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Jüdische Rundschau · 1936-03-20 · Heft 23 (20.3.1936) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 23 (20.3.1936)
Date
1936-03-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
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S“’♦*» 14 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 23 20. HL 1936 England und die London, 16. März. (JTA.) In der Unterhaus- Sitzung■ vom 16. März richteten die Abgeordneten Morgan und Major Proctor Anfragen an den Staatssekretär für Ueberseehandel, Captain W a 11 a c e, über die Entsendung von Handelsdelegationen zur Levante-Messe in Tel-Awiw. Abg. Morgan fragte, ob im Hinblick darauf, daß mehrere ausländische Handelsdelegationen offiziell an der bevorstchenden Levante-Messe tcilnchmen und der palästinensische und nahöstliche Markt für England wachsende Bedeutung erlangt, auch eine englische Handelsdelegation zur Messe entsandt werden wird. Major Proctor regte in seiner Anfrage die Unterstützung einer kleinen Delegation mit Rücksicht auf die in letzter Zeit verstärkten Handelsbeziehungen zu Palästina an. Captain W a 11 a c e antwortete auf beide Anfragen, er sei nicht im Besitz von Informationen über den Besuch Palästinas durch ausländische Händclsdelcgationen während der Levante-Messe; auch habe kein englischer Industriezweig dem Department für Ueberseehandel die Absicht der Entsendung einer Handelsmission bekanntgegcbcn. Sollten sich jedoch Vertreter der englischen Industrie dazu entschließen, so werde er dem Handelsagenten der englischen Regierung in Haifa den Auftrag geben, diese Aktion in jeder Weise zu unterstützen. London, 17. März. (JTA.) ln der Unterhaus- Sitzung vom 17. März fragte der Abgeordnete Morgan den Handelsminister R u n c i m a n, ob in letzter Zeit der von einer Beseitigung des Zolls auf palästinensische Waren zu erwartenden Belebung des gegenseitigen Handelsverkehrs?.wischen England und Palästina Beachtung geschenkt worden sei, und ob der Minister, wenn dies nicht der Fall sei, eine baldige Prüfung der Angelegenheit veranlassen wolle mit dem Levante-Messe Ziele, daß während der bevorstehenden Levante-Messe in Tel-Awiw, wenn die Frage einer Verstärkung des Handels mit Palästina besondere Aufmerksamkeit finden werden eine Ankündigung der künftigen Politik erfolge. Der Handelsminister beschränkte sich darauf, den Ab* geordneten auf die Antwort zu verweisen, die am 10. Februar dem Abgeordneten Captain Strickland erteilt wurde. (In der betreffenden Unterhaussitzung hatte Captain Wallace erklärt, es sei der englischen Regierung infolge rechtlicher Schwierigkeiten unmöglich, palästinensischen Produkten eina Bevorzugung zu gewähren.) Der Abgeordnete Captain Strickland hatte zwei Inter« ellationen über die Beteiligung Englands an den evante-Messe eingebracht, die eine an den Staats« Sekretär für Ueberseehandel, die andere an den Kolonien« minister, ln beiden Interpellationen wurde gefragt, welche Maßnahmen getroffen wurden, um eine möglichst großzügige Beteiligung Englands an der Levante-Messe zu sichern, in der Anfrage an den Staatssekretär für Ueberseehandel wies der Abgeordnete darauf hin, daß eine Reihe von Staaten offizielle Vertretungen zu der Levante-Messe entsenden. Beide Anfragen wurden durch Captain CrookshanH beantwortet, der erklärte, es seien keine weiteren Schritte als die in einer am 17. Februar in einer Anfragebeantwortungj erwähnten vorgesehen. (Damals hatte Staatssekretär Euan Wallace auf eine Anfrage des Abgeordneten Morgan geantwortet, das Department für Ueberseehandel habe neben