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Jüdische Rundschau · 1936-04-10 · Heft 29 (10.4.1936) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 29 (10.4.1936)
Date
1936-04-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU NR. 29, 10. APRIL 1936 PAlÄSTlNA-BlATT ״Jeruschalajim medaberet“ Die Eröffnung des palästinensischen Radiodienstes Von unserem pallstinensischenKorrespondenten gl. Tel-Awiw, 31. 3. 36 Bel den FunktOrmen in Ramallah Bei Ramallah, einem schmucken arabischen Städtchen in der Nähe von Jerusalem, ist in den letzten Monaten lebhaft gebaut worden, um die palästinensische Radiostation mit ihren beiden hundert Meter hohen Funktiirmen fertigzustellen. Ein neuer Weg verbindet die Station mit der I iauptchaussec Jerusalem-Ramallah. Von der luftigen Höhe des judäischen Gebirges wandert der Blick ins Tal, über die Abhänge der Hügel in die jetzt blühenden und grünenden Ebenen von Judäa und bis an die Küste des Mittehneeres, die sich in einem hellen Streifen am Horizonte abzeichnct. Unweit von der Station liegt Bethel, wo die Geschichte von der Jakobsleiter spielt, und wer, wie sehr viele, an diesem Tage und in dieser Umgebung zum Nachdenken und Symbolisieren geneigt ist, mag wohl die feinen Eiscnlinieii der Türme mit der Himmelsleiter der Bibel verglichen haben, ... Die Station ist von der Marconi-Firma nach den modernst«1 Modellen gebaut worden. Für die Wahl des Platzes war vor allem die atmosphärische Sicherheit der Uebertragung und die Verhinderung von Störungen ausschlaggebend. Das palästinensische Radio hat sich für die erste Zeit von der englischen Radiogesellschaft einen Programmdirektor ausgeliehen, der bei den ersten Versuchen assistieren soll. Daß sowohl Hilfe eines erfahrenen Experten wie auch ein offenes Ohr und Auge für die besonderen palästinensischen Verhältnisse notwendig sind, wenn dieser so interessante und wichtige Versuch gelingen soll, weiß jeder Palästinakenner. Die Eröffnungsfeier lim 4.15 Uhr palästinensische Zeit, pünktlich, zu der für die Eröffnung angesetzten Zeit, hatte sich bei der Station in Ramallah ein ganzer Wagenpark mit Geladenen ciugcfundcn, darunter eine Anzahl von (iästen des High Commissioncrs, der Mitglieder der verschiedenen Bevölkerungsgruppen und englische Beamte zu einem Essen ins Jerusalemer Palais geladen hatte. Eine Tribüne war erbaut, arabische Scouts standen Wache, die Vertreter aller Bcvölkcrungsgruppeii hatten sich eingefunden und wurden nach vorbedachtem Plan sorgsam auf ihre Plätz.e geleitet. Nach langer Zeit trafen sich wieder Araber und Juden, Christen und Moslems bei einer gemeinsamen Funktion, und zwischen ilineii saßen die flohen Beamten der englischen Administration, die in großer Zahl erschienen waren und das konsularische Kofps. Die Einwohner von Ramallah, die die benachbarten Höhen besetzt hielten, um an der Zeremonie Anteil zu haben, hatten ein buntes und seltenes Schauspiel vor sich, die Repräsentanz y,ß#l|stinas, so verschiedenartig, so entgegengesetzt und so bunt wie das Land selbst. Das Kommen des High Coinmissioners begrüßte die von einem Militärorchester gespielte englische Hymne, der Oberkommissar schaltete den elektrischen Strom ein. Dann ertönten aus dem Munde des Postdirektors zum erstenmal die Worte: ״it is Jerusalem calling“ und ihm folgte dieselbe Ansage in arabisch und hebräisch. Das in Ramallah versammelte Publikum und die Menge, die sich überall in den Straßen der Städte vor den Lautsprechern drängte, hörte zum ersten Male das Wort ״J e r u s c 11 a I a j i in medabere t“. Es folgten