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Jüdische Rundschau · 1936-03-13 · Heft 21 (13.3.1936) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 21 (13.3.1936)
Date
1936-03-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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5efte 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 21, 13. II11936 Rasse und Denken Juden und Reichsfagswahl Die Tagespresse meldet: Nach dem Gesetz über das Rcichstagswahlrecht vom 7. Marz 1036 sind zum Reichstag wahlberechtigt sämtliche deutschen Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes, die bis zum Wahltage das 20. Lebensjahr vollendet haben, sofern sie nicht nach den allgemeinen Bestimmungen (Entmündigung oder Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte) vom Wahlrecht ausgeschlossen sind oder sofern nicht ihr Wahlrecht ruht. Nicht wahlberechtigt sind also Juden, d. h, solche Männer und Frauen, die von raindestens drei der Rasse nach volljüdischen Ciroßelterntcilen a b s t a m m e n. Ferner sind nicht wahlberechtigt die von zwei volljüdischen Großeltern abstammenden jüdischen Mischlinge (Männer und Frauen), die am 30. September 1035 der jüdischen Religionsgemeinschaft angchört haben oder nach dem 30. September 1035 in sie aufgenommen sind oder die am 30. September 1035 mit einem Juden verheiratet waren oder sich nach dem 30. September 1935 mit einem Juden verheiratet haben. Juden, sowie diejenigen jüdischen Mischlinge, auf die die vorgenannten Voraussetzungen /.!!treffen, haben sonach der Wahlurne fern/ubleibc ־, auch dann, wenn sie versehentlich in die Wahllisten eingetragen sind. Gehen sic dennoch eine Stimme ab, so machen sie sich nach § 2 des Gesetzes über das Reichstagswahlrecht strafbar. * Der Rcichsminister des Innern hat in einem Runderlaß bestimmt, daß die Wahllisten und Wahlkarteien unverzüglieh aut den laufenden Stand zu bringen sind. Mit allen Mitteln soll die gewissenhafte Aufstehung und Nachprüfung der Wahllisten sichergeslcllt werden. Die Ausscheidung der Juden und solcher Mischlinge, die als Juden gelten, aus den Wahllisten sei aus technischen Gründen nur teilweise möglich gewesen. Die Eintragung in die Wahllisten allein biete also keinen Nachweis für das Vorliegen des Wahlrechts. Der Minister verweist dabei auf die Strafb es t i m m 11 n g e n der Novelle zum Reiehswahlgcsetz, die bei unbefugter W'alilausiibung Gefängnis und Geldstrafe androht. In jedem Wahllokal sollen an auffallender Stelle Plakate filier die Wal!!berechtig 11 ng angebracht werden, worin ausdrücklich fcdgestellt wird, daß Juden und als solche geltende Mischlinge im Sinne des Reichsbürgergesetzes nicht wahlberechtigt sind. Das jüdische Schulwesen Die S c h u I ־ A b t e i 11111 g der Reichs Vertretung gibt bekannt: ״'Gemäß dein Erlaß des Reichserzichungsministeriums vom September vorigen Jahres soll zum neuen Schuljahr die angekündigte gesetzliche Neuregelung des jüd i s c 11 c ti Schulwesens in D cutschian d eingclcitet werden. Die Schul-Abtcilung der Reichsvertretung hat die mit der Neugestaltung des jüdischen Schtilwcrks zusammenhängenden Fragen sorgfältig überprüft. Sie bereitet organisatorische und pädagogische Maßnahmen vor, um gegebenenfalls den jüdischen Schulen und jüdischen Gemeinden bzw. Gemeindeverbänden in jeder Weise mit Rat und Tat zur Seite stehen zu können. Wir zweifeln nicht daran, daß es möglich sein wird, auch einen weiteren Aushau des jüdisehen Schulwerkes organisch, in planmäßiger Ueberleitung durchzuführen. Wir richten an alle jüdischen Stellen die dringende Bitte, uns durch vertrauensvolle Zusammenarbeit zu unterstützen. Den Eltern versichern wir, daß in gemeinsamer Arbeit der berufenen Instanzen des deutschen Judentums alles geschehen wird, was von uns geschehen kann, um die unterriclitliche und erzieherische Betreuung ihrer Kinder zu gewährleisten.