seinem Informationsbüro auch für einen entsprechenden Hinweis aut die Messe in dem Board of Trade Journal, das für die Unter- Stützung des einheimischen Exports bestimmt ist, Sorge getragen.) sie fand ihren neuen organisatorischen Ausdruck in der Schaffung einer Aktiengesellschaft, der die Ausführung der Arbeit obliegt. Die ״S c h i k u n“ (Housing) Ltd. unter der Leitung von Leo Kaufmann und S. Lubianiker hat sowohl in den drei großen Städten des Landes, in Tel-Awiw, Haifa und Jerusalem, als auch in kleinerem Maße in Afule, Tiberias und anderen Orten sich bemüht, das brennende Wohnungsproblem des jüdischen Arbeiters im Lande zu erleichtern und sich der Gründung von zusammenhängenden Arbeitervierteln, und dem Bau von großen Wohnblocks zugewandt. Die Aufgabe der Gesellschaft ist der Erwerb der notwendigen Bcxienfiächen, die Planung der städtebaulichen Anlage und der Häuser, die Ausführung des Baues und die juristische Formgebung der Siedlungen. Es stellt zur Zeit insgesamt Boden für 10 000 Familien zur Verfügung des ״Schikun“, der zu einem Teil bereits ausgenutzt ist, davon gehören dein Keren Kajcmeth Lejisrael zirka 6000 Plätze (vor allem in der Haifa-Bay). Bis zum Ende dieses Jahres wird die Gesellschaft 1000 Einzelhäuser, 750 Wohnungen in großen Blocks und etliche Häuser für Kollektivgruppen erstellt haben. Die größte Leistung der Gesellschaft ist das bereits erwähnte große Arbeiterviertel Kirjath Chajim in der Haifa-Bay. Der neue jetzt begonnene Plan von Kirjath Awodah gibt diesem ersten an Umfang und Groß- Zügigkeit nichts nach. Außerdem finden wir in den palästinensischcn Städten, vor allem in Tel-Awiw, kleinere Arbeiterviertel, die aus Einzelhäusern mit Gärten bestehen und große Wohnblocks, in denen eine Anzahl von Wohnungen zusammen gefaßt sind. Eine Uebcrsicht über die bisher erstellten und jetzt im Bau befindlichen Viertel und Blocks zeigt, wie die Gesell- Schaft und überhaupt Tel-Awiw während der letzten Jahre zu bauen gelernt hat. Planung, Grundriß, Fassade, Innencinrichtung bessern sich stetig, Fehler werden ausgemerzt, und wenn auch neue gemacht werden, so sieht man doch bei jedem neuen Bau, daß Fortschritte zu verzeichnen sind, daß man sich .sowohl den Anforderungen des Klimas wie auch den Möglichkeiten des Arbeiters immer besser anzupassen weiß. Eine wichtige Folge der Bemühungen und der sich sammelnden Erfahrungen ist die Verbilligung von Bauten. Die Beschaii'u ng entsprechender Wohnungen zu erschwingliehen Preisen bedeutet für den jüdischen Arbeiter im Lande eine Vergrößerung seines Reallohns, bessere hvgienische Verhältnisse, bessere Lebensbedingungen für Frau und Kinder, kurz, einen viel menschlicheren Lebensstandard, als er sonst gegeben ist. Die Aussicht, daß sich eine Verbreiterung dieser wichtigen Aktionen durch den Beginn der Arbeiten in Kirjath Awodah anbahnt, ist gerade unter den heutigen schwereren Bedingungen tröstlich. Die Gesellschaft ״Schikun“ beginnt in den Monaten März bis Mai mit dem Bau von weiteren SK) Häusern und Wobnungen. Damit wird Arbeit für ungefähr 1000 Menschen geschaffen. Insgc'-anit werden sich die Investitionen der Gc- Seilschaft bis Fmlc IQ'So auf eine Million Pfund belaufen. Fs sei ntxh bemerkt, daß die Arbeiten der Gesellschaft auf kooperativer Basis durchgeführt werden, so daß die besiedelten Böden der Spekulation entzogen sind. Nur eine Teillösung des Wohnungsproblems Die Gesellschaft .,Schikun“ dient den Interessen aller Mitglieder der allgemeinen Arbeiterorganisation. Aber sie bat bisher bei den gegebenen Bedingungen gerade d e m Teil der Arbeiter und der armen