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Jüdische Rundschau · 1936-03-17 · Heft 22 (17.3.1936) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 22 (17.3.1936)
Date
1936-03-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 22 17. III. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 3 nach den Freiheitskriegen, Judentums in Deutschland Au» der Kunitiamrnlunp der Jüdiichfü Gemriode, Berlin Mitgliedern sich Ben-David u. a. für Kultur und bezeichnend in ganzen inneren Leopold Zunz Zam 50. Todestag am 17, Mürz , D!e Konvention hat es gefügt, daß gewisse Daten als ״Jubiläen‘ gelten. Nur mit Zögern geht inan vielfach an solche oft sehr unmotivierten Erinnerungsfeiern heran. Wenn aber seit dem Tode von Leopold Zunz 50 Jahre verstrichen sind, so ist allerdings Veranlassung gegeben, sich diese Gestalt in der Geschichte der Juden in Deutschland ins Gedächtnis zu rufen. In einer Zeit, die in vieler Beziehung nicht minder umwalzend war als die unsere, begann Zunz seine Wirksamkeit. Nach dem ersten Rausche der Emanzipation, wenige Jahre war die seelische Lage des eine eigentümliche: man lebte einerseits noch in alten Bindungen, lind man strebte andererscits mit voller Kraft in die Kultur der Umwelt hinein; bei diesem Bestreben mußte notwendigerweise einer der beiden Faktoren unterliegen. Das Jiidische unterlag. Es wird immer ein Zeichen für die unerhörte Lebenskraft des Judentums bleiben, daß damals ein kleiner Kreis junger Männer sich zusammentat, der von dem Bewußtsein beseelt war, daß der Weg, den die Juden in die europäische Kultur zu gelien vermeinten, der falsche war. Im Jahre 1819 wuchs jener bekannte Kreis um Zunz zusammen, unter dessen Menschen wie Heine, Moser, Wolff, Gans, befanden, und der zur Bildung des ״Vereins Wissenschaft der Juden“ schritt. Es heißt seinen Satzungen: ״Das Mißverhältnis des Zustandes der Juden zu ihrer äußeren Stellung unter den Nationen, fordert dringend eine Umarbeihing der bis jetzt unter den Juden bestandenen eigentiimliehen Bildung und Lebensbesfimtnung.“ Eine eigens gegriindete ״Zeitschrift für die Wissenschaft des Judentums“ sollte diese Bestrebungen fördern; aber das Verhältnis der Juden zu solchen Rcgenerationsvcrsuchen war zu lose, als daß diese Versuche einen Erfolg haben konnten; und so mußte die Zeitschrift bereits 1824 ihr Erscheinen einstellen, wie auch der Kulturvcrein ein unrühmliches Ende fand. Es ist hier nicht der Ort, auf die Wissenschaftliehe Leistung von Zunz einzugehen, etwa auf seine berühmte Raschi-Biographie, die zum erstenmal einen großen jüdischen Lehrer als lebendige Gestalt in der Geschichte aufzeigte, oder auf seine ״Gottesdienstlichen Vorträge der Juden“ (1S32), in denen zum erstenmal systematisch der jüdische Ritus behandelt wurde, oder auf seine Schrift ״Namen der Juden“ (1837), die eine politische Nebenbedeutung hatte, oder aut seine Arbeit ״Zur Geschichte und Literatur“ (1845), in der er den Verächtern unter den Gebildeten der jüdischen Religion das reiche rabbinische Weistum ausbreitete und ihnen damit gleichsam ironisch zu sagen schien: seht, was ähr nicht kennt und doch ablehnt! Auch die unter seiner Redaktion entstandene Bibelübersetzung hatte eine bedeutende Wirkung in die Breite. Die wissenschaftliche Bedeutung von Zunz ist zu groß, als daß sie in wenigen Worten abgehandelt werden könnte; es kommt uns in diesem Zusammenhange nur darauf an, den Geist zu kennzeichnen, in dem dieser Mann gelebt und gewirkt hat. Eis war, wenn man es kurz charakterisieren soll, ein Geist jüdisch-bewußter Wcltoffenheit. Das ganze Leben dieses Mannes legte Zeugnis hierfür ab. Und stärker noch als in seinen großen wissenschaftlichen Werken kommt dieser Geist in seinen kleineren Schriften zum Ausdruck. Man greife z. B. nach dem