“ ♦ Diese Mitteilung der Reichsvertretung verdient das Inter* esse weitester jüdischer Kreise, Wir glauben, ihr hinzufügen zu können, daß insbesondere die jüdischen Eltern ohne Unruhe der Entwicklung dieser Frage entgegensehen können. Es wird gewiß noch eine Fülle von Schwierigkeiten aut dem Gebiete des Schulwesens zu lösen sein, und es werden unseren jüdischen Instanzen eine Reihe von Aufgaben erwachsen, die in ihrem Umfange erheblich sind. Dennoch gilt es gerade jetzt, Geduld zu bewahren, um das abzuwarten, was aut organisatorischem und pädagogischem Gebiete vorbereitet wird. Nichts wäre so •verfehlt, als wenn einzelne Gruppen aus der Elternschaft Sonderaktionen unternähmen, die niemals im Interesse der Gesamtheit liegen können. Dlrektoren-Konferenz. Die Rcichsvertretung teilt mit: Auf Einladung der Rcichsvertretung traten am 2. März die Leiter der höheren jüdischen Schulen Deutschlands unter Vorsitz des Leiters der Schuhabteilung der Reichs- Vertretung zu einer Aussprache zusammen. Die Fragen des höheren jüdischen Schuttve-cns, sowohl die zur Zeit akuten, als diejenigen, die in nächster Zeit Aktualitäten haben können, fanden eingehende Erörterung. Hierbei wurden alle pädagogischen und organisatorischer, Aufgaben behandelt, vor die die höheren jüdischen Schulen angesichts der wachsenden Bedeutung des jüdischen Schulwesens gestellt sind. Es ergab sich weitgehende Uebcrcinstimmung in Ziel und Weg. Auch in Zukunft werden die Reiehsvcrtretung und die Leiter der höheren jüdischen Schulen eng zusammen arbeiten. Im Ausbildungslehrgang für jüdische Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen, Berlin, der von der Reiehsvcrtretung (Abt. Zentrahvohlfahrtsstelle) und dem Jüdischen Frauenbund eingerichtet ist, sind für den Mitte April beginnenden 2. Lehrgang noch einige Platze frei. Der Lehrgang ist staatlich genehmigt und dauert zwei Jahre. Voraussetzung für die Aufnahme ist: 1. die Vollendung des 17. Lebensjahrcs, 2. Obersektindareife oder Zeugnis über den erfolgreichen Besuch einer sechsklassigen Mädchenmittelschule, 3. hauswirtschaftliche Schulung. Falls die hauswirtschaftliehe Schulung nicht in einer anerkannten Haushaltungsschule erworben wurde, ist eine hauswirtschaftliche Aufnahmeprüfung abzulegen. Die Ausbildungskosten betragen monatlich 25 RM. und für Materialgeld 3 RM. Es besteht die Möglichkeit, daß auswärtige Schülerinnen in dem mit dem Seminar verbundenen Internat bei einem Pensionspreis von 55 RM. monatlich wohnen können. Aufnahmegesuche mit selbstverfaßtem Lebenslauf sowie Abgangszeugnis der Schule bzw. Zeugnisse über die bisherige Ausbildung und Anfragen an die Geschäftsstelle: Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Abt. Zentrahvohlfahrtsstelle, Berlin-Charlot* tenburg 2, Kantstr. 158, Wir haben in letzter Zeit mehrfach Gelegenheit gehabt, auf die Diskussion über die weltanschaulichen Grundlagen des Denkens insbesondere in der Naturwissenschaft hinzuweisen. Die Fragestellung geht dahin, ob der Ausgangspunkt des Forschens bei den verschiedenen Rassen der gleiche sein könne. Diese Erörterung setzt Dr. Christian J. Hansen in einem Aufsatz über ״Kant und die deutsche Naturwissenschaft'‘ im ״Völkischen Beobachter“ vom 11. März fort, in dem er davon ausgeht, daß die ״Naturwissenschaft in Deutschland in den letzten etwa drei Jahrzehnten volksfrcmd geworden“ sei. Der Verfasser wendet sich gegen die Auffassung, daß die Wissenschaff international sei: ״Denn wie Wissenschaft und Forschung betrieben wird . . . das ist eine Frage der Persönlichkeit und damit eine solche der Rasse. Das ist hier nicht anders als in der Politik. Denn wissenschaftlicher und politischer Charakter entspringen der gleichen Grundlage.