Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 22 (17.3.1936)
- Date
- 1936-03-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2651273-2653922-2653945--28456-2689939- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seif« סז JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 22. 17. IH. 1936 vollen Folgen führen könnte, einer Lage, die ich persönlich bedauern würde. Ich vertraue darauf, daß die Ueberlegungen, die ich in den vorangegangenen Abschnitten dar/ulegen versuchte,dazu dienen werden, die Gründe, aus denen die Regierung Seiner Majestät handelt, klarzumachen und die jüdische öffentliche Meinung über ihre Politik und Absichten zu beruhigen. Ihr aufrichtiger J. H. Thomas.“ Die Antwort Lord Melchetts Das Schreiben des Kokmicniiiinistcrs wurde von Lord Melchett am 10. März folgendermaßen beantwortet: ״Lieber Mr. Thomas, ich möchte Ihnen namens der jüdischen Abordnung, die Sie am 31. Januar 1Q36 zu empfangen die Güte hatten, unseren aufrichtigen Dank für die Erwägung ausdrüeken, der Sie die Vorstellungen unterzogen haben, die wir bei jener Gelegenheit erhoben haben, und für die ausführliche Antwort, die Sie uns zusandten. Zu dieser Antwort möchte ich zunächst sagen, daß wir mit Freude Ihre erneute Versicherung zur Kenntnis genominen haben, es gebe in detn jetzt vorgesdilagenen Plan eines Legislative Council in Palästina nichts, was die Erfüllung der Mandats Verpflichtungen der Reg i e r 11 n g Seiner Majestät stören oder sie in irgendeiner Weise beeinträchtigen könnte. Wenn ich es wage, einen oder zwei der in der Antwort berührten!*unkte kurz zu k o m mentieren, so darum, weil, wie ich zu meinem Bedauern sagen muß, unsere Besorgnis wegen dieser Frage trotz dieser Versicherung und trotz einer weiteren sorgsamen Erwägung der gesamten Lage in hohem -Maße unbeh oben Weiht, Ich glaube, hiimifügen zu sollen, daß, was die Ansicht betrifft, die jüdische öffentliche Meinung hege unnötige Befürchtungen in dieser Sache, die jüngsten Debatten über die Frage des Legislative Council im House of Lords zu zeigen scheine״, daß diese Befürchtungen in der Tat von vielen Mitgliedern des Hauses geteilt werden. Ich nehme mit Anerkennung zur Kenntnis, daß es nicht beabsichtigt ist, infolge der Einsetzung eines Legislative Couneil die gegenwärtig zwischen der Jewish Agency und der Palästina-Verwaltung bestellenden Beziehungen, wie sie in detn Mandat in Aussicht genommen sind, in irgendeiner Weise zu übergehen. Dessenungeachtet ist es schwer, filmischen, wie die Befugnis der J c w i s h A g e u c v, mit der Verwaltung zusammcnziiarbeiten um) sie zu beraten, nicht schwer bee i n t r ä c h t i g t werden wird, wenn Machtbefugnisse von der Verwaltung auf einen Council übergehen, der, wie bereits betont _ wurde, zur Hälfte aus Mitgliedern besteht, deren Ziele einem Jüdischer! Nationalheim feindlich sind. Vor allem anderen aller glauben wir nochmals nachdrücklieh betonen zu müssen, daß, falls das Jüdische Nationalheim irgendeinen wahren Sinn haben soll, der Charakter der palästinensischen J u d e n 1! e i t als nationale Einheit volle v e r f a s s u 11 g s m äßige Ancrkennunp finden muß, und daß in bezug auf die Vertretung irn Council die Juden Palästinas gegenüber irgendeinem anderen Teil der Bevölkerung nicht in eine inferiore Lage gebracht werden dürfen. Eine solche Stellung anzunehmen, hieße