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Jüdische Rundschau · 1936-03-20 · Heft 23 (20.3.1936) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 23 (20.3.1936)
Date
1936-03-20
Page
– (sequence 14)
Language
German
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JOOISCHF RUNDSCHAU Nr. 23, 20. ffl.!936 Zur Bodenpolitik Die Investierungen des Keren Hajessod In den Böden der American Zion Commonwealth Ueber die Boden-Interessen des Keren Hajessod erhalten wir eine Darstellung, der wir folgendes entnehmen: Die drei Bodenerwerbsgesellschaften ״The American Zion Commonwealth Ltd.“ (Ainzic) und ihre Tochtergesellschaften ״Mcschck“ und ״Haifa Bay Development Co.“ stehen vor der Auflösung ihrer Geschäfte. Die Geschichte dieser Ge- Seilschaften reicht bis in das Jahr 1914 zurück, wo auf Anregung der Zionistischen Organisation in New York die ״Amzic“ gegründet wurde, der 1925 und 1927 die beiden anderen Gesellschaften angegdiedert wurden, im Jahre 1927 gerieten diese Gesellschaften in eine Krise, da ihre Boden- Käufer wegen der polnischen Finanzkrise die Zahlungen einstellten, so daß die Gesellschaften ihre HypotLc‘?׳!schulden nicht bezahlen konnten. Um den Bankrott zu verhüten, griff der Keren Hajessod ein und rettete so die gekauften Böden. Im Jahre!929 waren die Schulden der ״.'tc/:c“ und ,,Meschek" so erheblich geworden, daß der Keren Hajessod eine Bürgschaft für 285 000 Dollar übernahm. Diese Anleihe wurde vom Keren Hajessod 1929 -31 einschließlich Zinsen vollständig bezahlt. ״Ainzic“ und ״Meschek“ verwendeten oie Anleihe vor allem zu Teilzahlungen an die arabischen Hypothekeugläubiger, denen gegenüber der Keren Hajessod die Bürgschaft dafür übernommen hatte, daß die restlichen Zahlungen rechtzeitig geleistet würden. Die Tatsache, daß hinter den Gesellschaften die nationalen Institutionen standen und die Geschäftsführung beaufsichtigten, wirkte beruhigend und ermöglichte die Gewährung eines Moratoriums, so daß schon nach kurzer Zeit die Gesellschaften sich wieder erholen konnten. Bis zum Bnde des Jahres 5695 hat der Keren Hajessod £ 137 617 in die drei Gesellschaften investiert. In dem von! letzten Kongreß genehmigten Budget der Jewisl! Agency für 5696 wurden £ 50000 als voraussichtliche i imiahme aus dem Verkauf von Böden der ״Amzic“ und ihrer Tochtergesellschaften eingesetzt. Die Leistungen der Gesellschaften für den Aufbau des Landes sind keineswegs gering. Die Gesamtfläche der von ihnen erworbenen Böden beträgt etwa 120 000 Dunam. Aut den ersten 13 (KK) Dtmam errichtete die ״Amzic“ dtp Kolonie Balfouria, deren Entwicklung durch den Wassermangel Mark beeinträchtigt wurde. Danach erwarb die ״Anr/ic“ 13 800 Dunam itn Scharon, wo die Kolonie Her/lia entstand. Bei Jelil führte die Gesellschaft große Ameliorationsarbcitcn aus und investierte etwa £ 40 000 für die Aust:ockming der Katori-Sümpfe. Heute wohnen in der Kolonie 3000 Menschen, über 4000 Dunam sind mit Zitrus- Baumen bepflanzt; über 800 Häuser und Ställe sowie 13 Brunnen sind vo-hamlcn. 