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Jüdische Rundschau · 1936-03-31 · Heft 26 (31.3.1936) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 26 (31.3.1936)
Date
1936-03-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 iODISCHE RUNDSCHAU Nr. 26, 31. HL 1936 Assimilation und Dissimilation Von Dr. David SchloQberg diese Aufgabe sind große Mittel erforderlich, denn wir wissen, daß landwirtschaftliche Siedlung in der ganzen Welt die Anstrengungen der Allgemeinheit erfordert. Hierfür die Kräfte des jüdischen Volkes einzusetzen und die Mittel zu mobilisieren, über die es verfügt, ist die wesentlichste Voraussetzung für die Fortführung und Erweiterung der jüdischen Arbeit in Palästina und der jüdischen Einwanderung in das Land. * Natürlich soll darüber nicht die Bedeutung der politischen Faktoren, die als Voraussetzung unseres Werkes bestehen, unterschätzt werden. Die Erörterungen über die Frage der Schaffung eines Legislative Council in Palästina sind nicht verstummt. Nachdem in der vergangenen Woehe die große Debatte imUnterh a u s stattgefunden hat, kündigt nunmehr Lord Lot hi an, der bereits bei der Oberhausdiskussion über den Legislative Council hervorgetreten war, einen neuen Vorstoß i rn Oberhaus für den 2. April an, durch den ein Beschluß erreicht werden soll, wonach das Projekt beiden Häusern des Parlamentes vor seiner Durchführtmg vorzulegen ist. Diese Energie, die von verschiedeusfen Kreisen im englischen Parlament entwickelt wird, zeigt das große Interesse, das die Frage heute in der englischen Oeffentlichkeit findet. Es ist sowohl die Bedeutung Palästinas für das Schicksal des Britischen Imperiums, die hierin zum Ausdruck kommt, wie auch der Eindruck, den das schwere Schicksal vieler Millionen des jüdischen Volkes in England gemacht hat, und der Wunsch, dem Volke durch die Erfüllung der Mandatsverpflichtungen in Palästina zu helfen. In einer Welt, in der aktive Hilfe für ein Volk seitens der Umwelt zu den Seltenheiten gehört, müssen wir dies um so mehr anerkennen und begrüßen. * An zwei Stellen wird augenblicklich über das weitere Schicksal wichtiger Gebiete des Vorderen Orients verhandelt. In Paris haben die Besprechungen mit der s y 1־ i s c 11 tu Del e g a t i o n begonnen, die vorerst allerdings nur halboffi/ielier Natur sind, aber ohne Zweifel in der Richtung eines Entgegenkommens Frankreichs den syrischen Wünschen gegenüber verlaufen werden, und in K a i r o tagt eine e 11 g 1 i s e 11 - ä g y p t i s c 11 c Konferenz. Wie es scheint, sind die Verhandlungen in Kairo auf erhebliche Widerstände gestoßen, und zwar teilweise in bezug auf die militärischen Probleme und ferner im Hinblick auf das Schicksal des Sudan, der für England von größter wirtschaftlicher und politischer Bedeutung ist, während andererseits der Beherrscher des Sudans die ägyptische Wasserversorgung kontitdliert und dadurch zugleich eine indirekte Oberhoheit über Aegypten ausübt. Wir Juden sind naturgemäß aufs stärkste daran interessiert, daß alle Faktoren eliminiert weiden, die eine Störung des Friedens im Vorderen Orient mit sich bringen können. Aus diesem Grunde verfolgen wir die Verhandlungen, die jetzt geführt werden, mit größtem Interesse und können nur wünschen, daß sie für die beteiligtem Parteien zu Ergebnissen führen, die ihren Interessen gerecht werden, und daß sie so das Gleichgewicht der Kräfte stabilisieren. Wie in der gesamten Welt so zeigt sich auch hier das vitale Interesse des jüdischen Volkes an der Sicherung des Friedens. * Während diese Zeilen in Druck gehen, vollzieht sich in Jerusalem ein Ereignis, das über seine lokale Bediütimg hinaus einen symbolhaften Wert hat: Wir nieinen die Eröffnung der Radiosenders in Jeru- Salem. Der technische Fortschritt, der sich in der gesamten Entwicklung; Palästinas seit dem Kriege ankiindigt, hat damit auch ein Gebiet erreicht, das für die breiten M.