Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 24 (24.3.1936)
- Date
- 1936-03-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 24, 24.III. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 3 Presseschau Polnisches Schächlgeselz angenommen Der Beschluß im Sejm Warschau, 22. März. (JTA.) Im Plenum des polirischen Sejm wurde am 20. März der Gesetzentwurf über die Einführung des Betäubungszwanges bei der Schlachtung von Tieren in zweiter und dritter Lesung beraten. Der Entwurf wurde in der von der Regierung beantragten Fassung beschlossen, der den Betäubungszwang bei der Schlachtung aller Arten von Tieren, sowohl von Großvieh als von Geflügel vorsieht. Die Zulassung eines dem Bedarf der jüdischen, karäischen und mohammedanischen Bevölkerung entsprechenden Kontingents rituell zu schächtender Tiere wird im Verordnungsweg ermöglicht. Die jüdischen Abgeordneten Dr. Sommerstein, Rabbiner Rubinstein und Minzb e r g gaben ihre Stimmen gegen den Antrag ab. Nach der Annahme durch den Sejm wird der Gesetzentwurf nunmehr dem Senat übergeben, der die Abstimmung noch vor Beginn der Parlamentsferien, die vor den Osterfeiertagen beginnen, vornehmen wird. Damit tritt das Gesetz über die Kontingentierung der Schechita in Polen am 1. Januar 1937 in Kraft. Bei der Abstimmung über das Ticrschlachtungsgesetz ist es zum erstenmal zu einer Zerreißung des auf Grund der Wahlreform gebildeten Sejm in zwei Lager gekommen. Die Vorschläge der Regierung haben nur eine kleine Mehrheit von 97 zu 75 bzw. von 81 zu 77 gefunden. Mit dem erstgenannten Stimmen- Verhältnis wurde der Zusatzantrag der Verwaitu ngskommissio 11, eine besondere Steuer von zehn Groschen pro Kilogramm Lebendgewicht für rituell geschächtetes Vieh zu erheben, sowie ein zweiter Antrag, daß der Einkaut von Schlachtvieh für rituelle Sehächtung nur direkt beim Produzenten und gegen Ausstellung einer besonderen Bescheinigung zuzulassen sei, abgelehnt. Bezüglich der Zulassung lokaler Schächtverbote wurde ein Kompromiß geschlossen. Wahrend die Verwaltungskommission verlangt hatte, lokale Schächtverbote für alle jene Ortschaften zuzulassen, in denen die jüdische. Bevölkerung weniger als 15 0.״ ausmacht, schlug der Landwirtschaftsminister vor, daß diese Möglichkeit nur solchen Ortschaften gegeben werde, die weniger als '3 0׳״ Juden haben. Dieser Kompromißantrag wurde mit 84 zu 77 Stimmen angenommen. Die der Abstimmung vorangegangene Debatte trug zum großen Teil einen ausgesprochen judenfeindlichen Charakter. Sogar Mitglieder der Regierung wie der Handelsminister Go reck i, der das Schlußwort hielt, sprachen in einem gereizten Ton gegen die jüdische Bevölkerung. Auch der stellvertretende Vorsitzende des Sejm, Miedz'inski, ließ es an unfreundlichen Bemerkungen nicht fehlen. Der Landwirtschaftsministcr Poniatowski allerdings, der die Zusatzanträge der Regierung begründete, hob ausdrücklich hervor, daß die Abänderungsanträge der Verwaitungskommission nicht sachlich gerechtfertigt waren, sondern judenfeindlicher Ansicht entsprangen. In jüdischen Kreisen hat es Befremden erregt, daß der Landwirtschaftsminister eine allmähliche Abkehr der jüdischen Bevölkerung vom Genuß ausschließlich rituell geschachteten Fleisches voraussagte. Nachdem der neue Referent im Gegensatz zu seinem Vorgäriger, Abg. Dudziriski, sachlich über den Entwurf und die Zusatzanträge berichtet hatte, wobei klar wurde, daß nicht humanitäre Erwägungen, sondern der Wunsch nach einer möglichst weitgehenden Ausschaltung der Juden ans de m F Icischhandcl für den Gesetzentwurf maßgebend war, sprach Landwirtschaftsminister Poniatowski. Er schlug vor, die Möglichkeit lokaler