kleinen Band ״Predigten“, die er in Berlin gehalten und 1823 herausgegeben hat — und man wird erstaunt sein, welcher Reichtum jüdischen Gefühls aus diesen Reden emporquillt. Einmal in diesen Predigten entdeckt Zunz den Begriff der ״Volks w ü r d c“, und er macht seinen Hörern in beredten Worten klar, wie notwendig den Juden eine solche Haltung tue. ״Der ... ist im traurigen Irrtum“, so ruft er aus, ״welcher meint, es könne solche Würde in der Gemeinschaft aufrcchterhaltcn werden, ohne daß jedes einzelne Glied derselben vom Gefühl der Menschenwürde durchdrungen zu sein brauche . . denn so, wie das Ganze aus Familien besteht . . ., so kommt es eben auf die Gesinnung jeder einzelnen Person an, um zu erforschen, ob iin ganzen etwas Tüchtiges geschehen könne; ja es kommt oft auf Wenige an, die Ansehen und Macht und Verstand besitzen, ob etwas Tüchtiges geschehen werde. Wo noch ein zivilisiertes Volk untergegangen ist, da geschah es, weil jeder Einzelne schon untergegangen war, in der Armut von Kraft und Tätigkeit, von Energie und Gcmeingcisf.״ Wen würden solche Worte gerade in unserer Zeit nicht ans innerste Herz rühren; enthalten sic doch alles, was jüdischen Menschen heute beigebracht werden muß, wenn die Regeneration des Volkes vonstatten gehen soll. Und etwas von seinem eigenen Schicksal, von der eigentümlich schwierigen Stellung der hervorragenden Persönlichkeit innerhalb des Judentums spürt Zunz, wenn er in der gleichen Predigt mit einem resignatorischen Zug sagt: ״Der Edle, der in der Brust die Entwürdigung seiner Glaubensgcnossen herumträgt und seine Mitbrüder anruft, zu arbeiten an dem Rüsttage und zu wachen in der Zeiten Nacht — ach, er sucht vergebens Teilnahme, bläst vergebens nach Glut in den erkalteten Herzen und stirbt unerkannt in dein Schmerz, den keiner begreift, und erst ein Jahrhundert später opfert ein dankbareres Geschlecht ihm die erste Träne und errichtet ihm das erste Denkmal.“ Das ist der ganze Mensch Zunz, der sich in seiner Liebe zum jüdischen Volk verzehrte und aus schmerzlichster Erfahrung wußte, wie ungeheuer schwierig es ist, dieses Volk zu aktivieren und seine wahren Fähigkeiten im entscheidenden Augenblick zu wecken; der Zunz, der zwar arm, aber unabhängig war und sich keiner Diktatur der ״Parnassim“, gegen die er in den zwanziger Jahren scharfe und fast verzweifelte Worte geschrieben hatte, unterwarf. Als ein leuchtendes Beispiel jüdischen Lehens aus dem Geiste steht Zunz vor uns: einer, der von den Quellen kam und seine Brüder zu den Quellen führen wollte, Einer, den seine Generation und drei nachfolgende nicht hörten, aber dessen Werk und Wort, Leben und Lehre dauern werden. Dr. Gerhardt Ncumann Aufruf der Zunz-Stiftung Am 17. März kehrt zum fünfzigsten Male der Tag wieder, an dem Leopold Zunz in die Ewigkeit eingegangen ist. Zu tiefster Dankbarkeit hat er Mit- und Nachwelt durch seine bahnbrechenden gelehrten Werke verpflichtet. Unver gänglich aber ist seine Schöpfung, die er als schaff des Judentums“ bezeichnet hat. Mit dieser Anregung, das Judentum in seinen Erscheinungsformen nach den Methoden der zu erforschen und darzustellen, hat er das gesamte geistige Leben des Judentums neu begründet und zu fruchtbarer Entfaitung gebracht. Die Zunz-Stiftung, die vor siebzig Jahren zu Ehren des Altmeisters errichtet wurde und die Förderung der wissenschaftlichen Forschung in seinem Sinne zur Aufgabe hat, er• neuert das Gelöbnis, den Namen und das Werk von Leopold Zunz weiter in Ehren zu halten und nach dem Geiste ihrer Satzungen im Rahmen ihrer Möglichkeiten zur Ausbreitung der Wissenschaft des Judentums beizutragen. Kuratorium und Beirat der Zunz-Stiftung: Mittwoch, Wassermann, Elbogen Paraguay und die Juden Nach Meldungen in der Tagespresse hat die paraguani■ sehe Regierung Franco allen anderen bisher vorhandenen Parteien für die Dauer eines Jahres jede Betätigung vesboten und erklärt, daß in Zukunft eine Einheit zwischen dem Staate und der Revolutionären Partei bestehe. Die neue Staats form, die damit proklamiert ist, trägt faschistischen Charakter. Die neue Regierung, die in der Hauptsache die militärischen Kreise umfaßt, ist zugleich ein Gegner der Einwanderung von Ausländern nach Paraguay, wohin in der letzten Zeit auch Juden aus Europa gegangen sind. Es ist daher noch nicht abzusehen, wie sich deren Lage in Paraguay in Zukunft gestalten wird. Die nachstehenden Ausführungen unseres Mitarbeiters beschäftigen sich mit diesem Problem. (Red.) Gegenwärtig, da die Blicke vieler jüdischen Aus- Wanderer sich aut südamerikanische Länder richten, kann nicht ernstlich genug davor gewarnt werden, unterschiedslos die verschiedenen Staaten dieses weit ausgcdchnten Erdteils bei der Beurteilung der sich für europäische Juden bietenden Arbeitsmöglichkeiten in einen Topf zu werfen. Will jemand nach Südamerika gehen, so mag er sich darüber klar werden, daß selbst innerhalb des gleichen Staates schon Klima und Bevölkerung vermöge der weiten Ausdehnung der Grenzen über Zonen, in denen die Lebensbedingungen, wie sie die Natur selbst geschaff 1 hat, ganz erheblich voneinander abwcichen, auch für die Betätigung von Einwanderern die unterschiedlichsten Bedingungen erzeugen. Erst recht zeigt sich dies bei der Beurteilung der politisehen, und zw׳ar sowohl der staatsrechtlichen als auch der Verwaitungsverhältnisse der verschiedenen südamerikanischen Staaten untereinander sowie innerhalb des gleichen Landes, da zuweilen die einzelnen Provinzen, die früher selbständige Staaten gewesen sind, z. B. in Argentinien — genau wie in den Vereinigten Staaten von Nordamerika — eine eigene Gesetzgebung besitzen. Es kommt hinzu, daß die politische Lage und die Auffassung über die Behandlung von Ein- Wanderern innerhalb verhältnismäßig kurz e r Zeit, zumal bei einem Wechsel der Machthaber, mögen es Staatspräsidenten oder politische Parteien sein, einem grundlegenden Wechsel unterworfen sein können. Nur einige Großstaaten Südamerikas ertteuen sich, unabhängig von den Schwankungen der Politik und der Wirtschaft, derartig gefestigter Verhältnisse, daß, unbeschadet des Ausfalls der jeweiligen Parlamentswahlen und unberührt von dem etwaigen Wechsel in der Person des Staatsoberhaupts, wenigstens die Lage der eingesessenen jüdischen Bevölkerung des Landes seihst, als für einen längeren Zeitraum gesichert angesehen werden darf. Diese siidamerikanischen Großstaaten, die also eine gewisse Sonder- Stellung einnehmen, sind Argentinien, Brasilien und Chile. Aber auch dabei ist zu berücksichtigen, daß in manchen Bezirken dieser Länder, insbesondere in Brasilien und in Chile, auch da, wo es fast gar keine jüdische Bevölkerung gibt, doch oft eine heftige judenfeindschaft hervorbricht, die sich also nicht an die tolerante Haltung der Regierung kehrt. Von ausschlaggebender Bedeutung für das Schicksal, das eines jüdischen Einwanderers harrt, kann der Sturz Josef Parat DIE MITTLERE PFORTE ist der Titel unserer neuen Erzählung, mit deren Abdruck wir in der kommenden Freitag-Ausgabe beginnen. Die Welt des orthodoxen ungarischen Juden• tums in den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts wird in diesen Kindheitserinnerungen Josef Palais lebendig, die uns in das Milieu der Dorfjuden führen. Die ״Mittlere Pforte“ — ״Baba mezia" isl ein Talmudtraktat, und nun erleben wir mit, wie dessen Welt von der kindlichen Phantasie verarbeitet wird, als ein lebendiger Besitz, unlösbar verflochten mit dem Leben des Dorfes und des jüdischen Hauses; in beiden Welten hat das Chcder-Kind seine Heimat. Josef