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Jüdische Rundschau · 1936-03-20 · Heft 23 (20.3.1936) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 23 (20.3.1936)
Date
1936-03-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 23 20. in. 1936 JOOlSCHf RUNDSCHAU Seit® 13 Die palästinensisch-syrischen Wirtschaftsbeziehungen Am 1. Juni 1929 trat bekanntlich das Gcgenseitigkeitsabkormnen betreffend die Regelung der Ein- und Ausfuhrbeziehungen Palästinas und Syriens in Kraft, welches heute noch in Geltung ist. Die wichtigste Bestimmung dieses Abkommens ist der § 4, nach welchem Waren, die vollständig in Palästina oder Syrien erzeugt oder die vollständig in einem der beiden Länder aus ausländischem Material hergestellt wurden, zu dem anderen Gebiet frei von Einfuhrzoll zum Import zugelassen werden. Ausgenommen hiervon sind nur solche Erzeugnisse, die besonderen inneren Verbrauchsabgaben unterliegen, z. B. Tabak, Salz, Streichhölzer und Alkohol. Man hat sich seinerzeit auf seiten der jüdischen Industrie Palästinas von den Wirkungen dieses Abkommens außerordentlieh viel versprochen, wobei man etwa von folgendem Gedankengang ausging: Der syrische Markt ist weit größer und auch in vielen Beziehungen kaufkräftiger als der palästinensische, Dieser allein ist nicht aufnahmefähig genug, um die Basis für eine jüdische Industrie abzugeben. Das ״quantitative Betriebsoptimum“ kann dann in den meisten Fällen nicht erreicht werden, wenn man nur für Palästina arbeitet. Deshalb brauchen wir die ״offene T ü r“ i n Syrien. Ueberhaupt müssen wir danach streben, Palästina allmählich zum industriellen Zentrum des Nahen Ostens zu machen, wir brauchen noch viel mehr ״offene Türen“ als die syrische, und deshalb ist das Abkommen mit diesem Nachbarlande ein vielversprechender und begrüßenswerter Beginn. Wie haben sich nun die Dinge in den sieben Jahren, die seither vergingen, gestaltet? Nehmen wir zunächst einmal die rohen Ziffern der Hand e IfS b i 1 a n z, so ergibt sich folgendes: Jahr Einfuhr aus Syrien Auafuhr nach Syrien 1929 1 055 617 £P 307 052 £P 1930 1 035 411 £P 210 342 £P 1931 1 016 948 £P 256 221 £P 1932 813 241 £P 302 808 £P 1933 942 683 £P 212 982 £P 1934 1083 095 £P 227 143 £P 1935 (8 Monate) 827 854 £P 211 198 £P Daraus ergibt sich, daß der palästinensisch-syrische Handelsumsatz und, der Prozentsatz des Ueberschusses zugunisten Syriens sich wie folgt entwickelt hat: Jahr 4■ zugunsten Syrien• Umsatz in % vom Umsatx 1929 1 363 000 £P 48 0/0 1930 1 246 000 £P 66 °/0 1931 1 273 000 £P 60 °/0 1932 1 116000 £P ס/״ 46 1933 1 155 000 £P #/״ 63 1934 1 310 000 £P ס/» ו)6 1935 (8 Monate) 1 039 000 £P ס/״ 60 Mit der einen Ausnahme des Jahres 1932, in welchem die schlechte syrische Ernte den syrischen Export nach Palästina, der ja auch sehr stark landwirtschaftlicher Natur ist, wesentlieh verminderte, hat also der Ausfuhrüberschuß zug u n s t e n Syriens stets bei und über 60 0',״ vom gegenseifigen Gesamtumsatz beider Länder gelegen. Dabei darf man freilich nicht verkennen, daß der prozentuale Anteil des Imports aus Syrien am palästinensischen Gesamtimport in den letzten Jahren dauernd zurückging. Er betrug nämlich: 1929 1930 1931 1932 1933 1934 1935 (8 Monat-' T4,7% 14,8% 17,1% 10.5% 8,5% 7J~i JJ% ’ Die Entwicklung erscheint auf den ersten Blick als natürbeb■ Das Einsetzen der Einwanderungswelle hat den Bedarf Palästinas an Konsumgüteru in seiner Struktur stark gevvandelt. Europäische Produkt?: traten im Import stark in den Vordergrund, die Bezüge aus den Nachbarländern sanken dementsprechend prozentual stark ab. Deshalb ist der Anteil Syriens am palästinensischen Gesamtimport so sehr gesunken — aber die Tatsache, daß