Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 27-28 (3.4.1936)
- Date
- 1936-04-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 8 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 27/28, 3, IV. 1936 Hafifi Erzählung von Lotte Bacrwald, Jerusalem Durch die Straßen von Jerusalem bewegte sich ein auffallender Zug. Auf einem weiften Esel saß ein vornehm gekleideter Beduine. Seine Augen waren mit einem grünen Tuch verbunden, aber an dem krausen schwarzen Bart sah man, daß Scheik Sulciman AI Dakir noch lange kein Greis war. Er war von seinen sechs Söhnen umgeben, lauter jungen Riesen im Alter von IS bis 25 Jahren. Sie trugen rauhe braune Abajen (Mäntel) und schneeweiße Kefijen (Kopftücher), unter denen ihre wilden, von langen dünnen Haarzöpfen eingerahmten Gesichter dunkel hervorblickten. Die beiden ältesten stutzten den Vater auf seinem Reittier, zwei hielten den Esel am Zaum zu ruhiger Gaugart an, und die beiden jüngsten bahnten den Weg durch das Gewühl der Straße. Hinter dem Reiter gingen seine drei verschleierten Frauen, die älteste, die Mutter der sechs vorangehenden Söhne, war dürr und gebückt; die zweite dick und vollbusig, wie es der Orientale bei seiner Frau gern hat, führte an der Hand zwei halbwüchsige Kinder. Die jüngste der Frauen war beinahe auch noch ein Kind. Wenn sie manchmal neugierig den Schleier lüftete, um d!e fremde merkwürdige Stadt besser zu betrachten, dann stieß die Alle neben ihr sic gleich zornig in die Seite, denn es traf sich jedesmal, daß ihr Sohn Osman, der dem Vater zur Rechten schritt, die Gelegenheit wahrnahm, der jungen H a f i f i fröhlich zuzulächeln. ״Wo wohnt der berühmte Hakim, der kranke Augen heilt?‘׳ rief fragend der Jüngling, der den Weg bahnte. ״Dort — cfas Kino und dann links die Straße“, antworteten die Vorübergehenden. Hafifi warf einen scheuen Blick auf das große Kino- Plakat; sie schritt schneller, denn der Zug hatte die Pforte des Augenhospitals erreicht. Man zog durch einen großen Garten, und der Gehilfe des Professors empfing den reichen Sc'hcik und führte ihn und seine sechs Söhne in das lintcrsucbungszimmer. Die Frauen banden den f sei inzwischen an einem Feigenbaum fest, gaben ihm Futter und hockten sich mit den beiden Kindern auf die Erde. Die Alte hafte Brot und Oliven unter die Familie verteilt, und Hafifi biß gerade hungrig in das flache runde Brot, als wütendes Geschrei und Fluchen aus dem Fenster der Klinik ertönte. Entsetzt ließ sie die Hände sinken und erwartete etwas Schreckliches. Aber statt des gefürchteten Scheiks kam sein Sohn Osman herausgesturzt, riß Hafifi von der Erde empor und zog sie in das Untersuchungszimmcr. Auf dem Fisch lag Scheik Soiiman und wehrte sich brüllend gegen Wärter und Söhne, die ihn während der Untersuchun.fr festhalfen sollten. Der Arzt versuchte schweißtriefend immer wieder mit der Pinzette das kranke Augenlid zu heben. Aber der gepeinigte Patient hatte seinen linken Arm aus der Umklammerung bcfreit und schlug wie ein Rasender um sich. Einen anderen so widerspenstigen Patienten hätte der Professor kurzerhand vor die Tür gesetzt. Aber Schcik AI Dakir war einer der reichsten Beduinen fürsten der Transjordanischen Wüste, und es war nicht ganz ungefährlich, sich ihn zum Feind zu machen. Man wußte genau, daß er den einzigen Bruder und dessen Sohn erstochen und einen Onkel