“ Aus der Tatsache, daß Kant zeigen wollte, daß die Wissenschaft nicht einfach ein Produkt von äußeren Einflüssen ist, sondern daß der menschliche Geist entscheidend!nitwirkt, schließt der Autor: ״Wenn daher der Betrieb der Wissenschaft eines Landes in die Hände einer artfremden Rasse anderer geistiger Veranlagung übergeht, muß zwangsläufig etwas der Natur des Volkes nicht entsprechendes entstehen“. Die Rassen unter schic de werden wie folgt charakterisiert: ״Der Wert des arischen Menschen beruht auf dem Ueberwiegen der produktiven, d. h. der irrationalen Seite seiner Natur. Er unterscheidet sich dadurch von der semitischen Rasse, bei der die rationalistischen Fähigkeiten stark im Vordergrund liegen. Sie neigt daher stark zum Rationalismus, wofür ein Die Arbeit der ICA London, 10. März. (JTA.) Auf einer in London abgehaltenen Tagung des Verwalt 11 ngsrates der Jew i s 11 (3 01011 isation Association (ICA) berichtete Präsident Sir Osmond d’Avigdor Golds in i d zusammenfassend über die von diesem Verband geleistete Arbeit. Fr führte n, a. über die Hilfsarbeit für Juden aus Deutschland aus: Die Lage in Deuts c h 1 a n d beschäftigt die ICA von Anfang März 1933 an. Auswanderer in großer Zahl trafen in Frankreich ein; ein Teil von ihnen wurde von dem Vereinigten Jüdischen Ausu aiiderervcrband H IC E M weitergeleitet, mit den übrigen befaßte sich trier Zuhilfenahme von Mitteln, die die ICA gemeinsam mit anderen jüdischen Organisationen zur Verfügung stellte, das Comitc National. Ueber 17 000 Personen wurden in den Listen dieses Comites geführt; einer Anzahl von Familien stand es bei ihrer Niederlassung in Frankreich bei. Die Auswanderung anderer wurde durch Vermittlung von HICEM bewerkstelligt; dieser Verband leistete auch Hilfe hei der Lösung der Auswandererfrage in Belgien, Hol'and, der Tschechoslowakei, Polen, Oesterreich usw. Ueber 5393 Menschen wurden nach Uebersce gebracht, weitere 8000 in Europa seßhaft gemacht. Gleichzeitig wurden Mittel für Auswanderer zur Verfügung gestellt, die unmittelbar aus Deutschland in eine neue Heimat gingen; in den sechs Monaten bis Ende Dezember 1934 konnten mit Hilfe der gemeinsam mit anderen Körperschaften zur Verfügung gestellten Mittel 81 18 Menschen Deutschland verlassen. Eine Anzahl jüdischer Familien aus Deutschland, fuhr Sir Osmond fort, haben wir in unseren Kolonien in Argentinien untergebracht,• die ersten 24 Familien, die von unseren Vertrauensleuten ausgesucht wurden, sind dort bcreits eingetroffen. Gleichzeitig wählen wir in Deutschland besonders deutliches Beispiel die Verunstaltung der Kantisehen Philosophie durch die unter jüdischer Führung stehende Marburgcr Schule, den sog. ״Neukantianismus“ ist. Dessen oberster Grundsatz kann daher durch den Begriff ,Logik des reinen Denkens‘ gekennzeichnet werden.“ Auch in der demokratischen Lehre von der Gleichheit aller Menschen sieht Hansen eine solche ״geistige Mechanisierung“. Im Gegensatz zur Vergangenheit, in der Beobachtung und Experiment im Vordergrund der naturwissenschaftlichen Arbeit standen, sähe es heute auf den deutschen Hochschulen wesentlich anders aus. ״Nur wenige und nicht besonders angesehene Forscher der experimentellen Richtung, vorwiegend der Vorkriegsgeneration angehörend, leben heute noch auf unseren Hochschulen, die sich eine gesunde wissenschaftliche Anschauung erhalten haben. Nur wenige Forscher der jüngeren Generation waren dagegen innerlich selbständig und stark genug, unbeeinflußt durch den rationalistischen Geist aut den Hochschulen den wahren Weg der Forschung zu gehen. Unsere heutigen Physiker und Chemiker sind vielfach keine Physiker oder Chemiker, sondern eine Abart von Mathematikern. Sie verwechseln die Mathematik, die in der Physik lediglich Handwerkszeug ist, mit der Wissenschaft selber, der sie dienen soll. Und das heute immer noch, trotzdem sich bis in die letzte Zeit immer wieder gezeigt hat, daß bedeutende und wertvolle Entdeckungen nicht durch die mathematisch verbrämte Theorctisiererci, sondern ausschließlich durch gründlich betriebene experimentelle Forschung gemacht werden. Relativitätstheorie, Quantenmechanik, Wellcntlieorie usw. haben weder der Wissenschaft, noch Technik, den geringsten Gewinn gebracht.