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Jüdische Rundschau · 1936-03-31 · Heft 26 (31.3.1936) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 26 (31.3.1936)
Date
1936-03-31
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite TO JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 26, 31. III. 1936 Das Neueste in Kürze inan auf dem Wege zu einer Selbstverwaltung zu schnell vorgehe. Die ״Birmingham!סי st“ fragt: ״Was anderes als Obstruktion kann von einer dauernden Mehrheit erwartet werden, die in unvcrsöhn'i.lier Gegnerschaft gegenüber dem ganzen Mandatssystem verharrt? Wie soll die jüdische An- Siedlung mit jener Beschleunigung fortgeführt werden, die die allgemeine europäische Lage erfordert, wenn eine unab-;imierliche arabische Mehrheit über ihr Schicksal entscheiden soll r Und welche Gerechtigkeit kann unter solchen Umstanden für die im Lande bereits ansässigen Juden von dieser Gesetzgebung erwartet werden?“ Die Vorschläge, erklärt das Blatt, würden vermutlich nicht mit solchem Argwohn betrachtet werden, wenn sie nicht vor dem dunklen I lintergnuid der augenblicklichen Lage der Juden in der W eit stunden. Die Zeitschrift ״New Statesman and the Nat i o ri“ schreibt: Die Debatte über die Einsetzung eines Legislative Council in Palästina im Unterhaus hat gezeigt, wie weit verbreitet die Gegnerschaft gegen die Politik der Regierung ist. Hält man diesen Vorschlag mit den jüngsten Maßnahmen zur Einschränkung des Bodenverkaufs zusammen, so hat es den Anschein, daß er den Arabern eine gefährliche Vorherrschaff geben würde zu einer Zeit, da Erwägungen lmmanitarer Art es mehr ais jemals als lebenswichtig erscheinen lassen, daß die Bemühungen, ein Jüdisches Nationalheil:! zu schaffen, nicht nachiassen. Mr. Thomas behauptete, so wird in dem Artikel weiter ausgeführt, daß der High Ccm• missioncr durch Versprechen daran gebunden sei, Selbstverwaltungseinrichtungen einzuführen, sobald die Stadtrate zufriedenstellend zu arbeiten scheinen; auf alle Fälle würde es dem Council nicht erlaubt sein, Angelegenheiten der Jewish Agency, das Mandat oder die Einwanderungsuoten zu diskutieren. Dagegen brachte Mr. Churchill die timmung des Hauses zum Ausdruck, als er erklärte, daß die Balfour-Deklaration mit einer arabischen Mehrheit im Council nicht in Einklang zu bringen sei. Die Regierung, heißt es zum Schluß, hat eine heikle Aufgabe bei der Wahj rung des Gleichgewichts zwischen Arabern und Juden zu erfüllen. Die Araber haben ebensoviel Anspruch auf Schutz wie die Eingeborenen in Kenja, und das Auffatichcn eines Arbeitslosenproblems dürfte die Schwierigkeiten erhöhen. Anläßlich des Besuches von Sir Neill Malcolm in Tel Citaj fand für ihn ein Empfang statt, bei dem der Besucher an die Jugendlichen eine Ansprache richtete, in der er erklärte, daß die Augen der Welt auf den Aufbau des Indischen Nationalheims gerichtet sind. Sir Neill Malcolm hielt sich drei Tage als Gast Sir Arthur Wauchopes in Palästina auf und besuchte noch eine Reihe anderer Siedlungert. Wie amtlich bekanntgegeben wärd, sind im Monat Fcbruar 1936 2353 Juden nach Palästina eingewandert. Von ihnen gehörten 293 der Kategorie von Einwanderern mit einem Mindesteigenkapital von 1000 Pfund an. Die Palästina-Regierung hat einen Betrag im Gegenwert von 10 Millionen Dollar für öffentliche Arbeiten für das Rechnungsjahr 1936 37 bewilligt. Es besteht die Absicht, diese Stimme u. a. für den Ausbau der