sich formell mit der endgültigen Herabsetzung der jüdischen Bevölkerung Palästinas auf jenen Minder 11 citsstatus zufriedenzu- §ebcn, der für die jüdische Lage in vielen anderen Ländern czcichncnd ist und dessen Beseitigung in Palästina einer der primären Zwecke der Balfour-Deklaration und des Mandates waren. Es wird die Annahme des 1Q22 vorgeschlagenen Legislative Council durch die Juden erwähnt. In diesem Zusammenhang sei jedoch bemerkt, nicht mir, daß der Couneil von den Juden damals unter großem Zögern und erheblichem Druck akzeptiert wurde, sondern auch, daß die heutige Lage sich von der damaligen wesentlich unterscheidet. Nicht nur war das Mandat selbst nicht ratifiziert, als der Council vorgeschlagen wurde, sondern auch der Aufbau des Jüdischen Nationalheims in Palästina war noch in einem frühen Stadium und vor allein hoffte man, daß infolge einer solchen Politik weitgehende freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen Arabern und Juden beim Aufbau des Landes z.um gemeinsamen Wohl beider Völker sich entwickeln würde. Während einerseits die letzten fünfzehn Jahre gezeigt, haben — was IQ22 noch zu erweisen war — daß die Juden imstande sind, ihr Nationalheim in Palästina zu errichten, haben sich andererseits die damals gehegten Hoffnungen auf eine j ü d i s r 11-ar a b i s c h e Zusa m menarbei t, soweit die politischen Führer der verschiedenen arabischen Parteien in frage kommen, nicht erfüllt. Während die Frage, ob die Schaffung eines solchen Coundl in der Tat zu einer besseren Verständigung zwischen den beiden Völkern fuhren weide, oder — wie wir behaupten — zu dem Gegenteil, mV wendigerweise eine •Sache der Verin u t u n g sein muß, ist der Schluß, daß eine solche gesetzgebende Körperschaft voraus-ichl'iih zu Reibungen und Uneinigkeit fuhren wird, gerechtfertigt, angesichts des ausdrückliehen Eingeständnisses der arabischen Führer, daß sie den Council hauptsächlich darum für wünschenswert halten, weil er dazu benutzt werden kann, die auf das jüdische Nationalbeim bezüglichen Klauseln des Mandats unwirksam zu machen. Mit allem Respekt wird weiter unterbreitet, daß cs als wünschenswert erachtet ward, daß die Einwohner des Landes, bevor sie zur Uebernahme der Verantwortung einer zentralen Gesetzgebung hermige/ogen werden, einige Erfahrung in der Kunst örtlicher Verwaltung erwerben; wir stimmen darin uberein, daß solche Erfahrung eine außerordentlich wünschenswerte Vorbedingung ist; Gemcindewahlcn, bei denen — wie im Distrikt Jerusalem — etwa 1,2 ״n der Bevölkerung wahlberechtigt sind, können kaum als eine angemessene Schulung für auf dem allgemeinen Wahlrecht beruhende Parlamcntswahlen erachtet werden. Was die Erwägungen betrifft, die sich auf Grund von Ereignissen außerhalb Palästinas ergeben und die, wie wir glauben, den gegenwärtigen Augenblick als ganz besonders ungeeignet für die Einführung eines Legislative Council erscheinen lassem, 90 wagen wir zu behaupten, daß diese Erwägungen von der Regierung Sr. Majestät bei der Festsetzung des geeigneten Zeitpunktes für die Verwirklichung jeglicher Versprechungen, die von ihr in bezug auf die Schaffung eines solchen Council gemacht worden sein mögen, entsprechend berücksichtigt werden könne. So sehr wir die Bedeutung der in Ihrem Briefe vom 20. Februar angeführten Punkte würdigen, und so dankbar wir für die Zusicherungen sind, die Sie uns zu geben die Oiite hatten, so finden wir uns zu unserem tiefen Bedauern fenötigt, den Ausdruck unserer Besorgnis zu wieerholen, der in unserer» früheren Memorandum enthalten war, und zu fordern, einen Schritt, der mit so schweren Oefahren für den friedlichen Fortschritt für die Bevölkerung unseres Landes verbunden ist, zwecks nochmaliger Erwägung z u r ü ck zust e 11 e n. ihr aufrichtiger Melchett.