׳wxc:1 der Bevölkerung von besonders großem Interesse Et.!)!•ן- R 11 n d f u n k hat sich, in den meisten Ländern 11 er Weit als ein wichtiges Mittel der Volkser/Eliuug und 1.׳er Propaganda erwusen, vermag er doch in die entferntesten Teile des I.;indes zu dringen und zu jedem in der Sprache zu sprechen, die er versteht und die ihm ans Herz geht. Das ist besonders wichtig in einem Lande, in dem ein erheblicher Teil der Bevölkcrung aus Analphabeten besteht und daher der Presse und dem Buch ohne die Möglichkeit engerer Verbindung gegeniibersteht. Wir hoffen, daß der Sender in Jerusalern seiner Aufgabe gerecht werden wird. Sic ist ja eine eigenartige schon deshalb, weil das gesprochene Wort, das von der Heiligen Stadt au•־geht, in der Welt besondere Aufmerksamkeit finden wird und daher seinem lnhalt nach mit besonderer Verantwortung ausgewählt sein sollte. In diesem Sinne scheint es uns ein gutes Symbol, wenn bei der Eröffnungsfeier u. a. Stellen aus dem ״Hohen Lied“ vorgetragen werden. Aber nicht nur diese menschheitiiehe Bedeutung Jcrusalenis sollte in diesem Zusammenhänge zum Ausdruck Kommen; noch etwas weiteres könnte von der neuen Institution ausgehen: Hier ist eine Gelegenheit wie selten eine, um zu der Verständigung zwischen den Völkern Palästinas beizutragen. Der Sender ist naturgemäß dreisprachig, um allen Bewohnern des Landes etwas zu sagen. Aber wir glauben, daß in den r.ationalen Sendungen nicht allein davon die Rede sein sollte, was die eigene Volksgruppe an geht, sondern daß man auf diesem Wege auch etwas vom Leben und von der <ultur des andersnationalen Nachbarn erfahren müßte. סר könnten die Juden Palästinas in einen gewissen Kon- :akt mit dem arabischen Leben kommen und umgekehrt die Araber des Landes mit der Kultur und Jem Werk der Juden eine geistige Berührung finden. Es kommt neuerdings immer häufiger vor, daß sich Gruppen und Organisationen der Juden in Deutschland auf Tagungen und in Verlautbarungen entschieden dagegen verwahren, als ״A s s i m i l a n t e n“ bezeichnet zu werden. Ob auch fi'ir die Vergangenheit mit Recht, in der eine Assimiiation noch möglich war, bleibe hier unerörtert. Bedeutsam schon als Symptom: Niemand will es gewesen sein. Deshalb ist es vielleicht nicht überflüssig, den Begriff der Assimiiation einer erneuten Klärung zu unterziehen. Wenn wir Zionisten — und wir befinden uns dabei zur Zeit, es ist schon erwähnt, in Gesellschaft der weitesten nicht/ionistischen Kreise wenigstens der Judenheit Deutschlands — die Assimilation als eine ethisch und jüdisch zu bemängelnde Erscheinung ablehnen, so kann darunter wohl nicht die natürliche, stetige, fast unmerklich und unbewußt sich vollziehende Anpassung verstanden sein, welche ״für jede nationale oder kulturelle Minderheit, die zerstreut innerhalb einer andersnatiouaien Mehrheit wohnt, eine natürlich bedingte, zwangsläufige Tatsache ist, die sich jeder ethischen Bewertung entzieht“ (Böhm, ״Die Zionistische Bewegung“ 1935 S. 16׳). Diese Anpassung wird von Böhm, wie mir scheint, nicht ganz glücklich, ״die Assimilation als geschiehtliehe Tatsache“ benannt, denn jede Assimilation als wirkende Kraft oder zur Wirksamkeit gelangt ist eine geschichtliche Tatsache. Aber auch die bewußte, ja programmatische Assimilation ist nicht stets ein vom nationalen Standpunkt minder zu bewertender Vorgang. Als im Jahre 1868 der junge Kaiser Mutsu-hito das bis dahin fast völlig abgeschlossene J a p n n abendländischen Einflüssen öffnete, als er entschlossen die