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Jüdische Rundschau · 1936-04-10 · Heft 29 (10.4.1936) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 29 (10.4.1936)
Date
1936-04-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seit« 6 JÖDISCHE RUNDSCHAU Nf. 29, 10. IV. 1936 t vielversprechenden Verwaltung»• und Pianungsstelle für die jüdische Wirtschaft in Polen vorliegen. In einem der CKB. angegliederten statistischen Büro werden die wirtschaftlichen Verhältnisse der Juden eingehend untersucht, und auf Orund dieses Materials werden neue Berufsmögliehkeifcn erforscht und ausprobiert. Die Kassen selbst bestehen in aller! Städtchen mit größerer jüdi- *eher Bevölkerung, und um sie herum konzentriert sieh das Streben nach einer Besserung der Lage, sie sind gewissermaßen die verantwortlichen Instanzen für die jüdische Armut, die nicht erst auf Ansuchen der Bedürftigen, sondern aus eigener Initiative eingreifen. 111 den lokalen Verwaltungen spielen Zionisten eine wichtige Rolle. Die Kassen kommen gegenwärtig etwa 120 000 Familien zugute. Die polnische Regierung hat die Gemeinnützigkeit dieser Bewegung anerkannt und der CKB. in den letzten Jahren auch Subvcritioner! von 75 000 bis 100(XX) Zloty jährlich zukommen lassen, außerdem andere Erleichterungen und Begünstigungen (z. B. Stempclfreiheit); besonders wichtig ist die Zollbefreiung für Klciderpaketc aus Amerika, die nach einem bestimmten Kontingent durch CKB. befördert werden (Sendungen gebrauchter Kleider an Verwandte). Ob auch für das am 1. April abgelaufene Finanzjahr die Rcgicrungssubvention bewilligt wurde, muß sich in diesen Tagen entscheiden oder entschieden haben; manche glauben zu beobachten, daß die Regierung im Zusammenhang mit der neu aufgeflammten antisemitischen Bewegung in Polen befürchtet, die Antisemiten könnten iiir vorwerfen, daß sie die ökonomischen Selbsthilfe-Bestrebungen der Juden unterstützt — etwas, was nach objektiver Bcurtei- 11mg doch nur ihre selbstverständliche P f 1 i c h t ist, wenn der oft verkündete Grunds,atz, der Staat sei Besitz und Heimat aller muht Angehörigen, überhaupt einen Sinn haben soll. Poien kann eine ökonomische und soziale Zer- Setzung seiner Ju<Ih1m. hnft nicht wünschen, dies müßte das gesamte \\ iHm hnfUk'hen in Mitleidenschaft ziehen. Die oben erwähnten (gewiß im Ausmaß kleinen) Versuche einer jüdischen l'xportimlustrie zeigen, wie die jüdischen Bestrebungen sich dein polnischen (iesamtinteres.se cinfügen. Oft drangt sich der < icdanke auf. daß fiir den jungen polnischen Staat ditoe gewaltige jüdische Bevölkerung ein großes A k - tivum sein konnte, denn die Juden in aller Welt nehmen lebendigen Anteil an dem Schicksal der Juden Polens, und dieses Interesse rtstreckt sich automatisch auf das Land selbst und konnte ,titelt ein wirtschaftlicher Faktor sein. Freilich erfordert dies!ovale Zusammenarbeit und viel guten Willen. Die '.'ersuche, neue Beschäftigungen für Juden zu finden, erstrecken sich auch in anderer Richtung. Es wurden z. B. Anfänge einer kunstgewerblichen Heimindustrie gemacht, wobei 26 jüdische Künstler, die als Künstler ihr Brot nicht erwerben können, in einem von bedeutenden polnischen Fachmännern geleiteten Kursus zu Instruktoren für Kunstgewerbe ausgebikiet wurden. Auch die , icrstellung von Kinderspielzeug verspricht