“ Die arabischen Parteiführer empfingen die Antwort des Kolonialministers Thomas auf ihr letztes Memorandum, in der Antwort werden die vorhergehenden Erklärungen wiederholt: es sei unmöglich, die Einwanderung zu sperren, weil hierdurch die Aufnahmefähigkeit• des Landes beschränkt würde. Wiederholt wird ferner die Ankündioung eines Bodenverkaufsverbots. Von der Umstellung zum Bauern Der seelische Anteil Für denjenigen, der nach Palästina übersiedeln will oder auch für den, der — schon im Lande — an die Ergreifung eines endgültigen Berufes denkt, ist die Parole ״Aufs Land“ bestimmt. Und jeder fragt sich: Bin ich dazu geeignet, aufs Land zu gehen? Und welches Leben erwartet mich dort? Es ist klar, daß der Mensch, der auf dem Lande arbeiten will, gesund sein muß. Das ist das ganze Erfordernis in körperlicher Beziehung. Obgleich manuelle Begabung und Sinn für den Umgang mit Werkzeugen sehr wichtige und sehr zu schätzende Eigenschaften sind — ist doch der Bauer zur Hälfte ein Handwerker —, so sind diese Eigenschaften ebenso wenig wie besondere Körperkraft Vorbeding u n g für das Gelingen d־׳r Umstellung. Entscheidend sind nicht allein körperliche Qualitäten, sondern die geistige Ein- Stellung, der Wille. Wenn dies auch das Entscheidende bei der Umstellung ist, so ist es doch klar, daß der Wille nur der Anstoß ist, der das Leben des Einzelnen einer neuen Wirklichkeit unterwirft. Der Wille ist der Weichensteller, der in einem entscheidungsvollen Augenblick die Weiche zur Fahrt auf ein neues Gleis wirft, in welches das Leben nun langsam hineingleitet. Unsere ersten Vorstellungen vom Bauernleben sind gewohnlich die des Städters und ziemlich entfernt von der Wirklichkcit. Er sieht das Landleben häufig als Idylle, die für den jüdischen Besucher oft noch eine besondere sentimentale Tönung erhält, weil er hier ״jüdische Bauern“ auf ״jüdischcm Boden“ sieht. Der Bauer selbst sieht auch, daß eine Kuh ״schön“ ist, aber sie ist nicht zur Zierde auf seinem Hof, sondern ihres Nutzens wegen. fr betrachtet den Pardess, das Feld und sagt: ״Das ist schön“, aber des Nutzens wegen bestellt er das Feld und bearbeitet er den Pardess. Doch darin erschöpft sich noch nicht die bäuerliche Beziehung zur Natur. Denn der Bauer ist ja wesentlich nicht Natur Betrachter und auch nicht Händler mit den Produkten der Natur, sondern ihr Bearbeiter, Züchter und Pfleger. Wenn der Landwirt Bäume pflanzt, so darum״ weil er denkt, gerade von dieser Art Bäume — unter Berücksichtigung von Klima, Bodenbeschaffenheit und Marktlage — den größtmöglichen Nutzen haben zu können. Aber die erste Ernte wird er vielleicht nach 5 Jahren sehen, und auch dann wird er noch kein Fruchthändler, sondern einmal im Jahr pflückt er die Frucht und gibt sie fort. Dies verlangt nicht nur Geduld, um derentwillen man den Bauern oft bewundert, sondern im Bewußtsein des Züchters oder Pflanzers ist eine sehr weite Entfernung zwischen der tagtäglichen Arbeit