Schachtverböte auf Ortschaften mit einer Bevölkerung von weniger als 3 »0 Juden zu beschränken und von der Zustimmung des Wojwollen abhängig zu machen. Den Antrag der Kommission, eine Sondersteucr auf Koscherflcisch einzuführen, bezeidmete er als einen böswilligen Hieb gegen einen Teil der Bevölkerung, der aus religiösen Gründen aut gewisse Produkte angewiesen sei. Solche Steuer würde sich auch wirtschaftlich nachteilig, insbesondere auf die Bauern- Schaft, auswirken, ln der Zulassung von Schächtverbotcn in Ortschaften mit einer jüdischen Bevölkerung unter 15 ®/o erblicke die Regierung die Gefahr, daß im ganzen Lande eine Diskussion darüber, ob die Schechita zu verbieten sei oder nicht, ausgelöst werden könnte. Dies wäre nicht nur unerwünscht im Hinblick auf die Notwendigkeit, die Ruhe im Laude zu wahren, sondern auch gefährlich für die Beziehungen zwischen den Bii! gern verschiedener Konfcssioncn. Diese Angelegenheit würde sicherlich eine Welle demagogischer Agitation auslösen. Dagegen könnte der Fleischbedarf der jüdischen Bevölkerung in Ortschaften, in denen sie weniger als 3°,0 ausmacht, leicht durch Zufuhr gedeckt werden. Der Verwaltungskom mission des Senats, die am 24. März das vem Sejm angenommene Ticrschlachtungsgesetz behandeln soll, gehören jüdische Mitglieder nicht an. Trotzdem wurden die beiden jüdischen Senatoren Prof. Dr. Schorr und Jacob Tr Ockenheim eingeladen, an der Sitzung teil/uiichmen. Sie werden auch Gelegenheit haben, sich an der Aussprache zu beteiligen. Proteste gegen das Schächtverbot Warschau, 20. März. (JTA.) Das Komitee zur Verteidigung der Schechita hat sich mit Entschiedenheit gegen das Schäehtvcrbotsgesetz auch in seiner abgeänderten Form ausgesprochen. Zum!Totest wurde beschlossen, sechs fleischlose Wochen für die jüdische Bevölkerung Po lens zu proklamieren. Der Fleisehkonstimstreik beginnt bald nach Peßach und dauert bis Schawuot. Das Komitee hat sofort mit der Organisierung der Protestaktion begonnen. Der Präsident der Warschauer Jüdischen Gemeinde, Elia Mazur, und der Vizepräsident M. L e r 11 e r haben dem Regierungskoinniissar für Warschau ihre Demission bekanntgegeben. Der Vorstand der Warschauer Jüdischen Gemeinde hat von dem Verband der polnischen Juden in Argentinien die telegraphische Mitteilung erhalten, daß der Verband sich dem Protest des polnischen Judentums gegen ein Schcchita-Verbot anschließt. Appell der Rabbiner Polens Warschau, 22. Marz. (JTA.) Am 22. März versammelten sich in Warschau Vertreter der Rabbiner aus ganz Polen. Es wurde beschlossen, im Namen der Rabbiner Polens eine Erklärung zu veröffentlichen, in der festgestellt wird, daß das vom Sejm angenommene Gesetz über die Einschrankung der Schechita und insbesondere die Ermächtigung der Gemeinden mit weniger als 3 <V» jüdischer Bevölkerung, lokale Schächtverbote zu erlassen, einen Angriff auf den jüdischen Glauben bedeutet. Die Rabbiner appellieren an den Senat, diesen vom Sejm im Augenblick starker Gereiztheit angenommenen Entwurf vollständig abzulehnen. Erklärung von Außenminister Beck London, 22. März. (JTA.) Der polnische Außenminister Oberst Beck hat eine Abordnung des Wcltverbandes der polnischen Juden im Ausland empfangen und mit ihr über die judenfeindlichen Unruhen in Polen und die wirtschaftlichen Auswirkungen des Gesetzes gegen die Schechita gesprochen. Außenminister Beck gab seinem Bedauern über die judenfeindliche Propaganda und über die Ausschreitungen Ausdruck und erklärte, die Regierung treffe energische Maßnahmen zu ihrer Unterdrückung. Außerdem gab der Minister bekannt, daß von der Regierung Pläne zur Unterstützung jener jüdischen Gemeinden