guten Erfolg. Dort, wo Juden noclt Boden besitzen, wurde mit der Züchtung von Heilkräutern begonnen, gleichfalls unter der Leitung von ausgebildefen Instruktoren. Zahlreiche Flugschriften der CKB. versuchen, die Juden auf mögliche Beschäftigungen hin/uvveisen, z. B. Seidenzucht, Angora-Kaninchenzucht, Pii/esaiitnteln und -trocknen u. ä. Ali dies sind natürlich nur bescheidene Anfänge und Vers u eite, deren Bedeutung keineswegs überschätzt werden darf. Aber cs ist schon ein positives Faktum, daß die Juden nicht untätig und verzweifelt ihrem ökonomischen Niedergang zusehen, sondern, wenn auch unter bescheidensten Verhältnissen und in schwerer Arbeit, eine wirtschaftliche Fxisten/mögliehkeit suchen, die wieder Lebenshoffnung bietet. Erfreulicherweise finden diese Bestrebungen auch Verständnis und Anerkennung bei objektiv denkenden poln i s c 11 e 11 Kreisen, Fs ist praktische Volksarbeit, die einer Erhaltung der Volkssubstanz dient •- erste Voraussetzung für alles weitere, was wir von diesem Volk erwarten. (Fortsetzung folgt) Schcchita - Gesetz dem Staatspräsidenten zugeleitet War sc iiati, 2. April, (j TA.) Das polnische Parlament überwies das vom Sejm und Senat in der bekannten Fassung angenommene Sehächtgesetz dem Ministerrat zur Weitericituiig an den Präsidenten der Republik, der es mit seiner Unterschrift versehen im Gesetzblatt verkünden wird. Verhandlung über die Vorfälle in Przytik Warschau, 5. April. (JTA.) Die Vorfälle in Przytik werden Anfang Mai vor dem Kreisgericht in Radom ntr Verhandlung kommen. In dem Prozeß werden 55 iudengegnerische Personen und eine Anzahl Juden auf der Anklagebank sitzen. Von dem Vertreter der Staatsanwaltschaft lind 100 Zeugen benannt worden. Ein Dutzend nationaldemokratischer Rechtsanwälte werden als Verteidiger auftreten. Außerdem wird eine größere Anzahl jüdischer Rechtsanwälte sich um die Vertretung der Interessen der jüdischen Angeklagten bemühen. Von jüdischer Seite ist die Ladung einer größeren Anzahl jüdischer Zeugen vorgesehen. Die Tatsache, daß Juden angeklagt sind, wird von jüdischer Seite dahin ausgelegt, daß die Staatsanwaltschaft die Juden ln Przytik mitverantwortlich für die Vorfälle macht. Prozeß gegen Nationaldemokraten BSP 1SSP in Lodz Lodz, 2. April. (JTA.) Im Lodzer Kreisgericht wurde ein Prozeß gegen 27 Nationaldemokraten durchgeführt, die beschuldigt werden, Bombenattentate gegen jüdische Geschäfte in Lodz und gegen polnische Zeitungsverlage unternommen zu haben. Die Angeklagten stehen sämtlich im Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Die Angeklagten wurden zu Strafen zwischen ein und vier Jahren Kerker verurteilt. Krakau, 2. April. (JTA.) Im Parteilokal der Nationaidemokraten in Krakau ist eine Haussuchung vorgenommen worden, die drei Stunden gedauert hat Gleichzeitig fanden Haussuchungen in den Wohnungen mehrerer nationaldemokratischer Führer statt. Um Bubers Schrift-Verdeutschung Zar Klänug Arthur Rau geht in der ״Jüdischen Rundschau“ vom 31. 