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Jüdische Rundschau · 1936-04-03 · Heft 27-28 (3.4.1936) · page 36

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 27-28 (3.4.1936)
Date
1936-04-03
Page
– (sequence 36)
Language
German
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Seite 4 Nr. 0 KINDER-RUNDSCHAU LAND DER JUGENDO DAS BUCH DER KINDER-RUNDSCHAU f Wenn nicht, dann bittet eure Eltern darum, euch dieses schöne Buch 2a schenken. Et Rostet nur Reichsmark 2.85 und Ist hei eurem Buchhändler oder direkt heim Verlag der Jüdischem Rundschau, Berlin W15, Meinekestraße 10, xu beziehen. Peßach in Persien Vor Peßach waren die Vorbereitungen groß: Tagelang saß Mutier auf dem Fußboden, Weizenkörner für die Mazze lesend. Oft reichte der Tag nicht aus, dann arbeitete sie spät nachts beim Licht der Oellampe, während ihr leises trauriges Liea das Haus erfüllte. Keiner durfte in ihre Nähe. Erst mußten die Hände sorgfältig gewaschen und mit einem ganz besonderen Handtuch abgetrocknet werden. Man mußte dabei sehr aufpassen, daß nicht ein Wassertröpfchen auf die Körner fiel, und wehe, wenn gar ein Brotkrümchen sich in der Nähe fand. Aber nicht nur Mazzoth waren zu Erew Peßach vorzubereiten. Man mußte Salzkristalle spülen und sie dann in der Sonne trocknen, man mußte Schafran rösten und Pfefferkörner waschen, um dann all das in Mörsern zu zermahlen und durch das Peßachsieb zu sieben. Melonen- und Kürbiskörner mußte man einweichen, mit Salz bestreut in der Sonne trocknen, sie dann in der Bratpfanne rösten und in einen aus neuem Leinen genähten Beutel tun. Das war wichtig zu Peßach! Meinst du, daß nur bei uns zu Hause die Vorbereitungen so groß waren? Dann solltest du in die dichter bevölkerten Gegenden gehen und dich umsehen: Lärm, Mörserschläge überall,die Frauen Israels schleppten Teppiche und Matten zum Kanal, um sie dort zu reinigen. Auch wir Kinder durften daunseren Müttern und Schwestern zum Kanal, sprangen und tobten dort auf den Teppichen herum, traten fest mit den Schuhen darauf, ohne daß jemand mit uns schimpfte. Es war ja heilige Arbeit, die wir da vollbrachten. Und die Männer? Hatten sie denn gar keinen Anteil an den Vorbereitungen? Wie bepudert sahen sie in diesen Tagen aus. Gesicht, Bart, Kleider, alles mit Mehl bedeckt sind sie eben von der Mühle zurück, wo sie eigenhändig die durchlesenen Weizenkörner mahlten. Keiner durfte ihnen dabei helfen, um nicht den Weizen zu berühren. Und die Mühle war weit von der Stadt entfernt, Stunden mußt du gehen, bis du hinkommst. An Getreidefeldern geht es vorbei, an Flüssen und Quellen, ringsherum Berge mit Grün bedeckt. Wie schön sieht da alles aus, grün und blühend. Und die Juden gehen des Weges mit Weizensäcken beladen. Erst kommt einer heraus, ein zweiter folgt ihm, bald kommt ein dritter, und schon ist eine eigenartige Karawane entstanden. Langsam gehen sie und freuen sich über die Schönheit der Natur. Tag und Nacht bleiben sie an der Mühle. Da, an den Ufern des Flusses breiten sie ihre Matten aus und ruhen. Morgens früh sind sie auf und mahlen der Reihe nach. Tagelang saß Mutter auf dem Fußboden, Weizenkörner für äie Mazze lesend bei helfen und gingen hinter Der Ofen zum Mazzothbacken stand bei uns im Hofe Daneben saßen die Frauen und kneteten in Messinggefäßen den Teig. Die Männer waren beim Backen beschäftigt, unü der Geruch der frischen Mazzoth breitete sich über die ganze Umgegend aus, den nahen Peßach ankündigend. Am Erew Peßach fasteten alle Erstgeborenen, Junge und Mädel, Greis und Greisin. Ein langer Tag war es, der erst durch das erste Weinglas unterbrochen wurde. Ich erinnere mich noch an den besonderen Weinbecher aus Silber, den meine Mutter Jahr für Jahr für mich aufbewahrte. Mit beiden Händen hielt ich dann drei Mazzoth, in ein seidenes besticktes Tuch gehüllt, und las zusammen mit Die Frauen Israels schleppen den Angehörigen: .... Teppiche und Matten zum ... ורוחץ׳ פר5ס יןןץ״ Kanal, um sie dort zu reinigen «81 1 I/I Dann band mir Vater ein Maz• zoth - Paket in einen Sack ge• hüllt an den Arm, ich ging in den Hof und klopfte dann an die Tür .... Dann band mir Vater ein Mazzoth-Paket in ein Tuch eingehüllt an den Arm, ich ging auf den Hof, wo ich einige Minuten blieb, und klopfte dann an die Tür... ״Wer ist dort?״ fragte Vater. ״Ein Jude.״ ״Er möge eintreten, woher kommt Er?״ ״Aus Aegypten komme ich, aus der Knechtschaft.״ ״Und was hat Er auf dem Rücken?״ ״Mazzoth.״ ״Setze Er sich zu uns und freue sich an unserem Befreiungsfeste.״ Alle freuen sich und Vater setzt mich auf seinen Schoß, gibt mir ein Glas Wein und liest die Haggada mit der bekannten Melodie. Dann holt er sein Liederbuch hervor, und in der einen Hand das Buch, in der anderen ein Weinglas singt er Peßachlieder. Ascher Schlomoh, Kibbuz Meuchad Herzliah föit< QfiafadieAeK Bernhard Casper, Kreuz a. d. Ostbahn. — Georg Grünzweig, Berlin. — Alfred Kleczenski, Berlin. — Simon Markei, Chemnitz. — Werner Marius, Glogau. — Siegfried Neustädter, Bad Kissingen. — Günter Rein, Breslau. — Walter Sulke, Berlin-Halensee. — Herbert Wagner, Hagen. — Martin Weil, Berlin. — Heinz Winterfeld, Leba.

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