Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1936-03-27 · Heft 25 (27.3.1936) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 25 (27.3.1936)
Date
1936-03-27
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2651273-2653922-2653948--28524-2690010
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr 25, 27. III, 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 17 DER JÜDISCHEN RUNDSCHAU ״Sdiir Temani“ — Jemenitisches Lied Ch. Winawer Nachdrudc ▼erboten Alle Rechte Vorbehalten Esefya/a Eic.fyimj/j.a-fa jrfyetrmm Je.s.tofj’e.ru im je ■eaief «. r* Etclfa. Id ~ Elo.?pint J f - d . Sa Jcfy'M" - Jim. m * - SS*f *re - ri* _ . Jim — ,,, t r<* . m#r* ^pnÄinii E$= eifern t j e . -dfof .re. ru . -ji>- °J °J °j 7*׳׳־ - - lr’ i?)e. rra - . קת? blbC «4t . zv.j /#> maJanot r& ״ ci/a., man ra -elfem na__/e ra . elf <3 . man ra efyem. . mtt. da not fch erflehe, Gott: ER möge erlösen die Gefangenen, ER möge einsammeln die Verstreuten, Barmherziger, Erbarmen! אשאלה אלהים: יג>.לה שבויים׳ יאסף זרויים! רחמן׳ רחם! Wir werden hinaufziehen mit Gesängen, Und mit Liedern auf unseren Saiten, Wir werden hinaufziehen mit Opfergaben Barmherziger, Erbarnum! נעלה ברננות ובשיר על נגינות׳ נעלה מעדנות רחמן׳ רחם! ־ Diese kleine jemenitische Melodie hat der bedeutende jüdische Komponist Alexander Krayn seiner musikalischen Bearbeitung des Pinskischcn Theaterstückes ״Majchmli Hanizchi״) •׳Der ewige Jude״) zugrunde gelegt. Tr hat sie gesteigert und ausgebaut; im letzten Akt lallt er das Volk diese Weise singen, gedehnt unisono, von Blechinstrumenten begleitet. ״Haiehudi Hanizchi“ gehört neben dem ״Dybuk“ zu den Haupterfolgen im Repertoire der ״Habitnah“. Die groilartige Schauspielkunst von Ghana Rowina erreicht in ״Der ewige Jude" außergewöhnliche Höhepunkte. Wer einmal die Szene erlebt hat, in der sie die Zerstörung Jerusalems beklagt, wird sie nie vergessen können. Aller Jammer und alles Elend, die seit der Zerstörung Jerusalems über das jüdische Volk hinw?KRcßangen sind, leben in ihrem Spiel,!111 Klang ihrer Stimme und ihrer hingebungsvollen Gebärde. ln der Bearbeitung von Kravri ist der originale Charakter der jemenitischen Melodie bewahrt geblieben, trotz, der eigenen Note, die er ihr verlieben hat: dem Gemisch von Klage und Trost. G h em jo W 1 n a w e r MHIMlUillllllllllllllllllllilimilMllllIlllllltllllMlIflllMillinmitlllllllltilUliUllllllllllllMMiltlllimillillllltNllllIlllllIlllllllllllllll Juden und Jüdisches iin Rundfunk Freitag, 27• März: Straßburg (349), 19.45: Schallplatte■11 ,״. a. Jehudi Mcnuhiu. — Paris P.T.T. (431), 20.38: Offenbach: ,,Hoffmanns Erzählungen“; 21: Vortrag über Offenbar!!. — liilvernimll (302), 20.55: U. a. Mendelssohn. -— Brüssel (fraru., 484), 22.15: Saint Saens: ,,Samson und Dalilo“. — Straßburg (349), 22.15; ״Die Insel TuUpaian“, Oper von Offenbar!!. Sonnabend, 28. März! Süäßlmig (349), 14.10: U. a. Conradi: ״Offeribarhiana“, Weil!: ״!)reigiosrlicnopei“. — Wien (506), 13.15: Schaliplatteu, Goklmark; 14: U. a. Meyerbeer; 15.40: V, 0. Verdis .,Nebukadnezar“, Mos?,ko%vski, — Hilversum II (302), 21.25: U. a. Mendelssohn. — Radio Paris (1648), 21: Kla vierkonzert von I.iizareT.cvy; 23: U. a. Tomki.!: ,,lit’ßiäisi lies Lied". ״׳״־ Luxembürg (1304), 22.05: U. a. Milh.md. Sonntag, 29. März: Luxemburg (1304): liealrlce Waghaltcr singt hebräische und jiddische Volkslieder. — Ilrüsscl (484), 18.15: U. a. Milhaud. Montag, 30. März: Brüssel (484), 21: U. a. Mendelssohn. —- Luxemburg (1304), 22.05: Louis lievills: Per unbekannte Offen• bach. Soeben ist ein Jüdischer Musikalien-Katalog, bearbeitet und herausgegeben von Julius Sachs, erschienen (Jakob B. Brandeis Verlag, Breslau). Die fast 100 Seiten starke Zusammenstellung der vorhandenen jüdischen Musik und Musik von Juden aus vielen Ländern kommt den Forderungen jüdischer Programmgestaltung wie auch der jüdischen Hausmusikpflege und den Erfordernissen jüdischer Schulmusik entgegen. — Der Katalog berücksichtigt alle Musikgattungen vom Klavier, angefangen über Instruincntat-, Orchester-, Opern- und Chor- bis zur synagogalen Musik. rf*J SZENE. 