vergiftet hatte, teils aus Rache, teils, um seinen Reichtum zu vergrößern. Und die Regierung war machtlos. Jeder Ankläger verstummte zitternd, wenn er dem ungemütlichen Scheik Soliman gegenühergestcilt wurde. Nun schien der Himmel selber die Strafe an dem Bösewacht vollziehen zu wollen. Fine Augenkrankheit hatte ihn befallen. Zuerst behandelten ihn nur die Frauen mit Kräutern und Salben. Als das nichts half, wurden heilige Männer gerufen, die mit Magie das Uebcl vertreiben sollten. Aber cs wurde nur schlimmer. Der Scheik merkte mit Entsetzen, daß er wie durch einen Nebel seine Frauen und Kinder, seine Zelte und Herden sah, und selbst Hafifi, seine Lieblingsfrau, die er erst vor wenigen Monaten dem Scheik Shukir abgekauft hatte, auch Hafifi erkannte er nur an ihrer Stimme und ihren kleinen weichen Händen, die sie lindernd über seine schmerzenden Augen legte. So entschloß er sich zu den! letzten Mittel: der berühmte jüdische Hakim in Jerusalem sollte ihm sein Augenficht wiedergebeti. — -— — Der Arzt hatte vorsichtig von den Augen des Patienten die fcstgeklebten, mit Zauberformeln bedeckten Papiere losgelost und mit einem Blick konstatiert, daß der grausame Scheik Scilirnan bald ein unschädlicher Blinder sein würde, wenn er ihm nicht durch eine schnelle, sehr gefährliche < קי• - ration die Sehkraft reiten würde. ,Aber dieser Rasende begriff nicht, daß er selber seine Rettung unmöglich machte. Ratlos w,nulle .sieh der Arzt von ihm fort. Und er bemerkte erst die kleine schwarzgekleidete Araberin, als sie schon an den Untersuchungsusch getreten war, und ihr Gesicht mit dem aufgestülpten Naschen auf die Brust des schreienden Mannes gelegt hatte. Sit* wühlte mit ihren ringgesclimückfen Fingerchen in seinem großen Bart, sie haschte seine Hand und drückte ihre Lippen darauf. ״Herr", finsterte sie. ״Väterchen, Fierr, Ihr müßt lieb sein und den Hakim an Euch heran!,issni, damit Eure Aeugkin wieder die gelbe Sonne schauen und den weißen Mond. — Ihr seid ein Krieger, Herr, und Euer Leib ist voller Narben. Seid auch jetzt ein Held! Laßt Euch von dem großen Hakim das böse Tier herausschneiden, das Euch das Licht Eurer Augen frißt. Duldet cs, Herr, um Euer und um unser aller Heil Es war ganz still in dem großen Operationssaal. Der Arzt konnte sein schweres Werk beginnen. * Nun war Scheik Dakir schon sechs Wochen im Augenhospital. Der Professor hatte die zwei Frauen mit den Kindern gleich unter dem Schutz von fünf Söhnen nach Haus geschickt. Nur Osman und Hafifi waren zur Pflege und Bedienung des schwierigen Patienten zurückgeblieben. In der ersten Zeit hatte Osman Tag und Nacht darüber wachen müssen, daß der vorn Schmerz, gepeinigte Vater nicht die Verbände herunterriß, und Hafifi versuchte mit leisem Gesang, mit sanften Worten und zärtlichem Streicheln, die bösen Geister zn bannen, die mit brennenden Eisen in die kranken Augen stachen. Dabei war die Ungewißheit, oh die Operation erfolgreich gewesen war, fast ebenso qualvoll wie der auszustehende Schmerz. Aber Osman wußte dem Vater klug die Zeit zu vertreiben und erzählte von den tausend Wundern der Stadt, die er, während der Kranke schlief, neugierig durchstreifte, von der großen herrlichen Moschee und dem bunten Bazar und den prächtigen Kaffeehäusern. Der Scheik kannte das alles von früheren Reisen, aber Hafifis kleiner negerhafter Mund