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Jüdische Rundschau · 1936-04-03 · Heft 27-28 (3.4.1936) · page 37

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 27-28 (3.4.1936)
Date
1936-04-03
Page
– (sequence 37)
Language
German
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Seite 5 Nt>* .■ח י■— ■ י י■ 1■ KlNDEft.RUNDSC H AU Die PeBach-VisIon Eine Kinderfahrt nach Erez Israel Mein Vater füllte einen geschliffenen Kelch mit dunkelrotem Palästina-Wein; ich erinnere mich noch ganz genau, er brannte so in der Brust, und ich konnte nicht viel davon trinken, und stellte ihn mit der üblichen Einladung an den Propheten Elia auf das weiße Tafeltuch zurück. Dann Öffnete er die Tür, um Elia eintreten zu lassen. Ich blickte auf die weitgeöffnete Tür, dann auf die Seder-Oesellschaft. Da sah ich, daß für sie die Einladung an den Propheten Elia nur eine leere Formel bedeutete, die in der Haggada vorgeschrieben war. Ich wagte nicht, einen Gast zu fragen, ob er denn nicht glaubte. Ich selbst aber glaubte daran, daß der Prophet die wohl gedankenlos ausgesprochene Einladung gehört hatte. Mit heiliger Ehrfurcht wandte ich kein Auge von der Tür, ich vermeinte jeden Augenblick, ELias Gestalt im Türrahmen erscheinen zu sehen, — aber die anderen unterhielten sich über gleichgültige Dinge. Ich konnte mir Elia nicht recht vorstellen —־ ein Jeremia war er nicht, nicht so wie Micha oder Ezechiel; Elia war der Helfer des jüdischen Volkes im Geheimen, im Stillen... Wer bist du, Elia? So tritt doch ein; vielleicht erkenne ich dich an dem Geist, der über mir schwebt. Zerstreut trank ich ein Schlückchen von dem rotbraunen Wein und hielt mein Glas gegen das Licht. Der Wein schimmerte seltsam, und mir wurde plötzlich auch so seltsam hell ums Herz. Die Köpfe der Seder-Gesellschaft verblaßten und wichen vor meinen Augen zurück... ״Wenn das Glas leer ist, ist er dagewesen", körte ich meinen Vater wie aus weiter Ferne sagen, ״einem Rabbiner in Minsk soll er erschienen sein,.." ״... man redet so", sagte eine andere Stimme; ״... es ist wahr, natürlich ist es wahr", hörte ich mich sprechen; ״... so gläubig ist nun einmal die •Jugend", antwortete ein Gast der Gesellschaft, und ich hörte ein Lächeln aus seiner Stimme. ״Aber da ist er ja!" riet ich laut, doch niemand vernahm mich während der lebhaften Unterhaltung. Das Zimmer verdunkelte sich plötzlich, nein, «in helles Licht strahlte von der Tür in den Raum hinein. Lautlos war Elia eingetreten, und niemand, niemand hatte ihn bemerkt. Ein hochgewachsener Greis stand im Zimmer. Das weiße Haar, das sein gütiges Antlitz umrahmte, strahlte das eigentümliche Licht aus. Elia war mit einer schwarzen Kutte bekleidet, die mit Goldschnüren verbrämt war. Freundlich lächelnd schritt er unbeachtet an den felerlieh gedeckten Tisch, ergriff den Kelch und trank ihn aus. Dann schlug er das Zeichen der Kabbala über die Gesell- Schaft und verschwand; — er zerfloß gleichsam in der Luft, aber das gütige Lächeln seines frommen Greisenantlitzes blieb im Zimmer hängen und erfüllte es bis in die kleinsten Winkel, während mir ein ״Gelobt sei Gott" auf den Lippen schwebte, und dieses Wort kam zum erstenmal aus meinem Herzen. ״Ich frage dich nun schon zum drittenmal, ob du In einem Bund bist, aber du träumst in einem fort", sagte mein Vetter neben mir und stieß mich in die Seite. Das Zimmer erhellte sich wieder. Ich antwortete nichts, aber mein Blick wanderte sofort zu dem Kelch. Er war leer — bis auf den letzten Tropfen. Ich hatte nicht geträumt — Elia war bei uns ge* wesen. ״Er ist