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Jüdische Rundschau · 1936-04-03 · Heft 27-28 (3.4.1936) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 27-28 (3.4.1936)
Date
1936-04-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Peßach-Beilage NR. 27/28, 3. APRIL 1936 Peßach Aus der illuminierten Handschrift von Treviso nrr,־ י l *־■•י• mm ‘«י*«"*«• ן«־•״*!‘ ־•׳*•»מ *> <* r מיו»iwvryw * דן ■עיצנדער^־יי׳ד^^י^י-מר מו ך ביד^דבד־מי גץיידיי^יי״ז יד^די יי w ,יי^ייןיי«דדייי.<'*־•#•יויו^יי^ »w•.! * ^»^ף־י^^ ויייי^^^ומ מי ד)רלג'מ8י׳יבי<עיי־יאיגי'־ '' קולגי«לשרגי<0י»יינ'י'' ׳־י יקיר'גיגדעייגומ\י־ראיגי* חיי«ליי, <#y< זן ארי 1איי3ך 1מ!# ז׳»יפע־*?"•ym » v&in jnu*l ־W*f #•«'. *6 «״ ך »»• *un« <Qf י t*f 3 ז •w nw 1» jp 4«ן w» 1 ■«י׳»* מ•» v^ovn 1%1ו־*י״'י *» *•* iHtt <** ÜA» VT *ÄjJy** *t»W* aa***!!•״*9* מי׳ ו* *•י» %*^י««״יי»* ff«» י״׳מד{ «* **1י*ד **<״**<«״►<**» <*׳וי»&, xn -Vf! 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Die Handschrift enthält Gebetbuch, Machsor für alle Feiertage und. eine Peßach- 11 n- ■ - in. #»י-*י *«•ת**י Das Blatt links dihat Chamez“, Gesäue,. -•n ant dar. Das Blatt der Beginn der mit dem Text ...." — ״Das oben ■stellt ״Bedas Suchen des Peßach-Riisttage rechts oben ist Pcßach-IIaggada ״Ifalachma Anja ist das Brot des Elends". Das nebenstehende Blatt ist der Text ״Arba Banim“ — ״Die vier Söhne". Auswahl Foto■ on Rot Waghi Chorin, Jeruealpn 11111111111111!11111111i11i111111li11111i1111[|11t11111111111111!11111111111111111111111i11111111111H111111111111m11111m1111111111n1111mm111i11111111H111111n1m11m11111!1!!11mn111111m111!11(1i111f‘((m DIE STIMME SPRICHT AM SEDER Bindet bindet eudi ans Wort! Findet endlich euer Wort! Frevelnd wfihnte Irres Tasten Was die Andern sannen labten Mit zu erben. Haltet haltet euer Mahl Fallet zu Gebet und Wal Eure Faust > ihr müht sie braudien Dfimme bersten Tempel raudien Männer sterben. Von Karl Wolfskehl Weitet euren Blick zu Mir Schreitet Boten durchs Revier Rufet auf was eurer Art Wenige sinds noch aufgespart Aus den Scherben. Preiset eurer Leiden Jahr Reibet los euch macht euch bar Aller Schatze die verrucht Ihr den Andern abgesudit Zum Verderben. Füllet füllt das Herz zum Rand Hüllet euch schürzt das Gewand. Durch die Wüste zu Mir fönen Labt die Lieder eure schönen Todesherben. Schürfet sdiürft in Meinem Schacht Schlürfet Wein der Wundernadit Dab Ich schone Mein Gesinde Schlagend in des Weltbaums Rinde Neue Kerben. Aus: Kerl U-olfskehl ,,Din Stimme spricht״ Erweitertes fferk Im Schochen-Verlag, Berlin ..iiiiiimiiiiiiiiiiimnitiiinmiiiiiiiiiim* Da sitzt die jüdische Familie, Zeile des Volkes und seiner Stämme, ir!1 festlichen Raum und um den festlichen Tisch, und begibt sich durch Gebete und Gebräuche in den Ablauf der Haggada hinein. Vom Herrn und Vater des Hauses — dieser patriarchalisch in seinen Sitz ״gebettet“ — bis zum jüngsten Glied der Familie, alle beginnen im Geist zu wandern. Aber indes sie kraft der Magie der überlieferten heiligen Worte und Zeremonien wandern, wächst durch dieselbe Kraft Boden unter ihren Füßen, und in ihre Anschauung drängt sich das Land der Knechtschaft, das flutende und ebbende Meer, die Wüste mit ihrer Begnadung und schließlich vollends das fruchtende!.and der Freiheit, die neue Heimat. Geschichte hängt über