vielleicht überschätzt wird. Manche meinen, daß eine solche Verfassung England auch dann binden würde, wenn deren Handhabung gegen die Grundgesetze der englischen Herrschaft oder des englischen Interesses, b/w. gegen internationale Verpflichtungen wie das Mandat verstieße. Die Meinung, daß es von einer einmal gewährten Stufe der Volksvertretung nur ein Fortschreiten zu einer höheren, mit mehr Rechten ausgestatteten, aber keineswegs ein Zurück geben könne, wird aber durch die Erfahrung widerlegt. Ein Beispiel dafür bietet sich gerade jetzt dar, da England dabei ist, in Malta die 1921 eingerichtete Volks- Vertretung kurzerhand abzuschaffen und eine autoritäre Regierung nach Art einer Kronkolonie einzürichten. Der Verfassungsstreit in Malta ist schon mehrere Jahre alt. Infolge des Streites; mit dem Vatikan mußte 1G30 der Gouverneur Lord Strickland das Land verlassen; es wurde dann eine Untersuchungs-Kommission (Royal- Commission) eingesetzt, um die Lage zu prüfen, und mehrere Versuche unternommen, die Verfassung ohne Vordringen der anti-englischen Bewegung wieder herzustellen. Der chronische Konflikt kam zu keinem Ende, und die gegenwärtige Spannung zwischen England und Italien, sowie die Bedeutung des östlichen Mittelmeeres haben nun England zu dem radikalen Schritt bewogen, die Verfassung und Volksvertretung in Malta kurzerhand abzuschaffen. Ein ähnlicher Fall hat sich vor einigen Jahren in Cypern ereignet, wo der auch aus seiner Palästina - Zeit bekannte Sir Ronald Storrs nach dem griechischen Aufstand das Parlament einfach nach Hause schickte; seitdem wird Cypern gleichfalls autoritär regiert. Handelt es sich in Malta um italienischen, so in Cypern um griechischen Irrcdentismus. England ist zwar bereit, der Bevölkerung ein Mitbestimmungsrecht in der Verwaltung des Landes zu gewähren, nicht aber eine Entscheidung über die größeren Fragen der Politik (major policy), also über die Fragen der Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zum englischen Reich. In Palästina liegen die Dinge formal etwas anders, weil Palästina Mandatsland ist. Aber auch hier würde das Experiment einer mit beschränkten Rechten ausgestatteten Volks- Vertretung, falls es sich als undurchführbar erweist, weil die Volksvertreter nicht nur an der Verwaltung teil- Gedanken eines Juden aus Deutschland Peßaclt in Afrika Von Dr. Rudolf Pinner, z. Z. Tripoli Den nachfolgenden Zeilen seien einige privat-biographisehe Angaben vorausgesehieht, da in unserer Zeit solche Daten t'i h e r den Sprecher häufig mehr aussagen als das Gesprochene; so manche Aeußerung wird erst durch den Zusammenhang mit ihrem Subjekt ins rechte Licht gerächt. Der Verfasser ist ein früher in Berlin tätiger 54jähriger Arzt, der nach 1933 eine Zeitlang in Tunis praktizierte, wo ihm jedoch später als deutschem Staatsangehörigen die Berechtigung zur Ausübung der Praxis entzogen, und er ausgewiesen wurde. Das Schicksal hat ihn jetzt nach Tripoli in Italienisch-Nordafrika geführt. Fon dort schickt er uns diesen Beitrag. Der ist gewiß nur als die Einzelstimme in einem großen Chorus zu bewerten, zu dem sich die Gedanken versprengter Juden aus Deutschland in allen Teilen der 1 Veit an diesem Prßarh-Fcst vereinigt haben mögen. Er ist ein höchst charakteristisches Dokument der Bewegtheit, in die ein Teil des jüdischen Volkes nicht nur körperlich, sondern auch seelisch geraten ist. Jüdische Feste, jüdische Geschichte, jüdische Gegenwart erscheinen uns Heutigen in einem neuen l.icht, dringen tiefer in unsere Seele ein, werden als Teil des!,ehe ns empfunden. Noch gibt es viele, die verhärtet und anleilslas abseits stehen und an diesem Gefühlsstrom mich nicht leilhahen. Dringt auch zu ihnen die Stimme? Dann werden wohl auch sie mit Erschütterung diese Aeußcriing lesen, die ein versprengter Jude aus Deutschland, der gewiß früher kein ״Nationaljude" war, durch unsere Zeitung an die jüdischen Schicksalsgenossen in Deutschland und in aller Welt richtet. — Red. Tripoli (ttal.