stand vor Staunen offen. Doch manchmal sank ihr Kopf von Müdigkeit überwältigt an Osmans Schulter oder noch tiefer auf seine Knie, und sie schlief so fest, daß sie oft nicht hörte, wie der Arzt hereinkam, seine Verordnungen traf und mit dem Kranken plauderte, während er manchen besorgten Blick auf die kleine Scheikfrau warf, die da so unschuldig und sorglos auf den Knien ihres Stiefsohnes schlief. Dann kam der Tag, wo der Verband abgenommen wurde, und als der Hakim dem Scheik zur Probe seine Hand hin• hielt, zählte dieser richtig vier Finger, denn den Daumen hatte der Arzt versteckt. Kein Zweifel — Scheik Solima׳ konnte wieder sehen. Allah hatte geholfen. Osman sank au die Knie, hob die Hände empor und dankte dem Himmel mit lautem Gebet. Das Spiel mit den Fingern konnte der Patient gar nicht oft genug wiederholen. Immer wieder schob er den leichten Verband, den er vorläufig noch tragen sollte, beiseite, und Osman und Hafifi mußten die Finger vor ihm ausspreizen, und der Scheik lachte aus vollem Halse: deutlich sah er Osmans große Hand mit fünf Fingern und daneben Hafifis hennagefärbten kleinen Zeigefinger. Der Scheik sollte entlassen werden. Er bezahlte den Wunderdoktor wahrhaft fürstlich, und die fünf Söhne, die ihn abholten, brachten dem Hakim ein herrliches Reitpferd zum Geschenk. ״Damit du bald zu uns geritten kommst“, sagte Soiiman Al Dakir. ״Wir kommen dir bis Aman entgegen. Gib uns nur Nachricht, daß die Frauen beizeiten tüchtig schlachten, kochen und backen.“ Der Professor, der froh war, den gefährlichen Patienten loszuwerden, murmelte in einer fremden Sprache: ״Alter Freund, wer weiß, zu wessen Unglück ich dich kuriert habe —׳aber in wohlgesetztem Arabisch versprach er bestimmt zu kommen und die Genesung zu feiern — drei Tage und drei Nächte lang! Scheik AI Dakir war heimgekehrt und führte sein Leben wie früher: jagte und räuberte ein bißchen, er handelte mit seinen Herden und herrschte in seinen Zelten wie ein echter Wüstenfürst. Die Alte, die Mutter von Osman und seinen Brüdern, war gestorben. Scheik Soiiman vergaß sie schneU. Er hatte ja eine zweite Frau und vor allem Hafifi, die Schöne, die Ferne, die Junge! Er schmückte sie mit Korallenketten und silbernen Amuletten, und breite goldene Reifen klirrten an ihren Hand- und Fußgelenken. Wehe dem, der über Hafifi etwas Böses gesagt hätte. Sein Leben wäre verfallen gewesen. Darum schwiegen alle über das schlimme Geheimnis, von dem jeder wußte, nur nicht Scheik Soiiman Al Dakir, den man heimlich spottend ״den Blinden“ nannte. Aber eines Tages wurden Hafifis blanke Augen von derselben furchtbaren Krankheit befallen, die den Scheik einst zu dein guten Hakim nach Jerusalem geführt hatte. Und wieder machte sich Soiiman auf den Weg dorthin. Aber er nahm sich diesmal ein flinkes Auto von Jericho, und in seiner Begleitung waren nur Hafifi und sein Sohn Osman. Das Unglück wollte es, daß der wohlbekannte Arzt gerade in Europa war, und an seiner Stelle stand ein dürrer Mann mit galligem Gesicht. Er untersuchte die Augen der vornehmen Scheikfrau, ließ auch ihre prächtigen Ketten und Spangen nicht unbemerkt und sagte, daß Hafifi in kurzer Zeit erblinden müsse, wenn man sie nicht sofort operierte. Die Operation — er warf noch einen prüfenden Blick auf die Türkisgehänge in Hafifis Ohren — die Operation kostete 25 Goldnfimd. Da