Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 29 (10.4.1936)
- Date
- 1936-04-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU NR. 29, 10. APRIL 1936 Literatur Blatt Bücher aus Amerika Louis Wallis, ״God and the Social Process. A Study in Hcbrcw History“ (The University of Chicago Press, Chicago 1935). George Aaron Barton, ״Semitic and Hamitic Origins“ (University of Pennsylvania Press, Philadelphia 1931). William Creighton Graham, ״The Prophets and Israel’s Culture“ (The University of Chicago Press, Chicago 1934). Viel zu wenig wissen wir von der wissenschaftlichen Arbeit, die sich jenseits des Ozeans vollzieht. Auf allen Gebieten der Wissenschaft bestellt diese Trennung, die nur in ganz seltenen Fallen durchbrochen wird, wenn einmal ein besonders bedeutendes Werk erscheint. Einige Bücher von UichtjüdischenAutoren über jüdischeFragen erwecken nun unser Interesse. Die drei angezeigten Bücher entstammen den theologischen Fakultäten in Chicago und Philadelphia; aber methodisch ist ihnen eines gemeinsam, was sie von in Europa erscheinenden theologischen Werken unterscheidet: sic suchen an den Stoff mit der soziologischen Methode heranzukommen. Jeder Kenner amerikanischer Wissenschaft wird dies sofort verstehen, denn dem Amerikaner liegt das spekulative Denken nicht, er liebt es vielmehr, sich an Hand der Tatsachen zu orientieren, um so gleichsam sicherer zu gehen. Die soziologische Methode ist der Versuch, aus der Entwicklung einer Gruppe und aus dem Kräftespiel der einzelnen ücsellschaftsschiehten das Resultat dieser Entwicklung zu begreifen. Die Methode geht aus von der Erkenntnis, daß die gesellschaftlichen Kräfte ein iutegrierender Bestandteil des menschlichen Lebens und vielleicht auch der geistigen Kultur sind, und daß deshalb ohne ihre Kenntnis die Geschichte nicht verstanden werden kann. Diese Methode hat bereits gewisse Erkenntnisse zu Tage gefördert — die Arbeit Max Weber* beruht auf ihr —, aber es ist andererseits kein Zweifel, daß sie einseitig ist und daß Geschichte nicht allein aus den sozialen Fakten erklärt werden kann. Diese Einseitigkeit macht sich z. B. in dem Werk von Wallis bemerkbar, der an Hand eines großen Materials folgende Thesen vertritt: Die Juden sind als Volk nicht am Sinai durch die Gesetzgebung entstanden, sondern es erfolgte ein allmähliches Zusammenwachsen der Stämme; Juda ist erst zu einer späten Entwicklung gelangt, und eine gewisse Verwirrung ist durch die Geschichtsschreibung des südlichen Reiches entstanden, die frühere ephraimitische Geschichtsdokumente im Interesse Judas verwandte und so die historischen Tatsachen umbog; die Entwicklung des jüdischen Genius schält sich allmählich aus dem Zwiespalt von ״Mischpat“ und dem Baalsdienst der Städte heraus, und die ethischen Ideen der nachcxiiischen Zeit sind das Produkt jenes Zwiespalts und jener Anseinandersetzungen. Die Darstellung von Wallis ist in vieler Beziehung zweifellos überzeugend, wol>ei freilich auffällt, daß er den Begriff ״Mischpal“ nicht definiert, ln manchen Fällen scheint es, als ob er etwas unbekümmert biblische Bemerkungen als geschichtliche Tatsachen nimmt. So wenn er beispielsweise aus 1. Kon., Kap. 10, 27 auf eine Inflation unter Salomo schließen will, ist cs sehr fraglich, ob der Text so interpretiert werden kann. Zudem fehlt die psychologische Deutung, wie nun eigentlich aus dem ständigen Kampf zwischen jüdischer Religionsauffassung und dem Götzendienst das Volk zum Monotheismus kommt. Andererscits hat doch das Buch das Verdienst, die sozialen Verhältnisse im Nord- und Südreich mit so viel Klarheit und geschickter Gruppierung darztilcgen, daß unser Ver- Standnis für die geschichtlichen Vorgänge in vieler Beziehung geschärft wird. Die theologische Geschichtsforschung in Europa, die sich bisher noch ziemlich fern von der sozio״ logischen Methode gehalten hat, wird sie als Ergänzung nicht mehr von der