erwogen werden, die infolge des teilweisen Verbots der Schechita eine Kürzung ihres Einkommens durch Ausfall der Schäehtgebührcn erleiden. Der Stadtrat von Pinsk hat den Antrag einiger Stadtverordneten, den Opfern der Ausschreitungen von Przvtik einen Beitrag aus städtischen Mitteln zur Verfügung zu stellen, einstimmig angenommen. Durch diesen Beschluß hat der Stadtrat seinem Mitgefühl für die Pogromopfer Ausdruck gegeben. Der Warschauer Universitätsprofessor Czarnowski hat in der jüdischen Schriftstcllcrve. üiigung einen Vortrag gehalten, in dem er in schärfster Weise gegen die Judenfeindliehe Propaganda in Polen Stellung nalim. Die Exzesse dauern an Ein Appell des Kardinals Hlond Warschau, 19. März. (JTA.) Die Welle der judenfeindlichen Unruhen in vielen Teilen Polens hält an. in vielen Ortschaften kam es zu Zusammenstößen. Zwei Polizisten und viele Juden wurden erheblich verletzt. Unter den verletzten Juden befindet sich der greise Rabbiner Eliakim Landniann aus Nowa-Wilejka bei Wilna, der jüdische Stadtverordnete Henoch Lcvitan in Wilna und 17 jüdische Studenten der Landwirtschaftlichen Akademie bei Lemberg. Der katholische Primas von Polen, Kardinal Hlond, hat an die katholische Bevölkerung den Appell gerichtet, an judenfeindlichen Ausschreitungen nicht teilzunehmen. Dagegen spricht sich der Kardinal für einen wirtschaftlichen Boykott der Juden aus. Am Mittwoch nachmittag kam es zu schweren judenfeindlichen Ausschreitungen in der Wilnaer Vorstadt Nowa-Wilejka. In zahlreichen jüdischen Häusern wurden die Fensterscheiben zertrümmert, in den Straßen wurden Juden überfallen. In Dublani bei Lemberg kam es zu Zusammenstößen zwischen Polizei und antisemitischen Bauern. Jüdische Studenten, die aus Lemberg nach Dublani zu den Vorlesungen in der dortigen Landwirtschaftsakademie kamen, wurden auf dem Wege von Bauern unter nationaldemokratischer Führung angegriffen. Sie lcisfeten energisch Widerstand bis zum Eintreffen der Polizei. Wegen des Zusammenstoßes zwischen der Polizei und den Bauern wurde die Akademie auf unbestimmte Zeit geschlossen. Die Hilfsaktion für Gelehrte London, 18. März. (JTA.) Der Akademische Hilfsrat hat einen von seinem Vorsitzenden Lord Rutherford Unterzeichneten Aufruf erlassen, der die bisherige Arbeit des Akademischen Hilfsrats fortführen soll. In dein Aufruf wird ein Ueberblick über die bisher zugunsten der aus Deutschland ausgewanderten Gelehrten geleistete Hilfsarbeit gegeben. Außer mit den Gelehrten aus Deutschland befaßte sich der Rat auch mit ausgewanderten Oelehrfen aus Rußland, Portugal und anderen Ländern. In Zusammenarbeit mit anderen Organisationen hat der Rat bei der endgültigen Niederlassung von 363 Wissenschaftlern aus Deutschland mitgewirkt. Weitere 324 bekleiden provisorische Stellungen in Universitäten und wissenschaftlichen Instituten. Für ihre endgültige Unterbringung soll noch gesorgt werden. An Spenden erhielt der Rat über 4 6000 P f u n d, die bis auf einen kleinen Betrag, der zur Bezahlung der Reisekosten für Gelehrte, die in überseeischen Ländern Stellungen fanden, für Verwaltungszwccke und sonstige gelegentliche Aufgaben verwendet wurde, sowie der Finanzierung der Forschungsarbeit ausgewanderter Gelehrter dienten. Der Akademische Rat hat als internationale Zentralstelle für diese Arbeit einen Stellenvermittlungs- und Informationsdienst eingerichtet. Der Verwaltung des Fonds werden der Erzbischof von Canterbury, der Präsident der Royal Society, der Präsident der Britischen Akademie Lord Horde r, R. H. Brand und Lord Rutherford angehören. JÜDISCHE RUNDSCHAU Die richtige Zeitung für Gelegenheits - Anzeigen Niedrige Zeilenpreise