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Jüdische Rundschau · 1936-04-03 · Heft 27-28 (3.4.1936) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 27-28 (3.4.1936)
Date
1936-04-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 27/28, 3. IV. 1936 Lady Simon über den Zionismus Die Gattin des britischen Innenministers begrüßt Mrs. Sief! immer wissen die Mitlebenden, um welcher höheren Zwecke willen sie ihr Schicksal erleiden. Nicht vergeblich hat der Gedanke der Wanderung, der Rückkehr und Sammlung in der jüdischen Vorsteilungswelt stets eine gewaltige Rolle gespielt. Es prägt sich darin das Bewußtsein aus, daß eine solche Wanderung nicht bloß eine ,äußere Veränderung sein darf, sondern zugleich eine Erhebung, ein Aufstieg (״Alijah“). Das jüdische Volk hat die Vorstellung von dein Ziel seiner Wanderung verbunden mit seiner brennenden Friedenssehnsucht. Es hat sich die Rückkehr der Juden nach Zion gleichzeitig gedacht mit der Errichtung einer Friedenswelt, in der die Völker ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden werden. Gerade in diesen Tagen, wo die Völker der Welt leidenschaftlich um die Erhaltung des Friedens ringen — eine Diskussion, an der wir als Juden zwar nicht tcilnclimen, aber die wir mit größter innerer Anteilnahme verfolgen, — werden wir uns bewußt, wie stark, wie alles überragend die jüdische Sehnsucht nach Frieden ist. Es war überaus aufschlußreich, in der letzten Zeit jüdische maßgebende Presseäußerungen in den Ländern der jüdischen Massensiediung des Ostens zu beobachten. Es kam darin eine eigenartige Große zum Durchbruch. Weltpolitische Probiente großen Ausmaßes, so konnte man herauslesen, können auch von uns Juden (gemeint sind die Ostjuden) nicht unter dem Gesichtspunkt rein jüdischer Spezialintcresscu betrachtet werden; hoher als dies muß das Interesse an der Erhaltung des Eriedcns sein. Nicht Rachsucht gegen diesen oder jenen Faktor, den man als judenfeindlich betrachtet, soll unsere Haltung bestimmen, sondern in einem wirklich entscheidenden Moment siegt der Wunsch nach Frieden und nach dem Schutz der Kultur des Abendlandes. Demgegenüber tritt alles andere in die zweite Linie. Möge nur das Entsetzliche eines Zusammenbruchs der Kultur vermieden werden; wir Juden, wir leidgewohnten, werden dann schon unseren Weg gehen, die Not auf uns nehmen und aus dir das Beste machen, denn gerade die Not ist es, die häufig schöpferische Kräfte entbindet. Dies die Gedankengänge, die man im ()-teil in jüdischen Zeitungen lesen, dort auch von jüdischen Führern hören kann, ln der Tat, was bleibt uns? Der Glaube an den tieferen Sinn der N'ot. Auch der Auszug aus Aegypten war eine Manifestation großer jüdischer Not, und ist zum Grundstein eines gewaltigen Gebäudes nicht nur für die Juden, sondern für die ganze Weit geworden. * Wir können heute nicht aus dem Galuth ziehen, wie einst unsere Väter aus Aegypten, denn heute sind wir in alle Länder zerstreut, und wir haben nicht mehr mit einem Pharao zu tun. Auch wir Zionisten, die wir den Aufbau des Jüdischen Nationalheims in Palästina erstreben, müssen uns vor falschen und übertriebenen Analogien hüten. Man muß nur an die Länder jüdischer Massensiedlung wie Amerika und Polen denken, um zu verstehen, daß die Judenfrage dort nicht durch Aus- Wanderung zu lösen ist, sondern daß die Auswanderung immer nur eine Teillösung bedeutet, neben der das andere Problem unserer geschichtlichen Existenz, niimlieh die Regelung unseres Zusammenlebens mit den anderen Völkern, bestehen bleibt. Wir müssen uns vor Ucbertreibungcn hüten. Jede geschichtliche Situatkm ist einmalig, auch unsere heutige, auch die zur Zeit Ramses II. Es kommt nur darauf an, den Rcalitäten w irklich ins Auge zu sehen und nicht auf Illusionen zu bauen. Voraussetzung jeder Neugestaltung unseres Lebens ist die Klarheit und Reinheit unseres jüdischen Bewußtseins. Viele