diesem Fest als die ewige Wirklichkeit und Gegenwart, ln ihr aber regt und rührt sich das Familiäre, das zum Stamm und zum Volk drängt, zu den höheren Einheiten und Gemeinschaften, die allein vermögend sind, Geschiehte zu machen und vor der Geschichte zu bestehen. Aus Ich und Du, aus dem Anschauen des einen durch den andern, aus Frage und Antwort wächst der Gesichtskreis eines Volkes heraus, das nach den ewigen Dingen greift, nach dem, was größer ist als es selbst. Die Gesamtzeremonie des Peßachfestes erschafft das geistige Bild des Volkes Israel. Es gibt für ein Fest keinen erhabencren und rührenderen Sinn als diesen. Denn das Sy m - bol des Fortlebens liegt darin beschlossen. Die Juden sind ein Volk der Ueberlieferung, ein Ge- Schichtsvolk. Sein Dasein lebt sich über die Jahrtausende hin in Wiederholungen aus. Manchmal hat es sogar den Anschein, als ob dieses immer wiederkehrend, von der Geschichte geradezu herbeigerufen würde, als ob jede Gegenwart im Bann und Dienst der urväterlichen Erlebnisse stünde. Jedenfalls ist vor den vielen Wechselfällen und über dem beständigen Auf und Nieder des jüdischen Schicksals die Geschichte eine Art von Zwischenwelt und Zwischen- Wirklichkeit, ja förmlich ein zweites Jenseits geworden, worin alle Lehren, Richtungen und Wege eingezeichnet sind, nach denen sich das jüdische Leben gestaltet. Da das kleine Volk der Juden so Großes erlebt hat, möchte es scheinen, als ob dieses Große von denen, die es mit Augen geschaut haben, und von denen, die davon nur vernommen haben, nie ganz ausgelebt und ausgeschöpft werden könnte. Immer bleibt von dem Alten noch ein Rest Neues zurück, und dieses wandert durch die Generationen und Zeiten mit dem Anspruch, immer wieder aufs neue gedacht, empfunden und gelebt zu werden. Dem Gesicht des jüdischen Geschehens ist der Stempel des Ewigen aufgeprägt — des ewigen Bestandes als das eines Zeugnisses des ewigen Schöpfers. Es ist aber nicht immer die ״weiße Magie“, in deren Ausstrahlung wir Juden stehen. Denn gerade was die an Peßach, dem Beginn unserer Volksgeschichte, verherrlichte Einigkeit und Solidarität des werdenden yolkes anlangt, haben wir auch ein erschütterndes Beispiel der Abschreckung in unserer Ueberlieferung. Es ist das Verhalten unserer Väter am Ende der staatlichen Geschichte unseres Volkes, nämlich vor dem Fall Jerusalems und der Zerstörung des Tempels. Als im Jahre 69 Titus mit dem römischen Heer auf dem Berg Skopus erschien, um die erade zum Peßachfcst sich rüstende Stadt in einen eisernen elagerungsring einzuschnüren, da standen sich, vor den Augen der feindlichen Römer, drei Parteien der Juden mit den Waffen gegenüber und lieferten sich blutige Straßenschlachten. Auch dies ist jüdische Geschichte, dieser dämonische Mangel an Einigkeit und Solidarität, ein grausiges Widerspiel zum Geist des Beginns, zum festlichen Geist des Peßach. Vielleicht macht gerade dieser Gegensatz den geheimnisvollsten Reiz des Peßachfestes aus. Auch vor dem Jahre 69 hat es unter den sei es noch wandernden, sei es schon seßhaften israelitischen Stämmen Zwietracht, Hader und Selbstzcrflcischung genug gegeben — aus vielerlei Anlässen. Um so mächtiger aber türmt sich der Vorgang des Auszugs aus Aegypten zu einem geschichtlichen Monument, zu einer nionumentalen