1924 erwarb die ״Amzic“ gemeinsam mit der .Md wlnk“ 160CMJ Dunam im Emek, wo heute das neue Afuie steht. Hier wurden über £ 60 000 Kapital investiert. Au. 1 die Entwicklung Afuies leidet unter dem VCasse-mangel. In 1׳ t/tcr Zeit wurde eine Wassergescllschaft begründet, die bei ihren Bohrungen Wasser gefunden hat; die Ergebnisse weiterer Bohrungen stehen noch aus. Unter der großen Zahl der getätigten Bodenkäufe ist besonders wichtig der Erwerb der Haifa-Akko-Ebene, die heute unter dem Namen Emek Sebulon bekannt ist. Die ״Amzic“ erwarb hier ein Gebiet von 44 500 Dunam, zu deren Erschließung sie die Haifa Bay Development Co. gründete. Der Keren Kajemcth nahm an der Erwerbung dieses icbiets zunächst nur zu einem Viertel teil. Ende 1928 verkaufte die Haifa Bay Development Co. 21 000 Dunam an ihn. Auf diesem Boden des KKL wurden in den letzten drei Jahren eine Reihe von Orten mit etwa 1300 Häusern und 40 industricllcn Werken aufgebaut. Die Ursachen für die Schwierigkeiten, in die die Gesellschaften gerieten, lagen darin, daß sie mit zu geringen! Eigcnkapital arbeiteten, daß ihre Pläne für die Erschließung der Böden übersteigert waren und die Durchfiihruiig nicht immer genau berechnet worden ist. Dazu kamen Fehler in der Verwaltung. Mit der Exekutive der Zionistischen Organisation standen sie nur in loser Ver- Bindung. Aus diesen Fehlern muß für die Zukunft gelernt werden, daß private Gesellschaften nur in engster Verb i n d u 11!׳ mit den nationalen Instanzen ihre Tätigkeit erfolgreich ausüben können. Die Eröffnung der Radio-Station Das Eröffiiungspri’;ramm des palästinensischen Radios am 30. M a r z wird neben den Eröffnungsreden eine Rede Salman S c 1111 c 11 r s über Bialik sowie hebräische Rczitat!הסc־n von ( Tana R o w i n a enthalten, die Bialiks Mcgillath I laeseii und aus dem Hohen 1 ied vortragen wird. Ferner werden der Tenor Vittorio Weinberg und Beracha Zetir a hebräische Gesänge vortragen. Die F.röffnungsreden werden Sir Arthur V' a u c ii o p e,!זי. Abraham K a z n e I s o n vom W'aad Leumi (in hebräischer Sprache) und ein arabisches Mitglied des Ausschusses halfen. In dem LröTmingsprogramm tler musikalischen Abteilung ist eine ״Hebräische Stunde“ vorgesehen, die Werken des verstorbene״ palästinensischen Komponisten Joel Engel gewidmet ist. Die hebräische Stunde wird jeden Abend um 2■ 1.03 I 'hr palästinensischer Zeit (19.05 Uhr mitteleuropäischer Zeit) mit hebräischen Nachrichten, einem historischen Kalender der bedeutendsten jüdischen Ereignisse sowie Tagesgesprächen beginnen. Den ersten Vortrag über Wirtschaftslagen wird Dr. Ru p p i ת halten, und zwar über die Entwicklung des Jischuw. Im Programm werden auch die wöchentlichen llaf'taroth sowie Scmiroth enthalten sein. (Palcor.) Der Weltkongreß jüdischer Aerzte Der jüdisch-medizinische Weltkongreß beginnt am 21. April m Tel-Awiw, 50(1 Delegierte aus der ganzen Welt werden an ihm teihiehmen. Die Tagung wird sich mit der Lage der jüdischen Aerzte beschäftigen sowie mit der jüdischen Gesundheitspflege und dem Problem der gesundheitlichen Ein- Ordnung der Immigranten in Palästina. Unter den Rednern befinden sieh Prof. Citron, Prof. Neufaerg, Dr. Gershon L e v i n und Dr. ()!schwanger. Dem vorbereitenden Komitee gehören die Hebräische Universität, die Hadassah und die Kupath Choiirn an. (Palcor.) Neuwahl des rabbinischen Rates Jerusalem, 15. März. (JTA.) Die