Hand weisen können. (Auf Einzelheiten wie etwa die interessante Theorie, daß die Mischpat-Idee ein typisches Produkt der Wüste sei u. ä. kann hier leider nicht eingegangen werden.) Soziologische und ethnologische Vergleichungen dienen Barton dazu, die Verschiedenheiten und die Gemeinsamkeilen der semitischen und 11 a m i t i s c h e n Völkerschäften heraus/uarbeiten. Der Verfasser hat bereits vor 30 Jahren einmal ein Buch über das gleiche Thema herausgegeben, aber—wie er im Vorwort bekennt — in der Zwischenzeit unter dem Eindruck neuer sozio-cthnologischer und archäologischer Erkenntnisse seine Meinung geändert. Während er damals glaubte, daß die Semiten ein Stadium der Polyandrie durchlaufen hätten, das sich auf die religiösen und sozialen Institutionen ausgewirkt hatte, ist er nun überzeugt, daß diese Eheform lokale Ursachen hatte, wo sie vorkam, und nur verhältnismäßig wenig Einfluß auf die Kultur ausübte. Früher vertrat er die Ansicht, daß die Sexualriten der Semiten ebenfalls aus der Lebensform der Polyandrie entstammten; jetzt nimmt Barton die allgemeine ethnologische Auffassung an, daß sie Produkte einer Art sympathetischer Magie sind, die glaubt, daß die Fruchtbarkeitsgottbeifen beeinflußt werden könnten, lebenspendende Taten zu vollbringen, von denen das wirtschaftliche Wohl abhängt. Früher nahm er bei den Semiteil ein totemistisches Kulturstadiuin an; jetzt glaubt er zeigen zu können, daß dicScmiten nach ihrerTrennung von den Hamiten nicht totemistisch waren. Die frühere Ansicht, daß viele semitische Gottheiten mit der gesellschaftlichen Wandlung von Matriar- Chat zum Patriarchat ebenfalls vom weiblichen zum männlichen Geschlecht übcrwechsclten, wird nun dahin modifiziert, daß zwar einige Gottheiten verwandelte Göttinnen sind, daß aber solche Transformationen weniger allgemein sind, als Barton früher anualim, und anderen Ursachen als einer Aenderung der sozialen Struktur zuzuschreiben sind. Früher betrachtete Barton die semitischen Stämme als Ausläufer eines primitiven semitischen IJrstamms, dessen Differenzierungen durch eine lange Entwicklung in den verschiedenen Wohnorten hervorgerufen wurden, dessen meiste Gruppen sich jedoch von Vermischungen mit anderen Stämmen frei hielten; ln dem neuen Buch erkennt Barton, daß jeder semitische Stamm (vielleicht mit Ausnahme der Nord-Araber) durch die Vermisch ung mit anderen Rassen seine Prägung erfahren hat, und daß die vielfach abweichenden Charaktcrziige innerhalb der semitischen Gruppen gerade einer solchen Vermischung und weniger einem einfachen sozialen Wachstum zuzuschreiben sind. Gegenüber seinem früheren starren Schema vertritt der Verfasser jetzt also eine dynamische Ent- Wicklung, und das Material, das er hierfür gibt, ist ebenso reichhaltig wie gut durchgearbeitet. Das Buch von Graham ist in einer ponulär-wissenschaftliehen Reihe erschienen und ebenfalls soziologisch aufgebaut. Er legt dar, daß die Juden nicht alles auslöschten, was sie in Kanaan vorfanden, sondern es mit ihren Vorstellungen verschmolzen. Die Propheten sind die Vertreter einer besseren, gerechteren sozialen Ordnung innerhalb einer Welt, die nur in den Kategorien des Nutzens und des Vorteils dachte. Diese ungerechte soziale Ordnung hing zusammen mit der Baals- Religion, die auch ökonomisch eine Sache der herrschenden Schicht war und die Propheten zu Vorkämpfern einer besseren Verteilung der wirtschaftlichen Güter machte. Auch diese Dar- »tellung ist für einen europäischen Leser reizvoll. Dr. Gerhardt Neumann ״Vom Ghetto nach Europa“ Arthur Eloeaser: Vom Ghetto nach Europa. Das Judentum im geistigen Leben des 19. Jahrhunderts. Berlin 1936 (Jüdische Buchvercinigung). Vor fünf Jahren erschienen die beiden mächtigen Bände von Eioesser: ״Die deutsche Literatur vom Barock bis zur Gegenwart“ (bei Bruno Cassirer). Der Sech/igjährige bot darin aus einer seltenen, lebenslänglichen Vertrautheit mit allen