Leistung der jüdischen Gemeinschaft auf, zum Symbol des Eiuswerdens, der Volkswcrdung. Volks Wanderungen hat es in der Geschichte viele gegeben. Auch haben manche wandernde Völker oder Volksteile mächtige Reiche gegründet, mit denen das spätere israelitische Reich sicli nicht vergleichen darf. Aber sie blieben ihrer Zeit und der Vergänglichkeit verhaftet, fast so wie wenn die auf anderem Boden gegründeten Reiche nichts anderes gewesen wären als prunkvolle Särge für die _ ausgewanderten Stämme und Völker. Denn in den Reichen schwanden die Völker dahin. Jedenfalls gibt es in der uns zugänglichen Geschichte kaum ein Beispiel dafür, daß sich in der besiedelten Welt ein Volk auf die Wanderschaft begeben und dadurch seinen körperlichen und geistigen Bestand für, nach unserer Absehung, ewige Zeiten sichergestellt hätte. Dies ist der göttliche Glanz, der über dem Auszug des Volkes Israel aus Aegypten ruht. Es ist ein Glanz der Einzigartigkeit. Alle Begleitumstände dieses Aufbruchs erhöhen sich daher ins Bereich der Wunder, des Ucberirdischen und Metaphysischen. Wer anders, wenn nicht der Allmächtige selbst hat den Ruf an die ergehen lassen können, die Sklaven waren in Mizrajim und seine Knechte und sein Volk werden sollten in Kanaan! Der Aufbruch geschah aus dem Dunkel ins Licht der Geschichte, das seitdem nicht mehr ganz erloschen ist, aus der Fron in die bis heute währende Aufgabe. So wurde das geboren, was nachmals das Mosaische hieß. In dieser Geburt eines Volkes ist schon alles enthalten in der Idee, was dieses Volk nachher an geistiger Leistung vollbracht hat. Das Mosaische drückt den Begriff einer Saturn- Jung und einer Wendung zum Höheren und zum Höchsten aus, aus dem aber die Erinnerung immer zurückfließt zu dem Beginn aus der Kleinheit und Niedrigkeit im Dunkel. Er sprach zum zweitenmal: ״Es werde Licht“ — ״und es ward Licht“ über Israel. Auch die Schöpfungsgeschichte zeichnet sich noch einmal auf in dein mosaischen Geschehen. Das Peßachfcst zeugt davon. Es bewahrt in sich den Geist des Aufbruchs mit all seinen rührenden Symbolen und Gegenständlichkeiten. Die ebenfalls neu aufbrechende Erde atmet in seine Zeremonien hinein. Das Dunkel einer Vergangenheit und das Licht einer Zukunft durchdrungen und durenglänzen sich. Aus der Enge der Familie, die sich um den Sedertisch wie um eine Tafel der Geschichte gruppiert, wird die geschichtliche Weite eines Volkes. Das Bittere und das Süße, das Nahrhafte und das Berauschende, das die Familie als Symbol genießt, — all dies weist aus dem kleinen Gegenständlichen ins große Gleichnis, und diesem wohnt das Geheimnis des Wanderns inne. Noch oft in ihrer Geschichte haben die Juden aufbrechen und wandern müssen. Immer aber kam und kommt es für sie darauf an, in dem neuen Wandern, wie bitter auch sein Anlaß sein mochte, etwas von dem Glanz und der Würde ihres ersten und entscheidenden Aufbruches zu erneuern. Heute wandert kein Volk mehr, heute wandern Mensehen. Aber auch der Geist ihrer Wanderung muß zehren von dem großen mosaischen Vorbild. Die alte Peßach- Sehnsucht und Peßach-Losung ״Und nächstes Jahr in jcruschalajim!