und günstige Rabattstaffeln. Verlangen Sie Angebot Zar Lage in Polen Die Zeitschrift ״Nation und Staat“, herausgegeben für den Verband der Deutschen Volksgruppen in Europa von Ferdinand von Ucxküll, berichtet zur Lage in Polen u. a. über die Situation der Juden und das Schächtverbotsgesetz. Es heißt in diesem Zusammenhänge ti. a.: ״Die Struktur des wirtschaftlichen Lebens im polnischen Dorfe führte da/11, daß sich die Unzufriedenheit der Bauernschaft in erster Linie gegen die Juden richtet, die den gesamten Handel in den Händen haben• und die von den Landleuten daher für den Tiefstand der Preise ihrer Erzeugnisse und die für sie unerschwingliche Höhe der Preise aller Bedarfsartikel verantwortlich gemacht werden. Die antisemitische Welle ist also auch weiterhin im Anschwellcn begriffen. Ahgesehen von den üblicher! Kundgebungen und Ausschreitungen der polnischen Hochseiiiilcr hat cs einen besonders wahrneiimbaren Ausdruck in einem Antrag der Abgeordneten Frau P r y s t o r auf die Einführung eines Schächtverbots in Polen gefunden. Es ist bemerkenswert, daß sich die gesamte, iiber 100 Abgeordnete zählende Landwirtegruppe im Warschauer Sejm diesen Antrag zu eigen gemacht hat. Der Wunsch nach dem Schächtverbot hat seinen Grund nicht nur in der judenfeindlichen Haltung der polnischen Bauernschaft, sondern hat auch wirtschaftliche Motive. Aha im gesamten Kongrcßpolcn und Kleinpolen wie auch in den Nordostprovin/en der Vieliliandel ausschließlich in jüdischen Händen ist, wird das Hornvieh, auch das, welches nicht für den Konsum innerhalb des Judentu ms bestimmt ist, geschachtet. Die jüdischen Gemeinden, die das ausschließliche Recht des Schneidens haben, leben zu einem wesentlichen Teil von den hohen Gebühren, die in den jüdischen Schlachthäusern erhoben werden. Dadurch werden nicht nur die Preise für das lebende Vieh gedruckt, sondern erfolgt auch eine Verteuerung des Rind- und Hammelfleiscbes. Noch ehe der Antrag der Abgeordneten Prystor durchgegangen ist — er wird gegenwärtig in einem der Ausschüsse des Sejms behandelt —, ist eine Reihe von Stadtparlamenten in Westpolcn, so etwa Posen, Granden/ und andere, von sieh aus zum Verbot des Schlichtens geschritten. In der gesamten polnischen Presse, auch der des Regienmgslagers, die bisher niemals im judenfeindliehen Sinne geschrieben hat, ist der Antrag (Jer Landwirtegruppe voll innerstützt worden, so daß mit einer Annahme des sehr hvdeutungsvollen üeset/esprojektes zu rechnen ist. Die zunehmende judenfeindliche Stimmung auch außerhalb des von jeher antisemitischen Lagers der Nationaldemokraten findet seinen Ausdruck auch in der Gründung der Radikalen Partei, an deren Spitze so bekannte Pilsudskistcn wie der frühere Botschafter in Washington Titus Filipowicz und der frühere Finauzministcr G z. e - chowicz. stehen. Diese Partei stellt in ihrem Programm zwar nicht so radikale Forderungen wie etwa die Nationaldemokralie, aber weist doch ausgesprochen antisemitische Tendenzen auf. Vor allem wird in ihrem Programm die Ermöglichung einer jüdischen Emigration auf breitester Grundlage gefordert.“ Die Wirtschaftssituation In Palästina Die ״Frankfurter Zeitung“ vom 22. März veröffentlicht einen Bericht aus Jerusalem über die ״Arbeitslosigkeit in Palästina“. In diesem Bericht wird darauf hingewiesen, daß im Oktober zum ersten Male die Nachfrage nach Stellen das Angebot überstieg. Als Ursache für die Arbeitslosigkeit wjrd in erster Linie die Stockung im Baugewerbe angeführt, die im Zusammenhang mit Vorgangen auf dem Kreditmarkt stehe. Eine weitere Ursache sei die Uebcrsctzung in der Industrie, die zu hohe Produktionskosten habe. Schließlich