Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 22 (17.3.1936)
- Date
- 1936-03-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 jüdische Rundschau Nr. 22, 17. III. 1936 Der Pogrom in Przyiyk Weiter verschärfte Lage des polnischen Judentums Von unserem Berichterstatter IN ALLER KURZE In der ״Deutschen Justiz“ wird eine Allgemeine Verfüung des Rcichajustizmim.-uers über die E r n en n u n g v o n I a n d e 1 s r i c h t er n, deren Amtsdauer mit dem 30. Juni 1936 endet, veröffentlicht. Die zum 1. Juli 1936 zu ernennenden Handelsrichter haben für sich und, falls sie verheiratet sind, für ihre Ehefrau den Nachweis zu führen, daß sie dentsehen oder artverwandten Blutes sind. Ob der Nachweis erbracht ist, enN.!leidet der Oberiandesgerichtspräsidcnt. Die jüdischen Klinikbesitzer haben sich entschlossen, den jüdischen belegenden Aerzten für die klinisehen Leistungen der Mitglieder und Familienmitglieder der RVO-K assen •K) Prozent der Mindestsätze der Preußischen Gebührenordnung zu zahlen. Der Am'sleitcr der Kassenarztliehen Vereinigung Deutschlands, Verwaltungsstelle Groß- Berlin, hat gegen diese Regelung keine Bedenken erhoben. Die Korsettfabrik Eugen und Hermann Herbst G. m. b. H. in Mannheim ist in arischen Besitz übergegangen. Die Exekutive des Vereinigten Verbandes für Auswanderer- Hilfe ״Hi ccm“ hat sich damit einverstanden erklärt, im Juli 1936 eine große jüdische Auswanderungskonfer e!1 z ciimiberufcn, an der alle der Hicem angegliederten Koinitces iu den Auswanderungs-, Transit- und Einwanderung«- ländern leiitiehmen sollen, ebenso die Hilfsorganisationen für Auswanderer aus Deutschland in den verschiedenen Ländern und gewisse Organisationen, die sich mit jüdischer Auswanderung beschäftigen und immer mit der Hicem in Kontakt gestanden und zusammengeurbeitet haben. I ine der bedeutsamsten Neugründungen der Judenheit Südaf likas ist das vor einiger Zeit geschaffene South Afriean Economic Committee for Pa lest ine. Diese Uc'wllschaft ist dem American Economic Committee for Pakstine ati•g<■y!iedert, das anläßlich des Baseler Kongrosses vom Jahre 1931 gegründet wurde. Die 1 leere.־,-Wirtschaft*-Vereinigung in Riga, eine Staatlieht K1<'׳ perscliaft, wird das größte Warenhaus der baltischen Staaten erbauen. Für die Errichtung dieses Warenhauses wurde ein Prrhnusschreiben veranstaltet, zu dem vierundvierzig der besten Architekten Lettlands heraiigezogen wurden. Sieger blieb der junge jüdische Architekt Mosche T Sehens],ו. Bei der Juliresversammlun׳ der Studenten der clektrotechnischen, Mas hinrnbau-, Schiffsbau- und chemischen Abtcilungen tler Warschauer technischen Hochschule wurde auf Grund eines Antrags der nationaldemokratischen Studenten beschlossen, von den Behörden die Linfulirtuig eines Numerus clausus und abgesonder t er Sitzplätze für jüdische Stundenten an den polnischen Hochschulen zu fordern. Ferner wurde ein geselKchaitlichcr Boykott der jüdischen Studenten beschlossen. Die Wiener Presse veröffentlichte einen Aufruf an die Ocffcntlu■fikeit, mit/uhelfen, daß auf dem Ortsfriedhof in Alt- A u s s e e ein Grabstein für Jakob Wassermann errichtet werde. Anläßlich eines Konzertes des Bostoncr Symphonie- Orchesters, bei dem die ״drei jüdischen Poeme“ von Ernest Bloch zum Vortrag gebracht wurden, rühmt der Kritiker der ,,New York Times“ diese Komposition als ein 'Werk von großer origineller Kraft und echter rassischer Eigenart, das heute noch genau so frisch wirke wie zur Zeit seiner Ent- , Stellung vor etwa 20 Jahren. Herta ü 1 ü c k in a n n erzielte bei ihrem ersten New-Vorker Liederabend am 11. Januar einen außerordentlichen Erfolg. Sie wurde für Februar und Marz zu weiteren Konzerten, darunter einem Radio-Konzert mit