Patai, der bekannte ungarisch-jüdische Schriftsteiler, isl Herausgeber der Budapcster jüdischen Zeit- Schrift ״Mult cs Jöve“, die im vergangenen Jahre ihr 25jähriges Jubiläum feiern konnte. Er hat den zionislisehen Gedanken in Ungarn seit, vielen Jahren propagiert und sich große Verdienste um seine Ausbreitung erworbenln zwei Sprachen, hebräisch und ungarisch schreibend, ist er durch wissenschaftliche Arbeiten wie auch durch eine Reihe von Gedichthänilen und Erzählungen hervorgetreten. Auch ein Palästinabuch ist seiner Feder zu verdanken. Die UÜbersetzung seiner Erzählung von der ״Mittleren Pforte“ aus dem Ungarischen stammt von Ludwig Bato. einer Regierung werden. Das zeigt sich gegenwärtig in P a r a g u a y, einem Lande, auf das die Pläne mancher Juden aus Deutschland gerichtet sind, und zwar einfach deshalb, weil man gehört hat, daß es dort schon seit längerer Zeit eine jüdische Bevölkerung gibt und daß es sogar manche Juden zu einer ansehnlichen Position gebracht haben. Diese Tatsache ist richtig. Trotzdem kann heute einer Auswanderung von Juden nach Paraguay nicht das Wort geredet werden. Wenn sich die Juden dieses Landes in den letzten Jahren unparteiischer Behandlung erfreuten und ungefährdet ihrem, in dem armen, von kriegerischen Verwickelungen arg mitgenommenen Lande recht schweren Erwerb nachgehen konnten, so hat sich dies mit dem Sturz der Regierung und der damit verknüpften Aendcrung des Regierungssystems grundlegend gewandelt. An die Stelle einer parlamentarischen Regierung ist eine Diktatur getreten, und der neue Machthaber des Landes, Oberst Franco, der eine Art faschistischer Regierung gebildet hat, hat sich dadurch Anhang zu \ctschaffen gesucht, daß er eine scharfe Hetze gegen die Ausländer und die Juden unternommen hat, denen er die Schuld an der schlechten wirtschaftlichen Lage von Paraguay zuschreibt. Franco wendet sich an die notleidende Bevölkerung, an die studentische Jugend und an das Heer mit der Verdächtigung, daß, wenn die heimkehrenden Truppen dem Elend preisgegeben seien und wenn die Regierung ihnen nicht die versprochenen Belohnungen gewähren könne, dies darauf beruhe, daß die früheren Machthaber einschlicßlieh des abgesetzten Präsidenten ״im Solde der Kapitalisten und Wucherer“ gestanden hätten. Länger dürfe das Land aber nicht das Opfer der Ausbeutung werden. Dr. Max Wittenberg Jüdische Hilfsarbeit ״Wissen- Seinslind Wissenschaft Der Bericht des Zentralausschusses Der Arbeitsbericht des Zentralausschusses tür Hilfe und Aufbau und der Reichsvertretung der Juden in Deutschland für das Jahr 1935, der soeben vorgelegt wird, ist ein umfangreiches Dokument über die verschiedenen Aktionen, die auf allen Gebieten der jüdischen Arbeit im vergangenen Jahre durchgeführt worden sind, l>er Bericht stellt gleichsam einen Querschnitt durch das gesamte Gebiet der von den zentralen Stellen geleisteten Hiifs- und Aufbauarbeit dar und bildet einen Leitfaden durch die Bezirke der jüdischen Arbeit. Wir finden in ihm all das, was die Interessen der jüdischen Oeffentüchkeit in der Vergangenheit und auch heute aufs stärkste bewegt, auch die Fragen, die zu manchen Kontroversen Anlaß gegeben haben. I>r Bericht vermittelt einen imposanten Eindruck von der organisatorischen Leistung, die dieser Arbeit zugrunde liegt und von der Fülle der Aufgaben, die es zu bewältigen gilt. In der Einleitung wird auf die Aufgaben des abgelaufenen Jahres und auf die Zusammenarbeit mit Joint und Ica hingewiesen. Sodann folgt eine kurze Schilderung der Organisation, der Arbeit und ihres personellen Aufbaus; in diesem Rahmen wird die bekannte programmatische Erk I ä r u n g des Präsidialausschusscs der Reichs- Vertretung vom 22. 9. 