Chaussee Haifa — Jaffa zu verwenden. Die Einzelheiten für die Feierlichkeiten bei der Er- Öffnung der Lev ante -Messe am 30. April sind nunmehr festgclegt worden. Als erster wird Dizerigoff sprechen, dann folgt eine Radio-Ansprache des englischen Colonial S e c r e t a r y, die auf Lautsprecher übertragen wird. Danach wird Sir Arthur Wauehope, unter dessen Protektorat die Messe steht, eine Ansprache halten. Von den fünf Revisionisten, die wegen Angriffen auf den Legislative Council und Sir Arthur Wauchope verhaftet worden waren, wurde einer zu zwei Monaten, einer zu einer Woche Gefängnis und zwei zu Geldstrafen verurteilt. Einer wurde freigesprochen. Eine Konferenz aller zionistischer Parteien in Palästina wurde durch die Exekutive der Jewish Agency einberufen. Es wurde beschlossen, eine vorbereitende Tagung am 19. April abzuhalten, die aus den Vertretern der Parteien und aen Palästina-Delegierten des Kongresses ■bestehen soll, um einen Plan für eine Vereinigte Zionistische Föderation in Palästina zu entwerfen und die Wahlen für eine zionistische Konferenz in Palästina vorzubereiten. Nach einer soeben veröffentlichten Statistik beträgt gegenwärtig die Zahl der in Palästina vorhandenen Automobile rund 12 000; 1933 waren nur tOIXJ vorhanden. James de Rothschild besuchte die Pica-Siedlungen in Samaria, wo er begeistert begrüßt wurde, und besichtigte die Grabstätte für seine Eltern in Sichren Jaakob. Er bat, keine offiziellen Empfänge zu veranstalten, da das Trauerjahr für seine Mutter noch nicht vollendet sei, und auch irn Hinblick auf die Lage der Juden in der Welt. Wie Palcor erfährt, werden als Resultat seines Besuches Aenderungen in der Verwaltung der Pica in Aussicht genommen. In den letzten Tagen weilte in Palästina eine Delegation von 15 Mitgliedern des Iraker Parlaments. Wie die arabische Presse meldet, hat diese Delegation Tiberias, Nazareth, Jenin, Sichern, Jerusalem und Jaffa besucht und wurde überall von den Vertretern der arabischen Bevölkerung mit großen Ehrungen empfangen. Am 1. und 2. Halbfeiertage des Peßach-Festes wird in Petach-Tikwah eine Feier anläßlich des Abschlusses der diesjährigen Orangen-Ernte Palästinas stattfinden. An der Feier werden alle Kolonien teilnehmen. Zur gleichen Zeit wird in Petach-Tikwah eine Ausstellung des jüdischen Pflanzungsbaus, seiner Entwicklung und Erfolge veranstaltet werden. Zur Eröffnung dieser Ausstellung wurde auch der High Commissioncr eingeladen. Mitte April beginnt in Jerusalem eine neue Wochen- Zeitschrift unter dem Titel ״P a 1 e s t i n e Review“ zu erscheinen unter der Leitung von Elias F. p s t e i n, dem ehemaligen Generalsekretär des Keren Kajemeth Lcjisrael. Ein Krankenhaus in Chederah Am 3. Mar/ fand in Chederah die Eröffnung des n e u en Kr a!1 k 111 h 3 u s c s unter Beteiligung von Vertretern der Regierung, des Gesundheits-Departements, der Moscbawah, der ITistadruth, der Krankenkassen sowie samtlieber Institutionen von Chederah und Umgebung statt. Die leitenden Aer/te Dr. Rosen husch (früher Naugard in Pommern) und Dr. Hof st ein (früher Oppeln, O.