vergaß sich Osman in seiner Herzensangst um die Geliebte ntid schrie: ״Um Allah willen, Vater, Ihr müßt es bezahlen In diesem Schrei klang so viel Liebe mit, so viel Gram und Zärtlichkeit — der Sen ei k horchte auf. Er blickte von Osman zu Hafifi, die ihn schreckerstarrt anschauten. Da wurden Soiiman Al Dakir im Spital von Jerusalem zum zweiten Male die Augen geöffnet. Eine Wut ohnegleichen packte ihn. Er griff nach seinem Dolch im Gürtel. Der ahnungslose Arzt, der fürchtete, daß ihm die reiche Patientin entginge, faßte freundlich nach Scheik Solimans Hand; ״Für Euch will ich es für 20 Pfund machen“, sagte er, ״aber nur weil Ihr es seid, Chawadscha.“ Der Scheik war ruhig geworden. ״Für 20 Pfund werde ich mir zwei neue Frauen kaufen, die jünger und schöner sind als diese. Mag sie erblinden. Gqh —" er griff nach ihrer Schulter und stieß sie vor sich her. Osman verschwand für immer. Man sagt, er fiel in den Wahabitenkämpfen. Peßach, Arbeitsplan und Stoffsammlung, zusammengestcllt von Bernhard S. Jacobson. Herausgegeben von der Bundcsleitung des Brith Hanoar Schel Zcire Misrachi für Deutschland (zu beziehen durch die Bundesleitung des Brith Hanoar, Hamburg 13, Grindelhof 66). Diese Broschüre ist ein Beitrag zur Bildungsarbeit In den jüdischen Schulen und Jugendbünden. Sie dient der Vorbereitung für Peßach und gibt eine sehr gute Einführung in all die Fragen, die mit der Feier des Festes verbunden sind. Die Broschüre wird daher besonders dort gute Dienste leisten, wo es dem Einzelnen nicht möglich ist, ein griindliches Studium der in Frage stehenden Probleme durchzuführen, und wo es darauf ankommt, durch eine rasche und übersichtliche Orientierung den Geist des Festes zu begreifen und die einzelnen Vorschriften zu verstehen. -n. Eine ungarische Haggadah. Eine Gesellschaft junger Juden in Budapest, die sich ,,Jesaias-Gesellschaff“ nennt, hat in geschmackvoller Ausstattung eine Haggadah herausgebraeht, die dem entjndeten Haus die Poesie und Wärme des Sedcrabends wiedergeben soll. Der Text hält ungefähr die Mitte zwischen dem englischen Vorbild und der C. Seligmannschcn Bearbeitung, ist durchgehendungarisch,die charakteristischen Aussprüche und Partien sind aber auch hebräisch wiedergegeben. Der Ton der lieber- Setzungen, eigentlich Umarbeitungen, ist überall weihevoll, Her und da etwas pathetisch; sie stammen von zwei Rabbinersöhnen, Dr. E. Namtnyi und K. Papp, erster er Urenkel von Ludwig Philippson. Einen besonderen Schmuck erhalt das Buch durch die Illustrationen des jungen Alex. Kolozsvärj, dessen originell wirksame Holzschnitte in ihren Formen meist das volkstümlich ungarische Milieu betonen, Dr. A. J. Das jüdische Jahr Moritz Zobel: ״Das Jahr des Juden In Brauch und Liturgie". Schocken-Verlag, Berlin 1036. Wir haben in der letzten Zeit mehrere Bücher über die Gestaltung des jüdisch-kultischen Lebens das Licht der Welt erblicken sehen; unter ihnen wird das neue Buch von Zobel sich einen hervorragenden Platz sichern. Dieser ausgezeichnete Kenner jüdischer Literatur und jüdischen Lebens, der uns erst vor einem Jahr das schöne Buch über den Schabbat auch im Schocken-Verlag) geschenkt hat, beschreibt nun in luem stattlichen Bande — natürlich mit Ausnahme des schon ■״schriebcncn Schabhats — das ganze jüdische Jahr י einer so detaillierten Form, daß ein sehr plastisches Bild 