habe auch die Zitrusernte enttäuscht, und die Hoffnungen auf eineiig erhöhten Absatz, in Kanada seien zunichte gemacht worden. Schließlich sei der Purim-Karneval in Tcl-Awiw abgesagt worden. Dies sei auf die neue Spannung zwischen Juden und Arabern zurückzuführen. Aus ähnlichen Gründen dürfte die L e - v ante-Messe ausfallcn. Der Verfasser kommt zu dem Schluß, daß zu einer wirklichen Eindämmung der Arbeitslosigkeit das Lohnniveau der Arbeiterschaft zu seitk e n sei. Abgesehen davon, daß der Verfasser irrt, wenn er annimmt, der Purinmim/ug in Tel-Awiw sei aus innerpolitischen palästinensischen Gründen abgesagt worden - er wurde bekanntlich wegen der Lage der Juden in der Weit zum Zeichen der Solidarität abgesagt —, und auch abgesehen davon, daß von einem Ausfall der Levante-Messe keine Rede sein kann, scheint uns dieser Bericht die Dinge etwas allzu einseitig zu betrachten. Insbesondere geht es nicht an, den Faktor der Lohnhöhe als HaupUirsachc der wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu betrachten. Der Bericht verdient eine eingehende Korrektur, die aridere Kräfte der palästinen-iscln 11 Wirtschaft, die von der Krise nicht berührt wurden, darstellt, um eine einseitige Information des Lesers zu vermeiden, In den Londoner ״Financial News״ vom 2!!, Marz ward ein Artikel über den palästinensischen Wirts c 11 a f t s a u f s c h w u 11 g und die Zukunft der pal/mtinensisehen Wirtschaft gebracht. Ls werden die Zahlen genannt, die den Aufschwung in den letzten fünf Jahren veranschaulichen, und darauf hingewiesen, daß die Ereignisse im Mittelmeer seit dem September des letzten Jahres einige finanzielle Ihr- Sicherheit in die Mittelmcerländer und auch nach Palästina gebracht haben. Jedoch beurteilt der Aufsatz, die Krise als nicht sehr ernst. Zur Arheitslage bemerkt der Verfasser, daß die arabische Arbeitslosigkeit zu keiner Zeit eine anormale Zahl erreicht habe. Die jüdische Arbeitslosigkeit, die 7000 betragen habe, werde zur Hälfte von den jüdischen Körperschaften durch verschiedene Unternehmungen zu absorbieren versucht, und die andere könne vertrauensvoll erwarten, binnen kurzer Zeit im Baugewerbe, das sich wieder erhole, Unterkunft zu finden. Die wirtschaftliche Erholung habe durch die Rückkehr des Vertrauens seitens der Kapitalisten und mit der Rückkehr der Konsumkraft zu ihrer früheren Höhe wieder begonnen. Wie gut das Land die Krise Überstauden habe, zeige die Tatsache, daß die General Mortgage Bank of Palestiric ihre Rückstände am 31. Dezember mit weniger als einem halben pro Mille des ausstchenden Betrages angibt. In bezug aul die Orangenproduktion sei es zweifclbaft, ob die palästinensische Orange den Mark! finden werde, der der Ausdehnung der Produktion entspricht. Ein schwieriges Problem sei die Frage, ob die Industrie imstande sein werde, einen Exportmarkt zu erobern. Das ist weder eine Frage der Qualität noch des Preises, sondern der Handelsbeziehungen zwischen Palästina und den Ländern Europas und des Vorderen Orients. Die Löhne sind nicht höher als in den großen Industrieländern Westeuropas, und die Arbeiter sind Fleißig und ungewöhnlich intelligent. Die Einwanderung der letzten Jahre habe die Zahl der Facharbeiter und die Vervollkommnung der Produkte erhöht. Die meisten Rohmaterialien würden zu Preisen cingcführt, die die Produzenten in den Stand setzen, auf einer Reihe von Märkten zu konkurrieren, besonders in Syrien und im Vorderen Orient. Palästinas Nähe zu den Ländern der Levanteküste sei kein geringer Vorteil. Freilich seien alle diese Vorteile nur sehr beschränkten Wertes in einer Weit der Zolimaucru und Währungsschwierigkeiten.