und ihrem in Geldwert ausdrückbaren Enderfolg. Der Kaufmann ist be* strebt, seine Ware so schnell wie möglich umzusetzen, und diesem Warenumschlag, der sich täglich und fortgesetzt in Geld ausdrückt, dient seine gesamte Tätigkeit. Sein Handein jst Einkauf und Verkauf. Der Bauer, der sein Feld bestellt, seine Bäume pflegt und sein Kalb großzieht, ist Produzent, aber auch dies in einem ihm eigentümlichen Sinne. Er produziert nämlich nicht, wie ein Fabrikant Nägel herstellt, indem aus einer bestimmten Menge Draht soundso viel Kilogramm Nägel erzeugt werden, welche bei Berechnung aller bis ins Einzelne bekannten Unkosten zu einem genau bekannten Preis in ständig gleicher Art und Güte fabriziert werden können; der Bauer hat einen mächtigen Genossen bei seiner Produktion: die Natur. Jede Ernte, die der Bauer einbringt, jeder Liter Milch, den er melkt, ist ihm direkt von der Natur gegeben. Der Bauer ist nur ihr Diener, Hüter und Pfleger. Ob er sich dieser Gedanken bewußt ist oder nicht — er kann sich nicht anders fühlen. Daher ist seine ganze Arbeit für das Gefühl des Schaffenden Selbstzweck und nicht mit ihrem Enderfolg in Geld verbunden. Aus dieser Stellung des Dieners und Helfers der Natur in ihrem Wachsen und Zeugen erklärt sich das Verhältnis des Bauern zur Arbeit, eine Arbeit ohne Anfang und ohne Ende, diktiert vom Wandel der ]Jahreszeiten. Keine Arbeit ist schön oder interessant im Vergleich zu einer anderen, denn jede ist gleich wichtig und wertvoll, gemessen am Ziel, dem sie dient, der Erhaltung, Pflege und Vermehrung des Lebendigen. Der Bauer muß daher den Willen zur Hingabe besitzen. Der bäuerliche Lehrling ist daher nicht ein Lohnarbeiter, der ohne innere Bezieliung zum Betrieb kommt, eine bestimmte Arbeit erledigt und wieder geht, sondern er ist für die Zeit seiner Arbeit in der Wirtschaft eines ihrer Organe. Aus der Geschäftigkeit des Bauern strömt die Heimat- Hebe, aus der schweren Arbeit des Pioniers eine neue, heiße Liebe zum Besitz. Eine neue Stadt in einem fremden Land ist eine Paktorei, ein Handels- und ein Umschlagsplatz für das Land, ja für viele Länder. Mit einer Stadt oder auch mit vielen Städten kann man vielleicht ein Land beherrschen, aber man kann es nie zu eigen gewinnen. Das Land zur Heimat machen, zum unverlierbaren Besitz der Nation, kann nur der bäuerliche Kolonisator. Und dies ist der nächste Sinn des jüdischen Bauern im Lande, weit hinausreichend über das begrenzte, persönliche Dasein in die Zukunft: daß er den Boden, den er bebaut, liebt als seine und des Volkes Heimat und ihn festhalt. Kurt Schatz, Magdid Entwurf der Palästina-Verfassung veröffentlicht London, 12. März. (JTA.) Im Verlag der englischen Staatsdruckerei ist soeben das von dem Kolonienminister im Unterhaus angekiindigte Command Paper (ein auf königlichen Befehl dem Parlament vorzulegendes Dokument) über die geplante neue Verfassung über Palästina erschienen. Die acht Seiten umfassende Druckschrift enthält die Ansprache, die Sir Arthur Wauchope am 21. und 22. Dezember 1035 an die arabischen und jüdischen Führer ehalten hat, in der Fassung des damals von der Palästinaegierung hierüber ausgegebenen Communiquds. Voran geht eine Vorbemerkung des Kolonieijministers J. H. Thomas, in der erläuternd darauf hingewiesen wird, daß für die drei Glaubensgemeinschaften in Palästina getrennte Wahlkör per geschaffen