unter dem Regime des Gegenseitigkeitsabkommens der Vorteil der Vereinbarungen ausschließlich auf syrischer Seite lag, bleibt dennoch bcstehen. Was insbesondere den Inlandsmarkt der jüdischen Industrie anlangt, die das Abkommen einst mit so großen Hoffnungen begrüßte, hat sich folgendes ergeben: Es ist nicht §e!ungen, den Export an jüdischen Industrieerzeugnissen nach yrien zu steigern. Dagegen ist der Import Palästinas an syrischen Industrieerzeugnissen in den letzten Jahren stark gewachsen. Es ergibt sieh folgende Entwicklung im palästinensisch-syrischen Außenhandel an Fertigwaren: Einfuhr haläsfinas Einfuhr Syriern* Jahr aus Syrien aus Palästina 1929 1930 1931 1932 1933 1934 1935 (8 Monate) in Firtijwirn 473 076 £P 526 881 £P 364 795 £P 266 517 £P 329 436 £P 429 405 £P 344 504 £P 111 608 £P 106 703 £P 114 201 £P 114 228 £P 111 459 £P 95 861 £P 74 070 £P Hieraus ergibt sich also, daß seit dem Jahre 1932 Palästinas Käufe an syrischen Fertigwaren sich dem Wert nach fast verdoppelt haben, denn wir werden für 1933 im ganzen einen Import von ungefähr 520 000 £P aus Syrien erreicht haben. Die abschließenden Ziffern hierüber liegen zwar noch nicht vor, aber die obige Angabe für 8 Monate läßt das erwarten. Aut der anderen Seite ist unser Export an Fertigwaren nach Syrien mit zirka 110 000 £P im ganzen Jahr 1935 (zirka 74 000 £P in den ersten acht Monaten) etwa ebenso hoch eblieben wie im Jahre 1932, so daß wir also an industriellen ertigwaren allein im Verkehr mit Syrien 1932 zu einem Einfuhrüberschuß von etwa 132000 £P gelangt sind und 1935 zu einem solchen von etwa 410 000 £P. Das zeigt ganz deutlich, daß die seinerzeit an das Abkommen geknüpften jüdischen Hoffnungen stark ent- Jugendalijah wird angesiedelt Uns wird geschrieben: Die erste Jugendalijahgruppe aus Deutschland in Ejn Charod hat ihre Ausbildung beendet. Am 21. Februar wurde ihr Abschied von Ejn Charod gefeiert. Man sah deutlieh — und die Jungen und Mädchen bestätigten es, — daß ihnen der Abschied von Ejn Charod, wo sie sich in den zwei Jahren gut eingelebt hatten, schwer fiel. Es wurde bei dieser Feier Rechenschaft abgelegt über die in den zwei Jahren der Ausbildung geleistete Arbeit. Wie gute Arbeit geleistet worden ist, beweist die Tatsache, daß etwa 40 von 65 Jungen und Mädchen beschlossen haben, zusammenzubleiben und die Aufgabe übernommen haben, Scheie 11 A-Brek zu besiedeln. Scbeich A-Brek liegt bei Kirjath Haroshed (vor Haifa). Bisher gab es dort nur wenige Hütten einiger Hirten und eines Schomers; jetzt hat hier die Jugend aus Deutschland ihre _ Zelte aufgeschlagen, und die schöne Landschaft wird von ihrem Leben erfüllt. Zunächst sind alle Jungen unef Mädchen auf Außenarbeit, sei es bei Bauten oder bei der Aufforstung des Keren Kajemeth-Waldes, beschäftigt. Während sie früher in ihrer Ausbildungszeit vier Stunden arbeiteten• und vier Stunden lernten, muß jetzt die Tarbuth ■Arbeit nach achtstündiger Arbeitszeit geleistet werden. Gewiß ist dieser Uebergang schwer, und schwere Arbeit steht der Jugend noch bevor, bis sie in der Lage sein wird, auf dem von ihr gewählten Punkt statt der Zelte ihre Baracken oder gar Steinhäuser aufzubauen. Der gesunde Geist der Jugend spricht aber dafür, daß sie ihre Aufgabe bewältigen wird. Für diese Gruppe, die einst als Vortrupp der Jugend- Alijah in Ejn Charod eintraf, ist die Zukunft also geregelt. Aber es werden ja neben jenen ersten nun bald auch «och andere auslernen, und was muß geschehen, um ihnen eine Arbeitsmöglichkeit auf dem Lande zu geben, damit sie nicht genötigt sind, in die Städte abzuwandern? Am leichtesten wird eine Antwort für die zu finden sein, die, wie die Jungen und Mädchen in Ejn