-S.) begrüßten mit hebräischen Ansprachen die zahlreich erschienenen (Liste und betonten die Notwendigkeit des Krankenhausbaties für das ganze Schomron. Auch in den Begrüßungsreden der Gäste kam die Freude und die Genugtuung zum Ausdruck, daß dieses neue Werk geschaffen wurde. Der Bau des Beth Cholin! ist auf die Initiative von Frau Susmanowitscli zurückzufuhren, die zusammen mit Dr. Rosen hu sch den Bau leitete. Dr. Hof st ein und Frau, die in Deutschland Besitzer einer großen Privatklinik waren, haben die Inneneinrichtung ausgeführt. Frau Hofstein hat die wirtschaftliche Leitung übernommen. Das Krankenhaus steht auf einem Grundstück von vier Dunam und besteht aus einem Hauptgebäude und zwei Nebengebäuden. Im Hauptgebäude sind sämtliche Behändlungs- und Wirtschäftsrüijmc sowie die Krankenzimmer unterfebracht. Der rechte Flügel enthält die Behandlungszimmer, estehend aus dem aseptischen Operationssaal, (lern Entbindungs/immer, dem Zimmer für physikalische Therapie, dem Röntgcn/immcr und dem Laboratorium. Im linken Flügel sind untergebracht der F.nipfangsraum, das Arzt/immer, das Scinvesternzimmcr und die Küche, sowie ein Kuchenraum zur Vorbereitung der Speisen. Lin elektrischer Speisenaufzug befördert das Ls-h-11 für die Kranken direkt aus der Küche in das obere Stockwerk, in dem sich die Krankenzimmer befinden. Es sind 10 Krankenzimmer vorhanden, in den Räumen der lii. Klasse stellen 3 4 Betten, in denen der H. Klasse 2 Ketten, die Zimmer der I. Klasse sind Einzelzimmer. Von eine! Belegung der Zimmer mit mehr als 4 Kranken ist dem Charakter einer [>1 ivatklinik entsprechend Abstand genommen worden. Für Mitglieder der Kup.ith Cholim und der Kupath Cholim ai’Kimitit sind besondere Vereinbarungen getroffen worden, gemäß denen Ermäßigungen gewährt werden. Aufnähme linden Kranke mit chirurgischen, uralogischen und orthopädischen Leiden (auch Kinder), Frauen zu Gehurten und mit Fz:1:u •ihäden und Kranke mit inneren Leiden. Patienteil mi; an-gee!,enden Krankheiten weiden nickt aulgenommen. Aile Zimmer im Hau-e sind groß und luftig. Jede- Zimmer hat eine gegen Sonnenstrahlen geseliid/te Veranda. Besonders schön und groß ist das Säuglings/immer, das ebenfalls mit einer großen Veranda verseilen und gegen Sonne geschützt ist. so daß die Säuglinge im Sommer direkt aus dem Zimmer mit ihren Ikdtcheii ins Freie getragen werden können. Das ganze Haus!st mit Schiebefenstern versehen, die, wenn .־de geöffnet sind, mit 1 )rahtga/e geschlossen werden. Heim flau des I Luises ist besonderer Wert auf gute fhtreldultiing der Zimmer und Abhaltung direkter Besonnung gelegt w״rd<!!. Die 1 arben ries ganzen Hauses sind für pnlästincn-ische Verhältnisse besonders gewählt, es sind nur milde Tönungen in blau und grau verwandt worden. Das Haus ist mi; einem schrägen Ziegeldach gedeckt, das im Winter die Kalte und im Sommer die Hitze abhrilt. Eine Haustclcphonanhee verbindet alle Stationen und Betriebsräume untereinander. Ine Au-siattung der Krankenzimmer besteht aus Staiilmöbcin. In allen Krankenzimmern und den Operationssälen ist eine moderne Lichtsignalanlage angelegt. Dr. H. Holstein Eine Neugriindung. Vor kurzem ist, wie wir erfahren, von der El ler ns Bank Ltd., Tel-Awiw und Haifa, die Ge- Seilschaft ״A 1 i j a 11“ Ltd., Tci-Awiw, Rothschild Boulevard 3 m, gegründet, worden. Die Alijah Ltd. widmet sich dem Realkredilgcschäft. Sie hat sieh insbesondere die Aufgabe gestellt, die in Palästina bisher wenig zur Einführung gelangte ,,z w eite H y p o 111 c k“ zu propagieren und in Ver- Bindung damit Fin/aiilerti und Vormerkern der Transfer- Sonderkonten von der Alijah Ltd. sorgsam vorgeprufte zweitstcliige Hypotheken auf wertvolle städtische Neubauten in Palästina anzubieten. Die Transferierung des für diese Hypotheken zur Verfügung