leer!" schrie Ich unbeherrscht in die Unterhaltung der Erwachsenen. ״Wer? Wo? Wie? Was?" riefen die anderen, aber sie sahen instinktiv auf das Glas des Propheten Elia. ״Es ist leer“, wiederholte der Gast tonlos, derselbe, der vorhin gesagt hatte: — ״so gläubig ist nun einmal die Jugend..." Mein Vater beugte sich blaß über den Kelch. ״Ja — Elia —״ er sprach nicht weiter, er wollte nicht zugeben, daß Elia hiergewesen sein mußte, mußte, es war kein Zweifel mehr möglich, — so begnügte sich mein Vater nur etwas erstaunt zu sagen: ״Ja, er ist leer!" So trocken, so sachlich, als ob kein Wunder geschehen wäre, und doch — ich hatte den Propheten gesehen. Weil die Erwachsenen nicht anfingen nun Gott zu reisen, deshalb behielt ich mein Geheimnis, meine Peßachision für mich. Angelika Hurwicz, Berlin (13 Jahre) P1 V Die preisgekrönten Teilnehmer des von der Bernstein- Linie veranstalteten Schüler-Preisausschreibens trafen am 4. März wohlbehalten nach schöner Fahrt auf der ״Tel-Aviv“ In Haifa ein. Am Abend wurden sie im Beth Hachaluzoth ״Bruria" empfangen und bewirtet. An den folgenden Tagen sahen sie die Stadt Haifa, machten einen Ausflug auf den Karmel und besuchten auch die Haifa-Bay. Hier sahen sie in der Eisengießerei Kremmener einen Eisenguß, wanderten dann durch Kirjat Chaim und Kirjat Bialik, besuchten das neue Heim der ״Ahawah" und hörten dort einen kurzen Vortrag ׳-Ssiä 'W&M י;®:*:"?■;■:-‘׳' I «■ «lii mm ÜP mm Die Teilnehmer an der Fahrt bei dem Vortrag von Dr. Albert Baer (ganz links) über den KKL und den Erwerb des Emek Sebulon Foto; W. Loewenheiia, Haifa über die Haifa-Bay und die Prinzipien des KKL. Vom Emek sahen sie zunächst Nahalal mit der landwirtschaftlichen Schule der Wizo und einige in der Umgegend liegende Siedlung®• punkte. In Jerusalem besuchten sie u. a. das Büro des Keren Kajemeth. In zwei Gruppen wurden sie durch das Haus geführt. Die Goldenen Bücher, mit heute schon zirka 20 000 Eintragungen aus aller Welt, machten einen großen Eindruck. Besonderes Interesse fand aber das Sefer Hajeled — das Buch des Kindes, in dem alle Kinder eingetragen sind, für die der KKL £ 2 erhalten hat. Jedes Kind mit Bild, so daß es in späterer Zeit einmal, wenn es nach Erez Israel kommt, sich in dem Buch wiederfinden kann und weiß, daß durch die Spende auf seinen Namen auch Boden erlöst wurde. Einige Minuten wurde noch das Herzl-Zimmer besichtigt, das Arbeitszimmer Herzls, das aus Wien nach Jerusalem überführt worden ist — dann versammelten sich die Kinder im Sitzungssaal des KKL, hörten einige Worte über die Bedeutung des Jüdischen Nationalfonds, wurden darauf hingewiesen, daß sie besondere Aufgaben für den KKL haben. Für wenige Augenblicke empfing nun Ussischkin die Jungen und Mädchen. Er war besonders erfreut darüber, daß ein Teil gut hebräisch verstand und auch hebräisch antworten konnte. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß sie alle bald wieder nach Erez Israel zurückkehreu mögen — denn es sei eine Mizwah, daß derjenige, der einmal hier war, für immer sich in Palästina niederlasse. Ussischkin . für sie wie für das ganze jüdische Volk arbeite. Meine schönsten Bücher Ich lese jüdische Erzählungen und jüdischen Humor Humor von Chajim Bloch. Die Erzählungen sind * so echt und oft so ernst, daß man wirklich weinen könnte. Ich besitze auch zionistische Bücher, wie ״Altneuland" von Th. Herzl. Das ist ein sehr schönes Buch, und wenn man es aufmerksam liest, kann man viel daraus lernen. Harry Rost, Berlin (14 Jahre) וי י.*<

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