-Afrika), im April 1936 Hoch und klar und unwahrscheinlich blau wölbt sich über uns der Frühliiigshimtncl Afrikas, Es ist 6 Uhr nachmittags, hellblau und taghell ist der Himmel, wie ein lächelndes goldsilbernes Wunder steht die zunehmende Mondsichel über uns, während weit hinten im grünblauen Mittelmeer der Sonnenfeuerball rotglühend versinkt und über Stadt und Staub und Palmen einen so feinen Dunst ergießt, wie wir ihn aus der« Bildern der alten Dorescben Prachtbibcl im Elternhause unserer schlesischen Heimat kannten. Dort muß jetzt der Festgesang klingen, weit offen stehen die Türen, viele Festfreudige strömen ... oder sind sie wohl nicht mehr da, so wie ich und du und viele, viele Tausende, die fortgingen? Die alten Zeiten steigen auf, die Sederrunde im F.lternhause wird lebendig, im Geiste hören wir die längst Gestorbenen singen und sprechen (halb wehmütig, halb ungläubig): ״Im kommenden Jahr in Jerusalem!“ Alte Sehnsucht, lebendig geworden, näher und lebendiger denn je. Auch hier, im nordafrikanischen Ghetto, feiern wir jetzt das Pcllachfcst, Italiener, Franzosen, Tripolitaner. Wir drei, meine Frau, mein Junge und ich, sind die einzigen Juden aus Deutschland hier. Mancher trübe Gedanke steigt auf, aber wir wollen nicht verbittert sein. Wir wollen die Hagadah lesen lind Mut schöpfen aus der alten, so schmerzlich aktuell gewordenen Geschichte des Festes der Ueberschreitung. Und ungewollt fast kommen die Gedanken, daß unser ganzes Leben ja ein fortdauerndes Ueberschreiten ist, ein dauernder Wechsel von einem Zustand in den andern, dem xavta fti — Alles fließt, ein Wort des griechischen Weisen, das Kohcleth so ganz einfach ebenso benennt, wenn er meint: Ein Geschlecht geht, das andere kommt. Die Juden des Orients kennen diesen Wechsel nicht so wie wir jetzt lebenden europäischer Provenienz. O, wären wir nur stets wie sie treueste und hartnäckige Bewahrer einer, unserer Tradition gewesen! Und hätten wir es nur immer auch nachdenkend und nachdenklich eingesehen, daß im Leben der Völker wie des einzelnen kein Ruhepunkt ist. ,,Wir sind heute nicht dieselben, die wir gestern waren, nicht dein Körper nach, nicht dem Geiste nach, nicht dem Charakter nach.“ Immer denke ich jetzt an diese Worte meines längstverstorbenen Lehrers, der mich cinsegnete in dem wunderschönen Gotteshause unserer schlesischen Heimat. Ich habe es nicht geglaubt, aber die Ereignisse, die auf uns wirken, verwandeln uns, sic machen uns hart und weich zugleich. Es ist so wunderbar, Stürme sind über uns dahingebraust, unmerklich wie die wachsende Pflanze haben wir uns verändert, Geist und Herz sind umgebildet worden, langsam im beständigen Ueberschreiten hat vor unseren Augen durch das härteste Erdulden und das Durchwandern allertiefster Tiefen die Fahne sich entrollt, mit der wir Geschichte erleben und erdulden im Uebcrschreitungsfest zur Bildung einer jüdischen Nation in der Geschichte der Völker dieser Erde, einer jüdischen Nation auf Heimaterde und ureigenem Grund. Dieses Hinüberschreiten, das wir vorbereiten mit unseren Kindern für Enkel und Enkelkinder, läßt uns Aeltere den Gedanken an kommenden Herbst und den Winter selbst lächelnder ertragen, weil unsere Welt nicht mehr untergehen kann, selbst wenn wir durch die dunkle Pforte gehen müssen, die früher das Ende uns bedeutete, da wir noch in reinem äußerlichen Frieden und Wohlbehagen lebten. Wir Alten wissen jetzt, daß auch uns noch eine Aufgabe gestellt ist; wir sind nicht zur Ruhe gekommen, wir begehren noch und wünschen mit unserer Erfahrung unserer Jugend zu nützen, die der Sonne entgegen marschiert im heiligen Berufe eines Fahnenträgers unseres Volkstums, eines Fahnenträgers unserer Idee, eines Fahnenträgers Gottes. Und siche da, auch davon spricht schon unsere Hagadah: ״Wer von der Gesamtheit sich aussehiießt, der leugnet den Grund!