“ eine Anzahl junger Menschen aus, die in Argentinien selbst die Landwirtschaft erlernen sollen; von ihnen werden 50 bei unseren Kolonisten und weitere 15 in Landwirtschaft»■ schulen untergebracht werden. Man hofft, daß diese jungen Leute am Schluß des Jahres ihre Angehörigen werden nachkommen lassen können; damit würden weitere 65 Familien aut unserem Landbesitz angesiedelt werden. Dazu kommen noch 50 junge Leute, die unmittelbar auf jetzt für sie zur Verfügung stehendem Boden angesiedelt werden. Gleichzeitig planen wir auch die Schaffung von Siedlungen in Brasilien auf Gebieten, die von den Städten aus verhältnismäßig leicht erreichbar und für intensive Bewirtschaftung geeignet sind. In sehr beträchtlichem Umfang, erklärte Sir Osmond weiter, haben wir an der Durchführung von U in sch ichtun gs planen mitgearbeitet und durch die Foundation haben wir gemeinsam mit dem Joint Distribution Committee an der Errichtung von 59 Darlehenskassen in Deutschland mitgehoifen. Außerdem wurden Mittel für die kleinen Leihkassen zur Verfügung gestellt, die in Städten gegründet wurden, wo Ausgewanderte si 11 augeiibück'ich aufhalten,_ wie London, Paris, New York und Amsterdam, und ein erheblicher Betrag wurde der Bank der Kooperativgesellschaften in Palästina zwecks Erleichterung der Niederlassung von Auswanderer!! aus Deutschland in diesem Lande übergehen. Ferner wurdet! durch unsere Tochtergesellschaft, _ die E A4 1C A, in Palästina 60 Familien, die zum größten Teil Auswanderer aus Deutschland sind, auf dem Lande, angesiedelt. Andere Palästina betreffende Pläne von großer Bedeutung beschäftigen uns seit langer Zeit aufs ernsthärteste, Diese Aufzählung der zugunsten von Juden aus Deutschland geleisteten Arbeit betreffe Leistungen, die bisher eine Ausgabe von etwa 260 000 Pfund bedingt haben. Eiste jüdische Schule in Paris Von unserem Berichterstatter K. Paris, im März Der stärkere Pulsschlag, den das jüdische Leben in Frankreich durch die Ereignisse der letzten fahre erhalten hat, wird auf allen Gebieten der jüdischen Arbeit fühlbar. Die Gründung des ״College Mai'monide“, der ersten höheren jüdischen Schule in Frankreich, die junge jüdische Menschen bis zur Univcrsitätsreife vorbereitet, kann in Zukunft zur geistigen Erneuerung des französischen Judentums beitragen. Die neue Schule, im Herzen des Quartier Latin, des französischen Studcntcnvicrtels, gelegen, hat hewußt mit den bisherigen Traditionen der jüdischen Schule in Frankreich, dein Geist der Philanthropie, gebrochen. Sie wendet sich vor allem an die Kinder der besitzenden Schicht der französischen Juden und will in ihrem Untcrrichtsprogramm den Leistungen der französischen höheren Schule Ebenbürtiges bieten. Neben der allgemeinen französischen Schulbildung sollen aber die Schüler des ״College Mai'monide“ dem Geist des Judentums treu hleiben oder überhaupt erst in das Wesen des Judentums eingeführt werden, um später — wie es im Schulprogramm heißt — ״eine Elite zu bilden, die eine führende Rolle im französischen Judentum spielen kann“, in der Divergenz, die zwischen dem Geist einer modernen weltlichen Schule und den religiösen Gebundenheiten einer traditionellen Schule bestehen, versucht die neue Schule, einen mittleren Weg einzuschlagen. Den Absolventen der Schule steht sowohl der Weg in die rabbinischc Schule wie zur Universität offen. Das jüdische Wissen, das neben dem allgemeinen Untcrrichtsprogramm vermittelt wird, umfaßt klassisches und modernes Hebräisch, Bibel und Talmud, jüdische Geschichte una Literatur und im letzten Jahr jüdische Philosophie. Die Schulleitung, die in den Händen von Marc Cohn, einem elsässischen Juden, liegt, legt besonderes Gewicht darauf, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern ihre Schüler auch pädagogisch zu erfassen. Ein