Bevölkerung nur wenig helfen können, der es am nötigsten hat, nämlich denen mit dem niedrigsten Lebensstandard, den schlechtesten Wohnbedingungen und dem geringsten Einkommen. Bekanntlich sind die Wohnbcding u n g c n unter den Juden in den palästinensischen Städten ganz besonders schwierig. Nach den letzten Erhebungen ergibt sich eine übermäßige Wohndichte, und die Folge ist, daß der Arbeiter infolge der phantastisch hohen Mieten einen ungebührlich großen feil seines Lohnes für Miete ausgeben muß, ohne doch ein entsprechendes Heim zu haben. Diese Zustände sind zu einem Teil eine unausbleibliche Folge der großen Einwanderung, da der Bau im Lande gerade bei großen Immigrationswellen immer nachhinkt und der übermäßigen Bodenpreise. Es entstehen auf diese Weise iin Lande echte Slums mit baufälligen Baracken, hygienischen Bedingungen, die jeder Beschreibung spotten, und einer beängstigenden Wohndichte. Das Problem der ,,verlassenen Kinder“, das seit etlicher Zeit alle, die sielt mit sozialen Fragen im Lande befassen, beschäftigt, hängt zu einem Teil mit dem Wohnungsproblem und dem dadurch erzwungenen gedrückten Lebensstandard zusammen. Wie überall auf der Welt, ist auch in Paläsfina dieses Wohnungsproblem nur mit grollen konzentrierten Mitteln, die in öffentlichen Ilanden liegen, zu lösen. Die Aufgabe, die Slums zu vernichten und ihre Ausbildung und Vergrößerung zu vermeiden, kann durch eine solche Gesellscliaft wie die des ״Schikun“' nur zu einem B r u c 11 t e i 1 gelöst werden. Der (ivsvllschaft standen keinerlei ölfentliehe Mittel zur Verfügung, liie Boden mußten gekauft werden (außer an den Stellen, wo sie der Keren Kajemeth zur Verfiiguttg stellen konnte), was allein schon große Mittel erforderte. Ebenso müßten die Gelder für den Häuserbau aufgebracht werden, Fs gelang der Gesellschaft, Hypotheken zu gunstigen Bedingungen zu bekomm׳'» (insbesondere haben die großen englischen Versicherungsgesellschaften ״Prüden- Tini“ und ״Guardian Mastern“ in diesen Unternehmungen über 150 000 Pfund investiert, ebenso wie die ״General Mortgage Bank“). Auf diese Weise gelang cs, die Raten für die Ah/ah-!urig der Hauser tim! der Wohnungen in den < iemeinschafts- Blocks so niedrig zu gestalten und sie auf so lange Zeit ans/udclincn, daß sie sich geringer stellten als die teure Miete der let/leii Fahre. Da aber immerhin eine bare E 1 n - läge der Arbeiter notwendig war und außerdem diese Raten eben doch aufgebracht werden mußten, konnte nur die geh o b e ne Schicht der Arbeiter an dem Werke beteiligt werden. Man muß freilich zugeben, daß es den Anstrengungen der letzten Jahre gelungen ist, die Schichten, die in die Arbeiterviertel einbezogen wurden, zu verbreitern. Aber gerade an die ärmsten Schichten konnte mar! bisher nicht herankommen, und man wird ihnen auch nicht helfen können, ehe nicht öffentliche Mittel großen Stiles dieser Aktion zur Verfügung stehen. Es ist klar, daß es nur eine Stelle in Palästina gibt, die diese Mittel bereitste!!en kann und die auch zugleich die nötige Autorität hat, um wirklich billigen Boden zu beschaffen, das ist d i e Regierung selbst, wie ja überall auf der Welt die Wohnungspolitik vor! der Regierung oder den großen Kommunen in Angriff genommen worden ist. Die Regierung hat auch in ihrem Kassenüberschuß die Mittel in Händen, aus denen diese Unternehmungen gespeist werden können. In der heutigen Situation, wo die Arbeitsbeschaffung das Zentral- Problem der jüdischen Wirtschaft darstellt, wäre durch die Inaugurierung derartiger Piäne ־zugleich diese Frage zu lösen. Die Gesellschaft ״Schikun“ hat vor