gestellten Reichsmarkbetrages erfolgt im Umfange des Wertes der für die Neubauten aus Deutschlana zur Einführung nach Palästina gelangenden Baumaterialien. Die von der Alijah vermittelten Hypotheken sollen so beschaffen sein, daß die Einwanderer mit einer schnell beginnenden Verzinsung und Amortisation der Hypotheken rechnen können. Von der Alijah Ltd. durchgeführt wurde u. a. auf dieser Basis das Bauvorhaben der ״Kupat Am Bank“, Tel-Awiw, bei dem es sich um die Errichtung eines Gebäudekotnplcxes mit 600 Zimmern handelt. Die Alijah Ltd. hofft, daß durch die von ihr geschaffene Einrichtung nicht nur die Einordnung der jüdischen Einwanderer aus Deutschland wesentlich erleichtert wird, sondern daß gleichzeitig eine günstige Beeinflussung des palästinensischen Baumarktes durch Schaffung neuer Firianzierungsmüglich- Leiten eintritt. Das Hebräische Seminar der H. O. G. in Tel-Awiw Das Hebräische Seminar der Hitachduth Olej Germania, Tel-Awiw, hat sein zweites Semester, wiederum unter der Leitung Jaakow Sandban ks, beendet. Ermutigt durch die Erfahrungen des ersten Semesters, hatte die Seminarleitung ihr Arbettsprograrnm nach mehreren Richtungen hin bcträchtlich erweitert. Gewiß sind noch keineswegs alle Probleme endgültig gelöst, die sich aus der Zielsetzung der Seminararbeit — Aufbau einer Volkshochschute zur Einordnung der neuen Alijah in hebräische Sprache und jüdisches Kulturgut — ergeben. Aber die junge Institution ist auf ihrem Wege ein gutes Stück weitergekommen und die erste Versuchsperiode darf in gewissem Sinne als abgeschlossen gelten. Der gesamte Lehrplan wurde wiederum von einem leitenden Gedanken beherrscht: Vervollkommnung der Kenntnisse von Land und Volk. Innerhalb dieses Rahmens aber wurde die Auswahl an Themen beträchtlich erweitert Insgesamt wurden neun Kurse gegen fünf im vorigen Semester durchgeführt. Da außerdem die Dauer des Semesters, die im Sommer nur gute zwei Monate betragen hatte, auf vier Monate heraufgesetzt wurde, ergab sich schon rein technisch die Möglichkeit zu einer Intensivierung und Spezialisierung der Arbeit. Jaakow׳ Sandbank gab, gewissermaßen in Fortsetzung seines vorigen Kursus, einen weltgeschichtlichen Ueberblick über die Entwicklung des jüdischen Volkes von der Austreibung aus Spanien bis zur Epoche des Chassidismus, l)r. Percikowitz eine Darstellung der neueren hebräischen Literatur mit gemeinsamer Lektüre ausgevvählter Kapitel aus den Werken von Mendele Mocher Sefarim und Bialik; Bras- 1 a w s k i führte seine Hörer in einer Serie von Lichtbilder- Vorträgen in Landes- und Volkskunde Erez Israels ein, Nachum L e w i n erläuterte den klassischen Stil der hebräischen Sprache an Stellen aus Tenach und Mischnah, während der eigentliche Tenach-Kursus in Händen von J. Hen lag und Dr. Landau niit seinen Hörern Kapitel aus der Agadah-Auswahl Bialiks durcharbeitete. Waren diese Dozenten und diese Thcmeiikreise schon im vorigen Sommer vertreten gewesen, so wurde diesmal das Programm noch weiter nach der soziologischen Seite hin ausgebaut. Es wurden Kurse hinzugefiigt, die näher an die konkreten Gegenwartsfragen des jüdischen Palästina heranführten. So behandelte Michael Assaf in zwölf Vorlesungen die Grundlagen der arabischen Bewegung und Gerda Luft die verwi ke'ten Zusammenhänge der englischen Nachkriegs- Politik im Vorderen Orient, wahrend Dr. H o r o w i t z in einem Kurzkur.