Balm der Modernisierung für sein Volk betrat, geschah das gerade um der nationalen Selbstbehauptung Japans willen, aus der Erkenntnis, daß Japan nur mit den Waffen Europas diesem gegenüber sein Eigendasein würde bewahren können. Selbstverständlich schafft die Aufnahme fremder Eitirichtungen, Gedanken und Kulturelemente, auch wenn sic mit durchaus gegenteiliger Tendenz erfolgt, leicht die Gefahr, die ererbte Seelen- und Kultursubstanz des aufnehmenden Volkes zu verwandeln und zu verfälschen. Noch ist nicht die Zeit zu einem abschließenden Urteil darüber gekommen, ob das große Experiment Japans wirklich den Erfolg haben wird, dessen angestammte Eigenart aufrecht zu erhalten und organisch zu entwickeln oder umgekehrt den, sie von innen her aufzulösen; doch jetzt schon ist es klar, daß dieser Assimilationsvorgang einen ganz anderen Charakter trägt als das, was wir in der jüdischen Welt so bezeichnen und ablehnen. Eine natürliche und gesunde Assimilation einerseits, eine unnatürliche und darum ungesunde auf der anderen Seite י— ich möchte dafür die von dem Psychologen Jung in anderem Zusammenhänge geprägten Termini ״Anpassung“ und ״Einpassung“ wählen — unterscheiden sich also noch nicht dadurch, ob sie unbewußt oder bewußt, von ungefähr oder mit einer bestimmten Absicht, einer Tendenz, erfolgen, sondern dadurch, mit welcher Tendenz sie statthaben, mit derjenigen der Selbsterhaltung oder der der Selbstauflösung. Bezeichnend ist, daß in der Physiologie unter ״Assimilation“ der Aufbau der lebendigen Substanz durch Aufnahme fremden Stoffes und seine Umwandlung in arteigenen Stoff verstanden wird. Absicht und Wirkung, Tendenz und Erfolg brauchen nicht iibereinzustimmen. Die Aufnahme fremder Werte zum Zwecke der Kräftigung der eigenen Substanz kann das Gegenteil bewirken, umgekehrt kann auch eine mit der Tendenz des Sichvcrlierens an Fremdes erfolgende Assimilation infolge der Stärke der eigenen Substanz ungewollt deren weiterer Festigung dienen. So hat die H a s k a I a auch da, wo sie echt assimilantisch war, vorwiegend die Renaissance des Hebräischcn gefördert. Aehnlichcs ist in der Entwicklung des modernen Indien zu beobachten. Im Gegensatz dazu war im letzten Jahrhundert die jüdische Substanz der Westjudenheit so schwach geworden, sie hatte sich so sehr in eine blasse Gedankliehkeit und bloße Gefühlssphäre verflüchtigt, daß sie der geballten nichtjüdischen Wirklichkeit, der sie täglich ausgesetzt war, nicht widerstehen konnte. Auch nur der Gleichgewichtszustand ״Deutschtum und Judentum“ wäre da nicht ohne bewußte Beschwerung des Jüdischen zu halten gewesen. Das Unterlassen einer solchen Beschwerung war deshalb bereits gefährliche Assimilation. Eine Assimilation, soll sie nicht Wunsch bleiben, ist nicht möglich ohne eine gewisse Bereitschaft — das Jawort — auch des anderen Teiles. Diese Geneigtheit der Umweit, die Juden aufzunchmcn, ja aufzusaugen, ist auch in der mit der Emanzipation einsetzenden jüdischen Assimilationsperiode mannigfach festzustellen. Am ungeschminktesten und radikalsten kam sie wohl in dem vom Fürsten Lynar im Vereinigten Preußischen Landtage bei der Beratung des Judengesetzes gesprochenen Worte zum Ausdruck: ״Ich möchte das Judentum beseitigen, aber ich wünschte, es mit den Waffen der Liebe zu vernichten,“ ״Judenfreunde“ und ״Judenfeinde“ waren sich in dieser Tendenz lange einig. Die einen verlangten Nachsicht und Duldung für die Juden, damit sie allmählich ganz Deutsche werden könnten, die anderen bekämpften sie, weil sie es noch nicht geworden wären und an ihrer Sonderart so zäh festhielten. Es ist. ein wenig beachtetes, aber nicht unwichtiges Entartungszeichen des assimilantischen Judentums, wie