Orchester, verpflichtet. Der Rezitator Jchuda Eh renkranz, der auch der Berliner Judenheit bekannt ist und der seit einigen Jahren ständig in Palästina lebt, absolviert zur Zeit eine Tournee durch Mittel- und Osteuropa. Er begann seine Tournee in Wien mit einem Abend, der sich ״Europäische und paläsfinensische Dichtungen“ betitelte. Der Erfolg des Abends war außerordentlich. Es folgten weitere Abende in Wien uiiu der österreichischen Provinz in deutscher, jiddischer und hebräischer Sprache, riiieiik/aiiz sit/te dann seine Tournee in die Tschechoslowakei fort, wo er auch im Rundfunk sprach. Er las!111 Radio von Mor.-t Mrava in hebräischer Sprache 1 belitünuen von Ben Amitai, Ncruda und Bialik und jiddisch ..Die Maschine“ von M. Rosenfeld. Beati iee W a g!!alter singt am 29. März in Luxembürg im Rahmen ihrer ״Bunten 1 u-der aus aller Welt“ ihren Zyklus hebräischer und jiddischer .Volkslieder. 1 )er B r i t h C 11 a 1 u 2 i :11 D a t i i in gibt ein Bundes- Organ ,,(ihajenu“ heraus, «las internen Informationen des Bundes dient. Es ist heim Bach,ad, Galil Süd, Frankfurt am Main, Quinckestr. 21, zu beziehen. Natdlschcs und jütisches Denken Wir berichteten in unserer letzten Ausgabe über einen Aufsatz von Dr. Christian |. Hansen im ״Volk. Bcobachter“. Im ״Volk. Beoh.“ vom 11, 3, wurde nun der Schluß dieses Artikels unter der 1 '1rlu״r-׳chrif! ״I!11 e 11 e l< t u a - 1 i s t i s c 11 e W i s s t n s c h a f t“ veröffentlicht. Es heißt darin u. a.: ״Im Gegensatz, zu den Eigenschaften der nordischen besitzt die jüdische Rasse keine ausgeprägten schöpferischen Eigenschaften. Dafür verfugt sie über eine um so trößerc Veranlagung zu f o r m a 1 r a t i o n a 1 i s t i s c h e r etätigung. Diese äußert sich überall da, wo mit abstrakten Begriffen operiert werden kann. So ist die Mathematik ihre Domäne, insbesondere die Algebra, Funktionentheurie und so weiter, also alles das, bei dem cs nicht auf konkrete Vorstellungen ankommt, sondern die Grundvoraus- Setzungen beliebig gelassen und durch ,Reines Denken‘ erzeugt werden können.“ Die Schechita-Frage in Schweden Stockholm, 15. März. <!TA.) Der schwedische Reichstag hat in seiner letzten Sitzung den Gesetzentwurf über die Einführung der zwangsweisen Betäubung vor der T i c r s c 11 1 a e!1111 n g erörtert. In Beantwortung der Anträge eines konservativen Abgeordneten erklärte der Justiz- .minister, der Gesetzentwurf sei fast völlig fertiggesteift und hätte noch im Laufe dieses Jahres dem Parlament vorgelegt werden sollen. Die Legislationskommission, die das Gesetz jedoch vorher zu behandeln habe, werde sich erst im nächsten Jahr mit ihm beschäftigen können. Aus diesem t'irupde, erklärte der Minister, müsse die Behandlung des Gesetzentwurfs im Reichstag bis zum nächsten Jahr zurückgestellt werden. Abgeordnete der Rechten und des Bauernbundes brachten ihr Bedauern über diese Verzögerung zum Ausdruck und ,,fordeilen den Minister auf, die Vorlage des Entwurfs mögliehst zu beschleunigen. Die Annahme eines solchen Gesetzes würde selbstverständlich ein Verbot des rituellen Schächten« bedeuten. t. Warschau, 12. März Die Ereignisse in Polen überstürzen sich. Für gestern wurden nach Warschau Vertreter jüdischer Gemeinden und Rabbinate zu einer Protestkundgebung gegen das Schacht verbot und zwecks Beratung über die weiterhin in dieser Frage zu unternehmenden Schritte eingeladen. Die Konferenz, an der gegen WO Delegierte aus 276 Ortschaften tcilnahmcn, nahm einen sehr würdigen Verlauf. Schmerzvolle Worte tiefster Empörung sprachen auch Vertreter der ״Agudah“, die jahrelang eine energische jüdisch-nationale Politik hintertrieben hatten. Diese Kreise sind jetzt am meisten enttäuscht und — am radikalsten gestimmt. Man