“ ist nicht zum Vergeblichen über Jahrtausende hinweg aufbewahrt worden. Sie ist die unverjährbarc Verpflichtung und Erbschaft aus der mosaischen Ueberlieferung. Zur Wanderung bereit, hat der seiner Tradition nachlebende Jude zwar viele Wege vor sich, aber alle sollen ihn aus dem Einzel- und Gruppendasein zum Schicksal seines Volkes führen — ״nach Jcruschalajinr*. Dessen Körper zwar ist heute noch in der Auflösung, wie er einst im ägyptischen Dunkel war, aber aus dem Geist, der vom Mosaisciien her in jede, also auch in unsere Zeit strahlt, erwächst in jeder Welt- und Schicksalssekunde ein neuer Körper durch den Entschluß zur jüdischen Solidarität, durch den Entschluß, aus der Pcßach-Fatnilie zum Peßach-Volk aufzusteigen. Das Peßach fest also vermittelt den geschichtlichen Maßstab, an dem jede jüdische Wanderung gemessen und gewertet wird. Die Juden erleben nichts zum erstenmal. Sie unterstehen dem Zwang einer Geschichte, die sich wie keine andere in Gesetzen ausgesprochen hat. Auch für die Wanderung! Für sie aber lautet das deutlichste Gesetz, daß sie jüdisches Volk und Judentum nicht zerstören, sondern neu schaffen wird! Zwar ist der letzte Sinn aller Feste, einer Gemeinschaft das Bewußtsein ihrer Wurzeln zurückzubringen. Das Peßachfcst aber gräbt in seinen Gebeten und Gebräuchen ganz tief den Boden auf, aus dem die Juden gewachsen sind, in dem sie aus ihren Stämmen den einen und einheitlichen Stamm gebildet und die Entfaltung einer nie verdorrenden Krone von Blüten und Früchten sicher,gestellt haben. Am Sedcrabend wächst uns ״ein Kornfeld aus der flachen Hand•‘. Vom Fasten der Erstgeborenen Wer Gelegenheit hat, am L. r e w P e ß a c 11 den Gottesdienst in einer Synagoge traditioneller Richtung zu besuchen, der wird erstaunt sein über das eigentümliche Bild, das sieh ihm bietet und auf das er nicht vorbereitet ist: erstens die gegenüber sonstigen Wochentagen überaus starke Beteiligting, sodann den kleinen Imbiß, der nach einem kurzen talmudischcn Vortrag den Gottesdienst beschließt. A11 diesem Tage werden auch solche in der Synagoge angetroffen, deren Beziehungen zum religiösen Leben lockerer sind, als daß man sic bei einem wöchentlichen Gebet vermuten dürfte. Besser Eingeweihte — und dazu rechnen sieh immerhin die meisten der Teilnehmer wissen allerdings, daß die Teilnähme am Friihgotfesdienst das kleinere Hebel ist gegenüber dem größeren, das sie sonst in Kauf nehmen müßten: das Fasten der Erstgeboren en nämlich, das hierdurch kompensiert wird und dem sie sonst verfallen wären. So verbreitet dieser Brauch ist und so peinlich er von vielen cingehalten wird, so schwach ist seine Begründüng. Aber so viel steht fest, daß er bis ins Altertum z!1riiekreicht. Die erste Erwähnung dieser Sitte findet sich im palästinensischen Talmud (Peüaehim X, 1), gelegentlich der Feststellung, daß R. J c h u d a 11 a - N a s s i, der berühmte Redaktor der Mischna, am Erew Peßach weder Gesäuertes noch Ungesäuertes genossen habe. Auf die Frage, warum er beides vermieden habe, wird u. a. auch die Tat- Sache als Begründung angeführt, daß er ein Erstgeborener war (daher also keine Mahlzeit eingenommen!iahe). Diese Ansicht wird nun zwar sofort mit gewichtigen Argumenten zurückgewiesen und das Fasten R. Jelmdas damit begründet, daß er infolge seines GesuiidhciU/ustainles nur einmal taglkh essen durfte und also, um am Abend die Mazza mit

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