3. (S. 6) wie von etwas Selbstverständlichem oder allgemein Bekanntem davon aus, meine ״Uebersetzungsweise“ mache es sich zur ״Hauptaufgabe“, ״Klang und Rhvthrnus des gesprochenen hebräischen Textes in der Ucker- Setzung widerhallcü zu lassen, sei es aucii auf Kosten des allgemeinen deutschen Sprachgebrauchs", und zieht aus dieser Prämisse weittragende Folgerungen. Aber die Prämisse ist nicht bloß nicht selbstverständlich, sondern grundfalsch. Unsere Verdeutschung der Schrift zielt ausschließlich darauf ab, den biblischen Sinngehalt mitsamt der besonderen Ausprägung, die zu ihm gehört, so treu wie angängig wiederzugehen. Der Sinngehalt ist aber eben nicht ein freischwebender ״Gedanken“-!nhalt, der auch mit anderen Worten ausgedrückt werden kann, sondern er ist mit seiner Lautgcstalt organisch verbunden. Was darunter zu verstehen ist, findet man in dem soeben im Schockcn-Vcriag erschicnencn Buch ״Die Schrift und ihre Ver d eutschon g“ von Bubcr und Rosenzweig aufs genaueste dargelegt; aber es war von uns beiden in mehreren Abhandlungen schon so deutlich gezeigt worden, daß ich ein so gründliches Mißverstehen unserer ״Hauptaufgabe•“ wie das Rau’sche nicht mehr für möglich gehalten habe. Da es sich als möglich erwiese״ hat, sei Herrn Rau und dem etwa von seiner Behauptung irregeleiteten Leserteil ausdrücklich mitgeteilt, daß nur um der Wiedergabe jener organischen Verbundenheit von Gehalt und Gestalt in der hebräischen Bibel willen auch der Rhythmus, soweit er dem Sinngehalt dient, vom Uebersctzcr nertkksichtigt werden muß. Aber für die Wortwahl ist er nirgends bestimmend, auch nicht in den von Herrn Rau aufgeführten Wendungen, die ihm gegen den ״allgemeinen deutschen Sprachgebrauch“ zu gehen und daher unzulässig zu sein scheinen. יראי ה׳ ist nicht mit ״Gottesfürchtige•‘ zu übersetzen, nicht eines ״Klangs und Rhythmus" halber, sondern weil zum Unterschied vom Begriff Elohim, der auch auf andere Wesen anwendbar ist, der Eigenname JI1W1I nicht durch ״Gott“, also ein Substantiv, das einen Pi Ural hat, übersetzt werden darf; warum wir ihn so übersetzen wie wir ihn übersetzen, ist in dem genannten Buch auf S. 194 f., 337 und 339 Anm. 3 naclizulcsen. Und מעשה war an der von Rau angeführten Steile schon deshalb nicht durch das Wort ,,Machwerk", ein Machwerk des 18. Jahrhunderts, zu verdcutsehen, weil man ein einfaches Substantiv nicht durch ein zusammengesetztes wiedergeben soll, wenn ein so gutes und ursprüngliches einfaches wie das durch Herder, Lcssing, Jean Paul dem des Schriftdeutschen Kundigen vertraut gewordene ״Gemacht“ zur Verfügung steht. Martin Buber Nachbemerkung: Im letzten Absatz meiner Besprechung lag mir in erster Linie daran, klarzusteilen, daß das liebersetzungsziel der Bnberschen Bibelübersetzung ein völlig anderes ist als das Ziel der Goldschmidtschen Erläuterung und daß der Verlag daher besser getan hätte, diese grundverschiedenen Dinge nicht in einer und derselben Ausgabe miteinander zu vereinigen. Arthur Rau ״Juristischer Informationsdienst“, herausgegeben vom P a - lästina-Amt Berlin, erscheint in loser Zeitfolge; monatlieber Bezugspreis RM. 6,—. Seit 1933 hat das Palästina-Amt Berlin sich nicht auf die ihm von der Jewish Agency übertragene Aufgabe der Verteilung von Arbeiterzertifikaten beschränkt, sondern war auch bestrebt, über den Bereich des nur Verwaltungsmäßigen hinaus mit eigener Initiative neue Aufgaben im Rahmen der Palästinacin Wanderung zu lösen, zu denen in erster Linie die Information der Palästina-Interessenten gehört. Diesem Zweck dient vor allem die ״Alijah“, der sich im letzten halben Jahr eine Reihe von Spezialbroschüren angeschlossen