einiger Zelt den Mitgliedern des Parlaments in London ein Memorandum vorgelegt, in dem die Situation irn Wohnungswesen geschildert und die Hilfe der Regierung verlangt wurde. Es wäre an der Zeit, daß die jüdischen Institutionen einen umfassenden Plan für diese Arbeiten vorbereiteten und ihn den Behörden zur Ausführung vorlegten. Die bishörigen Leistungen des ״Schikun“ und die hier gesammelten Erfahrungen könnten für eine größere Aktion dieses Stiles ein gutes Vorbild abgeben. Purim in Tel-Awiw De Stadt Tel-Awiw veranstaltete in diesem Jahre keinen Purim-Karneval, ein Entschluß, der sicher nicht leichten Herzeus gefaßt wurde. Denn sieht man von dem rein Vergnügutigsmäßigen ab, so war die Devise ״Purim in Tel- Awiw‘ immer ein Faktor, mit dem die Wirtschaft mit gutem Grund rechnen konnte. Zehntausende von Menschen ans dem In- und Ausland strömten zusammen, brachten Geld in Umlauf, steigerten die Umsätze. Kann man es sich in heutiger Zeit erlauben, da die Prosperity einer Stagnation Platz gemacht hat, aut ein so wunderbares Mittel der ״Ankurbelung“ zu verzichten•1 Man kann es. Denn das Solidaritätsgefühl ging uns von jeher über alles und die Juden draußen, die uns — mit Recht — auch noch in der Periode der Stagnation für glücklicher halten, als sie es heute zu sein vermögen, haben Anspruch auf Beweise unserer Verbundenheit mit ihnen. Am Fasttag, der den Namen der Königin Esther trägt und dem Purimfeste bekanntlich unmittelbar vorangeht, zog zur Klagemauer in Jerusalem unaufhörlich eine Gruppe von Menschen nach der anderen, sie standen vor den Steinen, beteten wortlos oder mit erhobener Stimme, einzeln oder vereint, bekannte Texte oder improvisiertes Gestammel. Den unmittelbaren Anlaß zu dieser Wallfahrt boten die Nachrichten von der Lage in Polen und darüber, daß man dort die ״Schcchita“ untersagen will. — Nicht wie sonst wurde acht Tage vor Purim die Stadt Tel-Awiw bunt, keine bemalten Tore wurden in den Hauptstraßen aufgebaut. Kein ungeheurer Zptrom von Gästen setzte ein. Die Hotels hatten eine normale5 Freausnz. Die Schilder der möblierten Zimmer verschwände# nicht. Fast ebensoviel Personen fuhren aus Tel-Awiw fort, um sich ein paar Tage Erholung zu gönnen, wie Bewohner anderer Orte des Landes nach Tel-Awiw kamen, um die Festspiele zu sehen, oder die Purimbälle zu besuchen, die den Tel-Awiwern zu nehmen man nicht das Herz hatte. Nur wer abends am ״Bürgerplatz“ am Ende des Rothschild-Boulevards und der Achad-Haam-Stralie vorbeikam, konnte Zeuge von Arrangierproben auf der im Freien aufgeschlagenen Bühne werden. Das Matate-Theater hatte die architektonisch höchst zweifelhafte Fassade der ״Opera Mograbi“ liebevoll mit einer riesigen Lichtreklame verkleidet, die den traditionellen Matate-lHirimball ankündigte. Langsam aber sicher setzte in den Straßen das Schießen mit den Kinder- Revolvern ein, eine — übrigens typisch orientalische und auch bei den Arabern anläßlich freudiger Feste gepflegte — Unsitte, die man verbieten sollte, weil es immer dabei zu mehr oder minder ernsten Verletzungen kommt, und weil die durch Arbeit und Klima stark in Anspruch genommenen Nerven des palästinensischen Städters schonungsbedürftig sind. Solchermaßen vorbereitet, ging der Tel-Awiwer dem Purim entgegen, entschlossen, trotz — oder besser: gerade wegen — der schlechten Zeiten zwei Tage, bzw. Nächte zu feiern, die Sorgen zu vergessen, sich zu verkleiden, den Alltags-Arbeits- Menschen in den Schrank zu hängen und sich ein wenig Freude zu holen. Am Schabbatabend um y)7 Uhr eröffnete, wie üblich, die Vorlesung der Megillat-Esther in der Großen