beschloß, zu einem noch zu bestimmenden Termin einen Tag lang zum Zeichen des Protestes die jüdischen Geschäfte und Werkst"!:.!! zu schließen und einen fleischlosen Monat für die jüdische Bevölkerung zu proklamieren. Diese Kundgebung stand aber schon unter dem erschütternden Eindruck eines Judenpogroms in Przvtvk bei Radom, der am 10. März stattfand und dessen Einzelheiten erst bekannt wurden, nachdem die Abgeordneten Rubin stein und Sommerstein an Ort und Stelle Material gesammelt hatten und es jetzt mitteilten. Der kleine Ort Przytyk, in welchem kaum 300 Juden, zumeist kleine Krämer und arme Handwerker, wohnen, ist schon seit vielen Wochen in Polen traurig berühmt. Hier setzte die schärfste Boykottpropaganda gegen die Juden ein, und mehrmals kam es dort und in der Umgegend ztt antijüdischen Exzessen. Delegationen der Juden haben mehrmals bei den Behörden vorgesprochen, aber erhielten jedesmal statt Hilfe nur Vorwürfe, daß die Juden überreizt seien und daß keine Gefahr vorhanden sei. Inzwischen nahm die Propaganda immer schärfere Formen an, die Bauernschaft wurde durch Flugblätter aufgehetzt. Als Ziel wurde proklamiert, sämtlich« Juden zu zwingen, diese Ortschaft zu verlassen. Am 10. März sammelten sich anläßlich des Markttages Massen von Bauern, die mit allerlei raffiniert hergcrichtctcn Waffen, von Agitatoren geführt, einen Pogrom vcranstalteten, der an die traurigsten Blätter unserer Pogromgeschichte erinnert. Als heute im Senat Professor S c h o r r den blutigen Verlauf dieses Pogroms in bewegten Worten schilderte, herrschte unheimliche Stille im Saal, und niemand — weder seitens der Regierung noch seitens des Hauses — wagte es, nur eine Einzelheit abzuleugncn. Senator Rostworowski, der nach Prof. Schorr das Wort ergriff, bestätigte, daß der schauderhafte Bericht von Prof. Schorr leider richtig ist. Bisher sind in Przytyk drei jüdische Tote und gegen 60 Verwundete, darunter fünf schwer, zu verzeichnen. Während der Unruhen ist ein Christ umgekommen. Das gesamte Eigentum der jüdischen Einwohner wurde geplündert• Große Pilastersteine fand man in den verwüsteten Wohnungen. 13% Behörden haben jetzt erst eingegriffen und über 20 Personen verhaftet. Prof. Schorr hat in seiner Senatsrede heute scharf dieses milde und nachlässige Vorgehen, der Behörden getadelt und die Regierung energisch aufgefordert, endlich mit Taten ihre Erklärung zu unterstützen. Hier liegt der springende Punkt: Die Zentralregierung verurteilt die antijüdische Bewegung im Lande, aber die lokalen Staatsorgane wollen oder können diese Bewegung nicht meistern. 111 Wahrheit sind die untergeordneten Beamten und Polizeiorgane sehr oft Anhänger der Nationaldemokratie und sympathisieren mit der Judenhetze. Die Gerichtsurteile gegen die Exzedenten sind — wie erst vorgestern im Senat Frau Jaros/ewicz bestätigte — allzu milde. ,,Die öffentliche Meinung“, schreibt das Hauptorgan der Konservativen, der ״C/as״ ,״verhält sich tolerant gegenüber den Exzessen, da sie gefühlsmäßig mit deren Urhebern sympathisiert.“ Es ist aber für die Leiter der polnischen Politik klar, worum es sich handelt, wer die Anstifter der Judenpogrome sind und welche Ziele sic dabei verfolgen. Prof. R o s t w o - rowski, ein Führer der Konservativen, sagte es heute im Senat klar und deutlich: ״Die jüdische Bevölkerung ist nur das Objekt einer Diversion. Der Kampf tobt zwischen zwei polnischen Lagern..Prof. Rostworowski meint aber, daß in diesem Kampf keine behördlichen Maßnahmen etwas ausrichten können. Lr appelliert deswegen ari die polnische Gesellschaft, insbesondere an die katholische Geistlichkeit, aufklarend zu wirken und dem Antisemitismus entgegenzutreten. Man hörte im Senat auch andere Stimmen, die