haben, unter denen die vor einigen Wochen erschienene Gesundheitsbroschüre ״Briuth“ sehr rasch beliebt geworden ist. In die Kette dieser Veröffentlichungen fügt sich nun als neues Glied der ״Juristische Informationsdienst“ ein. Er ist für alle diejenigen, die sich beruflich mit der Rechtsberatung von Palästinawanderern befassen, längst zu einem praktischen Bedürfnis geworden. Im Verlauf der letzten drei Jahre ist das einschlägige Rechtsgebiet der Palästina- Wanderung zu einer fast unübersehbaren, jedenfalls sehr komplizierten Materie geworden, deren Rechtsquellen für den einzelnen Berater oft unzugänglich und bisher noch nicht in einer umfassenden Veröffentlichung zusammengefaßt waren. Die ״Alijah“ wendet sich an einen zu großen Personenkreis und erscheint in zu langen Zeitabständen, um diese Aufgabe erfüllen zu können. Der ״Juristische Informationsdienst“ dient der laufenden Information auf dem Gebiete des Devisen- und Steuerrechts, soweit die Palästinawanderung in Frage kommt, ferner wird er grundsätzliche Fragen aus dem palästinensischen Rechtsieben behandeln und über juristisch wichtige Vorgänge im öffentlichen Leben, z. B. Gesetze, Gesetzesentwürfe und Urteile laufend berichten. Die Kenntnis des palästinensischen Rechts wird in Zukunft auch für die in Deutschland lebenden Berater desto notwendiger werden, je enger sich die nrivatwirtschaftlichen Beziehungen mit Palästina gestalten. Die Entwicklung des Transfers, insbesondere des gebundenen Transfers durch Export oder Erwerb von Anlagewerten, wird eine solche enge Wirtschaftliche Verbundenheit schon in der nächsten Zeit zur Folge haben. Der ״Juristische Information sdienst“ wird in zwangloser Folge erscheinen. Er ist in vier verschiedene Gruppen (Devisenrecht, Steuerrecht, palästinensischcs Recht, Verschiedenes) gegliedert, die auch äußerlich durch besondere Farben und getrennte Blattbezeichnung kenntlieh gemacht sind. Er soll sieh allmählich zu einer Rechtskartei entwickeln. Dem dient die technisch zweckmäßige gesonderte Heftung, die eine nach Sachgebieten getrennte Ablage ermöglicht. — Die Ende März erschienene erste Nummer bringt aut 36 Seiten reichhaltiges Material. Wir erwähnen aus dem Inhalt: ״Die Entwicklung des Palästina-Transfers“; ״Zur Frage der devisenrechtlichen Behandlung von ungeteilten Erbengeroeinschalten“; ״Sicherheitsleistung für Reichsflucht- Steuer“; ״Reichsfluchtsteuer bei getrennter Auswanderung von Ehegatten“; ״Die wichtigsten Vorschriften des palästinensisehen Staatsbürgergesetzes“; ״Kosten bei Gründung von Handetsfirmen m Palästina“; ״Welche palästinensischen Handels-, Gewerbe- und Industriebetriebe unterliegen dem Lizenzzwang?“ — Der Devisenteil bringt ferner aktuelle Angaben über den Stand des Transfers find den Erwerb von Reisekreditbriefen. Der Palästinateil berichtet über wichtige Gesetze und Gesetzesentwürfe der letzten Monate. Als Anhang sind die ersten Abschnitte aus einer grundsätzlichen Abhandlung ״Vom Recht der Auswanderung unter besonderer Berücksichtigung der Palästinawanderung“ beigefügt. Die am 3. April erschienene Nr. 2 enthält nebst einer kurzen Einführung als Anhang den vollständigen Text des am gleichen Tage erschienenen Runderlasses Nr. 45/36 vom 2. April 1936, der die seit langem in Aussicht gestellte Neuregeiung des Transfers auf dem