Synagoge die Feiern. Die Synagoge selbst war überfüllt. Tausende von Lauschenden standen auf der Allenbystrafle und hörten der Uebertragung, die ihnen durch den Lautsprecher übermittelt wurde, aufmerksam zu, nicht ohne auf die bekannten Stellen mit einem ohrenbetäubenden Geschieße aus den Kinderrevolvern zu reagieren. Von der Allenbystraße aus zum ״Bürgerpfatz ergoß sich ein unabsehbarer Strom von Menschen, die dem Festspie! beiwohnen wollten. Das sich dort dem Beschauer darbietende Bild war phantastisch. Der große Platz war angefüllt von 25 000 Besuchern, die, abgesehen von einer Schar von Auserwählten, die auf einer Holztribüne Plätze angewiegen erhalten hatten, den Darbietungen stehend folgten. Unter den Gästen bemerkte man u. a. Vertreter der Regierung, des Heeres und der Polizei, Mitglieder der Stadtverwaltung und die Vertreter der Presse. Das Gelände wurde umsäumt von riesigen Scheinwerfern, die sich auf die illuminierte Bühne konzentrierten, in deren Mittelpunkt ein Imposanter Thron für den König Ahasveros aufgebaut war. Die Dächer und Balkons der umliegenden Häuser und halbfertigen Neubauten waren dicht besetzt. Bürgermeister Dfzengoff eröffnete die Feierlichkeiten mit einer Ansprache, die, wie auch die gesamten späteren Darbietungen, durch Lautsprecher übertragen Schriftleitung, Anzeigen-Vermaltung und Vertriebt- Abteilung bitten hiermit, Zuschriften — wenn auch in gleichem Briefumschlag — mSglkhet für jede Stelle getrennt auf besonderem Bogen tu senden. Vor allem ist Name und volletSndige Anschrift deutlich zu vermerken. Nur dann kann prompte Erledigung und Beantwortung zugesichert eaerden wurde. Er schickte seine Grüße und die der Tel-Awiww Bürger den im Auslande lebenden Juden, deren Blick heute auf Palästina gerichtet ist. Anschließend an seine von Herzen kommenden Worte begann das Purimspiel, als dessen Verfasser J. D. Bercovitz zeichnet und das von Mosche H a 1 e v y, dem Leiter des ״Ohel“, in Szene gesetzt, von Pogatschow instrumentiert und von den Kapellen der Feuerwehr und des ״Hapoel“ unter Leitung des Dirigenten acobsohn begleitet wurde. Das Bühnenbild stammte vom( el-Awiwer Maler Gut mann, der in früheren Jahren die Figurinen für den Karneval schuf. Das äußerst amüsante und kurzweilige Spiel wurde abgeschlossen durch ein veritables Feuerwerk, das auf einem zur Seite des Platzes gelegenen Neubau abgebrannt wurde. Die Menge verließ in wohlgeordnetem Zug nach dem Gesänge der ״Hatikwah“ den Platz in der Richtung auf die Stadt. De Straßen selbst wiesen am Abend, im Vergleich zu früheren Jahren, ein verhältnismäßig ruhiges Bild auf. Nur in der Nähe der Oper und der großen Aüenby-Kreuzung stauten sich größere Menschenmengen. Zwischen 10 und 11 Uhr begannen sich die Säle, in denen die offiziellen Purim- Bälle stattfanden, zu füllen. Gegen Mitternacht erreichte der Ball auf dem Messegelände seinen Höhepunkt durch das Auftreten Felix Bressarts, der nach einer kurzen hebräischen Ansprache einige Chansons und eines seiner berühmten Telephongespräcne vortrug. Bressart lernte an diesem Abend Horra tanzen, und es sollte uns nicht wundern, wenn er in einem seiner kommenden Filme Reminiszenzen an diesen Tel-Awiwer Purim auffrischen würde. Die Tozereth-Haarez- Halle in. einen Ballsaal zu verwandeln, hat sich bei bisherigen Versuchen fast stets als unmöglich erwiesen. Man kann jedoch den Veranstaltern diesmal gern bescheinigen, daß mit vielem Geschick die Schwierigkeiten, die der langgestreckte Raum bietet, um ihm ein stimmungsvolles Bild zu geben, überwunden wurden. In der Mitte des Saales war eine hängende Bühne