billig es den Ehrentitel eines ״J u d e n f r e 11 n d e s“ vergab. Es nannte so zumeist Persönlichkeiten, die Juden ihre menschliche Achtung nicht versagten, obwohl sie Juden wären, und die den Untergang des Judentums wünschten. Erst dem Zionismus gelang cs, wieder echte Freunde des Judentums zu werben, die dessen Erhaltung und Entwicklung unterstützten und Juden gerade in dieser Eigenschaft und nicht unter Abstraktion davon wertschätzten. Von allen ethischen und sonstigen Einwänden abgesehen, halten wir eine Assimilation der Juden im Sinne ihres völligen ja über die Grenzen Palästinas hinaus könnte das Wort der Juden zum arabischen Volke in seiner Gesamtheit gehen. Diese Funktion des Jerusalemer Rundfunks auszubauen, wird eine Aufgabe aller daran arbeitender Kreise und nicht zum wenigsten auch der Mandatsregierung sein. L. Aufgehens in die Mehrheitsnationen im großen betrachtet auch für unmöglich. Fast jede Assimilation nennenswerteren Umfanges zieht früher oder später die Ausgliederung, die ״Dissimilation“, nach sich. Wie die Assimilaton von Völkern oder Volksgruppen nicht nur von deren eigener quantitativen und qualitativen Beschaffenheit (höherer oder niederer Schmelzpunkt), sondern auch von der gesamten Struktur und jeweiligen Situation des Volkes, an das die Assimilation erfolgt, abhängt, so noch mehr gilt dieses von dessen Ocgenreaktion auf die erfolgte Assimilierung. Bei dem einen Volke bedarf es dazu viel tiefergehender sozialer oder politischer Krisen als bei dem anderen (verschiedener Reagenzpunkt), das Phänomen wird dadurch wohl komplizierter, aber es bleibt im Grunde das gleiche. Dieser Tatbestand wird sehr treffend durch eine Bemerkung von Victor Jacobson beleuchtet, die in einer Erinnerung an ihn in J. R. 80/1934 wiedergegeben ist. Jacobson fuhr mit einem jungen Juden aus Deutschland durch die sommerlichen Straßen von Paris. Sie verließen den Wagen vor dem Palais Bourbon, wo sich eine riesige Menschenmenge angesammelt hatte. Extrablätter wurden atisgerufen und verteilt. Das Kabinett Herriot war gestürzt, Poincarö wieder zur Regierung berufen worden. Die Menge brüllte ״A bas Herriot!“ und johlte ״Vive Poincare!“ Plötzlich fragte Jacobson seinen jungen Begleiter ganz leise: ״Riechen Sie etwas?“ Dieser verneinte ganz, verwundert. ״Riechen Sic nicht, daß diese Menge, wenn die Krise noch ein wenig steigt, und wenn nur einer beginnen wird, wieder ״Mort aux Juifs“ rufen wird, wie in den Tagen von Dreyfus?“ In dem Verhältnis der nichtjüdischen Bevölkerungsmehrheit zur jüdischen Minderheit lösen die aufsaugenden und die ausstoßenden Tendenzen einander ab, doch meist in allmählichen l'ebergäiigen, so daß nur die vorwiegende Tendenz sich ändert, während die andere, doch schwächer, daneben fortbestehen bleibt. In den Ghettozeiten des Mittelalters genossen nicht nur einzelne Juden eine bevorzugte Stellung, sondern fand allgemein die Ausnahmebehandlung der Juden mit ihrer Taufe ein Ende. 111 den liberalsten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts waren den ungetauften Juden in Deutschland breite Sphären des öffentlichen Lebens verschlossen. Der Zar Nikolaus I. von Rußland hat eine folgerechte und radikale Dissimilationspolitik den Juden gegenüber betrieben, gleichzeitig schuf er aber die Einrichtung der Kantonisten, führte er die massenweise Aushebung von Juden in jugendlichem und kindlichem Alter zum Militärdienst, ihre Trennung von ihren Familien mit dem Ziele ihrer Uebcrführung in die rechtgläubige Kirche durch. Der russische Minister Plehwe hat in der Unterredung mit Herzl die Auswanderung der russischen Juden begrüßt, aber ausdrücklieh davon gewisse Schichten ausgenommen, die assimiliert werden