Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 29 (10.4.1936)
- Date
- 1936-04-10
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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5elfe14 JÜDISCHE SUNDSCHAD Nr. 29. 10. IV. 1936 Die Gesellschaft ״Bizur“ des judäischen Gebirges in den Art her hinausging, aber viele Juden im Auslande mögen sicli an dein historischen Nach• mittag vergeblich an ihren Apparaten abgemüht haben, um das Wort ״Jerusdialajim medaberef‘ aufzufangen. Der jerusakmer Sender wird bei seiner jetzigen Einrichtung nur im Lande selbst und im Nahen Osten hörbar sein. Nach Europa oder Amerika wird er kaum tragen. Das ist gerade in PalS* stina so bedauerlich, weil an diesem kleinen Lande ein großeres Interesse besteht als an so manchem größeren Territorium, weil das Land der drei Religionen Hörer aus allen Kontinenten anzieht und vor allem die Juden in ihren üaluthländern mit wahrem Durst auf Sendungen, Nachrichten, Botschaften aus Jerusalem warten. Die Station in Ramallah verspricht in der Tat auch neue Einrichtungen, um die Aufnähme von Sendungen in Europa zu e r in ö g 1 i - che n, und man muß dringend wünschen, daß dieser Ausbau möglichst bald geschieht. Es würde damit eine neue und wichtige Verbindung zwischen Palästina und Europa gegeben sein. Noch ein zweiter Vorschlag, der gleich nach der Er- Öffnung des Senders in der hebräischen Presse erschien, verdient Beachtung. Es wird proponiert, daß von Zeit zu Zeit die Araber zu den Juden, die Juden zu den Arabern durch das Radio sprechen sollen, und zwar jeder in der Sprache des anderen Volkes. Der Sinn dieses Vorschlages ist, mit Hilfe des Senders einen Kontakt zwischen den beiden so eng benachbarten Und so streng geschiedenen Völker herzustellen, direkt aus dem Mumie des anderen Ansichten, Vorschläge, vielleicht auch Kritik zu hören und sozusagen durch den Act her die bestehende schroffe Scheidewand zu überbriieken. Dieser Vorschlag ist beachtlich, er ist ein Aufruf zur Toleranz fremder Auffassung und anderer Art, und seine Akzeptierung wurde mich in dieser Beziehung eine neue Periode cinlciten, so wie gestern der Sender in Ramallah einen neuen Abschnitt palästinensischer Zivilisation inaugurierte. * Ein arabischer Protest Jerusalem, 2. April. (JTA.) Die Eröffnung des Pa- Ilstina-Rumlfunks hat einige Streitfragen aufgeworfen. Die Araber mathen ans der Tatsache, daß in den hebrä-!schon Pr <>g! am men der Rumlfunkgcsellschaft für Palästina der Name E r e z Israel gebraucht wird, eine nation a 1 e Prestigefrage. Der arabische Abteilungsleiter des RimdfunkdiciisU-s hat aus Protest seinen Abschied nachgesucht. Als Folge davon ist der Name Ercz Israel aus den Programmen entfernt worden und durch die Initialen E. i. ciset/t worden. I)ie hebräische Presse protestiert gegen diese Maßnahme. Araber beschädigten die Anlagen des Palästina-Senders, so daß die Sendungen mehrere Stunden Lang unterbrochen werden mußten. Weizmann wieder in Palästina Dr. Chaim Weizmann hat sich von London über Zürich und Genf nach Marseille begeben, wo er sich nach Palästina einschiffte. Er ist noch vor Peßach in Palästina eingetroffen tind hat den Sederabend im Hause seiner alten Mutter in Haifa verbracht. In Genf hatte Dr. Weizmann fn Begleitung des Delegierten der Jewisii Agency beim Völkerbund, Dr. Goldmann, Gelegenheit, mit einer Anzahl führender Persönlichkeiten aus 'Völkerbundskreisen zusainnienrukofhmen und sie über die letzten Entwicklungen des Jüdischen Nationalhciins zu unterrichten. Bürgermeister Dizengoff auf Urlaub Tel-Awiw, 3. April (JTA.) Auf einer Sitzung des Stadtrates von Tcl-Awiw gab Bürgermeister Meir I)izengoff bekannt, daß er sich aus Gesundheitsgründen genötigt sehe, einen längeren Urlaub aimitretcn und Tei-Awiw zu