werden sollen, so daß die Mohammed a- 11er selbständig acht, die Juden drei und die Christen ein Mitglied des Council zu wählen haben. Außer den von dem High Commissioner angekündigten Maßnahmen seien Be- Stimmungen über den Wahlapparat und Wahlvorgehen, sowie über Einzelheiten der Geschäftsordnung vorgesehen. In den Debatten des Council sollen Englisch, Arabisch und Hebräisch als die in Palästina offiziell anerkannten Sprachen, benutzt werden können. Der dritte Punkt der Vorbemerkung enthält die von dem Kolonien minister schon vor dem Unterhaus gemachte Feststellung, daß es notwendigerweise erhebliche Zeit dauern werde, bevor der Entwurf der Verordnung über die neue Verfassung dem König vorgelegt werden könne. ״Great Britain and fhe East** Uber die Oberhausdebatte Die Zeitschrift ״Great Britain and the East“ kommentiert den Stimmungsumschwung in bezug auf die Palästina- Frage, der anläßlich der letzten Debatte über den Legislative Council im Oberhaus zutage getreten sei. Der Sprecher der Regierung habe in der Verteidigung der Pläne allein gestanden, es sei ihm jedoch nicht schwer gefallen* auf die vielfältige Kritik zu antworten. Allen Variationen des zionistischen Standpunkts für eine Zurückstellung der Volksvertretung habe er standgehalten. Nach Zitierung von Aeußerungen von Lord Snell und Lord Melchett heißt es in dem Artikel: Die Debatte war so reich an Stellen, die man zitieren könnte, wenn sie auch ein wenig der Originalität ermangeln, daß Leser, die die Haitung der Kritiker der Regierung kennenlernen möchten, sich den offiziellen Parlamentsbericht verschaffen sollten. Einige von ihnen mögen sich wundern, wo denn der Schnee vom vergangenen Jahr geblieben sein mag, als das House of Lords soviel Feindseligkeit gegenüber der Balfour-Dekiaratioa zeigte. KKL-Tagunp der Olej Germania. Uns wird geschrieben: Der Waad Arzi des KKL veranstaltete in Tel-Awiw am 13. Februar eine Zusammenkunft der für den KKL tätigen Einwanderer aus Deutschland mit Herrn Ussischkin. Es nahmen etwa 20 Vertreter aus den Städten und Kolonien teil. Der Vorsitzende des Waad Arzi, Herr Kamini, eröffnete die Zusammenkunft, die er als hoffentlich erfolgreichen Beginn einer verstärkten Tätigkeit für den KKL unter den Olej Germania begrüßte, ln der Aussprache wurde an der gesamten Tätigkeit des KKL in Palästina, insbesondere auch am Hauptbüro, Kritik geübt, und es wurden viele Vorschläge für die künftige Arbeit gemacht. Herr Ussischkin sprach eingehend über die Prinzipien der KKL- Arbeit im Lande, erwähnte die Leistungen des KKL für die Olej Germania, und gab eine Uebcrsicht über die Pläne der nächsten Zeit. Es wurde beschlossen, eine große Zusammenkunfi der Olej Germania zu veranstalten, zu deren Vorbereitungen ein Komitee gewählt wurde. Dr. Bernard Joseph, ein aus Montreal stammender Rechtsanwalt, wurde zum Rechtsberater der politischen Abteilung der Agency-Exekutive in Jerusalem ernannt. Der ewige Garten Wer den Aufbau Palästinas durchdenkt, muß mit zwei sich kreuzenden Oedankenreihen rechnen: Im Vordergrund steht immer noch die Vorstellung des alten, geheiligten Zion, dessen Geschichte in der majestätischsten Schilderung aller Zeiten auf uns gekommen ist. Und mit dieser Idee muß sich der Gedanke verbinden, daß dieses Land heute eine Unterkunft ist, die für Juden unserer Zeit bestimmt, erst mit der Zeit zur alten