7׳. AkT Der Komponist von ״Samson und Dalila“, Saint Saens, ist zwar erst vor 15 Jahren gestorben, aber das will nichts heißen in Hinsicht auf Stil und Ausdrucksvollen. Seine Haupt- Produktionszeit lag viel früher; schließlich ist er in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts geboren. 1877 läßt Liszt den ״Samson“ in Weimar urauffüliren; das war damals ein interessanter Beitrag zu zeitlichen musikalischen Problemen. Heute fallen diese Interessen weg, sie gelten nur für Histo riker von philologischer Haltung. Was bleibt dann noch übrig an rein musikalischer Substanz, an belebender Wirkung? Haß das Werk von einem Meister geschrieben wurde, der das Handwerk und einige Stile beherrscht, der zu instrumentieren versteht, von einem Musiker, der in der französischen Musikgeschichte einen Platz eimiimmt, das wird keiner leugnen. Aber damit ist unsere Frage noch nicht beantwortet. Es kommt doch nicht n u r auf den Stoff an, der der jüdischen Geschichte entnommen ist und uns das Geschick eines Einzelncn zeigt, der anarchisch seinem Willen nachgibt, ohne ihn auf den seiner Gemeinschaft aus/urichten (das wird in dem von I. c m a i r e verfertigten Textbuch prinzipieller dargestellt als im Buch der Richter); es kommt endlich doch auf die Qualität an, die mit üeschmacksfragen nichts zu tun hat. Der ״Samson“ ist ein epigonales Werk. Es ist klar, daß selbst der Stoff, um dessentwiiien man überhaupt zu ״Samson“ greifen kann, blaß bleibt und historisch im langwelligsten Sinne, wenn ihm eine Musik anhängt, die uns indifferent läßt, die uns nichts mehr als ״angenehm“ klingt. Die besten Teile von Saint Saens Werk liegen im zweiten Akt. Da gibt es ein paar aparte (auch zu süße) Lyrisrnen, von denen aus man Pruniere begreift, der sagt: ״Der Historiker wird eines Tages die Linie erkennen, die von Saint Saens über Gabriel Faurc zu Maurice Ravel führt.“ Aber im ganzen ist es ״Große Oper“; der ״Rienzi“ grüßt von fern. Das heißt hier (cum grano saiis): weite italienische Melismcn, aber ohne südlichen Schmelz, dann große Auftritte und Reden, d. h. Ansprachen, — und all dies pompös, fast immer ״großartig“, eben gefüllt von einer typischen Gloirestimmung. An allen diesen pathetischen Stellen herrscht eine Einfachheit und ״Eingängigkeit“ des Rhythmus, der Harmonik, der Me- Iodik, die knapp an der Trivialität vorbeikommt. Das jiidisehe Element wird einmal durch einen Chor jüdischer Greise angedeutet, die unbegieitet Melismen singen, die sich häufiger als in manchen synagogalen Gesängen im Gregorianischen Choral finden, — ferner durch ein konventionelles, sparsam orientalisches Kolorit, das sich in den Tänzen ausprägt. Die Aufführung hätte manches retten können. Mit Bi!hnenwirklingen, mit einem visuellen Umschmelzimgspro■cß vermag man unendlich viel. Regie hatte Kurt Singer. Er hatte die schwierige Aufgabe, die starren Massen mit ihren oratorienhaften Parten, die einfachen psychologischen Kontraste des Librettos auf der Bühne klar zu machen. Es scheint, daß man das nicht mit kleinen Zutaten und schmückenden Einfällen erreichen kann (grün beleuchtetes Gesicht der Daiila ULTUmW Auf pem 3, Akt: im dritten Akt, meiodiseh geschwungene Kränze von Dalilas Gefährtinnen, so manches Kostüm u. v. m.), dazu gehören doch bestimmt dramaturgische Dispositionen. — Der einzige Raum, der etwas von der Schablone abwicli, war der Kerker Samsons (Bühnenbild: Heinz, Gon