Wahlkommission für den Rat des palästinensischen Uherrabbinats hat unter dem Vorsitz von Rabbi M. Ostrowski beschlossen, die Neuwahl des Rates im kommenden Monat vorzunchmen. Sämtliche jüdischen Gemeinden und Ortsräte, mit Ausnähme Rischon!e Zions, haben bereits die Namen ihrer Vertreter für die Konferenz, die die Wahl vornehmen soll, bekanntgegeben. Zwecks Zusammenstellung der Kandidatenliste für die Wahlsitzung wurden der Kommission durch den Rat des Oberrahbinnts Verzeichnisse der Rabbiner von Jerusalem, Tel-Awiw, Jaffa, Tiberias, Safed und Umgebung und Petach Tikwah und Umgegend zugestellt. Das Neueste in Kürze Der Geldumlauf Palästinas Ende Februar in Noten und Münzen wird in der ״Palestine Gazette“ mit 6 186134 Wund angegeben. Der Verwaltungsüberschuß der Palästina-Regierung betrug am 31. Januar 6 357 348 Wund, Die Tel-Awiwer Stadtverwaltung hat die Beratungen über das Budget für 1936—37 beendet. Es beträgt L 500 000. Die arabische Presse meldet, daß eine Polizeistreife von Nablus aus die Verfolgung einer a r a b i s c ' ״ n Bande, die den Bezirk unsicher macht, aufgenommen hat. Man nimmt an, daß mehrere Mitglieder dieser Bande die Schüsse aut den Omnibus abgefeuert haben, in dem der Siedler G a 1 u t h m a n getötet wurde. Die Jerusalemer Polizeibehörden dementieren jedoch irgendwelche besonderen Maßnahmen und erklären, daß es sich lediglich um gewöhnliche Patrouillen der Polizei handelt. Das Berufungsgericht bestätigte das auf 10 Jahre Gefängnis lautende Urteil gegen den jüdischen Wächter Isaak C h e ti k i n, der im August 1935 einen Araber getötet hatte. Das Urteil ist sofort in Kraft getreten. Nach einer Mitteilung der Histadruth hat sich in gewissen Bezirken des Landes, besonders in den Kolonien, mehrfach Arbeitcrmangel bemerkbar gemacht. Es wird dazu aufgefordert, daß städtische Arbeiter aufs Land gehen, um dringende Arbeiten in den Pflanzungen zu beenden. Auch in den Städten ist eine bemerkenswerte Besserung der Arbeitslage zu verzeichnen. Die Palästina-Verwaltung der PICA kündigt an, daß ihr Präsident James de Rothschild im März zu einem 14tägigc11 Aufenthalt in Palästina eintreffen wird, um das künftige Tätigkeitsfeld der PICA in Palästina zu erörtern. Der Prozeß des Prinzen Mohammed Selim gegen die palästinensische Regierung um ein Bodengebiet hat hegönnen. Der Prinz wird durch den jüdischen Rechtsanwalt Weinshall vertreten. Er nimmt die Ansprüche von insgesamt 21 Erben wahr. Die Verhandlung wurde auf zwei Monate vertagt, damit den Parteien Gelegenheit gegeben ist, Schriftsätze einzureichen. Die Irak Petroleum Company beginnt mit de« Bau eines Raffinierwerkes in Haifa. 30 Oelreservoi» sind bereits gebaut worden. In Jerusalem fand eine Zusammenkunft von Wohl• fahrtsarbeitern statt, an der 200 Personen teilnahmen. Den Vorsitz führte Henrietta S z o 1 d, die über die Frage der sozialen Fürsorge für neue Einwanderer sprach. In den Resolutionen wurde auf die Notwendigkeit einer Verstärkunsr der Tätigkeit hingewiesen, sowie zur Teilnahme an dem in London stattfindenden Internationalen Social Service Congress aufgefordert. Der Orangen-Export Palästinas von Beginn der Saison bis zum 8. März betrug 5 607 522 Kisten. In der