1935 über die künftigen Aufgaben erwähnt. Die Tätigkeit des Zentralausschusses gliedert sich in die Abteilungen für Wanderung, Wohlfahrtspflege, Schulwerk, Wirtschaftshilfe und Berufsumschichtung. Jedem dieser Arbeitsgebiete ist ein ausführlicher Bericht gewidmet.. Der Abschnitt über Wanderung schildert die Planung im Wandcrungsausschuß, um sodann im einzelnen sich der Palästina- Wanderung, d. h. der Arbeit des Palästina-Amts der Jewish Agency, sowie der Wanderung nach den europäischen und überseeischen Ländern zuzuwenden. Die Probleme finanzieller, organisatorischer und beruflicher Art, die auf all diesen Ciebieten zu lösen sind, werden eingehend dargestellt. Schließlieh wird die Frage der Binnenwanderung, Dtirchwandenmg und Rückwanderung behandelt und eine Oesamlühcrsicht über die Wanderungsarbeit in den Jahren 1933 bis 1935 gegeben, die insgesamt 65 144 Menschen umfaßt, die aus Mitteln des Zentralausschusses unterstützt wurden. Der Abschnitt über Wohlfahrtspflege beschäftigt ach mit der Tätigkeit der Zentralwohlfahrtsstelle und schildert besonders die jüdische Wohlfahrtspflege in den kleinen Gemeinden, die Arbeit der Jüdischen Winterhilfe, die Ende 1935 75 000 Personen betreute, sowie eine Reihe wichtiger Sonderprobleme der Wohlfahrtsarbeit werden dargestellt. Es folgt der Bericht über das jüdische Schuhvcr k, aus dem zu ersehen ist, daß gegenwärtig von 44 000 jüdischen Schulkindern etwa 20 000 auf jüdischen Schulen untergebracht sind, gegenüber 10 000 im Jahre 1913. Im einzelnen wird über die Schulgründungen berichtet und über die Schwierigkeifen, die sich aus der zerstreuten Lage der jüdischen Bevölkerung ergaben. Weiterhin wird die Fragender Lehrer und der pädagogischen Hilfsmittel sowie das 9. Schuljahr in diesem Zusammenhänge erwähnt. Der Bericht der Wirtschaftshilfe behandelt die Kredithilfe, die jüdischen Darlehenskassen, das Arbeitsnachweiswesen und die f iilfsmaßnahmen für eine Reihe von Berufsgruppen wie Aerzte, Zahnärzte, Tierärzte, Apotheker, Hoch- Schullehrer und Künstler. dieses Teils referiert über die Be- Er schildert die Lage des Aus- Problem der Schaffung von Lehrsich Ende 1935 insgesamt 4768 Personen in der Berufsumschichtung befanden. Die Zusammenarbeit mit dem Hechaluz wird hierbei besonders eingehend erwähnt. 111 diesem Zusammenhänge ist ein besonderer Abschnitt der Hausgehilfinnenfrage gewidmet. In E r st a u s b i 1 d 11 n g befanden sich Ende 1935 2587 Jugendliehe, die zu den Beriifsumschiehtlern noch hinzutreten. T3er Bericht des Zentralausschusses wird mit einem Finanzbericht sowie mit der Darstellung des Problems der Leistungsfähigkeit der Juden in Deutschland abgeschlossen. Obwohl dieser Bericht eine Fülle sachlichen Materials und nüchterner Zahlen bringt, gibt er doch einen Einblick in das reale Lehen, das sich in der zentralen Hilfstätigkeit in allen seinen Schattierungen widerspiegelt. Die Last der Sorgen, die auf unserer Gemeinschaft liegen, kommt hier zu prägnantem Ausdruck und zugleich der Versuch, diese wenigstens in gewissein Umfange zu beheben. Der letzte Abschnitt rufsumschichtun g. bildungswerkes und das stellen und gibt an, daß Berichtigung. In dem Verzeichnis der an den Londoner Sachverständigcnberatungen der Jewish Agency teilnehmenden Personen in der vorigen Nummer muß es anstatt des im Text der JTA. angeführten Namens ״Dr. Felix Pinner“ richtig heißen: Dr. Ludwig Pinner aus Palästina, der Vertreter der Hitachduth Olej Germania. I % Der Oberkommissar des Völkerbundes für die Auswanderer aus Deutschland, General Sir Neill Malcolm, der auf der Durchreise von London nach dem Nahen Orient und Palästina in Paris geweilt hat, verhandelte mit der französischen Regierung über das Auswaiidererproblctn und wurde u.a.auch vom Völkcrbundsministcr Paul Boncour empfangen. 1

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