Epochen des deutschen Schrifttums eine Literaturgeschichte, wie wir sie bisher nicht hatten: Unter Verzicht au! jeden gelehrten Apparat, den er, aus der alten Germanistengarde um Erich Schmidt wie kaum einer beherrschte, hat er die deutschen Sprachdenkmäler dreier Jahrhunderte, ihre Verfasser, ihre Zeiten und Probleme in einer Art lebendig gemacht, der Anerkennung nicht versagt werden darf. Kaum war die Ernte eingebracht, als auch von Arthur Eioesser ein scharfer Schnitt zwischen dem Lebenswerk und einem gänzlich Neuen gemacht werden mußte. Nur überlegene Geister fanden im vorgerückten Alter die Spannkraft, Illusionen entbehren zu können. Eioesser gehörte zu ihnen. Sein neues, zum Judentum zurückgewandtes Werk ist mit den reichen Mitteln des alten Germanisten gearbeitet, aus einem neuen Geist, der die Spuren der Resignation nicht verbergen kann, der aber —- jede Zeile seines neuen i ii - d i s c h e n Buches verrät es — stark und stolz blieb lind unbedingt Ja zum Judentum sagt. Eioesser hat den Mut, zum hundertsten Male die bekannten Gestalten und Strömungen zu behandeln, die in 150 Jahren, von dem Beginn der Wirksainkeit Moses Mendelssohns bis zum Ausgang der liberalen Aera (Lasker, Bamberger), das Judentum in stärkerer Ver- Wandlung zeigen als die vorausgegangenen Epochen seiner geschichtlichen Existenz. Man geht nicht ohne Ungeduld an eine neue Darstellung *der so oft und von allen Seiten gedeuteten Personen und Probleme heran, zumal gerade die allerletzten Jahre über dieses viel gescholtene 19. Jahrhundert und seine Akteure sehr gute Veröffentlichungen populärer und wissenschaftlicher Art gebracht haben. Kann im Jahre 1936 der jüdischen Oeffentliclikeit in Deutschland in einem nicht gelehrten, an weitere Kreise sich wendenden Buch noch wirklich Neues über Heine und Börne,!.assalle und Zunz, über Rießer, Geiger, Stahl, Heß, Steinheim bis Ludwig Bamberger gesagt werden? Haben wir nicht vor kurzem Wieners bedeutende Oeistesgesehiclite der Eman/ipation und die vielseitige, aber mehr an der Oberfläche bleibende Beschreibung der gleichen Probleme und Figuren von Lew ko witz (״Das Judentum und die geistigen Strömungen des 19. Jahrhunderts“) gelesen, abgesehen von den zahlreichen weniger selbständigen Darstellungen in den bekannten Einführungswerken neueren Datums? Den Kern (mehr als in dem dritten Teil) von Eloessers neuem Buch bildet eine ausführliche Biographie Heines, die es mit Brods neuem Heinebild aufnehmen kann. Man muß es dem Literarhistoriker Eioesser auf jeden Fall lassen, daß er den Stofi durchsichtig macht und unter Weglassung aller theorctischer, oder problemgeladeneu Erörterungen die Zeit und ihre Gestalten plastisch zum Leben erweckt, ohne je in eine um jeden Preis originelle und ״flotte“ Art historischer Belletristik zu verfallen. Neben der Welt Heines laufen die Bilder um die anderen Milieus, Salons und Einzclgestalten mit ihren Ghetto-Europa- Sorgen viel rascher ab. ״Der Weg ins Freie“ war in den zahllosen Fällen immer wieder neu und unterschied sich vor 100 Jahren im Geistigen wie in der Praxis in jedem Einzelfall. Moses, Mendelssohn, seine Familie und seine Nachtoiger, diejöäirtlichen und genialen Frauen, die Konvertiten unu Konverfitinnen, Hitzig, Koreff, Beer, die jüdische Reformbewegung, Gans, Zunz, die Politiker! Und dann Lassalle selbst! Heine empfiehlt ihn in einem Brief an Varnhagen; der Brief ist in der Tat eine Art Abdankung vor der zwar weniger schwärmerischen, aber uns noch fremderen Generation, deren Unbescheidenheit und Aufdringlichkeit Treitschke aut die Nerven gingen; Heine schreibt über l assalle: ״Herr Lassalle ist nur! einmal ein so ausgeprägter Sohn der neuen Zeit, der nichts von jener Entsagung und Bescheidenheit wissen will, womit wir uns mehr oder minder heuchlerisch in unserer Zeit liindurehgelungert und hindurehgefasclt.