verlassen. Der Stadtrat beschloß, für die Zeit der Abwesenheit von Bürgermeister Di/engoff das amtierende Präsidium der Stadtverwaltung ab/uschaffen und statt dessen einen aus vier Mitgliedern bestehenden Präsidialausschuß ein/uset/cn. Dem Ausschuß werden zwei Angehörige der Arbeiterfraktinn und zwei Zentristen angeboren. Nach längeren Debatten wurde der der Zcntristcu-Parfci angehörende bisherige V;/r bürge rmewter Israel Rokeach heauftragt, die Punktionen eines stellvertretenden Bürgermeisters für die Zeit des Urlaubs von Mcir Dizengoff walirzu- 11 eh men. Schalom Asch in Jerusalem Jerusalem, 3. April. (JTA.) Die Exekutive der Jewish Agency in Jerusalem gab zu Ehren des zu Besuch, in Palästina eingetroffenen Dichters Schalom Asch einen Emplang, bei dem der Gast von den Führern des Jisehuw begrüßt wurde, ln seiner Dankrede bemerkte Schalom Asch, die ״letzte Station‘־ der Wanderung des jüdischen Volkes *ei eine neue Form des Kiddusch hasdicm, der Heiligung des Gottesnamens durch Aufopferung. Unter den Juden in Palästina werde eine andere Sprache als Hebräisch keine Geltung erlangen. Der stärkste Eindruck, den er im Lande empfangen hat, so sagte der hebräisch sprechende Dichter, sei der sich überall kundtueiidc Wille zum Leben. Einwanderer-Fürsorge des Waad Leumi Jerusalem, 5. April. (JTA.) Die Sozialabteilang beim Waad Leumi wird künftig die soziale Fürsorge für sämtliche Einwanderer übernehmen. Bisher wurden von der Abteilung nur die Einwanderer aus Deutschland betreut. Der Waad Leumi, der jetzt bei sich die gesamte Sozialarbeit für die Einwanderer konzentriert, hat beschlossen, in Palästina für diesen Zweck eine Sammlungsaktion durchzuführen. Transjordanien und Palästina London, 2. April. (JTA.) tm Unterhaus fragte der Abgeordnete Captain Peter Mac, Donald den Kolonienminister, ob sein Ministerium in Verbindung mit dem Emir von Transjordanien über die!Tage einer Vereinigung von Transjordanicn und Palästina stehe, und ob er zu dem Vorschlag einer arabischen Union zwigehen Syrien und Transjordanien Stellung nchmen könne. , ... In einer schriftlichen Antwort erklärte Kolonienminister J H Thomas, daß die Erwiderung auf den ersten Teil der Frage verneinend sei, und daß der zweite Teil der Frage daher gar nicht auftauche. Jewish Agency und Wirtschaftsbelebung Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Tel-Awiw, 1; April In einem Interview mit Elieser Kaplan, dem Schatzmeister der Exekutive der Jewish Agency, berichteten wir bereits vor mehreren Wochen über die I’läne der Agency zur Hebung der Wirtschaftslage. Jetzt hat sich die Agency in einer Pressekonferenz an die große Oeffentlichkeit gewandt und im einzelnen ihre ökonomischen Aktionen in den letzten Monaten und die detail- Iicrten Projekte für die nächste Zukunft dargestellt. Da wir in dem genannten Interview bereits die Hauptlinien der ökonomischen Pläne skizziert haben, begütigen wir uns heute mit der Hervorhebung verschiedener wichtiger Einzelheiten. Die Agency ging bei der Ausarbeitung von Plänen für die Hebung der Wirtschaftslage von der Voraussetzung aus, daß cs darauf ankäme, das Wirtschaftstempo, das durch verschiedene Faktoren vermindert worden war, wieder zu beschleunigen. Es sollten zu diesem Zwecke A n - leihen für bestimmte Bau- und Wegearbeiten ausgegeben werden, die einerseits für eine Anzahl von Menschen Arbeitsplätze schufen, andererseits als Pioniere für privates Kapital dienen und so dieses zu weiteren Investitionen anspornen sollten. Zu diesem Zwecke wurde eine Gesellschaft gegründet, an der drei Faktoren beteiligt waren: die Jewish Agency, die ihr Rescrvekapita! hineinsteckte und 15000 Pfund zur Verfügung stellte; der Arbeitslosenfonds der Arbeiter- Organisation, der ebenfalls 15 OCX) Pfund in das Unternehmen