die einleitenden Reden des Postdirektors, des High Commissioncrs, die Begrüßung durch den Radiodienst des englischen Empire, und darauf begann die eigentliche in gedruckten Programmen angekündigte Darbietung. Der palästinensische Radiodienst reiht sich dem internationalen Rundfunk an. Die Hörer Für ganz Palästina ohne Unterschied der Rasse und des Glaubens war der erste Sendetag ein Fest, fn allen Städten stauten sich große Massen vor den Radiogesehäfteri, die ihre Lautsprecher arbeiten ließen. Man ließ die Arbeit liegen, um zu hören; die bekannte Stimme der Rowina, der großen Habimahschauspielerin, die Bialik las und das Hohe Lied rezitierte, wurde mit Freude erkannt, bekannte Melodien der jemenitischen Juden wurden dankbar aufgenommen. In den meisten Häusern, die Apparate besitzen, hatten sich nicht nur die Familienmitglieder, sondern auch die Nachbarn versammelt, und die Kinder zeigten das lebhafteste Interesse. Umschichtig war einmal die arabisch sprechende und einmal die hebräisch sprechende Bevölkerung gefesselt, je nachdem OFFICIA L die Sprachen im Sender abwechsellen. Und mancher der neuen Einwanderer hat an diesem ereignisreichen Nachmittag .noch mehr als sonst über seine mangelnden Sprachkenntmsse geseufzt, die ihn verständnislos vor dem Apparat sitzen ließen. Das schöne Konzert am Abend, das in einem Quartett und einem Sprcchorchcster klassische Musik brachte, hat freilich auch diese getröstet, weil sie sich in der Sprache Mozarts wohl zurechtfanden. Und am nächsten Morgen brachten die _ hiesigen Blätter zusammen mit den Berichten über die Eröffnungsfeier, die den besonderen Radiobeilagen des Vortages folgten, bereits die ersten, durch das palastinensische Radio übermittclten Neuigkeiten. Das Radio, ein Zeichen der Palästinaentwicklung Die Pläne, einen Sender in Palästina zu bauen, sind alt. Schon vor zehn Jahren wandte sich eine gemischte Gesellschaff, in der die Vertreter der verschiedenen Bcvölkerungsgrtippen des Landes saßen, an die Regierung mit dem Gesuch, ihnen den Bau einer Station zu gestatten. Die Angelcgenheit wurde in Jerusaietn und London bearbeitet und der Entscheid lautete damals negativ. Das Land schien zu arm an Kräften, die für die Aufrechterhaltung eines werfvollen Programme« notwendig waren und die tcchnischen Schwierigkeiten bei der Uebertragung europäischer Funkprogramme waren noch zu groß, um einen Erfolg zu gewährleisten. Unterdessen baute ein anderes Land tles Nahen Ostens , einen eigenen Sender. Kairo sammelte nach und nach Erfahrungen, licwies auch, daß ein solches Unternehmen nicht nur wichtig war — das war schon vorher allen klar —, sondern daß es auch den besonderen Anforderungen eines östlichen Landes und seiner spezifisch gearteten Bcvölkerung entsprechen konnte. Palästina ist in diesen zehn Jahren trotz manchen heftigen Rückschlägen mit Riesenschritten vorwärtsgegangen. Heute sind in lulle die Kräfte vorhanden, die für das Programm einer guten Station notwendig sind. In! jüdischen Sektor ist die Zahl derer, denen tagliehe Radioprogramntc geradezu Möglichkeiten und Probleme Daß sich die Regierung bei dem Bau der Station m Ramallah sowohl der Möglichkeiten wie auch der Probleme dieser neuen Technik bewußt war, bezeugt die Rede des High Commissioncrs bei der Lröfmung und die Zusammensetzung der Programme. IJebcrall auf der Welt haben Seiidcstationen damit zu rechnen, daß der Geschmack und die Anforderungen verschieden sind, und sie versuchen dieser Tatsache durch möglichst vielfältige Progranime, durch eine Mischling von Nachrichten, Aktualitäten, Lernstoff, Unterhaltung usw. Rechnung zu tragen. In den meisten europäischen Ländern bestehen aber darüber hinaus nicht die Komplikationen, auf die wir in Palästina stoßen. PAU• STINK BROADCASTING SERVICE 7k I7W lOÜt A!