Nähe der alten Bilu-Kolonie Katra wurde von einer Oruppe polnischer und französischer Juden ein großer Bode» komplex erworben, auf dem eine neue Kolonie ״Kfar Hake• naim“ errichtet werden soll. Die Zeinentfabrik Ncshcr beginnt demnächst mit der Errichtung einer Gipsfabrik im Gebiet der Haifa-Bay. Man erwartet, daß es nach Aufnahme des Betriebes in der neuen Fabrik möglich sein wird, Palästina von der bisherigen Gipscinfuhr aus Aegypten und Cypern unabhängig zu mache*». Die H a b i m a 11 veranstaltete zu Ehren von Dizengoffa 75. Geburtstag eine Galavorstellung. Wie schon berichtet, hat der Ex-Khedive von Aegypten, Abba.s Hilini Pascha, in Jericho ein größeres Gelände erworben, aut dem das Palais für seinen Winteraufenthalt nunmehr nach den Plänen des Architekten Fritz Epstein in Tel-Awiw (früher Frankfurt a. M.) erbaut wird. Proteste gegen das Schechitaverbot in Polen In Tel-Awiw fand am 15. März eine Massen vers a m ni 1 u n g als Sympathiekundgebung für die polnischen Juden und Protest gegen das geplante Schechita-Verbot statt. Bei dieser Kundgebung sprachen Dr. Rottenstreich, Dr. Davidson, Rabbi Amiel und Rabbi Uziel. Die meisten Geschäfte waren während der Versammlung geschlossen. Auch eine Plenarsitzung des Waad Leumi beschäftigrte sich mit der Lage des polnischen Judentums. Jizchak Grünbaum schilderte ausführlich die dortige Situation una sprach über die Hiifsmöglichkeiten, die im Interesse der polnischen Juden gegeben sind. Schalom Asch wandte sich insbesondere gegen das Schechita-Verbot. Weitere Ansprachen hielten Ussischkin, Sprinzak, Rabbi S c h a p i r 0, R e m e z und Farbstein. Es wurde beschlossen, sich an die polnische Regierung mit der Bitte zu wenden, Maßnahmen zum Schutz der luden gegen Ausschreitungen zu treffen. Ferner wurde beschlossen, gegen das Schechita-Verbot zu protestieren. Die Diskussion soll in der nächsten Sitzung des Waad Leumi fortgesetzt werden. (Palcor.) Der Status der Arbeiterschulen Der Streit um die Beihilfe für die A r b e i t ersc h u 1 en in Tel-Awiw endete damit, daß die. Stadtverwaltung mit 9 gegen 5 Stimmen beschloß, die Beihilfe zu gevv ä lire n. Ferner wurde beschlossen, eine Kommission einzusetzen, die im Laufe einiger Monate festzustellen hat, ob die Arbeiterscliulen in das Schulnetz der Stadtverwaltung, einbezogen werden sollen. Wie der Waad Leumi mitteilt, ist in der Schulfrage eine Einigung mit der Histadruth zustande gekommen. Die Histadruth-Schulen sollen dem Schulwerk der Knesset!! Jisrael angeschlossen werden, aber ihre pädagogische Unabhängigkeit behalten. Sie sollen in gleicher Weise wie die allgemeinen und Misrachi-Schulen in den. Erziehungs-Budgets der Stadtverwaltungen und der Kolonien behandelt werden. (Palcor.) _ Für palästinensische Kapitalinteressenten. Aus Palästina wird uns geschrieben: Die außergewöhnlichen Umstände, unter denen sich die palästinensische Wirtschaft aufbaut und entwickelt, lassen sich von Deutschland weder in ihrer Zusammensetzung, noch in ihrer Auswirkung beurteilen. — Das kann nur von Palästina aus geschehen und bedarf genauer Kenntnis der beteiligten Personen und der Imponderabilien. Die .,Iiaavara“ wünscht begreiflicherweise in den Fällen, in welchen