investierte, und schließlich die Anglo-Palestine-Company, die sich erbötig machte, Obligationen der Gesellschaft bis zum vierfachen Betrage des vorhandenen Kapitals, also bis zu 120 000 Pfund, zu übernehmen. Bisher hat die APC. 50 000 Pfund an Obligationen übernommen, so daß der neuen Gesellschaft, die den Namen ״Bi zur“ (Verstärkung) trägt, ein Gesamtkapital von 80 000 Pfund zur Verfügung steht. In der Leitung der Gesellschaft ist die APC. vertreten, und der letzte Beschluß über die Anleihen, die gewährt werden, liegt bei einer ״Kreditkommission“, die die vorgelegten Projekte auf ihre geschäftliche Sicherheit untersucht. Auf diese Weise soll für die Sicherheit der Zinsen und Rückzahlungen gesorgt werden, was um so wichtiger ist, als ja der größere Teil der Kapitalien der Gesellschaft durch Obligationen, die an das Publikum abgeset/t werilen, geliefert wird und das Vertrauen der Ocffentiichkeit in die geschäftsmäßige Sicherheit der unternommenen Arbeiten erhalten werden muß. Da die Obligationen auf sechs Jahre laufen, ist die Gesellschaft imstande, Kredite auf fünf Jahre auszugeben. Der Zinssatz der Obligationen beträgt 6 ״;«, so daß die Anleihen mit 7Va bis 8 °/0 ausgegeben werden. Bistier sind von der Gesellschaft ״Bizur“ Anleihen in einer Gesamt höhe von 50 000 Pfund bestätigt worden, die zusammen mit den Kapitalien der Körperschaften, die sie ausführen, Arbeiten im Umfange von 250 000 Pfund ermöglichen. Es handelt sich sowohl um die Erstellung billiger Wohnbauten (vor allem im Süden von Tel- Awiw), als auch um die Anlage von Wegen usw. Man hofft, mit Hilfe dieser Unternehmungen 2000 Arbeitern Beschäftigung geben zu können. Da sich, wie wir bereits berichteten, die Arbeitslage in den letzten Wochen merklich verbessert hat, wäre damit für den Augenblick das Arbeitslosenproblem in sehr merklichem Umfange gelöst. Weitere Pläne sind in Bearbeitung. Außer den Unternehmungen, die die Gesellschaft ״Biz.ur“ initiiert, bearbeitet die jewish Agency zusammen mit der Unsere Bodenreserve la einem Leitartikel des ״Bustenai“ untersucht, wie bereits kurz gemeldet, Smilanski die Frage der vorhandenen und noch nicht ausgenützten jüdischen 13 odenreservcn in Palästina. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, daß nur intensive Bebauung des Bodens eine jüdische Landwirtschaft in Palästina maglieh macht. Die Tatsache, daß an zahlreichen Punkten von den Juden Wasser gefunden worden ist, zeigt zugleich, daß der Uebergang zur intensiven Landwirtschaft möglich ist. Daß er notwendig ist, ergibt sich aus der Knappheit unseres Bodenbesitzes, die insbesondere ins Gewicht fällt, wenn wir sie mit den hohen Zahlen der jüdischen Einwanderung vergleichen. Nach einer Berechnung Smilanskis ergibt sich, daß vor dem Kriege auf jeden Juden 8 Dun am Boden entfielen, während heute, trotz der seither getätigten Bodenkaute, nur noch 3 Dun am auf den Kopf entfallen. Dennoch ist der in jüdischem Besitz befindliche Boden bisher nicht entsprechend intensiv verwertet worden. Im oberen Galiläa sind in unserem Besitz 60 000 Dunam, von denen 40 000 sich zur intensiven Bearbeitung eignen. Aber nur 1500 werden intensiv bewirtschaftet. Dazu kommt das .Hule- Gebiet, das bis jetzt 35 000 zum intensiven Anbau geeignete Dunam umfaßt, zu denen noch 25 000 hinzuerworben werden, so daß wir in Ohcrgaliläa 100 000 der intensiven Boden- Bearbeitung harrende Dunam haben werden. Im unteren Galiläa sind 100 000 Dunam der intensiven Kultur fähig, von denen jetzt nur 3000 in entsprechender Weise bebaut werden, ln der Jordanebene sind 20 000 Dunam in unserem Besitz, zu denen in naher Zukunft 10 000 hinzugekauft werden. Dazu kommen die Böden von Bet-Schan, die ebenfalls der Jordanebene zugerechnet werden können. Im ganzen sind hier 60 