de II); immer wurde — wie wenig fördernd für die Phantasie! — der Zuschauerraum in seinen Linien auf der Bühne fortgesetzt, d. h. alles frontal vor uns hingestellt. Es gab kraftlose Auftritte und Abgänge, und so wie der tote Abimclech ganz unköniglich in die Kulisse geschleift wurde, so gab es noch viel an leerer Gestik, das einen Zusammenhang, ein Verweben der Einzelheiten nicht entstellen ließ. Die' Buhne war fast die ganze Zeit in ein trübes Duukei getaucht; das Licht, als wichtigstes demonstratives Mittel, wurde nur zum Teil benutzt. So fehlte es z. B. am Ende des ersten Aktes, um auch Samson als Gegenspieler der werbenden Dalila erkennen zu lassen. Max M a n s f e 1 <1 konnte nicht im geringsten davon überzeugen, daß er ein i leid ist. Er hat noch nicht einmal die übliche Opernpose; so einfach ist es nicht, zu agieren, man muß das Gehen lernen, man muß sielt setzen können, 'trennen wir seine vokalen Aufgaben von seinen schauspielerischen. Er hatte ein paar strahlende tenorale Töne, die etwas hergaben. Die Stimme klang jedoch keineswegs immer frei. Die Dalila von Anna L i p i n hatte feurige dramatische Akzente und versuchte aus dem Kreis einer schemenhaften Charakterrolle heraus/ukonimen. Sie sang nicht mir — aber auch das mit großem Können und Erleben - sie bemühte sich um psychologische Motivierung, wobei ihr uatiirlieh der Partner fehlte, dem sie sicli entgegensetzen konnte. Der geheimnisvolle und fanatische Trabant eines fremden, heidnischen Glaubens war Walter Olitz.ki, — stimmlich ganz, anders als sonst, mit breiten, schön aasgesungenen Kantilcnen. Zu loben ist ferner Fritz. Lechner als alter Hebräer und alle übrigen wie Gerhard!*ec 1111er (Abimclech), Herbert G z e m p i n (Kriegsbote), Julius K u t 11 a n und Heinrich Szenenbild aus dem 3. Korn (Philister), die alle am rechten Platz standen. Solotanze: Rado, Hirsch, Silbermann, R. Condeil. Die gesamte musikalische Leitung hatte diesmal Berthold Sander. Er hat saubere und ■ehrliche Arbeit geleistet. Es wurde mit Wärme gesungen und schwungvoll musiziert, — und nicht nur die Chöre traten wie immer schlagkräftig hervor, sondern ebenso auch die Solisten, die präzis geführt wurden. I)r, Hans Nathan Jüdische Musiker in London London, Ende März Die drei Klavierabende, die Wladimir Horowitz in der großen Queen’s Hall kürzlich gab, ließen Stärken und Schwachen dieses geniale״ Pianisten deutlich erkennen. Wie Horowitz Chopin oder Liszt spielt, wird, abgesehen von aller Sensation einer ans Phantastische grenzenden Technik, wahrhaft zu einem künstlerischen Ereignis. Details über eine so vollkommene tmd in sich geschlossene Leistung erübrigen sich. Leider neigt Horowitz leicht dazu, diese Art seines brillanten, freirliapsodischen Spiels auch auf den Stil von Komponisten zu übertragen, die solche Behandlung nicht gut vertragen. -- Line echte, ganz ursprüngliche Kiavierbegabung ist die kaum 17jährige Nina M i I k i n a. Wenn ihr auch die Bereiche Bachs im wesentlichen noch nicht zugänglich sind, Schumann und Giiopiu zeigten diese junge Künstlerin von seiten einer merkwürdig reifen Einfühlung in die Welt romantischer Musik. Eine musikalische Talentprobe waren ihre eigener! Kompositionen in der Art von Prokofieffs groteskem Kiavierstil, mit großer Verve und erstaunlich hoher Technik gespielt. — Kurt A p p e 1 b a u m erwies sielt mit einer ganz überlegenen Wiedergabe von Schumanns selten zu hörender f-moll- Sonate und Beethovens I )ia bei! i Variationen als der ernste, manchmal zu ״objektiv“ musizierende Künstler, als den wir ihn von seinen früheren Londoner Abenden kennen. —• Karl Ulrich Schnabel verstand cs, in seinem zweiten Abend mit Beethovens Prometheusvariationen und vor allem durch eine delikate tmd minutiöse