sie Trans'ergeschäfte abwickelt, weder eine moralische noch materielle Verantwortung für den Verlauf zu übernehmen. (Dies wurde von der Haavara in ihren Prospekten ausdrücklich betont.) Sie muß sich auf die Prüfung bcschränken, ob diese ihr vorgeschlagenen Geschäfte ihren Richtlinien entsprechen. Hiernach muß es jedem Transferenten empfohlen werden, sich an unabhängige, nicht selbst Geschäfte vermittelnde Stellen, in Palästina zu wenden, um die Unterlagen für ihre Entscheidung zu erhalten. Besser vorprüfen, als nachher unzufrieden sein. Die geringen Kosten eines .Gutachtens machen sich im Positiven wie Negativen reichlich bezahlt. Geeignete Gutachter sind i!1 den Personen früherer deutscher Wirtschaftsprüfer und sonstiger Wirtschafts-Sachverständiger vorhanden. Es wird immer auf die genaue sachverständige Wiedergabe der Verhältnisse des Einzelfalles ankommen. Die Tel-Awiwer Filmfirma ״T e k u f a - F i I m s“, die sich mit der Herstellung von Kultur- und Reklamefilmen befaßt, produzierte im Aufträge des Internationalen Teebüros, Kairo, einen Kurztonfilm in arabischer Sprache. Es ist damit zum erstenmal die Tatsache zu verzeichnen, daß die palästinensische Filmproduktion einen direkten Auslandsauftrag erhielt. Der Titel des Films lautet ״Abu Ali und der Tcetopf“. -Neue Bücherd« KEREN KAJEMETH LEJISRAEL BERLIN W15. POSTSCHECK BERLIN 28247 Wenn Ihr ins Land kommt. . 60 Rpf. Dagamah. 95 Du Bilu aut dem Weg«. 95 » Die Bilu am lud.. .... 95 ״ Die Sage von Düb.. ..30 ״ Hundert Bäume . 30 ״ Keilt und Schwert . 70 ״ Zu bestehen durch alle jüdischen Buchhandlungen Jerusalemer Kunstbericht Jerusalem, Anfang März Wie die meisten jüdischen Künstler des neuen Palästina, kommt auch der Jerusalemer Maler Moksdy aus Paris. Und gleichfalls, wie die meisten, kommt er nicht los von der Atmosphäre dieser Stadt. Er porträtiert sich selbst in der strengen und dennoch verführerischen Tracht spanischer Granden oder als Bänkelsänger der Provence. Seme Aus- Stellung in der Divangalerie weist nur wenige palästinensische Motive auf. Und wo er Jerusalem sieht oder seine Menschen, erscheinen sie dämonisch, rätselhaft, aller Anmut und Heiterkeit bar. Wie von Fackelschein übergossen treten die Gestalter» Mokadys aus der Nacht seiner Bilder. Irre und Idioten grinsen von den Wänden. Mokadys Kunst ist literarisch, gedanklich, gewollt, beabsichtigt. Nicht Form und Farbe der Dinge regen ihn an; was er gibt, sind Schilderungen innerer Gesichte. _Schalom Ben-Chorin Philosophische Diskussion. Die neue akademische Selbst- Verwaltung, deren sich die Hebräische Universität seit den Luzerner Bescldüssen vom vorjährigen September erfreut, hat aut das geistige Leben Palästinas sofort eine anregende Wirkung gehabt, indem sie dem neu gewählten Rektor die, Möglichkeit zu einer programmatischen und viel besprochenen Antrittsrede gab. Bergmann hatte in den Mittelpunkt seiner (in der ״J. R.