000 Dunam der intensiven Bearbeitung fähig, von denen nur 3000 intensiv bearbeitet werden. Im Emek besitzen wir 250 000 Dunam, von denen 175 000 intensiv kultiviert werden können. Heute werden nur 8000 Dunam intensiv bearbeitet. In der Sebulon-Ebcne sind die entsprechenden Zahlen 50 000 und 2000, in Schomron und Scharon 250 000 Dunam jüdischer Besitz, 200 000 intensiv kultivierbar, 60 000 intensiv kultiviert. In Jehuda haben wir 200 000 Dunam, die fast vollständig der intensiven Bearbeitung fähig sind, nur für 80 (KW ist dies aber ausgenützt. Zu dieser Bodenflächc sind noch 200 000 Dunam hinztmifügen, die in verschiedenen Teilen des Landes, besonders im Süden, in jüdischem Besitz sind, aber noch nicht von jüdischen Händen bearbeitet werden. Im ganzen ergibt sich: in jüdischem Besitz sind ungefähr 1250 OM Dunam, von denen 1000 000 intensive Bearbeitung erlauben, tatsächlich aber nur 150 000 intensiv bearbeitet werden. Man könnte also aus dem gegenwärtigen jüdischen Bodenbesitz Anglo-Palestine Company verschiedene andere Projekte» die vor allem auf billige Kredithilfe für Kleinindustrielle hinauslaufcn. Es handelt sich vor *flem um solche kleinen Unternehmungen und Werkstätten, die für einen normalen Bankkredit nicht in Frage kommen. Auch der Industriellenverband soll für diese Aktionen herangezogen werden. Schließlich ist die Zusammenfassung, finanzielle Stützung und bessere Organisierung der ״Gmilath Chass a d i m“ projektiert, kleiner Anleihevercine, die in den verschicdensten Orten bestehen und an Bedürftige kleine billige Anleihen ausgeben. Hier handelt es sich hauptsächlich um jenen Typus, der nicht zur Arbeiterschaft, aber auch nicht zu den Industriellen gehört, um kleine Händler, Handwerker usw., denen man in Notzeiten mit kleinen, ganz billigen oder zinslosen Anleihen unter die Arme greifen muß. Die Exekutive der Jewish Agency, die in dieser Presse* konferenz durch Grün bäum und Rottenstreich vertreten war, hat die Oelegenheit nicht nur für die detaillierte Darstellung dieser Wirtschaftsprojekte benutzt, sondern auch für die Aufklärung verschiedener Mißverständnisse und die Beantwortung etlicher Beschwerden, die im Zusammenhang mit den Aktionen zur Behebung der Arbeitslosigkeit auftauchten und auch einen Widerhall in der Presse fanden. Von dieser Seite wurde vor allem gerügt, daß die unternommenen Aktionen nur dem Arbeitslosen, nicht aber dein Erwerbslosen, also z. B. dem kleinen Händler, der ebenfalls durch die Depression in Mitleidenschaft gezogen war, zugute kommen sollten. Auf diesen Vorwurf hin zeigte Grün bau in mit Recht die unmittelbare Verbindung auf, die zwischen einer Liquidierung der Arbeitslosigkeit und der Hebung auch der Lage des ״Erwerbslosen“ besteht. Setzt sich doch der Lohn des Arbeiters in Kaufkraft um, die wieder dem gesamten Wirtschaftsleben, insbesondere dem Kleinhandel, zugute kommt. Und daß ein Teil der Gelder von der Arbeiterorganisation geliefert wurde und sie damit auch einen Einfluß auf den Gang der Dinge erhält, liegt einfach daran, daß die Arbeiter- Schaft als einziger Block des Wirtschaftslebens sofort nach Einsetzen der Depression die Initiative ergriff und eine großzügige Sammlung durchführtc, die der neuen Gesellschaft die Hälfte ihres Barkapitals lieferte. Griinbautn wies mit Recht darauf hin, daß die Ocffentiichkeit für diese Aktion und ihre disziplinierte Durchführung der Arbeiterorganisation nur dankbar sein und sie als Vorbild für ihre eigene Haltung benutzen könne, daß Angriffe aus diesen Gründen jedoch jeder Grundlage entbehrten. Es sei schließlich noch darauf hingewiesen, daß das Reservekapital der Jewish Agency, das die Hälfte des Barkapitals der neuen Gesellschaft ausmacht, aus den Beständen des Keren Hajessod stammt, wie ja das