konstruiert, die den Raum in zwei Hälften teilte. Dort hatte das ganz ausgezeichnete Orchester, das sich zum großen Teile aus Mitgliedern des Tel-Awiwer Symphonie- Orchesters zusammensetzte, seinen Platz. Der Saal selbst war liebevoll dekoriert, und außer den erwähnten Darbietungen wurde das Publikum noch von dem Tänzer Kogan und seinen Girls unterhalten. Man tanzte hier bis in die frühen Morgenstunden, ebenso wie in den Gesamträumen des Mograbi-Theaters, wo sich die Matate-Leute niedergelassen hatten. Hier herrschte Hochbetrieb. Der Zugang zu den Sälen war nur schwer passierbar, und die außerordentliche Fülle minderte in den ersten Stunden die Tanzmöglichkeit herab- Wie stets sorgten jedoch die Künstler des Matate dafür, daö die Stimmung nicht nachließ. Von den kabarettistischen Darbietungen sind insbesondere, neben den Mitgliedern des Ensembles, die mit wahrhaft unermüdlichem Eifer und ohne Pause den Tanzkapellen assistierend am Werk waren, die Tänze der Tanzgruppe Gertrud Kraus׳, die Darbietungen der Tänzerin Noemi Lif und des Tenors G o 11 a n d, sowie eine reizende Shirley Ternple-Parodie von Tim an zu er* wähnen. Der Purimtag seihst stand vor allem wiederum im Zeichen der morgendlichen Darbietungen für die Kinder auf dem Bürgerplatz. Das Straßenbild war im Vergleich zu den vergangenen Jahren außergewöhnlich ruhig. Eine Um- Icitung des Autobusverkehrs brauchte nicht stattzufinden. Nur gegen Mittag sah man an der Allenby-Kreuzung eine große Menge von Arabern, der Dnge harrend, die da kommen sollten, die jedoch nicht kamen. Es war offenbar nicht bis zu ihnen gedrungen, daß der Festzug in diesem Jahr abgesagt war. Die hebräische Presse widmete dem Purimtage längere Aufsätze, u. a. einen Artikel Avigdor Hameiris, der mit einer Traueranzeige für den Karneval eingeleitet wird. Morgens um 10 Uhr fanden die Aufführungen für die Kinder statt. Der Platz, der am Tage ein gänzlich anderes Bild als bei Nacht bot, war wiederum von zirka 15 000 bis 20 000 Personen, überwiegend Kindern in Kostümen, angefiilit. Leider wirkten die an diesem Morgen schon recht intensiven Sonnenstrahlen etwas störend; trotzdem harrten die Zuschauer geduldig bis zum Ende aus. Freilich blieb man nicht auf einen Fleck stehen. Es wurde viel promeniert. De fliegenden Händler hatten die Gelegenheit ergriffen und sich mit Ständen etabliert, an denen das Tel-Awiwer Nationalgetränk ״Oasos“, die unvermeidlichen Kürbiskerne und Nüsse, Luftballons, Kuchen usw. verkauft wurden. In der Mitte des Platzes standen auf einer großen Kiste eine Gruppe von etwa 50 Menschen. Bef näherem Zusehen entpuppte sich dieser erhöhte Standort als der vor vielen Monaten auf diesem Platz gelegte und jetzt mit Holz verkleidete Grundstein des Habima-Gebäudes. Die Darbietungen selbst wurden eingclcitet von der Verlesung einer von Avigdor Hameiri für Kinder eigens um geschriebenen Megillat-Esther, die von Frau Kastelianiz (vom ״Oliel“) verlesen wurde. Daran schloß sich ein längeres Spiel, das wiederum die bekannten Purimfiguren auf die Bühne brachte und an dem die Tanzgruppen des O r n s t e i n - S t u d i 0 8 und des jemenitischen Balletts von Rina Nikowa mit biblisehen und orientalischen Tänzen sich beteiligten. Zwölf Schulen partizipierten mit lebenden Bildern an der Aufführung. Die Ordnung war hier wiederum mustergültig und gegen Mittag zerstreute sich die Menschenmenge. — Abgesehen von den offiziellen Veranstaltungen fanden eine große Zahl von Feiern in Privathäusern und insbesondere im den Kinder• gärten statt. Manfred Qeis

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