die Ausschreitungen scharf verurteilten und die Regierung zu Repressalien aufforderten. Vorläufig blutet die jüdische Bevölkerung (auch christliche Opfer sind vorhanden, so z. B. ist in Lodz vor einigen Tagen bei einem Bombenattentat auf ein kleines jüdisches Geschäft in der Vorstadt der Attentäter vom Dynamit tödlich zerrissen worden), und die Staatsorgane hinken den Ereignissen nach. Die Unruhen dauern an Lemberg, 13. März, (ITA.) Anläßlich des Besuches des Unterrichtsminisfers Prof. Szwyentoslawski in Lernberg veranstalteten die nationaldemokratischen Studenten Demonstrationen, wobei sie an der Handelshochschule die Fenster cinsclrlugcrt und auch gegen die Geschäfte von Juden in der Syksfuska vorgingen. Die Juden im ganzen Stadtviertel schlossen ihre Läden. Warschau, 13. März. (ITA.) An der Handelshochschulc stürmten nationaldemokratische Studenten das Lokal des jüdischen Verbandes ״Gegenseitige Hilfe“, demolierten die Inneneinrichtung vollkommen und brachten den anwesenden zwei jüdischen Studenten sehr schwere Verletzungen bei. In W i 1 e j k a bei Wilna wurde in den Saal des jüdisehen Theaters eine Petarde geworfen, die von den jüdisäen Schauspielern, bevor sie explodierte, unschädlich gemacht werden konnte. Der 65jährige Lodzer jüdische Oroßkaufmanu und Gutsbcsitzer Markus’ Nelken wurde auf seinem Gut bei Kalysz durch einige seiner christlichen Arbeiter ermordet und ausgeraubt. Einer der Mörder wurde verhaftet. In den letzten Tagen ist es in einer Reihe von Ortschäften in PommerelSe» m judenfeindlichen Ausschrei־ tungen gekommen. In Tuchola, Niestadt und Lid»■ bark wurden jüdische Marktfahrcr überfallen und mißhandelt. Die Waren wurden geraubt. In Warschau eingetroffene Flüchtlinge berichten, daß die einheimische Bevölkerung an den Ausschreitungen nicht teilnahm. Diese wurden vielmehr planmäßig von Banden begangen, die von den Agitatoren von außerhalb herange.ü.iri worden waren. Die Bestattung der Toten Radom, 13. März. (JTA.) Die Bestattung des während des Pogroms in Przytyk ermordeten 40jährigen Josef Mink o w s k i fand laut Anordnung der Behörden in später Nachtstunde statt, damit kein Aufsehen erregt wird. Trotzdem hatte sich die gesamte jüdische Bevölkerung von Przytyk am Orabe versammelt. Trauerreden durften nicht gehalten werden. Ehe Bestattung der ermordeten Gattin von Josef Minkowski, der 42jährigen Chaja Minkowski, fand in Radom statt. Ehe Behörden hatten die Ueberführung der Leiche der Chaja Minkowski nach Przytyk zwecks gleichzeitiger Bestattung mit ihrem Gatten verboten. Die Polizei konfiszierte die von der jüdischen Gemeinde herausgegebene Beerdigungsanzeige. Oberrabbiner Senator Dr. Schorr hat die Organisierung eines Hilfskomitees für die Opfer der Ausschreitungen in Przytyk übernommen. Das New* Yorker Hilfskomitee für polnische Juden hat an Senator Schorr einen ersten Beitrag von 5000 Zloty telegraphisch überwiesen. Die jüdischen Zeitungen ,,Nasz Przegiad“, ״Hajut“, ״Moment“, ״Unser Expreß“ und ״Das Jiddische Tag* blatt“ haben Sammlungen für die Opfer der Ausschreitungen eröffnet. In Przytyk wurden weitere zwanzig Personen, unter ihnen der Vorsitzende der nationaldcniokratischcn Ortsgruppe, Wladislaw Korczak, verhaftet. Die Polizei in Przytyk hat die Zeitung ״Maly Dziennik“ wegen judenfeindlicher Aufreizung konfisziert. Bei der Durchsuchung der Nachbardörfer von Przytyk wurden viele den Juden geraubte Waren gefundcti. Sie wurden den Eigentümern zurückgegeben. Die jüdischen Nachbargemeinden haben Nahrungsmittel, Kleider und Arzneien für die Opfer nach Przytyk gesandt. Von den jüdischen Gemeinden beauftragte Handwerker sind bereits mit der Ausbesserung der Schäden in den jüdischen Wohnhäusern und Läden beschäftigt. In