Vorgänge unserer Zeit haben zusammengewirkt, um das jüdische Bewußtsein zu stärken. Unsere jüdischen Feste geben uns innere Kraft, zugleich aber auch erleuchtende Einsichten über unser eigenes Wesen. Und so gibt uns auch das Peßach-Fest einen Strahl der Hoffnung, dieses liebliche Fest des Frühlings und der Auferstehung der Herzen. Was immer wir Schweres noch durchzumachcn haben werden, wir glauben, daß es einen tiefen Sinn hat und daß es uns zu einer entscheidenden Wendung unseres Volksdaseins in unserer Zeit führen wird. Berichtigung. In den Bericht über die jüdische Konferenz in Warschau in der vorigen Nummer der ״J. R.“ hat _ sich bei der telephonischen Ucbcrmittlung ein Fehler eiligeschlichen. Die Referate über den Weltkongreß wurden gehalten von dem Sekretär des Weltkongresses Kubowitzki und Rabbiner N u r o k aus Riga. Wegen der Feiertage erscheinen die Ausgaben Nr. 29 am Freitag, dem 10. April Nr. 30/31 am Freitag, dem 17. April Fa m i 11 ■ n - N a 0 h r i e h t n nehmen wir bla zum Tagt vor Erich* Inan gagan Mittag antgagen London, 31. März. (JTA.) Zu Ehren von Mrs. Israel M. S i e f f, die eine Reise nach Südafrika unternimmt, gaben der Verband der zionistischen Frauen Großbritanniens und Irlands und die Hauptleitung der Wizo ein Frühstück, an dem zahlreiche Frauen der führenden jüdischen und nichtjüdischen Gesellschaftskreise Londons teilnahmen. Die Veranstaltung, die unter dem Vorsitz von Lady Fitzgcratd stattfand, galt gleichzeitig auch dem Abschluß der Mitglieder- Werbeaktion des Verbandes und gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung für den Zionismus. Außer der Vorsitzenden und Mrs. Sieff hielten Mrs. Corbett Ashby, Lady Samuel, Mrs. Leonard Stein und Mrs. Arid Bens ion Ansprachen. Unter den Teilnehmerinnen befanden sich außerdem die Countess o f Oxford and A s q 11 i 111, Mrs. Walter R u!1 c i m a!1, Mrs. Simon Marks, Mrs. Anthony de Rothschild, Lady Cohen, Lady Franklin, Lady Harnond (iraeme, Ladv O’Donnell, die Prinzessin W i as c m s k i, Mrs. Harry Sacher, Miß Monika W11 a t e 1 e y, Lady Schuster, Mrs. Elinor Glyn, Mrs, Frank Brahan 11. v. a. Ladv Simon war wegen der Erkrankung ihres Gatten, des Innenministers Sir John Simon, verhindert, an der Veranstaltung teil/imehmen, hatte jedoch ein Begriißungsschreiben gesandt, in dem sie der Ueberzeugung Ausdruck gab, daß der zionistischen Sache Erfolg »e.schieden sein wird, ln dem an Frau Sieff gerichteten Schreiben heißt es: ״Als alte Zionistin ergreift es mich tief, daß die Arbeit in Ihnen eine so mächtige Förderin hat. Als ich selbst in den alter! Zeiten für den Zionismus arbeitete, da erblickte man Nach der Annahme des Schächfgesetzes Warschau, 29. März. (JTA.) Das durch die Abstimmutig in! Senatsplenum endgültig angenommene Gesetz über die Einführung des Betäubungszwanges bei der Ticrschlachtung enthält bekanntlich die Bestimmung, daß es den Behörden in Ortschaften mit einer jüdischen Bevölkerung von weniger als 30/0 d e r G e s a m t bevö Ikerung anheim gestellt wird, ein v 0 11 81 ä n - diges Schiiclitverbot zu erlassen, während sonst die Schuehita im Ausmaß des Flcisclibedarfs der jüdischen Bevölkerung zulässig bleibt. Durch diese Bestimmung ist die jüdische Bevölkerung in den westpolnischen Gebieten, den Wojwodschaften Posen und Pommer eilen, wo die jüdische Bevölkerung nirgends die für die Scliechita-Zu- Fassung erforderliche Dichte erreicht, besonders schwer betroffen. Die jüdischen Gemeinden Thorn, Brom berg, Graudenz, Gnesen, Leszno, Posen, Gdingen und ßrodnitz haben sich nunmehr an das Präsidium des Ministerrates mit einer Petition gewandt, in der auf die Folgen dieser Bestimmung des neuen Gesetzes hingewiesen wird. Es unterliegt keinem Zweifel, heißt es in der Petition, daß die jüdische Bevölkerung der westlichen Wojwodschaften durch diesen Zusatz in Religiöser Hinsicht benachteiligt wurde. Trotz finanzieller