“ — Auch über Rießer, Geiger, Stahl, ließ, Stein heim und über den ganzen Kampf um die Emanzipation und die nationaljüdische Gegenwirkung steht viel Kluges, von großen Worten und überspitzten Konstruktionen Unbeschwertes bei Eioesser. Vielleicht etwas kurz weggekommen ist ״Die Aera des Liberalismus“. Geistern wie Abraham Geiger und S. R. Hirsch ist allerdings so nicht bei/tikommen. Die elegante Verarbeitung ersetzt hier nicht das biographische und geistesgeschichtliche Detail, das begriffliche Anstrengung erfordert, aber auch den Tiefgang und die Nachhaltigkeit jener geistigen, nicht leicht schreibenden Gestalten ausmacht. Alles in allem freuen wir uns mit dem neuen lebendigen und anregenden Ueberldick über die großen und kleinen Irrlichter des!9. Jahrhunderts, die das Judentum nicht zerstören konnten, auch als sie es mit den besten Absichten und in so feurigem Flau aus dem Ghetto führten. Ludwig F cuchtwangei Ein neuer Band von Jules Romains Jules Romains: ״Junge Liebe“, 3. Band der Serie: ״Die guten Willens sind“. Rowohlt-Verlag, Berlin. Wir haben an dieser Stelle die beiden ersten Bände der neuen Romanserie von Jules Romains: ״Die guten Willens sind“, besprochen (siehe ״Jüdische Rundschau“ Nr. 13 vom 14. Februar 1936) und auf die Besonderheiten des kompositorischen Prinzips hingewiesen, die der Verfasser in dieser Romanserie anwendet. Der dritte Band, der jetzt in deutscher Sprache erschienen ist, erbebt sich weit über die beiden ersten. Die Erinnerungen von der Jugendliebe eines Studenten, die einen großen Teil dieses Bandes ausmachen, und die Geschichte des Abenteuers einer reifen Frau, das jed ich nicht zum Abenteuer wird (wenigstens im Ablauf dieses Bandes), die Atmosphäre von Paris, in die die Studenten der Ecole normale in ihrem Leben und zum Teil mit ihren Erinnerungen eigentümlich verwebt sind, all dies verbindet eine eigenartige Bcschwingthcit, die durch das ganze Buch geht. Allerdings: Ob alles nach dem tirspriinglieh angekündigten Kompositionsprinzip geht, scheint uns fraglich, denn es sind gerade die zusammenhängenden Partien, die in sich geschlossene Handlungen bilden und die beim Leser die Verbundenheit mit dem oder den Helden und ihrer Entwicklung hersteilen, die den Reiz des Buches ausmachen. Einmal wird auch ein jüdisches Thema anerührt, wenn von dem Kritiker George Allory und seiner ebensgeschichte die Rede ist, der darunter gelitten bat, daß er eigentlich Abraham David hieß und in der Dreyfus-Zcit trotz Beteuerung seiner christlichen Abstammung unter Anriffen zu leiden hatte. Denn diese Beteuerung führte mir azu, daß man ihn für einen Juden hielt, der sich schämte, es zu sein; ״und das war niemandem sympathisch“. Allerdings war er es wirklich nicht. —n. Erinnerungen eines Engländers Halliday Sutherland: ״Bogen der Jahre“. Rowohlt- Verlag, Berlin 1935. Die Lebenserinnerungen dieses berühmten englischen Arztes, die in der englischen Originalausgabe außerordentliches Aufsehen erregt haben, liegen jetzt in einer deutschen Uebcrsetzung vor. Es ist das Leben eines Engländers in Frieden- und Kriegszciten, der in einer gewissen vornehmen Distanziertheit sich selbst und dem, was er erlebt und gesehen hat, gegenübersteht und mit leichter Hand die Konturen seines Lebens schildert — eines Lebens, das wahrlich reich an Abenteuern und Merkwürdigkeiten war und das auf die Höhe des Ruhms führte. Spannung ist das Element dieses Lebens und zugleich des Buches, das von ihm berichtet. -n. Auch als Peßach*Geschenk LAND DER JUGEND Das Buch der K1'nder״Rundschau das von allen jüdischen Jungen und Mädchen meist begehrte Jugendbuch Preis nur RM 2,85 Zu beziehen durch alle Jüdischen Buchhändler oder direkt vom VERLAG JÜDISCHE RUNDSCHAU G. m. b. H. BERLIN W15 / MKINEKESTR. 10 Gegen Voreinsendung des Betrages zuzügl. 