zahlreichen Gemeinden Polens wurden Trauergottesdienste für die Toten von Przytyk abgchaltcn. Warnung des polnischen Handelsministers Warschau, 15. März. (JTA.) In der Budget-Debatte des polnischen Senats warnte Handelsminister Roman Gorecki vor den wirtschaftlichen Folgen der iudenfeindliehen Ausschreitungen für Polen. Das Wirtschaftsleben, erklärte der Handclsminister, muß sich in einer Atmosphäre von Ruhe, Harmonie und Solidarität vollziehen. Alle Träger des WirtscHaftslebens, Fabrikanten, Kaufleute und Handwerker brauchen diese ruhige Atmosphäre für ihre Tagesarbeit. Auf keinem Gebiet des öffentlichen Lehens wirken sich solche Ersehetnungen (die iudenfeindliehen Ausschreitungen) so schädlich aus, wie im Wirtschaftsleben. Ich wünschte daher, daß die Faktoren, die hinter diesen Geschehnissen stehen, sowie die f‘ ..' ‘י..־ ־’ " ' ' ‘ ' bedeuten. Anarchie aber, schloß der Minister unter starkem Beitall, ist Verrat! Auch Senator Rostworowski verurteilte die Ver- Säumnisse der Polizei anläßlich der Ausschreitungen in Przytyk und richtete an die Geistlichkeit des Landes den Appell, bei der Bekämpfung des Antisemitismus mitzuwirken, Senator Z b i e r s k i forderte die Regierung auf, die Nationaldemokratische Partei als Hauptanstifterin der judenfeindlichen Unruhen für illegal zu erklären. Der Kampf um die Schechxta Warschau, 13. März. (JTA.) Der Vizeminister für Kultus und Unterricht,!,ater Zongollowicz, der in der Verwaltungskommission des Sejm den Schächtverbotsantrag als verfassungswidrig bezeichnet hatte, sah sich infolge der gegen ihn von der antisemitischen Presse eröffneten Kampagne veranlaßt, seine Demission einzureichen. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, hat der Warschauer amerikanische Konsul vom amerikaniseiten Außenministerium den Auftrag erhalten, einen Berieht über den Schächtverbotsantrag und seine Auswirkung auf die jüdischen religiösen und wirtschaftlichen Minderheitenreehte nach Washington zu senden. In einer von der Gewerkschaft der Schlachthausarbeiter einbemfenen Massenversammlung protestierten die polnischen und jüdischen Arbeiter des Warschauer Schlachthauses einstimmig gegen das geplante Schachtverbot. In detn Beschluß wird das Schächtverbot als ein antisemitischer Vorstoß bezeichnet, durch den beabsichtigt sei, die jüdischen Arbeiter aus ihren Arbeitsplätzen zu veo• drängen. Es wurde auch eine Resolution gegen die antisemitische Propaganda im ganzen Lande gefaßt. In der letzten Sitzung des Lodzer Stadtrates wurde von der Stadtverordneten Rudicka der Antrag gestellt, ein örtliches Schächtverbot in Lodz zu erlassen. Ein solcher Antrag wurde auch im Stadtrat von Nowy Dwor ein gebracht. Andererseits wird aus Posen gemeldet, daß die Städte Szaniotuly (Samter) und Pniewy beschlossen haben, die rituelle Schächtung zu ermöglichen,_ nachdem alle übrigen Städte der Posen er Woiwodschaft sich gegen die Sehechifa ausgesprochen haben. Warschau, 15. März. (JTA.) Der Stadtpräsident van Lodz hat die Abstimmung über einen im dortigen Stadtrat eingebrachten Schächtverbotsantrag nicht zugelassen. Die Stadtverwaltung von Kartuzy (Provinz Posen), die vor kurzem ein Schächtverbot angenommen hat, wurde von der Posencr Wojwodschaft verständigt, daß dieses Verbot u n z u 1 ä s s i g ist. Schächtverbote in Polniscb-0.-S. Wie aus Kattowitz gemeldet wird, hat die Stadtverordnetenversammlung einen Antrag, der das Verbot des rituellen Schächtens forderte, einstimmig angenommen. Die jüdische Fraktion hatte während der Aussprache, die der Abstimmung voranging, den Sitzungssaal verlassen. Wie bekannt wird, werden sich auch die Stadtvcrordnetenvereamm- Jungen von Königshütte und Tarnowitz mit de® gleichen Anträge befassen.