Schwierigkeiten wurden dort die religiösen Vorschriften stets streng Ungehalten; dies geht daraus hervor, daß auch in den kleinsten Oemeinden die jüdische Bevölkerung in erster Reihe darauf bedacht war, einen Schochet zu halten. Den Bestimmungen der Verfassung gemäß darf darum die jüdische Bevölkerung der genannten Wojwodschaften nicht um ihr Recht gebracht werden. Was die wirtschaftliche Seite der Schechita betrifft, so wird darauf hingewiesen, daß der Fleischhandel in den erwähnten Wojwodschaften sich in christlichen Händen befindet. Im Hinblick auf diese Sachlage wird das Präsidium des Ministerrats gebeten, die Abänderung des § 5 des Gesetzes rückgängig zu machen. New York, 27. März. (JTA.) Die amtliche Polnische Telegr.-Agentur hat der amerikanischen Presse die Erklärung zugehen lassen, daß die polnische Regierung alle Mittel anwende, um rassische oder religiöse Diskriminierung 7t! verhindern. In der Erklärung wird die Aeußerung des Ministerpräsidenten Koscialkowski im Sejm zitiert. Emwanderungskontrolle in Schweden Stockholm, 30. März. (JTA.) Das königlich schwedische Amt für Sozialfürsorge hat an die Kommission des Reichstages, die zur Zeit eine Reihe von Vorschlägen über die Verschärfung der Ein- Wanderungskontrolle bearbeitet, ein Memorandum gerichtet, in dem auf die Notwendigkeit hingewiesen wird, daß Schweden mindestens eine gewisse moralische Verantwortung durch Mithilfe bei einem Werk internationaler humanitärer Zusammenarbeit übernehme. Die Anträge zur Einwanderungsgesetzgebung sind im Reichstag von Abgeordneten der Rechten eingebracht und dann der Kommission zur weiteren Bearbeitung übergeben worden. Das königl. schwedische Amt für Sozialfürsorge, die für solche Fragen zuständige Regierungsstelle, war aufgefordert worden, Bemerkungen zu diesen Anträgen zu machen. in dem Memorandum des Amtes wird festgestellt, daß von den 7000 in Schweden lebenden Fremden 500 j ü - dische Einwanderer sind, Frauen und Kinder_ miteingerechnet. Die Einwanderung nach Schweden sei berenzt und gut kontrolliert. Die bestehenden Gesetze und estimmungen seien für die Einwanderungskontrolle durchaus ausreichend, so daß es nicht notwendig sei, neue Bcstimmungen zu treffen. Der Vorschlag, eine rassenmäßige Kontrolle der Einwanderung einzuführen, wird in dem Memorandum mit dem Bemerken abgelehnt, daß eine solche Kontrolle schwerlich durchführbar wäre. darin etwas Einzigartiges für eine Nichtjiidin, die nicht be■ haupten kann, auch nur einen Tropfen jüdisches Blut in ihren Adern zu haben, so starkes Interesse für die große zionistische Sache zu haben. Völker müssen ihr Schicksal selbst gestalteil — Außenstehende können cs nicht für sie tun. I c h hege aber keinen Zweifel an der Zukunft, des Zionismus mit führenden Persönlichkeiten, wie Sie es sind, und wünsche Ihnen guten Erfolg. Mit Zionsgruß!“ Im Namen der British Commonwealth League und anderer Organisationen sprach Mrs. Corbett Ashby. Sie gab ihrer Bewunderung für die hingebungsvolle und begeisterte Arbeit von Mrs. Sieff, die in ebenso großzügiger Weise auch für nichtjiidische Interessen eintretc, Ausdruck. Die Rednerin sprach von den Leiden, die Juden heute vielfach zu erdulden haben. Vor einem Jahr habe sie Gelegenheit gehabt, das Aufbauwerk in Palästina und seine wunderbaren Resultate, besonders für die Kinder, zu sehen. Es werde einen Triumph für die über die ganze Welt verstreute judenheit bedeuten, wenn in Palästina eine neue Nation aufgebaut wird, die an der Lösung des Problems dieser großen Not mithelfen kann. Lady Samuel sprach Mrs. Sieff, die abreise, um eine schwierige Aufgabe in einem schwierigen Augenblick zu bewältigen, ihren besten Glückwunsch aus. Tiefbewegt dankte Frau Sieft für diese Kundgebungen der Zuneigung. Das Dankesvotum für die Rednerimien wurde von Mrs. Leonard Stein und Mrs. Bension beantragt. Auf Aufforderung von Mrs. R. B. Solomon huldigte