Gebiet der Palästinawanderung enthält. Wie g׳eMalle ieli «len Kehabbat? Für Schabbat, 11. April Schabbat ״Chol ha' Moed“ (11. B. M. 33, 12 — 34, 26 und IV. B. M. 28, 19 —25) Lieber Gebetrituni und Thoravorlesung orientiert man sich In dem Schocken-Buch: ״Das Jahr der Juden“ von M. Zobel. (S. 180 ff.) I. In den Mittelpunkt unseres Oneg Schabbat stellen wir die Haftarah (Jecheskel 36, 37—37, 14). Nachdem wir die Haffarah gemeinsam gelernt haben und sie dann, um einen üesamteindruck zu erhalten, in der Uebersetzung von Buber- Rosenzweig vorgelesen haben, versuchen wir herauszuarbeiten, was diese Haftarah gerade unserer Generation zu sagen hat. Wir werden darauf lmnveisen, wie gerade wir das erste Regen der abgestorben erschienenen Glieder des jüdischen Volkes spüren, wie wir den Beginn einer Sammlung der verstreuten Glieder in Erez Israel erleben, wie ein neues Volk aus dieser Sammlung sich bildet und wie dieses Volk nun zum Träger eines neuen jüdischen Volksgeistes wird. Wir werden uns bei dieser Betrachtung sehr eng an den Text halten können. Warum man diese Haftarah am Schabbat Chol ha’Moed Peßach liest, darüber siche die Anmerkung auf S. 181 des oben zitierten Buches, sowie S. 35 des hier schon erwähnten Arbeitsplanes von B. S. Jacobson: ״Peßach“. II. Am Schabbat CI10I ha’Moed wird Schir ha'Schiriin, das Hohelied, gelesen. Wir empfehlen für Aeltere, sicii mit diesem Buche einmal eingehend zu befassen. Mail wird dabei ausgehen von einer interessanten Abhandlung und Theorie Max Brods am Beginn des zweiten Bandes seines Werkes: ״Heidentum, Christentum, Judentum“. Dieser Auffassung stelle man dann die klassische, rabbinische Meinung gegenüber, wie sie in letzter Zeit überaus eindrucksvoll von Joseph Cailebacb vertreten wird. (Das Lied der Lieder, Hormon-Verlag Frankfurt a. M.) Wichtige Hinweise zu Schir ha’Schirim finden sidi dann noch auf S. 46 und 47 des Jacohsonschen Arbeitsplans, wo wir auch Aufklärung darüber erhalten, warum Schir ha’Scliiriin «m Peßach gelesen wird. I. E. Die geschichtlichen Voraussetzungen des Auszuges aus Aegypten Am Schabbat Chol ha-Moed werden wir uns in unserem Kreise über die geschichtlichen Voraussetzungen des Auszuges aus Aegypten unterhalten. Wir werden dabei davon ausgehen, daß ־ ursprünglich das Peßach-Fcst ein reines Natur fest war, das zeitlich an die Hahnreife der Gerste gebunden war. Erst später wurde es mit der geschichtlichen Tatsache der Befreiung aus der ägyptischen Knechtschaft in Verbindung gebracht. ins Zentrum der Besprechung ist die Tatsache des Aufenthaltes der Juden in Aegypten zu rücken. Dieser Aufenthalt ist geschichtlich bewiesen; der biblische Bericht verrät ausgezeichnete Ortskenntnisse und trägt in seinen Schilderun- " י ׳. reiche Weidegebiete verfügt hat, die zu verschiedenen Zeiten eine große Anziehungskraft auf die in der Wüste, zwischen dem Südende Palästinas und Aegyptens umherziehenden Beduinen hatte. Während ein Teil der Hebräerstämme früh im palästinensischen N e g e w Fuß fassen konnte, zog später ein Teil zur Zeit einer Hungersnot mit Mann und Troß in die reiche ägyptische Grenzmark und verweilte dort eine längere Zeit. Die Zeit dieser Uebersiedlung läßt sich naturgemäß nicht genau bestimmen, man nimmt aber das 17. Jahrhundert v. C'lir. dafür in Anspruch. Es war die Zeit der