Charod, bereits jetzt in einer Siedlung leben, die selbst in der Expansion begriffen ist und ständig neue Mitarbeiter braucht. In solchem Falle zeigt sich keine besondere organisatorische Aufgabe, sondern mir eine finanzielle, und zwar die Gewährung von Krediten seitens des Keren Hajessod und der ״Zentralstelle zur Ansieähmg deutscher Juden“, die der Jewish Agency angeglicdert ist, Soweit fällt die definitive Eingliederung der Jugcnd-Alijah mit dem allgemeinen Ausbau der landwirtschaftlichen Siedlungspunkte zusammen. Nicht ganz so einfach und fast autor Bei Aufforstungsarbeiten auf KKL-Boden matisch kann sich die ״Etablierung“ jener Allsgelernten der Jugend-Alijah gestalten, die in bereits völlig ausgebauten Kwuzoth oder in Heimen, auf Lehrfarmen, Landwirtschaftsschulen usw. untergebracht sind. Für sie muß ein besonderer Weg beschritten werden, unter vollem Einsatz der nationalen Mittel, also unter spezieller Mitwirkung des Keren Hajessod, und zwar nicht nur als einmalige Aktion, sondern als ständige Aufgabe auf Jahre hinaus gemäß dem permanenten Charakter der Jugcnd-Alijah. Diese neue zusätzliche Aufgabe des Keren Hajessod sei hier wenigstens umrißweise g£- schildert. lieber die organisatorische Form ist man sich schon klar geworden. Die Absolventen der Jugend-Alijah werden zumeist in ״Kibbuzim“ zusammengefaßt werden, die zunächst vom Ertrag einer eigenen Hilfswirtschaft und von Lohnarbeit existieren und später zur Voilsiedlung gelangen sollen. Je größer von Anfang an die eigene Hilfswirtschaft und je früher der Termin der Vollsiedlung, um so besser natürlich für Zusamrnenhalt und Leistung der Gruppe selbst und für die nationale Kolonisation im allgemeinen. Von dem Zeitpunkt, da die ersten Kibbuzim aus den Reihen der Jugend-Alijah auf eigene Fülle gestellt werden müssen, trennen uns nur noch wenige Monate. Für die Zuweisung von Boden zur Errichtung der notwendigen Hilfswirtschaften und weiterhin auch der Voll- Siedlungen setzt sich der Keren Kajemeth ein. Aber es verbleiben sehr wichtige Aufgaben konstruktiver Art; man muß den Boden urbar "machen, die Wasserversorgung anlegen, Unterkunftsräume und Ställe errichten, das lebende und tote Inventar, das Saatgut usw. beschaffen. Da die Jugendlichen, die aus Deutschland heniberkamen, selbst in der Regel über keine nennenswerten Geldmittel verfügen, so wird man ihnen das für den Aufbau ihrer Siedlungen enorderiiche Anlage- und Betriebskapital als langfristigen Kredit zu geben haben. Die Bereitstellung dieser Kredite für die Aiisiedlung der ״Ausgelernten" durch Erweiterung bcslehender und Aufbau neuer Kibbuzim und Kwu/oth kann selbstverständlich nicht dem Insti.ut der Jugend-Alijah auigcluirdet werden, das ja ausschließlich der Organisierung und I inan/ienuig der Ausbildtmg dient um! seine Verpflichtung gegenüber dem ein- .׳einen Jugeiid’ichen erfüllt hat, sobald seine zwei Lehrjahre vollendet sind. An dieser Stelle setzt daher die Funktion des allgemeinen Atifbaufonds ein, des Keren Hajessod, der nunmehr also zu seinen übrigen Zielen und Zwecken auch die Installierung der Absoh enteil der Jugend-Alijah übernimmt. Mittagspause auf dem Feld!1**1 •<■!״.