-us die wirtschaftlichen Koiijunkturfrageii Palästiiias Uarstellte. Es ist klar, daß sich in jedem dieser Kurse eine besondere, der Eigenart des Themas, des Dozenten und der Hörer Ein interessantes Druckerzeugnis Das dieser Tage erschienene T o u r i s t e n h e f t des ״P a 1 e s t i n e N Middle East Economic M a g a - z i n c“ der Mischar w’Taasia Co. verdient deswegen ganz besonders hirvorgehoben zu werden, weil es sich hier um eines der bisher vollendetsten palästinensischen Druckerzeugnisse handelt, das vor allem durch seine bildliche Ausgestaltung ein Kunstwerk von bleibendem Wert darsteiit. Schon das Titelbild, der große Kopf einer Chaluzah, eine Aufnahme von Heltttar Lcrski, ist von so bestrickender Wirkung, daß man sich dem Eindruck dieses die Kraft, den Willen und die Zuversicht versinnbildlichenden Typus nicht entziehen kann. Noch einmal begegnen wir in dem Heft einer dieser Lerskischen Großaufnahmen, in der als Gegenstück zu dem weiblichen Typ der Kopf eines jungen Pioniers der ländlichen Aufbauarbeit erscheint. Schot! allein diese beiden Aufnahmen würden genügen, um dem I left seine künstlerische Note zu geben. Daß Lerski einer unserer bedeutendsten Photogranhcn ist, der cs versteht, die Kamera zum Ausdrucksmittel einer besonderen Kunst zu machen, haben wir s. Zt. anläßlich der Besprechung seines I ilnnvcrkes ״A w oda 11“ hervorgehoben. Hier erscheinen nochmals einige Sonderatifnahmen aus dem Film: eine Traubenrebc, die so plastisch wirkt, daß wir die ein- /einen Beeren fassen zu können glauben, und die wundervolle Gestalt des schnciigcstrafftcn Arbeiters, der mit der ganzen Konzentration seines zähen Willens den Hebel der riesigen Bohrmaschine bedient. Neben Lerski wetteifern in dem Heft, das in der vorz(!glichen Druckausführung der Palestine Publishing Co. in Tel-Awiw die unmittelbare Wirkung der Photographie zur vollen Geltung kommen läßt, die Photographen Kluger und V o r o b c i c h i c. Kluger stellt neben einigen Landschaftsbildern und Photomontagen einen Apfelsinenzweig in greifbarer Naturtreue dar, Vorobeichic ebenfalls die Figur eines die Scholle bearbeitenden Jünglings und zwei einentsprechende Unterrichtsmethode entwickelte. Die größere Zeitspanne, die diesmal zur Verfügung stand, ermöglichte es in manchen Fällen dem Dozenten, gemeinsam mit seinen Hörern neue Methoden zu suchen und m erproben. Von der intensiven Arbeitsgemeinschaft im kleinsten Kreise bis zum überfüllten reinen Vortragskursus waren nahezu alle Spielarten vertreten. Allerdings ist auch diese pädagogische Systemfrage noch nicht endgültig gelöst. Bei einer Kritik der Teilnehmer, die in Form eines Aussprache-Abends unter Leitung Sandbanks gegen Schluß des Semesters stattfand, kam bei manchen Seminar-Mitgliedern ein gewisser Zwiespalt zwischen sachlichcm und sprachlichem Fortbiidungsstreben zum Ausdruck. Es wurde mehr Gelegenheit zu eigener Betätigung in Wort und Schrift gefordert, nicht nur,' um tiefer in die Sache einziidringen, sondern namentlich um sich im Gebrauch der Sprache zu üben. Irn allgemeinen aber wurde auch bei dieser Gelegenheit der von der Seminarleitung eingeschlagene Weg bestätigt. Denn es ist selbstverständlich ein ganz bestimmter Kreis von Menschen, die sich gerade in diesem Seminar ztisnmmenfinden. Das gebildete Bürgertum mittleren Alters stellt einen hohen Prozentsatz der Teilnehmer, also gerade diejenigen Kreise, die sonst, namentlich in der Stadt, sehr stark zur Vereinzelung neigen und deren