Behandlung von Mendelssohns früher E-Dur-Sonate sehr zu interessieren. — Machtvolles und monumental atifgebautes Spiel kcnnzeichncten Rudolf Serkins letzten Airend. Im Mittelpunkt standen die Waldstein- Sonate und die Handel-Variationen von Braluns, denen Serkin einen fast orchestralen Glanz und gewaltigen Impetus gab. — Iso Elin son ist ein romantisch'verträumter Poet auf dem Klavier. Liebevoll versenkt er sich in die Lyrik eines Selmmann oder Chopin und weiß Stimmungsbilder von berückendem Klang zu zaubern. Was man ein wenig vermißt, ist das Dämonisch-Trcibende, Unruhige, den scharfen Akzent, wie es Schumanns ״Kreisleriana“ verlangte. Ein Violinabend von Max Rostal, einem unserer besten jüngeren Geiger, hatte als künstlerischen Höhepunkt die grandios aufgebaute L-1no!l-Partita von Bach. Rostal gehört zu den wenigen, die trotz, beseeltem, blutvollem Ton eine klare, ״kühle“ Linienführung bei Baeli erreichen und deren ״Objektivität“ weder trocken noch phantasielos ist Mehr Brillanz und Eleganz hätte man Sarasates raketensprühender ״Garmenphantasie“ gewünscht. — Ein ganz seltenes Erlebnis und künstlerisches Ereignis im echtesten _ Sinn des Wortes waren die sechs Abende, an denen das Lencr-Quartett (Lencr-Smiiovits-Roth-Hartmann) sämtliche Reethoven-Quarfette spielte. Das Programm der einzelnen Abende hielt sich nicht au die chronologische Reihenfolge in der tatsächlichen Entstehung der Quartette, sondern brachte in sehr günstiger Zusammenstellung je ein Werk aus den drei Stilperioden Beethovens. Man kann sieh schwerlich bessere Führer in diese Wunderwelt Beethovenschen Geistes denken als die Lener- Leute. Sie ״interpretieren“ nicht mehr, sondern haben sich mit dieser Musik dermaßen identifiziert, daß siel: beim Hörer das Gefühl einer unmittelbaren Gewißheit ■einstellt: so müßten diese Werke immer gespielt werden. Zwei Liederabende der letzten Zeit sind erwähnenswert. Der von Rose W alter, der zweite in dieser -Saison, erbrachte wieder den Beweis für die großen interpretativen Fähigkeiten der Sängerin. Nicht nur die musikalische Phrase, sondern auch• der Text erfährt hei ihr intelligente, gewissenhafte Behandlung. Ein wahrer Genuß war ihre Volksliedergruppe. — Bei Sabine Kalter bewundert man stets das wundervolle Timbre und die Ergiebigkeit ihres Mezzosoprans. Besonders schön gelangen ihr mehr lyrisch gehaltene Lieder in einer Gruppe von Mendelssohn und Schubert. In einem Rundfunkkonzert• mit zeitgenössischem Programm hörte man die ״Music for Theatre" des amerikanisch-jüdischen Komponisten Aaron Copland. Das Werk, eine kurze mehrsätzige Suite für Kamrnerorchester, ist in der Hauptsache auf Rhythmus gestellt. Originell die schnellen Teile, die mit ihren grotesken Rhythmen und Instrumentationscffekten auf eine Zirkusszene hinzuweisen scheinen, während die langsamen ״ernsten“ Sätze von kurzatmiger Melodie nicht anders als sentimentale Gemeinplätze vorstelien. — Ein philharmonisches Konzert brachte Ernest Bloch s selten aufgefuhrte symphonische Dichtung ״Miver-Printemps“, ein frühes Werk des Meisters (geschrieben 1904/05), das noch stark zwischen dem Realismus eines Strauß und dem Impressionismus eines Debussy schwankt An sich jetzt lang schon überholt, ist diese Erüharbeit jedoch sehr interessant für das Studium vom Wandel des musikalischen Stils und seiner künstlerischen Ideale bei Bloch. — Zu erwähnen wäre noch eine stilvolle Aufftihrung von Carissimis ״Jephta“-Oratori11m (Philhann. Glior) und Mendelssohns ״Erste Walpurgisnacht“ (!’iimlfnnkorchestcr). — Ein Vortrag von Charlotte Spitz über das Ihema ״Erfolg und Mißerfolg bei Gestaltung von Konzortprogrammcn“ brachte interessante Beobachtungen. Dr. M. Carner

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.