“ s. Zt. vollinhaltlich abgedruckten) Ausführungen das Verhältnis von Glauben und Wissen gestellt, die heutige Krise der Philosophie geschildert und aie Forderung erhoben, die Wissenschaft müsse, gerade wenn sie in ihrem Bezirk, bei voller Wahrung der Lehrfreiheit, strenge ,Wissenschaft bleiben wolle, einen außerwissenschaftliehen Scinsgrund wiedergewinnen, der insbesondere bei uns Juden, nur im Glauben liegen könne. Die Rede, die von zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften aller Länder im Wortlaut gebracht wurde, fand in Zustimmung und Abwehr einen überaus lebhaften Widerhall. Besonders bedeutungsvoll erscheint die Kritik, die in den Blättern des ״Haschomer Hazair“ an sie geknüpft wurde, sowie die ausführliche Auseinandersetzung Elieser S t e i n m a n 11 s im ״Dawar“, aut die Bergmann eine eingehende Antwort erteilt hat. Hatte Steinmann das Suchen nach einer absoluten Wahrheit als dem Wesen der Philosophie widersprechend erklärt, das gerade in ihrer kritischen Bodcnlosigkeit und ihrem Mut zur Uncndlichkcit der Frage bestehe, so konnte Bergmann demgegenüber in philosophicgcschichtliclier Darstellung, unter besonderem Hinweis auf Descartes, zeigen, daß jene Steinmaunsche Definition selbst schon von der Krise der Philosophie ergriffen ist, die früheren Denkerger.erationen ganz fremd war. Bergmann hat die Krise fcstgestellt, nicht um sie zu preisen oder sie zu verewigen, sondern gerade um zu ihrer Ueberwindung beizutragen. Die rege Diskussion, die sich an seine Ausführungen knüpfte, bezeugte die wachsende Bedeutung der Universität für das Geistesleben Palästinas. Neue künstlerische Palästina-Bildkarten. Zur Levante- Messe 1936 erscheint eine Neuheit: Die wundervollen Palistina-Bildkarten von Aenne Mosbach er, in echter Photographie gedruckt. 40 verschiedene Aufnahmen in 8 Serien mit je 5 Stück in Silber-Mäppchen, und Zwar folgende Serien: 1. Das alte Palästina, 2. Landschaft und Moscheen, 3. Palästina: Tiere, 4. Junge Juden bei der Arbeit. 5. Arabische Typen, 6. Palästina: Pflanzen, 7. Das moderne Palästina, 8. Arabische Städte. Titel aut der Bildseite Hebräisch, Englisch, Deutsch. (Preis: Jede Serie 1,— RM.) Die Bilder sind überaus sachkundig photographiert und mit großer technischer Vollkommenheit ausgeführt. Manche Aufnahmen, wie der Jaffa« Hafen aus Serie 8 oder die Tel Or-Landschaft aus Serie 2, die arabischen Typen der Serie 5 und künstlerische Aufnahmen palästinensischer Pflanzen und Tiere (Serie 3 und 6) wirken in ihrer Lichtverteilung und in der p'astischcn Herausarbeitung der Tiefendimensionen geradezu wie Kunstwerke. Diese Karten, die einen starken Eindruck von Palästina vermitteln, sind, wie uns mitgeteilt wird, in Deutschland bereits jetzt erhältlieh (und zwar durch Aenne Mosbacber, Kassel, Querallee 21). Höhere Handelsschule In Tel-Awiw. Das Sommer• Semester beginnt nach Peßach Mitte April. Absolventen von Mittelschulen aus dem Galuth werden für den ersten Kursus ohne Prüfung aufgenommen. Näheres über die Aufnahmebedingungen, Programm usw. durch das Sekretariat der Schule, Tei-Awiw, P. O, B. 1428. Zu dem Bericht im Palästina-Blatt vom 28. Februar ״Institut fiir Wirtschaftsforschung“, wo von der beabsichtigten Gründung einer Wirtschafts Zeitschrift die Rede war. wird uns mitgcteilt, daß in Palästina bereits eine Zeitung ״!ton l’mischar“ (Handels-Zeitung) in Tel-Awiw erscheint, die von Dr. L. Kurzweil redigiert wird. (Schluß des Palästina-Teils)

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