30 Kpf. Porto auf das Postscheckkonto der Verlagsabteilung: Berlin 71576 Eine Gegenwartscr7.iihlung S. Schachnowitz: Flucht in die Heimat. Ein Dokument der Zeit. Hcrmon-Verlag, Frankfurt a. M. Eigentlich ist es eine Erzählung, die Geschichte einer Frankfurter Bankiersfamilie, die, von den Ereignissen dieser Jahre erschüttert, den W'cg zum alten Glauben und ins alte Land findet. Den Anfang macht die Jugend, der Sohn Boris, der einem östlichen Rabbi begegnet, sich Barucli nennt, Talmud und Landwirtschaft lernt. Sein Papa wieder lernt in der Muße einer unverschuldeten Haft Psalmen, die Mutter hat ihr entscheidendes Erlebnis am Grabe Rahels, und das allgemeine Resultat ist: Palästina, N'eugewinming des Bodens im Zeichen der Religion: ״Die Zukunft unseres Landes ist nicht gefährdet. Es kommt eine neue Generation, die sich uns zuwendet. Erez Israel bleibt unser, bleibt Gottes...“ — Es ist also eine optimistische Tendeiiz-Frzähhing, und man darf anerkennen, daß auch die Gegnerschaft der Orthodoxie mit einer gewissen optimistischen .Milde hehandelt wird. Die Kritik erfolgt nicht mit schwerem Geschütz, sondern manchmal leichthin, en passant, manchmal sogar erklärend und verzeihend. Dann wieder ist von .,einer jiidischen Zeitung“ die Rede, die der innerlich noch ausweglose Bankier liest und aus der er erfahrt, der Jude müsse sein Schicksal mit Stolz tragen und ja zum Judentum sagen. Aber: ״Was ist Stolz und was ist ja'c Kaan cs einer auf Kommando in den Sturm hineinschrei( 11, wenn das stolze Ja nicht schon von Natur aus in ihm saß, so sali, wie etwa bei Rabbi Sebmuhl Karpfenteich...?“ 1 in/elne Personen des Buches erkennt auch der Niclitfrankfurter Leser n ieder, so den sympathischen Kibbu/leiter ״Herz. Rubin" und den hier weitiger sympathischen ״vielgcfeierten Professor NXolkenreieh“, dessen Sprache aus seinem ,.lang und breit herabwailciidcn Prophetenbarte“ zu kommen scheint: ״Er sprach in Visionen und man war in seinem Banne“, aber ״man blieb im Nebel, in Wolkenbänken haften, und die Sieht war, wenn er fertig war, erst recht verbaut.״ Fs gibt peinlichere Schönheitsfehler in diesem oft schwülstig und nicht immer in gutem Deutsch geschriebenen Buch, z. B. die nur spärliche psvehologische Fundierung der Charakterwamlhingcn, aber da der Autor nicht den Anspruch erlicht, einen Roman oder überhaupt Literatur zu geben, sondern die schwer definierbare Gattung des ״Dokuments“ gewählt hat, darf man seinen jüdischen Willen und seine Gesinnung als das Wesentliche empfinden und anerkennen. L. H. Jüdische Literatur in USA Ein kurzer Ueberhliek über die literarische Tätig■ k e i t der Juden von Philadelphia: 1935 erschien in Philadelphia: der erste Band der ausgewählten Gedichte von Sam Weinmann; ein Band Lyrik unter dem Titel ״Herl meins“ von Elisa ürimblatt mit Illustrationen von Schau! Raskin; der zweite Teil von Moses Frihmamis 50״ Jahre Geschichte des jüdischen Lebens in Philadelphia“, Kiiltur* Verlag; ״Der jüdische Arzt“ von Leo Manoker; das ״Schulbuch“, herausgegeben von der Zentralverwaltung der jiidisehen Volksschulen zur nationalen Konferenz der General- Exekutive; ״Sclnil-Almanach, Die jüdische moderne Schule in der Welt“, Herausgeber; F. Geübter, Dr. (äh. Schitlowski, H. Nowak, S. Niger, F. Simon, Dr. J. Schatzki, erschienen zur Fünfzehnjahrfeier der Philadelphiaer Arbeiter-Ring-Schulen; ״Scheideweg“ von B. Eppelbaum mit Bildern von A. _ Portnoff, das Werk enthält 16 Erzählungen aus der Zeit der russischen Revolution. Die größte öffentliche Bibliothek der Juden von Philadelphia, die ״tlebrew Literature Society“, die aus Mangel an Mitteln zur Zeit geschlossen ist, hat neuerdings auch die Buchbestände der Kultur-( iescllschafts- Bibliothek übernommen und wird demnächst neu eröffnet. Der Verlag ״Kultur“ ist zum Jahresende eingegangen und mußte auch seine Buchhandlung schließen. Der Verlag ״Kadimah-Zentral“ hat neuerdings eine eigene Druckerei. Bis 1927 hatte Philadelphia insgesamt 28 jüdische Zeitschriften, _ im letzten Jahre sind zwei neue erschienen, ״Das Familien- Journal“ und »Der Humorist“. 1