kulturelle Erfassung auf Grundlage d«r hebräischen Sprache hier wohl zum ersten Male in nennenswertem Umfang gelungen ist. Viel trug dazu bei, daß sich das Seminar, trotz älter geistigen, organisatorischen und finanziellen Schwierigkeiten durch die Stetigkeit und Regelmäßigkeit seiner Arbeit sowie durch den relativ großen Kreis der erfaßten Teilnehmer zu einer festen Institution entwickelt hat, von der man in den in Betracht kommenden Kreisen spricht, in der man sich trifft, und die schließlich einer Kerntruppe von besonders treuen und eifrigen Mitarbeitern langsam ans Herz zu wachsen beginnt. Die straffe Zusammenfassung des Lehrplans, der innere Zusammenhang der gesamten Seminararbeit hatte zur Folge, daß im Durchschnitt jeder der 300 eingeschriebenen Mitglieder (das sind doppelt so viel wie im vorigen Semester), zwei Kurse belegte, also mindestens zwei Stunden wöchentlich im Seminar verbrachte. Auch dieser Umstand führte zu stärkerer Verbundenheit des Einzelnen mit der Seminararbeit. In gleicher Richtung wirkte eine weitere Maßnahme, die in diesem Semester erstmalig durchgeführt werden konnte, ln größeren Gruppen kanten die Mitglieder, außerhalb des regu- Laren Programms, zu Sondervera 11 stait 11 ngen zusammen. So war ein besonderer Vortrag, der mit einer kleinen Ausstellung verbunden war, dem Hebräischen Ruch gewidmet, weitere Sondervorträge fanden statt zu den Gedenktagen der Dichter Mendele Mocher Sefarim und Saul Tsdmrnicnowski. Künstlerische Veranstaltungen, ein genuin ־amer Besuch einer Habimah-Vorstellung, der durch einen einführenden Vortrag vorbereitet wurde, ein geographischer-archnologisclier Studienausflug vervollständigten das ״Sonderprogratnm“. W. Düsterwald drucksvolle Illustrationen zu dem Bibelvers (Hiob 21, 24) ״Seine Gefäße sind voller Milch“, alles Bilder von hoher künstlerischer Vollendung, die das Heft zu einem wertvollen Bilderatlas gestalten. Der textliche Inhalt weicht auch insofern von dem der vorhergehenden Publikationen ab, da er den Besucher etwas abseits von dem der Touristik sonst Gebotenen führt und ihm einen tieferen Einblick in die hier wirksamen Kräfte bietet. Das heutige Palästina, auf das sich die Augen der ganzen Welt richten, ist nicht das Land der archKologisehen Forschungen und landschaftlichen Schönheiten, die so oft beschrieben und in Wort und Bild dargestellt sind; es ist vielmehr die Konzentration einer Kraft, die hier, wie nirgends sonst, zur Entfaltung gelangt. In Stadt und Land rühren sich tausend Kräfte, die von dem zähen Willen eines Aufbaugedankens getragen werden. Das neue Touristenheft, das den Besucher der Levante- Messe 1936 begleiten soll, will ihm diesen neuen Geist Palästinas in Wort und Bild vermitteln. Dr. Kar! Schwarz; Raubüberfail bei Nablus DNB. meldet aus Jerusalem: Kurz vor Nablus, etwa 25 km nördlich von Jerusalem, hielten am hellichten Tage drei maskierte und bewaffnete Räuber durch einen quer über die Straße Jerusalem—Haifa errichteten Steinwall zehn Autobusse, Lastwagen und Privatk raftwagen auf. Allen Reisenden wurden die Pässe und Wertgegenstände sowie das Geld abgenommen. Ein mitrelsender Polizist wurde nach heftigem Widerstand verwundet. Lediglich der Wagen des türkfschen Konsuls blieb verschont. Der ganze Ueberfall dauerte eine Viertelstunde. Die Polizei hat die Verfolgung mit Polizeihunden aufgenommen. (Schluß des Palästlna-Telfs)

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