gesamte Budget der Exekutive aus dieser Quelle gedeckt ist. Es ist nötig, auch in diesem Zusammenhang nochmals eindringlich auf diese Tatsache hinzuweisen, weil wir in Palästina in der letzten Zeit eine sonderbare Erfahrung machen: einerseits meldet sich jetzt, wo die Situation schlechter war, überall der Ruf nach der sofortigen und umfassenden Hilfe der nationalen Institutionen, was nichts anderes heißt, als die Hilfe durch die Fonds, also den Keren Hajessod und Keren Kajemetfi. Es fehlt aber andererseits vielfach die Bercitschaft, diese Institutionen, die ja völlig auf der freiwilligen Mitarbeit der Ocffentiichkeit beruhen, so zu stützen und auszubauen, daß sie den erhöhten Anforderungen gewachsen sein können. Von welcher Bedeutung diese Aktionen sind, ergibt sich nicht nur aus der Neubeschäftigung von Arbeitern, die eine große Entspannung der Wirtschaftslage darstelit, sondern auch daraus, daß in dieser Aktion eine gewisse Wirtschaftsplanung enthalten ist, die in der sehr ungeregelten und ungehemmten Entwicklung der letzten Jahre von Segen sein kann. mindestens eine halbe Million Dunam fSc neue Ansiedlung freimachen, d. h. 20 000 neue Wirtschäften zu 25 Dunam bewässerbaren Boden neu ansetzen. Smilanski illustriert seine These durch einige Beispiele. Deganiah A und B haben 2000 Dunam, von denen ein Drittel intensiv mit Bewässerung bewirtschaftet wird, während von dem benachbarten Mcnachamiah mit seinen 10 00Q Dunam nur 4 0/0 intensiv kultiviert werden. Der Boden von Ejn-Charod und Tei jossef ist so groß wie die Bodenfläche von Rechowoth. Rechovvoth ernährt 8000 jüdische und 2000 arabische Seelen, von ihnen 6000 in der Landwirtscliaft beschäftigte. Dagegen ernähren Ejn-Charod lind Tel Jossct bisher nur 926 Seelen, Ein Jahr Kibbuz Machar. Uns wird geschrieben: Der Kibbuz Machar in Hadar (Scharon) wurde an! 28. März vorigen Jahres von 12 Mitgliedern des Hachscharah-Kibbuz Birkenau im Odenwald als Plugah des Kibbuz Hameuchad gegründet. Inzwischen ist seine Mitgliederzahl auf 50 angewachsen und wird nach Verteilung dieser Schedule 80 erreichen. Der größte Teil seiner Mitglieder stammt aus Deutschland; in letzter Zeit hat sich eine Gruppe von Olim aus der Tschechoslowakei in Wien zu konzentrieren begonnen. Der vorherrschende Arbeitszweig ist Außenarbeit in den Pardessim. Gleichzeitig mit dem einjährigen Bestehen feiert der Kibbuz die Einweihung seines neuen Lagers auf 12 Dunam Keren Kajemcth-Boden in Hadar. Mit dem Anbau von Gemuss wurde eben begonnen, Kuh- und Hübnerstall sollen im Laufe des Jahres folgen. Das spezifische Merkmal des Kibbuz Machar ist die Gemeinschaft von religiösen und nichtreligiösen Chawerim. Es ist bisher der einzige Kibbuz im Lande, der diesen Grundsatz durchführt Der Gedanke reifte in der Zeit gemeinsamer Haehscliarah. Seine praktische Voraussetzung ist eine gemeinschaftliche koschere Küche. Die theoretische Voraussetzung hierfür ist eine doppelte; Einmal die Erkenntnis, daß die Spaltung der chaluzischcn Bewegung in eine nichtreligiöse und religiöse für die gesamte Bewegung nachteilig ist. Im Rahmen des Kibbuz Hameuchad, der eine chaluzische Massenbewegung ist, muß — auf der Grundlage unbedingter Gewissensfreiheit — Raum für verschiedene Lebensanschauungen und Lebensfühningen sein, wenn sie nur die Chaluziuth bejahen. Ferner ist 3er Kibbuz der Ansicht, da» die Religion als die Wahrerin jahrtausendealter jüdischer Kulturgüter nicht abseits von der allgemeinen chaluzischcn Bewegung zu stehen braucht, sondem daß sie der werdenden Kultur Bleibendes zu geben hat, aber auch Wertvolles von ihr empfangen kann. Ein solcher Austausch kann nur dann stattfinden, wenn durch emeinschaftliches Leben Vorurteile, Irrtümer und Fehler auf eiden Seiten zerstört werden. Chaim Neuburgef m