/ M/ - - resi ו ד vjlw T p p Vi f J|| ץ XjifRI, P P T «*יי, *l j jL fl " W/ 1|k , fr\ m ז No 1 PROü RAM MF: S M*nh 30tf> io Aprtl 4tk 1936 449 «JERUSALEM. metrr* 668 Kt « 20 K. MONDAY. 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B e d ü r f n i s u n d Können waren in diesen zehn Jahren gemeinsam gestiegen, und die Regierung trug dieser Tatsache Rechnung. Sie sah jedoch auch jetzt von einer Konzession an eine Privatgesellschaff ab uiid übernahm die neue wichtige Arbeit in eigene Regie. Da ist zuerst das S p r a c I) e n p r o b I e in, das eine genaue Berücksichtigung der drei offiziellen Sprachen, des I ngnsehen und I lebiäisciicn und Arabischen \ erlangt. Und /war nullt nur so weit, daß irgendwie alle drei heruek'-ichtigt werden, sondern es muß, um Verstimmungen und < icgner •1 haft zu vermeiden, haargenau darauf geachtet werden, daß!•eine zu kurz kommt. Die Leitung des Senders hat deshalb die In-her zur Verfügung stehende I unk/iit so eiageteiii, daß ein gle eher und laßt sie alnvcc lischt, k fallt 111 den ‘ Stunde, und als zu dem Anteil auf die verschiedenen Spracht 11 entf.i überdies nach kurzen Abstaiuleii niitcinan It aimnowt Sir Arthur Wauchope hält die Erßffrumgsansprmehe vor den geladenen Gästen ¥9*mi 1. OratSkM Rahmen der ״hebräischen׳' bzw. der ..aiabis mir allgemeine, also europäische Musik, allgemeinen Teil gehörig. Die Sprachen allein sind nicht die einzige Komplikation. Es spielen bei diesem Unternehmen natürlich politische Momente mit. Diese hat der High Uomjnissioner in seiner Eröffnungsrede als aiisgesclialiet erklärt: Politiea werden im palästinensischen Sentier nicht behandelt. Bleibt schließlich noch die große Vers c 11 i e tl e 11 11 c i t d e r Bev ö 1 k e r 11 n g, von der bestimmte feile völlig europäisch, andere ganz ortrtv talisch eingestellt, sind, von denen einige einen holten Bildungsgratl haben, andere als Analphabeten zu betrachten sind. Aus’ dieser Situation ergeben sich die Schwierigkeiten des Radios, zugleich aber auch seine ungewöhnlich grollen Aufgaben und Möglichkeiten. Hier kann man eine Bevölkerung, die nicht lesen kamt, die darauf angewiesen ist, Nachrichten von den Vorlesern im Bazar und in den Cafes zu beziehen oder sie von Durchwandernden im Dorfe z.u erfahren, sozusagen aus erster Que'ile bedienen. Man kann ihnen beruflich weiter helfen, z. B. durch leicht faßliche Vorträge über Land- Wirtschaft und Koopcrativwesen, die ebenfalls tler High Comntissioncr in seiner Eröffnungsansprache erwähnte. Man kann ihnen Nachrichten ztikoinmen lassen, man kann für die Er- Weiterung ihres Horizontes etwas tun. Die Regierung plant in der Tat die Installierung von 100 Empfängern in arabischen Dörfern, die in den Empfangshäusern für Gäste stationiert werden und vom Radiodienst kontrolliert werden sollen. Nach und nach soll das Dorf diese Apparate abzaltlcn, und es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß diese Regierungsaktion von allen Seiten aufs lebhafteste begrüßt werden wird. Ausbau Die Eröffnungsrede Abraham Katzenelsons, des jüdisehen Vertreters in der Programm-Kommission des palastinensisch_en Radio, wandte sich in der Einleitung ״an die Bruder in Zion und an den jüdischen Hörer, wo er auch sein möge“. Es lag etwas Bewegendes in dieser Anrede, die von den Höhen

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