Schwächling Aegyptens durch den Einbruch der asiatisehen Hyksos-Stämme, die das Land etwa ein Jahrhundert lang beherrscht haben. Nach der Vertreibung der Hyksos, wobei als Folge der Fremdherrschaft ein starker Haß gegen die Asiaten einsetzte, dürfte wohl auch die Unterjochung der Israel-Stämme vor sich gegangen sein. Die ägyptische Knechtschaft wird also im 15. Jahrhundert unter Tuimosis UI. (man vergleiche hierzu den Namen Moses, der ebenfalls ägyptischen Ursprungs ist) begonnen haben und wurde unter dem großen Eroberet auf dem ägyptischen Thron, dem Pharao Ra ms es II. besonders verschärft. Unter ihm scheinen auch die in der Bibel erwähnten Städte Pithom und Ramses errichtet worden zu sein. Der Auszug soll also nach einer Meinung bereits unter Ramses II. am Ende seiner Regierungszeit stattgefunden haben. Wahrscheinlicher ist es aber, daß er erst unter seinem Nach• folger Merneptah in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erfolgt ist. Zur Zeit Mcrneptahs brachen nämlich im Reiche Aegyptens verschicdentliche Wirren aus und sicherlich habe! die geknechteten Israelstämme die Zeit der allgemeinen politischen Erregung genutzt und die Befreiung vollzogen. — Es wäre noch in diesem Zusammenhänge auf die hervorragende Rolle Moses, des Führers und Befreiers, einzugehen und das über ihn und seine einmalige große Tat überlieferte ge■ schfchtüche Material heranzuziehen. Die befreiten Stämme zogen in die benachbarte Wüste, wo sie sich mit den dort noch umherziehenden verwandt«! Beduinen-Gruppen und Stämmen unter der Führung Moses wieder vereinigt haben und dann gemeinsam den Weg nach Kanaan einschlugen. Die Literatur zu unserem Thema ist besonders reich. Wir verweisen hier bloß auf Dubnow Bd. I, § 2 u. 3 und möchten bd dieser Gelegenheit den lesenswerten Versuch einer Deutung der Ereignisse jüdischer Geschichte, unter besonderer Berücksichtigung der soziologischen, Wirtschaftliehen und kulturellen Verhältnisse von Felix Thei 1h aber ״Im Kampf um Gott, Volk und Land“ (Verlag Kedem, Berlin) empfehlen. Für unsere Besprechung kommt besonders die knapp gehaltene und lebendige Darstellung in § 3 ״Vom Nil zur Wüste“ in Frage. Die Formen der Tradition Das heute begangene historische Fest des Auszuges und der Befreiung aus Aegypten weist eine Fülle von lebendigen Formen, alten Sitten und sinnvollen Bräuchen auf. Es ist sehr lohnend, den Ablauf des Festes in seinen häuslichen wie öffentlichen Formen, in seinen gottesdienstlichen Bräuchen und sonstigen nationalen Inhalten näher kennenzulernen. Eine aus- . ritz Zobel ״Das Jahr der Juden“. Besonders lesenswert für unsere Unterhaltung Ist die Einführung S. 1t ff. und der Abschnitt ״Das Pessachfest“, S. 166 ff. Wenn man sich gerade in unserem Kreise darüber klar sein muß, daß man lebendiges Volkstum nicht lernen kann, daß es überhaupt kein Gegenstand des Erlernens sein kann, 90 geben doch derartige Versuche wie der von Zobel die Möglichkeit, in das feine organische Gewebe jüdischen Volksturns einzudringen und Verständnis und Liebe zum Volke, zu seinen Lebensformen und Inhalten zu wecken. J. M. KLEINE UND GROSSE UMZÖGE Lifts, Lagerung, Übersee- und Auslandsvar• katira GEPÄ'CKFAHRT Öerlln W 18. Kurfdrstendamm 211 BAVARIA BARBAROSSA STEINPLATZ OBERBAUM 8888

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