könnten und sollten. Upd Pobjcdonoszew hat in seinem berüchtigten Plan zur Lösung der Judenfrage (״Un tiers crevera, un tiers emigrera, un tiers se convertira“) diese zu einem Drittel durch Assimilation lösen wollen. Der dauernde Wechsel von Assiinilations- und Dissimilfcr» tionsperioden darf Juden nun nicht in einen Fatalismus ver* locken, der da sagt: ״Es wird sich schon wieder ändern. Die Assimilation kann uns nicht vernichten, da sie schon rechtzeitig von außen her gebremst werden wird, die Dissimilation kann uns nicht tödlich treffen, da sie in dem ewigen Auf und Ab unserer Geschichte ihrem Gegenspieler Platz machen muß.“ Dieses Wiegen- und Wogenlied klingt betörend, ist aber falsch und verderblich. Die Zeiten der Dissimilation pflegen viel länger als die der Assimilation zu währen, sie führen zu jüdischen Wanderungen, die alle Verhältnisse der Judenheit verwandeln, und es sind ganz andere Teile derselben, die nach Generationen und Jahrhunderten einmal dort aufgenommen werden, wo andere Juden einst verstoßen worden sind. Und wenn auch die Assimilation nicht zu einem völligen Untergang des Judentu ms führt, Teile derselben gehen doch immer wieder zu* gründe. Die Assimilationsncigung (der nichtjüdischen Bevölkerung) kann in den tieferen Schichten des Volkscnipfindens schon dem Gegenteil Piatz gemacht haben, ohne daß sich das in äußeren Maßnahmen und Einrichtungen bereits als wirksam zu äußern braucht. Während das Judentum Deutschlands in den ersten Nachkriegsjahren glauben mochte, in den Vollbesitz der bürgerlichen und politischen Gltichberech״ tigung zu gelangen, war die deutsche Volksstimmung schon eine dem denkbar abgeneigte. Die Assimilationswelle hatte sich bereits überschlagen, nur ihre letzten Spritzer trafen noch die Juden, die glaubten, von dieser Weile getragen zu werden. Nur das kann als eine ernsthafte Lösung der Judenfrage betrachtet werden, was diesen beiden Diasporagefahren begegnet: durch die Assimilation als Gemeinschaft aufgelöst oder durch Dissimilation ausgestolien zu werden. Lösung ist nur, was den Juden die Möglichkeit gibt, unter Wahrung ihrer Eigenart und bei Erhaltung ihrer eigenen Gemeinschaft ein Leben mit den Völkern zu führen. Kein Vorwurf kann weniger gerechtfertigt sein als der von jüdischen Gegnern gelegentlich dem Zionismus gemachte, er wollte die Juden ins ״Ghetto“ zurückführen. Nein, das müßten eigentlich die Juden wollen, die eine Erhaltung des Judentums, doch ohne Palästina, erstreben: Eine solche Erhaltung wäre nur in einem Ghettodasein denkbar, wie es die Juden Jahrhundertelang bis zur Emanzipation geführt haben, wobei dahingestellt bleiben muß, ob ein solches Ohcttodasein heute überhaupt noch möglich, wäre, vor allen Dingen ohne die kraftgebende Hoffnung auf eine endliche Heimkehr. Der Zionismus will das gerade Gegenteil des Ghettos, ein lebendiges Anteilnehmen des Judentums an den Kulturwerten der Völker, doch in freier Haltung, ohne sich daran zu verlieren, ohne Aufgabe des jüdischen Eigenwertes und dessen Entwicklung und ohne dabei als Gemeinschaft zugrunde zu gehen. Das aber ist nur möglich in einem freien nationalen Dasein des jüdischen Volkes im eigenen Land. llauptschriftleiten Dr. Robert Well sch, Berlin Charlottenbarg 8 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter! Kurt i. o e w c 1111 e i n. Berlin W 15. Amcigenieitcr und verantwort lieh für den Inhalt der Anzeigen: Hermann F i n n, Berlin W 16, Gültig Anieigcn-Prcisliste 4 vom 15. Oktober 1935. Verlag und An• reigenverwaltung! Jüdische Rundschau, Berlin W 15. '1 imkisir 10. D.-A. Februar 36 837. — Druck: Siegfried Scholem, Bin.-Schöneberg. ♦ 1

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