enger menschlicher Konnex zwischen Lehrer und Schüler soll gewahrt bleiben. Die jüngeren Schüler der Schule werden der in Frankreich sehr aktiven jüdischen Scoutbewegung cingegliedert, deren Leiter auch dem Verwaltungsrat der Schule angehört. Die Schule will sich keineswegs darauf beschränken, die jungen jüdischen Menschen nur für die intellektuellen Berufe vorzubereiten, sondern sieht einen besonderen Lehrgang als Vorbereitung für die kommerziellen und t e c h ־ nischen Berufe vor. Werkunterricht und Körperausbildung werden gepflegt. Vorläufig hat es aber — was aus der Situation der franz.ösiscl!en jüdischen Jugend erklärlieh ist — den Anschein, als ob die intellektuelle Seite der Ausbildung stärker betont wird als die Entwicklung der körperlichen Fähigkeiten. Die Schule hat heute erst etwas über 100 Schüler. Entscheidend wichtig ist vor allem, daß sie von jungen Menschen geleitet und in einem Geist geführt wird, der sich bemüht, in der jüdischen Jugend Frankreichs den Sinn für das Judentum zu erwecken und der andererseits auch die Gegensätze der Gruppen innerhalb der in Frankreich lebenden Juden durch Formung einer jüdischen Jugend überwinden will. Die Schule will sich in nächster Zeit auch eine besondere Klasse für die Kinder der jüdischen Emigranten aus Deutschland angliedem, um ihnen zugleich den Weg zur französischen Kultur und zu einem bewußten Judentum zu erschließen. Budapester Brief Von unserem Berichterstatter Budapest, 8. März Die Pester Israelitische Gemeinde hat dieser Tage die 300 Mitglieder ihres Vertrctiingskörpcrs neugewählt. Von den mehr als 200 000 Juden Budapests sind etwa 65 000 Steuerzahlende Mitglieder der Gemeinde, doch nur 15 000 inkorporiert, also stimmberechtigt. Abgestimmt hat ungefähr ein Drittel von ihnen, und zwar auf die Einheitsliste der vom bisherigen Gemeindepräsidenten Hofrat Samuel Stern geleiteten üemeindepartei, mit der auch die anfangs oppositioncllc Zionistische Organisation — aus taktischen Gründen — ein Abkommen getroffen hatte. Infolgedessen kamen nun zum ersten Male acht Zionisten in die Repräsentanz, ebensoviel Mitglieder derselben dürften palästinafreundlich sein. Außerdem erhielt die Partei das Versprechen, daß die Gemeinde der Palästina-Arbeit größeres Interesse entgegenbringen mul auch die Wahlordnung umändern werde. Unter Führung von Hofrat S. Stern erschienen die Vertreter der beiden jüdischen Parteien beim Minister- Präsidenten G ö m b ö s und übergaben ihm eine umfangreiche Denkschrift, in der die Wünsche und Beschwerden der ungarischen Judcnhcit zusaninicngcstellt waren. Der Regierungschei versprach, das Memorandum einer gründlichen Prüfung zu unterziehen und die etwa notwendigen Verfügungen zu treffen. Inzwischen vergeht kaum ein Tag, an dem die Judenfrage im Parlament nicht zur Sprache käme. Während der Debatte über die Gewerbenovelle sprach der frühere Minister-׳ Präsident Stefan Friedrich über die praktischen Folgen und Lehren des — von seiner Regierung initiierten — numerus clausus. Es sei notwendig, erklärt derselbe ln einer Zeitungsäußerung, daß Gewerbe und Handel den lntentionen der Regierung entgegenkommen und freiwillig ihr zur Hilfe eilen, indem sie ihre bisher versperrten Tore der Jugend öffnen, und innerhalb der Grenzen der materiellen Möglichkeiten den Nachwuchs fördern, der auf diesem Oe-׳ biet fast vollständig untätig sei. Von Zwangsmaßregeln gegenüber den Unternehmungen sei keine Rede. Dr. A. F. Das ״Recht des Reichsnährstandes“ teilt einen Beschluß des Landgerichts Lenzen (Elbe) vom 19. Oktober 1935 mit, in dem der Verkauf eines landwirtschaftlich genutzten Grundstü cks an einen Juden als nicht i g bezeichnet wird. AUSLANDSAMMELVERKEHRE Lins, Möbel- Iransport, Lag•׳ rung, Spedition Umzüge BISMARCK BARBAROSSA STEINPLATZ Berlin W 18, KurfUrstendamm 211 obenbaum GEP'ACKFAHRT 8888 fe ritt m tf

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