stolzen Höhe aufsteigen kann. Der Besucher sucht unter diesen Umständen im Lande der Gegenwart nach Zeichen der alten Würde. Sie sind auch vorhanden, aber nur wenige haben auch in ihrer äußeren Erscheinung den Mauerfraß der Jahrtausende schon tilgen können oder wenigstens eine ihrer würdige Umgebung erhalten. In einem Falle ist es restlos gelungen, ewige Jugend in nichtaltcrndcr Schönheit uns nahezubringen, und noch dazu in einer Umgebung, wie sie passender nicht gedacht werden kann. Es ist die einzig dastehende Sammlung lebendig erscheinender Blumen aus der Zeit des alten Testaments in der Universität Jerusalem, die nur noch nicht als das bekannt ist, was sie wirklich ist, nämlich ein wirkliches Wunder. Die Blume ist das Urbild der Vergänglichkeit. Wie phantastisch mag daher noch vor zwanzig fahren die Idee erschienen sein, eine Stelle zu finden, auf der die schönsten Blüten des alten Israel ln bunter Lebendigkeit so natürlich zu erblicken sind, wie auf einer Wiese im Frühiing. Eine schwere wissenschaftliche Arbeit war es zunächst, nach den knappen Angaben der Bibel und Ihrer Erklärer die Identität der einzelnen Arten festzustellen und entsprechende Exemplare in der Landschaft zu finden. Aber das war doch noch eine Aufgabe mit gegebenen Unterlagen. Kein Vorbild aber gab es für das Verfahren, durch das eine völlige Konservierung der lebenden Pflanze in Gestalt, Haltung und Farbe erzielt wird. Es soll nur angedeutet werden, weiche Bedeutung dieses Problem für Kunst, wissenschaftliche Untersuchungen und Schulunterricht hat. Und doch ist hier die bei Entdeckungen so häufige Duplizität der Ereignisse ausgeblieben; bis heute hat sich niemand gefunden, der auch nur etwas Aehnliehes geschaffen hätte. Es bleibt also dabei, daß diese Erfindung eine einmalige ist, historisch, ästhetisch und wissenschaftlich in gleicher Weise bedeutend. So stehen auf beschränktem Raum Blumen von außerordentlicher Farbigkeit dicht beieinander, ein wahres Kaleidoskop und historisch höchst anziehend. Der Erklärer weist bei der Führung darauf hin, daß die Formen einiger dieser botanischen Erinnerungen auch kunstgewerblich eine große Rolle gespielt haben. Sie waren die unmittelbaren Vorbilder für manch altgewohntes Kultgerät, so zum Beispiel für die Menorah (hierauf wiesen wir in unserer letzten Chanukkah-Nummer hin; Red.). Diese Kostbarkeiten stehen im würdigsten Rahmen, in den naturwissenschaftlichen Sammlungen der Universität auf dem Skopusbcrge. Niemandem braucht mehr gesagt zu werden, daß von hier aus das hellblau strahlende, wegen seiner großen Entfernung wie hingetuscht erscheinende Tote Meer mit seiner Bergumrahmung sichtbar ist, aber das soll zugleich betont werden: die stillen, buschumkränztcn Wege in dem großen Gartenkomplex des Univcrsitätsgeländes schaffen schon jetzt die deutliche Stimmung einer Forschungsstätte. Es läßt sich vorstellen, daß Oxford mit seinen Erinnerungen ein jugendliches Gemüt zur letzten Entwicklung seiner Geisteskrätte anregen kann, und der Geist von Oxford hat auf diese Weise sicher zur Begründung und Ausgestaltung des britisehen Weltreichs bcigetragcri. Aber ein gleiches kann sich auch aus dem Genius loci der hebräischen Universität ergeben, die die erste Stätte ist, an der sich die Wissenschaftliehe Begabung unseres Volkes ganz frei entwickeln kann. Bczallel (Schluß des Palästina-Teils) I