“ Nur der Böse entfernt sich von der Gesamtheit, der Gute will das Heilige in sich bewahren und wird mit seinem W'erke, im Kleinen wie im Großen, der Gesamtheit dienen! Ein klassischer Aufruf an das Judentum in allen Ländern dieser Erde, sich zu versammeln auf eigener _ Erde, zum mindesten in der steten Sehnsucht nach dieser eigenen Erde bis zu jenem Tage, da alle wir Anbeter und Bekenner des Allcinzig-Einen cinzichcn dürfen mit fliegenden Fahnen in unser Land, das uns die Heimat sei! Noch liegt sie als Keim da, diese Liebe zum Lande unserer Sehnsucht und der Zukunft unserer Kinder, für das wir zu Opfern bereit sein wollen, selbst bis zu Taten der Selbstaufopferung, damit unser Leben, das wir schon zwecklos glaubten, noch einen Sinn habe durch unser Opfer für die werdende Nation jüdischer Wesenheit. Unser Leben, unsere Arbeit, unser Wesen und Streben muß eingehen in die große jüdische Volksseele, deren wir dann ewig ein Teil sein werden im dauernden Ueberschreiten. So leuchtet der Sinn des Peßachfcstes auf bei festlicher Tafel, verdeckten Mazzoth, bitterem Kraut und den flimmernden Kerzen — ein Israelit sein, das heißt ein Gottes- Streiter sein, das heißt sich einreihen in die Geschichte und die Tradition von fast vier Jahrtausenden, ein Nachfahr jener Wanderer durch die Wüste. Uns Juden aus allen Landen ist eine sinnfällige Lehre gegeben in der Erzählung der Hagadah. Und den Juden aus Deutschland klingt mehr als den anderen gerade jetzt das verheißende Trostwort von der Ueberschreitung des Leidens und der Schmerzen der Gegenwart, weil ein Stern der Hoff* nung uns winkt ... Von der Kathedrale zu Tripoli klingen die Glocken und schwingen ein Kirchenlied. Dieses Glockenspiel erinnert sehr an Potsdam, Sanssouci, die Havelseen, das deutsche Land. Aber dann singen w i r. Und das sind die alten heimeligen Melodien der Hagadah. Die Erinnerungen wachen auf an Elternhaus und Jugendzeit und all die Vielen, die längst schon unterm grünen Rasen liegen... Und dann spricht mein junge das ״Ma nisebtano...“ Wie ist doch ausgezeichnet diese Nacht vor allen andern Nächten?! Ja, wie ist diese Nacht ausgezeichnet vor allen anderen Nächten? Und warum? Es ist die Nacht, da Freiheitslieder tönen, da dem Fremden gastlich die Tür geöffnet ist, wo heller die Sterne leuchten und über Meere und Länder alles dessen, was Jude ist, ein Sinnen und Sehnen und Trachten bleibt ... nach Morgenland, nach Palästina, nach einer Heimaterde ... Und mit dem Eintunken des bitteren Krautes und dem ansteigenden Wasser in unseren Augen wird lächelnd der Gedanke in uns wach, daß alles dieses gegenwärtige Leid und harte L os auch nur eine Zeit der U e b e r s c h r e i t u n g sei, und daß aus den Weisen der Hagadah und über ihnen das mächtige Lied uns ertönt, das uns Juden aus aller Welt aufruft zum Sammeln — zum Sammeln in der Heimat unserer Nation! nehmen, sondern den Status des Landes als solchen ändern wollen, keinesfalls gesichert sein. Die Frage, um die es sich handelt, ist weniger eine Frage der Paragmphen als der tatsächlichen Kräfte und Tendenzen, und diese Kräfte können unter Umständen auch ohne parlamentarische Volksvertretung zu höchst unerwünschten Erschütterungen führen, während auch eine Volksvertretung, sofern nicht die entspreeilenden aktiven Kräfte des Volkes hinter ihr stehen, Bedeutungslos sein kann. Bei der Bewertung, die in England Präzedenzfällen zuteil wird, ist jedenfalls der Vorgang in Malta zu einer Zeit, wo das Problem der Volksvertretung in Palästina so scharf im Mittelpunkt