'steht. Die ruhige Form des Vortrags, der Verzicht auf athos und weltanschauliche Abschweifungen machen dieses Itich dem Leser, dem es allein 11m Wissen und Verstehen geht, doppelt wertvoll. Zobel beschränkt seine Darstellung auf den aschkenasischen Kulturkreis und ״innerhalb dieses Bezirkes vorwiegend auf die häuslichen und liturgischen Gepflogenheiten des deutschen Sprachgebiets“. Aber innerhalb dieser selbstgesteckten Grenzen ist eine so klare und lebendige Darstellung jüdischen Lebens entstanden, daß man steh nur schwer von ihr losreißen kann. Die Schilderung geht stets auf die biblischen und talmudischcn Quellen zurück, von denen aus die Entstehung der Feste, Gebete, Gebräuche usw. erklärt wird. Leider fehlt es an einer geschichtlichen Untcrbauung. Es wäre sicher sehr vielen Lesern angenehm gewesen, über den historischen Werdegang der Feste und Gebete und Zusammenhänge dieser Art mehr zu erfahren. Aber auch so bietet das Buch eine große Fülle von Material. Die Erklärung der Bedeutung der Kol-Nidre-Formel z. B. wird vielen Neulingen auf dem Gebiet des Judentums neue Aspekte über die Sinngebung des |om Kippur eröffnen. Abgesehen von vielen solcher grundlegenden Erklärungen zur Deutung der Festgchalte finden sich auch zahlreiche dankenswerte Hinweise auf Volksbräuche, die in voller Deutlichkeit zeigen, wie eng Religion und Volksleben im Judentum miteinander verwoben sind. So ist es z. B. für den Folkloristen sehr wichtig zu erfahren, welche Arten von Speisen bei den einzelnen Festen in den verschiedenen Gegenden genossen werden, und auch der einfache Leser, der nicht mit ethnologischen Absichten an dieses Buch herangeht, wird für die eigene traditionscchtc Ausgestaltung dieses oder jenes Feiertags gew.ß gern davon Kenntnis nehmen oder gar Gebrauch davon machen. Das Trendelspic! zu Chanukkali wird freilich — so ist anzunehmen — durch das schwierige Rätsclspiel, ״dessen Eigenart darin besteht, daß ip einem auf gegebenen bibltsehen oder talmiidischen Satz durch kombinierte Addition, Subtraktion oder Multiplikation des Zahlenwerts der einzelnen Worte ein Hinweis auf die Gesamtzahl der Chanukkahlichtcr gefunden werden soll*', einstweilen nicht verdrängt werden, weil soviel jüdische Gelehrsamkeit eben lieute nicht mehr vorhanden ist wie einst in früheren Jahrhunderten, da es in den Talmudschulen in Deutschland als Chanukkah-Zeitvertreib diente. _ Das Buch von Zobel ist nicht von der Art jener Bücher, die sich dem Leser aufdrängen, es ihm ״leicht machen“; cs verlangt vielmehr einen aufmerksamen und aufnahmebereiten Leser, der sich auch vor Anmerkungen nicht scheut. Wer es aber mit Sorgfalt durchgearbeitet hat, dem wird sich die reine, heimliche, schillernde, bunte, zugleich strenge und liebliche Atmosphäre jüdischen Lebens in jüdischem Geist wie eine neue Welt erschließen, die zweierlei in sich tragt: jenen orientalischen Duft aus ״Tausend und einer Nacht“ — und zugleich jenes eigenständige, der Zeit und der Land- Schaft entrückte Kolorit, das der Sache jenen Anstrich des Immcrbleibendcn gibt: das Jüdische in seiner einmaligen Ausprägung. Dr. Gerhardt N e u m a n n Das Judenleid der ersten Galuth Prof. Edmund Kalt schildert in seinem neuen Psalmenkommentar (in seinen Erklärungen zu Psalm 102) das Judenleid der ersten Galuth (im babylonischen Exil) und sein Ende. Die Tage der