die Versammlung dem Andenken Dr. M. D. Eders. Plötzlich und überraschend kommt die Nachricht aus London, daß Dr. M. D. Eder im Alter von 71 Jahren gestorben ist. Erst knappe zwei Wochen ist es her, daß er noch an der Konferenz zur Gründung des Council for German Jewry im Dorchester Hotel teilgenommen hat. Er sah etwas leidend aus, doch wer hätte gedacht, daß wir ihn nicht wiedersehen werden! Schon beim letzten Zionistenkongreß in Luz.ern machte Eder den Eindruck eines kranken Mannes. Nun trauern wir um ihn. Eder war der weiteren Oeffentlichkeit nur als Zionist bekannt, der mehrmals mit höchsten Aemtern in der Organisation betraut wurde; dieser Mann war aber seiner Natur nach kein ״Politiker“, sondern ein feingeistiger Gelehrter, vielfach interessiert an allem geistigen und wissenschaftlichen Geschehcn. Er kannte die europäische Literatur, er verfolgte auf seinem Spezialgebiete, der Tiefenpsychologic, alle neuen Ent- Wicklungen und Erscheinungen und war vor allem ein nobler und edler Mensch, stets hilfcbereit und von weitem Horizont. Dr. Eder kam von der tat•- torialistischen Bewegung her. 1908 begleitete er die von der JTO (Jüdisch-Territorialistische Organisation) nach Cyrencika entsandte Kommission, 1918 ging er mit der ״Zionist Commission“ als Vertreter der JTO nach Palästina. Im Anschluß daran wurde er 1921 in Karlsbad in die Palästina-Exekutive gewählt. Auf ihn fiel die schwierige Aufgabe, die Zionistische Organisation nach den Unruhen in Jaffa 1921 politisch zu repräsentieren und insbesondere auch vor der von der englischen Regierung eingesetzten Untersuchtmgskommission (״Haycraft-Commission“) als Vertreter der Zionistischen Organisation auszusagen. Nach seiner Rückkehr nach London übernahm er 1923 den. Vorsitz des Londoner Komitees der Hebräischen Universität in Jerusalem, deren Kuratorium er bis zu seinem Tod angehört hat. In den Jahren 1926 bis 1928 war Dr. Eder Mitglied, der Hxekutive der Zionistischen Weltorganisation in London. Als Arzt hat Dr. Eder insbesondere auf dem Gebiet der Psychoanalv.se gearbeitet und in London eine psychoanalytische Klinik geleitet. In früheren Jahren war er in Columbia (Südamerika) als Arzt tätig und hat Forschungsreisen durch Südamerika unternommen. Er war Mitglied des Rates der jüdischen Gesundheits-Organisation Englands und früher auch Präsident der London Jewish Hospital Medical Society. Von seinen Schriften sind ״War Shock“, ״Freud on Dreams“ ״Jung’s Studies in Word Association“ sowie zahlreiche Aufsätze über Psychoanalyse hervorzuhebeu, die in wissenschaftlichen Zeitschriften erschienen sind. Eine führende Rolle spielte er auch auf dem Gebiet der Schulhygiene. Die Monatsschrift ״School Hygiene“ wurde durch ihn begründet. Infolge der Ueberschwemmungskatastrophe in den Vereinigten Staaten sind die dort für jüdische Zwecke durchgeführten großen Sammelaktionen empfindlich beeinträchtigt worden! In Pittsburgh und anderen Städten wird die Aktion des United Palestine Appeal und des Joint Distribution Committee voraussichtlich verschoben werden. Ilauptschriftlcitcr: Dr. Robert Welt sch, Berlin - Charlottenburg fl (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreterl Kurt I. oewenjtcin. Berlin W 15. Anzeigenleiter und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: Hermann F i n n, Berlin W 15. Gültig Anzcigen-l’reisliste 4 vom 15. Oktober 1935. Verlag und Anzetgenverwaltung: Jüdische Rundschau. Berlin W 15. Memekeslr. 10. I).-A. Mürz 37 811. — Druck: Siegfried Scholem, Bln.-Schöneberf. M. D. Eder »ggg#;;*pfr lerlangen Sie beim Einkauf von Bekleidung, Hausrat und Einriditungsgegenständen für tropische und subtropische Länder unsere hierfür besonders geschulten Verkaufskräfte. Auskunft bei den Empfängern an den Eingängen. SPANDAUER KÖNIG STR. BERLIN C 2 KÖNIGSTRASSE GEGRÜNDET 1815 SPANDAUER STRASSE

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