-Pro», Tei-Awiw •**וי&י; täuscht worden sind. Aber in Wirklichkeit liegen die Dinge noch viel krasser, als dies aus den Zahlen ersichtlich ist, zum mindesten auf einzelnen Gebieten. So stammt heute beispielsweise der Menge nach etwa 84 <y0 unserer gesamten Schuheinfuhr aus. Syrien. Die palästinensische Schuhindustrie, die an sich hoch entwickelt ist und gegenüber anderen Ländern einen ziemlich bedeutenden Zollschutz genießt, ist beim besten Willen nicht dazu in der Lage, mit der Konkurrenz der zum weitaus größten Teil von billigsten armenischen Arbeitskräften in Syrien produzierten Schuhe zu konkurrieren. Die Löhne dieser Armenier sind so phantastisch niedrig (etw׳a 4—6 palästinensische Grüsch per Tag), daß auch arabische Arbeit mit ihnen nicht konkurrieren kann. Deshalb fühlt auch gerade das hochentwickelte arabische Schuhmachergewerbe in Palästina diese Konkurrenz, und nicht nur die modernen jüdischen Schuhfabriken. In einem anderen Falle, in dem der Brauereiindustrie, kommt dem syrischen Bier die Tatsache zustatten, daß das palästinensische Bier in der neuen Brauerei von Rischon Le Zion, das qualitativ ausgezeichnet ist, die palästinensische innere Verbrauchsabgabe zu bezahlen hat, während das syrische Bier, wenn es exportiert wird, von der syrischen Verbrauchsabgabe befreit ist und beim Import nach Palästina weder den Bierzoll, der gegenüber dem Import aus anderen Ländern Geltung hat, noch auch die palästinensische Verbrauchsabgabe zahlt, weil bei der Festsetzung der verbrauchsabgabepflichtigen Artikel im palästinensisch-syrischen Gegenseitigkeitsabkommen in Palästina Brauereien noch nicht existierten und man Bier daher nicht berücksichtigte. Es ist klar, daß dies eine schwere Behinderung der Entwicklung der palästinensischen Brauerei in Rischon Le Zion darstellt und es ist auch nur natürlich, daß unsere Biereinfuhr aus Syrien unter diesen Umständen in den letzten Jahren gewaltig gestiegen ist. Sie belief sich im Jahre 1933 beim Flaschenbier auf 31874 Liter, im Jahre 1934 aber schon auf 157 683 Liter und im Jahre 1935 war sie noch viel höher. Beim Faßbier war die Steigerung noch stärker. Wenn wir uns einen anderen Artikel ansehen, in welchem Palästina einen relativ starken Export nach Syrien hat, nämlich Socken und Strümpfe, so finden wir auf der anderen Seite aber auch ein dauerndes Anwachsen des palästinensischen Imports aus Syrien. So hat noch im Jahre 1930 unser Ausfuhr ü b erse h u ß an Socken und Strümpfen nach Serien zirka 10 000 £P betragen, im Jahre 1933 war er aber schon auf 5000 EP gesunken, im Jahre 19134 auf 700 £P mul für 1933 ist wahrscheinlich mit der Umkehrung des Verhaltnisses, nämlich mit einem Einfuhrüberschuß zu rechnen; allerdings liegen Zahlen hierüber noch nicht vor. Es ist klar, daß diese Beispiele nicht erschöpfend sind. Es ließe sich noch, hinweisen auf die Bedrohung unserer Seiden- Webereien, uer Makkaronifabrikation, der Zementindustric und einiger anderer Industrien durch die Zollfreiheit des Imports aus Serien. Aber damit ist nicht gesagt, daß wir nun auf das Gegenseitigkeitsnilkommen grundsätzlich verzichten wollen. Wir wollen doch, daß eine Reihe von Artikeln aus diesem Gegenseitigkeitsabkominen heraiisgenoinmeii werden, während es im Prinzip bestehen bleiben soll. Auch wenn die palästinensische Regierung, die dieser Forderung durchaus svmpathiseh gcgenüberstcht, dies durchsetzt, bleibt für Syrien immer noch ein gewaltiger Ucberschuß im Handelsverkehr mit Palästina. Dr. Alfred Marcus, Ramath Gan Für die am 30. April beginnende Levante-Messe hat der Stadtrat von Tel-Awiw Dov Hos zum Bevollmächtigten ernannt. Er wird die Aufgabe haben, die ständige Verbindüng zwischen Stadtverwaltung und Messe-Leitung aufrecht zu erhalten und die Zusammenarbeit der beiden Instanzen zwecks Sicherung des Messe-Erfolges zu kontrollieren. DEUTÜCHLMD Verkehrsgesellschaf t m• h. H. < - PALÄSTINA Eeltiing: Ilr. E. E. ASCII EM Spexialhfiro für Palästina-Reisen Schiffskarten für sämtliche hinien Preis-Ermäßigung Hinn. Rückfahrt rar Frühjahrsreisen ^lv /® über Triesie od. Konstanza Berlin W 15, Kurfürstendamm 224, Eekliaus Meinekestraße Rnf: .11 Bismarck 3124

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