Verbannung waren für Israel Tage schwerer Not, der Not der Heimat• losen (4—12). Der Dichter reiht Bild an Bild, um die Größe der Bedrängnis anschaulich und eindringlich zu schildern. Das Menschenleben ist an sich schon so kurz und hinfällig; die lange Verbannung aber bat die Kraft des Volkes aufgezehrt. Eine aufsteigende Rauchfahne wird vom lei- Besten Windhauch erfaßt und zerrissen; sie wird durch ihn so sehr aufgelöst, daß bald jede Spur in der Luft verschwunden ist. So ergeht es einem Volk, das besiegt, gefangen und seiner Selbständigkeit beraubt ist. Es bedarf keines großen Gewaltaktes mehr, um cs völlig aufzulösen und zu Vernichten. Jeder Widerstand dagegen ist ausgeschlossen. Wenn ein Holzscheit vom Feuer ergriffen und verkohlt ist, zerbricht es bei jeder Berührung. Das Leiden eines Volkes kann wie ein Feuer wirken, das alle Kraft verzehrt. Ueppig sproßt das Gras nach dem Winterregen; kommt aber der Glutwind aus Südost, dann wird das Gras versengt, es welkt rasch dahin und verdorrt. So hat der Gluthauch des göttlichen Zornes die Lebensenergie ausgetrocknet; herausgerissen aus dem heimatlichen Boden, der Gnadenquclle des Heiligtums beraubt, welkt Israel im Exil dahin... Herausgerissen aus dem heimatlichen Boden, verdorrt die Lebenskraft wie Gras, das ausgerissen und weggeworfen wird. Nach menschlicher Berechnung war der Untergang Israels besiegelt... Doch Gottes Gedanken und Ratschlüsse rechnen mit anderen Möglichkeiten als das engbegrenzte menschliche Erkennen; sie lauten aut Versöhnung und Heimkehr, nicht auf Untergang... Gott ist in Ewigkeit derselbe und seine Ratschlüsse ändern sich nicht. Darum kann er nie das Volk vergessen und verwerfen, das er auserwählt... Darum ist es auch gewiß, daß er Zion aus den Trümmern wieder erstehen läßt, sobald die Stunde der Begnadigung gekommen ist... Der Verlust der Gnaden läßt manchen erst ihren Wert erkennen. So ist auch die Liebe Israels zu Zion und zu dem zerstörten Heiligtum gewachsen, und das Heimweh der Verbannten nach den feierlichen Gottesdicns‘ י im Tempel an den Hochfesten des Jahres ist groß geworden ... Wenn der Herr sie heimkehren läßt, dann wird die neue Zeit anbrechen, in der die messianisehen Verheißungen sich erfüllen werden... (Seite 361 f.) Rabb. Dr. Ernst Steckeimacher, Ludwigshafena,Rh. ap Im Verlag Dr. Herbert Locwenstein, Berlin, erschien soeben ein Ausschnittbogen für Kinder ״Der Ssedcr-Tisch“ (gezeichnet von Margarete N e h e m I a s). Hiermit wird der Versuch gemacht, den Müttern und Erziehern ein Spielzeug für das Kleinkind zu geben, woran eine Erklärung des Pefiach-Festes und eine Verlebendigung der Sseder-Bräuche geknüpft werden kann. Der Bogen kann auch ausgemalt werden. Sachgemäße u. schleunige Durchführung Ihrer Rtprluntamen In Palästina: HAIFA 1 Herbert Aechner, 77, Hmlitr. Klnf Salomon Bank JERUSALEM: A. M. « J. HeHbronner Bank Ltd. P O ft 1041 TEL - AVIV: Dr. Jur. W. Marx, 1S, SAalom AldAetn Street, Hcke Ben JehuHa Road AUSWAHDIRUNfi Amtsger.-Rat a. D. Dr. Aschner Oberreg.-Rat a. D. R. K«mpner Berlin W1S, Melnakastr. 9. J 1 Bismarck 2856 <9«׳t-13 u. 16*/*—19 Uhr) Transfer-Projekte / Vermögens-Liquidationen / Anlageberatung nach Palästina und anderen Ländern Repräsentanz in Südamerika! Dr, Kurt •ehttyä, Brno Paulo Pr»<?• Mar&hal Deodero 1t ln Westdeutschland! Dr. Jur. Kehn, Dortmund, BrflduiraBe 52