auch des englischen öffentlichen Meinungskampfes steht, nicht ohne Interesse. Die Frühjahrsfagung der Ständigen Mandatskotnmission des Völkerbundes, die u. a. den Jahresbericht der Mandatarmacht über Palästina für 1935 zu prüfen haben wird, wird in Genf am 27. Mai beginnen. Für den verstorbenen Ehrenvizepräsidenten der English Zionist Federation, Br. E d e r, veranstaltete die Zionistische Organisation in London eine Gedenkfeier, auf der der Ehrennräsident der Zionistischen Weltorganisation, Nahum Sokolow, Prof. Selig Brodetsky und Rev. M. L. Perl״ zweig das Wort nahmen. Hauptschriftleiter: Dr. Robert Welt sch, Berlin - Charlottenburg 9 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt I, o c w e n s t e i!1. Berlin W 15. Anzeigenleiter und verantwort• lieh für den Inhalt der Anzeigen: Hermann F i n n, Berlin VV 15. Gültig Anzeigen-PrcidNe 4 vom 15. Oktober 1935. Verlag und Anzeigenverwaitung: Jüdische Rundschau, Berlin W 15. M imkestr. 10, D.-A. Mürz 37 811. — Druck: Siegfried Scholem, Bln.-Schöneberg. Zum Tode von Dr. Amxnende In Pciping verstarb auf einer Weltreise, die er zur Her- Stellung seiner Gesundheit unternommen hatte, Dr. Ewald A m m c n d e, der Mitbegründer und Generalsekretär des europaisclicu Nationalitätenkongresses, Dr. Ammende, der aus Pernau in Estland stammte und dort wie auch in Riga als Schriftleiter der ״Rigascheii Rundschau“ die Sorgen der Minderheitsnationalitäten kennenlernte, war nicht pur ein Theoretiker der europäischen Nationalitätenfrage, die er insbesondere in seinem Bericht über ״Die Nationalitätenlage in den Staaten Europas“ (1931-1932) dargestellt hat,, sondern er war zugleich ein Praktiker der Nationalitätenpolitik. Die vorbildliche Regelung des estnischen Nationalitätenrechtes ging nicht zuletzt auf seine Initiative zurück; zusammen mit einer Reihe anderer Persönlichkeiten, unter denen der im vergangenen Jahre verstorbene Führer des lettländischen Deutschtums, Pastor Schiemann, der Führer der Slowenen in Italien Dr. W i 1 f a n und als Vertreter der jüdischen Minoritäten Leo M o t z k i n zu nennen sind, schuf er den europäischen Nationalitätenkongreß im Jahre 1925. Zwar hat dieser Kongrell die Hoffnungen, die die Nationalitäten auf ihn in den ersten Nachkriegsjahren setzten, nicht erfüllt, aber das lag weniger an den Kräften, die in ihm vertreten waren, und den Persönlichkeiten, die ihn wesentlich beeinflußten, als an den Gegebenheiten des politischen Lebens in Europa und der Entwicklung der Staaten, in deren Mitte die Minoritäten lohten, zu immer ausgeprägteren Formen der Souveränität. Die jüdischen Mi 11 der h eite 11 sind bekanntlich im Jahre 1933 aus dem Nationalitätcn-Kongreß ausgeschieden, obwohl man sich seitens der Kongreßleitung bemühte, sie bei dieser Arbeit zu erhalten. Mit Dr. Ammende verlieren die europäischen National!• täten eine ihrer markantesten Persönlichkeiten, die eine grundsätzliche Besserung in der Lage der europäischen Nationalitäten erhofften und bei aller Kritik an den Maßnahmen der Staaten auf diesem Gebiete dennoch den Versuch machten, zu einer loyalen Zusammenarbeit mit den Regierungen zu gelangen. Sachgemäße u. schleunige Durchführung Ihrer AUSWANDERUNG Amtsger.-Rat a. D. Dr. Aschner Oberreg.-Rat a. D. R. Kempner Berlin W15, Meinekestr. ». J 1 Bismarck 2856 (9';13-״ u. 16«/*-19Uhr> Transfer-Projekte / Vermögens-Liquidationen / Anlageberatung Repräsentanzen in Palästina! HAIFA: Herbert Aachnar, 27. Hmlitr. Hing •Sa:oman Hank JERUSALEM: A. M. A J. Heilbronner Bank Ltd. P O. B, 1041 TBL AVIV 1 Dr. |ur. W. Marx.!8, .Mialom Alcidtea Streu, Ecke Ben Jrhudj Ro»<f nach Palästina und anderen Ländern Repräsentanz in SOdamarika 1 Dr. Kurt Schoyö, ftao Paulo Prag* Mar&hai Deodoro II ln Westdeutschland! Dr. Jur. Kahn, Dortmund, BrtdutriBe 52 mt m